schwören
schwör + -en | Tw. ‘(vor Gericht feierlich) einen Eid ablegen’.
Das gger., zu den j-Gegenwartsform gehörende, stark beugenden Rechtswort ahd. swerien, sweren, swerren (8. Jh.), mhd. swern, asächs. swerian, mnd. swēren, mnl. swēren, auch ‘fluchen’,
nl. zweren, afries. swera, swara, aengl. swerian, engl. to swear, anord. sverja, schwed. svära (ger. *swarjan) und (ohne j-Suffix) got. swaran
ist verwandt mit (schwach beudendem) anord. svara ‘antworten, verteidigen’, svar ‘Antwort, Verteidigung’, schwed. svar ‘Antwort’, asächs. andswōr ‘Antwort’, aengl. andswaru, engl. answer.
Die Herkunft ist schwierig zu beurteilen. Wenn sich grie. hermēné͞us ‘Übersetzer, Deuter, Ausleger’, lat. sermo (aus *su̯ermō-?) ‘Wechselrede, Unterhaltung, Gespräch, Vortrag’, aslaw. svarъ ‘Kampf, Streit’, russ. (derb) svára, ssóra (ссора, aus *sъsora) ‘Streit, Zank, Hader’ vergleichen lassen, kann auf eine Wurzel uig. *su̯er- (auch *ser-?) ‘sprechen, reden’ zurückgegangen werden.
Es bleibt offen, ob damit die Schallwurzel uig. *su̯er- ‘surren’ mit aind. svárati ‘gibt einen Ton von sich, tönt, erschallt, besingt, singt’ (s. Schwarm, schwirren, surren) entsprechend gleich ist, die hier dann auf ‘sprechen, reden’ ausgedehnt wäre.
Vornehmlich aus sprachkundlichen Gründen hält 482 einen Anschluß des Tw. mit beweglichem s- an die Wurzel uig. *u̯er- ‘feierlich sagen, sprechen’ (s. Wort) für möglich.
Die Grundbedeutung ist wohl ‘(vor Gericht) reden, aussagen’ und ‘eine Formel feierlich aussprechen’ (vgl. got. aiþis swaran ‘Eide schwören’). Bereits in früher Zeit kann schwören die Bedeutung ‘fluchen’ (noch um 1700 und bis heute z. B. im Engl.) annehmen (bedingt durch den Inhalt des feierlich Versprochenen oder das biblische Verbot, einen Schwur zu leisten?).
Redensartlich Stein und Bein schwören ‘etw. fest behaupten’ (16. Jh.); zu erklären aus Stein ‘Altar’ und Bein ‘Heiligenreliquie’?