Werk:De ven. sap./68
▷[1]Campum aequalitatis venationibus refertum subintremus. Certum est nihil, uti est actu, multiplicabile. Aequalitas enim, quae id [2] est quod esse potest, cum sit ante aliud et inaequale, non reperitur nisi in regione aeternitatis. Aequalitas vero, quae potest fieri aequalior, posse fieri sequitur. Unde aequalitas, quae est actu id quod esse potest, immultiplicabilis est. Ipsam enim in aeternitate aeterna gignit unitas. Non possunt igitur plura esse praecise aequalia. Non enim [3] tunc plura essent, sed ipsum aequale. Sicut enim bonitas, magnitudo, pulchritudo, veritas et reliqua, quae in aeternitate sunt ipsa aeternitas, sunt etiam ita aequalia quod aequalitas, quae aeternitas, ideo non sunt plura; sicut nec plura aeterna esse possunt, cum aeternum sit ipsum possest, scilicet id quod simpliciter esse potest. Et ita omnia [4] aeterna non sunt plura aeterna, sicut aeterna bonitas, aeterna magnitudo, aeterna pulchritudo, aeterna veritas, aeterna aequalitas non sunt plura aeterna. Sic nec plura aequalia, quia sic sunt aequalia quod ipsa aequalitas simplicissima, quae omnem pluralitatem antecedit.
Übs. Sg.
Wir wollen das Feld der Gleichheit betreten, das eine Fülle von Jagdmöglichkeiten bietet. Sicher ist, daß sich nichts verviel- fachen läßt, so wie es wirklich ist. Die Gleichheit nämlich, die das ist, was sie sein kann, findet sich nur im Gebiet der Ewig- keit, da sie Seinsvorrang vor dem anderen und dem Ungleichen hat. Diejenige Gleichheit indes, die gleicher werden kann, folgt dem Werden-Können nach. Deshalb ist die Gleichheit, die wirklich das ist, was sie sein kann, einer Vervielfachung nicht fähig. Sie wird in Ewigkeit von der ewigen Einheit gezeugt. Es können deshalb nicht mehrere Gegenstände im vollen Sinne gleich sein. Sie wären dann nämlich nicht eine Mehrheit von Gegenständen, sondern wären das Gleiche selbst. So sind die Gutheit, die Größe, die Schönheit, die Wahrheit usw., die in der Ewigkeit die Ewigkeit selbst sind, auch in der Weise gleich, daß sie die Gleichheit sind, welche die Ewigkeit ist; damit sind sie aber eben nicht eine Mehrheit.
Ebenso kann eine Mehrheit von Gegenständen unmöglich ewig sein, denn das Ewige ist das Können-Sein selbst, d. h. das, was einfachhin sein kann. Und so ist alles Ewige nicht eine Mehrheit von ewigen Dingen, wie ja die ewige Gutheit, die ewige Größe, die ewige Schönheit, die ewige Wahrheit, die ewige Gleichheit nicht eine Mehrheit von ewigen Dingen sind. Ebenso kann es auch keine Mehrheit von gleichen Dingen geben, weil sie in einer Weise gleich sind, daß sie die völlig ein- fache Gleichheit selbst sind, die aller Mehrheit voraufgeht.
Übs. Dp.
Wir wollen das Feld der Gleichheit betreten, das reich an Möglichkeiten für unsere Jagd ist.
Gewiß ist nichts so wie es tatsächlich ist, wiederholbar. Die Gleichheit, die das ist, was sie sein kann, steht vor dem Andern und Ungleichen und wird daher nur im Bereich der Ewigkeit gefunden. Die Gleichheit aber, die noch gleicher werden kann, folgt dem Werden-Können. Darum ist die Gleichheit, die als Wirklichkeit ist, was sie sein kann, unwiederholbar. Denn sie wird in der Ewigkeit von der ewigen Einheit gezeugt.
Daher können nicht mehrere Dinge genau gleich sein; sie wären somit nicht mehrere Dinge, sondern das Gleiche selbst. So wie die Güte, Größe, Schönheit, Wahrheit usw., die in der Ewigkeit diese selbst sind, auch so gleich sind, daß sie die Gleichheit sind, welche die Ewigkeit ist, sind sie nicht mehrere, weil es nicht mehrere Ewige geben kann, da das Ewige das Können-Ist selbst ist, nämlich das, was schlechthin sein kann. Und so ist alles Ewige nicht eine Vielzahl von Ewigen, wie auch die ewige Güte, Größe, Schönheit, Wahrheit und Gleichheit nicht eine Vielzahl von Ewigen sind; ebenso gibt es auch nicht eine Vielzahl von Gleichen, weil sie dergestalt Gleiche sind, daß sie die einfachste Gleichheit selbst sind, die jeder Vielheit vorangeht.