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| <p>[[gei-]][[-st]] ‘Gespenst, Geist, übersinnliches Wesen’ (1. Jh.);</p>
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| * Geist m. | | * Geist m. |
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| *In Wissenschaft und Philosophie wird die Bezeichnung ''Geist'' unterschiedlich und oft im Sinne der allgemeinsprachlichen Bedeutung verwendet. Wenn es um das Verhältnis zum Körperlichen geht, handelt es sich oftmals um einen Oberbegriff für jegliche Formen subjektiver [https://de.wikipedia.org/wiki/Innerlichkeit Innerlichkeit] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Lebewesen Lebewesen] oder – je nach philosophischer Denkrichtung – darüber hinaus. | | *In Wissenschaft und Philosophie wird die Bezeichnung ''Geist'' unterschiedlich und oft im Sinne der allgemeinsprachlichen Bedeutung verwendet. Wenn es um das Verhältnis zum Körperlichen geht, handelt es sich oftmals um einen Oberbegriff für jegliche Formen subjektiver [https://de.wikipedia.org/wiki/Innerlichkeit Innerlichkeit] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Lebewesen Lebewesen] oder – je nach philosophischer Denkrichtung – darüber hinaus. |
| *Mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Religion religiösen] Vorstellungen von einer ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Seele]'' bis hin zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Jenseits Jenseitserwartungen] verknüpft, umfasst ''Geist'' die oft als [https://de.wikipedia.org/wiki/Spirituell spirituell] bezeichneten Annahmen einer nicht an den leiblichen Körper gebundenen, nur auf ihn einwirkenden reinen oder absoluten, transpersonalen oder gar [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendenz transzendenten] Geistigkeit, die als von Gott geschaffen oder ihm gleich oder wesensgleich, wenn nicht sogar mit ihm identisch gedacht wird. ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Geist Heiliger Geist]'' wird in der christlichen Vorstellungswelt dagegen der „Geist Gottes“ genannt, der als Person der göttlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Dreieinigkeit Dreieinigkeit] verstanden wird. | | *Mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Religion religiösen] Vorstellungen von einer ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Seele]'' bis hin zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Jenseits Jenseitserwartungen] verknüpft, umfasst ''Geist'' die oft als [https://de.wikipedia.org/wiki/Spirituell spirituell] bezeichneten Annahmen einer nicht an den leiblichen Körper gebundenen, nur auf ihn einwirkenden reinen oder absoluten, transpersonalen oder gar [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendenz transzendenten] Geistigkeit, die als von Gott geschaffen oder ihm gleich oder wesensgleich, wenn nicht sogar mit ihm identisch gedacht wird. ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Geist Heiliger Geist]'' wird in der christlichen Vorstellungswelt dagegen der „Geist Gottes“ genannt, der als Person der göttlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Dreieinigkeit Dreieinigkeit] verstanden wird. |
| <p>Die Frage nach der „Natur“ des Geistes ist ein zentrales Thema der [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik Metaphysik], da es sich dabei um ein stark vereinfachtes und verändertes, [https://de.wikipedia.org/wiki/Immateriell immaterielles] „inneres [https://de.wikipedia.org/wiki/Modell Modell]“ der Umwelt eines bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) Subjektes] handelt, das ihm die Orientierung in „seiner“ Welt ermöglicht. Diese „Abbild“ hat zwar seine Ursache in der objektiven Welt, ist aber selbst immateriell und entzieht sich damit der physischen Untersuchung durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft Naturwissenschaften].</p><p>In der Tradition des deutschen Idealismus bezieht sich der Begriff hingegen auf überindividuelle Strukturen. In diesem Sinne ist etwa die [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel hegelsche] Philosophie zu verstehen, aber auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey Wilhelm Diltheys] Konzeption der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteswissenschaft Geisteswissenschaften].</p> | | <p>Die Frage nach der „Natur“ des Geistes ist ein zentrales Thema der [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik Metaphysik], da es sich dabei um ein stark vereinfachtes und verändertes, [https://de.wikipedia.org/wiki/Immateriell immaterielles] „inneres [https://de.wikipedia.org/wiki/Modell Modell]“ der Umwelt eines bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) Subjektes] handelt, das ihm die Orientierung in „seiner“ Welt ermöglicht. Diese „Abbild“ hat zwar seine Ursache in der objektiven Welt, ist aber selbst immateriell und entzieht sich damit der physischen Untersuchung durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaft Naturwissenschaften].</p>[[Datei:220px-RobertFuddBewusstsein17Jh.png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:RobertFuddBewusstsein17Jh.png|mini|320x320px|Abbildung aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Fludd Robert Fludds] ''Utriusque cosmi maioris scilicet et minoris […] historia'']]<p>In der Tradition des deutschen Idealismus bezieht sich der Begriff hingegen auf überindividuelle Strukturen. In diesem Sinne ist etwa die [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel hegelsche] Philosophie zu verstehen, aber auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey Wilhelm Diltheys] Konzeption der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteswissenschaft Geisteswissenschaften].</p> |
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| [[Datei:220px-RobertFuddBewusstsein17Jh.png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:RobertFuddBewusstsein17Jh.png|mini|320x320px|Abbildung aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Fludd Robert Fludds] ''Utriusque cosmi maioris scilicet et minoris […] historia'']]
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| | === [[Der Begriff des Geistes]] === |
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| == <span id="Der_Begriff_des_Geistes">Der Begriff des Geistes</span> == | | === [[Geist in der Philosophie]] === |
| === <span id="Etymologie">Etymologie</span> ===
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| [[Datei:220px-Johann_Gottfried_Herder.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Johann_Gottfried_Herder.jpg|mini|274x274px|Johann Gottfried Herder]] | |
| <p>Die modernen heterogenen Konzeptionen des Geistes haben ihren Ursprung zum einen in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike antiken Philosophie] und zum anderen in der Bibel.<ref><span class="reference-text">Hellmut Bock: Anglo-American Common Sense and German Geist, in: ''American Quarterly'', 1956, S. 155–165</span></ref> Während sich in den meisten [https://de.wikipedia.org/wiki/Romanische_Sprache romanischen Sprachen]ein entsprechender Begriff aus dem lateinischen ''spiritus'' entwickelte, leitet sich der Begriff des Geistes aus der indogermanischen Wurzel ''*gheis-'' für erschaudern, ergriffen und aufgeregt sein ab.<ref><span class="reference-text">Zu dem weitreichenden psychoevolutionären Hintergrund der hier (auch) ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Etymologie sprachhistorisch]'' aufscheinenden Zusammenhängen s. Julian Jaynes' [http://gedankenfrei.files.wordpress.com/2009/02/julian_jaynes_zdsgfzuweqwer.pdf „''Der Ursprung des Bewusstseins''“] (komplett als PDF-Datei; 2,4 MB; Achtung: Die Seitenangaben hier sind mit dem Originaldruck ''nicht'' identisch!)</span></ref> Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Westgermanische_Sprachen westgermanische] Wort ''*ghoizdo-z'' bedeutete wohl „übernatürliches Wesen“ und wurde mit der Christianisierung der Germanen christlich umgedeutet, so dass der Begriff in [https://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsche_Sprache althochdeutschen] (''geist'') und [https://de.wikipedia.org/wiki/Altenglische_Sprache altenglischen] (''gást'') Schriften als Übersetzung für den biblischen ''Spiritus Sanctus'' diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die Gegenwart, so dass „Geist“ auch als Synonym für „[https://de.wikipedia.org/wiki/Gespenst Gespenst]“ verwendet wird.</p><p>Eine weitere Bedeutungsebene, die heute jedoch nicht mehr offensichtlich ist, stellt „Geist“ in einen Zusammenhang mit „Atem, Windeshauch“ als Ausdruck der Belebtheit. So findet sich noch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Luthers]Übersetzung der Bibel die Formulierung „der himmel ist durchs wort des herrn gemacht und all sein heer durch den geist seines munds“.<ref><span class="reference-text">[http://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=geist Übersetzung des Ps. 33, zitiert im ''Deutschen Wörterbuch'' von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm]</span></ref> Auch das lateinische ''spiritus'' weist diese Bedeutung auf; es ist mit ''spirare'' „atmen“ verwandt.</p><p>In verschiedenen Theorien, gelegentlich auch im Alltag, wird der Ausdruck zur Charakterisierung überindividueller Phänomene, Objekte, Eigenschaften oder Prozesse eingesetzt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Herder Johann Gottfried Herders] Werk ''Vom Geist des Christentums'' prägte diese Begriffsverwendung entscheidend mit. Ein zentrales Konzept der deutschsprachigen Kultur wurde „Geist“ spätestens mit dem Werk [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Georg Wilhelm Friedrich Hegels]. Nach Hegel manifestiert sich in Gemeinschaften ein objektiver Geist, während der absolute Geist Kunst, Philosophie und Religion auszeichnet. Auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialwissenschaften Sozialwissenschaften]benutzen den Begriff des Geistes, um auf Merkmale von Gemeinschaften hinzuweisen. In dem Sinne ist etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Webers] Rede vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_protestantische_Ethik_und_der_%E2%80%9EGeist%E2%80%9C_des_Kapitalismus „Geist“ des Kapitalismus] zu verstehen.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Weber]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Die_protestantische_Ethik_und_der_%27Geist%27_des_Kapitalismus Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus]'' 1904</span></ref> Dieser „Geist“ ergibt sich durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Norm Normen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wert_(Philosophie) Werte] kapitalistischer Gemeinschaften. Im allgemeinen Sprachgebrauch findet sich beispielsweise die Formulierung: „Hier herrscht ein Geist der Eintracht“.</p>
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| === <span id="Übliche_Begriffsverwendung_in_moderner_Philosophie_und_Wissenschaft">Übliche Begriffsverwendung in moderner Philosophie und Wissenschaft</span> ===
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| [[Datei:220px-Pferdeauge_mit_Fliege.jpeg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pferdeauge_mit_Fliege.jpeg|mini|220x220px|Ein Mensch ''weiß'', dass er wahrnimmt, fühlt und denkt.
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| Wie sieht das Pferd den Fotografen? Nehmen die Fliegen das Pferd wahr?]]
| | === [[Geist in den Wissenschaften]] === |
| [[Datei:220px-Into_the_sun_(13044240813).jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Into_the_sun_(13044240813).jpg|mini|220x220px|Spüren Pflanzen das Sonnenlicht, zu dem sie sich hinwenden?]]
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| <span>Geist ist ein unscharfer Sammelbegriff für alle Formen [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiv subjektiver] Innerlichkeit. Dies umfasst [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein bewusste] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbewusst unbewusste] Vorgänge des [https://de.wikipedia.org/wiki/Empfinden Empfindens], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmen Wahrnehmens] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Erleben Erlebens] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Emotion Emotionen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition Kognition]und [https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition Intuition]), wie sie jeder Mensch direkt und unmittelbar erfährt. Dies umfasst die alltägliche Erkenntnis, dass (zumindest) das bewusste geistige „[https://de.wikipedia.org/wiki/Abbildrelation Abbild]“ der [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Erinnerung_(Psychologie) Erinnerung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung Vorstellung]aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Information Informationen] stammen, die uns von den [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnesorgan Sinnesorganen] aus der Umwelt vermittelt werden.</span>
| | === <span id="Siehe_auch">[[—S.a.]]</span> === |
| ==== <span id="Prinzipielle_Unbeweisbarkeit">Prinzipielle Unbeweisbarkeit</span> ====
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| <p>Es ist prinzipiell unmöglich, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Psyche Psyche] eines ''anderen'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch Menschen], die wahrscheinliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Johann_von_Uexk%C3%BCll#Innenwelt Innenwelt] verschiedener [https://de.wikipedia.org/wiki/Tiere Tiere], die mögliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Sensibilit%C3%A4t_(Neurowissenschaft) Sensitivität] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflanzen Pflanzen] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Hypothetisch hypothetische], nicht physikalische „innere Zustände“ unbelebter [https://de.wikipedia.org/wiki/System Systeme] [https://de.wikipedia.org/wiki/Qualitativ qualitativ] zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Analyse untersuchen], zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Deskription beschreiben] oder zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Beweis_(Logik) beweisen].</p><p>Während die [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie Psychologie] mittlerweile ein weitreichendes Modell der ''menschlichen Psyche'' entwickelt hat, beschränken sich die allgemeinen Aussagen zum Mentalen, die von den meisten Naturwissenschaftlern und Philosophen weitgehend akzeptiert werden, im Wesentlichen auf die folgenden Punkte:<ref><span class="reference-text">Samuel R. Nüesch: ''Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen.'' Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S. 6–7.</span></ref><ref><span class="reference-text">Michael Pauen und Gerhard Roth: ''Geist und Gehirn.'' Essay im Lexikon der Neurowissenschaft auf spektrum.de, [https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/geist-und-gehirn/4140 online]abgerufen am 22. Februar 2024.</span></ref><ref><span class="reference-text">Thomas Diekwisch: ''Biologische Beiträge zum Leib-Seele-Problem.''Inauguraldissertation, Philipps-Universität Marburg, Bielefeld 2004, [https://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0124/pdf/dtd.pdf PDF], abgerufen am 25. Februar 2024, S. 259–260, 275, 290.</span></ref><ref name=":0"><span class="reference-text">Ralph Adolphs und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ant%C3%B3nio_R._Dam%C3%A1sio Antonio R. Damasio]: ''Bewusstsein und Neurowissenschaft.'' [https://doi.org/10.1515/9783110525601-010 DOI:10.1515/9783110525601-010], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S. 77–78, 83, 90–93.</span></ref><ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_St%C3%B6ckler Manfred Stöckler]: ''Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.''[https://doi.org/10.1515/9783110525601-011 DOI:10.1515/9783110525601-011], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S. 97–100.</span></ref><ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Patrick_Sp%C3%A4t Patrick Spät]: ''Panpsychismus: ein Lösungsvorschlag zum Leib-Seele-Problem.'' Dissertation, FreiDok der Universität Freiburg, Freiburg 2010, [https://freidok.uni-freiburg.de/data/7608 PDF], abgerufen am 17. Juni 2023, S. 5, 11–14.</span></ref></p>
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| *Das Phänomen ''Geist'' hat immer mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Information Informationsverarbeitung] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexes_System Komplexen Systemen] zu tun,
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| *die wie die materielle Welt einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution_(Begriff)#Evolution_des_Geistes Evolution] unterliegen.
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| *Geistige Vorgänge werden von (quantitativ) messbarer [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuronal neuronaler] Aktivität (vor allem im [https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn Gehirn]) [https://de.wikipedia.org/wiki/Korrelation begleitet],
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| *während ein stark vereinfachtes (bei Lebewesen von der Art der Sinnesorgane abhängiges) inneres Abbild der Welt entsteht,
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| *dessen (qualitativer) „Inhalt“ jedoch nicht aus den physischen Vorgängen hergeleitet werden kann und von Person zu Person unterschiedlich erlebt wird:
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| *Dieses Erleben ist [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiv subjektiv], das heißt, den objektiven Tatsachen werden persönliche Zutaten hinzugefügt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Assoziation_(Psychologie) Assoziationen], Emotionen, Erinnerungen).
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| *Das Ergebnis sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Qualia Erlebniseindrücke], die in der physischen Außenwelt nicht existieren bzw. sich mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht erfassen lassen (z. B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Farbe Farben], [https://de.wikipedia.org/wiki/Geruch Gerüche], [https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BChlen_(Psychologie) Gefühle], [https://de.wikipedia.org/wiki/Schmerz Schmerz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Freude Freude] usw.),
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| *und kann daher vom Erleber nur unzureichend beschrieben und von Dritten weder beobachtet, noch logisch begründet, gemessen, berechnet oder allgemeingültig bewiesen werden ''(Privatheit)''.
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| *Geist ist somit nicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz gegenständlich] und hat keinen [https://de.wikipedia.org/wiki/Lokalit%C3%A4t_(Physik) klar umrissenen Ort] (Beispiel: Man spürt einen Wespenstich nicht im Gehirn), ist aber direkt oder indirekt immer auf Objekte oder Ereignisse der Welt bezogen ''(siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Intentionalit%C3%A4t Intentionalität]).''<ref><span class="reference-text">Stichwort: ''Intentionalität'' im Lexikon des Magazins philosophie auf philomag.de, [https://www.philomag.de/lexikon/intentionalitaet online] abgerufen am 23. Februar 2024.</span></ref>
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| *So folgt zumindest der unteilbare, homogene „Strom“ des Bewusstseins anderen [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisches_Gesetz Gesetzmäßigkeiten als physische Dinge] – oder unterliegt (für sich genommen) möglicherweise gar keinen Gesetzmäßigkeiten.
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| <p>Diese Aussagen gelten für den menschlichen Geist. Je geringer die [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Biologie) Artverwandtschaft] zum Menschen, desto spekulativer ist ihre Übertragung. Vor allem die oben skizzierte „Privatheit“ des psychischen Erlebens gilt als fundamentale Erklärungslücke der Naturwissenschaften.<ref><span class="reference-text">Gerhard Roth: ''Neurale Mechanismen des Bewusstseins.''[https://doi.org/10.1515/9783110525601-009 DOI:10.1515/9783110525601-009], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S. 59.</span></ref> So werden etwa die Fragen, „welche Farbe das [https://de.wikipedia.org/wiki/UV-Licht UV-Licht] im Geist einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Bienen Biene] hat?“, „wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Flederm%C3%A4use Fledermäuse] kurzwellige [https://de.wikipedia.org/wiki/Schall Schallwellen] ‚hören‘ (oder besser ‚sehen‘?)“, oder „wie Fische mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrische_Orientierung Elektrorezeptoren] [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrisches_Feld elektrische Felder] fühlen?“, niemals beantwortet werden können.<ref name=":0" /></p>
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| ==== <span id="Verhältnis_zur_Materie">Verhältnis zur Materie</span> ====
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| <p>Bei welchen Lebewesen mentale Fähigkeiten erstmals entstanden oder ob Geist eine fundamentale Eigenschaft der [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie Materie] ist, die beim Menschen nur ihre höchste [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexit%C3%A4t Komplexität] erreicht hat, ist nicht bekannt und Gegenstand etlicher [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes philosophischer Theorien] zur „Natur des Geistes“ bzw. zum „[https://de.wikipedia.org/wiki/Leib-Seele-Problem Leib-Seele-Problem]“. Umstritten ist dabei das Verhältnis von Geist und Gehirn: Während die [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie]und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] in der Tradition [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes]’ davon ausgehen, dass sich der Begriff „Geist“ auf ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Ding_an_sich immaterielles Ding] bezieht, postulieren viele Naturwissenschaftler und Philosophen, der Geist sei nichts anderes als [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuron neuronale] Aktivität. In diesem Fall beziehe sich der Terminus letztlich auf das Gehirn bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Nervensystem Nervensystem].</p><p>Während diese Denkmodelle früher von den Extrempositionen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Epiph%C3%A4nomenalismus Epiphänomenalismus] ''(Geist als Begleiterscheinung des Körpers)'' bis hin zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Animismus_(Religion) Animismus (Religion)] ''(Alles ist Geist)'' reichten, konzentrieren sie sich heute vornehmlich auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenschaftsdualismus eigenschaftsdualistische] Ansätze, die am ehesten mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionstheorie Evolutionstheorie] vereinbar sind:</p><p>Die gängige Vorstellung im herrschenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalismus_(Ontologie) physikalistischen] Paradigma ist der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtreduktiver_Materialismus Moderne Emergentismus]'' (bzw. ''Nicht-reduktiver Physikalismus),'' nach dem Geist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Emergent emergente] – d. h. eine gänzlich neue, nicht allein aus den Einzelteilen herzuleitende – [https://de.wikipedia.org/wiki/System Systemeigenschaft] [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexes_System hochkomplexer lebender Systeme] ist, die bei bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernetzung Vernetzungsstrukturen] (z. B. von Nervenzellen) spontan auftritt. Aufgrund der weitreichenden Eigenschaften und Alleinstellungsmerkmale geistiger Vorgänge und der Unmöglichkeit, mentale Eindrücke quantitativ zu erfassen (Beispiel: [https://de.wikipedia.org/wiki/Farbe#Philosophische_Aspekte Farbwahrnehmung]: „Was ist rot?“), gibt es ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Panpsychismus panpsychistische] Gegenentwürfe'', die dem Geistigen eine „unphysikalische“, eigene Existenz als „zweite Seite“ der Materie zusprechen, die immer schon Teil der Welt war und die zusammen mit den materiellen Dingen von primitiven zu hochkomplexen Formen evolviert ist.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Hampe_(Philosoph) Michael Hampe]: ''Philosophie.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Sarasin Philipp Sarasin], [https://de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Sommer_(Kulturwissenschaftlerin) Marianne Sommer](Hrsg.): ''Evolution. Ein interdisziplinäres Handbuch''. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476022745 ISBN 978-3-476-02274-5], S. 273–286.</span></ref></p><p>Der größten Widerspruch zum Physikalismus bildet die so genannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Mentale_Verursachung Mentale Verursachung]: Nach dem Prinzip der ''Geschlossenheit der physikalischen Welt'' können physikalische Objekte nur durch andere physikalische Objekte im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisches_Gesetz physikalischen Gesetze] verursacht werden.<ref><span class="reference-text">Ansgar Beckermann: ''Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.'' 2. Aufl. De Gruyter, Berlin u. a. 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110170655 ISBN 3-11-017065-5], S. 115.</span></ref> Die Alltagserfahrung, das etwa Gedanken oder Gefühle körperliche Handlungen in Gang setzen können, muss sich nach diesem Grundsatz auf rein physische Ursachen zurückführen lassen können. Selbst [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurobiologie Neurobiologen] gehen heute aufgrund von Erkenntnissen aus der Schmerzforschung davon aus, dass mentale Zustände zwar immer mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurophysiologisch neurophysiologischen] Aktivitäten verbunden sind, aber nicht auf diese reduziert werden können: Es ist nicht möglich, aus einem bestimmten Gehirnzustand einen bestimmten Bewusstseinszustand herzuleiten. Um den Widerspruch zur physikalischen Geschlossenheit aufzulösen, werden vor allem [https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_(Philosophie) funktionalistische Ansätze] favorisiert. Geist wird hier als Funktion des Gehirns betrachtet. Funktionen sind nach dieser Theorie Abläufe, die aufgrund ihrer hohen Komplexität und als emergente Phänomene nicht in physikalischen Begriffen beschrieben werden können, so wie auch chemische und biologische Theorien in eigenen Begrifflichkeiten beschrieben werden, obwohl all diese Phänomene auf unterster Ebene physikalische Objekte sind ''(siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_(Philosophie)#Grundprinzip Grundprinzip des Funktionalismus]).'' Aus der Erkenntnis, dass alle biologischen Prozesse zwangsläufig auch physische Prozesse sind und demnach physische Veränderungen verursachen – die jedoch nur biologisch beschrieben werden können –, wird hergeleitet, dass dies ebenfalls auf psychische Prozesse zutrifft. Gegner dieser Vorstellung argumentieren, dass diese Erklärung nur [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalstruktur kausale Relationen] erfassen würde, nicht aber den Erlebnischarakter unseres Bewusstseins. Anders ausgedrückt: Warum bildet sich die Welt mit großem Energieaufwand in unserem Kopf ab, wenn unbewusste [https://de.wikipedia.org/wiki/Reiz-Reaktions-Modell Reiz-Reaktionen] ausreichen würden?<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_St%C3%B6ckler Manfred Stöckler]: ''Gehirn, Bewusstsein und Schmerz – eine Skizze, wie alles zusammenpassen könnte.''[https://doi.org/10.1515/9783110525601-011 DOI:10.1515/9783110525601-011], in: Burkhart Bromm, Jörn Henning Wolf (Hrsg.): ''Von der Freiheit, Schmerz zu spüren.'' Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, Band 7. de Gruyter, Berlin/Boston 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110523515 ISBN 978-3-11-052351-5], S. 102–103, S. 97–106.</span></ref><ref><span class="reference-text">Samuel R. Nüesch: ''Die Leib-Seele Debatte: Eine Übersicht der wichtigsten Positionen.'' Arbeitspapiere aus der IKAÖ, Nr. 1, Universität Bern, September 2008, [www.ikaoe.unibe.ch/publikationen/arbeitspapier_01.pdf PDF], abgerufen am 22. Februar 2024, S. 56–58.</span></ref></p>
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| == <span id="Geist_in_der_Philosophie">Geist in der Philosophie</span> ==
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| === <span id="Antike">Antike</span> ===
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| <p>Die Antwort auf die Frage, was der deutsche Begriff „Geist“ in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Antike Antike] umfasste, ist bei einem so vielschichtigen Wort problematisch.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Stenzel Julius Stenzel]: ''Zur Entwicklung des Geistbegriffs in der griechischen Philosophie'' (1956), abgedruckt in ''Um die Begriffswelt der Vorsokratiker''/ (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Riezler Kurt Riezler] u. a.); hrsg. von [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer Hans-Georg Gadamer]. – Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1968. (Wege der Forschung ; 9)</span></ref></p><p>Die durch „Geist“ ausgedrückten Aspekte werden in der griechischen Antike vor allem durch ''pneuma'' (Geist, Hauch) und ''nous'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft], Geist) umfasst. Hinzu kommen die Ausdrücke ''psychê'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Seele]), ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Thymos thymos]'' (Leben(skraft), Zorn/Mut) und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Logos logos]'' (Rede, Vernunft).</p><p>''Pneuma'' wie auch ''nous'' bezeichnen jeweils teilweise ein menschliches [https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(F%C3%A4higkeit) Vermögen], aber auch ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Universum kosmologisches] Prinzip. ''Pneuma'' ist dabei der Wortbedeutung nach ein materiell gedachter Körper bewegter Luft. ''Nous'' hingegen wird mitunter auch immateriell gedacht. Zumeist wird er bei menschlichen Angelegenheiten aufnehmend gedacht, bei kosmischen anstoßend.</p><p>Der menschliche und der kosmologische Bereich (d. h. die Frage nach der Weltordnung) werden zumeist getrennt voneinander behandelt, wobei es jedoch Überschneidungen gibt. Bei diesen Übertragungen spielen u. a. zwei Aspekte eine Rolle:</p>
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| #Bezüglich ''pneuma'' der Gedanke, dass bewegte Luft, Atem ein (notwendiger) Bestandteil von Leben ist.
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| #Bezüglich ''pneuma'' und ''nous'' die Übertragung von Eigenschaften eines Lebewesens auf den Kosmos:
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| :::(a) bei ''pneuma'' insbesondere insofern es belebt ist,
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| :::(b) bei ''nous'' insbesondere insofern es vernunftbegabt ist.
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| ==== <span id="Pneuma">Pneuma</span> ====
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| [[Datei:220px-Anaximenes.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Anaximenes.jpg|mini|268x268px|Der Begriff des Pneumas ist zuerst bei Anaximenes belegt.]]
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| ''Pneuma'' ist zuerst im 6. Jh. v. Chr. bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaximenes Anaximenes] belegt. Hier findet sich eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Analogie_(Philosophie) Analogie], die ''pneuma'' als Lebensprinzip ausweist und auch den Kosmos selbst als belebt vorstellt:
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| <span></span><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Ebenso wie unsere Seele, welche Luft ist, uns mit ihrer Kraft zusammenhält, so umfasst auch den ganzen Kosmos Wind [oder Atem, ''pneuma''] und Luft.“<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Anaximenes Anaximenes]: [https://de.wikipedia.org/wiki/Diels-Kranz DK 13 B 2]</span></ref></p></blockquote></div></div><p>Bedeutsam ist der ''pneuma''-Begriff auch in der medizinischen Sprache, in die er durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_von_Apollonia Diogenes von Apollonia] im 5. Jh. v. Chr. gelangt und durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Erasistratos Erasistratos] und bis zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Galenos Galenos] im 2. Jh. n. Chr. weitere Ausprägungen erfährt.<ref name=":1"><span class="reference-text">G. Verbeke, ''Geist. II. Pneuma'', in: Joachim Ritter u. a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 3, Basel 1974, Sp. 154–166</span></ref> Von ihm stammt eine – auch in der späteren lateinischen Tradition – bedeutende Unterscheidung dreier pneumatischer Prinzipien, die aus dem Zusammenwirken von eingeatmeter Luft und der im Herzen hervorgebrachten Lebenswärme entstehen:</p>
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| #ein physisches ''pneuma'' (''spiritus naturalis''), das die vegetativen Funktionen erhält;
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| #ein lebendiges ''pneuma'' (''spiritus vitalis''), ein Lebens- und Bewegungsprinzip;
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| #ein psychisches ''pneuma'' (''spiritus animalis''), die Seele.<ref name=":2"><span class="reference-text">Francesco Moiso: ''Geist. 2. Begriffsgeschichte. 2.1 'Pneuma' und die anderen griechischen Wörter'', in: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie, Hamburg 1999, S. 434 f.</span></ref>
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| <p>Seit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus Hellenismus] und insbesondere in der römischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Stoa Stoa] vermischen sich die beiden Aspekte menschliches Vermögen und kosmologisches Prinzip im Begriff des ''pneuma''. ''Pneuma'' bezeichnet hier die materielle Substanz – die Stoiker waren [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialisten] – sowohl der Einzelseele als auch der Weltseele. ''Pneuma'' ist somit ein stoffliches und zugleich geistiges Prinzip, das den gesamten – als Lebewesen vorgestellten – Kosmos durchdringt und dessen Organisation bewirkt. Das ''Pneuma'' im Menschen ist zum Lebensanfang wie ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Tabula_rasa unbeschriebenes Blatt], das mit sinnlichen Eindrücken und Vorstellungen gefüllt wird. Es ist zudem der lenkende Seelenteil, der die für Stoiker zentrale Forderung „in Übereinstimmung (mit der – als vernünftig gedachten – Natur) leben“ zu erfüllen ermöglicht.<ref name=":1" /><ref name=":2" /></p>
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| ==== <span id="Nous">Nous</span> ====
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| <p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Homer Homer] und später bei den meisten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsokratiker Vorsokratikern] scheint ''nous'' ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(F%C3%A4higkeit) Vermögen] zu sein, das sich sowohl auf sinnliche wie auch mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand Verstand] erfassbare ([https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligibel intelligible]) Gegenstände richtet. [https://de.wikipedia.org/wiki/Xenophanes Xenophanes] und auch noch [https://de.wikipedia.org/wiki/Empedokles Empedokles]setzen Denken und Wahrnehmen in eins. Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Parmenides_von_Elea Parmenides] hingegen hat der ''nous'' nur notwendig existierende und daher nur intelligible Gegenstände.</p><p>Hinsichtlich der Funktionsweise ist von Vorsokratikern wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Empedokles Empedokles], [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaxagoras Anaxagoras] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Demokrit Demokrit] belegt, dass sie den Geist, das Denken als einen körperlichen Vorgang ansehen. Empedokles, der das Prinzip ''Gleiches wird nur von Gleichem erkannt'' vertrat, behauptet, das Blut sei der Sitz der Erkenntnis, weil es der am besten durchmischte Stoff sei.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] fassen – im Gegensatz zu vielen Vorsokratikern – die Tätigkeit des ''nous'', das Denken, als einen nicht-körperlichen Vorgang auf. Dieser komme nur dem Menschen zu. Zudem unterscheidet Platon explizit auch sinnlich Wahrnehmbares von Intelligiblem und vertritt – in der Tradition von Parmenides – sehr deutlich die These, dass [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissen Wissen] nur gegen die sinnliche Wahrnehmung und den Körper möglich sei.</p><p>Aristoteles definiert in seiner Schrift ''[https://de.wikipedia.org/wiki/De_anima De anima] nous'' als „''das, womit die Seele denkt und Annahmen macht."''<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles]: ''De An.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Bekker-Z%C3%A4hlung III, 4, 429 a 22 f.]</span></ref> Er vergleicht den ''nous'' – analog wie bei der Wahrnehmung – mit einer leeren Schreibtafel aus Wachs. ''Nous'' ist unaffiziert (d. h. unangeregt), unbestimmt, ein passives [https://de.wikipedia.org/wiki/Potenz_(Philosophie) Vermögen], dessen Natur darin besteht, im Aufnehmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Eidos Formen] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Akt_(Philosophie) aktual] werden zu können, was er denkt. Er ist auch nicht einem bestimmten Organ zugeordnet, sondern körperlos.</p><p>Im Hellenismus wird das kognitive Vermögen ''nous'' sowohl von der Stoa als auch von [https://de.wikipedia.org/wiki/Epikur Epikur] [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus materialistisch] aufgefasst. Beide Schulen führen Erkenntnis vollständig auf materiell gedachte Wahrnehmung zurück.<ref name=":3"><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Horn Christoph Horn]/[https://de.wikipedia.org/wiki/Christof_Rapp Christof Rapp]: ''Vernunft/Verstand. II. Antike'', in: Joachim Ritter u. a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 11, Basel 2001, Sp. 749–764</span></ref></p>
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| ==== <span id="Kosmologisches_Prinzip">Kosmologisches Prinzip</span> ====
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| <p>Nachdem einige frühere Denker einem kosmologischen Prinzip entsprechende Eigenschaften zugeschrieben haben, bekommt der ''nous'' bei dem griechischen Mathematiker und Naturphilosophen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaxagoras Anaxagoras] eine tragende Rolle in der Welterklärung. Der ''nous'' ist für ihn ein Bewegungsprinzip, das er der Materie gegenüberstellt, obgleich er es nicht ausdrücklich als nicht-materiell beschreibt. Eine ähnliche Funktion weist der von [https://de.wikipedia.org/wiki/Heraklit Heraklit] angenommene ''alles verwaltende logos'' auf, den er als vernünftig beschreibt.</p><p>Für Platon weist die Welt Eigenschaften eines beseelten und mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft] ausgestatteten Lebewesens auf, und er erklärt ihre Beschaffenheit mit Rückgriff auf eine göttliche Vernunft. [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] nimmt einen „unbewegten Beweger“ an, der die von ihm abhängige Welt und den Himmel als eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Finalursache Finalursache], d. h. ''wie ein Geliebtes oder Erstrebtes bewegt''. Dessen ununterbrochene Tätigkeit bestehe darin, den besten Gegenstand, sich selbst, zu denken (''noêsis noêseôs''). Diesen Gott fasst Aristoteles – im Gegensatz zu dem oben thematisierten menschlichen Vermögen – als rein [https://de.wikipedia.org/wiki/Akt_und_Potenz aktual] auf. [https://de.wikipedia.org/wiki/Plotin Plotin] weist dem ''nous'' die kosmologische Rolle zu, als [https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg Demiurg] die sichtbare Welt nach Vorlage der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideenlehre Ideenwelt] zu formen.<ref name=":3" /></p>
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| === <span id="Augustinus">Augustinus</span> ===
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| <p>Der Philosoph und christliche Kirchenlehrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus Augustinus] unterscheidet in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4tantike Spätantike] zwischen Geist (''mens'', ''animus'') und Seele (''anima''). Er fasst den Geist als eine an der Vernunft teilhabende Substanz auf, die zur Leitung des Leibes bestimmt ist („substantia quaedam rationis particeps regendo corpori accomodata“<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus Augustinus]: ''De animae quantitate'' 13.</span></ref>). Dem Geist kommen wesensmäßig Vernunft (''ratio'') und Einsicht (''intelligentia'') zu. Er wird durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Laster Laster] (''vitium'') geschwächt und muss, um seiner Leitungsaufgabe gerecht werden zu können, durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Glauben Glauben] (''fides'') gereinigt werden.</p><p>Er beschreibt den menschlichen Geist als „Auge der Seele“ ''(oculus animae)''. Diesem ist die Erkenntnis ewiger Wahrheiten durch das unveränderliche Licht (''lumen incommutabilis'') des göttlichen Geistes möglich, das den menschlichen Geist und das ihm begegnende [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein Seiende] [https://de.wikipedia.org/wiki/Erleuchtung erleuchtet]. Dieses Licht stellt das Innerste des Menschen selbst dar. Die Wendung (''conversio'') des Menschen zu diesem Innersten hin ist für Augustinus Selbstvollzug des Geistes und bedeutet die Rückkehr zu seinem eigentlichen Ursprung.</p>
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| === <span id="Mittelalter">Mittelalter</span> ===
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| <p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin], einer der Hauptvertreter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastik Scholastik], fasst die menschliche Seele als eine geistige Substanz (''substantia spiritualis'') auf. Im Unterschied zur Tierseele hat sie einen rein geistigen Charakter und ist daher unsterblich. Thomas vertritt eine strikte Leib-Seele-Einheit des Menschen. Die Seele ist Form des Leibes (''forma corporis'') und teilt ihm ihr Sein mit. Umgekehrt ist aber auch der Geist zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Erkenntnis] auf den Leib und seine sinnliche Vermittlung angewiesen. Alle geistigen Erkenntnisse werden mittels des „tätigen Intellekts (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Intellectus_agens intellectus agens]'')“ von den Sinneswahrnehmungen abstrahiert.</p><p>Der Mensch als schwächster Strahl der Geistigkeit vermag das rein Geistige nicht zu schauen. Die Erkenntnis vermag nur so weit zu reichen wie der geistige Gehalt des Sinnenfälligen, von dem sie ausgeht, es ihr gestattet. Eine unmittelbare Erkenntnis Gottes ist daher für Thomas ausgeschlossen.</p><p>Die menschliche Seele ist bei Thomas die niederste der geistigen Formen. Sie ist ein Vernunftprinzip, das notwendig eines Körpers bedarf, um tätig werden zu können. Sie stellt daher gegenüber der Seele der [https://de.wikipedia.org/wiki/Engel Engel], die in keinerlei Verbindung mit dem Materiellen steht, eine tiefere Stufe der Geistigkeit dar. Die Seele hängt zwar in ihrer Existenz nicht von der Materie ab, ragt aber doch tief in das Körperliche hinein, da sie ohne den Körper etwas Unfertiges ist. Sie wird bei Thomas zum äußersten und abgeschwächtesten Strahl des Verstandeslichtes, das in Gott aufleuchtet und im Menschen seine unterste Grenze erreicht wie das Sein bei der Materie. Sie steht daher auf der Grenze der geistigen und körperlichen Geschöpfe (''in confinio spiritualium et corporalium creaturarum''<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Summa_theologiae Summa theologiae]'' I, 76, 2.</span></ref>).</p>
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| === Descartes ===
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| [[Datei:220px-Reizweiterleitung.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Reizweiterleitung.jpg|mini|244x244px|Illustration von Descartes: Eine Reizung am Fuß wird über die Nerven ins Gehirn geleitet, interagiert dort mit dem Geist und erzeugt so ein Schmerzerleben.]]
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| Bei dem Philosophen, Mathematiker und Naturwissenschaftler [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes], Begründer des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rationalismus Rationalismus], ist der Geist [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie ontologisch] von der Materie getrennt, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit Wirklichkeit] gliedert sich in eine materielle und eine nichtmaterielle Sphäre. Menschen sind im Wesentlichen durch ihren immateriellen Geist ausgezeichnet und unterscheiden sich dadurch von Tieren, die Descartes als [https://de.wikipedia.org/wiki/Automat Automaten]begreift. Zur Stützung seines [https://de.wikipedia.org/wiki/Dualismus_(Ontologie) Leib-Seele-Dualismus] entwickelte Descartes Argumente, die bis heute in der Philosophie des Geistes diskutiert werden. So erklärte er, dass man sich klar und deutlich vorstellen könne, dass Geist ohne Materie existiere. Was man sich klar und deutlich vorstellen kann, ist aber zumindest prinzipiell auch möglich. Und wenn es prinzipiell möglich ist, dass Geist ohne Materie existiert, können Geist und Materie nicht identisch sein.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes]: ''Meditationes de prima philosophia'', 1641</span></ref> Varianten dieses Argumentes findet man in der heutigen Debatte bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Saul_Kripke Saul Kripke]<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saul_Kripke Saul Kripke], ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Name_und_Notwendigkeit Naming and Necessity]'', Blackwell Pub., Oxford, 1981 [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0631128018 ISBN 0-631-12801-8]</span></ref> und [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Chalmers David Chalmers].<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/David_Chalmers David Chalmers]: ''The conscious Mind'', Oxford, Oxford University Press, 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0195117891 ISBN 0-19-511789-1]</span></ref><p>Ein anderes Argument Descartes' bezieht sich auf die menschliche Sprachfähigkeit: Es sei unvorstellbar, dass ein Automat das komplexe System einer natürlichen Sprache beherrsche. Diese Argumentation wird heute von den meisten Philosophen und Wissenschaftlern unter Verweis auf die Erkenntnisse der [https://de.wikipedia.org/wiki/Computerlinguistik Computer-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Psycholinguistik Psycho-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurolinguistik Neurolinguistik] abgelehnt. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die menschliche Sprachfähigkeit keineswegs umfassend erforscht ist und dass die Computerlinguistik weit davon entfernt ist, die Komplexität natürlicher Sprachen zu erfassen.</p><p>Descartes' Bild vom Menschen ist also wesentlich zweigeteilt: Der Mensch besteht aus einem materiellen Körper und einem immateriellen Geist. Körper und Geist interagieren an einer Stelle im Gehirn (der [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirbeldr%C3%BCse Zirbeldrüse]) miteinander. Verbrennt sich eine Person etwa am Fuß, so wird der Reiz durch den Körper zum Gehirn und von dort zum Geist geleitet (siehe Abbildung). Im Geist verspürt die Person Schmerzen, was wiederum eine körperliche Reaktion verursacht. Vertreter eines solchen Dualismus haben unter anderem zu erklären, wie diese [https://de.wikipedia.org/wiki/Interaktion Interaktion] von Geist und Körper genau vorzustellen ist. In der Gegenwartsphilosophie wird dieses Problem unter dem Begriff ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Mentale_Verursachung Mentale Verursachung]'' diskutiert.</p>
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| === <span id="18._und_19._Jahrhundert">18. und 19. Jahrhundert</span> ===
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| <p>[https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hume David Hume], der im angelsächsischen Raum häufig als bedeutendster Philosoph der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung Aufklärung] betrachtet wird, vertrat die idealistisch [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirismus empiristische] Auffassung, der Geist beruhe allein auf Formen unmittelbarer Wahrnehmung. Inetwa in diesem Sinne definierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_von_Goethe Johann Wolfgang von Goethe] Geist in [https://de.wikipedia.org/wiki/West-%C3%B6stlicher_Divan West-östlicher Divan]:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Denn das Leben ist die Liebe<br>Und des Lebens Leben ''Geist''.“</p></blockquote></div></div><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] knüpfte sowohl an Hume wie auch an [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] an. Im Rahmen des [https://de.wikipedia.org/wiki/System_des_transzendentalen_Idealismus transzendentalen Idealismus] ist der menschliche Geist selbst an der Bildung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] beteiligt. Eine vom Geist und seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektivit%C3%A4t Subjektivität]freie Realität lässt sich nur als Ding an sich vorstellen. Doch auch mit Bezug auf das ''Ding an sich'' sind keine konkreten Aussagen über eine vom Geist unabhängige Realität möglich, da das ''Ding an sich'' nicht durch die menschlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie) Kategorien] zu fassen ist. Mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus_(Philosophie) idealistischen] Wende findet eine Aufwertung des Geistes statt, der zu einem konstitutiven Element der Realität wird.</p>
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| [[Datei:220px-Hegel_portrait_by_Schlesinger_1831.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Hegel_portrait_by_Schlesinger_1831.jpg|mini|278x278px|Georg Wilhelm Friedrich Hegel, porträtiert von Jakob Schlesinger, 1831]]
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| In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_19._Jahrhunderts Philosophie des 19. Jahrhunderts], besonders im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Idealismus Deutschen Idealismus], setzte sich diese Tendenz fort. [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Hegel] entwickelte einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Absoluter_Idealismus absoluten Idealismus], der die subjektive Zurücknahme des Erkenntnisanspruches auf objektive Wahrheit überwinden wollte. Darin fasste er die Denkgeschichte [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik dialektisch] als einen geschichtlichen Prozess der Entwicklung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Weltgeist Weltgeistes] auf. Dieser wird als die Rückwendung des Absoluten aus seinem Anderssein, der Natur, zu sich selbst gedacht. Sie konkretisiert sich in den drei Erscheinungsformen des Geistes: im ''subjektiven Geist'' des einzelnen Menschen, im ''objektiven Geist'' der menschlichen Gemeinschaftsformen von Recht, Gesellschaft und Staat und dem ''absoluten Geist'', Kunst Religion und Philosophie. In der Philosophie vollendet sich die Rückkehr des Geistes zu sich selbst in Gestalt des [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie_des_Geistes#Absolutes_Wissen absoluten Wissens]. Der absolute Geist ist so der Inbegriff für die Wirklichkeit und den Grund allen Seins.<p>Im deutschen Idealismus wurde das kantsche Programm ohne dessen Idee des ''Dings an sich'' fortgeführt. Dies rückte den Geist noch weiter in den Fokus der philosophischen Aufmerksamkeit, da nun eine vom Geist unabhängige Wirklichkeit nicht einmal als [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Grenzbegriff&action=edit&redlink=1 Grenzbegriff] angenommen wurde. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Leib-Seele-Problem Leib-Seele-Problem] fand im Rahmen derartiger Konzeptionen folgende Lösung: Wenn der Geist immer schon konstitutiv für die wissenschaftlich untersuchte Natur ist, so ergibt es keinen Sinn, zu fragen, ob und wo der Geist in dieser Natur zu lokalisieren sei. In der gegenwärtigen Philosophie des Geistes werden nur noch selten konsequent idealistische Theorien vertreten.</p><p>Dagegen formulierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx Karl Marx], sich auf Hegel beziehend, seine materialistische Auffassung des Geistes. Demnach bedingt die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Produktionsweise Produktionsweise] des materiellen Lebens“ bzw. die darin verankerte [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_(Philosophie) Arbeit] den „sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß“.<ref><span class="reference-text">Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort. MEW 13, S. 9, 1859.</span></ref></p><p>Insbesondere durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Darwin Charles Darwins] Entwicklung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Darwinismus Evolutionstheorie] wurde der [https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch Mensch] zunehmend auch als ein biologisches [https://de.wikipedia.org/wiki/System System] betrachtet. Dies führte dazu, dass nunmehr viele Naturwissenschaftler den Geist als ein Produkt rein biologischer Prozesse betrachteten. In Deutschland erregten insbesondere die so genannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturwissenschaftlicher_Materialismus_ab_1850 Vulgärmaterialisten] um [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_B%C3%BCchner Ludwig Büchner] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Vogt Carl Vogt]mit derartigen Behauptungen Aufsehen und lösten so den [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismusstreit Materialismusstreit] aus. Auch der Evolutionsbiologe [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Haeckel Ernst Haeckel] postulierte, der Geist sei ein wissenschaftlich erfassbares Phänomen. Der Haeckelsche [https://de.wikipedia.org/wiki/Monismus Monismus] ist jedoch nicht als Materialismus zu begreifen, da Haeckel in der Tradition [https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_Spinoza Baruch Spinozas] von einer neutralen Substanz mit geistigen und materiellen Aspekten ausging. Allerdings gab es auch unter den Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts ungleich skeptischere Stimmen. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrophysiologie Elektrophysiologe] [https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Heinrich_du_Bois-Reymond Emil Heinrich du Bois-Reymond] erklärte etwa 1872 in einem einflussreichen Vortrag:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Welche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ursprünglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen 'Ich fühle Schmerz, fühle Lust; ich schmecke Süßes, rieche Rosenduft, höre Orgelton, sehe Roth …'.“<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Heinrich_du_Bois-Reymond Emil Heinrich du Bois-Reymond]: ''Über die Grenzen des Naturerkennens'', Vortrag, 1872</span></ref></p></blockquote></div></div><p>Eine weitere Bedeutungskomponente erhielt der Begriff des Geistes im 19. Jahrhundert durch den Philosophen, Psychologen und Pädagogen [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey Wilhelm Dilthey], Mitbegründer der [https://de.wikipedia.org/wiki/Lebensphilosophie Lebensphilosophie], der die Geisteswissenschaften den Naturwissenschaften gegenüberstellte.<ref><span class="reference-text">Wilhelm Dilthey: ''Einleitung in die Geisteswissenschaften'', 1863</span></ref> Nach seiner Auffassung sind die Geisteswissenschaften durch eine besondere Methode, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hermeneutik Hermeneutik], ausgezeichnet. Während sich die Naturwissenschaften mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t Kausalzusammenhängen]beschäftigen, sollen die Geisteswissenschaften zu einem tieferen [https://de.wikipedia.org/wiki/Verstehen Verstehen] der Phänomene beitragen. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukantianismus Neukantianer] [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Windelband Wilhelm Windelband] versuchte diese Unterscheidung zu präzisieren, indem er betonte, dass die Geisteswissenschaften besondere und einmalige Ereignisse erforschen, während die Naturwissenschaften nach allgemeinen [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisches_Gesetz Naturgesetzen] suchen.</p>
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| === <span id="20._Jahrhundert">20. Jahrhundert</span> ===
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| <p>Im frühen [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_20._Jahrhunderts 20. Jahrhundert] war das philosophische Nachdenken über den Geist maßgeblich durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kreis Wiener Kreis] geprägt. Die Mitglieder des Wiener Kreises versuchten, philosophische Konsequenzen aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Methodologie Methodologie] des psychologischen (methodologischen) [https://de.wikipedia.org/wiki/Behaviorismus Behaviorismus] zu ziehen. Die klassischen Behavioristen hatten erklärt, dass sich [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialogische_Introspektion introspektive] Angaben über den Geist nicht überprüfen lassen und daher nicht Teil einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft Wissenschaft] sein können. Die Psychologie müsse sich daher auf Verhaltensbeschreibungen beschränken. Im Wiener Kreis wurden diese Annahmen mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Verifikationismus Verifikationismus] kombiniert, also der These, dass nur überprüfbare Aussagen eine Bedeutung haben. Als Konsequenz erscheinen Aussagen über den Geist als sinnlos, sofern sie nicht von [https://de.wikipedia.org/wiki/Verhalten_(Biologie) Verhalten] handeln.</p><p>Die behavioristische Tradition fand ihre Fortführung in [https://de.wikipedia.org/wiki/Gilbert_Ryle Gilbert Ryles] 1949 veröffentlichtem Werk ''The Concept of Mind'' (''Der Begriff des Geistes''), das für mehr als ein Jahrzehnt zur orthodoxen Interpretation des Themas „Geist“ in der angelsächsischen Philosophie wurde. Ryle erklärte, es sei ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorienfehler Kategorienfehler], davon auszugehen, dass der Geist etwas Inneres ist. In einer gewissen Spannung zum Behaviorismus stand hingegen das Werk [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Wittgenstein Ludwig Wittgensteins]. Zwar bestreitet auch Wittgenstein, dass der Geist als ein innerer Zustand zu verstehen sei, grenzt sich jedoch zugleich vom Behaviorismus ab.</p><p>In eine entgegengesetzte Richtung führte die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl Edmund Husserl] begründete [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie Phänomenologie], die explizit die Untersuchung subjektiver, geistiger Phänomene zum Ziel hatte. Im Verfahren der [https://de.wikipedia.org/wiki/Epoch%C3%A9 epoché] sollen alle Annahmen über die Außenwelt „eingeklammert“ und so eine Erforschung der puren Subjektivität möglich gemacht werden.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl Edmund Husserl]: ''Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. Erstes Buch: Allgemeine Einführung in die reine Phänomenologie'' 1913</span></ref> Unter Bezugnahme auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Brentano Franz Brentano] nahm Husserl an, dass geistige Zustände im Wesentlichen durch Intentionalität gekennzeichnet seien. Damit ist gemeint, dass sich [https://de.wikipedia.org/wiki/Mentaler_Zustand mentale Zustände] auf etwas beziehen, so bezieht sich etwa die Sehnsucht nach einer Person auf eine Person. Die Husserlsche Phänomenologie übte einen enormen Einfluss auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts aus, unter anderen auf Husserls Schüler [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger Martin Heidegger] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Paul_Sartre Jean-Paul Sartre], der nach Freiburg kam, um bei Husserl zu studieren. In der französischen Philosophie knüpfte insbesondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Merleau-Ponty Maurice Merleau-Ponty] an Husserls Intentionalitätsbegriff an. Dabei wollte Merleau-Ponty mit dem Begriff des [https://de.wikipedia.org/wiki/Leib Leibes] die Entgegensetzung von Körper und Geist aufheben. Der Leib ist ein lebender und aktiv wahrnehmender Körper und lässt sich somit nicht durch eine Entgegensetzung von Geistigem und Nicht-Geistigem fassen.</p><p>In den frühen 1960er Jahren gab es auch in der angelsächsischen Philosophie eine radikale Abkehr von den behavioristischen Theorien.<ref><span class="reference-text">Klassiker sind: [https://de.wikipedia.org/wiki/Ullin_Place Ullin Place]: ''Is Consciousness a Brain Process?'' in: ''British Journal of Psychology'', 1956 und [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Jamieson_Carswell_Smart John Jamieson Carswell Smart]: ''Sensations and Brain Processes'' in: ''Philosophical Review'', 1956.</span></ref> Durch die Erfolge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neurowissenschaften neurowissenschaftlichen] Forschung inspiriert, versuchten [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4tstheorie_(Philosophie_des_Geistes) Identitätstheoretiker]den Geist auf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn Gehirn] zu reduzieren. Ein analoges Programm wurde von [https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_(Philosophie) Funktionalisten] vertreten, die sich jedoch auf [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Intelligenz Künstliche Intelligenz] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionswissenschaft Kognitionswissenschaft] stützen. Diese reduktiven Bemühungen blieben allerdings nicht unwidersprochen, es wurde auf unüberwindbar erscheinende Probleme des [https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus Reduktionismus] hingewiesen.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Nagel_(Philosoph) Thomas Nagel]: ''What is it like to be a bat?'' In: ''The Philosophical Review'', 1974, S. 435–450</span></ref> Mit den so genannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Qualia Qualia] (Bewusstsein der Phänomene) und der Intentionalität hat der Geist nach Meinung vieler Philosophen Eigenschaften, die sich nicht durch Naturwissenschaften erklären lassen.</p><p>Durch die Spannung zwischen den Erfolgen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirie empirischen] Forschung und den Problemen des Reduktionismus ist in der Philosophie eine sehr differenzierte Debatte um die Natur des Geistes entstanden. Heute werden verschiedene Formen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalismus_(Ontologie) Physikalismus], Dualismus und [https://de.wikipedia.org/wiki/Pluralismus_(Philosophie) Pluralismus] vertreten. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eliminativer_Materialismus Eliminativen Materialisten] verzichten gänzlich auf die Annahme der Existenz eines Geistes.</p>
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| == <span id="Geist_in_den_Wissenschaften">Geist in den Wissenschaften</span> ==
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| <p>Auch bei dem Blick auf die wissenschaftliche Erforschung des Geistes ergibt sich kein einheitliches Bild. Die Wissenschaften, die sich mit dem Phänomen des Geistes beschäftigen, verfolgen verschiedene Ziele und verwenden zum Teil sehr unterschiedliche Modelle und Methoden. Die relevanten Wissenschaften reichen von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychiatrie Psychiatrie], den [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialwissenschaft Sozialwissenschaften], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialpsychologie Sozialpsychologie] und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie Psychologie] bis hin zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Hirnforschung Hirnforschung].</p>
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| === <span id="Psychiatrie">Psychiatrie</span> ===
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| <p>Die Psychiatrie hat sich in ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Psychiatrie geschichtlichen Entwicklung] in Deutschland vor allem in der Zeit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung Aufklärung] mit dem Geist als auslösende Voraussetzung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteskrankheit Geisteskrankheiten] befasst.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_D%C3%B6rner Klaus Dörner]: ''Bürger und Irre''. Zur Sozialgeschichte und Wissenschaftssoziologie der Psychiatrie. (1969) Fischer Taschenbuch, Bücher des Wissens, Frankfurt am Main 1975, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3436021016 ISBN 3-436-02101-6]; S. 263, 270</span></ref> Hier wurden [https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteswissenschaft geisteswissenschaftliche]Bedingungen dieser Erkrankungen untersucht, so wie es die [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychiker_(Psychiatrie) Psychiker] bis etwa 1845 taten. Da der Geist anderen Gesetzen unterliegt als die Materie, erfolgten [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideologisch ideologische] Auseinandersetzungen mit dem naturwissenschaftlichen Standpunkt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Somatiker Somatiker]. Erst recht wurden diese geisteswissenschaftlichen psychiatrischen Ergebnisse durch die neuere Hirnforschung in Frage gestellt.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Spitzer Manfred Spitzer]: ''Geist im Netz'', Modelle für Lernen, Denken und Handeln. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3827401097 ISBN 3-8274-0109-7]. S. 10</span></ref></p>
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| === <span id="Sozialwissenschaft_und_Sozialpsychologie">Sozialwissenschaft und Sozialpsychologie</span> ===
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| <p>In den Sozialwissenschaften kommt gelegentlich eine überindividuelle Verwendung des Begriffs „Geist“ hinzu.<ref><span class="reference-text">Schon der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Soziologie#Protosoziologie Protosoziologe] [https://de.wikipedia.org/wiki/Montesquieu Montesquieu] benutzte „''esprit''“ in seinem ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Geist_der_Gesetze Vom Geist der Gesetze]'' von 1748 in diesem Sinne.</span></ref> So nannte der Soziologe Max Weber eines seiner einflussreichsten Werke 1904 ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Die_protestantische_Ethik_und_der_Geist_des_Kapitalismus Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus]'' und noch 1935 [https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_T%C3%B6nnies Ferdinand Tönnies] sein Alterswerk ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Geist_der_Neuzeit Geist der Neuzeit]''. In diesem Zusammenhang bezieht sich der Ausdruck „Geist“ auf grundlegende Normen, Überzeugungen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Weltanschauung Weltanschauungen], die für eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_(Soziologie) Gemeinschaft]konstitutiv sind. Allerdings ist auch diese Bedeutung nicht unabhängig vom Geist der Individuen, da die Normen und kollektiven Anschauungen für die einzelnen Mitglieder eines Kollektivs sehr bedeutsam sind. Der Geist im sozialwissenschaftlichen Sinne ist nur denkbar, wenn es Entsprechungen im Geist einer Vielzahl von Individuen gibt.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu Pierre Bourdieu] entwickelte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine komplexe so genannte „Theorie der Praxis“ mit eigenen Begrifflichkeiten. Er unternahm den Versuch, Geist und Materie wie auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektivismus Subjektivismus] und [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Objektivismus_(Philosophie)&action=edit&redlink=1 Objektivismus]auf der Basis [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirische_Sozialforschung empirischer Erforschungen] des Alltagslebens und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturvergleichende_Sozialforschung vergleichender Kulturforschung] miteinander zu verknüpfen. Der Mensch „inkorporiert“ demnach seine soziale Umwelt durch geistige Lernakte, die sich auch körperlich ausdrücken. Zu diesem [https://de.wikipedia.org/wiki/Habitus_(Soziologie) Habitus] gehören unter anderem die Denk- und Sichtweisen der Wahrnehmungen, die das Urteilen und Bewerten beeinflussen und den Handlungsspielraum begrenzen.</p><p>In der Sozialpsychologie wird der Einfluss sozialer Interaktion auf geistige Prozesse wie Gedanken oder Gefühle untersucht.<ref><span class="reference-text">Günter Bierbrauer. (2005), Sozialpsychologie, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170182137 ISBN 3-17-018213-7]</span></ref> Dabei kann der Fokus auf einen weiten sozialen Kontext oder auf zwischenmenschliche Prozesse gerichtet sein. Ergänzt werden sozialpsychologische Ansätze durch kulturvergleichende oder kulturhistorische Untersuchungen, in denen etwa dargestellt wird, wie Gefühle (z. B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Liebe Liebe] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Eifersucht Eifersucht]) sich in verschiedenen Kulturen unterscheiden und entwickelt haben. Die Sozialpsychologie berührt hier auch die klassische [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropologie anthropologische] Frage nach der Universalität von bestimmten geistigen Prozessen.</p>
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| === <span id="Von_der_Kognitionspsychologie_zur_Psychoanalyse">Von der Kognitionspsychologie zur Psychoanalyse</span> ===
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| [[Datei:220px-Priming-01.svg.png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Priming-01.svg|mini|220x220px|Beispiel für [https://de.wikipedia.org/wiki/Priming_(Psychologie) semantisches Priming] (assoziative Beziehung zwischen Prime und Target)]]
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| Die klassische Wissenschaft des Geistes ist die Psychologie, wobei man innerhalb der Psychologie wiederum zwischen verschiedenen Ansätzen unterscheiden muss. So untersucht etwa die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionspsychologie Kognitionspsychologie] geistige Prozesse mit möglichst präzisen [https://de.wikipedia.org/wiki/Experiment experimentellen] Methoden, um so kognitive Phänomene wie Gedächtnis, Wahrnehmung oder Denken besser zu verstehen. Ein Beispiel hierfür ist die Forschung zum Priming, bei dem mittels Darbietung eines Reizes (Prime) die Verarbeitungszeit eines Zielreizes (Target oder Probe) beeinflusst wird. Bei Primingexperimenten wird der Versuchsperson eine Aufgabe gestellt, so muss sie etwa präsentierte Bilder benennen (Beispiel: Bild von einem Brot → Reaktion „Brot“). Präsentiert man der Person kurz vor der Aufgabe einen verwandten ähnlichen Reiz bzw. Prime (etwa das Wort „Käse“), so wird die Versuchsperson die Benennungsaufgabe schneller lösen. Kognitionspsychologen schließen aus diesen Befunden, dass die Begriffe im Geist in einer netzwerkartigen Struktur organisiert sind und die Präsentation des Primes eine Voraktivierung an der richtigen Stelle des Netzwerks auslöst.<p>In den letzten Jahrzehnten haben die Kognitionspsychologen sehr viele Daten über geistige Prozesse gesammelt, und sie gehen zunehmend dazu über, diese Daten in komplexen Modellen zusammenzufassen. In Form von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Architektur kognitiven Architekturen] werden solche Modelle als Computerprogramme realisiert und sollen die Prognose von geistigen Prozessen möglich machen.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/John_R._Anderson John R. Anderson] / [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christian_Lebiere&action=edit&redlink=1 Christian Lebiere]: ''The atomic components of thought'', Erlbaum, 1998, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0805828168 ISBN 0-8058-2816-8]</span></ref> Derartige kognitionspsychologische Modelle sind jedoch auf grundlegende geistige Prozesse beschränkt, also etwa auf die Wahrnehmung von Bewegungen und Formen oder auf das Kurzzeitgedächtnis. Will man mit Hilfe von psychologischen Untersuchungen komplexe geistige Phänomene, wie etwa Charaktermerkmale oder psychische Erkrankungen verstehen, so muss man auf andere Teildisziplinen (wie etwa die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pers%C3%B6nlichkeitspsychologie Persönlichkeitspsychologie]) zurückgreifen.</p>
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| [[Datei:220px-Instanzenmodell.svg.png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Instanzenmodell.svg|mini|220x220px|Strukturmodell der Psyche nach Freud]]
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| Einflussreich ist in diesem Zusammenhang auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalyse Psychoanalyse] in der Tradition von [https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud Sigmund Freud]. Freud machte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts darauf aufmerksam, dass geistige Prozesse zu weiten Teilen [https://de.wikipedia.org/wiki/Unbewusstes unbewusst] ablaufen. So muss sich eine Person etwa keinesfalls im Klaren über ihre Angst oder Wut sein. Gleichzeitig betonte Freud, dass die Struktur des Geistes maßgeblich durch die sozialen Normen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wertvorstellung Werte] einer Gemeinschaft geprägt sind. Freud beschrieb die Bildung des ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ich Ichs]'' (Wahrnehmen, Denken und Gedächtnis) im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturmodell_der_Psyche Strukturmodell der Psyche] als einen Prozess im Spannungsfeld zwischen dem Unterbewussten (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturmodell_der_Psyche#Es Es]'') und den [https://de.wikipedia.org/wiki/Internalisierung_(Sozialwissenschaften) verinnerlichten] Normen und Werten (''[https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber-Ich Über-Ich]'').<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud Sigmund Freud]: ''Das Ich und das Es'', 1923</span></ref><p>Auch wenn die psychoanalytischen Methoden und auch die psychoanalytische Therapie weiterhin umstritten sind, wird in der Psychologie doch allgemein anerkannt, dass zum umfassenden Verständnis geistiger Strukturen eine Analyse unbewusster und sozialer Prozesse notwendig ist. Es wird zudem akzeptiert, dass eine solche Analyse nicht allein mit kognitions- oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Biopsychologie biopsychologischen]Ansätzen durchgeführt werden kann. Will man etwa psychische Erkrankungen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Phobische_St%C3%B6rung Phobien] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Depression Depressionen] umfassend verstehen, so muss man den weiten lebensgeschichtlichen und sozialen Kontext einer Person betrachten.</p>
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| == <span id="Geist_in_den_Religionen">Geist in den Religionen</span> ==
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| === <span id="Judentum">Judentum</span> ===
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| <p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Tanach Tanach] entspricht am ehesten das hebräische Wort „rûah“ dem, was im Deutschen unter „Geist“ verstanden wird. Es bedeutet, wie das griechische „pneuma“ und das lateinische „spiritus“, zunächst „bewegte Luft“, „Wind“. Bei Mensch und Tier bezeichnet die rûah weiterhin den Atem, der den Geschöpfen Leben einhaucht. Als Lebensprinzip ist die rûah Gottes Eigentum; die Geschöpfe leben von ihr und sterben, wenn Gott sie entzieht. Im Menschen übt sie die verschiedensten Lebensfunktionen geistiger, willensmäßiger, sittlicher und religiöser Art aus und ist hier mit dem Begriff „[https://de.wikipedia.org/wiki/Nefesch Nefesch]“ („Seele“) fast synonym.</p><p>Gott als die Quelle der rûah ist selbst [https://de.wikipedia.org/wiki/Geistwesen Geistwesen]. So schwebte am ersten Tag der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pfung Schöpfung] der Geist Gottes über den Wassern ([https://de.wikipedia.org/wiki/Genesis_(Bibel) Gen] 1,2 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Gen1%2C2 EU]</small>) und im [https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_der_Weisheit Buch der Weisheit] heißt es „Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_der_Weisheit Weish] 1,7 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Weish1%2C7 EU]</small>). Gott teilt sich auserwählten Menschen mit, indem er den Geist über sie kommen lässt. Sie werden [https://de.wikipedia.org/wiki/Charisma charismatisch] begabt zu (kriegerischen) Heldentaten, prophetisch-ekstatischen Fähigkeiten und mit dem „Geist der Weisheit“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Exodus_(Bibel) Ex] 28,3 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Ex28%2C3 EU]</small>) erfüllt.</p><p>Der Tanach kennt auch den bösen Geist, der von [https://de.wikipedia.org/wiki/Jahwe Jahwe] als dem einzigen Gott ausgehen kann. Dies geschieht dann, wenn die Empfänger Unheil verdienen: „Als [https://de.wikipedia.org/wiki/Abimelech_(K%C3%B6nig_von_Sichem) Abimelech] drei Jahre lang über Israel geherrscht hatte, sandte Gott einen bösen Geist zwischen Abimelech und die Bürger von [https://de.wikipedia.org/wiki/Sichem Sichem], so dass die Bürger von Sichem von Abimelech abfielen“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_der_Richter Ri] 9,22–23 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Richter9%2C22%E2%80%9323 EU]</small>). Diese böse Geistesmacht, die Gott unterstellt ist, wird später in der christlichen Theologie die Gestalt des [https://de.wikipedia.org/wiki/Teufel Satans] als eine selbständige Funktion, in sich böse Figur und sogar mit eigener Personifikation als Gegenpart zu Gott bekommen.</p>
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| === <span id="Christentum">Christentum</span> ===
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| ==== <span id="Neues_Testament">Neues Testament</span> ====
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| <p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Testament Neuen Testament] wird „Geist“ mit dem griechischen Wort „pneuma“ bezeichnet. Gemeint ist meist der Geist Gottes, der als „Heiliger Geist“ scharf vom Geist des Menschen unterschieden wird. Dieser Geist Gottes wird noch nicht so deutlich wie später in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Trinit%C3%A4t Trinitätslehre] als personal angesehen, sondern als Medium des göttlichen Handelns. Für die personale Auslegung sprechen jedoch Stellen wie die in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Apostelgeschichte Apostelgeschichte] 5,1–11 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Apg5%2C1%E2%80%9311 EU]</small>, in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hananias_und_Saphira Hananias und Saphira]bestraft werden, weil sie den Heiligen Geist belügen.</p>
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| ===== <span id="Pneuma_und_Jesus">Pneuma und Jesus</span> =====
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| <p>Der Begriff des Pneuma spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazaret Jesu]. Bereits seine Empfängnis geschieht unter Einwirkung des Heiligen Geistes ([https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Matth%C3%A4us Mt] 1,18–20 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Mt1%2C18%E2%80%9320 EU]</small>). Vom Pneuma wird er in die Wüste getrieben, um dort den Versuchungen zu widerstehen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Markus Mk] 1,12 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Mk1%2C12 EU]</small>). Als Geistträger übernimmt er sein öffentliches Amt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Lukas Lk] 4,14 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Lk4%2C14 EU]</small>); auf ihm ruht nun das Pneuma des Herrn ([https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Matth%C3%A4us Mt] 12,18 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Mt12%2C18 EU]</small>). Mit seiner Hilfe ist Jesus in der Lage, die Herrschaft des Satans zu brechen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Matth%C3%A4us Mt] 12,28 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Mt12%2C28 EU]</small>). Dies bedeutet allerdings nicht, dass Jesus dämonische Kräfte unterstellt werden dürften ([https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_nach_Markus Mk] 3,29f. <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Mk3%2C29f. EU]</small>). Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Auferstehung_Jesu Auferstehung Jesu] von den Toten bedeutet einen Übergang in die Seinsweise des Pneuma ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer Röm]1,4 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/R%C3%B6m1%2C4 EU]</small>), womit Jesus als Herr (Kyrios) identifiziert wird ([https://de.wikipedia.org/wiki/1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther 1 Kor] 3,17 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/1.Korinther3%2C17 EU]</small>).</p>
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| ===== <span id="Das_Pneuma_in_der_christlichen_Gemeinde_bei_Paulus">Das Pneuma in der christlichen Gemeinde bei Paulus</span> =====
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| <p>Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Paulus_von_Tarsus Paulus] ist fast jede Lebensäußerung der Kirche Wirkung des Pneuma. Schon bei der Konstituierung der christlichen Gemeinde ist das Pneuma am Werk ([https://de.wikipedia.org/wiki/1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther 1 Kor] 12,13 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/1.Korinther12%2C13 EU]</small>). Das Pneuma ist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnade_(Theologie) Gnadengabe] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Charisma Charisma]), die bei den Gläubigen unterschiedlich verteilt ist ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer Röm] 12,6ff. <small>[https://www.bibleserver.com/EU/R%C3%B6m12%2C6ff. EU]</small>). Paulus stellt eine Rangfolge der Charismen auf und verlangt ihre Indienstnahme in den Aufbau der Gemeinde ([https://de.wikipedia.org/wiki/1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther 1 Kor] 3,12ff. <small>[https://www.bibleserver.com/EU/1.Korinther3%2C12ff. EU]</small>).</p><p>Paulus unterscheidet auch ein falsches Pneuma, das die Gemeinde „aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen“ kann ([https://de.wikipedia.org/wiki/2._Brief_des_Paulus_an_die_Thessalonicher 2 Thess] 2,2 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/2.Thessalonicher2%2C2 EU]</small>). Es ist daher „die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/1._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther 1 Kor] 12,10 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/1.Korinther12%2C10 EU]</small>).</p><p>All das geistige Sein der Gläubigen vollzieht sich im Pneuma. Es wird im [https://de.wikipedia.org/wiki/Glaube_(Religion) Glauben] als [https://de.wikipedia.org/wiki/Eschatologie eschatologische] Segensgabe empfangen und mit ihr das „Leben“. Das Pneuma heiligt die Glaubenden; selbst ihr Leib ist ein „Tempel“ des Pneuma. Es bedeutet Freiheit von der Herrschaft der Sünde, des Todes ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer Röm] 8,2 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/R%C3%B6m8%2C2 EU]</small>) und des Gesetzes ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_Galater Gal] 5,18 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Gal5%2C18 EU]</small>). Der Gläubige darf aber diese im Pneuma gewährte Freiheit nicht zum „Anlass für das Fleisch“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_Galater Gal] 5,13 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Gal5%2C13 EU]</small>) nehmen, sondern soll sich in seiner sittlichen Existenz von Pneuma leiten lassen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_Galater Gal] 5,16f. <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Gal5%2C16f. EU]</small>). Das Pneuma wird zwar als Fundament des Heils bezeichnet, aber nicht als dessen Erfüllung. Paulus bezeichnet es als „Erstlingsgabe“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer Röm] 8,23 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/R%C3%B6m8%2C23 EU]</small>) oder „Angeld“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/2._Brief_des_Paulus_an_die_Korinther 2 Kor] 1,22 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/2.Korinther1%2C22 EU]</small>) des Gesamtheils. Die Gläubigen erwarten kraft des Pneumas „die erhoffte Gerechtigkeit“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_Galater Gal] 5,5 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/Gal5%2C5 EU]</small>) und v. a. die [https://de.wikipedia.org/wiki/Auferstehung Auferweckung des Leibes] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Brief_des_Paulus_an_die_R%C3%B6mer Röm] 8,11 <small>[https://www.bibleserver.com/EU/R%C3%B6m8%2C11 EU]</small>).</p><p>Die Unterscheidung zwischen dem Reich des ''Geistes'' (und der Liebe) und dem Reich des ''Fleisches'' (und der [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCnde Sünde]) war für Paulus zentral. Diese Theologie hat nach Einschätzung von Kritikern dualistische Vorstellungen begünstigt.</p><p>Das paulinische Gedankengut wurde später durch Thomas von Aquin in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Summa_Theologica Summa Theologica] weitergeführt, und bis heute wird der Begriff ''anima forma corporis'' verwendet.</p>
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| === <span id="Islam">Islam</span> ===
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| <p>Im Bereich des Islam bildet der arabische Begriff ''rūh'' (<bdo dir="ltr"><bdi class="arabic spanAr" dir="rtl" lang="ar">روح</bdi></bdo> / ''rūḥ'') in etwa das Gegenstück zum deutschen Begriff des Geistes. ''Rūh'' ist etymologisch mit dem Wort ''rīh'' verwandt, das die Grundbedeutung von „Wind“ hat. Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Koran Koran] heißt es, dass Gott [https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_im_Islam Adam] von seinem Geist einblies und ihn auf diese Weise lebendig machte ([https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_15 Sure 15]:29; [https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_32 Sure 32]:9; [https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_38 Sure 38]:72). Durch Einblasen seines Geistes kommt es auch dazu, dass Maria [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_im_Islam Jesus] empfängt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Sprache arabisch] <bdo dir="ltr"><bdi class="arabic spanAr" dir="rtl" lang="ar">روحنا</bdi></bdo>, [https://de.wikipedia.org/wiki/DIN_31635 DMG] ''rūḥunā'' ‚Unseren Geist‘ [https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_21 Sure 21]:91; [https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_66 Sure 66]:12). Der Geist Gottes zeigt sich dabei Maria in einer menschlichen Gestalt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Sprache arabisch] <bdo dir="ltr"><bdi class="arabic spanAr" dir="rtl" lang="ar">فارسلنا اليها روحنا فتمثل لها بشرا سويا</bdi></bdo>, [https://de.wikipedia.org/wiki/DIN_31635 DMG] ''fa-arsalnā ilaihā rūḥanā fa-tamaṯṯala lahā bašaran sawiyyan'' ‚Und wir sandten unseren Geist zu ihr. Der stellte sich ihr als ein wohlgestalteter (w. ebenmäßiger) Mensch dar.‘, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_19 Sure 19]:17).<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Paret Rudi Paret]: <cite>Der Koran</cite>. Übersetzung. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1985, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170089943 ISBN 3-17-008994-3], S. 213.</span></ref> Durch den Geist der Heiligkeit erfährt Jesus später besondere Stärkung (Sure 2:87, 253; 5:110). Auch Jesus selbst wird als ein Geist von Gott bezeichnet ([https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Sprache arabisch] <bdo dir="ltr"><bdi class="arabic spanAr" dir="rtl" lang="ar">روح منه</bdi></bdo>, [https://de.wikipedia.org/wiki/DIN_31635 DMG] ''rūḥun minhu'' ‚Geist von Ihm‘, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_4 Sure 4]:171).</p><p>Der Geist erscheint darüber hinaus als Vermittler der Offenbarung. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_40 Sure 40]:15 heißt es, dass Gott den Geist mit dem von ihm gegebenen Befehl zu dem Menschen schickt, von dem er das will, damit er die Menschen vor dem Tag der Begegnung warne. Der Geist der Heiligkeit ist es, der den Koran herabsendet, um damit die Gläubigen zu stärken ([https://de.wikipedia.org/wiki/Sure_16 Sure 16]:102). Der „treue Geist“ überbringt Mohammed den Koran (26:193-194).</p><p>Theologische Reflexionen über den Geist setzten im Islam Ende des 8. Jahrhunderts ein. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Basra basrische] Asket Bakr, auf den die Lehrrichtung der Bakrīya zurückgeführt wird, behauptete, dass der Mensch und ebenso alle übrigen Lebewesen identisch mit dem Geist seien.<ref><span class="reference-text">Vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_van_Ess Josef van Ess]: ''Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam.'' Band V. Berlin-New York 1993. S. 111.</span></ref> Der Bagdader [https://de.wikipedia.org/wiki/Mu%CA%BFtazila Muʿtazilit] [https://de.wikipedia.org/wiki/Bischr_ibn_al-Mu%CA%BFtamir Bischr ibn al-Muʿtamir] (st. 825) sah hingegen in dem Menschen eine Verbindung aus Leib (''badan'') und Geist (''rūḥ'').<ref><span class="reference-text">Vgl. dazu Josef van Ess: ''Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra. Eine Geschichte des religiösen Denkens im frühen Islam.'' Band III. Berlin-New York 1992. S. 115.</span></ref> Tragende Bedeutung erhielt der Geist in dem Lehrsystem des basrischen Muʿtaziliten [https://de.wikipedia.org/wiki/An-Nazz%C4%81m an-Nazzām] (st. 835-845). Er stellte sich den Geist in Anknüpfung an das platonische Pneuma-Konzept als einen feinstofflichen Körper vor, der sich wie ein Gas mit dem Leib vermischt und ihn bis in die Fingerspitzen durchdringt, sich beim Tode aber wieder aus dieser Verbindung löst und selbständig weiterexistiert.<ref><span class="reference-text">Vgl. van Ess III 369f.</span></ref></p>
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| === <span id="Buddhismus">Buddhismus</span> ===
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| <p>Mit dem Begriff des Geistes (''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chitta&action=edit&redlink=1 citta]'') wird im [https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus Buddhismus] etwas bezeichnet, was zur Körperlichkeit hinzutritt. Der Ausdruck wird in der buddhistischen Anthropologie synonym gebraucht zu Begriffen wie Denken (''manas'') und Bewusstsein (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Vijnana vijñana]''). „Geist“ wird unter zweierlei Aspekten betrachtet. Zum einen ist er eine Erscheinungsweise der menschlichen Existenz (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Samsara samsara]'') und bedarf als solcher der Erlösung (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Nirwana nirvana]''); andererseits bezeichnet er genau das Instrument mittels dessen die Erlösung erst möglich wird.</p><p>Der Geist geht nach buddhistischer Lehre allem Reden und Handeln voraus. Oberste Aufgabe ist es daher, ihn durch die Übung der „Achtsamkeit“ (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Achtsamkeit_(mindfulness) sati]'') – dem siebten Glied des [https://de.wikipedia.org/wiki/Achtfacher_Pfad achtfachen Pfades] – unter Kontrolle zu bringen. Weiterhin ist die Ausrichtung des Geistes, seine Konzentration auf einen Punkt (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Samadhi samādhi]'') von Bedeutung.</p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Mahayana mahayanischen] Tradition – vor allem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Yogachara Yogachara]-Schule – des Buddhismus bildet sich ein radikaler Idealismus heraus, der das Wesen der Welt nur als Geist interpretiert, wohingegen die Vielheit der Erscheinungen als Trug und Illusion (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Maya_(Mythologie) māyā]'') angesehen wird. Der Begriff des Geistes rückt hier in die Nähe des ''nirwana'', das als Absolutes, nicht genau zu beschreibendes Prinzip alles Seienden hinter dem Schleier der individualisierenden ''māyā'' liegt.</p>
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| === <span id="Mystik">Mystik</span> ===
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| <p>In religiösen [https://de.wikipedia.org/wiki/Mystik mystischen Schriften] und einigen philosophischen Traditionen wird der Begriff Geist meist in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Zum einen als der „menschliche Geist“, was in etwa der heutigen Verwendung von „[https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstsein]“ oder „[https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand Verstand]“ entspricht und zusätzlich noch „Seele“ umfasst. Zum anderen als „göttlicher Geist“ oder „absoluter Geist“, der je nach Tradition auch personalisiert als [https://de.wikipedia.org/wiki/Gott Gott] oder Gottheit angeredet wird.<ref><span class="reference-text">So etwa bei Augustinus, „''De vera religione''“ 39.</span></ref> Die praktische Überwindung dieser Trennung ist für viele Mystiker dabei die wesentliche Aufgabe.<ref><span class="reference-text">So anscheinend bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart Meister Eckhart], ''Von der Stadt der Seele''</span></ref> Die Frage nach der Beziehung zwischen Geist und Körper tritt demgegenüber bei Mystikern häufig in den Hintergrund.</p><p>Die in den mittelalterlichen Klöstern praktizierten „geistlichen Übungen“ werden in ''oratio'' (liturgisches Gebet), ''lectio'' (Lesung aus den Schriften), ''meditatio'' (gegenständliche Betrachtung, [https://de.wikipedia.org/wiki/Meditation Meditation]) und ''contemplatio'' (gegenstandfreie Anschauung, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontemplation Kontemplation]) unterteilt. Der Verstand und das Denken sollen so zur Ruhe kommen, um den „einen Urgrund“, also den göttlichen Geist, freizulegen. In diesem Sinn besteht für den Mystiker kein Unterschied zwischen menschlichem und göttlichem Geist.<ref><span class="reference-text">In diese Tradition lassen sich auch Texte einreihen wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Angelus_Silesius Angelus Silesius], ''Erstes Buch'' 6. Kap.</span></ref> Auch der Körper des Menschen ist in diesem Verständnis ein Ausdruck des Göttlichen und diesem nicht entgegengesetzt. In der Mystik der frühen Neuzeit wird der eigene Körper des Mystikers oft in besonderer, teils extremer Weise thematisiert.<ref><span class="reference-text">M. de Certeau: Art. Mystique in: ''Encyclopédie Universalis; ders: Le corps folié: mystique et folie aux XVIe et XVIIe siècles'', in ''La Folie dans la psychanalyse'', Payot, 1977, 189–203 hat dies zu analysieren und erklären versucht.</span></ref></p>
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| == <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
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| <div class="noprint">'''[https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Geist_und_Gehirn Portal: Geist und Gehirn]''' – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geist und Gehirn</div> | | <div class="noprint">'''[https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Geist_und_Gehirn Portal: Geist und Gehirn]''' – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geist und Gehirn</div> |
| *[https://de.wikipedia.org/wiki/Atemseele Atemseele] | | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Atemseele Atemseele] |
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| *[https://de.wikipedia.org/wiki/Rigpa Rigpa] – ein Begriff in der Tradition des tibetischen Buddhismus | | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Rigpa Rigpa] – ein Begriff in der Tradition des tibetischen Buddhismus |
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| == <span id="Literatur">Literatur</span> == | | === <span id="Literatur">[[—Ltrtr]]</span> === |
| === <span id="Philosophie">Philosophie</span> === | | |
| | ==== <span id="Philosophie">Philosophie</span> ==== |
| <p>'''[https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Philosophie/Philosophiebibliographie#Philosophie_des_Geistes Philosophiebibliographie: Philosophie des Geistes]''' – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema</p> | | <p>'''[https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Philosophie/Philosophiebibliographie#Philosophie_des_Geistes Philosophiebibliographie: Philosophie des Geistes]''' – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema</p> |
| *[https://de.wikipedia.org/wiki/Ansgar_Beckermann Ansgar Beckermann]: ''Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.'', De Gruyter, Berlin u. a., 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110170655 ISBN 3-11-017065-5]. <small>Ausführlichste deutschsprachige Einführung in die Philosophie des Geistes </small> | | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Ansgar_Beckermann Ansgar Beckermann]: ''Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes.'', De Gruyter, Berlin u. a., 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110170655 ISBN 3-11-017065-5]. <small>Ausführlichste deutschsprachige Einführung in die Philosophie des Geistes </small> |
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| *Dieter Teichert: <cite>Einführung in die Philosophie des Geistes</cite>. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3534154630 ISBN 3-534-15463-0]. | | *Dieter Teichert: <cite>Einführung in die Philosophie des Geistes</cite>. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3534154630 ISBN 3-534-15463-0]. |
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| *Werner Treß: ''„Wider den undeutschen Geist!“ [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung_1933_in_Deutschland Bücherverbrennung 1933].'' Parthas, Berlin 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3932529553 ISBN 3-932529-55-3] | | *Werner Treß: ''„Wider den undeutschen Geist!“ [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCcherverbrennung_1933_in_Deutschland Bücherverbrennung 1933].'' Parthas, Berlin 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3932529553 ISBN 3-932529-55-3] |
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| === <span id="Wissenschaft">Wissenschaft</span> === | | ==== <span id="Wissenschaft">Wissenschaft</span> ==== |
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| *[https://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Kandel Eric Kandel]: ''Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes'', Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3518584510 ISBN 3-518-58451-0] <small>Populärwissenschaftliches Buch des Nobelpreisträgers zu neurowissenschaftlichen und psychoanalytischen Themen </small> | | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Kandel Eric Kandel]: ''Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes'', Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3518584510 ISBN 3-518-58451-0] <small>Populärwissenschaftliches Buch des Nobelpreisträgers zu neurowissenschaftlichen und psychoanalytischen Themen </small> |
| *[https://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_Hinterhuber Hartmann Hinterhuber]: ''Die Seele. Natur- und Kulturgeschichte von Psyche, Geist und Bewusstsein'', Springer, Wien, 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3211836675 ISBN 3-211-83667-5] <small>Historischer Blick auf verschiedene Wissenschaftsdisziplinen </small> | | *[https://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_Hinterhuber Hartmann Hinterhuber]: ''Die Seele. Natur- und Kulturgeschichte von Psyche, Geist und Bewusstsein'', Springer, Wien, 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3211836675 ISBN 3-211-83667-5] <small>Historischer Blick auf verschiedene Wissenschaftsdisziplinen </small> |
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| *Marielene Putscher: ''Pneuma, Spiritus, Geist. Vorstellungen vom Lebensantrieb in ihren geschichtlichen Wandlungen.'' Wiesbaden 1974. | | *Marielene Putscher: ''Pneuma, Spiritus, Geist. Vorstellungen vom Lebensantrieb in ihren geschichtlichen Wandlungen.'' Wiesbaden 1974. |
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| === <span id="Religion">Religion</span> === | | ==== <span id="Religion">Religion</span> ==== |
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| *Artikel ''Geist'' und ''Pneuma''. in: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikon_f%C3%BCr_Theologie_und_Kirche Lexikon für Theologie und Kirche]''. | | *Artikel ''Geist'' und ''Pneuma''. in: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikon_f%C3%BCr_Theologie_und_Kirche Lexikon für Theologie und Kirche]''. |
| *Artikel ''Geist''. in: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Religion_in_Geschichte_und_Gegenwart Religion in Geschichte und Gegenwart]''. | | *Artikel ''Geist''. in: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Religion_in_Geschichte_und_Gegenwart Religion in Geschichte und Gegenwart]''. |
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| *Thomas O'Shaughnessy: ''The development of the meaning of spirit in the Koran''. Rom : Pont. Inst. Orientalium Studiorum, 1953. | | *Thomas O'Shaughnessy: ''The development of the meaning of spirit in the Koran''. Rom : Pont. Inst. Orientalium Studiorum, 1953. |
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| == <span id="Weblinks">Weblinks</span> == | | === <span id="Weblinks">[[—Wblnks]]</span> === |
| <div class="sisterproject">'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Geist Wikiquote: Geist]''' – Zitate</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Geist Wiktionary: Geist]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/mental Wiktionary: mental]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div> | | <div class="sisterproject">'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Geist Wikiquote: Geist]''' – Zitate</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Geist Wiktionary: Geist]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/mental Wiktionary: mental]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div> |
| *[http://consc.net/guide.html Artikelliste] zur Philosophie des Geistes aus der Stanford Encyclopedia of Philosophy | | *[http://consc.net/guide.html Artikelliste] zur Philosophie des Geistes aus der Stanford Encyclopedia of Philosophy |
| *[https://www.sciencedaily.com/news/mind_brain/ Portal zur gegenwärtigen Forschung zu Geist und Gehirn] von sciencedaily | | *[https://www.sciencedaily.com/news/mind_brain/ Portal zur gegenwärtigen Forschung zu Geist und Gehirn] von sciencedaily |
| *[http://consc.net/mindpapers/ Mindpapers] Bibliographie von [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Chalmers David Chalmers] zu Themen der Philosophie des Geistes, der Kognitionswissenschaften und der Bewusstseinstheorie mit mehr als 18.000 Titeln | | *[http://consc.net/mindpapers/ Mindpapers] Bibliographie von [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Chalmers David Chalmers] zu Themen der Philosophie des Geistes, der Kognitionswissenschaften und der Bewusstseinstheorie mit mehr als 18.000 Titeln |
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