Wort (Grimm-2)
bedeutung und gebrauch. wie in den anderen germanischen sprachen gilt seit je auch im deutschen für wort eine schon in lat. verbum zutage tretende doppelheit der bedeutung. wort bezeichnet einerseits eine zusammenhängende rede (I), anderseits ein lautgebilde bestimmter bedeutung als kleinste sinneinheit der rede (II). innerhalb der umfassenden, vielfältig gegliederten anwendung I liegen die grundlinien von anfang an oder doch schon früh fest, so namentlich der wichtige religiös-christliche gebrauch (C), die wendung von der rede als etwas gesprochenem zur rede als dem akt und vorgang des sprechens (D), die spezielle bedeutung 'versicherung, versprechen' (F). besondere bedeutung kommt dem in diesem bereich weithin unterschiedlichen gebrauch des singulars und plurals zu. die anwendung II 'einzelwort' bewegt sich in engeren grenzen. jenseits der unterscheidung von I und II bleibt wort in einer dritten anwendung (III), die in der vorstellung des sprachvollzuges wurzelt und von dorther ein eigenes sprachliches leben entwickelt.
I.
sg. wort, pl. worte als zusammenfassender begriff für eine mündliche (oder schriftliche, doch vgl. I D 5) äuszerung, die aus einer gruppe von einzelwörtern (s. II) besteht und einen geistigen sinnzusammenhang darstellt: die aussage, der ausspruch, die rede und das reden, lat. verbum, dictum, dictio, oratio.
A.
singularisch das, ein wort im hinblick auf eine bestimmte kurze oder doch relativ kurze aussage: das gesagte, etwas gesprochenes oder zu sprechendes.
1)
für eine wörtliche aussage, insbesondere eine geprägte äuszerung.
a)
allgemein jeder bestimmte, wörtliche ausspruch:
nim nu wort minaz in herza, magad, thinaz ...
thiz kind ist untar manne zi manegero falle
Otfrid I 15, 27;
Jhesus spricht zu jm, gehe hin, dein son lebet. der mensch gleubete dem wort, das Jhesus zu jm saget, vnd gieng hin Joh. 4, 50; vgl. Matth. 19, 22;
der grafe koͤmmt! o was vor lust
erregt diesz wort in tausend herzen
Stoppe Parnass (1735) 1;
ich musz eure freude durch ein wort unterbrechen: Norberg kommt! in vierzehn tagen kommt er! Göthe I 21, 6 W. wohl von hier aus gelegentlich die im plur. gebräuchlichere bedeutung 'wortlaut' (s. u. B 1 f): den 5. tag martii ist dieser artikl also geändert worden, das ain wachter abziechn soll von der wacht so oft der lichte tag kompt o. geschen wirdt, u. das aufziechen bleibt in sein wort (d. i. in unverändertem wortlaut) (16. u. 17. jh.) österr. weist. 6, 213, 5;
(Wallenstein:)
was verdient der officier,
der eidvergessen seine ordre bricht? .....
(Max:)
nach des gesetzes wort — den tod!
Schiller 12, 122 G.
manchmal nimmt wort hier in prägnantem gebrauch den sinn von 'antwort' an, vgl. in früher formel:
thô habde eft is uuord garu
Heliand 273 B.; vgl. 2023, 2324 u. ö.;
wer? ich (soll der dargestellte sein)? was geht dis bild mich an?
ich bin ja nicht von ertz, wo siehst du, dasz ichs führe?
ertz ist der helden tracht, war mahler Affens wort
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 107;
dat schall keen word hemm 'darauf will ich nicht antworten' Mensing schlesw.-holst. 5, 687; s. auch den redensartlichen gebrauch ein wort gibt das andere u. ä. unter 4 b α. mit kennzeichnendem attribut in verschiedenen richtungen:
uuorte slehtemu (sermone blando) angil
fora chuuidit chuuenom
Murbacher hymnen 19, 6, 1 Sievers;
sie eilet, sie bittet mit schmeichelndem wort
Göthe I 3, 5 W.;
das (Gal. 1, 8) ist yhe eyn hart wort von solchem apostell Luther 8, 148 W.;
als die frau diesz harte wort vernommen,
stand die treue starr und voller schmerzen
Göthe I 2, 49 W.;
wills gott ist ein gutes wort von alters her Schellhorn sprichw. (1797) 82. mundartlich diese verbindung in der speziellen bedeutung 'gebet': laat uns 'n good word spreken sagte der hausvater früher vor dem tischgebet Mensingschlesw.-holst. 5, 687;
des propheten tiefstes wort
oft ists nur charade
Göthe I 3, 268 W.;
denn er war unser! mag das stolze wort
den lauten schmerz gewaltig übertönen!
ders. I 16, 166 W.;
da hast du, frau, ein wahres wort geredt!
Bürger s. w. 153 Bohtz.
b)
ein bedeutsamer ausspruch, eine historisch gewordene prägung, eine sentenz, ein zitat u. ä.: nu nement wir herfür sant Bernhartes wort: 'ach wo nimmet dis leit ein ende'? Tauler pred. 316, 7 V. vornehmlich in jüngerem gebrauch: kein mensch musz müssen, sagt der jude Nathan zum derwisch und dieses wort ist in einem weiteren umfange wahr, als man demselben vielleicht einräumen möchte Schiller 10, 214 G.;
dann steht das wort mir auf: mensch werde wesentlich!
E. Stadler der aufbruch (1914) 12.
attributiv bestimmt: die wahrheit jenes alten worts, zuwachs an kenntnisz ist zuwachs an unruhe, hatte mich mit ganzer gewalt getroffen Göthe I 27, 177 W.; vor allen dingen wollen wir das grosze wort, das homo sum, nihil humani a me alienum puto, mit aller liebe und allem ernste aufnehmen Hölderlin s. w. 3, 371 Hell. namentlich geflügeltes wort, eine von Georg Büchmann geschaffene umdeutung der auf Homer zurückgehenden geflügelten worte in anderem sinne (s. u. III C 2): Georg Büchmann geflügelte worte. der citatenschatz des deutschen volkes (1864) titel; 'geflügelte worte nenne ich worte, die von nachweisbaren verfassern ausgegangen, allgemein bekannt geworden sind und wie sprichwörter angewandt werden' ebda einleitung: seine vorliebe für drastische sprüchwörter und heimische 'geflügelte worte' von der derberen observanz Fontane ges. rom. u. nov.² 1, 4.
c)
speziell der biblische einzelspruch, die bibelstelle, gelegentlich auch in der form wort gottes, wort des herrn, aber in deutlichem unterschied zu dem collectiven gebrauch der gleichen verbindungen (s. u.C): þanuh wairþiþ waurd þata gamelido (folgt ein alttestamentliches zitat) got. bibel 1. Kor. 15, 54;
an in wart ein wort volbrâht,
daz sprichet Cristes selbe alsô
in dem ewangêliô
'ein guoter boum gît guote fruht'
(14. jh.) Alexius 105, v. 54 Maszmann;
ein wort gottes ist gröszer denn drey welt Petri d. Teutschen weish. (1605) 1, C 1ᵇ; desz herrn wort: sine me nihil potestis facere Lehman floril. polit. (1662) 1, 18. prägnant kann wort geradezu für 'bibelstelle' stehen: wie sy von uns ein häll wort erfordrend, darinn stande, man sol kindertoufen Zwingli v. d. touf (1525) n 1ᵇ. in der umschreibung das alte wort:
hie velschet sich daz alte wort, ...
daz ein man und sîn wîp
solden haben einen lîp
Reinbot v. Durne d. hl. Georg 4611 Kraus;
den seinen gibts der herr im schlafe, spricht
ein altes wort, doch mögens wenge deuten
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 197.
d)
von c aus ist wort oder gottes wort im besonderen die auf den biblischen einsetzungsworten beruhende christliche sakramentsformel, die mit dem element oder zeichen zusammen das sakrament begründet (s. auch B 1 e und unten wortzeichen 1 b):
swâ daz gotes wort unt diu gewîhte hant
wurchent ob dem gotes tische ensant,
dâ wirt gotes lîchname in der misse
Heinrich von Melk priesterl. 397 Heinzel-K.;
das sacrament ist brod und wein, aber nicht schlecht brod noch wein, so man sonst zu tisch tregt, sondern brod und weyn ynn gottes wort gefasset und daran gebunden Luther 30, 1, 223 W.; vgl. 214; Luther hat stets gelehrt, dasz das eigentlich wirksame im sakrament das wort sei Karl Müller symbolik (1896) 361.
2)
von der vorstellung des wörtlich geprägten aus nimmt wort schon früh, und vorwiegend in älterer sprache, in speziellen, meist prägnanten anwendungen eine bestimmte begriffliche, inhaltliche färbung an.
a)
'sprichwort':
dô wart diz wort bewæret:
er belîbet dicke sigelôs,
swer die sîne verkôs
Ulrich von Zatzikhoven Lanzelet 130 Hahn;
Boner edelstein einl. 49 Pf.; vgl. ebda 31; 71, 59; ausz kindern werden auch leut ... in disem wort ist eygentlich abgemalet, wie gott regieret auff erden Joh. Agricola sprichw. (1534) nr. 594;
nein, betragt euch klüger,
sonst (um das arme wort nicht todt zu hetzen)
trägt eure narrheit noch euch schaden ein
Shakespeare (1797) 3, 169.
mit kennzeichnendem beiwort (weitere mhd. nachweise in: zs. f. dt. alt. 8, 378):
er irvolte daz altsprochene wort ...
iz en ist nicht allez golt daz dâ glîzzit
Rolandslied 1956 Maurer;
es ist ein altgesprochen wort:
verschwigen blib doch nie kein mort
Murner v. d. fier ketzeren 587 Fuchs;
es kann der Britte gegen den Schotten nicht
gerecht seyn, ist ein uralt wort
Schiller 12, 433 G.
b)
in vergleichbarer gelegenheitsanwendung auch 'sinnspruch, leitspruch, devise': iro uuort ist: manducemus et bibamus cras enim moriemur. min uuort ist daragagene: immo ieiunemus et oremus cras enim moriemur Notker 2, 277, 17 P. (ps. 70, 7); das wort der familie war: bete und arbeite Campe 5 (1811) 776ᵃ. mundartlich geläufiger: 'sein wort' = angewöhntes wort, leibspruch Crecelius oberhess. wb. (1897) 924; Müller-Fraureuth obers. 2, 680ᵃ; Rother d. schles. sprichw. 186ᵇ; hool di an tuun, wer sien word 'seine ständige redensart' Mensing schlesw.-holst. 5, 687. speziell im gebrauch der sprachgesellschaften des 17. jh.: das jedem zugetheilte gemälde und wort ('leitspruch, devise'), dem fruchtbringenden pflanzenreiche entlehnt, erinnerten gleichfalls frucht zu schaffen Krause erzschrein 2; dasz ... generalen und obriste ... diesen hochberühmten orden (die sprachgesellschaft) dergestalt beliebet, dasz sie in demselben auff und angenommen zu werden inständig begehret, gestalt ihnen denn auch ihre gebührliche stelle, wohrt, namen und gemählde gegeben und zugeeignet worden J. Rist d. friedew. Teutschl. (1648) (a) 4ᵃ.
c)
'befehl, gebot, geheisz', lat. dictum.
α)
allgemein, vgl. ags. word in gleicher bedeutung bei Bosworth-Toller 1265ᵃ, engl. word Murray 10, 2 s. v. word I 7:
untthat thi uuord cume
hêrron thînes, that thu ...
Heliand 707 B.; vgl. 767; 2857 u. ö.
du solt über mein haus sein, und deinem wort sol alle mein volck gehorsam sein 1. Mose 41, 40;
Talthybius (vollzog) des oberfeldherrn wort
Bürger s. w. 152 Bohtz;
vgl. 150. gern in alliterierender verbindung:
der wink und wort gehorcht, und auch befehle giebt
J. Chr. Bröstedt Esther (1746) vorauftrit;
greifen wir nicht wie ein mühlwerk flink
in einander, auf wort und wink?
Schiller 12, 47 G.
β)
im sprachgebrauch der bibel verschieden gewendet. die zehn worte 'die zehn gebote, der dekalog': decalogum zehan uuort (R) decem uerba legis zehan uuort euue (K) ahd. gl. 1, 103, 34f. St.-S.; zehin uuort eo zeuuerinne daz chit decem precepta legis obseruare Notker 2, 388, 11 P. (gloss.); vnd er (Mose) schreib auff die tafeln solchen bund, die zehen wort 2. Mose 34, 28; Stieler stammb. (1691) 2577. als wort gottes, wort des herrn, aber (wie unter 1 c) im unterschied zu dem collectivgebrauch C von einer einzelnen göttlichen weisung, einem bestimmten göttlichen wortauftrag, den ein mensch für sich empfängt oder an andere weiterzugeben hat, namentlich im gebrauch des alten testaments: dis ist das wort, welchs geschach zu Jeremia, vom herrn, vnd sprach Jeremia 7, 1; vgl. 11, 1; 18, 1; 21, 1 u. ö.; vnd Ehud sprach (zum Moabiterkönig), ich hab gottes wort an dich, da stund er auff von seinem stuel richter 3, 20; von hier aus:
wer weisz, wie unerwartet bald
des höchsten wort an mich erschallt
R. Z. Becker Mildheim. liederb. (1799) 70.
von dem gebietenden schöpferwort gottes, das die welt erschuf und erhält (mit anderem biblischen ansatzpunkt s. u. C 4 a ende): verbo domini celi firmati sunt. uuio aber die himela? die sint kefestinot mit sinemo uuorte Notker 2, 107, 24 P. (ps. 32, 6); durch den glauben mercken wir, das die welt durch gottes wort fertig ist, das alles das man sihet, aus nichte worden ist Ebr. 11, 3; 2. Petr. 3, 5; Jesus Sirach 43, 25; 28; halleluja Jehova! ehr und preis sey dem herrn, er hat alles wohl geschaffen, alles herrlich vollendet durch sein wort! maler Müller w. (1811) 1, 79. von biblischer vorstellung aus: Zeus, mit ernstem gesicht, sprach das wort der schöpfung. da quoll leben in den staub Lessing 1, 197 L.-M.
d)
eine mhd. bedeutung 'ausdrückliche zustimmung, einwilligung' scheint über das 15. jh. hinaus nicht lebensfähig geblieben zu sein:
dar umbe hât here gesendet
Karl der rômische voget,
unt ist der fürsten aller wort
Rolandslied 2011 Maurer;
ez sol auch chein meister chein meisterlon nemen, er sei danne bestetig vor mit der burger wort (13.—14. jh.) Nürnb. polizeiordn. 286 Baader; vgl. 125; odir der sust beseitz awz rite von dem hawffen on der hauptlewͤt wort (Nürnberg ca. 1400) städtechron. 1, 176. in alliterierenden formeln:
ez truogen in ein ander lant,
dâ im niemen was bekant,
unt fürbaz in ein grôzen port.
daz was sîn wille unde wort
Alexius 70, v. 150 Maszmann;
und heten daz auch pederseit gesprochen fur alle ir frewnt ... daz daz pederseit ir will und wort wer (ca. 1400 Nürnberg) städtechron. 1, 75; wir haben vorher all sach mit unsers gnedigen herrn von Bamberg wissen und wort gehandelt (15. jh.) A. Chroust chron. d. stadt Bamberg 1, 31; vgl. Wachter gloss. (1737) 1927; Haltaus gloss. (1758) 2130.
e)
als 'votum, stimme in der wahl' nur in vereinzelter lexikalischer verzeichnung zu belegen: wort ... suffragium, votum Stieler (1691) 2576; Dentzler clavis ling. lat. (1716) 357ᵃ.
f)
als 'vorwand, ausrede, ausflucht' in der verbindung etwas zu wort haben oder nehmen, seit dem 13. jh. und auf obd., namentlich schweizerischem boden bis zur wende vom 16. zum 17. jh. belegbar (s. auch wehrwort teil 14, 1, 307):
waz sol ich ze worte hân,
sô man mich umb dich vrâget?
Mai u. Beaflor 38, 36 Pf.;
dgl. 88, 7; dt. pred. d. 13. jh. 2, 77 Grieshaber; sie namen die raͤuhe der winterkaͤlte zu wort, und hetten jren winterlaͤger in das gordianische koͤnigreich gerichtet Xylander Plutarchus (1580) 263ᵃ; so etwan ein land widerspennige landsaͤssen oder flaͤcken hat, so namen die Roͤmer soͤlche auffruͤrige leut zu burger an, suchten dardurch glimpff vnd vrsach wider das selbig land, etwan ausz kleinen ansprachen zubekriegen, hatten jre burger zu wort Stumpf Schweizerchron. (1606) 300ᵃ. später vereinzelt lexikalisch: er nimmt das zum wort hoc praetextu utitur; hoc habet argumenti; hoc se nomine tuetur Aler dict. (1727) 2, 2214ᵃ. in schweizerischer mundart lebt der gebrauch nach: a 'n mart (markt) ge chaufe is er (ihr) 's wort, aber mit dem liebste z' sämmechō ist er 's ort (zweck) g'sē (gewesen) (Appenzell) schweizer. id. 1, 482; mich zum wort und d' sach an en ort 'er tut, als sorgte er für mich, denkt aber an sich, weisz die sache für sich beiseite zu bringen' ebda 1, 484; Stalder schweizer. id. 2, 457.
3)
andere anwendungen bestimmter bedeutung können auch von wort II 'einzelwort' her empfunden werden, ohne jedoch im sprachgebrauch durchweg an die vorstellung eines einzelnen wortes gebunden zu sein.
a)
die lösungsformel eines rätsels oder die zauberformel, eigentlich und übertragen (vgl. den prägnanten gebrauch des plurals in verwandter bedeutung unter B 2 a):
ists möglich? dasz ein mann
dir so verborgen blieb, von dem es heiszt,
er habe Salomons und Davids gräber
erforscht, und wisse deren siegel durch
ein mächtiges geheimes wort zu lösen?
Lessing 3, 54, 318 L.-M.;
hab ich doch das wort vergessen!
ach das wort, worauf am ende
er (der besen) das wird, was er gewesen
Göthe I 1, 216 W. ('der zauberlehrling');
unsre absicht ist vielmehr, nur auf den weg zu deuten, auf welchem zuletzt die alles umfassende formel, das eigentliche wort des räthsels gefunden werden kann Göthe II 1, 199 W.; IV 18, 51 W.;
dort, dort
findest du des räthsels wort
Gaudy s. w. (1844) 13, 24;
nur auf einen zauber musz noch hingewiesen werden ... auf den zauber des lebendigen worts. ... im fluche wirkt die kraft des wortes am stärksten U. v. Wilamowitz-Moellendorff glaube d. Hellenen (1931) 1, 31; s. u.wortzauber 2.
b)
'losungswort, parole', in der militärischen fachsprache (s. auch wortzeichen 5 a), vgl. schon: alsô ouh in proelio symbolum heizet daz zeichen, daz an scilten alde an geinôtên uuorten ist, tannân iegelîche iro socios irchennent Müllenhoff-Scherer denkm. 250 (Notkers catechism. A 29); 2. Makkab. 13, 15; Francisco und wache heraus, geben das wort auf der anderen seite schausp. engl. comöd. 152 Creizenach; Duez nomencl. (1652) 231; M. Kramer 2 (1702) 1396ᵇ; Varus änderte das früh gegebene wort und gab anietzt: die glückseligkeit Lohenstein Arminius (1689) 1, 37ᵇ;
Melchthal: wer ist da? gebt das wort!
Stauffacher: freunde des landes
Schiller 14, 317 G.
c)
in der schiffersprache: das wort sprechen ... 'durch einen ausruf das zeichen geben, dasz alle zugleich an einem taue ziehen, wofür man auch aufsingen sagt, und welches das amt des bootsmanns ist' Campe 5 (1811) 775; Bobrik naut. wb. (1850) 743ᵇ.
4)
wort ist allgemein jede enger begrenzte aussage, eine kurze ausführung, mitteilung, bemerkung, meinungsäuszerung, glied, teil eines gesprächs u. ä. dieser wichtige gebrauch setzt im älteren nhd. ein, gewinnt aber erst seit der mitte des 18. jh. seine volle breite. soweit dieser gebrauch als ein wort in der verbindung mit dem zahlwort ein an die vorstellung des einzelnen zählbaren wortes anknüpft, s. u. II C 2.
a)
ohne formelhafte bindung: nähere beschreibung im folgenden stück. noch ein wort von meiner seefahrt, sie endete glücklich und die herrlichkeit des wasserspiegels ... freute mich recht im herzen Göthe III 1, 186 W.; was dann weiter folgte, die urversammlungen, die eidesleistung, ..., darauf werden wir unten noch mit einem worte zurückkommen L. Häusser dt. gesch. (1854) 1, 505; jedes wort gegen die republik ward bestraft Ranke s. w. (1867) 17, 14; nach langer, langer pause wagte der jüngling zuerst ein wort Stifter s. w. 1 (1904) 30. einschränkend: nu, du wirst dir das alles besser ausdenken, wies ein alt fräle dir kann sagen. und wenn dirs nicht recht ist, so ists eben auch ein wort gewest. man redt gar viel den tag, was man nicht in den kalender schreibt O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 129; he seggt wull mal 'n woord un meent dat nich so Mensing schlesw.-holst. 5, 687. speziell 'briefliche mitteilung, briefliches gruszwort', bei Göthe in geläufigem gebrauch: wie wird michs freuen auch wieder ein wort von ihnen zu sehen IV 8, 33 W.; heute nur ein wort! das dir nicht wunderlich vorkommen möge! IV 40, 300 W. u. ö.; (Dahlmann an Wilhelm Grimm:) sie sollen, liebster Wilhelm, so sehr auch die briefstellerei meine schwache seite ist, ein wort von mir doch hören briefw. (1885) 1, 63. mundartlich: wort kleiner brief: er het em es wort mitg'gë 'er hat ihm einen brief mitgegeben' Hunziker Aargau 302.
b)
in mehr oder minder festen verbalverbindungen:
α)
ein wort bringt, reizt das andere, in jüngerer sprache ein wort gibt das andere, bedeutungsmäszig schattiert: des er (der junge mönch) sich palde zuͦ ire nächnet, mit dem guͦten meidlein zuͦ rede kam, ein wort daz ander pracht, vnd nach langem reden mit einander eins wurden Arigo decamerone 36 Keller; Gangler Luxemb. 486; vox elicit vocem frag erforderet antwort, ein wort reitzt das ander Frisius dict. (1556) 1409ᵃ; ein wort gab das andre, das das dritte ... und als die zeit des hausthürverschlieszens kam, da waren sie einig, was mit ihnen werden sollte O. Ludwig ges. schr. 2, 336 Schm.-St.; een woord gav dat ander die unterredung währte lange Dähnert plattdt. wb. (1781) 556ᵇ. von streitworten (s. dazu D 2 b): ein wort gab das andere ... 'ein streitwort gab oder veranlaszte das andere' Campe 5 (1811) 775. so namentlich in der mundart: eiⁿ wort geit 's anderᵉ, hat 's anderᵉ gᵉgᵉbeⁿ, 'dadurch entstand streit' Fischer schwäb. 6, 959; Martin-Lienhart elsäss. 2, 859ᵇ; Brendicke Berlin 194ᵃ.
β)
über, von etwas ein wort sagen 'über etwas eine kurze ausführung machen oder seine meinung, sein urteil äuszern', in naher berührung mit D 1 e δ: versäumen sie nicht ..., mir auch von unsern geschäftsmännern ein wort zu sagen Göthe I 24, 107 W.; sei es verstattet ... über sein verhältnisz zur poesie ein wort zu sagen Justi Winckelmann (1866) 1, 236; ähnlich: der hoffmeister gab sein wort auch dazu Chr. Weise drei erzn. 13 ndr.; als die schülerinnen abgetreten waren, die prüfenden zusammen rath hielten und uns lehrern wenigstens einiges wort dabei gönnten Göthe I 20, 60 W.
γ)
(mit, zu) jmd. ein wort sprechen, reden 'jmd. etwas sagen, mit jmd. ein kurzes gespräch führen': die frem bden 2 studiosi gehen hinein und sagen: mons. wir haben ihm ein wort zu sprechen Schoch com. v. stud. leben (1657) G 3ᵃ;
laszt mich ein wort mit meinem vater sprechen!
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 249;
so höret denn endlich einmal auf, mitlaute, ... dass man ein wort in ruhe mit euch reden kan Klopstock gramm. gespr. (1794) 12.
δ)
mit jmd. ein wort wechseln 'mit jmd. ein (kurzes) gespräch haben, reden', den allgemeineren gebrauch der pluralischen formel s. u. D 2 a η: dieser mensch, mit welchem ich gleichwol zeit meines lebens auch das geringste wohrt nicht gewechselt Rist d. friedew. Teutschland (1647) vorber. (a) 8ᵇ; wort mit einem wechseln essere, stare, venir' a parole, trattenere uno, abboccarsi con uno Kramer t.-ital. 2 (1702) 1395ᶜ; ein herr wie der ratsschreiber, mein herr, könne in allen ehren mit eurem töchterlein ein wort wechseln W. Hauff s. w. (1890) 1, 67; (Gervinus an Jacob Grimm:) wir haben lange kein briefliches wort gewechselt briefw. (1885) 2, 132. übertragen: ei, diese gemsen! ... ja, wäre mit diesen gazellen der Alpen ein verständiges wort zu wechseln Barth a. d. nördl. Kalkalpen (1874) 416.
ε)
ein wort fallen lassen 'eine beiläufige bemerkung machen': endlich liesz zwar der churfürst von Sachsen ein wort von einer genugthuung fallen, die in geld bestehen ... sollte Schiller 8, 367 G.; auch liesz er gegen meinen onkel ein wort fallen Bauernfeld ges. schr. (1871) 1, 125.
c)
mit kennzeichnendem adjektivattribut, mehr von der gesinnung des sprechenden oder dem gefühlsgehalt des gesprochenen als vom inhalt her bestimmt.
α)
du pist mir lieber hie wann dort.
nu lisp mir zue ain freuntlich wort
Oswald v. Wolkenstein 40, 39 Schatz;
vgl. 96, 53; es ist mir beinahe unmöglich, ein freundliches höfliches wort mit ihr zu reden Göthe I 22, 194 W.; das sind schlechte erbärmliche menschen, die sich entsezen, wenn mir ein warmes herzliches wort entwischt Schiller 3, 389 G.;
kein weiches wort sie ihnen bot, (die stiefmutter den stiefkindern)
und liebeswort freuet das herz!
Münchhausen balladen u. ritterl. lieder (1922) 121.
β)
namentlich ein gutes wort (anders s. o. 1 a) ein begütigendes, in guter absicht gesprochenes. so in sprichwörtern (den noch reicher entwickelten gebrauch des plurals s. u. B 4 b β): denn ein gut wort find eine gute stet Luther 30, 2, 69 W.; ein gutes wort findet eine gute statt, aber ein vernünftiges keine Göthe IV 29, 19 W.; was schadet ein guͦt wort, darff mans doch nit kauffen schöne weise klugreden (1548) 96ᵇ; ein gutes wort ist halbes futter Binder sprichw. 216; und sonst:
das fleisch (ist) von maden weisz, die butter seifen-grau,
kein gutes wort darzu, und lauter saure minen
(wenn man eine schlechte frau hat)
Triller poet. betr. 2 (1746) 282;
wenn du ... mit Hanna zusammentriffst, so sage ihr ein gutes wort Stifter s. w. 3 (1911) 274. jmd. ein (kein) gutes wort geben 'freundlich mit jmd. sprechen':
aber der pfaff fuhr jmmer fort,
und gab dem armen kein gut wort (einem zum tode verurteilten)
L. Sandrub hist. u. poet. kurzweil 92, 28 ndr.;
nie kundt ich zu wegen bringen,
Fillis so viel gnad von dir,
dasz du ein gut wort mir geben
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 80.
das freundliche sprechen in bestimmter absicht: ich gebe keinem menschen ein gutes wort non cuiquam homini supplico Serz teutsche idiotismen 178ᵇ; wenn ihr mir ein gutes wort gebt, gehe ich auch mit Göthe I 23, 237 W. 'ein dankeswort sagen, danken':
ich gebe euch (Petrus) nicht ein gutes wort,
das jhr mich einliest an den ort, ...
dem (Christus) weis ichs danck, das er mich hat
eingelassen (ins paradies)
Hayneccius Hans Pfriem 68 ndr.;
danks ihm im grunde der teufel, du brauchst ihm gar kein gut wort dafür zu geben Göthe IV 9, 32 W. für jmd. ein gutes wort sprechen, einlegen 'sich fürsprechend für jmd. verwenden', vgl. schon im frühmhd. pluralisches gute worte 'fürsprache':
ich nerâde dir nicht ovele.
nû koufe dir selve gôte wort (fürsprache der heiligen)
könig Rother 5150 v. Bahder;
dat he en gut word vor eme spreke (15. jh.) Schiller-Lübben 5, 772ᵇ; könnt ich nur einen guten freund finden, der ein gutes wort vor mich redete schausp. engl. comöd. 171 Creizenach; so weisz ich doch nicht, ob er lust haben wird, unter den gegenwärtigen umständen für meine person ein gutes wort einzulegen Fontane ges. w. (1920) II 4, 411. älter daneben: ein gut wort gegen einem verleyhen jn zefürderen, oder jm zehelffen Frisius dict. (1556) 930ᵇ; Henisch (1616) 325.
d)
durch ein substantivisches attribut bestimmt: in der stunde, da die meinigen sich zur abreise bereiten, will ich ihnen ... noch ein wort des andenkens und des dankes ... einsiegeln Göthe IV 23, 72 W.; vgl. IV 3, 82 W.; er theilte mir die sache mit, ohne ein wort der billigung oder miszbilligung ... hinzuzufügen Storm s. w. (1899) 1, 75; sag mir ... bist du mir wirklich treu? kein wort des vorwurfs, wenn du's nicht bist Schnitzler Anatol (1901) 20. ein wort der ehre in älterer sprache ein unverbindliches kompliment, eine höfliche redensart, vgl. teil 3, 67 s. v. ehrenwort 2:
er sagt: ich thet (nur) ein wort der eren,
nit das du soltst myn gutt begeren
Murner narrenbeschwör. 372 Spanier.
im wort der wahrheit 'wahrhaftig', als ältere umschreibung für eine eidesstattliche versicherung, wie bei wahren worten unter B 4 c α ende: wir ... versprechen bey fürstlichen ehren und wuͤrden, jn rechten guͦten trewen unnd im wort der warheyt, auch bey traw und glauben abschiedt d. reichsztags zu Augspurg (1555) 11ᵃ; die solliche decla. ration nicht schlechtlich, sondern im wort der warhait ... an aidstatt underschriben und besiglet (1608) bei Fischer schwäb. 6, 960.
e)
das singularische wort gewinnt in betontem gebrauch den sinn einer gewichtigen, ernsten, gültigen aussage, prägnant oder mit ausdrücklicher beifügung.
α)
doch ein wort zu den verwegnen!
ja, ein wort soll euch begegnen,
kräftig wie ein donnerschlag
Göthe I 2, 28 W.;
er (der geistliche) hatte (in seiner weihnachtspredigt) ein wort für die trauernden, und für die, welchen freude gegeben war Raabe hungerpastor (1864) 3, 197; reden sie, werthester herr doctor, doch mit maurermeister Timmler ein vertrauliches vernünftiges wort Göthe IV 31, 36 W.; er (der vater) ging sehr verstimmt nach hause, um zunächst der ehehälfte seinen verdrusz mitzutheilen, am nächsten morgen aber mit dem burschen selbst ein ernsthaftes wort zu reden M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 22. redensartlich: mit jmd. ein ernstes oder ein offenes wort reden (müssen): dann werde ich kommen und deinem vater das rechte wort sagen, dasz er es über sich vermöge, dich mit mir zu lassen Stifters. w. 2 (1908) 36.
β)
ein wort zu reden, mitzureden haben bei etwas u. ä. 'entscheidend oder einwilligend bei einer sache mitzuwirken haben', vgl. Kramer 2 (1702) 1394ᵃ; Adelung versuch 5 (1786) 293: nim deines gleichen, so kanstu frölich und zufrieden seyn, und hast macht ein wort zu reden Petri d. Teutschen weish. (1605) 2, Q q 5ᵃ; wir hatten eine ältliche magd, die ... eine art vorrecht genosz, bei familienangelegenheiten ... ein wort mitzureden Stifter s. w. 5, 1 (1908) 181; (Gervinus an Dahlmann:) das wetter hat dabei auch ein wort mitzusprechen briefw. (1885) 2, 358. ein wort reden können von etwas 'bescheid wissen': es gibt krankheiten, die nicht in der luft stecken, sondern in den vollen schüsseln und gläsern, und in den weichen sesseln und seidenen bettern, wie jener hautreiche Amsterdamer ein wort davon reden kann Hebel s. w. 3 (1832) 120.
γ)
es ist ein wort, soll ein wort sein 'es ist vernünftig geredet, läszt sich hören' (in anderer bedeutung s. u. F 1 b ι):
auf dem weg (der reise), da ists ein wort,
niemand wirds verdammen:
wollen wir an einen ort,
nun, wir gehn zusammen
Göthe I 6, 100 W.;
das ist ein vernünftiges wort eine vernünftige rede, wofür man auch nur sagt, das ist ein wort. das ist doch noch ein wort Campe 5 (1811) 775; 'und wenn ich in Petersburg bin oder in Paris und ich höre, dasz meine alte frau Nimptsch gestorben ist, dann schick ich einen kranz, und wenn ich in Berlin bin oder in der nähe, dann bring ich ihn selber'. der alten gesicht verklärte sich ordentlich vor freude. 'na, das is ein wort, herr baron' Fontane ges. w. I 5, 184; Bauer-Collitz192ᵃ; Brendicke Berlin 194ᵃ.
δ)
das letzte wort in einer sache 'die endgültige erklärung, unwiderrufliche entscheidung', jungen gebrauchs, doch vgl. schon in anderer bedeutungsschattierung: magna supremum voce ciere das letst wort mit gott reden Frisius dict. (1556) 221ᵃ;
geht heim zum schah, sagt, dasz ihr mich nicht mitgebracht!
doch Guders sprach: ist das, Rostem, dein letztes wort?
und also sendest du mich und die fürsten fort?
Rückert Rostem (1838) 59ᵃ;
und ihr ... maszt euch an, nach menschlichen übereinkünften über die zulassung zum paradies zu entscheiden, als hätte sich hier nicht ein anderer das letzte wort vorbehalten! quelle a. d. j. 1938; ek häff et letzte woat noch nit gesproken Leithäuser Barmen 172ᵇ; Rother d. schl. sprichw. 186ᵇ; eben in seinem blut ... bewährt sich Jesus als das erste und letzte wort der treue gottes zum menschengeschlecht K. Barth Römerbrief ⁵80.
5)
in collectivem gebrauch bezeichnet wort auch etwas von vielen gesagtes, eine von einer mehrzahl von sprechenden gemachte aussage, s. rede in gleicher bedeutung teil 8, 457 f. verwandter gebrauch von ags. word bei Bosworth-Toller1265ᵃ, engl. word bei Murray.
a)
das, was von jmd. gesagt wird, 'die nachrede, der ruf, das gerede'. mhd. prägnant oder durch guot, grôz, übel u. ä. bestimmt, in einer anzahl geläufiger verbalverbindungen wie wort hân, (in, zu) wort bringen, wort machen, geben, zu worte werden u. ä., vgl. mhd. wb. 3, 808ᵃ, Lexer 3, 978. mhd. vereinzelt auch in pluralischer anwendung:
daz sî verdienet kiuschiu wort
Hartmann v. Aue in minnesangs frühl. 297 Kraus;
vgl. Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 90, 24 L.; Konrad v. Würzburg Engelhard 3857. im ahd. einsetzend, hält sich dieser gebrauch literarisch nur bis ins 16. jh. hinein, hinterläszt aber in der mundart deutliche spuren. meist mit kennzeichnendem attribut in gutem oder bösem sinne:
than lêbot ûs thoh duom after,
guod uuord (gute nachrede) for gumon
Heliand 4002 B.;
ain fürst in seinem hof und lant
sol haben räte, die da hant
götlich gwissen, edel und weis,
ain gmain guet wort der eren preis
Oswald v. Wolkenstein 118, 306 Schatz;
opinio bona gut wort vel lymung (ende 15. jh.) Diefenbach gl. 397ᶜ; eulogium eyn goet wort off sermoen off fame (nrh. Köln 1507) ebda 212ᶜ; wan er hat syne gut geruche (ruf) verlorn und eyn bose wort gewonnen Joh. Wolffbeichtbüchl. 37 Battenberg; he hett 'n bös word 'steht in schlechtem ruf' (18. jh.); gott help, de e̹rst vört böse word is Mensing schlesw.-holst. 5, 688. groszes wort in positivem und negativem sinn: uf disem tage zu Eger wurde eine ehe gestiftet, dasz herzog Albrecht von Sachsen name Girsiges tochter zur ehe. das dem Girsik ein groszes wort machete, und darumbe dem römischen reiche sehr nahe war Eschenloer gesch. d. stadt Breslau (1827) 1, 174; wann es würde gar offenlich geredt, solhes im, auch uns, grosz wort und nachrede brächt, das eu nit lieb und sere laid wäre (1447) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 47. gelegentlich: hüt zergat ann dir daz erlich wort, daz du mengen tag hast gehann, daz du ein kuener held syest volksbücher 293 Bachmann-Singer; vgl. 294. neutral:
ni habet therer ander wort, ni si guat einfolt
(sagt der schächer am kreuz über Jesus)
Otfrid IV 31, 13;
ir haben allwegen das wort, ir helffen betrübten ... zerecht Eberlin v. Günzburg 1, 149 ndr.; dat word geit vör 'n mann her (ümmer den mann vörut) Mensing schlesw.-holst. 5, 688; Doornkaat-Koolman 3, 570ᵃ. prägnant sowohl in auszeichnendem wie in abschätzigem sinne:
er hâtz mit swerten und mit spern
doch alsô sêre gurbort
daz er billîch hât daz wort (berühmt ist)
Reinbot v. Durne Georg 250 Kr.;
de 't word hett, kann gȩrn bet middag slapen 'wer in gutem ruf steht, kann sich viel erlauben' Mensing schlesw.-holst. 5, 688;
veil herzeleive here min ...
wilt ir dan bliven sunder wort,
so laist ur lude riden vort
(Köln 2. hälfte d. 14. jh.) städtechron. 12, 181;
denn ich bin von deinetwegen in ein wort kommen, on alle schuldt buch d. liebe (1587) 88ᵈ; vgl. 330ᵇ. vereinzelter gebrauch in jüngerer schriftsprache steht, wenn er nicht spontan aufzufassen ist, wohl unter mundartlichem einflusz: sie haben oben im gebirge ebenso gut das wort hinter ihren gästen her, wie drunten im thal Raabe unruhige gäste (⁴1900) 167.
b)
das, was über eine sache, eine person, ein ereignis erzählt wird, das gerücht. auf ältere sprache beschränkt; anfänglich auch im plural: thero uuas Andreas ... ein fon then zuein thie thar gihortun thiu uuort fon Johanne (qui audierant ab Johanne) Tatian 16, 3 (Joh. 1, 40); Otfrid II 15, 3; da aber der könig das wort von dem man gottes höret, der wider den altar zu Bethel rieff, recket er seine hand aus bey dem altar, vnd sprach, greifft jn 1. kön. 13, 4; so ist och das ain gemain wort und offner lúnd, das die ... gúter ... syen gelegen (1483) bei Fischer schwäb. 6, 961; hatte er sich in Ungarn den winter über aufgehalten und einen statthalter in Hermannstadt gelassen; ja ihm auch das wort machen lassen, er wäre gestorben qu. z. gesch. d. stadt Kronstadt 4, 23. noch mundartlich nd.: A.: wenneer stigt he mit sin luftball up? B.: um sös, is dat woord! Schütze holst. 4, 374; vgl. auch Murray 10, 2 s. v. word 6 b.
6)
eine erweiterung zu collectivem gebrauch, wohl im anschlusz an 4 e, steht auch hinter singularischem wort, sofern es in jüngerer sprache eine (relativ kurze) ausführung, die knappe darlegung eines gröszeren zusammenhanges, die äuszerung zu einem bestimmten thema, eine programmatische erklärung u. dgl. bedeutet; dabei bleibt oft die vorstellung eines öffentlich geführten gesprächs fühlbar (s. in ähnlichem sinne zwei, drei worte unter II C 3): ein wort von der deutschen literatur in kirchlicher und nationaler beziehung (überschrift eines kapitels) Ranke s. w. (1867) 31/32, 82; ein wort über den verfasser des Pilatus (überschrift) Göthe I 42, 2, 5 W. vornehmlich in titeln von broschüren, flugschriften u. ä.: ein wort über und wider Matthias Claudius von dem verfasser der bemerkungen (1796) titel; Fr. Hebbel mein wort über das drama. eine erwiderung an prof. Heiberg in Copenhagen (1843) titel.
7)
auf biblischen oder unmittelbar von dorther beeinfluszten sprachgebrauch beschränkt bleibt eine bedeutung, in der, entsprechend hebr. רבָדָ, gr. λόγος und ῥῆμα, wort das bezeichnet, wovon gesprochen wird, was zur rede steht, also den sinn von 'sache, gegenstand, ereignis' annimmt: farames zi Bethleem inti gisehemes thaz uuort thaz thar gitân ist, thaz truhtin uns araugta (videamus hoc verbum quod factum est, quod dominus ostendit nobis) (gr. τὸ ῥῆμα τοῦτο; Luther: die geschichte) Tatian 6, 4 (Luk. 2, 15); vgl. 3, 8; 4, 13; 46, 5; Otfrid I 13, 13; vnd das wort das Dauid het getan das missuiel vor dem herren (Luther: die tat) erste dt. bibel 5, 170 Kurr.; vgl. 153; 4, 348 u. ö.; alszo tregt gott alle ding durch seyn wort, wilcher gott warhafftig auch Christus unnd dasselb wort ist (Hebr. 1, 3) ... gefellt das nit (näml. Luthers vorhergehende deutung, in 'wort' sei hier gott und Christus zusammen verstanden!), mag ich alszo dencken, das durchs wort werd vorstanden alsz viel alsz eyn thatt oder geschicht, wie ym nehsten euangelio Lucas von den hirtten sagt: last uns gehen gen Bethlehem unnd sehen das wortt, das da geschehen ist, das ist die geschicht unnd thatt, die da geschehen ist Luther 10, 1, 1, 159 W.
B.
pluralisches (die) worte wie singularisches wort unter A auf eine bestimmte aussage bezogen: etwas gesprochenes. bei aller nähe der berührung führt diese anwendung dem gebrauch A gegenüber durchaus ein sprachliches eigenleben.
1)
für eine kurze wörtliche aussage mündlicher oder schriftlicher art.
a)
allgemein: 'in den uuorten sô tuen ich iu ablâz fone gote unde fone sancte Marîun ... allero iuero sundeno' (absolutionsformel des priesters nach voraufgegangenem wörtlich vorgeschriebenem sündenbekenntnis des beichtkindes) (11. jh.) Müllenhoff-Scherer denkm. 289; und mir entbotten, als du weist, namlich (damit ich dine wort wideraͤffri) dasz eintweders du den tod wellist liden oder mir das leben und das rich nemmen Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 25; ich lieb ihn! mit welchem entzücken sprech ich ... diese worte aus! Göthe I 21, 6 W. oft in einem satz, der eine direkte rede oder eine wörtliche zitierung einleitet:
hugi hiar nu harto thero minero worto,
in herzen kleibi siu nu sar, wanta ih sagen thir in alawar
Otfrid V 15, 37;
in diese wort fiel: ey du vngetreuwer, wie mochtest du so gar lang ohn Emiliam seyn? buch d. liebe (1587) 112ᶜ;
es (das vaterland) brach, fast auszer sich, in diese woͤrter aus
Lohenstein Arminius (1689) 1, f 1ᵃ;
wo sein bruder ... ihn mit den worten empfing: 'alles hin!' M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 38.
b)
in geläufigen verbindungen:
α)
die letzten worte eines sterbenden: dis sind die letzten wort Davids ... der geist des herrn hat durch mich geredt 2. Samuel. 23, 1; das waren seine letzten worte gli ultimi suoi accenti, le ultime sue espressioni erano questi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1394ᵇ; die alte kam, und überreichte ihm einen brief. hier sind Marianens letzte worte, sagte sie. sie ist todt! rief er aus Göthe I 23, 86 W.
β)
eigene worte von der genauen aussage eines bestimmten sprechers, besonders sofern dieser auf sie festgelegt werden kann: vnd tratten auff wider die zween eltesten, weil sie Daniel aus jren eigen worten vberweiset hatte, das sie falsche zeugen weren Susanna u. Daniel 61 Bindseil; welches ewrer königl. majestet eigne wort seind, die sie bey des h. reichscantzlers erhöhung in den graffenstand geführet Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 5 vorr.; einen mit seinen eigenen worten widerlegen Campe 5 (1811) 775; he sleit sik mit sine egen wör 'widerspricht sich' Mensing schlesw.-holst. 5, 687.
γ)
mit anderen worten 'um es anders auszudrücken', besonders wenn aus einer voraufgegangenen formulierung im sinne einer pointierung das fazit gezogen wird; eine offenbar jüngere prägung: die heiligen und die bösewichter und die bloszen thiermenschen, oder mit andern worten, die welche das sittliche gefühl in hohen ehren halten, und die, die es mit füszen treten Sintenis Oswald, der greis (²1815) 22; und hat eigentlich nichts gelernt, als depeschen schreiben. soviel will ich ihm lassen, das versteht er, oder mit anderen worten: er ist ein federfuchser Fontane ges. w. I 5 (1905) 161; dasz diese elementaren bausteine des weltgebäudes nicht in einzelnen gruppen ohne zusammenhang nebeneinander liegen, sondern dasz sie sämtlich nach einem einzigen plan aneinandergefügt sind, oder mit anderen worten, dasz in allen vorgängen der natur eine universale, uns bis zu einem gewissen grad erkennbare gesetzlichkeit herrscht Max Planck religion u. naturw. (1947) 20. formal anklingend in der mhd. und mnd. bezeugten verbindung unter anderen worten, offenbar soviel wie 'unter anderem':
von mir (als dem sprechenden) wart ain red vernomen,
die sy wol moht machen fro.
ich sprach under andran worten so:
ain liechter stern sol uf gan ...
(14. jh.) schausp. d. mittelalt. 1, 144 Mone;
dat vnss heren des koninges gnade nu vp sunte Peters vnde Pawels dach vp Elvitzborch quam vnd heuet onder anderen worden dat slot vrij vnd ombekummert ingenomen ... vnd heuet darto allen schaden ... vp sick genomen (1455) Lübecker urkb. 9, 255.
δ)
bei, mit, über diesen worten, älter in den oder diesen worten, um die gleichzeitigkeit einer aussage und einer handlung auszudrücken, vgl. Verwijs-Verdam 9, 2828: der gute muͦnich sprach zu ime selben: 'herre got van himelriche, wer sint dise schonen minnenclichen vrowen ...?' in disen worten so quam ein engel die heilige regel 56, 21 Priebsch; vnd in den worten zog er jn auff ein seiten Amadis 1, 50 lit. ver.; mit solchen kurtzen worten verschwandt er volksb. v. dr. Faust 67 ndr.; mit diesen worten ging er in das haus Stifter s. w. 5, 1 (1908) 25; bei diesen letzten worten bückte sich frau Hinkel bereits unter der niedrigen thür Brentano ges. schr. (1852) 5, 21; man habe deutlich gesehen, wie der Holk grün und gelb über diesen worten geworden sei Ricarda Huch d. grosze krieg (1920) 3, 23. nach diesen worten um die unmittelbare aufeinanderfolge von aussage und handlung zu kennzeichnen:
er after thesen worton giang in einan garton
Otfrid IV 16, 1;
vgl. III 17, 1; nach diesen unzweideutigen worten kehrte mein gebieter ... zurück Immermann w. 2, 103 B.
c)
eine historisch geprägte aussage, ein sentenzartiger oder zitierfähiger ausspruch; weniger gebräuchlich als die gleiche anwendung des singulars, s. o. A 1 b: da werden des herrn de la Porte worte wahr: die anbringung eines bösen und falschen menschen ist ein rechtes gifft, vor diejenigen, so dieser anbringung glauben geben Butschky Pathmos (1677) 689; man darf hier wohl an Wielands worte denken:
so etwas fordert man nur an der spitze
von dreymal hundert tausend mann
Göthe IV 32, 64 W.
d)
ebenfalls seltener als unter A 1 c von einem bibelwort: panem nostrum cotidianum da nobis hodie ... in desem uuortum sint allo unsro licmiscun durufti pifankan (9. jh.) ahd. sprachd. 44 Steinm.; die wort seyd fruchtbar vnd mehret euch Lehman floril. pol. (1662) 1, 77; die worte des evangeliums: Jerusalem, die du ... Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 4. älter auch in der verbindung worte gottes:
er (gott) laszt jm an kein kerbholtz rechen
vnd nit ein haller abher brechen:
es musz betzalt seyn bey eim har,
ia, seind die gottes woͤrter war!
Murner schelmenzunft 68, 171 ndr.
e)
prägnant von den biblisch begründeten sakramentalen formeln, entsprechend dem singularischen gebrauch A 1 d. bei den mittelalterlichen belegen ist ein einflusz der prägnanten magischen anwendung (s. u. 2 a) noch fühlbar:
wer sol den gelouben vesten
wan diu tugent diu von den worten chumt
Heinrich v. Melk priesterl. 391 Heinzel-K.;
Hugo v. Trimberg renner 17783 Ehrism.; so last uns nu lernen, das in eynem yglichen gelubd gottis seyn zwey ding, der man musz warnehmen, das seyn wort und zeychen, als yn der tauff seynn die wort des teuffers und das tauchen yns wasser, in der mesz seyn die wort und das brott und weyn Luther 6, 363 W.; 30, 1, 224; die kirche setzt das erlösungswerk durch die sakramente und sakramentalien fort, indem worte und zeichen die gnadenhafte wirklichkeit schaffen I. Zangerle in: der Brenner 16 (1946) 163.
f)
'der wortlaut' als das ganze oder als teil eines textes:
ni scrib iz so then worton,
scrib thaz er iz quati joh sulih selbo marti (Joh. 19, 21)
Otfrid IV 27, 27;
wa meher (mehr) dann ein cleger oder ein antwurter jm rechten stunden, das allsdann dieselben worter, wie sich von mer personen zu reden gezimbt, gepraucht werden sollen
Carolina 1, 52 Kohler-Scheel; vgl. 101;
auf der zwei und zwanzigsten und vier und zwanzigsten seite (der ausgabe von 1771) ein willkürlicher absatz nach den worten: 'beginne deinen gesang' und 'beräuchert die fürstlichen nasen'
Wieland s. w. (1853) 15, x;
im § 34 nr. 6 werden die worte: 'vormund, nebenvormund, kurator, gerichtlicher beistand oder mitglied eines familienrats' ersetzt durch die worte: 'vormund, gegenvormund, pfleger, beistand der mutter, mitglied eines familienrats oder kurator'
BGB einführungsgesetz art. 34, i
u. oft. in alter formel mit gelehrten worten schwören nach einer vorgesprochenen eidesformel; schon mhd., s. Lexer 1, 1885: die ... rechtsprecher sollen mit aufgehebten fingern und gelerten worten ainen leiplichen ait zu gott ... schwörn (tirolisch) österr. weist. 5, 636; vgl. 643.
2)
besondere anwendungen, die in der vorstellung des wörtlich geprägten und festgelegten wurzeln, treten hinter den möglichkeiten des singularischen gebrauchs zurück.
a)
im bereich des magischen. prägnant namentlich von zaubersprüchen, magischen formeln als trägern übernatürlicher kräfte und wirkungen:
krût, steine unde wort
diu hânt an kreften grôzen hort
Freidank bescheidenh. 111, 6 Bezz.;
vgl. 67, 1ff.; Konrad v. Würzburg trojan. krieg 10 703 u. ö.; wer brieff, tzeichen, kreuther, worther, segen und des gleichen gebraucht (1518) (übertretung des 1. gebots) Luther 1, 252 W.; dann die form der ruten hat kein krafft, sonder die wort vnd spruͤch der zauberer Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 30; altertümelnd:
lindern mögen wurz und worte
wundenweh und herzbeschwerde
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 23.
hierher wohl: under anderm saget er (ein incubus) denen, so umb in waren, der christen glaub bestünd allain in worten, der jüdisch glaub im edlen gestain, aber der haidnisch in kreutern Zimmer. chron.² 3, 6 Bar. in älterem christlich-kirchlichen gebrauch vom wortlaut eines segens u. ä.:
in des namen den ih gnant hân
und in des gnâde ih hiute gân,
diu wort (des segens) sîn mir gewære
Müllenhoff-Scherer denkm.³ 183;
den tiuvel twinget manic man
mit gotes worten, swer diu kan,
daz er muoz sprechen unde seit
sîn schande und sîn herzeleit
(im blick auf Christi dämonenheilung u. den kirchl. exorzismus)
Freidank bescheidenh. 66, 22 Bezz.;
(s. auch ob. 1 e und s. v. wortsegen).
b)
'befehle, gebote', gelegentlich neben gebräuchlicherem singular (s. o. A 2 c): wer deinem mund vngehorsam ist, vnd nicht gehorcht deinen worten in allem das du vns gebeutest Josua 1, 18; vgl. 5. Mose 12, 28;
sondern ich gehorchte nur
den worten, die du mir geboten hast
Bürger s. w. 168 Bohtz.
c)
den worten dasz, der worten dasz 'unter der bedingung, in der absicht, zu dem zwecke, dasz' als erstarrtes substantiv-adverb aus mhd. in, an, mit, zu den worten, diu wort, den worten dasz, s. Michels mhd. elementarb. § 222; 322; Paul-Gierach mhd. gr. § 249; mhd. wb. 3, 807ᵃ; Lexer 3, 978 f., vgl. bei rede gleichbedeutendes, aber wohl anders, von rede = ratio 'grund, ursache, absicht' hergeleitetes mhd. ûf die rede Wirnt v. Grafenberg Wigalois 2563; 9225 und s. v. rede 13, teil 8, 460. dem gebrauch bei wort liegt ursprünglich wohl die vorstellung einer wörtlichen vereinbarung, einer ausdrücklich ausbedungenen voraussetzung zugrunde, s. auch s. v. fürwort 2, teil 4, 1, 947. schon spätahd.: mih (die Fortuna) lustet taz nidera uf unde daz obera nider zegecherenne. ascende si placet sizze daruf ube dih is luste, sed ea lege aber in dien uuorten ne uti putes i. ut non putes iniuriam descendere, cum poscit ratio ludicri mei taz tir nieht neuuege zeirbeizenne so sih min spil so gezihe Notker 1, 60, 29 P.; vgl. 2, 623, 23; uuandez mich riut, sô pittich ablâzis ... dich gotes poten an den uuorten daz ich ez furder firmîden mueze (11. jh.) Müllenhoff-Scherer denkm. 289. zu den mhd. bzw. frühnhd. nachweisen ergänzend: mit deme anderen deile (des geldes) sal man in (ihnen) daz semeliche duͦn an deme jaresdage zu den worten daz sie dan hern Anselmes mines wirtes ... gehuͤknisse begen corp. d. altdt. originalurk. 1, 306, 13 Fr. Wilhelm;
wiltu mich, herre, lan genesen,
den worten wil ich gerne wesen,
swie du wilt, in dime gebot
Ulrich v. Türheim Rennewart 1514 H.;
vgl. 883; 27144; ich wil uch zwen die besten wind geben die uwer augen ye gesahen, und nement sie in den worten das uch gluck und ere musz geschehen Lanzelot 1, 39, 13 Kluge; 'das wil ich gar gern thun', sprach Claudas, 'den worten das ir mir gelobent das ir mich vor allen mannen beschirment' ebda 79, 25. das ältere nhd. hält den gebrauch bis ins 16. jh. hinein fest, besonders im bair.-österr.: die von Regensburg haben keinem armen in der gemein nichts von ihnen (den auszuweisenden Juden) lassen kaufen, in den worten (mit der absicht), dasz sie sich gedrungen gesehen haben, dasz sie muszten um einen pfennig hingeben, was zehen werth gewesen ist (1519) Gemeiner regensburg. chron. 4, 356. vornehmlich in der (stets schwach flektierten) genetivform der worten, die auch zusammengeschrieben und zu doworten, deworten entstellt erscheint: daz habin wir mit wolbedachten mute rate vnd rechter wiszen, doworten daz vnser vnd des heil. riches forst desterbas versehen werde, dem egen. graffe Philips diese besondir gnade gethan (1397) bei Haltaus gloss. (1758) 2130; hierumbe so begeren wir von ewch aigenlichen ze wissen, wie es umb die sache gestalt sye, derworten (damit) das wir uns nach sollichen läuffen dester bazze gerichten mugen (Augsburg 1418) städtechron. 5, 354; vgl. 358; do stunden sie auff und knyetten für den chönig und paten in, das er seines zorns vergesz durch gottes willen, do worten (varr.: enworten, derworten, deworten), das gott auch nicht ein rach über in verhenget, wann des plutvergiessens wer genug (bair. 1. hälfte 15. jh.) Schiltberger reiseb. 7, 4 lit. ver.; vgl. 11, 10; item wer sein freunt oder ander sein guet günner auf das aigen und purkrecht vordert und ladet der warten, das er seinen widertail widerstehen wolt ..., der ist verfallen ... (16. jh.) österr. weist. 6, 264, 19; weitere nachweise bei Schmeller-Fr. bair. 2, 1012. selten ohne abhängigen dasz-satz:
wolt ir der worten (unter der bedingung, dasz ihr von eurem weib befreit werdet) gleich den alten
opffer und sibend (seelenmesse) lassen halten
Hans Sachs 5, 269 lit. ver.;
vgl. schon mhd. Seuse 25, 26 B.
3)
allgemein 'das, was jemand sagt oder gesagt hat', von einer bestimmten, auch einer relativ längeren aussage, aber weniger im blick auf den genauen wortlaut. meist in verbindung mit einem possessiv- oder demonstrativpronomen: giloubi worton minen (sagt — in epischer füllformel — der dichter) Otfrid V 13, 4;
owê, sælden rîchez kint!
wie reht und wie gewære sint
dîniu wort! ez ist alsô
Rudolf v. Ems Alexander 15517 lit. ver.;
hiemit die göttin schwig ir wort
Wickram w. 7, 30 lit. ver.;
diesen worten gab die gesellschaft einen unmäszigen beifall Göthe I 22, 17 W.; aus seinen worten ergab sich, dasz der verstorbene ein armer, braver handwerker war, den irgend ein anderer niedergestochen hatte Ricarda Huchtriumphgasse (1902) 10. nach seinen worten sehen u. ä. 'achten auf das, was man sagt':
häy lieber, b'sich bass dine wort
und setz din zorn hie uf ain ort
(1535) schweiz. id. 1, 485;
Elmar, sieh nach deinen worten
Fr. W. Weber Dreizehnl. (1907) 125.
sofern die glaubwürdigkeit einer aussage zur frage steht, liegt die beziehung zu F 3 nahe: er bleibt bei seinen worten wie ein hase bei seinen jungen Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 66ᵃ; nirgend ist seinen worten zu trauen, unzählige male brach er seine verheiszungen Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 33. in den frühen bibelverdeutschungen steht die worte auch für eine längere rede im eigentlichen sinne; zusammenfassend von reden und predigten Jesu: mittiu gientota ther heilant thisu uuort (vulg.: cum consummasset Jhesus sermones istos; Luther: reden) Tatian 100, 1; vgl. 153, 1. jüngere sprache kennt eine anwendung auf eine gedächtnisrede, eine feierliche ansprache u. ä.: worte bei dem erneuerungsfeste der Thomasschule in Leipzig, am 20. nov. 1829 ... gesungen und gesprochen (1830) titel; Hermann Schultz worte gesprochen an dem sarge des prof. H. Reuter (1889) titel.
4)
zu pluralischem worte als einer bestimmten aussage tritt eine fülle kennzeichnender adjektivischer epitheta, von den verschiedensten gesichtspunkten aus, oft in stehender, aber auch in gelegentlicher beifügung. schon ahd. vielfach belegt.
a)
objektiv vom inhalt, vom geistigen rang oder vom wertgehalt des gesprochenen her:
her frâgên gistuont
fôhêm uuortum, hwer sîn fater wâri
kleinere ahd. sprachdenkmäler 2 Steinmeyer (Hildebrandsl. 9);
weise leute, weise wort Fr. Wilhelm sprichw.-reg. (1577) G 1ᵇ; kluge worte und alberne redensarten in allen mundarten des vaterlandes W. Raabe unruhige gäste (⁴1900) 100. in dieser verbindung auch mit negativem akzent: denn weil sie sonst widder wunder noch ettwas guts thun, werden sie geuckler, den leuten soͤlche nasen zu machen mit klugen worten, das sie essen und trincken fur eins halten sollen und also auch ein mal wunderzeichen sehen Luther 26, 604 W.; vnd wo jr ein mann weret, wolt ich euch diese törichte wort machen widerruffen Amadis 1, 37 lit. ver.; du mögest demjenigen, was du den französischen schaum nennst ..., einige gewichtige worte gönnen Göthe IV 42, 150 W.;
doch fülle der goldenen worte sandtest du auch
glükseelige! mit den strömen und sie quillen unerschöpflich
in die gegenden all
Hölderlin s. w. 4, 183 Hellingr.
gute worte 'wertvolle, gehaltreiche', anders als unter b β und c β:
huat gi im than tegegnes sculin gôdoro wordo,
spâhlîcoro gesprecan
Heliand 1900 B.;
hie (im ablaszhandel) brennen herr vil guͦtter wort,
hie wirt deyn goͤtlich leer ermordt
Hutten 3, 456 B.;
mir ist diese sendung freylich zum vortheil gerathen, da du so gute und löbliche worte hinzuzufügen wusztest Göthe IV 38, 121 W. im hinblick auf klarheit und deutlichkeit der aussage: exerte klerlich mit auszgetruckten worten Alberus(1540) b 1ᵇ; deutliche, klare worte parole intelligibili, chiare, perspicue Kramer t.-ital. 2 (1702) 1396ᵃ; sich mit satten worten resolviren (1651) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 291. namentlich dürre worte 'klare, deutliche, ungeschminkte', vgl. dazu teil 2, 1740f. s. v. dürr 2 d: wo man nu solche wort hat, die gewisse deutung haben bey yderman bekand, und kein ander deutung beweiset wird, das heissen klare, dürre, helle wort und text Luther 26, 404 W.; vgl. 11, 438; 26, 608. besonders etwas mit dürren worten sagen 'geradeheraus, eindeutig, ohne umschweife oder beschönigung':
doch sags ihm nicht so sanft, wie ich, hörst du?
nicht mit so dürren worten
H. v. Kleist w. 1, 15 E. Schmidt.
gelegentlich tritt dabei die alte sinnliche bedeutung von dürr wieder hervor: der alte ... fing nun an, nach den süszen geheimnissen der liebe mit dürren worten und in hergebrachten trockenen formeln sich zu erkundigen Göthe I 21, 73 W. im gegensinn: mündlich rede ich (gott) mit jm (Mose) und er sihet den herrn in seiner gestalt, nicht durch tunckel wort oder gleichnis 4. Mose 12, 8; dunckele, unverständige worte parole oscure, mal' intelligibili Kramer t.-it. 2 (1702) 1396ᵃ; M.: wie lautet der ausspruch des orakels? prinz: seine worte sind zweideutig Göthe I 17, 64 W.
b)
zur kennzeichnung der gesinnung oder haltung des sprechenden gegenüber dem angesprochenen, nur in zweiter linie vom inhalt her.
α)
im sinne freundlichen ansprechens:
mit lindin, senften worten ...
seit er in ir missetat
Rudolf v. Ems weltchron. 21 983;
vnd der herr antwortet dem engel, der mit mir redet, freundliche wort vnd tröstliche wort Sacharja 1, 13; höfliche, liebliche, freundliche, tröstliche etc. worte Kramer t.-ital. 2 (1702) 1395ᵃ; mit süssen und hübschen diemütigen worten sy anhub czetrösten Arigo decam. 255 Keller.
β)
so besonders in der verbindung gute worte, 'begütigende, freundliche, zum guten redende', anders als unter a und c β; den parallelen gebrauch des singular s. o. A 4 c β:
jedoch stillt ers (der feldherr das heer) mit guten worten
Hans Sachs 8, 450 lit. ver.;
allem ansehen nach werden wir heute von dem herrn baron nicht viel gute worte zu erhalten haben Stranitzky ollapatr. 145 ndr.; gute worte kühlen mehr, als kaltes wasser Binder sprichw. 217. jmd. gute worte geben in mehrfacher schattierung geläufig. 'freundlich zureden': wirstu (der neue könig) heute diesem volck einen dienst thun, vnd jnen zu willen sein vnd sie erhören, vnd jnen gute wort geben, so werden sie dir vnderthenig sein dein leben lang 1. kön. 12, 7; aber man darff sie nit fast schelten, sondern muosz inen nur gute wortt geben Ulsheimer rayszbuch (1622) 110. 'als freundlicher bittsteller reden', in der absicht, etwas bestimmtes zu erreichen: dasz ist gleich so vil als wenn man Petro nicht gute woͤrter geb, so wurd die huld vor gott verloren sein Paracelsus opera (1616) 1, 115 Huser. gute worte geben müssen 'einlenkend, beschwichtigend reden müssen', nach voraufgegangenem streit, wortwechsel u. ä.: dasz er (der kaiser) sich retiriren und dem bischoff Macedonio gute worte geben muste Arnold unpart. kirch. u. ketz.-hist. (1699) 218ᵃ; wir gaben einem alten bedienten ... gute worte, dasz er uns junge birken und fichten schaffen möchte Göthe I 21, 35 W.; der gutsherr muszte dem alten manne schlieszlich noch gute worte geben, um ihn nur zu beschwichtigen v. Polenz Grabenhäger (1898) 1, 208. 'freundlich danken': soll ich ihm (dem vater) etwa darum gute worte geben, dasz er mich liebt? das ist eine eitelkeit von ihm, die schoossünde aller künstler, die sich in ihrem werk kokettieren, wär es auch noch so heszlich Schiller 2, 27 G. geld und gute worte 'bezahlung und freundliches bitten', in geläufiger verbindung, vgl. schon: guete wort und alt gelt, das verricht bei der höchern oberkait ... alles Zimmer. chron. ²3, 526 B.; mit gelde und guten worten Micraelius altes Pommerl. (1639) 2, 291; herr wirth, können wir nicht vor geld und gute worte etwas zu essen und zu trincken bekommen? J. Chr. Edelmann Moses m. aufg. angesichte (1740) 2, 46; meine mutter ging zu einem alten kreisdirektionssekretär, der solche eingaben für geld und gute worte anfertigte quelle a. d. j. 1926.
γ)
zur kennzeichnung feindselig ablehnender rede:
bigondun sie antwurten worton filu herten
Otfrid III 18, 11;
kumet úch ieman an mit herten sweren ruschenden worten Tauler pred. 269, 35 V.; (er) fuhr den truchsessen, seiner unzucht wegen, mit harten worten an Grimm dt. sagen (1891) 2, 90; starcke wort halten den kerl von der thür Petri d. Teutschen weissh. (1605) 2, Tt 1ᵇ (starke worte anders s. u. f);
mit worten so hefftig unnd scharff
Hans Sachs 2, 5 lit. ver.;
den gemahl mit bitteren worten erinnernd, seines lebens sorglich zu schonen Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 37; mit schmehe oder andern hitzigen worten und reden d. keyserl. maiestat cammerger.-ordn. (1555) 13ᵇ; mit vill anndernn spitzigenn wortenn bürgerm. u. rat zu Coburg an Luther (1539) in: Luther br. 8, 500 W.; das er nu viel spöttisscher und hönischer wort da her lestert Luther 18, 165 W.; diese hämischen worte Göthe I 26, 107 W. böse worte im gegensinn zu gute worte (s. o. β): (er) plaudert mit bösen worten wider vns, vnd lesset jm an dem nicht benögen 3. Joh. 10; wenn ich mich wider sie setze, so geben sie mir böse wort Hiob 19, 18; auf böse worte gehören taube ohren Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 66; Rother d. schl. sprichw. 186ᵇ.
c)
in moralischer beurteilung des gesprochenen.
α)
meist mit negativem akzent: er (Jesaja) war bi den lúten die unrain lefzen hattent und unrainn wort sprachent St. Georgener pred. 78, 38 R.; auch schandbare wort vnd narrenteiding Eph. 5, 4;
allen mannen vnd ouch wyben,
die lychtfertig wörter tryben
Murner narrenbeschw. 204 ndr.;
drumb soͤnd ir uch bewaren,
si (die Züricher) gend vil falscher wort
Tschudi chron. Helv. (1734) 2, 463.
halbe worte 'zweideutige, unaufrichtige' (in anderm sinne s. u. III C 2): das du dir selbs gar wol gefelst mit diner hochmütigen antwurt, die mit langen, halben, zwyhfalten wort (1475) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 381; von hier aus als vereinzelter gegenbegriff auch ganze worte: ich habe dich verraten ... und auch das weisz ich, dasz ich es gewesen bin, der dir mit halben worten einen weg vorzeichnete ... 'du sollst mich jetzt mit ganzen worten fragen', antwortete Vittoria hart Bergengruen d. groszyrann u. d. gericht (1935) 279. in positiver wertung namentich wahre worte:
fuarun sar thes sinthes thie hirta heimortes,
thero warono worto blidtun sie sih harto
Otfrid I 13, 22;
ich rase nicht, sondern ich rede ware und vernünfftige wort apostelgesch. 26, 25. speziell bei wahren worten, in älterer sprache im sinne einer eidesstattlichen versicherung der bedeutung 'versprechen' nahe, s. auch s. v. wahr teil 13, 708 und die ebenfalls ältere wendung im wort der wahrheit unter A 4 d ende sowie ähnliche wendungen bei Haltaus gloss. (1758) 571: sie brachten einen neuen zuber und beide ihre eyserne mas, darnach sie die zuber pflegten zu machen, uffs rathaus und sprachen auch beide bey waren worten, das sie das mas von ihren eltern hetten (ca. 1475 Halle) denkw. d. rathsmeister Spittendorf 25 Opel. besonders von der eidesstattlichen aussage adeliger standespersonen: alles bey fürstlichen ehren, waren worten, und vermeydung der peen in dem uffgerichten landtfrieden begriffen absch. d. reichsztags zu Augspurg (1555) 7ᵃ; welches ew. königlichen majestät in gott ruhender groszherr-vater ... bey königlichen wahren worten versprochen (1701) teutsche reichscantzley 5, 369; versprechen bey fürstlichen, gräflichen oder adelichen ehren, treu und glauben, oder bey treuen wahren worten, promissio sub fide, ... hat ... die krafft eines eydes Zedler universallex. (1732) 47, 1949.
β)
zur kennzeichnung heuchlerisch freundlicher rede, hinter der sich üble absicht oder unzuverlässigkeit verbirgt: scalpentes iuchante mit linden uuortun odo slichante (9. jh.) ahd. gl. 2, 103, 64 St.-S.;
vil süesser wort mein mund in gab,
wie wol mein herz des nicht verjach
Oswald v. Wolkenstein 114, 81 Schatz;
der teuffel brüllet nicht allzeit, wie ein lewe, sondern schleicht auch wol wie ein kätzlein, das er einen durch süsse wort vmb die fichte führe, vnd an Christo brüchig mache Petri d. Teutschen weish. (1605) 1, B 2ᵃ;
der nicht aus falschem sinn geschmierte worte gibt
Rachel satyr. ged. 85 ndr.;
der glatten worten er so vil kan
schausp. d. mittelalt. 2, 288 Mone;
glatte worte wechseln
ist meines amts nicht
Z. Werner Martin Luther (1807) 32
(s. auch u. D 2 a ζ αα); wie wird mancher man durch lugener betrogen mit schonen worten, die er so hertzlich wol verstehet, was sie heissen Luther 26, 407 W.; man habe ihm schöne worte ins gesicht gesagt, aber er wisse wohl, wie es hinter seinem rücken lauten werde Ricarda Huch d. grosze krieg (1920) 3, 251. gute worte mit dem gleichen nebensinn, im unterschied zu a und b β: er betrog sie mit guͦten worten Seb. Franck Germ. chron. (1538) 134; liebster vater, man wird ihnen bald mit guten worten kommen, — es sind schlangen, vipern! alle niederträchtigen seelen sind so O. JahnMozart (1856) 3, 23; so auch gute worte geben:
dô gap er mir vil guotiu wort,
aber mich dûht daz sîn meinunge wære dort (beim gegner)
Lohengrin 1404 Rückert;
so konte ichs auch nicht mercken, weil mir mancher die beste wort unter augen gabe Grimmelshausen Simpl. 236 Scholte; eim gueti wort gë Hunziker Aargau 302; Seiler Basler ma. 318.
γ)
leere, blosze, schöne worte u. ä., von solcher rede, hinter der nichts ernsthaftes steckt, der das entsprechende handeln fehlt, die unzuverlässig, unnütz, kraftlos oder auch inhaltlos ist, s. auch den prägnanten gebrauch unter E 2 und 6 b:
ne uuitun gôdes geskêd,
ac sind im lâri uuord leoboron mikilu,
umbitharbi thing thanna theotgodes (uuerc)
Heliand 1727 B.
er geht mit leeren worten vmb Eyering prov. cop. (1601) 2, 247; die glaubensrichter ... erhalten auf ihre klagen am hofe nur leere worte zum bescheid Schiller 7, 174 G., der moralische ton ist in dieser verbindung manchmal, kaum noch fühlbar, von inhaltsloser rede, vgl. s. v. leer 7, teil 6, 510: es war nichts darin von todten stoffmassen, leeren worten Justi Winckelmann (1866) 1, 449; peculium re, non verbis augetur schöne wort füllen den sack nicht Bas. Faber thes. (1587) 599ᵇ; Binder 217; blosse worte füllen den sack nicht Kern sprichw. (1718) 7; wann es also mit blossen worten auszgericht were: aber am beweisen daran der handel gelegen, ist ein grosser abgang Sattler phras. (1631) 402. anderes mehr gelegentlich: das du aber hoch rhuͤmest mit blinden worten, man sehe nicht, das sich die papisten so ruͤsten, wie die Lutherisschen thun Luther 30, 3, 458 W.; hie sind werck und gottis werck ... dorth aber ist nitt mehr denn fliegende wortt unnd eyn ammechter adem ausz dem mund (1522) derselbe 10, 1, 1, 40 3 W.; lasset euch niemand verfüren mit vergeblichen worten Eph. 5, 6; Lehman flor. pol. (1662) 1, 76.
d)
in der beurteilung einer aussage nach ihrer sprachlichen höhe, ihrer stilebene, meist zur charakterisierung einer künstlich geschraubten redeweise, mit deutlich moralischem akzent: sú (die schriftgelehrten) schoͤppfent durch die sinne und ziehent es also in irre vernunft das sú grosse ding verstont, und hant do inne ir glorien und sprechent hohe wort Tauler pred. 41, 16 V.; sey nicht wie die, so sich mit hohen worten erbieten, vnd thun doch gar nichts dazu Jesus Syrach 4, 34;
verzeih, ich kann nicht hohe worte machen,
und wenn mich auch der ganze kreis verhöhnt,
mein pathos brächte dich gewisz zum lachen
Göthe I 14, 20 W.;
he sprikid ôk uuord mikil,
quiđit that he Crist sî, kuning obar thit rîki
(sagen die Juden zu Pilatus über den angeklagten Christus)
Heliand 5190 B.
dine groten wort helpen di nicht eine bonen Schiller-Lübben 5, 772ᵇ; grosse wort vnd nichts darhinder Lehman floril. pol. (1662) 3, 131; alle Gutzkowschen helden sind er selbst, d. h. moderne, von krankhaftem ehrgeiz verzehrte, grosze worte machende menschen Fontane ges. w. (1920) II 4, 349. in dieser verbindung auch ohne nebenton: die mittele oder gleiche art zue reden ist, welche zwar mit jhrer ziehr vber die niedrige steiget, vnd dennoch zue der hohen an pracht vnd groszen worten noch nicht gelanget Opitz v. d. dt. poet. 35 ndr.; darumb kere sich niemand an solche schwölstige wort und wasserblasen Luther 18, 263 W.; er (der satan) richtete ihren sinckenden muth mit schwülstigen worten ... allmählig wieder auf Bodmer slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 32. anderes mehr gelegentlich: ir yetlich die werffen vber sich die winpronn vnd legen auff die weg schwere wort erste dt. bibel 3, 17 Kurr.; breite wort vnd schmale dienst M. S. Eckardpastor conscientiosus (1668) 262. in den beifügungen gegensinniger art spürt man den positiven moralischen akzent:
daz ich hab mange bîschaft
gemacht, ân grôze meisterschaft ...
ze tiutsch mit slechten worten,
einvalt an allen orten
Boner edelstein einl. 45 Pfeiffer;
sie sagten ihm in den einfachsten worten, wie sie ihr schweres werk ausgerichtet hatten W. Raabe unruhige gäste (⁴1900) 90.
e)
von der gemütslage des sprechenden her gefärbt. vielfach schon bei Otfrid:
Martha sih tho kumta (beklagte), so si zi Kriste giilta,
serlichero worto
III 24, 12;
bigondun sume iz zellen mit ubilemo willen
then furisten ewarton zornlichen worton
ebda III 24, 108;
bigondun sie tho renton forahtelen worton
ebda III 20, 87;
tho sprah er (Petrus zu Christus) worton heizen, thia kuanheit wolt er weizen
ebda IV 13, 40;
propter hoc delectatum est cor meum et exultauit lingua mea pe diu habet min herza lustsami unde freuuet sih min zunga. miniu uuort sint frolih Notker 2, 42, 19 P. (ps. 15, 9); dasz der könig Perion wol sahe, doch mit lachenden worten sagt: ... Amadis 1, 15 lit. ver.;
der zanck kam ohngefehr
aus bloszem miszverstand und schnellen worten her
Gryphius trauersp. 203 Palm;
denselben (den sünder) redete der ertzfeind, der wegen seines aufstandes in dem himmel Satan genannt ward, mit kühnen worten an Bodmer slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 7;
bring deine sache vor, und lasz es frei
hinströmen, bange worte lieb ich nicht!
H. v. Kleist w. 1, 190 E. Schmidt;
was für ein zorn, ja was für eine raserei Luther manchmal ergreifen muszte, wenn ihn trotz seiner klaren und glühenden worte niemand verstehen wollte Ricarda Huch Luthers glaube (1946) 6; vgl. redensartlich warme worte haben, finden.
f)
in ästhetischer beurteilung:
Racio sprach mit sitten,
ir wort warn schon besnitten
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 674 Singer;
vgl. 843; Apoll. 4185; ir messig wolgesatzten worte Niclas v. Wyle translat. 23 Keller; er ... bestrebte sich gegen ältere leute, besonders gegen frauen, in wohlgesetzten, altklugen worten auszudrücken Keller ges. w. (1889) 1, 143; phalerata dicta zierliche vnd blümbte wort, schöne reden Frisius dict. (1556) 1001ᵇ; und ich darf ihnen darauf versetzen, dasz, wenn wir von wirkungen unsers geistes reden, keine worte zart und subtil genug sind Göthe I 47, 259 W. mit moralisch abschätzigem unterton: es ist strefflich, da einer sich zwingt und tringt seine red hübsch zesetzen mit gestrelten zierlichen auszgestrichnen feinen worten Keisersberg sünden d. munds (1518) 55ᵇ; ob ich och ettwann groͤbere wortt schrybe, wann dyner genaden rainikait zuͦ gehoͤret zereden oder zehoͤren Steinhöwel de clar. mul. 17 lit. ver.; durch die groben plumpen worte, die das unzüchtige gerade zu ausdrücken Lessing 15, 61 L.-M.; und mein gott, die dinge sind ernst und übersteigert genug, dasz es wirklich starker worte bedarf, um sie (die verständnislosen offiziere) anzusprechen Th. Plivier Stalingrad (1948) 378 (starke worte anders s. o. b γ).
5)
seltener erfolgt eine inhaltliche bestimmung der aussage durch ein substantiv im genetiv: trohtin, zi uuemo farames? uuort euuines libes habes (verba vitae aeternae) Tatian 82, 12; Joh. 6, 68; die worte des glaubens; die worte des wahns (gedichtüberschriften) Schiller 19, 258; 320 G.; dass er alle worte des grusses vergass Klinger w. (1809) 3, 172; statt aller worte des dankes Ritter erdk. (1822) 1, 10.
C.
zu collectivem sondergebrauch ausgeweitet begegnet singularisches wort in einer biblisch verwurzelten, christlichkirchlichen anwendung als wort gottes, gottes wort, wort des herrn u. ä. (nur selten pluralisch worte gottes, s. u. 1 e), sehr häufig prägnant als das wort (s. u. 3), zusammenfassend für alles, was gott dem menschen gesagt hat und zu sagen hat. gemeint ist hier die ganzheit der göttlichen offenbarung und ihre urkundliche fixierung, die der christlichen religion zugrundeliegende botschaft, heilsverkündigung und lehre, nicht aber ein biblischer einzelspruch (s. o. A 1 c, d; B 1 d, e) oder ein göttliches einzelgebot (s. o. A 2 c β). in engstem anschlusz an verbum und sermo schon der vulgata, denen hebr. רבָדָ, gr. λόγος (und in zweiter linie ῥῆμα) der originalen bibeltexte entsprechen, tritt wort in dieser vorwiegend neutestamentlichen bedeutung mit Ulfilas, den frühen bibelverdeutschungen und der christlich-kirchlichen literatur der frühzeit schon in den ältesten quellen vielfach zutage. im schrifttum der reformation erfährt dieser gebrauch neuen, in die breite wirkenden auftrieb, der in jüngerer zeit wohl auch den säkularen gebrauch des wortes auf hoher sprachebene, besonders in der prägnanten verwendung, mitbestimmt (s. u. D 1 f). zur begrifflich-theologischen abstufung der originalen biblischen wort-vokabeln, namentlich des neutestamentlichen λόγος-begriffs, ihrer abhängigkeit und selbständigkeit gegenüber dem gebrauch der griechischen klassik und des hellenismus vgl. Kittel theol. wb. z. neuen test. 4, 73 ff.
1)
allgemein.
a)
das wort gottes, gottes wort, wort des herrn, auch in pronominaler oder adjektivischer umschreibung sein wort, das göttliche wort u. ä.: aþþan þata ist so gajuko þata fraiw ist waurd gudis (ὁ λόγος τοῦ θεοῦ) got. bibel Lukas 8, 11;
endi loƀode im uuord godes
hêrron sînes
Heliand 955 B.,
vgl. ags. word godes Gen. B 429; Sat. 358 u. ö.; quia rectum est uerbum Domini ... uuanda sin uuort crehtez ist ... fone sinemo uuorte uuerdent menniscen grihtet Notker 2, 107, 10 f. P. (ps. 32, 4); daz geistlich prôt, daz ist gotes wort Konrad v. Megenberg buch d. natur 146, 9 Pfeiffer; vnd nemet den helm des heils, vnd das schwert des geistes, welches ist das wort gottes (ὅ ἐστιν ρῆμα θεοῦ) Eph. 6, 17; denn das wort gottes ist lebendig vnd krefftig, vnd scherffer, denn kein zweischneidig schwert (ζῶν γὰρ ὁ λόγος τοῦ θεοῦ καὶ ἐνεργής) Hebr. 4, 12;
hat er sich ... in tugend nicht geübet,
und gottes wort von hertzen hoch beliebet,
ach weh! ... wie wird es ihm ... gehn
im auferstehn
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 41;
und wenn ich auch weisz, dasz man nicht immer nach dem worte gottes lebt, so kennst dus doch und darfst nicht so sprechen, als ob dus nicht kenntest Fontane ges. w. I 6 (1905) 9. in spiritualistischer auffassung, die sich im gegensatz zum reformatorischen schriftprinzip (s. u. 2 b) entwickelt: gottes wort ist wie gott onendlich, onsichtbar, onaussprechlich, ein geist, das kein lebendig mensch reden, sehen oder hören kann und leben Seb. Franck lob d. ... götl. worts (o. o. u. j.) 166ᵇ; sie (die quäker) verachten daneben das wort gottes, sagende, dasselbe sey nur ein wegweiser zu dem licht Christo, welches in ihnen wohne Colberg plat.-hermet. christentum (1690) 1, 297. in festen verbindungen:
sô uuirđid them, the that godes uuord scal
mannum mârean
Heliand 1373 B.;
wo sie gots wort verkünden theten
Hans Sachs 1, 225 lit. ver.;
daz si (die priester) mit dem gotes worte daz si bredigent
die sundær bindent unt erledigent
Heinrich v. Melk v. d. todes gehügede 101 Heinzel-K.;
wo gotts wort am reichlichsten gepredigt wird, da ist die verachtung am grössesten Petri d. Teutschen weish. (1605) 1, H 2ᵃ; er sas aber daselbs ein jar vnd sechs monden, vnd leret sie das wort gottes apostelgesch. 18, 11;
reisz mich von der heuchler bahn, ...
die dein wort,
treuer hort,
mit dem munde lehren
Neukirch ged. (1744) 62;
welcher nach wolust lebt auff erd,
glaubt got nit und seim worte rein
Hans Sachs 1, 436 lit. ver.
mit stehendem attribut: das heylig gottes wort drei flugschr. 3 ndr.;
ein weib, das auf der welt nichts mehr ergetzen kan,
als gott, sein heiligs wort, die tugend und ihr mann
Rachel satyr. ged. 40 ndr.;
herr, so segne selbst dein hausz;
lasz es zu deiner ehre schonen,
und unter uns dein theures wort ...
so rein, als reichlich wohnen
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 10;
gottes wahres wort Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch 109. in zweigliedrig alliterierenden formeln, die bei wort auch sonst begegnen (s. u. D 1 u. 2): sie ... der jugend und gemeinem man also mit lust gottes wort und werck eingebildet haben Dedekind d. christl. ritter (1590) A 7ᵃ; die art göttlichs worts und wercks Luther 15, 27 W.; o herr ... in deine zusage ersincke ich gantz und gar: mir geschehe nach deinem wort und willen Jac. Böhme der weg zu Christo (1682) 51.
b)
in der anwendung auf Christi predigt und botschaft, das evangelium: uuanta min uuort ni bifahit (haftet) in iu (quia sermo meus non capit in vobis) Tatian 131, 15 (Joh. 8, 37); o herr Jesu ... versammele deine weite zertrennte schaaf durch dein stim, in der schrifft dein göttlich wort genant Dürer tageb. 82 L.; so müsse sich der rath in geistlichen dingen dem worte Christi unterordnen Ranke s. w. (1867) 8, 127.
c)
sonst in biblischem rahmen von der verkündigung der propheten: quem adnuntiabat sermo propheticus dhen dhes forasagin uuort bifora chundida Isidor 27, 4 Hench; vgl. Heliand 1429; 3399; wir haben ein festes prophetisch wort, vnd jr thut wol, das jr drauff achtet, als auff ein liecht, das da scheinet in einem tunckeln ort 2. Petr. 1, 19.
d)
biblischem sprachgebrauch zugehörig sind auch die zahlreichen verbindungen mit genetivischem oder präpositionalem attribut, die den inhalt und die wirksamkeit des wortes bestimmen: in waurda sunjos (ἐν λόγω ἀληθείας) got. bibel 2. Kor. 6, 7; durch welchen auch jr gehöret habt das wort der warheit, nemlich, das euangelium von ewer seligkeit Eph. 1, 13; vgl. Kol. 1, 5; das durch meinen mund, die heiden das wort des euangelij höreten vnd gleubten ap.-gesch. 15, 7; denn das wort vom creutz ist eine torheit, denen, die verloren werden 1. Kor. 1, 18; da mit, das jr haltet ob dem wort des lebens, mir zu einem rhum an dem tage Christi Phil. 2, 16; wirkt es (das ewige göttliche wort) in den wissenden als wort des lebens und bringt auch früchte des lebens hervor Fr. Schlegel s. w. (1846) 1, 175; das wort der gnade, des glaubens la parola della gratia, della fede Kramer t.-ital. 2 (1702) 1394ᵃ.
e)
gelegentlich auch als collectiver plural gottes worte, aber wohl kaum noch in junger sprache: then got santa, ther sprihhit gotes uuort (quem enim misit deus, verba dei loquitur) Tatian 21, 7; vgl. 131, 20; und die jr soltet lengest meister sein, bedürffet jr widerumb das man euch die erste buchstaben der göttlichen wort lere (τὰ στοιχεῖα τῆς ἀρχῆς τῶν λογίων τοῦ θεοῦ) Hebr. 5, 12;
wiltu den glauben haben recht,
so bleib bey gottes worten schlecht
Petri d. Teutschen weish. (1605) 1, G 8ᵃ; vgl. F 6ᵃ;
der prediger, der die worte gottes verkündiget Göthe I 51, 50 W. zusammenfassend von der botschaft Jesu:
so minu wort iu iz suezent,
mines selbes lera
Otfrid II 21, 23; vgl. III 20, 162;
wer alleine die wort Christi einnimet ... dem ist mehr dann genug gesagt M. Hayneccius Hans Pfriem 9 ndr.;
der dich mit wahrem glauben füllt
vnd all dein creutz durchsüsset
mit seinen heilgen worten
P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 347ᵃ.
2)
in speziellerer bedeutung.
a)
für die liturgische darbietung oder die predigt im christlichen gottesdienst, schon mhd.:
eines tages dô si quâmen
unt daz gotes wort vernâmen
in templo dominî
priester Wernher Maria 406 Wesle;
Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 2533; also morgens nach angehörtem wort gottes, wapnet sich Galaor Amadis 1, 124 lit. ver.; vgl. 298;
sind treg zu gottes wort vnd tisch
Hollonius somnium vit. hum. 41 ndr.;
ich habe freilich diese sonntage her nicht (in die kirche des heimatortes) kommen können ... und ich war genöthigt, mein göttliches wort bald in dieser kirche zu suchen, bald in jener Stifter s. w. 2 (1908) 258.
b)
gottes wort 'die heilige schrift, die bibel' seit der reformation in festem gebrauch: denn ihr ... forschet in der schrift und gottes wort, und lernet noch täglich euren katechismus so wohl, wie die kinder in eurer schulen Luther br. 8, 237 W.;
(gott ... ist ... her kummen ...)
... sein kind zu examinirn,
wie sie in gottes wort studirn
Hans Sachs 1, 53 lit. ver.;
die biebel, gottes wort, ist mein belieb im leben;
sie kan mir trost in angst, und rath in nöthen geben
Logau sinnged. 126 Eitner;
ich bin schon heut früh munter gewesen
und habe in gottes wort gelesen
Tieck schr. (1828) 2, 330.
beim wort der wahrheit, wohl als eidesstattliche versicherung unter berufung auf die bibel, s. teil 13, 894 s. v. wahrheit, doch auch im wort der wahrheit unter F 3 d: darauf ich dann alsofort vor mich und meine erben an eides stadt und bei dem wort der wahrheit gelobt und zugesagt, das ich ... (1570) Brandenb. schöppenstuhlakten 1, 531 Stölzel. ähnlich: wir loben vnd schweren bey gott vnd seinem heiligen wort Reutter v. Speir kriegsordn. (1595) 52. in der terminologie protestantischer theologie: demgegenüber kennzeichnet den protestantismus die identifikation von wort gottes und heiliger schrift. sie erfolgte in antithese einerseits zur katholischen koordination von schrift und tradition ..., anderseits zum schwärmerischen geistprinzip relig. i. gesch. u. gegenw. ²5, 2019. reformatorisch ist auch die verbindung von wort (= bibel) und sakrament als den fundamenten der kirche:
dasz wir dein wort und sacrament
rein behalten bisz an das end
Wackernagel kirchenl. 4, 287;
dasz ... ich, sonderlich am feiertag, zu der gemeinde gottes fleiszig komme, das wort gottes zu lernen, die heiligen sakramente zu gebrauchen Heidelb. katechism. frage 103.
c)
in scherzhafter personifizierung gottes wort, wort gottes vom lande 'landpfarrer':
doch zum glück noch naht in schwerer chaise,
frisch gepudert, gottes wort vom land
Kind ged. (1817) 1, 242;
in unserm neuen schwager muszt du dir einen blonden ... menschen denken ..., ewig die qualmende pfeife im munde, gottes wort vom lande! Gutzkow ges. w. (1872) 3, 95. ähnlich: berittenes wort gottes für den feldgeistlichen in der soldatensprache in: dt. wortgesch. 2, 398.
d)
in schrifttum und polemik der reformation und gegenreformation ist, vom reformatorischen hauptanliegen her, gottes wort die erneuerte und gereinigte biblische botschaft, insofern oft geradezu die reformatorische bewegung selbst: bei unserm vettern, herzog Jorgen zu Sachsen, als dem die ufrichtung und pflanzung gottlichs worts zu Freibergk ... zum hochsten widerwärtigk und entkegen gewest Luther br. 8, 126 W.; dieweil hochgedachter (erzbischof) von Mainz denen, so dem worte gottes anhängig, nicht allein zu gütern, sondern auch zu leib und leben trachten täte ebda 8, 20; vgl. 71;
wir sollen danken gott darin,
sein wort ist wiederkommen
Erlach volksl. d. Deutschen (1834) 1, 19;
damit ... in betrachtung sie (die exulanten) umb des standthafften bekenttniss, des einmahl erkantten undt allein seeligmachenden wortt gottes willen, das ihrige verlassen (1651) Franz Pohl d. exulanten a. d. herrsch. Friedl. i. Sudetenl. 34; von da aus scherzhaft: das reine wort gottes 'schnaps' Betcke Königsb. ma. 66.
3)
prägnantes wort für das wort gottes u. ä. ist schon dem originalen sprachgebrauch des neuen testaments sehr geläufig und gehört seit Luthers bibelübersetzung und dem reformatorischen schrifttum fest zum christlich-kirchlichen wortbestand.
a)
'das evangelium, die christliche botschaft und lehre', sofern sie in der geschichtlichen person Christi wirklichkeit geworden sind: so uns saltun thie thar fon anaginne selbon gisahun inti ambahta uuarun uuortes (et ministri fuerunt sermonis) Tatian prol. 2; vgl. Luk. 1, 2; der aber vnterrichtet wird mit dem wort, der teile mit allerley gutes, dem, der jn vnterrichtet Gal. 6, 6 u. ö. besonders im sprachgebrauch der reformation und der gesamten evangelischen theologie wie des erbaulichen schrifttums: got hab lob, der vns das wort geben hat vnd dazu seinen eigen son für vns hatt lassen sterben Luther tischr. 1, 49 W.; vgl. 457; trübsal lehrt auffs wort mercken Petri d. Teutschen weish. (1605) 1, F 2ᵇ; eine fromme seele sollte nach nichts dürsten als nach dem tau des himmels, nach nichts hungern als nach dem manna des wortes W. Hauff s. w. (1890) 2, 262; allein das evangelium, das wort gründet, regiert, erhält (nach Luther) die kirche. denn in der predigt des wortes ist Christus selbst gegenwärtig; des wortes bedient sich gott dem menschen gegenüber. so ist die kirche die gemeinschaft derer, die durch das wort überwunden werden religion i. gesch. u. gegenw. ²3, 799; Emil Brunner die mystik und das wort. der gegensatz zwischen moderner religionsauffassung und christlichem glauben dargestellt an der theologie Schleiermachers (1924) titel. in verbalen verbindungen: vnd redten das wort zu niemand, denn allein zu den Jüden ap.-gesch. 11, 19; vgl. 14, 25; die nu zurstrewet waren, giengen vmb, vnd predigeten das wort ebda 8, 4; vgl. 15, 35; 2. Tim. 4, 2.
b)
häufig ist das wort hier soviel wie die verkündigung der botschaft, die predigt, in einer art verbaler funktion, wie sie dem groszen anwendungsbereich D 1 zugrundeliegt: sie aber giengen aus, vnd predigten an allen orten, vnd der herr wirckte mit jnen, vnd bekrefftiget das wort, durch mitfolgende zeichen Mark. 16, 20; vgl. 1. Tim. 5, 17; und damit ich auf euer artikel komm, so weisz ich keinen mangel an dem ersten, von dem mundlichen wort; denn wir auch nicht anders lehren. denn der heilig geist musz wirken inwendig in herzen der zuhörer, und das äuszerliche wort allein nichts ausrichtet. sonst, wo es das äuszerliche wort allein sollt tun, würden alle gläubig, die es hören (1537) Luther br. 8, 151 W.; vgl. 212. so in festen prägungen wie amt, dienst, diener des wortes: wir aber wollen anhalten am gebet, vnd am ampt des worts ap.-gesch. 6, 4; Luther 30, 2, 45 W.; alle die, so ym pfarampt odder dienst des worts funden werden Luther 26, 504 W.; diener am wort (gottes) ministro della parola (di dio) Kramer t.-ital. 2 (1702) 1394ᵃ; eine den 'diener am wort' beglückende und sein leben verklärende gottseligkeit Gutzkow ges. w. (1872) 5, VI.
c)
'die bibel, die heilige schrift', wie oben 2 b; vgl. vereinzelten plural die worte wohl im sinne von 'evangelium' im ahd.:
joh salida (den völkern) in gilungun thiu wort in iro zungun
Otfrid I 2, 36;
und stecket der rechte verstand dieser hohen geheimnisz alles im worte unter der decke, und ist fast nie erkannt worden Jac. Böhme s. w. 3, 271 Schiebler. hierher vielleicht im blick auf die sinnliche fülle und den bildreichtum griechischer religion mit abschätzigem ton:
uns blieb nur das entseelte wort
Schiller 11, 7 G.
besonders im pathos reformatorischer aussage; in theologisch-kirchlichem gebrauch bis heute:
das wort sie sollen lassen stan
Luther 35, 457 W.;