seit
sei + t | ‘von einer bestimmten Zeit an bis jetzt’; ahd. sīd (seyd) (um 800), mhd. sīt Ustw. Bdw.
von uig. *seh₁-
‘seitdem, von da an, hernach, später, infolgedessen, da, weil’, Präp. ‘von einer bestimmten Zeit an, nach’,
sei + t | ¦√¦ seit- Seite, uig. *seh₁(i)- "senden, wegwerfen, fallen lassen, sinken",
Bei seit besteht eine bestimmte, festgesetzte Beziehung zu einem vergangenen Zeitpunkt, einer Zeitdauer, während bei seid aufgrund des vergegenwärtigenden d, anstelle des festsetzenden t, es sich um ein gegenwärtiges Dasein, Daseinszustand, oder deren Betrachtung handelt. "Die sind schön, seit sie so angezogen sind.", "Wie schön ihr angezogen seid". "seid steht im Grunde für "seiend", während man bei "seit" auch "seitdem, seither" sagen könnte. (21 Jh. ndt.);
¦√¦ uig. *sent- "anstreben, ausgesendet, auf dem Weg sein, bestehend sein"; ¦↵¦ uig. *sent- uig. *séntos, ger. *sinþaz. uger. *sīþaz, ahd. sīd (seyd) (um 800), mhd. sīt Ustw. Bindewort ‘seitdem, von da an, hernach, später, infolgedessen, da, weil’, Präp. ‘von einer bestimmten Zeit an, nach’, asächs. sīð Adv. ‘später, danach’, aengl. sīþ Adv. ‘spät, danach’, Präp. Konj. ‘danach’, anord. sīðr Adv. ‘weniger, kaum’, Konj. ‘daß nicht’, got. -seiþs Adv. (in þanaseiþs ‘weiter’, ni þanaseiþs ‘nicht mehr’) sind alte Formen eines adverbialen Komparativs mit der Endung ie. -is (vgl. lat. magis ‘mehr’, ger. *seiþiz), deren Spirans im Westger. lautgesetzlich abfällt.
Ein zugehöriges Adjektiv im Positiv ist nur in got. seiþus ‘spät’ erhalten; vgl. aber den Komparativ aengl. sīþra ‘der spätere’ und den Superlativ aengl. sīþest ‘der späteste, letzte’. Verwandt sind mhd. seine ‘langsam, träge, klein, gering’, aengl. sǣne, anord. seinn ‘langsam’, got. sainjan ‘zögern, säumen’ und das unter Seite genannte Substantiv sowie lat. sētius ‘anders, weniger, weniger gut’, sērus ‘spät’, so daß Anschluß an die unter säen genannte Wurzel uig. *sēi-,*sē-, auch *sei- ‘entsenden, werfen, fallen lassen, säen’, hier in einer sekundären Bedeutung ‘kraftlos die Hand sinken lassen, nachlassen, loslassen, säumen, spät, langsam, sich lang hinziehend, Abspannung, Ruhe, herabsinkend’, möglich ist.
Ahd. sīd, mhd. sīt wird mit Wemfall, der für einen im Urindogermanisch nach Komparativ üblichen Ablativ steht, als Präposition verwendet, so daß sich aus ‘später als’ die Bedeutung ‘von einer bestimmten Zeit an bis jetzt’ entwickelt. Es dient als zeitliche (in älterer Sprache auch ursächliche) Bindungsworte und bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem ein Geschehen oder Sein eingetreten ist (ursächlich, gestützt durch die Verbindung mhd. sīt daʒ, ‘da, weil’).