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Werk:Ist sich irren menschlich?

aus AufEinWort, der freien Forschung

Über diese Seite Werk

Ureigenwerk Liste Werke von Klaus Feldmann 
Schriftstück
12. Mai 2020 n. Chr. erst.  
Ausgabe 01
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Leserschaft: Niemand
veröffentlicht
ungeprüft
2020051201 Ist sich irren menschlich.pages

Wenn du die Welt in ihrem Dasein erkennst, erkennst du zugleich, dass es keine Schuld so gibt, wie der Mensch sich Schuld vorstellt. Du erkennst, dass es Taten und dessen Wirkung gibt und zugleich, dass weder das Gute noch das Böse ursächlich in einem selbst, jemand oder etwas existiert.

Gut und Böse sind nur scheinbar und als solche sicherlich beobachtbar – sie sind Phänomene vieler Faktoren. Vor jeder Tat liegt ein mehr oder weniger großer Irrtum, der dem Mensch nicht bewusst wird, da er auf das fokussiert ist, das er im Dasein zu sein, tun oder zu haben versucht, dies bereits als richtig, notwendig oder wünschenswert bestimmt hat. Je geringer der Irrtum umso mehr manifestiert sich die Tat als gut, je größer der Irrtum umso mehr als böse oder schlecht. Gut und Böse sind Personifizierungen der Wirkungen als Wesensursache. Gut und böse sind indes Attribute der Betrachtung, Folge einer Beurteilung. Sie gibt es nicht wirklich in einer Absolutheit – man kann daher nur richtiger oder falscher liegen, nicht im absoluten Recht oder Unrecht sein, da es Betrachtungen sind – der jeweilige Kontext ist hier maßgebend.

Irrtum beruht meist auf Unkenntnis, Auslassung, Verwechslung, Diskriminierung oder Gleichsetzung, denen bereits eine Täuschung voraus ging oder Infolge den Irrtum bewirkt. Jede Tat enthält anteilig Wirkungen, die wir je nach Betrachtung als gut oder böse auslegen könnten.

Da man an sich ohne Schuld ist und dies auch auf alle anderen Menschen zutrifft, egal was sie taten, werden sie erst durch Beschuldigung schuldig. Durch beschuldigen belädt man andere mit Schuld, die zuvor nicht bei ihnen war. Den Menschen ist meist nicht wirklich bewusst, warum sie etwas tun, auch wenn sie dies schlüssig erklären oder begründen. Dies trifft auch zu, wenn eine Tat offensichtlich als schlecht, böse, vorsätzlich etc. eindeutig erkannt und jemand zu Lasten gelegt werden kann. Der Begriff Schuld bedeutet nicht mehr als die Erbringung einer Leistung, zu der man sich zuvor verpflichtet hat. Jede Schuld kann sich somit nur darauf beziehen, diese Pflicht zu erfüllen. Der Begriff Schuld wird leicht mit Tat, Unrecht, Absicht und Strafe gleichgesetzt und wurde so zu einem der größten Irrtümer der Menschheit.

War einem eine Pflicht nicht bekannt oder bewusst, sie nicht erkennbar, sie zu unrecht erzwungen, von einem nicht selbstbestimmt angenommen, so kann an sich auch keine Schuld bestehen. Pflicht bedingt eine zuvor erzielte selbstbestimmte Übereinstimmung zur Erbringung einer Leistung. Dies Leistung kann auch ein Denken, Handeln, Verhalten, Sein Tun oder haben sein.

Jemandem zu sagen, er habe eine Tat begangen, er habe dieses oder jenes getan, ist an sich keine Beschuldigung, wenn er es tatsächlich getan hat, sondern die Wiedergabe einer Beobachtung, eine Feststellung. Ein Mensch weiß nur scheinbar, warum er etwas getan hat oder tut, da ihm ein Vielfaches mehr unbewusst als bewusst ist. So beschuldigt man ihn und zwingt ihn zugleich sich zu rechtfertigen. Der Mensch ist jedoch meist außer Stande die wahren Ursachen für Taten zu erkennen und zu benennen. Wäre dem so, so wäre die Welt in einem weit besseren Zustand, als sie ist. Viele scheinbare Taten beruhen zudem auf dem Mangel an Kommunikation nicht vermittelter oder falscher Erwartungen an jemand. An anderer Stelle wird aufgezeigt, wie man Ursachen erkennt und benennt und zu wirksamen Maßnahmen gelangt.

Oft muss oder will man beschuldigen und Recht bekommen, damit man Wiedergutmachung verlangen, Strafe oder Entschuldigung erwirken kann und auch dies beruht bereits auf einem indoktrinierten und konditioniertem Irrtum, dem sich der Mensch meist nicht bewusst ist. Durch die Zuweisung und Anerkennung einer Schuld zwingt man den anderen sich ihm, jemand oder etwas unterzuordnen, ihn unter Kontrolle zu bringen, oder eigene Schuld abzuwenden. Beschuldigen ist somit meist ein Werkzeug der Unterdrückung. Wenn man beschuldigt, so muss die verletzte Pflicht im Vordergrund stehen und sich alles Mühen darauf ausrichten, die Erfüllung der Pflicht zu bewirken. Nur dann kann Beschuldigen ethisch, moralisch und rechtens sein.

Eine Tat löst sich erst auf, wenn man den Irrtum auflöst. Täter und Opfer irrten sich und so wird das Opfer zum Mittäter. Somit kann es kein reines Opfer, sondern nur Täter geben, obwohl es die Opfer einer Tat gibt – ein Paradoxon. Auf gleiche Weise kann es keinen reinen Täter geben, denn er ist bereits Opfer anderer Täter und Irrtümer, wie auch der seiner eigenen.

Ein Opfer muss die Tat ermöglichen, um zum Opfer zu werden.

Ein Täter muss die Tat begehen und ermöglicht so zum Opfer zu werden.

Opfer ist an sich in diesem Kontext ein falscher Begriff, jedoch sehen sich Opfer meist wie ein Lamm als Opfergabe – unschuldig, - was sie selbst im Sinne ihrem eigenen Schuldverständnis nicht sind. In diesem Sinne gibt es nur Schuldige und zugleich nur Unschuldige, womit sich beides an sich der Vernunft halber streichen lässt.

Das heutige Denken in Bezug auf Schuld beruht auch auf die Verklärung religiöser, philosophischer und rechtlicher Ideologien, dass auf die Menschheit seit tausenden Jahren einwirkt. Wir leiten unser Denken und Handeln aus diesen von Menschen erdachten  Ideologien ab und bemerken nicht, wie wir dadurch erst das schlechte auf Erden hervorbringen.

Somit gibt es gutes und böses als Einschätzung, jedoch Gutes und Böses nicht als Wesensart. Somit kann man selbst an sich nur gut sein, wie der andere auch, obwohl die Tat in dessen Wirkung sowohl als das eine als auch das andere für einen selbst oder andere sein kann. Alle Dinge auf Erden sind an sich neutral, sie werden erst durch ihre Verwendung und durch Betrachtung zu Gut und Böse. Lebewesen sind keine Dinge.

In dem Moment, in dem man sich selbst, den anderen oder etwas als böse oder schlecht personifiziert, erschafft man ein unlösbares Problem. Auch wenn jemand böses oder schlechtes tut oder tat, muss man ihn als im Kern gut betrachten, damit er sich selbstbestimmt in diese Richtung hin orientieren kann. Ansonsten kann man das dazu erforderliche Wohlwollen und Interesse am Wohlergehen nicht aufbauen, um eine Daseinzustandsverbesserung zu bewirken.

Jede scheinbar absichtliche oder unabsichtliche Abweichung von Liebe, Ethik, dem Ideal einer Betrachtung oder eines Daseinzustandes beruht somit auf Irrtum. Vor jedem Irrtum liegt das relative Maß an Täuschung. Zum einen befindet sich der Mensch in der Selbsttäuschung über die Natur seiner selbst. Er täuscht sich leicht in der Wahrnehmung und dem was tatsächlich ist. Er täuscht andere, um sozial existieren zu können, um Motive und Ziele zu verwirklichen. Er wird auf gleiche Weise durch andere getäuscht.

Motive und Ziele erwachsen zumeist aus einem Mangel an Liebe, Ethik, dem ideal eines Daseins oder einer Betrachtung heraus. Nicht selten irrt er sich bereits in seinem oder einen Mangel.

Die Ursache einer Tat steht immer in Bezug zu einer verletzten Pflicht, einem Mangel, und einem Irrtum, sowie der Absicht und einer ihr entgegengesetzte Absicht. Wer diese Faktoren nicht erkennt, hat die Tat an sich als Problemstellung nicht erkannt.

Der Mensch ist sich all dem nicht bewusst. Jeder Mensch entspricht in seinem Dasein einer individuellen relativen Perfektion seiner Unperfektion – der Akkumulation all seiner relativen Wahrheit und Irrtümer. Der Mensch erscheint als gut oder ist so gut, wie er Wahrheit erkennen, sich danach richten und sie bewirken kann. Die Gesellschaft zwingt ihm jedoch so viel Unwahrheit auf, dass er nicht in ihr ohne zu täuschen existieren kann. Daher darf man Täuschung nicht verteufeln - sie ist überlebenswichtig - sie ist eine der höchsten Fähigkeiten der Natur seiner Selbst, der Natur des Menschen.

Je unethischer, unmoralischer oder ungerechter das soziale Umfeld eines Menschen, die Regierung eines Staates ist, umso mehr wird ihm Unethik, Unmoral und Ungerechtigkeit aufgezwungen. So wird er in seinem ethischen Niveau heruntergedrückt und muss täuschen um überleben und zurecht kommen zu können. Nur in einem wohlwollenden Umfeld, guter Daseinzustände kann ein Mensch ein hohes ethisches Niveau ausleben und braucht sich nicht zu verstellen, um eine systemkonforme Rolle zu spielen - er kann dann weitestgehend sich selbst sein. Die größte Selbsttäuschung und damit  Irrtum, dem man unterliegen könnte, besteht darin zu meinen, wann wäre nicht zur Ethik fähig.

Der Weg aus Irrtum führt über die Bewusstseinsstufen der Selbsterkenntnis und des Daseins an sich hinaus zur Wahrheit in seiner Tatsächlichkeit. Um dies leisten zu können, benötigt der Mensch eine hohe ethische Haltung, nach der er sich orientieren und in seinen Einstellungen ausrichten kann. Diese hohe ethische Haltung wird in einem anderen Artikel aufgezeigt und erklärt, wie man sie erreicht.

Irren ist demzufolge  menschlich.

Anmerkung: Keine der Aussagen, die in einer Absolutheit hier gemacht wurden, oder so erscheinen sind als solche absolut gültig. Sie sind nur in diesem Kontext zutreffend.