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„Kontroverse“ – Versionsunterschied

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* Kontroverse f. ‘Streit, Streitfrage, Meinungsverschiedenheit, wissenschaftliche Auseinandersetzung’,  
* Kontroverse f. ‘Streit, Streitfrage, Meinungsverschiedenheit, wissenschaftliche Auseinandersetzung’,
* gelehrte Entlehnung (17. Jh.) aus gleichbed. lat. ''[[contrōversia]]'',  
* gelehrte Entlehnung (17. Jh.) aus gleichbed. lat. ''[[contrōversia]]'',
** eigentlich ‘entgegengesetzte Richtung’.  
** eigentlich ‘entgegengesetzte Richtung’.
*** Das zugrundeliegende Adjektiv lat. ''[[contrōversus]]'' ‘entgegengewandt, der Erörterung unterworfen, strittig’,
*** Das zugrundeliegende Adjektiv lat. ''[[contrōversus]]'' ‘entgegengewandt, der Erörterung unterworfen, strittig’,
**** zu lat. ''[[contrā]]'' ‘gegen’ (s. ''[[kontra]]'',  
**** zu lat. ''[[contrā]]'' ‘gegen’ (s. ''[[kontra]]'',
***** hier in der Form eines alten Ablativ Sing. Mask. ''[[contrō-]]'')  
***** hier in der Form eines alten Ablativ Sing. Mask. ''[[contrō-]]'')
**** und lat. ''[[vertere]]'' (versum) ‘wenden, drehen, umkehren’  
**** und lat. ''[[vertere]]'' (versum) ‘wenden, drehen, umkehren’
**** ergibt ''[[kontrovers]]'' Adj. ‘gegeneinander gerichtet, strittig’ (18. Jh.).
**** ergibt ''[[kontrovers]]'' Adj. ‘gegeneinander gerichtet, strittig’ (18. Jh.).
<p>Eine '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kontroverse Kontroverse]''' (von lateinisch: ''[[contrā]]'' entgegen; ''[[versus]]'' gerichtet) ist ein länger anhaltender [[Streit]], [[Disput]] oder eine [[Debatte]].</p><p>Bei einem Disput wird ein kontrovers geführtes [[Gesprächsart|Gespräch]] unter Umständen zu einem [[Streitgespräch]]. Die Personen, die in einem Disput [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Handeln handeln] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Interaktion interagieren], tragen ein Wortgefecht aus und versuchen, die eigenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Argumente Argumente] zu einem beliebigen Standpunkt vorzutragen und ihr Gegenüber von der eigenen Position zu überzeugen.<ref><span class="reference-text">vergleiche auch [[Mem]]</span></ref><ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Franco_Volpi Franco Volpi] (Hrsg.): ''Die Kunst, Recht zu behalten: In achtunddreißig Kunstgriffen dargestellt.'' Insel, Frankfurt am Main 1995, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3458333584 ISBN 3-458-33358-4].</span></ref> Als Kontroverse lassen sich sowohl eine private Debatte zweier Einzelpersonen als auch mächtige [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufruhr soziale Unruhen] bezeichnen, zum Beispiel ein Streit zweier Parteien oder (Bevölkerungs-)Gruppen.</p><p>Die Person, die einen Disput<ref><span class="reference-text">zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Sprache lateinisch] ''<span lang="la">disputāre</span>''; ''dis'' als [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4fix Präfix] „verneinend, negativ belegend“; ''putāre'' „halten, gelten für“.</span></ref> austrägt, wird dabei als ein Disputant bezeichnet. Die Disputation war ursprünglich eine Übung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorik Rhetorik] und seit dem Mittelalter ein fester Bestandteil der akademischen Ausbildung.<ref><span class="reference-text">Marcus Knill: [http://www.rhetorik.ch/Streiten/Streiten.html ''Streiten – aber wie? “Rhetorik des konstruktiven Streitens”.''] Knill+Knill Kommunikationsberatung, 29.&nbsp;Juni 2002. Auf Rhetorik.ch, abgerufen am 1.&nbsp;Mai 2022.</span></ref> In einer solchen Disputation trafen ein „Proponent“ und ein „Opponent“ aufeinander. Der Proponent war derjenige, der in einem Dialog die Kontroverse eröffnete, indem er eine Behauptung ([https://de.wikipedia.org/wiki/These These]) aufstellte. Das Handeln des „Opponenten“ war es, diese [https://de.wikipedia.org/wiki/Behauptung Behauptung] mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Argument Argumenten] zu widerlegen oder zu entkräften.</p><p>Zahlreiche frühchristliche Schriftsteller wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Iren%C3%A4us_von_Lyon Irenäus von Lyon] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_(Kirchenvater) Hieronymus] waren berühmt als „[https://de.wikipedia.org/wiki/Kontroverstheologie Kontroverstheologen]“ und verfassten Werke gegen [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4retisch häretische] Lehren oder [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4retiker Häretiker], daher trugen ihre Werke den Titel „Adversus…“, zum Beispiel Irenäus: ''Adversus haereses''. Die christlichen Schriftsteller übernahmen von den klassischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorik Rhetorikern] die tradierte Meinung, dass kontroverse Auseinandersetzungen, selbst über triviale Angelegenheiten, eine Demonstration der intellektuellen Überlegenheit wären. Siehe die [https://de.wikipedia.org/wiki/Oration Orationen] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Demosthenes Demosthenes] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Cicero Cicero] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Reden_gegen_Catilina in Catilinam]'' („gegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Lucius_Sergius_Catilina Catilina]“).</p><p>Es liegt in der Natur der Kontroverse, dass sie nicht mit der Absicht eines abschließenden „Entweder–oder“ geführt werden kann; sie wird daher häufig von [https://de.wikipedia.org/wiki/Polemik Polemik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Streit Streit] begleitet. [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_I._(Rom) Konstantin I.] berief im Jahr [https://de.wikipedia.org/wiki/325 325] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Konzil_von_Nic%C3%A4a Konzil von Nicaea]in der Hoffnung auf eine Schlichtung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Arianischer_Streit arianischen Streits]. Sobald das Konzil seine Entscheidung gefällt hatte, verfiel jede weitere Diskussion dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Anathema Anathema].</p><p>Drei große Kontroversen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentumsgeschichte Kirchengeschichte] waren der arianische Streit, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Investiturstreit Investiturstreit] und die Kontroverse um das ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Filioque Filioque]''.</p><p>Einen Leser kann die Kennzeichnung eines Werks als kontroverses Buch zur Lektüre provozieren, da er beurteilen will, ob eine solche Einstufung gerechtfertigt ist oder nicht. Gleiches gilt für kontroverse Filme, Musik, Theaterstücke und auch Video- und Computerspiele.</p>
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktive_Kontroverse Konstruktive Kontroverse] (Form der Gruppenarbeit)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Controversen Controversen]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Controversy Controversy]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Streit Streit]
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Kontroverse Wiktionary: Kontroverse]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
*Bryan Frances, Jonathan Matheson&nbsp;:&nbsp;[https://plato.stanford.edu/entries/disagreement/ ''Disagreement.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==

Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 06:28 Uhr

Kontroverse lat.-deu. wrtl. 'Entgegengewandtheit'

  • Kontroverse f. ‘Streit, Streitfrage, Meinungsverschiedenheit, wissenschaftliche Auseinandersetzung’,
  • gelehrte Entlehnung (17. Jh.) aus gleichbed. lat. contrōversia,
    • eigentlich ‘entgegengesetzte Richtung’.
      • Das zugrundeliegende Adjektiv lat. contrōversus ‘entgegengewandt, der Erörterung unterworfen, strittig’,
        • zu lat. contrā ‘gegen’ (s. kontra,
          • hier in der Form eines alten Ablativ Sing. Mask. contrō-)
        • und lat. vertere (versum) ‘wenden, drehen, umkehren’
        • ergibt kontrovers Adj. ‘gegeneinander gerichtet, strittig’ (18. Jh.).

Eine Kontroverse (von lateinisch: contrā entgegen; versus gerichtet) ist ein länger anhaltender Streit, Disput oder eine Debatte.

Bei einem Disput wird ein kontrovers geführtes Gespräch unter Umständen zu einem Streitgespräch. Die Personen, die in einem Disput handeln oder interagieren, tragen ein Wortgefecht aus und versuchen, die eigenen Argumente zu einem beliebigen Standpunkt vorzutragen und ihr Gegenüber von der eigenen Position zu überzeugen.[1][2] Als Kontroverse lassen sich sowohl eine private Debatte zweier Einzelpersonen als auch mächtige soziale Unruhen bezeichnen, zum Beispiel ein Streit zweier Parteien oder (Bevölkerungs-)Gruppen.

Die Person, die einen Disput[3] austrägt, wird dabei als ein Disputant bezeichnet. Die Disputation war ursprünglich eine Übung der Rhetorik und seit dem Mittelalter ein fester Bestandteil der akademischen Ausbildung.[4] In einer solchen Disputation trafen ein „Proponent“ und ein „Opponent“ aufeinander. Der Proponent war derjenige, der in einem Dialog die Kontroverse eröffnete, indem er eine Behauptung (These) aufstellte. Das Handeln des „Opponenten“ war es, diese Behauptung mit Argumenten zu widerlegen oder zu entkräften.

Zahlreiche frühchristliche Schriftsteller wie Irenäus von Lyon oder Hieronymus waren berühmt als „Kontroverstheologen“ und verfassten Werke gegen häretische Lehren oder Häretiker, daher trugen ihre Werke den Titel „Adversus…“, zum Beispiel Irenäus: Adversus haereses. Die christlichen Schriftsteller übernahmen von den klassischen Rhetorikern die tradierte Meinung, dass kontroverse Auseinandersetzungen, selbst über triviale Angelegenheiten, eine Demonstration der intellektuellen Überlegenheit wären. Siehe die Orationen des Demosthenes oder Cicero in Catilinam („gegen Catilina“).

Es liegt in der Natur der Kontroverse, dass sie nicht mit der Absicht eines abschließenden „Entweder–oder“ geführt werden kann; sie wird daher häufig von Polemik und Streit begleitet. Konstantin I. berief im Jahr 325 das Konzil von Nicaeain der Hoffnung auf eine Schlichtung des arianischen Streits. Sobald das Konzil seine Entscheidung gefällt hatte, verfiel jede weitere Diskussion dem Anathema.

Drei große Kontroversen der Kirchengeschichte waren der arianische Streit, der Investiturstreit und die Kontroverse um das Filioque.

Einen Leser kann die Kennzeichnung eines Werks als kontroverses Buch zur Lektüre provozieren, da er beurteilen will, ob eine solche Einstufung gerechtfertigt ist oder nicht. Gleiches gilt für kontroverse Filme, Musik, Theaterstücke und auch Video- und Computerspiele.

Siehe auch

Wiktionary: Kontroverse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ vergleiche auch Mem
  2. ↑ Franco Volpi (Hrsg.): Die Kunst, Recht zu behalten: In achtunddreißig Kunstgriffen dargestellt. Insel, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-458-33358-4.
  3. ↑ zu lateinisch disputāre; dis als Präfix „verneinend, negativ belegend“; putāre „halten, gelten für“.
  4. ↑ Marcus Knill: Streiten – aber wie? “Rhetorik des konstruktiven Streitens”. Knill+Knill Kommunikationsberatung, 29. Juni 2002. Auf Rhetorik.ch, abgerufen am 1. Mai 2022.