scheren
scher,schere,schert,scherte,geschoren
scher + en | schneiden im Ansatz zweier im Winkel zueinander gegenübergestellter Klingen;
scheren1 | scher + en | Vb. ‘(eine Oberfläche) kahlschneiden, rasieren, etw. kurz abschneiden’; ahd. skeran ‘schneiden, scheren’ (8. Jh.), mhd. schern ‘(ab)schneiden, scheren, durch Scheren der Tonsur zum Mönch bestimmen, abernten, belästigen, quälen, abteilen, ordnen’
Hierher gehören Wendungen wie sich (nicht) um etwas scheren ‘sich (nicht) kümmern, sorgen um etw.’ (17. Jh.), heute meist schwach flektiert (unter dem Einfluß von scheren2?), wohl auf die Bedeutung von mhd. schern ‘belästigen, quälen’ zurückgehend; (alles) über einen Kamm scheren ‘mit demselben Maß messen, auf gleiche Weise behandeln’ (16. Jh.); sein Schäfchen scheren ‘seinen Vorteil wahrnehmen’ (18. Jh.).
scheren1 Das starke Verbum ahd. skeran ‘schneiden, scheren’ (8. Jh.), mhd. schern ‘(ab)schneiden, scheren, durch Scheren der Tonsur zum Mönch bestimmen, abernten, belästigen, quälen, abteilen, ordnen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘schaben, kratzen, scheren’, nl. scheren, aengl. sceran, engl. to shear ‘scheren, abschneiden, mähen’, anord. skera ‘schneiden, schlachten’, schwed. skära hat neben sich ein (im Nhd. nicht erhaltenes) schwaches Verbum ahd. skerren ‘einordnen, einlassen, begrenzen’ (um 800), mhd. schern ‘(ab)teilen, wohin schaffen, absondern, ausschließen, zuteilen’, asächs. skerian ‘zu-, einteilen’, mnd. schēren, mnl. scēren ‘zuteilen’, aengl. scearian ‘zuteilen, bestimmen’.
Das schwache Verb gehört semantisch eng zu den unter Schar1 behandelten Substantivformen und ist wohl als Denominativum aufzufassen. Außerger. sind verwandt aind. kṛṇā́ti ‘verletzt, tötet’, utkīrṇa ‘ausgeschnitten, eingeritzt’, grie. ké͞irein (κείρειν) ‘abschneiden, scheren’, lit. skìrti ‘trennen, teilen, scheiden, zuteilen’, lat. caro ‘Fleisch’, eigentlich ‘Stück (Fleisch)’ sowie air. scar(a)im ‘trenne’.
Erschließbar ist eine verbreitete und vielfach erweiterte Wurzel uig. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’.
scheren2 | scher + en | Vb. ‘sich fortmachen, sich packen, sich entfernen’, älter ‘schnell eilen, entkommen’ (15. Jh.), vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’. Zu deren Erweiterungen gehören Scherz und schrecken1. vergleich dazu die Wortbildungen sich fortscheren, wegscheren.
Die Herkunft des schwachen Verbs ist unsicher. Vielleicht kann es an ahd. skerōn ‘mutwillig sein’, aber auch ‘sich ausruhen’ (9. Jh.) angeschlossen werden.
Außergerm. sind aind. kiráti ‘gießt aus, streut aus, wirft’, grie. ská͞irein (σκαίρειν) ‘springen, hüpfen’, aslaw. skorъ, russ. skóryj (скорый) ‘schnell, flink’, lit. skėrỹs ‘Heuschrecke’ vergleichbar, so daß auf die Wurzel uig. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’, eigentlich ‘(sich) drehend bewegen, schwingen’ zurückgegangen werden kann.
Zu deren Erweiterungen gehören Scherz und schrecken1. Vgl. die Komposita sich fortscheren, wegscheren.