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Werk:De ven. sap./88

aus AufEinWort, der freien Forschung

88▷Et adverte, quomodo dixi supra notiones rerum sequi res. Virtus igitur intellectiva ad rerum notiones se extendit et ideo sequitur rerum essentias. Sed essentia illius virtutis prior est virtute sua et essentiis ignobilioribus sensitivis, quae post ipsam sunt. Non enim [1] essentia animae intellectivae est sua virtus et potentia. Hoc quidem solum in deo verum esse potest, qui est ante differentiam actus et potentiae, ut satis supra ostensum videtur. Non enim scimus omnia, quae per hominem sciri possunt. Tu enim non es grammaticus, rhetor, logicus, philosophus, mathematicus, theologus, mechanicus [2] et talia omnia, quae tamen, cum sis homo, fieri potes. Posse fieri hominem licet in te sit actu modo tali, uti es, determinatum, quae determinatio est essentia tua: tamen posse fieri hominis nequaquam est in te perfectum et determinatum.

Unde, ad hoc posse fieri infinitum et interminatum respicientes [3] Platonici, ut Proclus refert, dicebant omnia ex finito seu determinato et infinito esse; finitum ad determinatam essentiam, infinitum ad potentiam et posse fieri referentes.

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Übs. Sg.

Achte ferner auf meine frühere Erklärung, daß die Begriffe von den Dingen den Dingen nachfolgen. Die Kraft des Erken- nens erstreckt sich auf die Begriffe von den Dingen und folgt somit den Wesenheiten der Dinge nach. Doch das Wesen jener Fähigkeit ist vor seiner Fähigkeit und vor den niedrigen sinnlichen Wesenheiten, die ihm im Sein nachgeordnet sind. Das Wesen der Geist-Seele ist ja nicht identisch mit ihrer Kraft und Fähigkeit. Diese Behauptung kann nur bei Gott zutreffen, der vor der Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit ist, wie wohl oben zur Genüge gezeigt wurde. Wir wissen ja nicht alles, was der Mensch wissen kann. Du bist doch kein Grammatiker, Redner, Logiker, Philosoph, Mathematiker, Theologe, Techniker und alles derartige, lauter Dinge, wozu du, als Mensch, dich entwickeln kannst. Wenn auch das Werden-Können des Menschen in dir tatsächlich in der Weise, wie du eben bist, umgrenzt ist, eine Umgrenzung, die dein Wesen ausmacht, so ist doch das Werden-Können des Menschen in dir keineswegs voll ausgebildet und in seinen Grenzen erfüllt.

Im Hinblick auf dieses unendliche und nicht in seinen Grenzen erfüllbare Werden-Können haben daher die Platoniker dem Bericht des Proklus[4] zufolge alles aus Begrenztem oder Bestimmtem und Grenzenlosem bestehen lassen. Sie bezogen dabei das Begrenzte auf die in ihren Grenzen bestimmte Wesenheit, das Grenzenlose auf die Möglichkeit und das Werden-Können.

Übs. Dp.

Man vergleiche dazu, was ich oben über die Begriffe der Dinge, die den Dingen folgen, gesagt habe. Die geistige Kraft erstreckt sich bis zu den Begriffen der Dinge und folgt also den Wesenheiten der Dinge. Aber die Wesenheit dieser Kraft ist früher als diese und die weniger edlen sinnlichen Wesenheiten, die nach ihr sind. Denn die Wesenheit der Geist-Seele ist nicht ihre Kraft und Fähigkeit. Die Einheit von Wesen und Fähigkeit kann nur in Gott wahr sein, der vor dem Unterschied von Wirklichkeit und Möglichkeit steht, wie oben wohl zur Genüge aufgezeigt worden ist.

Wir wissen nicht alles, was ein Mensch wissen kann. Du bist nicht Sprachwissenschaftler, Redner, Logiker, Philosoph, Mathematiker, Theologe, Techniker und alles andere, obwohl du als Mensch dieses werden kannst. Wenn auch das Menschwerdenkönnen in dir tatsächlich auf solche Weise, wie du bist, bestimmt ist und diese Bestimmung deine Wesenheit ist, so ist dennoch das Werden-Können des Menschen in dir keineswegs vollendet und endgültig beschlossen. In Hinblick auf dieses unendliche unbegrenzte Werden-Können pflegten die Platoniker, wie Proklos berichtet, zu sagen, daß alles aus dem Endlichen oder Begrenzten und dem Unendlichen bestehe: endlich in bezug auf die begrenzte Wesenheit, unendlich in bezug auf Möglichkeit und Werden-Können.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑