scholastische Philosophie
Es entstand die scholastische Philosophie, die sich dem Erfinden eines systematisch-philosophischen Gebäudes der christlichen Theologie widmete. Der bekannteste Vertreter ist Thomas von Aquin. Scholastische Philosophen entwickelten dabei ein Philosophieren, das von Begriffen und ihren Definitionen ausging. Dieses Philosophieverständnis wirkte bis in den Rationalismus der Aufklärung und darüber hinaus. In den scholastischen Disputen wurde jede Theorie streitbar verteidigt. In Streitgesprächen vertrat man die jeweils besten Argumente – dazu sollen auch Handgreiflichkeiten gehört haben – für die eigene Theorie und tat alles, um den Gegner als Verlierer erscheinen zu lassen.[34]
In einem Lexikon des 18./19. Jahrhunderts wird die seit dem letzten Drittel des Mittelalters (12./13. Jh.) üblich gewordene Praxis des argumentierenden Philosophierens so dargestellt:
„Unbekümmert um die wahre Absicht, welche durch die Wissenschaften erreicht werden soll, setzten sie (die scholastischen Philosophen) ihren einzigen Ruhm in das Zusammenhäufen einer Menge unnützer und spitzfindiger Fragen, in die Erfindung paradoxer Sätze, unnützer Definitionen und Distinctionen, und in die Fertigkeit, aufgegebene Zweifel mit wahren oder scheinbaren Gründen sogleich zu lösen, oder den Gegner durch künstliche Wortspiele in Verlegenheit zu setzen.[35]“
Auch dieses verbreitete Urteil könnte es wert sein, im Hinblick auf die Konstellation von Situationen, in denen philosophiert wurde, genauer untersucht zu werden. Möglicherweise müssen hier Veränderungen vorgenommen werden. Inzwischen wird auch die Bedeutung von Laien in der mittelalterlichen Philosophie vermutet.[36]