Zeug
zeug | ‘Gerät, Ausrüstung, Rohstoff, Material, Gewebe (Kleidung, Wäsche), Kram’, eigentlich (im Hinblick auf den Zusammenhang der Whk. nach mit ziehen) ‘was benutzt, was herangezogen wird’; ‘Werkzeug, Gerät, Ausrüstung, Kriegsgerät, gerüstete Kriegerschar, Stoff, Material, Beweis, Zeugnis, Zeuge’, uger. *teuhaną; uger. *teugą; Ahd. giziug m. n., giziugi n. (8. Jh.), ziug (10. Jh.) ‘Stoff, Ausstattung, Werkzeug, Aufwand’,
mhd. ge'ziuc, ziuc m. n. ‘Werkzeug, Gerät, Ausrüstung, Kriegsgerät, gerüstete Kriegerschar, Stoff, Material, Beweis, Zeugnis, Zeuge’,
asächs. gitiuh ‘Aufwand’, mnd. getǖch, tǖch ‘Gerät, Ausrüstung, Zeugnis, Zeuge’, mnl. ghetuuch ‘Stück einer Ausrüstung, Zeugnis’,nl. tuig ‘Zeug, Gerät’, aengl. getēog ‘Gerät’ in aengl. sulhgetēog ‘Pfluggerät’, anord. (aus dem Mnd.) tȳgi ‘Zeug, Gerät’, schwed. tyg ‘Stoff, Zeug’ sind Hptwbg. mit grammatischem Wechsel von h und g zum Stamm des unter ziehen behandelten Tw. zur Ww. uig. *dewk- "ziehen".
Aus der Grundbedeutung ‘das Ziehen, Ziehung, der Heranziehen (einer Sache)’ entwickelt sich das Wort zur Bezeichnung des zur Benutzung Herangezogenen.
Daher auch mhd. ge'ziuc, ziuc ‘Ziehung vor Gericht’, und zwar das Beibringen des Beweises (‘das Beweisverfahren’) wie auch der zum Verfahren beigebrachte Mann (‘der Beweisende, Bewahrheitende’); zur Weiterentwicklung des Wortes im rechtlichen Bereich s. Zeuge, zeugen2, Zeugnis.
Die vorsilbenlose Wortform Zeug wird vom 15. Jh. an vorherrschend. Als Sammelbezeichnung (vgl. mhd. geziuge ‘Gerätschaften, Ausrüstung’) steht Zeug vielfach für ‘Gegenstände aller Art, (minderwertiger) Kram, Worte, Gedanken’ und dgl. (seit dem 16. Jh.), stärker abwertend auch Zeugs n. (2. Hälfte 18. Jh.), entstanden aus genitivischen Fügungen, vgl. viel schönes Dings und Zeugs (17. Jh.).
Redensartlich sich ins Zeug legen, werfen ‘tüchtig an die Arbeit gehen, sich anstrengen’ (19. Jh.); das Zeug zu etw. haben ‘begabt für etw. sein’, eigentlich ‘die Ausrüstung zu etw. haben’ (18. Jh.); was das Zeug halten will, hält ‘mit allen Kräften’, eigentlich ‘was das Geschirr des Zugpferdes aushält’ (18. Jh.).
In der Wortzusammensetzung ist -zeug so vielseitig verwendbar, daß es in heutiger Sprache den Charakter eines Kompositionsendung angenommen hat.