kehren
kehren1 ‘etw. in eine bestimmte, namentlich die entgegengesetzte Richtung drehen, wenden’, seit Beginn der Überlieferung außerdem in reflexivem und (wohl durch Ersparung eines Akkusativobjekts entstandenem, heute unüblichem) übertragenden Gebrauch ‘die Gegenrichtung einschlagen, sich umwenden’, ahd. kēren (9. Jh.), gikēren (8./9. Jh.), mhd.(ge)kēren ‘(um)wenden, eine Richtung geben, sich wenden’ (mhd. und frühnhd. auch allgemeiner ‘eine Richtung einschlagen, sich begeben’)
hat nur im Kontinentalwestgerm.sichere Verwandte, vgl. asächs. kērian, mnd. (ge)kēren, aostnfrk. kēron, mnl. kēren, nl. keren, afries. kēra ‘kehren, wenden’.
Bei Annahme eines grammatischen Wechsels ger. *kaisjan,*kaizjan lassen sich diese Formen mit anord. keisa ‘biegen, zusammenfalten’, isl. keisa ‘in die Höhe ragen, hochtragen’, schwed. kesa ‘durchgehen, fliehen’ verbinden, die auf einen Ansatzie. *geis- zurückgeführt werden, der zu der nur in verschiedenen Erweiterungen nachzuweisenden Ww. uig. *gei- ‘drehen, biegen’ (s. auch keifen) gehört;
Dieser fragliche Zusammenhang muß jedoch aufgegeben werden, wenn man für ahd. kēren von ger. *kairjan ausgeht und dieses mit armen. cir ‘Kreis’, osset. zilyn (зuлын) ‘herumdrehen’ vergleicht.
Ebenso ist aengl. cerran (westsächs. cierran, cyrran) trotz semantischer Übereinstimmung von den anderen westgerm. Bildungen zu trennen, da es eine auch im Vokalismus abweichende Form ger. *karrjan oder *karzjan voraussetzt. Substantivische Ableitung vom Tw. ist Kehre
kehr,kehre,kehrt,kehrst,kehrte,kehrten,gekehrt,
kehren2 Vb. ‘fegen’. Das nur westgerm. bezeugte Verb ahd. kerien, kerren (8. Jh.), mhd. kern, mnd. mnl. kēren, nl. keren setzt germ. *karjan voraus. Das zugehörige Grundwort dürfte in ahd. ubarkara ‘Unreinigkeit, Unflat’ (10./11. Jh.), isl. kar ‘Schmutz’ erhalten sein. Außergerm. bietet sich vielleicht lit. žer̃ti ‘glühende Kohlen zusammenscharren’ als vergleichbar an. de Vries Nl. 312 hält daher für die germ. Formen Herkunft aus einer nicht-ie. Substratsprache für möglich.