primum in ordine konfuse cognoscendi
In der Scholastik beschreibt die Formel „primum in ordine confuse cognoscendi“ (das Erste in der Ordnung der verworrenen Erkenntnis) den Ausgangspunkt unseres Denkens. Bevor der Verstand einen Gegenstand in seine Einzelteile zerlegt, erfasst er das Ganze zunächst vage, global und undifferenziert (konfus). [1, 2]
Die zwei Ordnungen des Erkennens
Die Scholastik (besonders geprägt durch Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus) unterscheidet strikt zwischen dem Aufbau der objektiven Welt (ordo essendi) und dem Ablauf unseres menschlichen Erkenntnisprozesses (ordo cognoscendi): [1, 2]
- Ordnung der Sache (ordo essendi/naturae): Das Ursprüngliche und Fundamentale in der Wirklichkeit.
- Ordnung des Erkennens (ordo cognoscendi): Der Weg, wie unser Verstand diese Wirklichkeit begreift. [1]
Die Bedeutung im Detail
- Der erste Eindruck: Wenn wir einen Gegenstand oder ein Lebewesen wahrnehmen, erkennen wir ihn zuerst als ein vages „Etwas“ oder als ein grobes Ganzes (z.B. „ein Lebewesen“), bevor wir seine spezifischen Merkmale erfassen (z.B. „ein Mensch“). [1]
- Zwischen Nichtwissen und Klarheit: Die scholastische Erkenntnistheorie (vertieft u.a. in den Ordinatio-Schriften des Duns Scotus) definiert diese konfuse Erkenntnis als die Mitte zwischen völliger Ahnungslosigkeit und einer analytisch, scharfen und distinkten (klaren) Erkenntnis. [1]
- Vom Unvollständigen zum Vollständigen: Der menschliche Verstand arbeitet progressiv. Der natürliche Prozess verläuft vom Allgemeinen (dem Ganzen) zum Spezifischen (den Details). Das "konfus Erkannte" ist also notwendigerweise der erste Schritt, um überhaupt etwas über die Welt zu begreifen. [1]
Ein klassisches Beispiel ist das Kind, das einen Mann aus der Ferne sieht: Zuerst nimmt es nur vage wahr, dass es sich um einen Menschen oder ein Lebewesen handelt (konfuse Erkenntnis). Erst wenn die Person näherkommt, erkennt es, dass es der Vater ist (distinkte, genaue Erkenntnis)