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Wort (Grimm-3)

aus AufEinWort, der freien Forschung

herr Georgius Butze bürger zu Magdeburg, welcher ein besonder liebhaber des worts und ein erfahrner und eins erbarn aufrichtigen gemühts was (mitte d. 16. jh. Magdeburg) städtechron. 27, 136. in negativem urteil:

es haszt die kirche, die mich auferzog,

der sinne reiz, kein abbild duldet sie,

allein das körperlose wort verehrend

(der katholik gewordene Mortimer zu Maria)

Schiller 12, 418 G.

in fester verbindung: das wort und die sakramente Heidelb. katechism. frage 67; der glaube soll (bei Luther) gestärkt, auf wort und sakrament gegründet werden, er soll nicht geben, sondern nehmen Karl Müller symbolik (1896) 345. in der begriffssprache der spiritualisten als äuszeres wort im gegensatz zum inneren, dem licht innermenschlicher offenbarung: der heil. geist bedarf nach anschauung der von den reformatoren als 'schwärmer' bezeichneten nicht des äuszeren wortes (= schrift); er redet unmittelbar zum menschen ...; Schwenckfeld ... nennt diese offenbarung das innere wort religion i. gesch. u. gegenw. ²5, 2020.

d)

das wort als 'die evangelische lehre' wie oben 2 d: und ob sie nit all gleich eilends sich gänzlichen und ohn unterschied zum wort bekennen (1538) Luther br. 8, 255 W.; vgl. 71; er sei von des wortes wegen verdriben worden (nach 1590) österr. weist. 10, 55, 28;

und sagen, dasz wir noch gut evangelisch sein

und wollens bleiben auch. des Sachsen schwert und raute

nahm sich des wortes an, das gott ihm anvertraute

durch Luthers werten dienst

Fleming dt. ged. 1, 110 Lappenberg;

oh, lieben herrn! lasset uns nur bei dem reinen wort bleiben (1538) Luther tischr. 4, 167 W.

4)

als bezeichnung Christi, vornehmlich aus dem prolog des Johannesevangeliums, entsprechend dem ὁ λόγος in Joh. 1, 1 ff., mit welchem begriff der aus göttlicher präexistenzin die menschwerdung und in die geschichte eintretende Christus gekennzeichnet wird.

a)

prägnant und appositionslos: in anaginne uuas uuort inti thaz uuort uuas mit gote inti got selbo uuas thaz uuort Tatian 1, 1; im anfang war das wort, vnd das wort war bey gott, vnd gott war das wort. das selbige war im anfang bey gott Joh. 1, 1f.; vnd das wort ward fleisch, vnd wonet vnter vns, vnd wir sahen seine herrligkeit, eine herrligkeit, als des eingeboren sons vom vater, voller gnade vnd warheit ebda 1, 14;

dâ mite uns erlôste

daz wort, dîns kindes menscheit ...

daz wort von dînem stuol sich lie

Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 423 Haupt;

die ganze goͤttliche kraft des vaters spricht aus allen qualitaͤten das wort aus, das ist, den sohn gottes Jac. Böhme s. w. 2, 56 Schiebler; vgl. 176;

welche würde hat ein kind!

sprach das wort doch selbst die worte:

die nicht wie die kinder sind,

gehn nicht ein zur himmelspforte

Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 165.

mit auflösung des christologischen gehaltes:

geschrieben steht: 'im anfang war das wort!'

hier stock ich schon! wer hilft mir weiter fort?

ich kann das wort so hoch unmöglich schätzen

Göthe I 14, 62 W.

in säkularisierender umdeutung und verallgemeinerung: im grunde musz man sich vor seinen besten worten zuschlieszen und in die einsamkeit gehen. denn das wort musz mensch werden. das ist das geheimnis der welt! (1904) R. M. Rilke br. (1929) 203. entsprechend Joh. 1, 3 in der einssetzung des göttlichen schöpfungswortes mit der person Christi, s. o. A 2 c β: so sihst du die úberswenken, úbernaturlichen entgiessunge dez wortes uss dem vater, von des geberene und sprechen ellú ding werdent her fúr gesprochen und gegeben Seuse dt. schr. 179, 27 Bihlm.;

er sprach; da kam die welt hervor!

wonnevoll stieg sie empor.

noch spricht er; und sie eilet fort

auf ihrer bahn, durch ihn, das wort

Klopstock geistl. lieder (1773) 1, 69.

b)

mit kennzeichnenden beifügungen, besonders in theologisch-dogmatischem sprachgebrauch:

thaz wir ouh mit then gowon (in unserer heimat?) thaz gotes wort scowon,

thaz druhtin duan wolta int iz hera in worolt santa

Otfrid I 13, 4;

vnd war angethan mit einem kleide, das mit blut besprenget war, vnd sein name heiszt gottes wort apok. 19, 13;

tu verbum patris aeterni   du uuort fateres euuiges

Murbacher hymnen 7, 3, 1 Sievers;

vgl. 3, 8, 4; 6, 2, 2; die andre person der gottheit ist gott der sohn, welcher im göttlichen wesen genannt wird das wort des ewigen vaters Schweinichen denkw. (1878) 1; das da von anfang war: das wir gehöret haben, das wir gesehen haben mit vnsern augen, das wir beschawet haben, vnd vnser hende betastet haben, vom wort des lebens, vnd das leben ist erschienen 1. Joh. 1, 1f.; verbum incarnatum menschlich wort (15. jh. md.), fleischlich worte (anf. 15. jh. obd.), flaischiger mensch vel unerschaffen unnatuirlich wort (s. l. e. a.) Diefenbach gl. 612ᵇ; das unerschaffene wort des vatters Kramer t.-ital. 2 (1702) 1394ᵃ. namentlich das ewige wort: als bald sie iren willen uff gab, alczehand werd sie eine wǎre muter des ewigen worttes und empfieng got zuͦhand (vor 1328) meister Eckhart red. d. untersch. 18 Diederichs; dasz gott der allmechtige schoͤpffer ... das goldt, silber vnd alle metallen, durch sein ewiges wort den sone gottes ... erschaffen hat Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 135ᵇ; dasz das, was ich suchte, in der menschwerdung des ewigen worts, durch das alles und auch wir erschaffen sind, zu suchen sei Göthe I 22, 315 W.

D.

in der loslösung von einer bestimmten, begrenzten einzelaussage gewinnt wort einen deutlich verbalen gehalt und bezeichnet das reden, das sprechen als akt oder vorgang, nicht eigentlich das gesprochene selbst, sondern die tatsache, dasz gesprochen wird. dieser schon früh bezeugte gebrauch erweist sich in spezialisierender und verallgemeinernder anwendung gleichermaszen entwicklungsfähig.

1)

in singularischer verwendung, vorwiegend verbal gebunden, wobei gleiche verbindungen in unterschiedener bedeutung begegnen. innerhalb der anwendungen a und b finden sich vereinzelt ansätze zu pluralischem gebrauch (s. u. a α, b β), der im mnl. fast gleichberechtigt neben dem singularischen steht, s. Verwijs-Verdam 9, 2829—31.

a)

in der rechtssprache oder unmittelbar von da her erweitert: 'fürsprache, vertretung, verteidigung vor gericht', später für entschuldigendes oder empfehlendes reden überhaupt. im 13. jh. aufkommend und rasch gefestigt, im eigentlichen rechtsgebrauch aber nur bis ins ältere nhd.

α)

jmd. das wort sprechen: ob ich van iemanne vientschaf oder vehede haben suͦle daz ich sin wort spreche durch rechtes willen (1261) corp. d. altdt. originalurk. 1, 84, 27 (nr. 51) Fr. Wilhelm; Schiller-Lübben 5, 773ᵃ; do bat er umb einen man, der ein wort spreche (15. jh.) H. Cammermeister chron. 34 Reiche. vereinzelt pluralisch: swer dez wort sprichet, der unrecht hat ... sol den richter bitten, daz er in erlazze sinú wort ze sprechenne (ca. 1275) Schwabensp. landr. kap. 87 Laszberg. in erweiterter anwendung:

wen fleh ich doch nun an (im jüngsten gericht),

wer ist, der helffen kan?

wer wird das wort mir sprechen?

Simon Dach 92 Österley;

vortrefflich! sie sprechen jener abenteuerin das wort Bauernfeld ges. schr. (1871) 3, 184. vereinzelt in anders gewendeter bedeutung, aber wohl von hier aus:

itzt wär ...

Roms schutz-stab Scipio verfaulet und zubrochen,

wenn nicht ein Livius für sie das wort gesprochen

(d. h. seine taten berichtet hätte)

Lohenstein Arminius (1689) 1, d 4ᵃ.

in sachlicher beziehung: als herr Bayle ... der lehre von den zwei principiis das wort gesprochen Leibniz dt. schr. (1838) 2, 346; ich will der itzigen ontologie ... nicht das wort sprechen Lessing 8, 23, 23 L.-M. mit abstractem subject: doch fürchte ich, dasz die erfahrung der gesellschaft das wort spricht Gerstenberg schlesw. lit.-br. 268 lit.-denkm.

β)

jmd. das wort tun, in älterem gebrauch bevorzugt, später ausgestorben: wes wort er (der ammanmeister) tut (d. i. wessen sache er führt) das das gerihte anegat uf der pfalzen, das sol er vergeben one gut tun (1303 Straszb.) städtechron. 9, 953; darumb er ir solt das wort thuͦn an gericht, als er auch andern luten by der wile pflag zu thuͦn (15. jh.) in: zs. f. dt. altert. 29, 335; gab der landsknecht antwort, er sey vnerfahren in solchen gerichtshändeln, begere, dasz sein procurator jm das wort thun möge, die richter lieszens jm zu Nigrinus v. zäuberern, hexen (1592) 6; vgl. 293. lexikalisch verzeichnet noch bei M. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1394ᵇ; Dentzler clav. ling. lat. (1716) 356ᵇ; allgemeiner:

ich han dirs wort gar trüwlich than

(sagt der knecht, der den reichen mann um eine gabe für Lazarus gebeten hat)

schweiz. schausp. d. 16. jh. 1, 22, 166 Bächtold.

γ)

jmd. das wort reden, im älteren, eigentlich rechtssprachlichen gebrauch zurücktretend, in der allgemeineren anwendung 'für jmd. eintreten, zu jmds. gunsten reden' bis heute aber sehr lebenskräftig:

ich hör, das manger vorsprech nimpt

zu paider seit; das übel zimpt.

von ainem nimpt er offenlich,

der ander sticht in haimelich.

der ainen part rett er das wort,

der ander tail behabt den hort

Oswald v. Wolkenstein 118, 131 Schatz;

procurator ein anwald, gevollmächtigter, der das wort redet, und im nahmen der streitenden parthey vors gericht tritt curiös. bauernlex. (1728) 151. archaisierend: wann du vor gericht kommst, ... sprich, du seiest übel beredt, man wolle dir vergönnen einen fürsprecher zu haben, der dir das wort rede Grimm dt. sagen (1891) 1, 149. in erweiterter anwendung: wollen etliche ... dem könig S. das wort reden und ihn entschuldigen Widmann Fausts leben 604 lit. ver.; ich habe allezeit bey der gnädigen frau sein wort geredt Gottsched dt. schaubühne (1741) 2, 294; sie hält was auf mich, ich will dir bey ihr das wort reden Schiller 14, 133 G.; er hat ihr das wort geredet gegen fremde verachtung und spott O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 233. mit gegenständlichem snbjekt: ad 2. könnten uns vor ew. h. g. c. ... auch die gantz klare verfassung der in ecclesia evangelica pro norma angenommenen symb. buͤcher das wort reden Zinzendorfbedencken u. bes. sendschr. (1734) 50. mundartlich anders gewendet 'nach dem munde reden': a redt m s wurt (wie ers gern hört) Karl Rother d. schl. sprichw. 186ᵇ. hierher wohl auch jmd. zum wort reden: wer ist nicht bei ihm in gnaden, der ihm zu worte spricht! Alexis hosen d. herrn v. Bredow (1846) 2, 3, 91. häufig nicht auf eine person, sondern auf ein gegenständliches oder abstraktes objekt bezogen, 'etwas entschuldigen, beschönigen', des weiteren auch 'etwas empfehlen, anraten, befürworten' u. ä.: die menschen können jhnen fein selbst heucheln, unnd jhren sünden das wort reden G. Strigenitz Jonas (1595) 182ᵃ; wie kömmt es denn, dasz sie der liebe itzt das wort reden? Gellert s. schr. (1839) 4, 222;

nicht ihrer schuld red ich das wort

Schiller 12, 456 G.;

passivisch: wo der künstlerischen geduld, dem reifenlassen der früchte in scheinbar anstehender, unleistender zeit, das wort geredet ist (1923) R. M. Rilke br. (1935) 178. mit abstraktem, unpersönlichem subjekt: weszhalb denn die achtung für seine (des prof. Beireis) verdienste auch seinen seltsamkeiten das wort zu reden schien Göthe I 35, 220 W.

δ)

auf jmd. das wort halten nur mnd. (doch s. u. worthalter 1): holt he (der fürsprecher) enes klegheres wort vp enen man, de nenes vorspraken neten mot bei Schiller-Lübben 5, 772ᵇ.

ε)

einige jüngere verbalverbindungen, die sonst im zusammenhang verwandter anwendungen begegnen (s. u.b, c), sind nachträglich auch in diesen bereich hinübergetreten: für jmd. das wort führen oder nehmen:

komm, führe du (Christus) mein wort

und lasz mich, o mein hort,

den spruch der gnaden hören!

ich wil auch iederzeit, ...

dich, meinen fürsprach, ehren

Simon Dach 92 Österley;

Kramer t.-ital. 2 (1702) 1394ᵇ;

o so führe du sein wort, und entschuldge sein verbrechen

Gottsched dt. schaub. (1741) 2, 156;

die gestalten, welche (im Wilhelm Meister) zuerst hervortreten, sind weder grosz noch wunderbar: eine kluge alte, die überall den vortheil bedenkt und für den reicheren liebhaber das wort führt Athenäum (1798) 1, 2, 147 (vgl. wortfürer 'brautwerber' unt. wortführer 2); als die Sorbonne ... sich gegen Luther erklärte, glaubte sich Melanchthon ... verpflichtet, für seinen abwesenden freund das wort zu nehmen, ihn zu vertheidigen Ranke s. w. (1867) 2, 9. gelegentlich das wort erheben, wohl in anlehnung an die stimme erheben, vgl. s. v. stimme D 3 a, teil 10, 2, 3080: Fénélon, der für die privilegien der stände das wort erhob Justi Winckelmann (1866) 1, 218; ich streite für den genius der jugend in der kunst, indem ich für Haydns ältere sonaten das wort erhebe W. H. Riehl musikal. charakterköpfe (1899) 2, 83.

ζ)

in der beziehung auf den redenden selbst, das 'sprechen in eigener angelegenheit', von da aus konkretisiert zur bedeutung 'antrag, anliegen, eigene sache'; in den obigen oder verwandten verbalverbindungen:

ich hân geredet unser aller wort

('ich habe für uns alle geredet, das, was uns alle angeht')

Wolfram v. Eschenbach Parzival 293, 17;

mit dem andern, [dessen] sie (zwei vom kurfürsten beim rat verklagte prediger) beziehen werden, haben wir sie oft dem keiserlich edict nicht zuwidder zu predigen ermant: wo sie das getan haben, wie wole sie meinen, wollen soliches usz der heiligen schrift bewisen, nemen sie ir wort (= verteidigen sie sich selbst) (1526) Königstern tageb. 203 Stertz; als der konigk geritten kam, wolte der bischof vortreten und sein wordtt machen, aber ehr wardtt vorhindertt Grunau pr. chron. 3, 137 Perlbach;

führ mit kanonenschall dein wort,

bisz dasz du hast gewonnen

Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 174.

jünger besonders: sein wort vorbringen proporre la sua parola, farla sua propositione Kramer t.-ital. 2 (1702) 1394ᵇ; sein wort anbringen sein gesuch Adelung vers. 5 (1786) 293; endlich ist sie fort! — nun kann ich mein wort anbringen! Schiller 14, 204 G. mundartlich vom antrag eines freiers: he hett dat woort um êr daan um sie angehalten BöningOldenburg (1941) 134.

b)

in mehr politischem gebrauch, vom reden in offiziellem rahmen, in verhandlungen, vertretungen, abordnungen u. dgl.

α)

meist in den auch sonst geläufigen verbalverbindungen das wort tun, reden, führen 'den sprecher abgeben, im auftrag anderer reden, eine gruppe oder abordnung redend vertreten':

retd an, her vogt von der stat!

als iuch der kuͤnc reden bat ...

nain, vil lieber herre, tuͦt

ir min wort durch iwer tugent

Johann v. Würzburg Wilh. v. Österreich 9413 R.;

da hatten die falschen, untrew rethe den fuchs zum redener gemacht, der das wort thun solt fur des reichs stenden Luther 26, 547 W.; sein die burger mit erem vogete und der, dem sie er wort zu reden befolen hatten ken den rot, auff die gasse gegangen vor das rothaus Chr. Falk elbingisch-pr. chron. 107 Toeppen; vnd (sie) nenneten Barnabam, Jupiter, vnd Paulum, Mercurius, dieweil er das wort füret apostelgesch. 14, 12; kommt mit, ich will das wort führen Chr. Weised. grün. jug. überfl. ged. 233 ndr.; zwölf auserlesene theologen führten das wort für die protestantische (kirche) Schiller9, 277 G. bei verhandlungen 'die leitung, den vorsitz haben': am 10. juni eröffnete man die verhandlungen: Chursachsen führte das wort Ranke s. w. (1867) 2, 248.

β)

seit alters, besonders im nd. und daran angrenzenden raum, auch in anderen wendungen; namentlich innerhalb der städtisch-bürgerlichen selbstverwaltung, auch in der besonderen bedeutung 'den vorsitz führen', s. auch worthalter 3, worthabend, worthaltend 1: do sede de borgermester, de dat wort heilt, van der stad wegen to dem bischope (Magdeburg 1405) städtechron. 7, 319; Schiller-Lübben 5, 772ᵇ; die, welche in den quartieren (der stadt) das wort halten, ..., vnd ein jeder der worthaltenden bürger, (soll) folgends in seinem quartier was proponiret, kürtzlich vnd ordentlich wiederholen (Rostock 1670) bei Haltaus gl. (1758) 2130; dar he do tor tijd der schomaker houetman was vnde der ampte word vulvorde (1451) Lübeckerurkdb. 9, 25; de her bürgermeister im worde synde bei Schiller-Lübben5, 773ᵃ; er hat das wort im Osnabrückschen den vorsitz haben, weil der vorsitzer das wort führt Campe 5 (1811) 775; do mein herr nach uns 8 schickte, die ins wort gingen, das wir uff die burg kommen solten (Halle um 1475) denkw. d. rathsm. Spittendorff 61 Opel. ungewöhnlicher in pluralischen formeln: wen die burgere vnd meistere kiesen, das er das iar jre wordt halte (Magdeb. 15. jh.) bei Haltaus 2131; vgl. mnl. enes wort of worde houden Verwijs-Verdam 9, 2830. auch ohne verbale bindung, verselbständigt: wortführender bürgermeister oder bürgermeister am wort, gefolgter am wort (urwüchsige alte ausdrücke bei institutionen deutschen ursprungs) Sallmann lex. beitr. z. dt. ma. i. Estl. 36; den vier zum wort verordneten männern (Rostock 1670) bei Haltaus gl. 2130. pluralisch: in Fritzlar, übrigens auch in andern städten des nördlichen Hessenlandes, wurden die worthalter (prolocutores, anderwärts rats-vierer u. dgl., jetzt ausschusz, auszerhalb Hessens 'stadtverordnete', die vertreter der stadt dem stadtrat gegenüber) abgekürzt die worte, die gemeinen worte genannt. sie wurden 'zum wort verordnet', 'von der gemeinde an ihr wort gewählt' Vilmar kurhess. id. 459; 'worte: darunter versteht man in gewissen fällen feierliche, eingelernte reden. in den worten sein heiszt bei hochzeiten das amt des redners haben. jede partei (des männl. u. weibl. hochzeitgeleites) hat einen angesehenen mann an der spitze, der in den worten ist' J. Schröer wb. d. dt. maa. d. ungr. bergl. 214ᵇ; Fr. Kramer Bistritz 141; vgl. mnl. in den worden staen Verwijs-Verdam 9, 2829; (die) worde houden ebda 2830. anders gewendet auch 'auftrag, vollmacht': die innungen wolden nicht berichten, wir wolden auch nicht, denn sie sageten, sie hetten kein wort von den ihren, und was doch nicht also. wir wusten, das die kremer wort hatten und woldens doch nicht von sich sagen und sprachen, sie musten die ihren zusammen haben, das sie ein wort kregen (Halle um 1475) denkw. d. rathsm. Spittendorf 282 Opel.

c)

in geläufiger verbindung mit zahlreichen verben bezeichnet wort das sprechen, den vorgang des redens im zusammenhang des gesprächs, der unterhaltung, der gegenseitigen mitteilung, der öffentlichen aussprache oder versammlung u. ä. den älteren gebrauchsweisen wachsen seit dem späten 18. und dem 19. jh. immer neue möglichkeiten zu.

α)

nur im älteren gebrauch und mehr gelegentlich: so solten und wolten sie alle zusamme uffs rathaus kommen und da eintrechtiglich sprechen und wort geben (Halle um 1475) denkw. d. rathsm. Spittendorf 375 Opel; als die andern fürsten (nach der totenrede, die Arminius gehalten) hierzu gleichfalls ihr wort gaben und mitleiden bezeugten, ward die leiche ... besprengt Lohenstein Arminius (1689) 1, 17ᵃ;

wer weisz allhier

ein wort für dir,

das tauglich sey, zu machen?

Simon Dach 153 lit. ver.;

Joachim der 1. ... ist ein ... hochgelerter fürst gewesen, der im Augszburgischen reichstage, anno 1530 von wegen aller geistlichen das wort lateinisch gehalten (1579) Entzelt altmärk. chron. 219 Bohm; Hansz Thurnmeyr ... that dasz wort, vnd hub an von der vntrew vnd vnbestaͤndigkeit der weiber zureden Moscherosch ges. (1650) 2, 293; das wort thun fare l'oratione, ragionare, parlare Hulsius (1618) 279ᵃ; Kramer 2 (1702) 1394ᵇ. vielleicht hierher vereinzeltes zu wort haben: vnnd als die fürsten im friden handleten, hat der sohn nit mehr zu wort, dann das er begaͤrte, dasz sein vatter dem papst ... wolte gehorsam seyn Stumpf Schweizerchron. (1606) 82ᵃ.

β)

das wort führen. in der einfachen bedeutung 'sprechen, reden': ich will noch ein exempel geben, wie man bey verloͤbnissen das wort fuͤhren koͤnne Chr. Weise pol. redner (1679) 741; über den deutschen volkstanz des 18. jahrhunderts mag ein zeitgenosse und gelehrter kenner, dr. Gräter, das wort führen Böhme gesch. d. tanzes (1886) 145. ausdrücklich oder auch prägnant mit dem nebensinne des aufdringlichen, anmaszenden, tonangebenden redens: er will das wort allezeit alleine führen d. discourse d. mahlern (1721) 1, n 3ᵇ; ey, meine herren, gehorsamer diener, sie dürfen nicht immer allein das wort führen Gleim briefw. 1, 201 Körte; die erbittertsten gegner des Gracchus führten in der sitzung das wort Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 91. übertragen:

zu einer vertrauten versammlung,

wo bey schäumendem bier der schwerere Bacchus das wort führt

Zachariae poet. schr. (1763) 4, 127.

γ)

das wort haben. älter meist mit dem gleichen nebensinn wie unter β:

wa ein narr ist in der gemein,

das wort wil er nun hon allein

Murner narrenbeschw. 452, 64 Spanier;

wenn sie (die frau) denn wol reden kan,

so hat sie nur das wort (und nicht der mann),

das hun krehet vor den han

Voigtländer oden u. lieder (1642) 22.

mundartlich: he hett dat word 'er hat zu sagen, ist herr' Mensing schlesw.-holst. 5, 687; schweiz. id. 1, 481. neutral 'als redner zugelassen sein, redeerlaubnis haben': da ich einmal das wort habe, erlaube ich mir eine kurze bemerkung quelle a. d. 2. hälfte des 19. jh. übertragen: der alte herr winkte begütigend (als Hans Unwirrsch zu eifrig losredete): 'na, na; ... jetzt hat der wind erst mal wieder das wort' Raabe hungerpastor (1864) 1, 237.

δ)

das wort behalten: da niemand in dieser art ihm erwidern konnte, so behielt er das wort ziemlich allein Göthe I 23, 223 W.;

doch immer behalten die quellen das wort,

es singen die wasser im schlafe noch fort

vom tage,

vom heute gewesenen tage

Mörike w. 1, 101 Maync.

ε)

der schon alten verbindung das letzte wort behalten oder haben (wollen, müssen) kann auch der gebrauch A 4 zugrundeliegen; in der üblen bedeutung rechthaberischer rede oder neutral 'das entscheidende wort sprechen, den ausschlag geben': warumb nympstu nit deynes gleychen mussige und unbeladene gesellenn fur dich, oder ein boͤse weyb, die auch gerne das letzte wort behelt? Luther 7, 682 W.;

aber ein stummes weib ist immer mit dem mann d'accord,

nur bey einer solchen hat der mann 's letzte wort

Meisl theatr. quodlibet (1820) 1, 73;

dann sagen wir (kesselschmiede): 'fertig, meister!' jetzt hat der staat und seine behörde, der verein zur überwachung der dampfkessel, das letzte wort quelle a. d. j. 1935. übertragen:

nur blosz die völlerey behielt zuletzt das wort

Schwabe volleingesch. tintenfäszl (1745) 27.

ähnlich: was krank ist, und was gesund, mein junge, darüber soll man dem pfahlbürger lieber das letzte wort nicht lassen Th. Mann Faustus (1947) 374. gelegentlich in umgekehrter wendung: die jugend hat heutzutage das erste wort! quelle a. d. j. 1938.

ζ)

das grosze wort haben oder führen meist deutlich mit dem auch unter β, γ begegnenden üblen nebensinn, vgl. schon mhd.:

des grôzen wortes, hôrte ich sagen,

Keie dicke dâ gewuoc

Heinrich v. Freiberg Tristan 2204 Bernt;

drumb sasz er (der wirt) auch unter seinen gaͤsten, und hatte das grosze wort allein Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 168; wo eine betschwester oder ein müssiggänger das grosse wort führen Rabener s. schr. (1777) 5, 26; Ghiberti, der den ruhm auf seiner seite hatte und gewohnt war, in sachen der kunst das grosze wort zu führen Herm. GrimmMichelangelo (1890) 1, 33. übertragen: hebt ein neuer, gewaltiger kalkstock an, in welchem, trotz relativ geringerer höhe, die Dreithorspitze das grosze wort führt Barth a. d. nördl. Kalkalpen (1874) 387. gelegentlich: herr v. A. ... sprach wenig. desto mehr führte seine schwester das hohe wort Eichendorff s. w. (1864) 2, 78.

η)

das wort nehmen oder ergreifen 'zu sprechen anfangen', auch einfach 'reden, sprechen', vgl. schon mnl. wort nemen Verwijs-Verdam 9, 2829, engl. to take the word (15. jh.) Murray 10, 2 s. v. word 28ᵃ. im deutschen seit dem 18. jh.:

Nathan:   sieh! wie sinnreich

jetzt, Daja, nimm das wort

Lessing 3, 13, 244 L.-M.;

wir muszten lange bitten, bevor er sich wieder herbeiliesz das wort zu nehmen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 167; North aber ergriff mit seinem gewöhnlichen flegma das wort Archenholz England u. Italien (1785) 1, 1, 44; im abgeordnetenhause ergriff ministerpräsident graf Tisza das wort amtl. kriegsdepeschen (26. 4. 1915). ähnlich, mit dem nebensinn des gewaltsamen: die frau conrectorin ..., die ... vor ärger und entrüstung wortlos gesessen hatte, gewann es — das wort nämlich — in verdoppelter energie zurück Raabe Horacker (1876) 131; bei den morgenbrotgesprächen risz er manchmal das wort an sich quelle a. d. j. 1935. mit abstraktem subjekt: fals eigensucht und rechthaberei das wort nahm, lenkte man ab Voss antisymb. (1824) 2, 2. auch von schriftlicher rede: in jenen stücken, in welchen der poet das wort nimmt, herrschet die poetische erzehlung und beschreibung Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 89; dieser fürst hat über die ereignisse, in denen er die entscheidende rolle spielte, auch selbst das wort genommen: die schlachten, die er geschlagen, hat er auch beschrieben Ranke s. w. (1867) 25, vi.

θ)

mit dem blick auf den angeredeten das wort an jmd. richten: man schreibt mir eben aus Hannover, dasz ein sehr naiver junge in groszer gesellschaft folgendermaszen das wort an sie gerichtet hat ... Caroline br. 1, 94 Waitz; es ist nicht möglich, dasz ich an sie (anrede) das wort richte, als ob ich einen der altbeliebten vorträge halten wollte quelle a. d. j. 1933.

ι)

in verbindungen, die das recht zum reden, seine gewährung oder seinen entzug umschreiben:

vergönne nun das wort, Libussa, mir!

Cl. Brentano ges. schr. (1852) 6, 107;

die immer so laut waren, und keiner dem andern das wort gönnten Alexis Roland v. Berlin (1840) 2, 8; der vorsitzende gab mir hierauf das wort, mit welchem ich, halb schüchtern, halb empört, einige prahlereien zu stande brachte Kellerges. w. (1889) 2, 99. in der bedeutung mit b α gekreuzt: die herren von Stinnes und von Krupp übertrugen ihm (dem rheinischen industriellen Castricius) gern das wort A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 177. die im parlamentarischen gebrauch geläufigen verbindungen sich zum wort melden, das wort erteilen, das wort entziehen sind jungen ursprungs.

κ)

zum wort(e) kommen, daneben von anfang an und seit der wende vom 18. zum 19. jh. vorwiegend, modern wohl ausschlieszlich zu wort(e) kommen 'gelegenheit zum reden haben', aber auch einfach 'sprechen, reden' (die gleiche verbindung anders s. u. d), vgl. schon mnl. te worde comen Verwijs-Verdam 9, 2829. sprachläufig wohl erst seit der mitte des 18. jh., in vereinzelt früher bezeugung bei Luther, hier eng neben der pluralischen phrase zu worten kommen (s. u. 2 c α), die im 16. und 17. jh. gelegentlich begegnet, bevor sie von der singularischen abgelöst wird: denn würde er zu wort komen, möcht man yhm nichts anhaben Luther 18, 237 W.; in den folgenden (gerichtsverhandlungen) ... kamen die jüngeren männer zu wort und lieszen äuszerungen von unerwartetem inhalt verlauten Ranke s. w. (1867) 8, 136. von schriftlicher äuszerung: bücher, die sich auf die brüder Grimm beziehen, oder in denen vollends die brüder Grimm selbst zu worte kommen Scherer kl. schr. (1893) 1, 53. gelegentlich etwas anders gefärbt: ihre freude ... raubt ihnen die sprache. mein antheil ist darum nicht weniger herzlich, weil er mich noch zum worte kommen läszt (mir noch die fähigkeit zu sprechen gelassen hat) Göthe I 23, 182 W.; vgl. 24, 7. in erweiterter bedeutung 'einflusz gewinnen': dann werden sie zu worte kommen, die idealisten M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 43. mit abstraktem subjekt, das zugleich den inhalt der aussage modifiziert; wohl noch von hier aus empfunden, aber schon im übergang zu d α: ich dachte, hier ... werde endlich einmal sein inneres zu worte kommen Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 55; schweige, herz, damit der verstand zu worte komme M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 46. am geläufigsten in negativen oder negativ empfundenen formeln: jmd. nicht zum, zu wort(e) kommen lassen 'jmd. am sprechen hindern': will mich denn der herr gar nicht zum wort kommen lassen? Stranitzky ollapatrida (1810) 219, 23 ndr.;

man liesz ihn (Wallenstein) nicht einmal zum worte kommen.

als er zu reden anfing, fielen sie

mit kriegerischem spiel betäubend ein

Schiller 12, 320 G.

übertragen: ich liesz sie (die kopfschmerzen) aber nicht recht zu worte kommen Leisewitz tageb. (1916) 1, 24. von dieser formel aus gelegentlich leicht variiert:

denn Graziano läszt mich nie zum wort

Shakespeare 4 (1799) 12;

ich werde mich hüten, sie wieder ans wort kommen zu lassen Gerstenberg schlesw. lit.-br. 89 lit.-denkm. nicht zum, zu worte kommen (können) 'am sprechen gehindert werden': der groͤszte schwaͤzzer ..., bei dem man nicht zum worte kommen konte Bahrdt gesch. s. leb. (1790) 2, 26.

λ)

jmd. ins wort fallen 'jmd. im reden unterbrechen', zunächst in pluralischer form bezeugt, vgl. ebenso mnl. in enes worde vallen Verwijs-Verdam 9, 2829; gleichbedeutendes, aber kaum älteres jmd. in die rede fallen s. teil 8, 455:

sprich pfey schem dich der groben sitten,

dasz du mir felst in meine wort

Scheit Grobianus 4627 ndr.

doch scheint die sonst ausschlieszlich bezeugte singularische form noch im 16. jh. fest geworden zu sein: interpellare einem ins wort fallen, vnd jhn verhindern Faber thes. (1587) 69ᵃ; vgl. nomenclator lat.-germ. (1634) 295; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1395ᵇ; mein bruder, verzeihe mir, dasz ich dir ins wort falle schausp. engl. comöd. 281 Creizenach;

darf ich bitten,

so falle mir noch nicht ins wort

Triller poet. betr. 1 (1750) 542;

'herr dechant', fiel der inspector ihm ins wort M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 154. in gelegentlicher abwandlung, verstärkend: wann? stürzte ich ihm heftig ins wort Schiller 4, 200 G. jmd. das wort abschneiden (die gleiche, aber noch stärker sinnlich-bildhaft gefühlte formel sowie das wort (zer)brechen s. u. III A 1 f): aber Schweitzer schnitt ihr das wort ab M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 117.

μ)

sein eigenes wort nicht hören (können) u. ä. vor lärm, unruhe u. dgl.:

ir (der kinder) schreien hat mich dick betort,

das ich oft selber nicht gehort

mein aigen wort

Oswald v. Wolkenstein 102, 6 Schatz;

mit gschrey jm all sein red zerstoͤr,

dasz er sein eigen wort nicht hoͤr

Scheit Grobianus 3725 ndr.;

und vor allen dingen, man konnte hier sein eigenes wort verstehen Gutzkow ritter v. geiste (1850) 4, 239;

ich höre kaum selber mein leibliches wort

Heine s. w. 1, 22 Elster.

ν)

eine reihe seltenerer verbalverbindungen mit wort meint als voraussetzung eines gegenseitigen gesprächs die bereitschaft zum reden oder die tatsache, dasz jmd. zum reden gebracht oder gezwungen wird (den gleichen gebrauch des plurals s. u. 2 a η): wo er (Hutten) mich (Erasmus) aber besucht het, wolt ich jhm mein wort nicht vergunt (miszgönnt) haben (non repulissem hominem a colloquio) Hutten op. omnia 2, 180 Böcking. so und ähnlich besonders in nd. mundart: ik will em dat woort darum gunnen 'ihn darum bitten' Böning Oldenburg 134; sik mit em in't woort gêwen ein gespräch anknüpfen; ik wull em geern to woort kregen mit ihm sprechen ebda 134; Doornkaat-Koolman 3, 570ᵃ; Stürenburg ostfries. 335ᵃ. übertragen: dat land to word bringen 'es düngen, so dasz es etwas sagt', 'es aus seiner trägheit aufrütteln' Mensing schlesw.-holst. 5, 687 u. ä. ebenda; mnd. to worde wesen 'streit, wortwechsel haben', entsprechend der sonst im plural begegnenden prägnanten anwendung worte 'streitworte' (s. u. 2 b): die rad van Bremen hefft myt en (den Hamburgern) een deel to worde wesen (wortwechsel gehabt wegen des vorranges) bei Schiller-Lübben 5, 772ᵇ; vgl. mnl. te worde comen 'streit bekommen' Verwijs-Verdam 9, 2828. vereinzelt begegnet hier anlehnung an verben, die in der verbindung mit rede in dessen bedeutung 'rechenschaft, rechtfertigung' geläufig sind, s. rede 3 c, teil 8, 451: in dem do kam der schalck Andrean geloffen, den satzt ich zu wort vmb das mort (1509) Fortunatus 28 ndr.;

doch jetzt, dein hin- und widergehn

ist nur um mir nicht wort zu stehn

Göthe I 15, 1, 68 W.;

he wull mi ni word stahn 'rede stehen' Mensing schlesw.-holst. 5, 687.

d)

wort als form und art, in der etwas laut wird, als ausdrucksmittel des redens, neben der gleichen oder ähnlichen verwendung des plurals (s. u. 2 a β) zurücktretend.

α)

allgemein:

wan daz er die liute entsaz,

daz ez wurde ze worte (ruchbar würde)

Konrad Fleck Flore u. Blancheflur 1535.

geläufig erst in jungen verbindungen höheren sprachgebrauchs, etwas kommt zu wort (s. auch ob. c κ), tritt ins wort, wird, findet wort u. ä.: ich lasse alles, was zu worte kommen möchte, bis zu unserem nahen wiedersehen R. M. Rilkebriefe (1930) 207. besonders negativ: es giebt so viele offenbare geheimnisse, weil das gefühl derselben bey wenigen ins bewusztseyn tritt und diese denn, weil sie sich und andere zu beschädigen fürchten, eine innere aufklärung nicht zum worte kommen lassen Göthe IV 35, 192 W.; 'das ist ein hundewetter', hatte der viehhändler gesagt, und der schulz brummte etwas, dasz man das in Querbelitz auch schon wisse. zu worte liesz ers aber nicht kommen Alexis Isegrim (1854) 2, 51; dasz bei der geringsten veranlassung das offenbare geheimnisz ins wort getreten wäre Göthe I 25, 1, 241 W.; er muszte die bilder, die ihn bedrängten, wort werden lassen quelle a. d. j. 1938; ich schrieb mein buch ... getrieben und beglückt, weil etwas wort fand, das bis dahin schweigend in mir geruht hatte quelle a. d. j. 1933;

was hat dich, groszer sprecher, stumm gemacht!

wars dies, dasz dich, verborgenes zu schauen,

ins wort zu wandeln tiefgefühltes grauen,

der anruf gottes stellte auf die wacht?

Th. Kochs d. reine stimme (1947) sonett Jeremias II.

β)

speziell, seit alters durchweg auf den singular beschränkt: etwas nicht (älter kein) wort haben wollen, anfangs mit genetiv, dann mit accus. der sache, 'nicht wollen, dasz etwas gesagt wird, etwas laut wird', von da aus 'etwas nicht eingestehen, sich zu etwas nicht bekennen wollen'. oft, und gerade im frühen gebrauch, auf tatsachen und sachliche vorgänge bezogen, daher kaum von wort als etwas (vorher) gesagtem oder von wort F 'versprechen, zusage' aus (zum austausch von wort und wahr vgl. auch unt. wortzeichen): sie worent ouch alle ketzer und wolten sin kein wort han (um 1440) Windecke denkw. (1893) 133; wente se dat dreven hemelken myt deme bisschoppe van Colne, dat dit volk quam vor Sost; mer se wolden des neen wort hebben (um 1450) Detmar Lüb. chron. 2, 108 Grautoff; die welt wil jhrer boͤszheit kein wort haben Petri d. Teutschen weish. (1605) 2, R 7ᵃ; Thuanus ... giebt die zahl der anwesenden nur auf sechzig an, und will ihre einstimmigkeit nicht wort haben Ranke s. w. (1867) 38, 126 anm.; meine mutter will es nicht wort haben, doch ist es so M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 273. auch mit abhängigem dasz-satz: Mariane ... wollte nicht wort haben, dasz sie ihn so lange nicht bemerkt hätte Göthe I 21, 94 W. leicht variiert, wenn nicht als spontaner oder mundartlich beeinfluszter gebrauch zu ob. A 5 a: Abimelech wollte das wort nicht haben, dasz ihn ein weib umgebracht hätte (1784) bei Heynatz antibarbarus (1796) 2, 651; er het's nid welle z' wort ha er hat nicht wollen, dasz man sage Hunziker Aargau 302. über die analoge jüngere formel etwas nicht wahr haben wollen vgl. teil 13, 741; zur formalen bildung vgl. auch des (das) will ich wahl haben s. v. wahl I a α, teil 13, 509; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 680ᵃ.

e)

in umfassenderem sinne und auszerhalb verbaler bindung meint wort das sprechen und reden in einer weitgespannten anwendung, vor allem das reden und sprechen schlechthin als eine dem menschen typisch und wesentlich zugehörige form des sich mitteilens.

α)

von einem bestimmten wortauftrag, einer botschaft u. ä. schon in älterem gebrauch:

bin nu mines wortes gikerit heimortes

(der dichter am ende seines werkes)

Otfrid V 25, 3;

vgl. I 2, 27; IV 1, 5; 15, 28; vnd mein wort vnd meine predigt war nicht in vernünfftigen reden menschlicher weisheit, sondern in beweisung des geists vnd der krafft 1. Kor. 2, 4;

ach! aber dunkler umschattete, mitten im wort dich

furchtbarentscheidend ein tödtlich verhängniss (vom tode Christi)

Hölderlin s. w. 4, 163 Hellingr.;

dein wort, nun lodert es, ein züngelnd schwert,

das jeglichem geschlecht zu herzen fährt,

wenn es sich miszt am masz der ewigkeiten

Th. Kochs d. reine stimme (1947) sonett Jesajas.

β)

die einem bestimmten menschen zugehörige, ihn charakterisierende art zu reden, in jüngerer sprache:

sein wort war kein befehl, kein drohendes geheisz,

drum war ihm stadt und land gewogen

Gottsched ged. (1751) 1, 31;

sein schwert war entscheidend, und kurz sein wort

Klopstock oden 1, 198, 18 M.-P.;

und hier und dort vergönn an deinen blicken,

an deinem wort uns ewig zu entzücken!

Göthe I 2, 153 W.;

sein (des tyrannen) wort

schmucklos und rauh, trägt nicht des unsern form,

läszt keine antwort zu ... doch trifft wie blitz

Stefan George d. neue reich (o. j.) 85.

anders, auf den sprechklang einer stimme bezogen:

und ihr wort war wie gesang

Hegner ges. schr. (1828) 5, 144.

γ)

vermenschlichend auf unpersönliche mächte übertragen, doch vgl. schon:

lêđiad thi hêr manage tô

ordos endi eggia, orlegas uuord (= kriegsgeschrei)

Heliand 3697 B.;

nie gab dein stilles wort, natur,

nie red und lied ihm (dem schlechten menschen) schwung

J. H. Voss antisymb. (1824) 1, vorspruch;

drum ist ein jauchzen sein wort (des Rheins)

Hölderlin s. w. 4, 174 Hellingr.

δ)

über β hinaus zu der speziellen bedeutung 'meinung, urteil' entwickelt, wobei nicht eigentlich das für einen einzelfall abgegebene urteil (dies s. o. A 4 b β), sondern die für jeden fall gültige, die erprobte und verfügbare urteilsfähigkeit eines bestimmten menschen gemeint ist: dasz man sich überzeugt hält, mein wort habe bei ew. hochwohlgeboren einiges gewicht Göthe IV 31, 10 W.; ein altmeister, dessen wort in der stadt etwas gilt Alexis Roland v. Berlin (1840) 2, 42;

bin jung gewesen,

kann auch mitreden,

und alt' geworden,

drum gilt mein wort

Mörike w. 1, 20 Maync.

ε)

zusammenfassend für die menschliche rede schlechthin. wieweit hier, ähnlich wie bei f, auch die bedeutung wort II 'einzelwort' einwirkt, indem das einzelne wort als kleinste sinneinheit stellvertretend für das phänomen menschlicher rede überhaupt genommen wird, ist im einzelfall schwer zu entscheiden.

αα)

allgemein. in sehr früher bezeugung nur biblisch, in einfacher umsetzung griechisch-lateinischen vorbildes, wo Luther noch deutliche zurückhaltung zeigt: ak frisahts sijais þaim galaubjandam in waurda (ἐν λόγω), in usmeta, in friaþwai, in galaubeinai, in swikniþai got. bibel 1. Tim. 4, 12 (Luther: im wort); vgl. Kol. 4, 6 u. Lk. 4, 32 (Luther: rede); thaz sie (die Pharisäer) in befiengin in uuorte (in dem, was er etwa sagte) (ut caperent eum in sermone) (Luther: in seiner rede) Tatian 126, 1 (Matth. 22, 15). sonst jungen gebrauchs:

schnell fertig ist die jugend mit dem wort,

das schwer sich handhabt, wie des messers schneide

Schiller 12, 242 G.;

glaube weit, eng der gedanke,

wie das wort so wichtig dort war,

weil es ein gesprochen wort war

Göthe I 6, 5 W.

mit adjektivischer bestimmung:

wie ihr das erbe angewandt,

das einst in sorgen, kämpfen, plagen

ich (Luther) euch errang mit starker hand,

das erb und recht des tapfern wortes

E. M. Arndt s. w. 5, 148 Rösch-Meisner.

namentlich freies wort:

was ich denke, das darf ich sagen.

das wort ist frey, sagt der general

Schiller 12, 28 G.;

er gab sich alle mögliche mühe, um dem freien worte ... raum zu verschaffen Dahlmann gesch. d. frz. rev. (1845) 26.

ββ)

speziell im blick auf die fähigkeit der wortbeherrschung, der redegewandtheit, vgl. wort dichterisch für 'fähigkeit und kunst, das wort zu führen, gut zu sprechen' Campe 5 (1811) 775: doch galt sie nicht einmal für klug, weil ihr das wort nicht sehr geläufig war quelle a. d. j. 1918. besonders mundartlich: good to woorde wesen wohl zu reden wissen brem.-nds. wb. 5, 287; he kann goot to woorde, kann sien woort goot maken ist redegewandt Böning Oldenburg 134; Elberf. ma. 177ᵇ; Leithäuser Barmen 172ᵇ. vgl. umgangssprachlich: der kann sein wort machen, der hat ein wort am leibe u. ä.

γγ)

mehr objektiviert das deutsche wort 'die deutsche sprache':

es ruft die heilge sprache unsrer ahnen:

'ihr sänger, vor! und schützt das deutsche wort!'

Th. Körner w. 1, 107 Hempel.

f)

auf hoher gedanklicher und stilistischer ebene entwickelt sich seit dem 19. jh. nach verschiedenen richtungen ein gebrauch, der namentlich in modernster sprache weiter um sich greift. hier gewinnt wort im anschlusz an e ε den rang eines fast symbolhaften begriffs oder einer zeichenhaften benennung. mit einflusz der bedeutung wort II, sofern das einzelwort als symbol des redens überhaupt empfunden wird (s. auch e ε), ist hier ebenso zu rechnen wie mit einwirkung des erweiterten oder säkularisierten religiösen gebrauchs C. das wort als existentielle, innermenschliche beziehung, als tiefe und bedeutsame lebensfunktion: in diesen ... ausdrücken des herzens, die wie die wünsche: 'guten morgen, guten abend ...' bei den meisten menschen durch die gewohnheit ganz bedeutungslos werden, lag für sie eine tiefe bedeutung, und ich glaube dieses mit recht für den zug eines kindlichen und tiefen gemüthes halten zu dürfen, welches fromm an das wort glaubt, und dem der sinn nie verloren geht Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 296; jeder miszstand, jedes übel ... wird nur durch das gesänftigte, edle, ruhige, aber allseitig beleuchtende wort gut ... und das wort, diesen 'sanften ölzweig', so heisz ersehnt, endlich errungen, gebrauchen wir jezt so selten recht, oft wird es eine zündfakel Stifter s. w. 17 (1929) 284, 3; (dasz die menschliche existenz) identisch ist mit der tatsache, dasz der mensch das 'wort hat'; daher man vom tier sagen kann, es habe kein ich, weil es das wort nicht hat Ferd. Ebner das wort u. d. geistigen realitäten (1921) 21. in religiöser sicht: doch ist auch das wort in der göttlichkeit seines ursprungs 'historisch' geworden — im leben und worte Jesu Ferd. Ebner a. a. o. 23; gott lebt sprechend; und zwar so, dasz bei ihm das wort die person nicht voraussetzt, sondern begründet. gott ist person mit bezug auf das wort Guardini welt u. person (1939) 160; man musz sich klarmachen, dasz das wort die unentbehrlichste gabe ist, die dem menschen gegeben wurde, und dasz das wort von seinem ursprung her das zugesprochene wort ist Fritz Dehn in: sonntagsblatt (1948) 11, 4 Lilje. daneben steht das wort auch für die manifestation des geistigen, für geistige erkenntnis, wissenschaftliches streben u. ä.:

wenn du dich lebenslang beschäftigest mit wörtern,

verachten dich mit recht, die lieber ding erörtern.

wenn du dich wenigstens beschäftigtest mit worten,

aus welchen aufgebaut sind der begriffe pforten.

doch wenn du wirklich dich beschäftigst mit dem wort,

es ist nichts höheres zu finden hier noch dort

Rückert d. weish. d. brahmanen (1836) 4, 222

(s. dazu auch E 6 b ende und herkunft u. form, sp. 1471 f.); der tolle weg aber (der frauen zu philistern macht) ist eine falsche tendenz aus der genialität des fleisches in die des wortes, und wir finden sie häufig in gelehrten frauen, wenn sie nicht zugleich gute mütter sind Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 445; das wort. organ des illuminatenordens. monatsschrift für allseitige erkenntnis (titel einer zeitschrift; vgl.: logos. internationale zeitschrift für philosophische kultur. titel einer zeitschrift). in einer dem biblisch-religiösen gebrauch C 3 b entnommenen prägung: so will ich denn hier versuchen, in einsamkeit des wortes diener zu sein (in Greifswald), denn besser soll es mir nicht werden U. v. Wilamowitz-Möllendorff briefw. m. Usener (1934) 15. als wort der dichter, dichterisches wort, auch einfach als wort für den dichterischen auftrag oder den vorgang dichterischer weltdeutung, wobei gehalt und gestalt zusammengefaszt sind gegenüber dem gebrauch E 6 a β, der wort als die sprachliche formgebung vom inhalt der dichterischen aussage scheidet: doch konnte sie (die schule) mir mitgeben, was sie vielleicht nur für eine geistige mitgift ansah, aber was sich dem hungrigen gemüt in eine unerschöpfliche speise verwandelte: das wort der dichter E. Wiechert v. d. treuen begleitern (1937) 5; welche gewaltigen räume vermag das wort des dichters (Hölderlin) zu beschwören Otto HeuscheleFriedrich Hölderlin (1946) 63; das geheimnis der immerwährenden menschwerdung selbst denen aufzuschlieszen, die nur mehr für die offenbarung des dichterischen wortes empfänglich sind Zangerle in: der Brenner 16 (1946) 167; lyrik bleibt persönliches welterlebnis. ihr mysterium ist das geheimnis der form, ihre magie ist der klang der ins wort verwandelten welt Gunter Groll in: de profundis (1946) 19. auch hier in der an den religiösen gebrauch C 3 b angelehnten verbindung: in zeitläuften, da schon das lesen einer satire den kopf kosten kann, müssen die diener am wort und an der wahrheit, wie Karl Kraus einer war, verstummen Zangerle in: d. Brenner 16 (1946) 144.

2)

im plural bezeichnen worte, vornehmlich in der festen verbindung mit verben, das mittel, das dem sprechenden zur verfügung steht und dessen er sich sprechend bedient, auszerhalb verbaler bindung auch unmittelbar das reden und sprechen selbst. der ganzen anwendung liegt die vorstellung zusammenhängender rede zugrunde, wenngleich überall dort, wo in der bindung an verben worte als mittel der rede gemeint sind, dem sprachbewusztsein auch eine anknüpfung an wort II 'einzelwort' mehr oder minder naheliegen mag. eine solche anknüpfung wird in der sprachlichen formung dort offen vollzogen, wo worte, oft unbeschadet der bedeutung 'zusammenhängendes reden' in verbindungen wie zwei, drei, wenige, viele, kurze, lange worte u. ä. als zähl- oder meszbare gröszen, als einzelne gebilde behandelt werden (s. u. II C).

a)

worte als ausdrucksmittel des sprechens. unter den verbalen verknüpfungen haben die präpositionalen den vorrang.