„Urteil“ – Versionsunterschied
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* ‘richterliche [[Entscheidung]], [[Meinung]], [[Ansicht]], [[Einschätzung]]’. | * ‘richterliche [[Entscheidung]], [[Meinung]], [[Ansicht]], [[Einschätzung]]’. | ||
* Die unterschiedlich gebildeten Substantive | * Die unterschiedlich gebildeten Substantive | ||
** ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), | ** ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), | ||
** mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, | ** mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, | ||
** asächs. urdēli n., | ** asächs. urdēli n., | ||
** mnd. ōrdēl n., | ** mnd. ōrdēl n., | ||
** mnl. o(o)rdeel, | ** mnl. o(o)rdeel, | ||
** nl. oordeel n., | ** nl. oordeel n., | ||
** aengl. ordāl m. n., | ** aengl. ordāl m. n., | ||
** engl. ordeal (‘Gottesurteil’) | ** engl. ordeal (‘Gottesurteil’) | ||
* stehen als Abstrakta zu dem unter ''[[erteilen]]'' (s. Teil) behandelten Verb | * stehen als Abstrakta zu dem unter ''[[erteilen]]'' (s. Teil) behandelten Verb | ||
** (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. [[ur-]] und [[er-]]). | ** (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. [[ur-]] und [[er-]]). | ||
* Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘[[Zuteilung]] (des Rechts)’ gebraucht; | * Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘[[Zuteilung]] (des Rechts)’ gebraucht; | ||
** {{Anm. KF}} [[a.s.]] ''[[Erteilung]]'' | ** {{Anm. KF}} [[a.s.]] ''[[Erteilung]]'' | ||
** die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. | ** die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. | ||
* Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. | * Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. | ||
* – vgl. ''[[urteilen]], [[erteilen]]'' | * – vgl. ''[[urteilen]], [[erteilen]]'' | ||
* [[Urteil (Recht)]] | * [[Urteil (Recht)]] | ||
* [[Urteilen (Psychologie)]] | * [[Urteilen (Psychologie)]] | ||
= <span class="mw-page-title-main">Urteilen (Psychologie)</span> = | |||
<div id="bodyContent" class="vector-body"><div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de"><p>'''Urteilen''' wird in diesem Artikel – im Gegensatz zum Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik) Urteil (Logik)] – aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionspsychologie kognitionspsychologischer] Perspektive betrachtet. Urteilen ist aus dieser Perspektive ein alltäglicher Prozess des [https://de.wikipedia.org/wiki/Denken Denkens]. Der Urteilende ordnet einem Urteilsobjekt (Person, Situation, Objekt, abstrakte Konstrukte usw.) einen Wert (gut, bedenklich, immer …) auf einer Urteilsdimension zu. Das daraus resultierende und explizit zum Ausdruck gebrachte Ergebnis ist das Urteil.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteilen_(Psychologie)#cite_note-1 [1]]</sup> Urteilen ist also das Bewerten eines Urteilsobjekts. Urteilen kann aber auch die subjektive Erwartung zum Ausdruck bringen, z. B. ob ein Ereignis eintreten wird oder nicht. Diese Art von Urteil nennt man Wahrscheinlichkeitsurteil.</p><p>Das Urteilen ermöglicht dem Menschen, sein Handeln effektiv an Erfordernisse der [https://de.wikipedia.org/wiki/Umwelt Umwelt] anzupassen und Ziele zu erreichen. Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung Entscheiden] (d. h. aus mindestens zwei Alternativen eine zu wählen) und das Abwägen kann schwierig sein oder erscheinen (siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung_unter_Unsicherheit Entscheidung unter Unsicherheit]).</p> | |||
== <span id="Urteilsdimensionen">Urteilsdimensionen</span> == | |||
<p>Eine Urteilsdimension kann man sich wie eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Skala_(Bewertung) Skala] vorstellen, die, je nach Urteilsobjekt und Urteilsform (Bewertung oder Erwartung), mit entsprechenden Endpunkten versehen werden kann:</p> | |||
*Bewertungsdimension: gut – schlecht; zielbehindernd – zielfördernd; schwerwiegend – unbedenklich … | |||
*Wahrscheinlichkeitsdimension: sicher – unsicher; immer – nie … | |||
<p>Urteilsdimensionen können vielfältiger Art sein.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteilen_(Psychologie)#cite_note-2 [2]]</sup> So lässt sich z. B. die Schätzung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Ereignisses auf einer sehr feinen Skala (0–100 %) angeben (z. B.: Regenwahrscheinlichkeit), wohingegen das Urteilen über beispielsweise den Wahrheitswert einer Aussage in einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Dichotomie dichotomen] Klassifizierung vorgenommen wird; diese Skala hat die Endpunkte „wahr“ und „falsch“.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteilen_(Psychologie)#cite_note-3 [3]]</sup></p> | |||
== <span id="Induktive_und_deduktive_Urteile">Induktive und deduktive Urteile</span> == | |||
=== <span id="Induktive_Urteile">Induktive Urteile</span> === | |||
<p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_(Philosophie) induktiven] Urteilen wird vom Einzelfall auf das Allgemeine geschlossen. So lässt sich beispielsweise beim Beobachten bestimmter Leistungen auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz Intelligenz] der Person schließen. Als weiteres Beispiel kann die Generalisierung und Kategorisierung angeführt werden. Hier führt beispielsweise die Beobachtung eines weißen Schwanes zu der Annahme, dass alle Schwäne weiß sind.</p> | |||
=== <span id="Deduktive_Urteile">Deduktive Urteile</span> === | |||
<p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Deduktion deduktiven] Urteilen wird vom Allgemeinen auf das Besondere bzw. den Einzelfall geschlossen. Die Deduktion wird deshalb auch als logisches Schließen bezeichnet, weil es möglich ist, aus mindestens zwei Aussagen eine neue Aussage abzuleiten. Beispiel: Hermann lebt im Wasser<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteilen_(Psychologie)#cite_note-4 [4]]</sup></p> | |||
*Aussage: „Alle Fische leben im Wasser.“ | |||
*Aussage: „Mein Goldfisch Hermann ist ein Fisch.“ | |||
*logische Schlussfolgerung: „Auch Hermann lebt im Wasser.“ | |||
== <span id="Urteile_nach_Inhaltsbereichen">Urteile nach Inhaltsbereichen</span> == | |||
<p>Urteile können nach Inhaltsbereichen voneinander abgegrenzt werden.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteilen_(Psychologie)#cite_note-5 [5]]</sup></p> | |||
=== <span id="Evaluative_Urteile">Evaluative Urteile</span> === | |||
<p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Evaluation evaluativen] Urteilen wird das Urteilsobjekt auf einer evaluativen Dimension bewertet, beispielsweise "gut – schlecht", "positiv – negativ" o. ä. Evaluative Urteile ermöglichen uns, Dinge, die wir mögen, von denen zu unterscheiden, die wir nicht mögen. Evaluative Urteile werden in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialpsychologie Sozialpsychologie] v. a. unter der Bezeichnung [https://de.wikipedia.org/wiki/Einstellung_(Psychologie) Einstellung] untersucht.</p> | |||
=== <span id="Prädiktive_Urteile">Prädiktive Urteile</span> === | |||
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Prognose Prädiktive] Urteile beziehen sich auf die Vorhersage von zukünftigen Ereignissen. In der Regel geht es um die Einschätzung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrscheinlichkeit Wahrscheinlichkeit], mit der bestimmte Ereignisse eintreten. Prädiktive Urteile werden v. a. in der Entscheidungsforschung untersucht, da erst die Kombination des Wertes einer Option, dass dieser Wert erzielt wird, den entscheidungsrelevanten Nutzen einer Option ergibt (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Erwartung-mal-Wert-Modell Erwartung-mal-Wert-Modelle]). Beispiel: Der Gewinn von 1 Mio. Euro wird als nicht sehr hoch bewertet, wenn die Gewinnwahrscheinlichkeit bei nur 0,00001 % liegt.</p> | |||
=== <span id="Häufigkeitsurteile">Häufigkeitsurteile</span> === | |||
<p>Von großer Bedeutung für die Schätzung von Wahrscheinlichkeiten sind Urteile über die [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4ufigkeit Häufigkeit], mit der Ereignisse in der Vergangenheit eingetreten sind. Häufigkeitsurteile werden v. a. in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionspsychologie Gedächtnispsychologie] untersucht.</p> | |||
=== <span id="Wahrheitsurteile">Wahrheitsurteile</span> === | |||
<p>Ein großer Teil der [https://de.wikipedia.org/wiki/Denkpsychologie Denkpsychologie] beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen zu Urteilen über die Richtigkeit oder Falschheit von logischen Schlüssen gelangen. Typische Beispiele sind dafür beispielsweise klassische [https://de.wikipedia.org/wiki/Syllogismus Syllogismen], worunter einfache Schlussfiguren verstanden werden, die aus zwei Prämissen und einer Schlussfolgerung bestehen. Beispiel:</p> | |||
*„Die Tour de France lässt sich nur mit Doping gewinnen.“ | |||
*„Der Radfahrer X hat gedopt.“ | |||
*die logisch zulässige Schlussfolgerung könnte sein: „Der Radfahrer X hat die Tour de France gewonnen.“ | |||
=== <span id="Soziale_Urteile">Soziale Urteile</span> === | |||
<p>Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozial sozialen] Urteilen handelt es sich um Urteile über Personen oder aber über sich selbst. Die soziale Urteilsbildung zeichnet sich durch viele Eigenheiten aus, darunter:</p> | |||
*dass sich viele der im Sozialen beurteilten Eigenschaften nicht wirklich messen lassen, | |||
*sie in der Regel aus einer Vielzahl von Hinweisreizen erschlossen werden müssen und | |||
*dass der Urteilende und das Urteilsobjekt miteinander interagieren können. | |||
<p>Um beispielsweise die Vertrauenswürdigkeit einer Person einschätzen zu können, müssen wir sie in Situationen beobachten, in denen dieses Attribut einen Einfluss auf ihr Verhalten nehmen könnte. Aus ihrem Verhalten können wir unter Umständen die Vertrauenswürdigkeit einer Person erschließen.</p> | |||
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> == | |||
#<span class="reference-text">Betsch, Tilmann, Joachim Funke, Henning Plessner: <cite>Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor</cite>. Berlin 2011, S. 2.</span> | |||
#<span class="reference-text">Betsch, Tilmann; Joachim Funke, Henning Plessner: <cite>Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor</cite>. Berlin 2011, S. 12.</span> | |||
#<span class="reference-text">Betsch, Tilmann, Joachim Funke, Henning Plessner: <cite>Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor</cite>. Berlin 2011.</span> | |||
#<span class="reference-text"><span class="cite">[https://blog.neuronation.com/de/was-bedeutet-deduktives-und-induktives-denken/ ''Was bedeutet deduktives und induktives Denken?'']<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 13. Dezember 2016</span>.</span></span> | |||
#<span class="reference-text">Betsch, Tilmann, Joachim Funke, Henning Plessner: <cite>Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor</cite>. Berlin 2011, S. 14–15.</span> | |||
= <span class="mw-page-title-main">Urteil (Logik)</span> = | |||
<p>'''Urteil''' ist in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] die Form einer Feststellung, die in der sprachlichen Form eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik) Satzes] ausgedrückt wird. Dabei wird das Urteil mit dem Vorgang der Bildung der Feststellung, ihrem [https://de.wikipedia.org/wiki/Proposition_(Linguistik) propositionalen Gehalt]oder der Bewertung dieses Gehalts identifiziert (''ein Urteil bilden'' vs ''ein Urteil treffen'' vs ''ein Urteil fällen''). Das Urteil wird als ein Grundbegriff der Logik nicht in jeder Theorie der Logik ausdrücklich definiert.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-1 [1]]</sup></p><p>Unterschiedliche Standpunkte bestehen hinsichtlich der Frage, ob und inwiefern eine psychologische Betrachtung des Denkprozesses (etwa in [https://de.wikipedia.org/wiki/Assoziationspsychologie Assoziationspsychologie]) für die Urteilstheorie eine Rolle spielen bzw. daneben überhaupt eine selbstständige Urteilstheorie möglich ist ([https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologismus Psychologismus]). Schließlich beeinflussen [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie erkenntnistheoretische] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie ontologische] Annahmen (wie schon bei Aristoteles deutlich wird) mitunter sehr stark die Ausgestaltung einer jeden Logik-Konzeption.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-2 [2]]</sup></p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Begriffslogik traditionellen Logik] ist „Urteil“ ein Grundbegriff, der eine bestimmte Sicht der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussage_(Logik) logischen Aussage] bezeichnet. Jede logische Aussage – jedes ''Urteil'' – spricht einem logischen Subjekt eine allgemeinere Bestimmung – ein logisches [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikat_(Logik) Prädikat] – zu.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-3 [3]]</sup> Spätestens die [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Logik klassische Logik] geht jedoch davon aus, dass es neben der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation Prädikation] auch komplexere Urteilsformen geben muss, und dass nicht jede gebildete Prädikation einen Wahrheitswert hat, sondern erst der vollständige Satz.</p> | |||
<span class="reference-text"></span><div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de"> | |||
== <span id="Bedeutungen_außerhalb_der_klassischen_Logik">Bedeutungen außerhalb der klassischen Logik</span> == | |||
<p>In der philosophischen Logik ist anstelle des aufs logisch Formale reduzierten Begriffs „Aussage“ der Begriff „Urteil“ gebräuchlich. Entsprechend finden sich bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] bis [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] Einteilungen der Urteile gemäß [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie) Kategorien] in einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Analytik Urteilstafel].<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-4 [4]]</sup> Kant unterscheidet insbesondere zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Analytisches_Urteil analytischen] und synthetischen Urteilen, die sich ([https://de.wikipedia.org/wiki/A_posteriori a posteriori]) auf die Erfahrung beziehen oder vor aller Erfahrung ([https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori]) gemacht werden.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Romantik Romantik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Idealismus Deutscher Idealismus] lehnen eine analytische Zerlegung in Einzelteile als vorrangige Methode ab und geben dem zusammenhängenden, einheitlichen Ganzen von Wissen, Gefühl und Glauben absoluten Vorrang. [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_H%C3%B6lderlin Friedrich Hölderlin] schreibt in ''Urteil und Sein'', dass die Teile durch das Urteil ihre wesentliche Bestimmung erhalten, wehrt sich aber gegen die Auslegung, dass die Teile wie Werkstücke gesondert voneinander betrachtet werden könnten. [https://de.wikipedia.org/wiki/Novalis Novalis] vermerkt in seinem ''Allgemeinen Brouillon'': „Man will nicht bloß den Satz oder das Urteil, sondern auch die Acten dazu.“<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>Für die Urteilstheorie des [https://de.wikipedia.org/wiki/Neukantianismus Neukantianismus] ist jedes Urteil bejahend oder verneinend und impliziert demzufolge eine Stellungnahme zu dem Wert [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit Wahrheit], weshalb man selbst in der Erkenntnissphäre von Wertungen sprechen könnte.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-6 [6]]</sup></p><p>'''Urteil''' im Sinne der [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] kann Unterschiedliches bedeuten:</p> | |||
#einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Assertorische_Aussage Behauptungssatz]<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-7 [7]]</sup> bzw. eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussage Aussage]<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-8 [8]]</sup>; | |||
#den „Schlusszusammenhang eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Syllogismus Syllogismus]“<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-9 [9]]</sup> bzw. das „Glied eines Syllogismus“<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-10 [10]]</sup>; | |||
#eine Begriffsverbindung oder -trennung<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-11 [11]]</sup> bzw. ein Erkenntnisakt im Sinne [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Kants]<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-12 [12]]</sup> | |||
<p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl Husserl]<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-13 [13]]</sup> kann das Wort „Urteil“ bedeuten:</p> | |||
#das Fürwahrhalten; | |||
#eine ideale Bedeutungseinheit. | |||
== <span id="Psychologische,_sprachliche_und_ontologische_Auffassung">Psychologische, sprachliche und ontologische Auffassung</span> == | |||
{| class="wikitable float-right" | |||
|- | |||
| | |||
{| class="wikitable center" | |||
|- | |||
! width="200" | psychologisch | |||
! width="200" | sprachlich | |||
! width="200" | ontologisch | |||
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| Urteil (als psychischer Akt) | |||
| Aussagesatz (Satz) | |||
| | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gedanke Gedanke] (Frege); | |||
*Sachverhalt (Husserl, früher Wittgenstein); | |||
*Proposition (angelsächs. Philosophie); | |||
*Aussage (angelsächs. Philosophie) | |||
|} | |||
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! Tabelle nach Tugendhat | |||
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<p>Unterscheidet man mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Tugendhat Ernst Tugendhat] grob eine psychologische, sprachliche und ontologische Grundauffassung von Logik<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik)#cite_note-14 [14]]</sup>, so hat das Wort drei ganz unterschiedliche Grundbedeutungen (die allerdings in einem analogen Sinnzusammenhang stehen). Was man unter Urteil versteht, hängt daher von der jeweiligen Erkenntnis- und Begriffstheorie ab (vgl. die Tabelle).</p> | |||
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> == | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Urteilen_(Psychologie) Urteilen] aus Sicht der Psychologie. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Syllogistik Syllogistik] zur traditionellen Logik des Urteils | |||
== <span id="Literatur">Literatur</span> == | |||
*Joseph M. Bochenski, ''Die zeitgenössischen Denkmethoden'', 10. Aufl. 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825200060 ISBN 978-3825200060] | |||
*Lotz, ''Urteil'', in: Walter Brugger, ''Philosophisches Wörterbuch'', 1976 | |||
*Artikel ''Urteil'', in: Arnim Regenbogen, Uwe Meyer: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe'', 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783787313259 ISBN 9783787313259] | |||
*Ernst Tugendhat, Ursula Wolf, ''Logisch-semantische Propädeutik'', 1983, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783150082065 ISBN 9783150082065] | |||
*Thomas Zoglauer, ''Einführung in die formale Logik für Philosophen'', 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825219994 ISBN 9783825219994] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Zwenger Thomas Zwenger], ''Urteil'', in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), ''Handwörterbuch Philosophie'' (2003) | |||
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> == | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler]: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' (1904): [http://www.textlog.de/5310.html ''Urteil''] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_H%C3%B6lderlin Friedrich Hölderlin]: [http://www.zeno.org/Literatur/M/H%C3%B6lderlin,+Friedrich/Theoretische+Schriften/Urteil+und+Sein ''Urteil und Sein.''] (bei zeno.org) | |||
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> == | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler]: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' (1904), [http://www.textlog.de/5306.html ''Urteilstheorie.'']</span> | |||
#<span class="reference-text">siehe zu entsprechenden Beispielen die lexigrahische Übersicht in: Rudolf Eisler: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' (1904), [http://www.textlog.de/5310.html „Urteil“]</span> | |||
#<span class="reference-text">Alois Halder / Max Müller: ''Philosophisches Wörterbuch'', Freiburg im Breisgau 1993, S. 328</span> | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Menne Albert Menne]: ''Die Kantische Urteilstafel im Lichte der Logikgeschichte und der modernen Logik.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitschrift_f%C3%BCr_allgemeine_Wissenschaftstheorie Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie], 20(2), 1989, S. 317–324</span> | |||
#<span class="reference-text">Novalis: ''Das Allgemeine Brouillon. Materialien zur Enzyklopädistik 1798/99.'' Mit einer Einleitung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Joachim_M%C3%A4hl Hans-Joachim Mähl]. Felix Meiner Verlag : Hamburg 1993. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3787310886 ISBN 3-7873-1088-6]. S. 61.</span> | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Schluchter Wolfgang Schluchter]: ''Die Entstehung des modernen Rationalismus. Eine Analyse von Max Webers Entwicklungsgeschichte des Okzidents''. 1. Aufl. Frankfurt am Main 1988. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3518289470 ISBN 3-518-28947-0]. S. 76f. / [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Rickert_(Philosoph) Heinrich Rickert]: ''Der Gegenstand der Erkenntnis''. Tübingen 2. Aufl. 1904 (zuerst 1892). S. 148ff. / [https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Lask Emil Lask]: ''Die Lehre vom Urteil''. In: Gesammelte Schriften, 2. Band, Tübingen 1923. S. 283 ff.</span> | |||
#<span class="reference-text">Zwenger, Urteil, in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), Handwörterbuch Philosophie (2003)</span> | |||
#<span class="reference-text">Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005), Urteil</span> | |||
#<span class="reference-text">Zwenger, Urteil, in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), Handwörterbuch Philosophie (2003)</span> | |||
#<span class="reference-text">Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005), Urteil</span> | |||
#<span class="reference-text">Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005), Urteil</span> | |||
#<span class="reference-text">Zwenger, Urteil, in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), Handwörterbuch Philosophie (2003)</span> | |||
#<span class="reference-text">Husserl, Logische Untersuchungen I, in: Meixner, (Hrsg.), Philosophie der Logik (2003), S. 83 (101)</span> | |||
#<span class="reference-text">Tugendhat/Wolf, Logisch-semantische Propädeutik (1983), S. 17</span> | |||
</div></div><div id="catlinks" class="catlinks" data-mw="interface"></div></div></div></div> | |||
Version vom 2. Mai 2024, 15:02 Uhr
ur-teil n. v. erteil, Vorlage:ahdt.-dt.
- ‘richterliche Entscheidung, Meinung, Ansicht, Einschätzung’.
- Die unterschiedlich gebildeten Substantive
- ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800),
- mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’,
- asächs. urdēli n.,
- mnd. ōrdēl n.,
- mnl. o(o)rdeel,
- nl. oordeel n.,
- aengl. ordāl m. n.,
- engl. ordeal (‘Gottesurteil’)
- stehen als Abstrakta zu dem unter erteilen (s. Teil) behandelten Verb
- Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘Zuteilung (des Rechts)’ gebraucht;
- Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch.
- – vgl. urteilen, erteilen
- Urteil (Recht)
- Urteilen (Psychologie)
Urteilen (Psychologie)
Urteilen wird in diesem Artikel – im Gegensatz zum Artikel Urteil (Logik) – aus kognitionspsychologischer Perspektive betrachtet. Urteilen ist aus dieser Perspektive ein alltäglicher Prozess des Denkens. Der Urteilende ordnet einem Urteilsobjekt (Person, Situation, Objekt, abstrakte Konstrukte usw.) einen Wert (gut, bedenklich, immer …) auf einer Urteilsdimension zu. Das daraus resultierende und explizit zum Ausdruck gebrachte Ergebnis ist das Urteil.[1] Urteilen ist also das Bewerten eines Urteilsobjekts. Urteilen kann aber auch die subjektive Erwartung zum Ausdruck bringen, z. B. ob ein Ereignis eintreten wird oder nicht. Diese Art von Urteil nennt man Wahrscheinlichkeitsurteil.
Das Urteilen ermöglicht dem Menschen, sein Handeln effektiv an Erfordernisse der Umwelt anzupassen und Ziele zu erreichen. Das Entscheiden (d. h. aus mindestens zwei Alternativen eine zu wählen) und das Abwägen kann schwierig sein oder erscheinen (siehe auch Entscheidung unter Unsicherheit).
Urteilsdimensionen
Eine Urteilsdimension kann man sich wie eine Skala vorstellen, die, je nach Urteilsobjekt und Urteilsform (Bewertung oder Erwartung), mit entsprechenden Endpunkten versehen werden kann:
- Bewertungsdimension: gut – schlecht; zielbehindernd – zielfördernd; schwerwiegend – unbedenklich …
- Wahrscheinlichkeitsdimension: sicher – unsicher; immer – nie …
Urteilsdimensionen können vielfältiger Art sein.[2] So lässt sich z. B. die Schätzung der Auftretenswahrscheinlichkeit eines Ereignisses auf einer sehr feinen Skala (0–100 %) angeben (z. B.: Regenwahrscheinlichkeit), wohingegen das Urteilen über beispielsweise den Wahrheitswert einer Aussage in einer dichotomen Klassifizierung vorgenommen wird; diese Skala hat die Endpunkte „wahr“ und „falsch“.[3]
Induktive und deduktive Urteile
Induktive Urteile
Bei induktiven Urteilen wird vom Einzelfall auf das Allgemeine geschlossen. So lässt sich beispielsweise beim Beobachten bestimmter Leistungen auf die Intelligenz der Person schließen. Als weiteres Beispiel kann die Generalisierung und Kategorisierung angeführt werden. Hier führt beispielsweise die Beobachtung eines weißen Schwanes zu der Annahme, dass alle Schwäne weiß sind.
Deduktive Urteile
Bei deduktiven Urteilen wird vom Allgemeinen auf das Besondere bzw. den Einzelfall geschlossen. Die Deduktion wird deshalb auch als logisches Schließen bezeichnet, weil es möglich ist, aus mindestens zwei Aussagen eine neue Aussage abzuleiten. Beispiel: Hermann lebt im Wasser[4]
- Aussage: „Alle Fische leben im Wasser.“
- Aussage: „Mein Goldfisch Hermann ist ein Fisch.“
- logische Schlussfolgerung: „Auch Hermann lebt im Wasser.“
Urteile nach Inhaltsbereichen
Urteile können nach Inhaltsbereichen voneinander abgegrenzt werden.[5]
Evaluative Urteile
Bei evaluativen Urteilen wird das Urteilsobjekt auf einer evaluativen Dimension bewertet, beispielsweise "gut – schlecht", "positiv – negativ" o. ä. Evaluative Urteile ermöglichen uns, Dinge, die wir mögen, von denen zu unterscheiden, die wir nicht mögen. Evaluative Urteile werden in der Sozialpsychologie v. a. unter der Bezeichnung Einstellung untersucht.
Prädiktive Urteile
Prädiktive Urteile beziehen sich auf die Vorhersage von zukünftigen Ereignissen. In der Regel geht es um die Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, mit der bestimmte Ereignisse eintreten. Prädiktive Urteile werden v. a. in der Entscheidungsforschung untersucht, da erst die Kombination des Wertes einer Option, dass dieser Wert erzielt wird, den entscheidungsrelevanten Nutzen einer Option ergibt (siehe Erwartung-mal-Wert-Modelle). Beispiel: Der Gewinn von 1 Mio. Euro wird als nicht sehr hoch bewertet, wenn die Gewinnwahrscheinlichkeit bei nur 0,00001 % liegt.
Häufigkeitsurteile
Von großer Bedeutung für die Schätzung von Wahrscheinlichkeiten sind Urteile über die Häufigkeit, mit der Ereignisse in der Vergangenheit eingetreten sind. Häufigkeitsurteile werden v. a. in der Gedächtnispsychologie untersucht.
Wahrheitsurteile
Ein großer Teil der Denkpsychologie beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen zu Urteilen über die Richtigkeit oder Falschheit von logischen Schlüssen gelangen. Typische Beispiele sind dafür beispielsweise klassische Syllogismen, worunter einfache Schlussfiguren verstanden werden, die aus zwei Prämissen und einer Schlussfolgerung bestehen. Beispiel:
- „Die Tour de France lässt sich nur mit Doping gewinnen.“
- „Der Radfahrer X hat gedopt.“
- die logisch zulässige Schlussfolgerung könnte sein: „Der Radfahrer X hat die Tour de France gewonnen.“
Soziale Urteile
Bei sozialen Urteilen handelt es sich um Urteile über Personen oder aber über sich selbst. Die soziale Urteilsbildung zeichnet sich durch viele Eigenheiten aus, darunter:
- dass sich viele der im Sozialen beurteilten Eigenschaften nicht wirklich messen lassen,
- sie in der Regel aus einer Vielzahl von Hinweisreizen erschlossen werden müssen und
- dass der Urteilende und das Urteilsobjekt miteinander interagieren können.
Um beispielsweise die Vertrauenswürdigkeit einer Person einschätzen zu können, müssen wir sie in Situationen beobachten, in denen dieses Attribut einen Einfluss auf ihr Verhalten nehmen könnte. Aus ihrem Verhalten können wir unter Umständen die Vertrauenswürdigkeit einer Person erschließen.
Einzelnachweise
- Betsch, Tilmann, Joachim Funke, Henning Plessner: Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor. Berlin 2011, S. 2.
- Betsch, Tilmann; Joachim Funke, Henning Plessner: Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor. Berlin 2011, S. 12.
- Betsch, Tilmann, Joachim Funke, Henning Plessner: Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor. Berlin 2011.
- Was bedeutet deduktives und induktives Denken? Abgerufen am 13. Dezember 2016.
- Betsch, Tilmann, Joachim Funke, Henning Plessner: Denken – Urteilen, Entscheiden – Problemlösen. Allgemeine Psychologie für Bachelor. Berlin 2011, S. 14–15.
Urteil (Logik)
Urteil ist in der Logik die Form einer Feststellung, die in der sprachlichen Form eines Satzes ausgedrückt wird. Dabei wird das Urteil mit dem Vorgang der Bildung der Feststellung, ihrem propositionalen Gehaltoder der Bewertung dieses Gehalts identifiziert (ein Urteil bilden vs ein Urteil treffen vs ein Urteil fällen). Das Urteil wird als ein Grundbegriff der Logik nicht in jeder Theorie der Logik ausdrücklich definiert.[1]
Unterschiedliche Standpunkte bestehen hinsichtlich der Frage, ob und inwiefern eine psychologische Betrachtung des Denkprozesses (etwa in Assoziationspsychologie) für die Urteilstheorie eine Rolle spielen bzw. daneben überhaupt eine selbstständige Urteilstheorie möglich ist (Psychologismus). Schließlich beeinflussen erkenntnistheoretische oder ontologische Annahmen (wie schon bei Aristoteles deutlich wird) mitunter sehr stark die Ausgestaltung einer jeden Logik-Konzeption.[2]
In der traditionellen Logik ist „Urteil“ ein Grundbegriff, der eine bestimmte Sicht der logischen Aussage bezeichnet. Jede logische Aussage – jedes Urteil – spricht einem logischen Subjekt eine allgemeinere Bestimmung – ein logisches Prädikat – zu.[3] Spätestens die klassische Logik geht jedoch davon aus, dass es neben der Prädikation auch komplexere Urteilsformen geben muss, und dass nicht jede gebildete Prädikation einen Wahrheitswert hat, sondern erst der vollständige Satz.
Bedeutungen außerhalb der klassischen Logik
In der philosophischen Logik ist anstelle des aufs logisch Formale reduzierten Begriffs „Aussage“ der Begriff „Urteil“ gebräuchlich. Entsprechend finden sich bei Aristoteles bis Immanuel Kant Einteilungen der Urteile gemäß Kategorien in einer Urteilstafel.[4] Kant unterscheidet insbesondere zwischen analytischen und synthetischen Urteilen, die sich (a posteriori) auf die Erfahrung beziehen oder vor aller Erfahrung (a priori) gemacht werden.
Romantik und Deutscher Idealismus lehnen eine analytische Zerlegung in Einzelteile als vorrangige Methode ab und geben dem zusammenhängenden, einheitlichen Ganzen von Wissen, Gefühl und Glauben absoluten Vorrang. Friedrich Hölderlin schreibt in Urteil und Sein, dass die Teile durch das Urteil ihre wesentliche Bestimmung erhalten, wehrt sich aber gegen die Auslegung, dass die Teile wie Werkstücke gesondert voneinander betrachtet werden könnten. Novalis vermerkt in seinem Allgemeinen Brouillon: „Man will nicht bloß den Satz oder das Urteil, sondern auch die Acten dazu.“[5]
Für die Urteilstheorie des Neukantianismus ist jedes Urteil bejahend oder verneinend und impliziert demzufolge eine Stellungnahme zu dem Wert Wahrheit, weshalb man selbst in der Erkenntnissphäre von Wertungen sprechen könnte.[6]
Urteil im Sinne der Logik kann Unterschiedliches bedeuten:
- einen Behauptungssatz[7] bzw. eine Aussage[8];
- den „Schlusszusammenhang eines Syllogismus“[9] bzw. das „Glied eines Syllogismus“[10];
- eine Begriffsverbindung oder -trennung[11] bzw. ein Erkenntnisakt im Sinne Kants[12]
Nach Husserl[13] kann das Wort „Urteil“ bedeuten:
- das Fürwahrhalten;
- eine ideale Bedeutungseinheit.
Psychologische, sprachliche und ontologische Auffassung
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| Tabelle nach Tugendhat |
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Unterscheidet man mit Ernst Tugendhat grob eine psychologische, sprachliche und ontologische Grundauffassung von Logik[14], so hat das Wort drei ganz unterschiedliche Grundbedeutungen (die allerdings in einem analogen Sinnzusammenhang stehen). Was man unter Urteil versteht, hängt daher von der jeweiligen Erkenntnis- und Begriffstheorie ab (vgl. die Tabelle).
Siehe auch
- Urteilen aus Sicht der Psychologie.
- Syllogistik zur traditionellen Logik des Urteils
Literatur
- Joseph M. Bochenski, Die zeitgenössischen Denkmethoden, 10. Aufl. 1993, ISBN 978-3825200060
- Lotz, Urteil, in: Walter Brugger, Philosophisches Wörterbuch, 1976
- Artikel Urteil, in: Arnim Regenbogen, Uwe Meyer: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, 2005, ISBN 9783787313259
- Ernst Tugendhat, Ursula Wolf, Logisch-semantische Propädeutik, 1983, ISBN 9783150082065
- Thomas Zoglauer, Einführung in die formale Logik für Philosophen, 1999, ISBN 9783825219994
- Thomas Zwenger, Urteil, in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), Handwörterbuch Philosophie (2003)
Weblinks
- Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. (1904): Urteil
- Friedrich Hölderlin: Urteil und Sein. (bei zeno.org)
Einzelnachweise
- Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. (1904), Urteilstheorie.
- siehe zu entsprechenden Beispielen die lexigrahische Übersicht in: Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. (1904), „Urteil“
- Alois Halder / Max Müller: Philosophisches Wörterbuch, Freiburg im Breisgau 1993, S. 328
- Albert Menne: Die Kantische Urteilstafel im Lichte der Logikgeschichte und der modernen Logik. Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie, 20(2), 1989, S. 317–324
- Novalis: Das Allgemeine Brouillon. Materialien zur Enzyklopädistik 1798/99. Mit einer Einleitung von Hans-Joachim Mähl. Felix Meiner Verlag : Hamburg 1993. ISBN 3-7873-1088-6. S. 61.
- Wolfgang Schluchter: Die Entstehung des modernen Rationalismus. Eine Analyse von Max Webers Entwicklungsgeschichte des Okzidents. 1. Aufl. Frankfurt am Main 1988. ISBN 3-518-28947-0. S. 76f. / Heinrich Rickert: Der Gegenstand der Erkenntnis. Tübingen 2. Aufl. 1904 (zuerst 1892). S. 148ff. / Emil Lask: Die Lehre vom Urteil. In: Gesammelte Schriften, 2. Band, Tübingen 1923. S. 283 ff.
- Zwenger, Urteil, in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), Handwörterbuch Philosophie (2003)
- Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005), Urteil
- Zwenger, Urteil, in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), Handwörterbuch Philosophie (2003)
- Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005), Urteil
- Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005), Urteil
- Zwenger, Urteil, in: Rehfus, Wulff D. (Hg.), Handwörterbuch Philosophie (2003)
- Husserl, Logische Untersuchungen I, in: Meixner, (Hrsg.), Philosophie der Logik (2003), S. 83 (101)
- Tugendhat/Wolf, Logisch-semantische Propädeutik (1983), S. 17