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Werk:De ven. sap./73

aus AufEinWort, der freien Forschung

73▷Iam vides amorem, qui nexus est unitatis et entitatis, naturalissimum esse. Procedit enim ex unitate et aequalitate, quae sunt eius [1] principium naturalissimum. Ab illis enim spiratur nexus, in quo desideriosissime conectuntur. Nihil igitur illius amoris expers, sine quo nec quicquam persisteret. Omnia igitur penetrat invisibilis conexionis spiritus. Omnes mundi partes intra se hoc spiritu conservantur et toti mundo conectuntur. Hic est spiritus animam corpori [2] conectens, quo exspirato cessat vivificatio.

Intellectualis natura numquam privabitur spiritu tali conexionis, cum ipsa sit spiritualis naturae. Unitas enim et entitas intellectualis naturae intellectuales cum sint, intellectuali nexu constringuntur. Nexus vero amoris intellectualis non potest deficere nec [3] exspirare, cum intelligere pascatur immortali sapientia. Nexus igitur naturalis intellectualis naturae ad sapientiam inclinatae ipsam naturam intellectualem non solum, ut sit, conservat, sed ad id, quod naturaliter amat, ut illi conectatur, adaptat. Spiritus igitur sapientiae in spiritum intellectus, ut desideratum in desiderans, secundum [4] fervorem desiderii descendit et convertit spiritum intelligentiae ad se, qui ei amore nectitur, – «ignis instar»[5], ut ait Dionysius, quae «sibi unita iuxta singulorum aptitudinem»[6] assimilat. Et in hoc amoris nexu felicitatur intellectus et vivit feliciter.

Hoc pauci philosophi cognoverunt. Principium enim conexionis, [7] sine quo nihil subsistit et omnis intellectualis natura felicitate careret, non reperitur eos cognovisse. Sed quia in illo defecerunt, veram sapientiam non attigerunt. Alibi multa de hoc, in variis etiam sermonibus, dixi et scripsi, quae sic recapitulasse sufficit.

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Übs. Sg.

Du siehst bereits, wie die Liebe, welche die Verbindung von Einheit und Seiendheit ist, ganz natürlich ist. Sie geht nämlich hervor aus Einheit und Gleichheit, die ihr natürlichster Ursprung sind. Von ihnen wird die Verbindung gehaucht, in der sie in glühendem Verlangen sieh vereinen. Nichts ist also jener Liebe bar, ohne die nichts Bestand hätte. Alles also durchdringt der unsichtbare Geist der Vereinigung. Ale Teile der Welt werden in sich durch diesen Geist erhalten und mit dem Ganzen der Welt verbunden. Dieser Geist ist es, der die Seele mit dem Körper verbindet; wird er ausgehaucht, so hört die Belebung auf.

Die Vernunftnatur wird niemals eines solchen Geistes der Vereinigung entbehren, da sie selbst geistiger Natur ist. Da näm- lich Einheit und Seiendheit der Vernunftnatur vernünftig sind, so werden sie durch ein vernünftiges Band zusammengehalten. Das Band der geistigen Liebe aber kann nicht schwinden und erlöschen, da das geistige dern gleicht sie dem Gegenstand ihrer natürlichen Liebe an, damit sie mit ihm verbunden wird. Der Geist der Weisheit also steigt zum Geist der Vernunft wie das Ersehnte zum sich Sehnenden gemäß der Glut des Verlangens herab und wendet den Geist der Vernunft zu sich. Dieser verbindet sich mit ihm in Liebe, ›dem Feuergleich‹, das - wie Dionysius sagt[8] – ›sich das mit ihm Vereinigte angleicht, soweit die einzelnen Gegenstände dazu befähigt sind, Und in dieser Liebesverbindung findet die Vernunft ihr Glück und lebt glücklich.

Das haben nur wenige Philosophen erkannt. Man findet nämlich nicht, daß sie den Ursprung der Verbindung erkannt haben, ohne dennichts Bestand hat und jede Vernunftnatur des Glücks entbehren müßte. Dadurch aber, daß sie darin irrten, konnten sie die wahre Weisheit nicht erreichen. Ich habe anderswo, auch in verschiedenen Predigten, vieles darüber gesagt und geschrie- ben, dessen Zusammenfassung in dieser Form genügen mag.

Übs. Dp.

Du siehst damit, daß die Liebe, die Verknüpfung der Einheit und Seiendheit, ganz natürlich ist. Sie geht aus der Einheit und Gleichheit hervor, die ihr natürlichster Ursprungsgrund sind. Aus ihnen entströmt die Verbindung, in der sie voll Sehnsucht verknüpft werden.

Nichts ist von dieser Liebe ausgeschlossen; ohne sie kann nichts bestehen bleiben. Alles durchdringt der unsichtbare Geist-Hauch dieser Verbindung. Alle Teile der Welt werden untereinander durch diesen Geist-Hauch erhalten und mit dem Ganzen der Welt verknüpft. Dies ist der Hauch, der die Seele dem Körper verbindet und bei dessen Verschwinden das Lebendigsein weicht. Die vernünftig denkende Natur wird niemals dieses Geist-Hauches der Verbindung beraubt werden, da sie selbst geistiger Natur ist.

Da die Einheit und Seiendheit der geistigen Natur geistig sind, werden sie durch eine geistige Verknüpfung verbunden. Die Verknüpfung der geistigen Liebe kann nicht aufhören noch enden, da das geistige Verstehen durch unsterbliche Weisheit genährt wird. Die natürliche Verknüpfung der geistigen Natur, die der Weisheit gegenübersteht, bewahrt daher diese Natur nicht nur so, wie sie ist, sondern paßt sie auch dem an, was sie von Natur aus liebt, damit sie mit ihm verknüpft werde.

Der Geist der Weisheit steigt in den Geist des Denk-Wirklichen herab wie das Ersehnte in das Ersehnende gemäß der Glut dieses Sehnens und wendet den Geist der Einsicht zu sich, der ihm in Liebe verbunden ist, gleich dem Feuer, wie Dionysius sagt, das die ihm geeinten Dinge gemäß ihrer Eignung sich angleicht; in dieser Verknüpfung der Liebe wird der Geist beglückt und lebt glücklich.

Das erkannten wenige Philosophen. Sie scheinen das Prinzip der Verknüpfung, ohne das nichts besteht und die ganze geistige Natur des Glückes entbehren müßte, nicht erfaßt zu haben. Weil sie es daran fehlen ließen, erreichten sie die wahre Weisheit nicht. Andernorts habe ich in verschiedenen Predigten viel darüber gesagt und geschrieben und deshalb soll das hier Rekapitulierte genügen.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20
  5. ↑ Dionysius Areopagita De eccles. hier. II 1 (PG 3 393A; Dionysiaca II 1113) secundum versiones Ambrosii Traversarii et Iohannis Scotti Eriugenae.
  6. ↑ Dionysius Areopagita De eccles. hier. II 1 (PG 3 393A; Dionysiaca II 1113) secundum versiones Ambrosii Traversarii et Iohannis Scotti Eriugenae.
  7. ↑ Z.25
  8. ↑