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spekulieren

aus AufEinWort, der freien Forschung

spekulier + -en | Tw. ursprünglich "spähen, ausspähen - sehen, beobachten, schauen"; 

‘nachdenken, gewagte, riskante Geschäfte machen, auf etw. rechnen’, mhd. speculieren ‘sich in religiöse Betrachtung versenken, (Gott) zu erforschen suchen, sinnen’ wird durch die Mystiker entlehnt aus lat. speculārī (Mrz.),  ‘ (umherspähen, spähen sich umsehen, auskundschaften, beobachten’; speculare Einz. "Spiegel, spiegelnd" zu lat. speculāris, speculum +‎ -āris, speculum "Spiegel, Glas, Brillenglas," lat. specere, speciō ‘sehen, beobachten, schauen’, uital. spekjō, uig. *spéḱyeti, *speḱ- ‘spähen - sehen, beobachten, schauen’ +‎ *-yeti, 

Bei den Reformatoren (Luther) erhält spekulieren den abschätzigen Nebensinn ‘forschen, nachdenken auf phantastischer (d. h. nicht auf biblischer Überlieferung beruhender) Grundlage’, verallgemeinert ‘ohne Bezug zur Wirklichkeit nachsinnen, forschen’, auch ‘dichten’ (16. Jh.).

Doch bleibt daneben wertneutraler Gebrauch im Sinne von ‘nachdenken, überlegen, mutmaßen’ erhalten, in der Philosophie weiterentwickelt zu ‘durch bloßes Denken (ohne Empirie) Erkenntnisse zu gewinnen suchen’ (18. Jh.).

Eine eigene Verwendungsweise zeigt die Kaufmannssprache, wo ‘Berechnungen, Überlegungen anstellen, die einen Erfolg möglich erscheinen lassen, solche Absichten und Geschäfte ausführen’ (16. Jh., geläufig 18. Jh.) in ‘riskante Geschäfte machen’ übergeht.

Davon herzuleiten ist der allgemeinsprachliche Gebrauch spekulieren (‘rechnen’) auf etw. (Ende 18. Jh.).