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Werk:De ven. sap./94

aus AufEinWort, der freien Forschung

94▷Quae sit divini ordinis participatio in angelica hierarchia et quae in ecclesiastica hierarchia, divinus Dionysius describit. Quaeve ordinis participatio specierum et in qualibet specie, quisve in caelestibus corporibus et temporalibus eorum atque animalium motibus, quaeve [1] ordinis participatio in omnibus quae ab humana mente oriuntur – in virtutibus, in regiminibus et rei publicae et privatae gubernationibus, in mechanicis, in liberalibus scientiis – et quibus ordinatissimis regulis et modis omnia pulchre procedunt, reperiuntur, conscribuntur et communicantur, studiosus videt et admiratur. [2]

Interrogatus puer Menon ex ordine quem interrogans servavit, ad cuncta geometrica recte respondit, ac si scientiam cum ordine conatam haberet, ut Plato in libro Menonis refert. Qui enim in ordinem scit redigere quae studet et inquirit, proficit. Non est nec orator nec alius peritus, si sermo eius ordine caret. [3] Nec enim se intelligit nec intelligitur alienus ab ordine. Est enim relucentia sapientiae ordo, sine quo nec pulchra nec clara [nec] esset nec sapienter operaretur. Memoria in ordinem redacta de facili reminiscitur, sicut in arte memorativa in ordine locorum fundata patet. Lector ut memoretur et capiatur dicenda, distinguit distinctaque [4] ordinat. Ita patet ordinem multum de luce sapientiae participare.

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Übs. Sg.

Welcher Art die Teilnahme an der göttlichen Ordnung im Stufenreich der Engel und in der hierarchischen Ordnung der Kirche ist, beschreibt der gottbegnadete Dionysius.[5] Welcher Art die Teilnahme an der Ordnung bei den Arten und innerhalb jeder Art ist, welches die Ordnung bei den Himmelskörpern und in ihren zeitlichen Bewegungen sowie in den Bewegungen der Lebewesen ist, welcher Art die Teilnahme an der Ordnung in allem ist, was aus dem menschlichen Geist entspringt: in den Tugenden, in den Herrschaftsformen des staatlichen und priva- ten Regiments, in der Technik, in den freien Wissensfächern, nach welchen wohlgeordneten Regeln und Maßen alles in Schönheit entspringt, entdeckt, beschrieben und mitgeteilt wird, das sieht jeder mit Staunen, der sich darum müht.

Der Knabe Menon wurde nach einer geordneten Regel, die der Fragende einhielt, befragt und gab auf alle Fragen aus der Geometrie richtige Antworten, wie wenn ihm mit der Ordnung auch das Wissen angeboren wäre, wie Platon im Buche Menon berichtet.[6] Wer nämlich sein Studium und sein Forschen in geordnete Bahnen zu lenken weiß, der macht Fortschritte.

Kein Redner noch sonst jemand ist sachkundig, wenn seine Rede der Ordnung entbehrt. Erversteht sich selbst nicht, noch wird er verstanden, wenn er keinen Sinn für Ordnung hat. Die Ordnung ist ja der Widerschein der Weisheit, die ohne Ordnung der Schönheit und Klarheit entbehrte und unfähig wäre, weise zu verfahren. Ein wohlgeordnetes Gedächtnis erinnert sich leicht. Das zeigt sich in der Mnemotechnik, die sich auf die Ord- nung des Gedächtnisstoffes gründet. Damit man sich erinnert und er verstanden wird, gliedert der Vortragende das, was zu sagen ist, und ordnet das Gegliederte. Daraus wird deutlich, daß die Ordnung einen starken Anteil am Licht der Weisheit hat.

Übs. Dp.

Dionysius beschreibt, auf welche Weise die Hierarchie der Engel und der Kirche an der göttlichen Ordnung teilhat. Der voll Eifer Suchende sieht und bewundert die Ordnungsteilhabe in allen Eigengestalten und in jedem Einzelnen, in den Himmelskörpern und in ihren zeitlichen Abbildern, in der Bewegung der Lebewesen und in allem, was aus dem menschlichen Geist entsteht, in den Mächten, Herrschaften und in der Leitung des Staates und des privaten Lebens, in der Technik und in den freien Wissenschaften und staunt, in welch herrlich geordneten Regeln und Weisen alles schön hervorgeht, gefunden, aufgezeichnet und mitgeteilt wird.

Der Sklave des Menon konnte auf alle geometrischen Fragen richtig antworten, so als ob ihm dieses Wissen mit der Ordnung angeboren wäre, weil derjenige, der ihn fragte die Ordnung der Fragen einhielt. So berichtet Platon im Menon. Wer es nämlich versteht, alles auf die Ordnung zurückzuführen, vollendet das, was er erstrebt und erforscht. Niemand kann ein Redner oder ein anderer Fachmann sein, wenn seiner Redeweise die Ordnung fehlt, denn einer, dem Ordnung fremd ist, wird weder von andern verstanden noch versteht er sich selbst.

Die Ordnung ist der Widerschein der Weisheit, ohne die nichts schön und deutlich ist oder weise ins Werk gesetzt wird.

Ein geordnetes Gedächtnis erinnert sich leicht; das wird offenbar in der Kunst der Erinnerung, die darin besteht, daß alles an seinen festbestimmten Platz gerückt ist. Damit der Vortragende sich erinnert und begreift, gliedert er das, was zu sagen ist und ordnet das Unterschiedene. Daraus geht klar hervor, daß die Ordnung am Licht der Weisheit hohen Anteil hat.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20
  5. ↑
  6. ↑