▷ ◀▷Aussagen werden traditionell in analytische Aussagen und synthetische Aussagen unterteilt. Statt von ‚Aussage‘ ist gleichsinnig auch von ‚Satz‘ bzw. ‚Urteil‘ die Rede (vgl. oben die Tugendhat’sche Dreiteilung).
- im engeren Sinn sind „Aussagen, die notwendigerweise, d. h. in allen möglichen Welten, wahr sind allein aufgrund ihrer logischen Form, und deren Wahrheit ohne empirische Überprüfung feststellbar ist“.[1] Sie entsprechen damit einer logischen Tautologie.
Beispiel: Es scheint die Sonne oder die Sonne scheint nicht.
- im weiteren Sinn „sind solche, deren Wahrheit von ihrer syntaktischen Struktur und der Bedeutung ihrer sprachlichen Elemente abhängt. Sie beruhen auf semantischen Relationen wie Bedeutungsgleichheit […] und Bedeutungseinschluss […]“.[1] Sie entsprechen damit einem Zirkelschluss.
Beispiel: „Geschwister sind verwandt“.
Nach Ernst Tugendhat gründen alle analytischen Sätze auf dem Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch.[2] Sie haben keinen potentiellen Falsifikatoren.[3]
- im weiteren Sinn sind nach Aristoteles alle Aussagen (Urteile), d. h. eine „Synthese von Begriffen“.[4]
- im engeren, herrschenden Sinn (Kant) sind „Aussagen über Tatsachenverhältnisse, deren Wahrheit nicht nur von ihrer syntaktischen oder semantischen Struktur, sondern von außersprachlichen und somit empirisch zu überprüfenden Faktoren und Erfahrungen abhängt; […]“.[1] Vergleiche Synthetisches Urteil a priori.
Kritik der Unterscheidung
[✎]
Die Berechtigung der Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Aussagen (Urteilen) wurde von Quineangegriffen. Er vertrat eine These der Unbestimmtheit der Bedeutung und stellte grundsätzlich infrage, dass Begriffsbedeutungen scharf voneinander abgegrenzt werden können.[5]
Beispiel: „Alle Rappen sind schwarz“ gegenüber „Alle Krähen sind schwarz“. Da Schwärze ein entscheidendes Merkmal ist, um
Rappen von anderen Pferden zu unterscheiden, handelt es sich um eine analytische Aussage. Ob die Begriffsbedeutung von ‚Krähen‘ ohne Schwärze auskommt – also auch weiße (z. B.
Albino-) Vögel mit sonst gleichen Merkmalen zu dem Begriff zählen – oder ob Krähen ebenfalls (auch) durch Schwärze definiert sind, lässt sich nach Quine nicht eindeutig bestimmen. Tatsächlich wird Krähe ja als Begriff für eine natürliche Art verwendet; ob alle Exemplare dieser Art schwarz erscheinen werden, ist daher eine empirische Frage.