Werk:TDPC/55.1
▷Deinde considero quomodo per IN intratur in deum et omnia. Nam omnia quae nominari possunt nihil nisi IN in se continent. Si enim IN non esset, nihil in se omnia continerent et vacua penitus forent. Dum enim intueor in substantiam, video ipsum IN substantiatum, si in caelum caelestiatum, si in locum locatum, si in quantum quantificatum, si in quale qualificatum, et ita de omnibus quae dici possunt. Quare in termino est terminatum, in fine finitum, in altero alteratum. Si vero video ipsum IN ante omne nomen, utique nec terminatum nec finitum nec aliquod esse video omnium quae nominari possunt. Quaecumque vero video in IN, video ineffabilitatem intrasse. Nam si video finem aut terminum in IN, non possum amplius ipsum nominare aut finem aut terminum. Transivit enim in IN, quod nec est finis nec terminus. Unde secundum hoc videretur mu|tasse nomen in oppositum, ut nominetur terminus in IN interminus seu non-terminus. Et quia IN, quod omnia implet et sine quo omnia sunt vacua, inest et immanet, integrat et informat, ideo est perfectio omnis rei, omnis termini et omnis finis et omnium. Patet IN plus esse quam finis aut terminus, ut finis in IN non desinat esse finis, sed sit valde finis et finis in fine seu finis finium, ut non vocetur finis, quia non finitur omni fine, sed excedit. Sic enim omnia quando in absoluto videntur fiunt ineffabilia. IN igitur in suo simplicissimo significato complicat simul affirmationem et negationem, quasi I sit ita et N sit non, quae in IN conectantur. IN enim dum adicitur aliis dictionibus, aut est affirmatio aut negatio, in se vero utriusque complicatio.
Danach bedenke ich, wie man durch das IN in Gott und alles eintritt. Denn alles, was benannt werden kann, enthält nichts als das IN in sich. Gäbe es das IN nicht, so enthielte alles nichts in sich und wäre gänzlich leer. Denn bin ich Substanz inne, so sehe ich das IN substanziiert. Ist Himmel in Sicht, so ist es himmlisch geworden, wenn Ort, dann verörtlicht, wenn Quantum, quantifiziert, wenn Qualitäts- bestimmtes, qualifiziert, und so von allem, was genannt werden kann. Deshalb ist es in der Grenze begrenzt, im Ende beendet, im Andern geändert. Wenn ich aber das IN vor jedem Namen schaue, so sehe ich, daß es durchaus weder begrenzt noch beendet ist noch irgendetwas von allem, was benannt werden kann.[1] Was immer ich aber im IN sehe, das sehe ich in die Unaussprechlichkeit eingetreten. Denn sehe ich Ende oder Grenze im IN, so kann ich sie nicht weiter Ende oder Grenze nennen, denn sie ist in das IN hinübergegangen, das weder Ende noch Grenze ist. Demzufolge schiene die Benennung mit ihrem Gegenteil vertauscht zu sein, so daß Grenze im IN Ungrenze oder Nichtgrenze genannt würde. Und weil das IN, das alles erfüllt und ohne das alles leer ist, innewohnt und innebleibt, einordnet und eingestaltet, so ist es die Vollendung jedes Dinges, jeder Grenze und jedes Endes und von allem. Es ist offenkundig, daß das IN mehr ist als Ende oder Grenze, so daß das Ende im IN nicht aufhört Ende zu sein, sondern in noch höherem Maße Ende und Ende im Ende oder Ende der Enden ist, so daß es nicht Ende genannt wird, weil es durch keines der Enden beendet wird, sondern darüber hinausreicht. So wird nämlich alles, wenn es im Absoluten betrachtet wird, unaussprechlich.[2] IN faltet also in seiner einfachsten Bedeutung zugleich Bejahung und Verneinung ein[3], so als ob I ja und N nein bedeuteten, die im IN verknüpft sind. Wird nämlich IN anderen Worten beigefügt, so bedeutet es entweder eine Bejahung oder eine Verneinung, in sich aber die Einfaltung beider.[4]
Daraufhin betrachte ich, wie man durch IN in Gott und alles eintritt; denn alles, was benannt werden kann, enthält das IN in sich; wenn es das IN nicht gäbe, würden alle Dinge nichts in sich enthalten und wären völlig leer. Betrachte ich die Substanz, so sehe ich das IN Substanz geworden; beim Himmel ist es Himmel, beim Ort Ort, bei der Quantität Quantität, bei der Qualität Qualität geworden und so steht es mit allem, das gesagt werden kann; darum ist es in der Grenze begrenzt, im Ende beendet, im Ändern geändert. Betrachtet man aber das IN selbst vor allen Namen, dann ist es durchaus weder begrenzt noch beendet noch sehe ich, daß es etwas von allem ist, das man benennen kann. Was immer ich aber im IN sehe, das sehe ich als in die Unaussprechbarkeit eingegangen. Sehe ich Ende oder Grenze, so kann ich sie im IN nicht mehr Ende oder Grenze nennen. Denn sie sind in das IN eingegangen, das weder Ende noch Grenze ist. Dementsprechend schiene es, als hätte der Name sich in sein Gegenteil verwandelt, so daß im IN die Grenze Un-Grenze oder Nicht-Grenze genannt würde. Und weil das IN, das alles erfüllt und ohne das alles leer ist, innen ist, innen bleibt, ein-ordnet und ein-gestaltet, ist es die Vollendung jeder Sache, jeder Grenze, jedes Endes und aller Dinge. Es ist offenbar, daß das IN mehr ist als Ende oder Grenze, weil das Ende im IN nicht aufhört Ende zu sein, sondern in noch höherem Maße Ende und Ende im Ende oder Ende der Enden ist, so daß es nicht Ende genannt wird, weil es mit keinem Ende beendet wird, sondern vielmehr über jedes Ende hinausgeht. So werden alle Dinge unaussprechbar, sobald sie im Absoluten betrachtet werden. IN schließt also in seiner einfachsten Bedeutung zugleich Bejahung und Verneinung ein, so als ob I ja und N nein bedeuteten, die im IN verknüpft sind. Wird IN anderen Worten beigefügt, so bedeutet es entweder eine Bejahung oder eine Verneinung, in sich aber die Einfaltung beider.