Werk:De ven. sap./62
62▷Hinc non est illa positio vera, quod ante posse fieri sint dei participantes unum tamquam divinam speciem. Nam cum unum aeternum sit immultiplicabile, quia ante posse multiplicari, non possunt dii multi esse in uno ut primo aeterno deo quasi in divina specie uniti. [1] Nam si essent dii, multi essent. Varie igitur divinam naturam in aeternitate participarent, quod est impossibile, cum aeternum sit et aeternitas simplicissima penitus imparticipabilis. Supervacuos igitur fecit Proclus labores in sex libris De theologia Platonis volens investigare ex coniecturis incertis deorum illorum aeternorum [2] differentias et ordinem ad unum deum deorum, cum non sit nisi deus unus aeternus, qui ad omnia, propter quae ipse deos ponit, sufficientissimus est huius totius mundi administrator.
Übs. Sg.
Demgemäß kann jene Behauptung nicht stimmen, wonach es vor dem Werden-Können Götter gibt, welche am Einen als an der göttlichen Art teilhaben. Denn da das ewige Eine unvermehrbar ist, weil es früher ist als die Möglichkeit der Vervielfachung, deshalb kann es nicht viele Götter geben, die im Einen als im ersten, ewigen Gott gleichsam in der göttlichen Art geeint sind. Wenn es Götter gäbe, wären sie eine Vielzahl. Sie würden folglich in verschiedener Weise an der göttlichen Natur in Ewigkeit teilhaben, was unmöglich ist, da das Ewige und die völlig einfache Ewigkeit sich der Teilnahme gänzlich verschließt. Überflüssige Mühe machte sich demnach Proklus[3], 104 wenn er in den sechs Büchern Von der Platonischen Theologie aus zweifelhaften Vermutungen die Unterschiede zwischen jenen ewigen Göttern und ihre Beziehung zum einen Gott der Götter erforschen möchte, denn es gibt nur einen ewigen Gott, der für alles, wozu Proklus Götter annimmt, der absolut hinreichende Lenker die- ses gesamten Alls ist.
Übs. Dp.
Daher ist jene Behauptung, daß vor dem Werden-Können Götter seien, die an dem Einen, wie an einer göttlichen Eigengestalt teilhaben, nicht wahr. Denn da das ewige Eine, das vor der Möglichkeit der Wiederholbarkeit liegt, nicht vervielfältigt werden kann, kann es nicht viele Götter geben, im Einen als im ersten, ewigen Gott gleichsam als in göttlicher Eigengestalt geeint. Wenn es so wäre, gäbe es viele Götter. Sie würden auf verschiedene Weise an der göttlichen Natur in der Ewigkeit teilnehmen. Das ist aber unmöglich, da sie das Ewige ist und die ganz einfache Ewigkeit in keiner Weise mitgeteilt werden kann.
Deshalb gab sich Proklos vollkommen überflüssig Mühe, als er in den sechs Büchern der Theologia Platonis auf Grund unsicherer Gesamtaussagen erforschen wollte, welche Unterschiede zwischen jenen ewigen Göttern seien und in welchem Verhältnis sie zu dem einen Gott der Götter stünden; denn es gibt nur den einen ewigen Gott, der diese ganze Welt regiert und der für alles genügt, für das Proklos jene postuliert.