Werk:De ven. sap./83
83▷Palam igitur divinam sapientiam in hoc campo latere et diligenti venatione reperiri. Nam haec est, quae posuit terminum mari et [1] aridae, soli, lunae, stellis et motui eorum legemque determinavit omni creaturae, quam praeterire non | potest. Determinavit speciem, [2] orbem seu locum singulis. Posuit terram in medio, quam gravem esse et ad centrum mundi moveri determinavit, ut sic semper in medio subsisteret et neque sursum neque lateraliter declinaret. [3] Determinavit omni creaturae suam mensuram, suum pondus et numerum. Et ita omnia mens divina determinavit sapientissime, ita quod nihil caret ratione cur sic et non aliter; et si aliter, omnia confusa. Mens igitur divina mensura et terminus omnium, quia ratio et diffinitio sui et omnium.
Übs. Sg.
Offenbar verbirgt sich in diesem Felde die göttliche Weisheit und läßt sich durch behutsames Jagen finden. Sie ist es, welche dem Meere und dem Lande eine Grenze setzte, der Sonne, dem Monde, den Sternen und ihrer Bewegung, sie hat jeder Kreatur ein Gesetz bestimmt, das sie nicht überschreiten kann. Sie hat die Art, den Bereich oder den Ort für jedes einzelne abgegrenzt. Sie hat der Erde ihren Platz in der Mitte angewiesen, hat ihr ihre Schwere und Bewegung zum Mittelpunkt der Welt als umgren- zende Bestimmung gegeben, damit sie so immer in der Mitte feststehe und weder nach oben noch nach der Seite abweiche. Jeder Kreatur hat sie ihr Maß, ihr Gewicht und ihre Proportio- nen abgegrenzt. So hat der göttliche Geist alles in höchster Weisheit umgrenzend festgelegt, so daß nichts der vernünftigen Begründung entbehrt, warum es so ist und nicht anders. Wäre es anders, so wäre alles in Verwirrung. Der göttliche Geist ist demnach Maß und Grenze für ale Dinge, da er Grund und Wesensbestimmung für sich selbst und für alles ist.
Übs. Dp.
Darum ist es klar, daß die göttliche Weisheit in diesem Feld verborgen ist und durch eifrige Jagd gefunden werden kann.
Sie ist es, die dem Meer und dem Land, der Sonne, dem Mond, den Sternen und deren Bewegung die Ziel-Grenze gab, und jeder Kreatur ein Gesetz auferlegte, das nicht vergehen kann. Sie bestimmte dem Einzelnen seinen eigengestaltlichen Lebenskreis oder Ort, sie setzte die Erde in die Mitte und bestimmte sie, schwer zu sein und sich zum Zentrum der Welt zu bewegen, auf daß sie stets in dieser Mitte ausharre und weder in die Höhe noch seitlich abweiche.
Jedem Geschöpf gab sie sein Maß, sein Gewicht und seine Zahl. Und so bestimmte der göttliche Geist alles auf das weiseste dergestalt, daß nichts des Bestimmungsgrundes, warum es so und nicht anders ist, entbehrt. Wäre es anders, so wäre alles verwirrt. Daher ist der göttliche Geist als Wesenssinn und Bestimmung seiner selbst und aller Dinge Maß und Ziel von allem.