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Werk:Wortbegriff und Rechtschreibung

aus AufEinWort, der freien Forschung

Über diese Seite Werk

Überarbeitung Liste Werke von Klaus Feldmann 
Schriftstück
3. Dezember 2021 n. Chr. erst.  
Ausgabe 01
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Leserschaft: Niemand
veröffentlicht
ungeprüft
Überarbeiteter Auszug aus Wortbegriff und Orthographie Von Dieter Herberg
Herberg_Wortbegriff_und_Orthographie_1980.pdf 2021120301 Herberg_Wortbegriff_und_Orthographie_1980.pages

Erschienen in: Nerius, Dieter/Scharnhorst, Jürgen (Hrsg.): Theoretische Probleme der deutschen Orthographie. Berlin: Akademie-Verlag, 1980. S. 140-161. (Sprache und Gesellschaft 16)


Danach sind Wort und Wortlaute (Lexeme) die Elemente der sprachwörtlichen Ebene des Sprachsystems (damit ohne Einbeziehung des Textzusammenhang), die als zweiseitig sprachliche Zeichen eine verhältnißmäßig stabile Einheit aus Bedeutung und (lautischer und schriftlicher) Wortform darstellen.

Das Wort, das von allen sprachlichen Zeichen im Bewußtsein der Gesell­schaft die größte Rolle spielt, besteht demnach aus der Wortbedeutung und der (lautischer und schreiblicher) Wortform.

Die bisher bekannten Definitionen des Wortes – gleich, ob sie das Wort unter zeichlicher, Formansicht, satzbaulichem, lautischem oder schriftlichen Aspekt betrachten – stützen sich auf das „Wort“, wie es als materielle Erscheinung in Gestalt der Grundformen oder der Beugungen bei der Ver­wendung in der Rede, zumeist aber im Text faßbar wird, indem man es alleinstellt. Das Wort hat seinen Platz als sprachliche Einheit aber ebenso im System. „Das Allgemeine, der Allgemeinbegriff ‚Wort' als Einheit des Sprachsystems, ist Ergebniß der Begriffbildung aus allen Einzelwörtern der Redewirklichkeit“

Das Wort ist sowohl Teil als auch Ganzes: Teil in bezug auf Musterwort/Wortsystem und Wortewort/Text bzw. Rede, denen es angehört; Ganzes gegen­über seinen Elementen, aus denen es sich errichtet, der Wortform. Als Ganzes ist das Wort nur in bezug auf seine Teile zu definieren: durch die Menge, Art und Anordnung seiner Wortformen sowie durch die damit gegebenen Beziehungsverhältnissse, also durch seine Struktur. Als Teil kann das Wort nur in bezug auf ein bestimmtes Ganzes (Musterwort/Wortewort) definiert werden. Eine Wortbestimmung hat das Wort also vor allem hinreichend gegenüber der Wortgruppe und gegenüber dem Wortformen abzugrenzen.

Das Wort kann dann bestimmt werden als "kleinster selbständiger sprach­licher Bedeutungsträger" oder als „kleinstes verhältnismäßig selbständig bedeutungs­tragendes Element der Sprache, das in Einem Wortspruch lautlich (phonetisch), zeichnerisch/schreiblich (graphisch), sprachlehregemäß (grammatisch) und bedeutungsgemäß (semantisch) alleinstellbar und damit bestimmbar ist“.

Die Einschränkung – verhältnismäßig selbständig – weist auf zweierlei hin: zum einen, daß nicht nur die Vollwörter, sondern auch die nur begrenzt mit einer Eigenbedeutung ausgestatteten Leerwörter als Wörter angesehen werden; zum anderen, daß auch innerhalb von Wortgruppen Wörter als Bestandteile bewirkend sind, wenngleich mit zum Teil stark verminderter Eigenbedeutung. Auch die andere Einschränkung – kleinstes – soll das Wort abgrenzen von der Wortgruppe, sofern diese ebenfalls eine relativ geschlossene Bedeutung trägt (z. B. in Verbindung stehen, Antwort geben).

Unter dem auf der hier erörterten Ebene vorherr­schenden Gesichtspunkt der bedeutungsgemäßen Geschlossenheit werden Wörter wie Wortgruppen, sofern sie das genannte Unterscheidungsmerkmal erfüllen, mit dem gemeinsamen Terminus Wortlaut (Lexem) bezeichnet.

Wortlaute sind demnach Bestand­teile des Sprachsystems, die aus einem Wort oder Worte bestehen können. Die Worte bilden also nur eine – wenn auch sehr beträcht­liche - Teilmenge der Wortlaute.

Die Inhalt-Form-Beziehung der beiden Wortlautteilmengen stellt sich in folgender Weise dar:

Wortlaute Wortelaute, Wortgruppenlaute
Bedeutung Wortlautbedeutung = Wortbedeutung Wortlautbedeutung oder = 2 … n Wortbedeutungen
Form Wortlautform = Wortform Wortlautform oder = 2 … n Wortformen

Es wird deutlich, daß sich die Bedeutung von Wortgruppenlaute - im Unterschied zu den Wortlauten - nur teilweise aus den Wortbedeutungen der sie errichtenden Wortformen ergibt, daß sich aber ihre Form in jedem Falle aus den Wortformen ergibt.

Als Einheit des Sprachsystems wird das Wort bei alleinstehender Nennung in der sogenannten Nennform, Grundform oder Ausgangsform (Wörterbuchwörter)  zitiert, die mit der wortlautlichen Basis (d. h. sprachliche Nullform ohne formlehrige Merkmale) zusammenfällt.

Von größerer, weil generellerer Bedeutung für die Abgrenzung und den Nachweis der Ganzheit des Wortes besteht in der Mehrzahl: die europäischen Sprachen ein anderes sprechliches Merkmal: die Wort­betonung. Unter der Wort­betonung versteht man die Markierung einer bestimmten oder der einzigen Silbe des Wortes. Dieses hervorgehobene silbische Bestandteil wird Anstoß genannt; Wörter sind also charakterisiert durch einen Anstoß (Iktus).

Eine Besonderheit, die vor allem das Wort im Deutschen auszeichnet, ist die Möglichkeit, daß in einem Wort nicht eine, sondern mehrere Betonungen vorhanden sind; dabei ist ein obligatorisches Übergewicht einer "Hauptbetonung“- oder "zentralen“ Betonung vorhanden.