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Werk:VGHMVG/VbWw/9. Beantwortung desselben.

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Urvrschrftng

§. 9. Beantwortung desselben.

Wem diese Gedancken einfallen, den gebe ich zu beantworten, daß es allerdinges viel rathsamer sey, man richte die Beschreibung der Welt-Weißheit nach ihrer größten Vollkommenheit ein, die sie in sich haben kan, als entweder nach seinem eigenen, aber eines andern Mannes Begriffe, den er davon erlanget. Denn auf solche Weise werden dem Wissen keine unnöthige Schrancken gesetzet, wodurch viele abgehalten werden denen Sachen weiter nachzudencken, und demnach viele nützliche Erfindungen zurücke bleiben: wie es diejenigen Zeiten zur Gnüge ausweisen, da man glaubte, Aristoteles habe in der Welt-Weißheit das weiteste Ziel erreichet, dahin menschlicher Verstand gelangen kan. Vielmehr wird ein jeder aufgemuntert weiter als seine Vorgänger zu gehen, indem er siehet, daß noch gar viel zu erfinden übrig ist: wie es die gegenwärtigen Zeiten sonderlich bey den Mathematicis zeigen. Man wird auch zugleich gedemüthigt, daß man sich seiner vermeinten hohen Gaben nicht überhebet, indem man erkennet, der größte Theil desjenigen, so wir wissen, sey der geringste von denen Dingen, die wir noch nicht wissen. Und überhaupt ist bekant, daß man die Sachen, welche verschiedene Grade haben können, jederzeit allgemein, ohne auf einen gewissen Grad seine Absicht zu richten, zu erklären pfleget. Z.B. Unter denen, die mäßig sind, besitzet nicht ein jeder die Wäßigkeit in einem gleichen Grade. Wenn man nun die Mäßigkeit erklären soll, richtet man sich nicht nach dem Grade, in welchem die Mäßigkeit bey diesem oder jenem Manne anzutreffen, sondern man erkläret sie so, wie sie seyn soll, wenn sie den höchsten Grad erreichet, damit nichts weiter daran auszusetzen ist.

—Abvrschrftng

§. 9. Beantwortung desselben.

Wem diese Gedanken einfallen, den gebe ich zu beantworten, daß es allerdinges viel ratsamer sei, man richte die Beschreibung der Weltweißheit nach ihrer größten Vollkommenheit ein, die sie in sich haben kann, als entweder nach seinem eigenen, aber eines andern Mannes Begriffe, den er davon erlangt. Denn auf solche Weise werden dem Wissen keine unnötige Schranken gesetzt, wodurch viele abgehalten werden denen Sachen weiter nachzudenken, und demnach viele nützliche Erfindungen zurück bleiben: wie es diejenigen Zeiten zur Gnüge ausweisen, da man glaubte, Aristoteles habe in der Weltweißheit das weiteste Ziel erreicht, dahin menschlicher Verstand gelangen kann. Vielmehr wird ein jeder aufgemuntert weiter als seine Vorgänger zu gehen, indem er sieht, daß noch gar viel zu erfinden übrig ist: wie es die gegenwärtigen Zeiten sonderlich bei den Mathematiken zeigen. Man wird auch zugleich gedemütigt, daß man sich seiner vermeinten hohen Gaben nicht überhebt, indem man erkennt, der größte Teil desjenigen, so wir wissen, sei der geringste von denen Dingen, die wir noch nicht wissen. Und überhaupt ist bekannt, daß man die Sachen, welche verschiedene Grade haben können, jederzeit allgemein, ohne auf einen gewissen Grad seine Absicht zu richten, zu erklären pflegt. Z.B. Unter denen, die mäßig sind, besitzt nicht ein jeder die Wäßigkeit in einem gleichen Grade. Wenn man nun die Mäßigkeit erklären soll, richtet man sich nicht nach dem Grade, in welchem die Mäßigkeit bei diesem oder jenem Manne anzutreffen, sondern man erkläret sie so, wie sie sein soll, wenn sie den höchsten Grad erreicht, damit nichts weiter daran auszusetzen ist.