Zeichen/Wgb.
Das Zeichen[1], des -s, plur. ut nom. sing. 1. Die Figur, die Abbildung einer Sache, das Bild derselben; eine veraltete, und nur noch ineinigen wenigen Fällen übliche Bedeutung. Das Zeichen des Kreuzes, die Figur desselben, auch wenn sie mit dem Finger in der Luftgemacht wird. Die zwölf himmlischen Zeichen, die zwölf Zeichen des Thierkreises, die zwölf Sternbilder, welche schon im Ottfried thie zwelfzeichan heißen. Das Zeichen des Krebses, der Fische u. s. f. In einem glücklichen Zeichen gebohren seyn. Es kann seyn, daß mit dieserBenennung zugleich auf die Vorbedeutung künftiger Schicksale gesehen worden; indessen ist doch die Bedeutung eines Bildes auch aus demfolgenden Verbo zeichnen unläugbar. 2. Etwas sichtbares, und in weiterm Verstande, etwas sinnliches überhaupt, so fern es bestimmt ist, eineVorstellung zu erwecken. Sowohl eine Vorstellung überhaupt; so sind die geschriebenen Worte Zeichen unserer Gedanken. Als auch von derAnwesenheit einer Sache; ein Merkmahl. Das ist ein Zeichen einer guten Gesundheit. Kein Zeichen des Lebens von sich geben. Ein Zeichenseiner Tapferkeit sehen lassen, besser, Merkmahl, Probe. Die Zeichen des jüngsten Tages. Ingleichen eine Vorstellung von seinem Willen zuerwecken, etwas sichtbares, welches zur Vorschrift der Handlung dienet. Einem ein Zeichen mit der Hand geben. Ein Zeichen mit derTrompete, der Trommel geben. Als endlich auch, ein Ding daran wieder zu erkennen; ein Kennzeichen. Ein Zeichen an etwas machen; einZeichen einbrennen. An dem Zeichen erkennet man es. Der Färber gibt bleyerne Zeichen aus, die Personen, welche ihm etwas zu färbengebracht haben, daran wieder zu erkennen. Viele Handwerker machen Zeichen an ihren Arbeiten, um sie daran wieder zu erkennen, u. s. f.So auch die Zeichen in einem Buche. 3. In einigen engern Bedeutungen. (a) Ein Merkmahl einer künftigen Sache. Das halte ich für ein böses,für ein gutes Zeichen. Ein Luftzeichen, Himmelszeichen u. s. f. so fern man ehedem alle seltene Erscheinungen in der Atmosphäre, oder andem Himmel für Vorbedeutungen hielt. (b) Eine Veränderung, so fern sie eine unmittelbare Wirkung Gottes, ein Merkmahl seinerunmittelbaren Gegenwart ist, ein Wunder; eine veraltete, nur noch in der Deutschen Bibel und dem biblischen Style übliche Bedeutung, inwelcher es oft mit Wunder verbunden wird. Zeichen und Wunder thun; oft aber auch allein stehet: Gott thue ein Zeichen an mir.
Anm. Von des Kero Zeiten an im Oberdeutschen zeichan, im Nieders. Teken, bey dem Ulphilas Taikns, im Angels. Tacn, im Schwed. Tekn, imEngl. Token, im Lat. Signum, im Griech. τευμημον. Es ist mit zeigen und zeihen genau verwandt. S. diese Wörter.
- ↑ „Zeichen“, Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (Ausgabe letzter Hand, Leipzig 1793–1801), digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, <https://www.woerterbuchnetz.de/Adelung?lemid=Z00277>, abgerufen am 08.02.2024.