Zoll (Maß)
Zoll2 | zol + -l m. in einigen Branchen noch übliche Längeneinheit unterschiedlicher Größe, ahd. zollo ‘Kreisel’ (11. Jh.), mhd. zol (Wesfall zolles) ‘zylinderförmiges Stück, Baumklotz, Baumstamm, Knebel’ (vgl. īszolle f. ‘Eiszapfen’), mnd. tolle, tol ‘Zweigspitze, Zweig’, mnl. nl. tol ‘Spielzeug, Kreisel’, schwed. (mundartlich) tolle ‘Pfropfreis’ führen (mit ll aus ln) auf mit n-Endung gebildetes uig. *dḷn-.
Verwandt sind aind. dálati ‘birst, springt auf’, grie. dá͞idalos ‘kunstfertig, kunstvoll’, déltos ‘Schreibtafel’, eigentlich ‘Spaltholz, glatt zugehauenes Holzbrett’, lat. dolāre ‘behauen, bearbeiten’, air. delb ‘Gestalt, Form’.
Zugrunde liegt eine Ww. uig. *del(ə)- ‘spalten, schnitzen, kunstvoll behauen’ (s. dazu auch Zelt).
Seit etwa 1500 gilt Zoll als Längenmaß und löst die mittelalterlichen Maße mhd. dūme ‘Daumen’, vinger ‘Finger’ (drīer vinger, zweier dūme breit) ab.
Ob für Zoll, ausgehend von einer Bedeutung ‘abgehauenes Stück Holz’, auch eine nachfolgende Bedeutung ‘Knöchel, Fingerglied’ anzunehmen ist, bleibt unsicher.
Immerhin ist 1 Zoll ungefähr gleich der Breite eines starken Daumens (großer Zoll), eines Fingers (kleiner Zoll).
Zollstock m.zusammenklappbarer Meßstab (18. Jh.).