anima est quodammodo omnia
quodammodo omnia ens
Der Ausdruck „quodammodo omnia ens“ (oder anima est quodammodo omnia) ist ein berühmter philosophischer Leitsatz der Scholastik. Er stammt ursprünglich aus der Erkenntnistheorie des Aristoteles und wurde vor allem von Thomas von Aquin in dessen Hauptwerk, der Summa Theologiae, weiterentwickelt. [1, 2, 3]
Wörtlich übersetzt bedeutet der Satz: „Die Seele ist gewissermaßen alles [Seiende]“. [1]
Die Kernbedeutung im Detail
In der scholastischen Philosophie erklärt diese Formel, wie der menschliche Verstand in der Lage ist, die Welt zu erkennen und zu begreifen: [1]
- Der Geist als unbeschriebenes Blatt: Der menschliche Intellekt besitzt von Natur aus keine angeborenen Bilder oder Formen aller Dinge. Er ist rein aufnahmefähig (Potenz). [1]
- Aneignung durch Erkenntnis: Sobald der Mensch ein Objekt erkennt, löst der Verstand die Form (das Wesen) des Objekts aus der Materie heraus. Diese geistige Form des Gegenstands wird dann im Verstand aufgenommen. [1]
- „Gewissermaßen“ (quodammodo): Die Seele wird nicht physisch oder materiell zu dem Gegenstand (man wird nicht selbst zum Baum, nur weil man ihn anschaut). Man wird aber immateriell und intentional zu dem Gegenstand, da das Wesen des Dings nun auch im Geist existiert. [1]
- Universalität des Geistes: Weil der Verstand in der Lage ist, die Formen von unendlich vielen Dingen aufzunehmen, überschreitet er die Grenzen der eigenen Physis und umfasst geistigerweise die gesamte erfahrbare Wirklichkeit. [1]
Der Satz beschreibt also die faszinierende Fähigkeit unseres Bewusstseins, sich das gesamte Universum gedanklich anzueignen und dadurch „gewissermaßen alles“ zu sei