Werk:De ven. sap./98
98▷Nemo etiam attentior fuit Aristotele vim vocabuli perquirere, quasi impositor nominum omnium fuerit peritissimus id quod sciverit in vocabulis ipsius exprimere, et ad illius scientiam pertingere sit perfectionem scibilium adipisci. Ideo in diffinitione, quae est [1] vocabuli explicatio, scientiae lucem affirmavit.
Credo haec in humana scientia sic se habere, quam primo et excellenter primus Adam seu homo dictus habuisse creditur. Et ideo scientia, quae in vi vocabuli solidatur, gratissima est homini quasi suae naturae conformis. Oportet autem venatorem huius [2] divinae sapientiae vocabula humana secundum impositionem hominis de deo negare. Vita enim, quae ad omnia viventia extendit, non attingit ad deum, qui est omnis vitae causa; sic de omnibus vocabulis. .
Übs. Sg.
Niemand aber war mehr darauf bedacht, die Wortbedeutung zu erforschen, als Aristoteles,[3] gerade als ob der, welcher den Dingen ihre Namen gab, mehr als alle anderen darin geschickt gewesen sei, seinem Wissen in seinen Worten Ausdruck zu verleihen, und als ob zu seinem Wissen zu gelangen bedeute, das vollkommene Wissen zu erlangen. Demgemäß liegt nach seiner Behauptung in der Definition, die eine Worterklärung ist, das Licht der Wissenschaft.[4]
Ich glaube, daß diese Bemerkung für die menschliche Wis- senschaft zutrifft, die, wie man glaubt, zuerst und in auszeich- nender Weise der erste Adam, d. h. Mensch, besaß. Darum ist die Wissenschaft, die in der Bedeutung des Wortes ihren festen Grund hat, dem Menschen ans Herz gewachsen, da sie seiner Natur gemäß ist. Der Jäger aber, der nach dieser göttlichen Weisheit jagt, muß die menschlichen Worte nach ihrer vom Menschen geprägten Bedeutung von Gott verneinen. Das Leben nämlich, das sich auf alle Lebewesen erstreckt, reicht nicht hinan an Gott, der allen Lebens Grund ist; dasselbe gilt von allen Worten.
Übs. Dp.
Niemand untersuchte die Bedeutung des Wortes sorgfältiger als Aristoteles, so als wäre derjenige, der den Dingen ihre Namen gab, am ehesten fähig gewesen, in diesen Bezeichnungen sein Wissen auszudrücken und als ob zu seinem Wissen zu gelangen bedeute, das vollkommene Wissen zu erreichen.
Daher versicherte er, daß in der Definition, der Entfaltung des Wortes, das Licht des Wissens sei. Ich glaube, daß im menschlichen Wissen, das als erster und in hervorragender Weise Adam, der «Mensch» genannte, gehabt hat, sich dies so verhält. Aus diesem Grund ist das in der Wortbedeutung festgelegte Wissen dem Menschen als ein seiner Natur angepaßtes, sehr willkommen. Wer jedoch nach der göttlichen Weisheit jagt, muß solche menschliche Bezeichnungen, eben weil sie vom Menschen gegeben wurden, in bezug auf Gott ablehnen. Das Leben zum Beispiel, das sich auf alles Lebende erstreckt, berührt Gott nicht, der die Ursache alles Lebens ist. Und so verhält es sich mit allen Worten.