„au“ – Versionsunterschied
Erscheinungsbild
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
a- + -u | a- + -u | ||
* ein Doppellaut, | [[Doppellaut]], [[Schmerzlaut]]<div class="zenoCOMain"> | ||
** welcher vorzüglich den Fränkischen und Oberdeutschen Mundarten, | |||
*** besonders aber der spätern Zeiten eigen ist. | == au, Au (1) <ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 462-463. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000032395; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0462 462] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0463 463]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> (Adlg.) == | ||
** Die ältesten Fränkischen und Alemannischen Schriftsteller | <div class="zenoCOAdRight"> <ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0462 [462]]</ref> a'''u''', | ||
*** kennen diesen unangenehmen Doppellaut zwar auch, | |||
**** allein er kommt doch bey ihnen sparsamer vor, als in den folgenden Zeiten; | * ein Doppellaut, | ||
**** denn noch lange nach den Zeiten der Schwäbischen Kaiser | ** welcher vorzüglich den Fränkischen und Oberdeutschen Mundarten, | ||
***** sagte man in Meißen, Schwaben und Franken, | *** besonders aber der spätern Zeiten eigen ist. | ||
***** so wie in Niedersachsen, | ** Die ältesten Fränkischen und Alemannischen Schriftsteller | ||
***** Hus, Hut, Brut, lut, Lune, luzen, für Haus, Haut, Braut, laut, Laune, lauschen. | *** kennen diesen unangenehmen Doppellaut zwar auch, | ||
*** Erst in der letzten Hälfte des funfzehnten Jahrhundertes, | **** allein er kommt doch bey ihnen sparsamer vor, als in den folgenden Zeiten; | ||
**** da die Oberdeutschen Mundarten überhaupt eine merkwürdige Veränderung erlitten, | **** denn noch lange nach den Zeiten der Schwäbischen Kaiser | ||
***** sagte man in Meißen, Schwaben und Franken, | |||
***** so wie in Niedersachsen, | |||
***** Hus, Hut, Brut, lut, Lune, luzen, für Haus, Haut, Braut, laut, Laune, lauschen. | |||
*** Erst in der letzten Hälfte des funfzehnten Jahrhundertes, | |||
**** da die Oberdeutschen Mundarten überhaupt eine merkwürdige Veränderung erlitten, | |||
**** wurden ''au'' und ''[[eu]]'' häufiger. | **** wurden ''au'' und ''[[eu]]'' häufiger. | ||
</div><p class="zenoPLm4n0">Indessen </p> | </div> | ||
<p class="zenoPLm4n0">Indessen</p> | |||
* weichen die Oberdeutschen Mundarten in der Aussprache dieses Doppellautes gar sehr von einander ab. | * weichen die Oberdeutschen Mundarten in der Aussprache dieses Doppellautes gar sehr von einander ab. | ||
** Die gezierte Aussprache einiger Meißnischer Gegenden | ** Die gezierte Aussprache einiger Meißnischer Gegenden | ||
*** verwandelt ihn bald in ein langes [[oo|''o'']], wie in | *** verwandelt ihn bald in ein langes [[oo|''o'']], wie in | ||
**** Ooge, koofen, toofen, erlooben, | **** Ooge, koofen, toofen, erlooben, | ||
**** für Auge, kaufen, laufen, erlauben, | **** für Auge, kaufen, laufen, erlauben, | ||
*** bald in ein langes ''[[e]]'', | *** bald in ein langes ''[[e]]'', | ||
**** wie in beteebt, erseefen, für betäubt, ersäufen. | **** wie in beteebt, erseefen, für betäubt, ersäufen. | ||
** Die Schlesische folgt ihr hierin | ** Die Schlesische folgt ihr hierin | ||
*** in einigen Wörtern nach, | *** in einigen Wörtern nach, | ||
*** in andern aber lässet sie statt dessen ein ''[[oa]]'' hören, | *** in andern aber lässet sie statt dessen ein ''[[oa]]'' hören, | ||
**** wie in Moal, soafen, | **** wie in Moal, soafen, | ||
**** für Maul, saufen, | **** für Maul, saufen, | ||
*** und in noch andern lässet sie nach Art der Niedersachsen | *** und in noch andern lässet sie nach Art der Niedersachsen | ||
**** das a gar weg, | **** das a gar weg, | ||
***** wie in druf, für drauf. | ***** wie in druf, für drauf. | ||
** Die Pfälzische und einige andere Rheinische Mundarten, | ** Die Pfälzische und einige andere Rheinische Mundarten, | ||
*** haben in vielen Fällen noch das alte [[aw]], oder auv beybehalten, wie in Frauven. | *** haben in vielen Fällen noch das alte [[aw]], oder auv beybehalten, wie in Frauven. | ||
** Die Schwaben verwandeln ihn gern in ein dunkeles langes [[aa|a]], | ** Die Schwaben verwandeln ihn gern in ein dunkeles langes [[aa|a]], | ||
** die Franken in ein helles gedehntes a, | ** die Franken in ein helles gedehntes a, | ||
** die rauhe Schweizerische Mundart in ou u.s.f. | ** die rauhe Schweizerische Mundart in ou u.s.f. | ||
<p class="zenoPLm4n0">Die Niedersachsen, </p> | <p class="zenoPLm4n0">Die Niedersachsen,</p> | ||
* deren Mundart, überhaupt genommen, gelinder, und biegsamer ist, als die Oberdeutsche, | |||
* haben diesem Doppellaute nur in sehr wenig Wörtern den Zutritt verstattet, | |||
** indem sie dessen Stelle durch [[o]], [[ö]] und [[u]] vertreten lassen, | |||
*** wie in lopen, köpen, Söge, Huus, Luus, up, ut, u.s.f. | |||
*** für laufen, kaufen, Sau, Haus, Laus, auf, aus. | |||
* Einige rauhere, besonders Westphälische Mundarten | |||
** kommen hierin den Oberdeutschen schon näher, | |||
*** und verändern wohl gar das a und o in au, | |||
**** wie in slaupen, jau, Braut, Baunen u.s.f. | |||
**** für schlafen, ja, Brot, Bohnen, | |||
** welches auch einige gröbere Oberdeutsche Mundarten thun, | |||
*** wenn sie für <ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0462 [462]]</ref> a, o und u ein au hören lassen, | |||
**** und lauben, graub, Schauld, Gedauld, | |||
**** für laben, grob, Schuld, Geduld sprechen. | |||
== '''au spontane Lautäußerung bei körperlichem Schmerz (DWDS)''' == | |||
'''au''' Interjektion bei körperlichem Schmerz, <abbr>ahd.</abbr> ''au'' (um 1000), <abbr>mhd.</abbr> ''ou'', <abbr>mnl.</abbr> <abbr>nl.</abbr> ''au'', <abbr>aengl.</abbr> ''ēa''. Die spontane Lautäußerung stellt sich neben ähnliche Ausrufe in anderen ie. Sprachen, etwa <abbr>aind.</abbr> ''ō'', <abbr>lat.</abbr> ''au'', <abbr>lett.</abbr> ''au'', <abbr>tschech.</abbr> ''ou'', die (wie auch <abbr>ahd.</abbr> <abbr>mnl.</abbr> ''au'', <abbr>aengl.</abbr> ''ēa'') noch andere Gefühlsregungen (Entrüstung, Erstaunen u. ä.) ausdrücken oder nur Anredepartikel sein können, vielleicht aber doch ein <abbr>ie.</abbr> ''*au-'' als gemeinsamen Ursprung haben. Im <abbr>Dt.</abbr> überschneidet sich ''au'' in der Funktion gelegentlich mit ''oh'', mit dem es vor allem im <abbr>Mhd.</abbr> in den mit dem Adverb ''wē'' ‘weh’ verbundenen Formen ''ouwē'' neben ''ōwē'', ''owē'' zusammenfällt. Auch mit betonter vokalischer Verstärkung ''auā!''<div class="zenoCOMain"> | |||
== Au (2)<ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 463. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000032417; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0463 463]; Kategorien: [http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</ref> (Adlg.) == | |||
<div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0463 [463]]</ref>'''Au''', der natürliche Ausdruck eines lebhaften körperlichen Schmerzens, der vorzüglich den Niedersachsen eigen ist, und gemeiniglich mit weh! verbunden wird, au weh! Nieders. au wei! Die Oberdeutschen Mundarten ersetzen dieses Au durch Ach! Ah! und O! Indessen ist doch auch jenes schon alt, wie aus dem Griech. ουαι erhellet. S. Ach, Ah und O.</div><br>Au weh ich bin in tausend Schmerzen!<p class="zenoPR">Opitz.</p></div></div> | |||
* | |||
</div> | |||
Aktuelle Version vom 28. Dezember 2023, 11:41 Uhr
a- + -u
au, Au (1) [1] (Adlg.)
[2] au,
- ein Doppellaut,
- welcher vorzüglich den Fränkischen und Oberdeutschen Mundarten,
- besonders aber der spätern Zeiten eigen ist.
- Die ältesten Fränkischen und Alemannischen Schriftsteller
- kennen diesen unangenehmen Doppellaut zwar auch,
- allein er kommt doch bey ihnen sparsamer vor, als in den folgenden Zeiten;
- denn noch lange nach den Zeiten der Schwäbischen Kaiser
- sagte man in Meißen, Schwaben und Franken,
- so wie in Niedersachsen,
- Hus, Hut, Brut, lut, Lune, luzen, für Haus, Haut, Braut, laut, Laune, lauschen.
- Erst in der letzten Hälfte des funfzehnten Jahrhundertes,
- da die Oberdeutschen Mundarten überhaupt eine merkwürdige Veränderung erlitten,
- wurden au und eu häufiger.
- kennen diesen unangenehmen Doppellaut zwar auch,
- welcher vorzüglich den Fränkischen und Oberdeutschen Mundarten,
Indessen
- weichen die Oberdeutschen Mundarten in der Aussprache dieses Doppellautes gar sehr von einander ab.
- Die gezierte Aussprache einiger Meißnischer Gegenden
- Die Schlesische folgt ihr hierin
- in einigen Wörtern nach,
- in andern aber lässet sie statt dessen ein oa hören,
- wie in Moal, soafen,
- für Maul, saufen,
- und in noch andern lässet sie nach Art der Niedersachsen
- das a gar weg,
- wie in druf, für drauf.
- das a gar weg,
- Die Pfälzische und einige andere Rheinische Mundarten,
- haben in vielen Fällen noch das alte aw, oder auv beybehalten, wie in Frauven.
- Die Schwaben verwandeln ihn gern in ein dunkeles langes a,
- die Franken in ein helles gedehntes a,
- die rauhe Schweizerische Mundart in ou u.s.f.
Die Niedersachsen,
- deren Mundart, überhaupt genommen, gelinder, und biegsamer ist, als die Oberdeutsche,
- haben diesem Doppellaute nur in sehr wenig Wörtern den Zutritt verstattet,
- Einige rauhere, besonders Westphälische Mundarten
- kommen hierin den Oberdeutschen schon näher,
- und verändern wohl gar das a und o in au,
- wie in slaupen, jau, Braut, Baunen u.s.f.
- für schlafen, ja, Brot, Bohnen,
- und verändern wohl gar das a und o in au,
- welches auch einige gröbere Oberdeutsche Mundarten thun,
- wenn sie für [3] a, o und u ein au hören lassen,
- und lauben, graub, Schauld, Gedauld,
- für laben, grob, Schuld, Geduld sprechen.
- wenn sie für [3] a, o und u ein au hören lassen,
- kommen hierin den Oberdeutschen schon näher,
au spontane Lautäußerung bei körperlichem Schmerz (DWDS)
Au (2)[4] (Adlg.)
[5]Au, der natürliche Ausdruck eines lebhaften körperlichen Schmerzens, der vorzüglich den Niedersachsen eigen ist, und gemeiniglich mit weh! verbunden wird, au weh! Nieders. au wei! Die Oberdeutschen Mundarten ersetzen dieses Au durch Ach! Ah! und O! Indessen ist doch auch jenes schon alt, wie aus dem Griech. ουαι erhellet. S. Ach, Ah und O.
Au weh ich bin in tausend Schmerzen!
Opitz.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 462-463. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000032395; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 462 | 463; Kategorien: Lexikalischer Artikel
- ↑ [462]
- ↑ [462]
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 463. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000032417; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 463; Kategorien: Lexikalischer Artikel
- ↑ [463]