Werk:Hera. Parm. Anfa. Phil. Wiss./Vorbemerkungen
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Abschrift
5. Juli 2026 n. Chr. bear.
17:11 Uhr überarbeitet
Die drei Teile dieses Buches ergänzen sich wechselseitig und sind durch Verweise und innere Zusammenhänge aufeinander bezogen. Trotzdem besitzen sie eine gewisse Selbständigkeit und lassen sich auch in einer anderen Reihenfolge als der hier vorgesehenen lesen. Das Kernstück der Untersuchungen bildet der II. Teil, die leicht überarbeitete und ergänzte Abhandlung über Heraklit, die unter dem Titel „Heraklit. Die Selbstunterscheidung des beginnenden Denkens vom vorphilosophischen Leben" im Jahre 1969 von der Philosophischen Fakultät der Universität Köln als Habilitationsschrift angenommen wurde. Abgesehen von dem Aufsatz „Der Logos-Gedanke des Heraklit" (in: Durchblicke. Martin Heidegger zum 80. Geburtstag, Frankfurt a. M. 1970), der einige Stücke vor allem aus den Abschnitten C und Ε des ersten Kapitels enthält, habe ich mit der Veröffentlichung der Abhandlung bis heute gewartet, nicht weil mir ihre Ergebnisse zweifelhaft geworden wären, sondern deshalb, weil die Untersuchung von vornherein in den Zusammenhang eines umfassenderen Versuchs gehörte, der ursprünglichen Idee von Philosophie auf die Spur zu kommen, und weil es mir geboten schien, mir selbst und dem Leser über den Sinn und die Tragweite des neuartigen Ansatzes dieser Untersuchung und ihrer Ergebnisse in wünschenswerter Klarheit Rechenschaft abzulegen.
Das vorläufige Resultat dieser Bemühung ist einerseits der I. Teil, in dem ich im Rahmen eines Versuchs, phänomenologisch orientiertes Denken kritisch in Richtung auf eine historisch-genetische Phänomenologie zu erneuern, den methodischen und philosophie- und wissenschaftsgeschichtlichen Horizont meiner Interpretation des Anfangs von Philosophie und Wissenschaft entwickle.
Das andere Resultat jener Bemühung ist die Parmenides-Interpretation des III. Teils. Sie ist einerseits als eine Probe auf die in der Heraklit-Auslegung gewonnene Sicht der „Vorsokratik" gedacht, und sie soll andererseits verdeutlichen, wie sich in der von Heraklit und Parmenides reflektierten Ausgangslage des philosophisch-wissenschaftlichen Denkens überhaupt die weitere Entwicklung dieses Denkens bis heute vorbereitet.
Um den Umfang dieses Buches auf das Maß dessen, was mir unbedingt notwendig erschien, zu beschränken und seine Veröffentlichung nicht noch
weiter zu verzögern, mußte ich im Parmenides-Teil die explizite Auseinandersetzung mit der umfangreichen philologischen und philosophischen Sekundärliteratur, die ich — wie der Kenner audi so leicht bemerken wird — stets zu Rate gezogen habe, auf einige neuere Arbeiten beschränken und konnte hier auch nur den einen oder anderen mir besonders wichtig erscheinenden Punkt herausheben. Wie ich mir eine eingehendere Auseinandersetzung insbesondere mit der philologischen Forschung, die bei der Aufhellung des frühgriechischen Denkens in diesem Jahrhundert Ergebnisse von hoher philosophischer Bedeutung gezeitigt hat, vorstelle, kann der Leser dem Heraklit-Teil des Buches entnehmen[1].
Zur Schreibung des Griechischen sei bemerkt, daß alle unentbehrlichen griechischen Begriffe und Wendungen im Haupttext mit Rücksicht auf den rapiden (wenn auch höchst beklagenswerten) Rückgang der Griechischkenntnisse selbst unter den philosophisch Interessierten in unsere Schrift transkribiert sind; bei der letztlich systematischen Absicht dieser Untersuchungen soll ihre Lektüre nicht an fehlenden Sprachkenntnissen scheitern.
Wuppertal, im Februar 1980 Klaus Held
- ↑ Martin Heideggers Vorlesungen über Heraklit (Heidegger-Gesamtausgabe Bd. 55, Frankfurt a. M. 1979) erschienen erst während der Drucklegung dieses Buches. Ebenso wurden mir die neueren philologischen Analysen von D. Holwerda (Sprünge in die Tiefen Heraklits, Groningen 1978) und die interessante Untersuchung von Jörg Jantzen, Parmenides zum Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit (Zetemata 63, München 1976), erst nach Abfassung meines Textes bekannt. Die zuletzt genannte Abhandlung versucht, sprachanalytische Ansätze für die Parmenides-Auslegung fruchtbar zu machen. Warum ich einen sprachanalytischen Zugang zu Parmenides, Heraklit und den übrigen Vorsokratikern von der bei ihnen zur Verhandlung stehenden Sache her für inadäquat halte, mag der Leser meinen Ausführungen zu Tugendhat S. 496 ff. in Verbindung mit S. 80 ff. u. 211 ff. entnehmen.