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Werk:Werk:Phaidon (Platon)/107

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Übrstzng B.Z.

◀▷Ganz sicher also, Kebes, [1] ist die Seele unsterblich und unvergänglich, und in Wahrheit werden unsere Seelen in der Unterwelt sein.

Nun, ich wenigstens, Sokrates, sprach er, habe dagegen nichts weiter zu sagen, noch an deinen Worten in irgendeiner Weise zu zweifeln. Aber wenn Simmias da oder jemand anderer etwas zu sagen hat, so ist es ratsam, es nicht zu verschweigen. Denn ich weiß nicht, auf welche andere Gelegenheit als die, die jetzt besteht, es derjenige verschieben könnte, der zu diesen Dingen etwas sagen oder hören will.

In der Tat weiß ich nicht, sagte Simmias, wie ich noch zweifeln sollte nach dem, was gesagt wurde. [2] Wegen der Größe der Gegenstände allerdings, von denen die Reden handeln, und angesichts der menschlichen Schwäche bin ich genötigt, bei mir noch einen Zweifel über das Gesagte zu behalten.

Nicht nur das, Simmias, sagte Sokrates, sondern wie du dies zu Recht sagst, so müßt ihr auch die ersten Voraussetzungen, selbst wenn sie euch glaubwürdig erscheinen, doch noch genauer untersuchen.[3] Und wenn ihr sie hinreichend durchdacht habt, werdet ihreuch, wie ich glaube, der Redeanschließen, so weit es einem Menschen nur möglich ist, sich ihr anzuschließen. Wenn euch dieses selbst klar geworden ist, werdet ihr nichts mehr darüber hinaus suchen.[4]

Du hast recht, sagte er.

[5] [6] Aber das, ihr Männer, sagte er, ist wert, bedacht zu werden, daß die Seele, wenn sie unsterblich ist, auch der Fürsorge bedarf nicht nur für die Zeit, die wir das Leben nennen, sondern für die ganze Zeit; und dieGefahr müßte nun erst recht furchtbar erscheinen, wenn jemand sie sorglos behandelte. Denn wenn der Tod eine Trennung von allem wäre, dann wäre es ein Glücksfall für die Schlechten, wenn sie gestorben sind, von ihrem Körper getrennt zu sein und zugleich auch – mit der Seele – von ihrer Schlechtigkeit.[7] Nun aber, da sie sich ja als unsterblich zeigt, [8] kann es wohl für sie keine andere Befreiung vom Schlechten geben und keine Rettung, außer, daß sie so gut und so vernünftig wird wie möglich. Nichts anderes nämlich hat die Seele bei sich, wenn sie in die Unterwelt kommt, als ihre Erziehung und Nahrung,[9] was dann auch, wie man sagt, dem Verstorbenen am meisten nützt oder schadet sogleich zu Beginn seiner Reise dorthin. Man sagt aber, daß jeden Verstorbenen sein Dämon,[10] der sich schon mi Leben um ihn kümmerte, an einen Ort zu führen sucht, von wo die Versammelten, nachdem sie sich ihr Urteil haben sprechen lassen, in die Unterwelt wandern müssen mit jenem Führer, [11] dem es befohlen ist, die Hiesigen nach dort zu bringen. Nachdem ihnen dort zuteil geworden ist, was ihnen zukommt, und sie die erforderliche Zeit geblieben sind, bringt sei ein anderer Führer nach vielen und großen Zeitumläufen wieder hierhin. … ▷

—Übrstzng F.S.

  1. ↑ [107.A]
  2. ↑ [B]
  3. ↑
  4. ↑
  5. ↑ 57.
  6. ↑ [C]
  7. ↑
  8. ↑ [D]
  9. ↑
  10. ↑
  11. ↑ [E]