Zeremonie
Zeremonie | f. ‘sich nach bestimmten Regeln vollziehende, feierliche Handlung’, spätmhd. cerimonie, entlehnt aus spätlat. cēremōnia, lat.caerimōnia, caeremōnia ‘heilige Verehrung, Ehrfurcht, heilige Scheu, religiös-feierliche Haltung, feierlich-religiöser Brauch, Feierlichkeit’ (dem Lat. folgend noch heute die volkssprachliche Betonung Zeremónǐe).
Lateinisch caerimonia oder caeremonia, später oft cerimonia „Heiligkeit, Ehrfurcht, ein heiliger Ritus“
vgl. lat. cēreus. cero m (Plural ceri) "lange Kirchenkerze"
Unklar. Es stimmt formal mit Sanskrit कर्मन् kárman, „Handlung, Tat; Karma“ überein, als kämen beide aus dem Proto-Indo-Europäischen *kʷermon-, selbst ein abstraktes Substantiv, das aus dem Proto-Indo-Europäischen *kʷer- „zu tun, machen". Laut de Vaan ist es jedoch eine Ableitung vom unbestätigten Adjektiv *caerus + -mōnia (vgl. agr. daimónios, „außergewöhnlich, göttlich“, das auch als zweiter Teil des zusammengesetzten sincērus „ganz, gesund“ zu finden ist.
Die Römer etymologisierten dieses Wort, als käme es vom Namen der Stadt Caere, etr. kaisra.
Der häufig in Mrz. gebrauchte Ausdruck bezeichnet zunächst eine im kirchlichen Bereich ‘nach bestimmten Regeln festgelegte feierliche Handlung (mit symbolischem Charakter)’, nach der Reformation von der protestantischen Partei im Sinne von ‘äußerliche (daher überflüssige) pompöse rituelle Handlung, Schaugepränge’ auf den katholischen Ritus bezogen (der Papisten Ceremonien, 1585).
Danach verallgemeinert sich die Bedeutung unter dem Einfluß von afrz. mfrz. cerimonie, frz. cérémonie, das diesen weiteren Sinn schon früher entwickelt hat, (nunmehr meist mit dem Frz. entsprechender Endbetonung) zu ‘feierliche, in bestimmter Ordnung ablaufende Veranstaltung’, z. B. Krönungsfeierlichkeit, Veranstaltungen bei Hofe (Ende 16. Jh.), auch ‘Etikette’ (besonders bezogen auf Umgangsformen mit Fürstlichkeiten und hochrangigen Personen).
Im Anschluß daran wird der Ausdruck erneut vielfach abschätzig gebraucht für ‘steife Förmlichkeit, gezierte Geste’.