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icona (Cusanus)

aus AufEinWort, der freien Forschung

Das Wort icona oder eicona kommt recht selten bei Cusanus vor. Auch relativ gesehen ist es nicht ausgezeichnet. Statua beispielsweise weist in etwa eine ähnliche Anzahl von Belegen auf. Freilich ist der Befund sehr signifikant. Abgesehen von wenigen Belegen verweisen alle übrigen entweder auf das Buch De visione Dei oder sie finden sich innerhalb desselben. Damit liegt eindeutig der Fall vor, dass icona von Cusanus in der genannten Schrift schwerpunktmäßig behandelt wird. Bis in seine letzten Schriften (De apice theoriae) verweist er darauf zurück.

Verknüpft man diesen Befund mit der weiteren Beobachtung, dass eingangs sich der einzige Beleg für die namentliche Nennung eines pictor im ganzen Werk des Cusanus befindet →((Rogier van der Weyden)) und dass Cusanus seine Erwähnung in die damals neu (wieder)entdeckte Technik der allsehenden Figur einbettet, so kann der reine wortstatistische Befund an dieser Stelle nicht weiter gehen, als zu konstatieren, dass mit der icona in De visione Dei die gesamte imago-Anthropologie des Cusanus und auch die Idee Gottes als des Malers als eine zugleich kunsttheoretische Abhandlung aufgefaßt, deren Sprachlichkeit insgesamt auf Anspielungen zur Kunsttheorie und -praxis noch zu analysieren wäre.

Gemeint ist aber in jedem Fall ein technischer Bezug zur icona Dei als dem Bild des allsehenden Christuskopfes, wie er von den flämischen Malern des 15. Jahrhunderts (vgl. etwa die Kopie des van Eyckschen Typus in Berlin und Boston) häufig gemalt wurde. Icona dient gleichsam als Vermittlungsbegriff zwischen theologischer Theorie und Malpraxis.

Harald Schwaetzer

02.10.2008

zuletzt bearbeitet: 02.10.2008