Werk:TDPC/56.2
▷Cardinalis: Subtiliter considerasti, pater abba, et satis est fecundum aenigma tuum, quoniam in spiritum ducit. Nam quae in deo sunt nemo scit nisi spiritus dei sicut quae in homine spiritus hominis. Ipsum igitur IN est aenigma spiritus omnia scrutantis. Sed qui per ipsum IN maiestatem dei intrare nititur, ut perscrutator opprimitur a gloria. Non enim IN ipsum quod notatur et intelligitur est lumen illuminans incomprehensibilitatis ipsius deitatis in se ipsa absolutae ostensionem, sed IN et omnia nomina, quae infinitatem deo attribuunt, eius incomprehensibilitatem nituntur ostendere per supereminentiam.
KARD: Feinsinnig hast du deine Betrachtung angestellt, Vater Abt, und dein Rätselbild ist fruchtbar genug, weil es in den Geist hineinführt. Denn was in Gott ist, weiß niemand als der Geist Gottes, wie was im Menschen ist, des Menschen Geist.[1] Das IN ist also ein Rätselbild für den Geist, der alles erforscht[2]. Aber wer mittels des IN in die Majestät Gottes einzudringen versucht, wird wie ein Aberwitziger von der Herrlichkeit erdrückt.[3] Denn das IN, das man bezeichnet und einsieht, ist nicht das Licht, welches erhellt, was Zeigen der Unfaßbarkeit der in sich absoluten Gottheit ist, sondern IN (= UN) und alle Namen, die Gott Unendlichkeit zusprechen, bemühen sich, seine Unfaßbarkeit durch Hinweis auf die unendliche Erhabenheit zu zeigen.
Kardinal: Diese Überlegung ist scharfsinnig und genau, Vater Abt, und dein Gleichnis äußerst ergiebig, weil es in den Geist einführt. Was in Gott ist, weiß niemand anders als nur Gottes Geist; so, wie das, was im Menschen ist, nur der Geist des Menschen weiß. Das IN ist also ein Gleichnis des Geistes, der alles durchforscht. Wer sich aber müht, durch das IN in die Majestät Gottes einzutreten, wird von seiner Herrlichkeit überwältigt. Das IN, das bemerkt und verstanden wird, ist nicht jenes Licht, das die Offenbarung der Unfaßbarkeit der in sich absoluten Gottheit zeigte, nämlich das Licht des IN. Und alle Namen, welche Gott die Unendlichkeit zusprechen, bemühen sich, seine Unfaßbarkeit durch die unendliche Erhabenheit zu zeigen.