Werk:De ven. sap./70
70▷Patet omnia aequalia, quae <non> sunt ipsa absoluta aequalitas, aequaliora fieri posse. Et hoc posse fieri omnium non diffinitur nec determinatur nisi per ipsam aequalitatem posse fieri praecedentem, quae sola est non aliud ab omni, cunctis inter se inaequaliter [1] inaequalibus, licet nullum omnium sit aequalitatis expers, per quam quodlibet est id quod est aequaliter, quia nec plus nec minus et penitus non aliud quam id quod est. Nam aequalitas est verbum illud ipsius non aliud, scilicet dei creatoris se et omnia dicentis et diffinientis. [2]
Omnia igitur inter se inaequalia aequalitatem quasi cuiuslibet essendi formam participant, et in hoc aequalia sunt; et quia illam inaequaliter participant, inaequalia sunt. Concordant igitur pariter et differunt omnia. Quaecumque species, sicut est unitas uniens in se omnia suae speciei, ita et aequalitas aequaliter unita formans; similiter [3] et omnium nexus.
Et quia de aequalitate alias Romae late scripsi, haec sic sufficiant. .
Übs. Sg.
Offenbar können ale gleichen Gegenstände, die nicht die absolute Gleichheit selbst sind, noch gleicher werden. Und dieses Werden-Können von allen findet seine Bestimmung und Begrenzung nur in der Gleichheit selbst, die dem Werden-Können vorangeht. Sie allein ist gegenüber allem ein Nicht-Anderes, während alle Dinge untereinander in ungleicher Weise ungleich sind, mag auch keines von allen der Gleichheit ermangeln, durch die jedwedes das ist, was es in gleicher Weise ist, weil es nicht mehr und nicht weniger und durchaus nichts anderes ist als das, was es ist. Denn die Gleichheit ist jenes Wort des Nicht-Anderen selbst, eben des Schöpfergottes, der sich und alles mit Namen nennt und bestimmt.
Alle untereinander ungleichen Dinge haben also an der Gleichheit als an der Seinsform eines jeglichen teil und sind darin gleich; und da sie in ungleicher Weise an ihrteilhaben, deshalb sind sie ungleich. Alle Dinge stimmen also gleicherweise überein und unterscheiden sich. Wie jedwede Art eine Einheit ist, die in sich alle zu ihrer Art gehörigen Gegenstände vereinigt, so formt auch die Gleichheit in gleicher Weise geeinte Gegenstände; in ähnlicher Weise gilt das auch von der Verbindung aller Dinge.
Da ich Über die Gleichheit einst in Rom ausführlich geschrie- ben habe, mögen diese Andeutungen in dieser Form genügen.
Übs. Dp.
Daraus geht klar hervor, daß alles Gleiche, das nicht die absolute Gleichheit ist, noch gleicher werden kann und daß dieses Werden-Können aller Dinge nur durch eine ihm vorangehende Gleichheit begrenzt und beendet werden kann. Sie allein ist das Nicht-Andere von allem; alles übrige ist auf ungleiche Weise untereinander ungleich, wenn auch nichts von allem von der Gleichheit ausgeschlossen ist, durch die alles Seiende auf gleiche Weise das ist, was es ist, weil es nicht mehr und nicht weniger und vor allem nichts anderes ist als das, was es ist.
Denn die Gleichheit ist jenes Wort des Nicht-Andern, d. h. des Schöpfer-Gottes, der sich und alles nennt und bestimmt. Alle untereinander Ungleichen haben daher an der Gleichheit als an der Gestalt eines jeden Seienden teil. Darin ist alles einander gleich; dadurch aber, daß es an ihr auf ungleiche Weise teilhat, ungleich. Folglich steht alles gleicherweise in Einklang und Verschiedenheit. So wie jede Eigengestalt die Einheit ist, die alles zu ihr Gehörige zusammenfaßt, ist sie auch die Gleichheit, die auf gleiche Weise das Geeinte gestaltet. Auf ähnliche Weise ist sie auch die Verknüpfung von allem.
Da ich schon früher in Rom ausführlich über die Gleichheit geschrieben habe, möge das genügen.