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Werk:De ven. sap./81

aus AufEinWort, der freien Forschung

81▷Quid est autem quod terminum ponit nisi mens et sapientia? Mens enim, ut optime Anaxagoras videbat, confusam possibilitatem determinat et discernit movetque cuncta, ut ad terminum suum, quem eis praedeterminavit, perveniant. Haec rerum exemplaria [1] diffinivit, quae sunt – ut optime vidit Dionysius De divinis scribens nominibus – rerum rationes in ipsa praeexsistentes, secundum quas divina sapientia omnia praedestinavit seu praedeterminavit produxitque.  Quid igitur aliud sunt exemplaria illa, de quibus etiam supra habes, quam termini determinantes omnia? Certum est omnium [2] illarum divinam mentem terminum. Ipsa enim illa in se rationabiliter determinavit. Dum respicis ante posse fieri et humaniter consideras deum ab aeterno concepisse velle creare, utique, cum nihil esset creatum, neque caelum neque terra neque angeli nec aliud quicquam, non fuerunt illa plus creabilia quam alia, quae nihil commune [3] cum istis habent et de quibus nullum possumus conceptum facere. Sed deus ipse determinavit intra suum conceptum, quod mundum istum seu hanc, quam videmus, pulchram creaturam crearet.

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Übs. Sg.

Was aber ist es, was die Grenze setzt, es sei denn der Geist und die Weisheit? Der Geist begrenzt ja, wie Anaxagoras[4] sehr gut sah, die verworrene Möglichkeit, er unterscheidet und bewegt alles, um es zu seiner Umgrenzung, die er im voraus festgesetzt hat, gelangen zu lassen. Diese Urbilder der Dinge hat erin ihrem Wesen festgelegt. Sie sind – wie das Dionysius, der Verfasser des Buches Über die göttlichen Namen,[5] sehr wohl erkannte – die im Geiste vorher bestehenden Wesenheiten der Dinge. Ihnen gemäß hat die göttliche Weisheit alle Dinge vorher bestimmt oder vielmehr im voraus umgrenzt und hervorgebracht. Was also sind jene Urbilder, über die du auch oben bereits Bemerkungen findest, anderes als die alles umgrenzenden Grenzen? Sicherlich ist für sie alle der göttliche Geist die Grenze. Er hat sie in sich vernunftgemäß umgrenzt. Richte deinen Blick auf das, was dem Werden-Können vorausliegt, und bedenke mit deinem mensch- lich gebundenen Denken, daß Gott von Ewigkeit her den Plan hatte, erschaffen zu wollen. Als nichts geschaffen war, nicht der Himmel, die Erde, die Engel, noch sonst irgendetwas, da hatten doch diese Dinge keinerlei Vorrecht geschaffen zu werden gegenüber anderen, die mit ihnen nichts gemein haben und von denen wir uns keinen Begriff machen können. Doch Gott selbst bestimmte in seinem Denken, daß er diese unsere Welt schaffe oder diese herrliche Schöpfung, die wir schauen.

Übs. Dp.

Was anders aber setzt Ziel und Grenze, wenn nicht Geist und Weisheit? Der Geist nämlich bestimmt – wie Anaxagoras richtig sah – die gestaltlose Möglichkeit, und sondert und bewegt alles, auf daß es zu seiner von ihm vorbestimmten Ziel-Grenze gelange. Er bestimmt und umgrenzt die Urbilder der Dinge, die – wie Dionysius in «De divinis nominibus» sehr wohl erkannte – die Wesensbestimmung der in ihm vorgegebenen Dinge sind, und gemäß denen die göttliche Weisheit alles vorherbestimmte und hervorbrachte. Was anderes sind also jene oben erwähnten Urbilder als die alles bestimmenden Ziel-Grenzen? Es ist gewiß, daß die göttliche Vernunft all dieser Dinge Ziel-Grenze ist. Denn sie selbst bestimmte jene in sich nach dem Wesenssinn.

Wenn man vor das Werden-Können blickt, und auf menschliche Weise erwägt, daß Gott von Ewigkeit den Willen zur Schöpfung gefaßt hat, als noch nichts geschaffen war, weder Himmel noch Erde noch Engel noch sonst irgend etwas, erkennt man, daß jene nicht mehr als andere, die mit diesen nichts gemein haben und von denen wir uns keine Vorstellung machen können, geschaffen werden konnten. Gott selbst beschloß innerhalb seines Gedankens, diese Welt, diese schöne Schöpfung, die wir sehen, zu schaffen.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑
  5. ↑