Werk:De ven. sap./91
91▷Contentatur enim pes infimus in homine de eo, quod infimus et pes, sicut oculus de eo, quod oculus et in capite, quia vident ad perfectionem hominis et eius pulchritudinem se necessaria membra, si sic fuerint et sic in suo locata ordine. Extra quae loca nec pulchra [1] nec necessaria nec pulchritudinem totius corporis perfectam conspiciunt nec ad ipsius completam pulchritudinem contribuunt, sed, ut sunt difformia, omne corpus difforme reddunt. Ordinata igitur est in ipsis magnitudo, ut sit pulchra, ut ex ipsis et ceteris membris magnitudo corporis pulchra resultet. Proportio igitur cuiuslibet [2] membri ad quodlibet et ad totum ordinata est ab omnium ordinatore hominem pulchrum creante. Est enim proportio illa, sine qua una totius et partium eius ad totum relata habitudo nequaquam pulchra ordinatissimaque videretur.
Übs. Sg.
Der unterste Teil des Menschen, der Fuß, ist damit zufrieden, daß er der unterste Teil und daß er Fuß ist, ebenso das Auge damit, daß es Auge ist und im Kopfe sitzt. Sehen sie doch, daß sie zur Vollendung des Menschen und zu seiner Schönheit notwendige Glieder sind, wenn sie so sind und so an ihrem geziemenden Platz eingeordnet. Außerhalb dieses ihres Ortes sind sie weder schön noch notwendig, noch erblicken sie die volkommene Schönheit des ganzen Körpers, noch tragen sie dann zur Vollendung seiner Schönheit bei, vielmehr machen sie in ihrer eigenen Ungestalt den ganzen Körper ungestalt. Ihre Größe ist also angeordnet um schön zu sein, um aus ihnen und den übrigen Gliedern die schöne Größe des Körpers erstehen zu lassen. Das Maßverhältnis eines jeden Gliedes zu jedem anderen und zum Ganzen ist also geordnet vom Ordner aller Dinge, der den Menschen in Schönheit schuf. Es ist nämlich dieses Maßverhältnis, ohne welches allein das Verhältnis des Ganzen und zugleich das seiner Teile zum Ganzen nimmermehr als schön und wohlgeordnet sich zeigen würde.
Übs. Dp.
Es hat nämlich der Fuß als das unterste am Menschen darin sein Genüge, daß er der Fuß ist und das Unterste; genauso ist das Auge damit zufrieden, Auge zu sein und im Kopfe zu sein; beide erkennen ja, daß sie auf diese Weise für die Vollendung des Menschen und seine Schönheit notwendige Glieder sind und so an ihrem bestimmten Platz stehen. Wenn sie sich aber außerhalb dieser Stellen befinden, sind sie weder schön noch notwendig und sehen weder, daß die Schönheit des ganzen Körpers vollkommen ist, noch daß sie zu seiner durch sie selbst vervollständigten Schönheit beitragen, vielmehr machen sie, wenn sie selbst mißgestaltet sind, den ganzen Körper mißgestaltet. In ihnen ist die Größe so geordnet, daß sie schön ist, so daß sich aus ihnen und den übrigen Gliedern die Größe des Körpers als schöne ergibt. Das Verhältnis jedes einzelnen Gliedes zu jedem andern und zum Ganzen ist vom Schöpfer aller Dinge, der den Menschen schön geschaffen hat, geordnet. Es ist jenes Verhältnis, ohne das die eine Gestaltung des Ganzen und seiner Teile zum Ganzen hin niemals schön und geordnet erscheinen würde.