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„Person (Grammatik)“ – Versionsunterschied

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Die Seite wurde neu angelegt: „<p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatische_Kategorie grammatische Kategorie] der '''Person''' gibt an, welche Rolle die bezeichneten Lebewesen oder Dinge in der Sprechsituation spielen.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-1 [1]]</sup> Diese Teilnehmerrolle in der Sprechsituation ist das einzige Merkmal, das mit dem Begriff der grammatischen Person direkt bezeichnet wird. Es tritt allerd…“
 
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<p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatische_Kategorie grammatische Kategorie] der '''Person''' gibt an, welche Rolle die bezeichneten Lebewesen oder Dinge in der Sprechsituation spielen.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-1 [1]]</sup> Diese Teilnehmerrolle in der Sprechsituation ist das einzige Merkmal, das mit dem Begriff der grammatischen Person direkt bezeichnet wird. Es tritt allerdings in sehr vielen Fällen mit einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Numerus Numerus]-Merkmal (Einzahl / Mehrzahl) verknüpft auf.</p><p>Die Kategorie grammatische Person kann in den meisten Systemen drei Werte annehmen, nämlich:</p>
{{Weiterleitungshinweis|Dritte Person|Zum gleichnamigen Film siehe [[Dritte Person (Film)]].}}
#Sprecher der Äußerung: die Pronomen „ich“, „wir“,
 
#Adressaten der Äußerung (Angesprochene): Pronomen „du“, „ihr“, „Sie“
Die [[grammatische Kategorie]] der '''Person''' gibt an, welche Rolle die bezeichneten Lebewesen oder Dinge in der Sprechsituation spielen.<ref>Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017), 387–456. Siehe S. 388, dort Rückgriff auf weitere Literatur.</ref> Diese Teilnehmerrolle in der Sprechsituation ist das einzige Merkmal, das mit dem Begriff der grammatischen Person direkt bezeichnet wird. Es tritt allerdings in sehr vielen Fällen mit einem [[Numerus]]-Merkmal (Einzahl / Mehrzahl) verknüpft auf.
#Dritte, die weder Sprecher noch Adressaten sind (Besprochene): die Pronomen „er“, „es“, „sie“.
 
<p>Wortarten, bei denen verschiedene Personalmerkmale unterschieden werden können, sind vor allem [https://de.wikipedia.org/wiki/Personalpronomen Personalpronomen] sowie auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Possessivpronomen Possessivpronomen]. Andere Typen von Pronomen wie etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Indefinitpronomen Indefinitpronomen] sowie Substantive tragen auch ein Personalmerkmal, sind dabei aber auf die 3. Person festgelegt.</p><p>Das Merkmal Person kann ferner an anderen Wortarten auftreten, die nicht selbst Individuen bezeichnen. Relativ häufig ist das Vorkommen des Personalmerkmals in [https://de.wikipedia.org/wiki/Finite_Verbform finiten Verbformen]. In diesem Fall spiegelt die finite Verbform das Personalmerkmal des [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Grammatik) Subjekts] im Satz wider ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kongruenz_(Grammatik) Kongruenz] mit dem Subjekt), in manchen Sprachen auch das des [https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_(Grammatik) Objekts]. Die Kategorie der Finitheit muss aber nicht notwendigerweise einen Bezug auf Personalmerkmale enthalten (z.&nbsp;B. im [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4nische_Sprache Dänischen] ist die finite Verbform personenneutral).</p><p>Die Fachbegriffe für die grammatischen Personen bestehen lediglich in einer Nummerierung der genannten Rollen als '''1.&nbsp;Person''', '''2.&nbsp;Person''' und '''3.&nbsp;Person'''. Diese Kategorie ist in [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachuniversalien allen Sprachen der Welt] vertreten,<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-2 [2]]</sup> allerdings werden nicht immer alle drei Personen durch Formen vollständig unterschieden. Es gibt außerdem in manchen Sprachen Fälle, für die eine Erweiterung der Liste auf „vierte“ oder sogar „fünfte“ Personen vorgeschlagen worden ist; dafür gibt es aber keine allgemein übliche Konvention, und viele solcher Vorschläge werden in der Sprachwissenschaft auch bestritten.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
Die Kategorie grammatische Person kann in den meisten Systemen drei Werte annehmen, nämlich:
# Sprecher der Äußerung: die Pronomen „ich“, „wir“,
# Adressaten der Äußerung (Angesprochene): Pronomen „du“, „ihr“, „Sie“
# Dritte, die weder Sprecher noch Adressaten sind (Besprochene): die Pronomen „er“, „es“, „sie“.
Wortarten, bei denen verschiedene Personalmerkmale unterschieden werden können, sind vor allem [[Personalpronomen]] sowie auch [[Possessivpronomen]]. Andere Typen von Pronomen wie etwa [[Indefinitpronomen]] sowie Substantive tragen auch ein Personalmerkmal, sind dabei aber auf die 3. Person festgelegt.
 
Das Merkmal Person kann ferner an anderen Wortarten auftreten, die nicht selbst Individuen bezeichnen. Relativ häufig ist das Vorkommen des Personalmerkmals in [[Finite Verbform|finiten Verbformen]]. In diesem Fall spiegelt die finite Verbform das Personalmerkmal des [[Subjekt (Grammatik)|Subjekts]] im Satz wider ([[Kongruenz (Grammatik)|Kongruenz]] mit dem Subjekt), in manchen Sprachen auch das des [[Objekt (Grammatik)|Objekts]]. Die Kategorie der Finitheit muss aber nicht notwendigerweise einen Bezug auf Personalmerkmale enthalten (z.&nbsp;B. im [[Dänische Sprache|Dänischen]] ist die finite Verbform personenneutral).
 
Die Fachbegriffe für die grammatischen Personen bestehen lediglich in einer Nummerierung der genannten Rollen als '''1.&nbsp;Person''', '''2.&nbsp;Person''' und '''3.&nbsp;Person'''. Diese Kategorie ist in [[Sprachuniversalien|allen Sprachen der Welt]] vertreten,<ref>Anna Kibort: ''Person.'' [http://www.grammaticalfeatures.net/features/person GrammaticalFeatures.net, Online]. The Surrey Morphology Group 2008 (abgerufen am 27. April 2022). Siehe Abschnitt 3, sowie die Diskussion in Abschnitt 6, wo das potenzielle Gegenbeispiel [[Artschinische Sprache|Artschinisch]] ebenso eingeordnet wird.</ref> allerdings werden nicht immer alle drei Personen durch Formen vollständig unterschieden. Es gibt außerdem in manchen Sprachen Fälle, für die eine Erweiterung der Liste auf „vierte“ oder sogar „fünfte“ Personen vorgeschlagen worden ist; dafür gibt es aber keine allgemein übliche Konvention, und viele solcher Vorschläge werden in der Sprachwissenschaft auch bestritten.
 
== Herkunft der Bezeichnung ==
== Herkunft der Bezeichnung ==
</div><p>Das Wort „[https://de.wikipedia.org/wiki/Person Person]“ kommt vom lateinischen ''persona'' (ursprünglich ‚Maske‘, vor allem im Zusammenhang mit dem Theater). In der Alltagssprache bezeichnet dieses Wort Wesen, mit denen man kommunizieren kann, in der Regel Menschen. In dieser Bedeutung des Wortes sagt man zum Beispiel, jemand ''sei'' eine (natürliche) Person.</p><p>Der grammatische Fachbegriff ''Person'' ist anders gelagert und bezeichnet ein grammatisches Merkmal, das bestimmte Ausdrücke tragen. In diesem Sinne sagt man, ein Ausdruck, der jemanden oder etwas bezeichnet, ''stehe/sei in'' der 1., 2.&nbsp;oder 3.&nbsp;(grammatischen) Person. Dieser grammatische Begriff beschränkt sich nicht auf Menschen, wenngleich der Bezug auf Menschen bei der ersten und zweiten Person der normalste Fall ist. Das Wort ''Personalpronomen'' bezieht sich auf die grammatische Person, nämlich ein Pronomen, das ein Personalmerkmal ausdrückt, und gilt daher ebenso für den Bezug auf Dinge und Abstrakta.</p><p>Die Verwendung als Grammatikbegriff<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-3 [3]]</sup> und die geläufige Nummerierung stammen von dem antiken Grammatiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Dionysios_Thrax Dionysios Thrax] (170/160 bis ca. 90 vor Chr.), der im europäischen Raum die älteste bis heute überlieferte Grammatik schrieb. Er formulierte: „Die erste Person ist die, von der die Rede ausgeht, die zweite, an die die Rede gerichtet ist, und die dritte, über die die Rede geht.“<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-4 [4]]</sup> Das von ihm benutzte Wort πρόσωπον (prosōpon) heißt primär ‚Gesicht‘, ist aber anders als das deutsche Wort ''Person'' nicht auf personale Wesen beschränkt, sondern kann auch das Aussehen einer Sache bezeichnen. Die Doppeldeutigkeit von ''Person'' im Deutschen kommt also durch die Übersetzung zustande.</p><p>In der arabischen Grammatiktradition heißt die erste Person ''al-mutakallim'', das heißt ‚derjenige, der spricht‘, die zweite ''al-muḫāṭab'', das heißt ‚derjenige, an den man sich wendet‘, und die dritte ''al-ġāʾib'', ‚derjenige, der abwesend ist‘.</p><p>Aber es gibt auch den Fall der umgekehrten Ordnung. In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatik#Grammatiken_im_alten_Indien indischen Grammatik] wird folgende Nummerierung verwendet:</p>
Das Wort „[[Person]]“ kommt vom lateinischen ''persona'' (ursprünglich ‚Maske‘, vor allem im Zusammenhang mit dem Theater). In der Alltagssprache bezeichnet dieses Wort Wesen, mit denen man kommunizieren kann, in der Regel Menschen. In dieser Bedeutung des Wortes sagt man zum Beispiel, jemand ''sei'' eine (natürliche) Person.
*''prathamapuruṣa'' heißt ‚erste Person‘, d.&nbsp;h. die, über die die Rede geht (sie entspricht unserer dritten Person)
 
*''madhyamapuruṣa'' heißt ‚mittlere Person‘, d.&nbsp;h. die, an die die Rede gerichtet ist (sie entspricht unserer zweiten Person)
Der grammatische Fachbegriff ''Person'' ist anders gelagert und bezeichnet ein grammatisches Merkmal, das bestimmte Ausdrücke tragen. In diesem Sinne sagt man, ein Ausdruck, der jemanden oder etwas bezeichnet, ''stehe/sei in'' der 1., 2.&nbsp;oder 3.&nbsp;(grammatischen) Person. Dieser grammatische Begriff beschränkt sich nicht auf Menschen, wenngleich der Bezug auf Menschen bei der ersten und zweiten Person der normalste Fall ist. Das Wort ''Personalpronomen'' bezieht sich auf die grammatische Person, nämlich ein Pronomen, das ein Personalmerkmal ausdrückt, und gilt daher ebenso für den Bezug auf Dinge und Abstrakta.
*''uttamapuruṣa'' heißt ‚letzte Person‘, d.&nbsp;h. die, von der die Rede ausgeht (sie entspricht unserer ersten Person)
 
<div class="mw-heading mw-heading2">
Die Verwendung als Grammatikbegriff<ref>Quelle für diesen und die folgenden Absätze: Thomas Gehling: '' 'Ich', 'du' und Andere. Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person« und »Numerus«.'' LIT Verlag, Münster 2004. S. 1–4.</ref> und die geläufige Nummerierung stammen von dem antiken Grammatiker [[Dionysios Thrax]] (170/160 bis ca. 90 vor Chr.), der im europäischen Raum die älteste bis heute überlieferte Grammatik schrieb. Er formulierte: „Die erste Person ist die, von der die Rede ausgeht, die zweite, an die die Rede gerichtet ist, und die dritte, über die die Rede geht.“<ref>{{Literatur
| Autor=Wilfried Kürschner
| Titel=Die Lehre des Grammatikers Dionysios (Dionysios Thrax, Tékhne grammatiké – deutsch mit griechischem Paralleltext)
| Hrsg=Pierre Swiggers und Alfons Wouters
| Sammelwerk=Ancient grammar: Contents and contexts
| Verlag=Peeters
| Ort=Löwen, Paris
| Datum=1996
| ISBN=90-6831-881-0
| Seiten=198–199
| Kapitel=§13 <nowiki><F></nowiki>
| Online=http://www.wilkuer.de/forschung/u_1996_-_lehre_des_grammatikers_dionysios__gr.-dt_scan.pdf
}}</ref> Das von ihm benutzte Wort πρόσωπον (prosōpon) heißt primär ‚Gesicht‘, ist aber anders als das deutsche Wort ''Person'' nicht auf personale Wesen beschränkt, sondern kann auch das Aussehen einer Sache bezeichnen. Die Doppeldeutigkeit von ''Person'' im Deutschen kommt also durch die Übersetzung zustande.
 
In der arabischen Grammatiktradition heißt die erste Person ''al-mutakallim'', das heißt ‚derjenige, der spricht‘, die zweite ''al-muḫāṭab'', das heißt ‚derjenige, an den man sich wendet‘, und die dritte ''al-ġāʾib'', ‚derjenige, der abwesend ist‘.
 
Aber es gibt auch den Fall der umgekehrten Ordnung. In der [[Grammatik#Grammatik im alten Indien|indischen Grammatik]] wird folgende Nummerierung verwendet:
* ''prathamapuruṣa'' heißt ‚erste Person‘, d.&nbsp;h. die, über die die Rede geht (sie entspricht unserer dritten Person)
* ''madhyamapuruṣa'' heißt ‚mittlere Person‘, d.&nbsp;h. die, an die die Rede gerichtet ist (sie entspricht unserer zweiten Person)
* ''uttamapuruṣa'' heißt ‚letzte Person‘, d.&nbsp;h. die, von der die Rede ausgeht (sie entspricht unserer ersten Person)
 
== Überblick: Anwendungsbereich des Merkmals Person ==
== Überblick: Anwendungsbereich des Merkmals Person ==
</div><p>Grammatische Person ist ein Merkmal, das in zwei Weisen auftreten kann:</p>
Grammatische Person ist ein Merkmal, das in zwei Weisen auftreten kann:
*Es kommt einem Ausdruck zu, der selbst Individuen bezeichnet: Dann zeigt der Ausdruck die Sprechsituations-Rolle dieses Individuums als Sprecher, Adressaten oder Dritten. In diesem Fall ist das Personalmerkmal mit dem Ausdruck fest verbunden.
* Es kommt einem Ausdruck zu, der selbst Individuen bezeichnet: Dann zeigt der Ausdruck die Sprechsituations-Rolle dieses Individuums als Sprecher, Adressaten oder Dritten. In diesem Fall ist das Personalmerkmal mit dem Ausdruck fest verbunden.
*Es kommt einem Ausdruck zu, der nicht selbst Individuen bezeichnet, aber durch eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Kongruenz_(Grammatik) Kongruenzregel] (Merkmalsübereinstimmung) mit einem Ausdruck verbunden ist, der von sich aus Personalmerkmale trägt. Hier tritt Person als ein Merkmal in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Flexion Flexion] (der grammatischen Formenbildung) eines Wortes auf, und die Merkmalsausprägung ist variabel.
* Es kommt einem Ausdruck zu, der nicht selbst Individuen bezeichnet, aber durch eine [[Kongruenz (Grammatik)|Kongruenzregel]] (Merkmalsübereinstimmung) mit einem Ausdruck verbunden ist, der von sich aus Personalmerkmale trägt. Hier tritt Person als ein Merkmal in der [[Flexion]] (der grammatischen Formenbildung) eines Wortes auf, und die Merkmalsausprägung ist variabel.
<p>Die grammatische Kategorie ''Person'' in diesem Sinn geht also immer von Fällen aus, wo ein Individuum im Satzinhalt benannt wird – sie erstreckt sich nicht auf Fälle, wo nur die Form eines Satzes Eigenschaften der Äußerungssituation widerspiegelt, wie zum Beispiel bei Markierungen des Respekts für den Adressaten oder des sozialen Status oder Geschlechts des tatsächlichen Sprechers.</p><p>Grammatische Formen und ihre inhaltliche Interpretation können gelegentlich auseinanderlaufen, so auch im Fall der Person. Oft haben dann die grammatischen Faktoren Vorrang bei der Wahl der Form. So ist es im Prinzip möglich, dass ein Sprecher sich selbst mit einem Ausdruck bezeichnet, der grammatisch der dritten Person angehört ([https://de.wikipedia.org/wiki/Illeismus Illeismus]). Zum Beispiel kann ein Vater, an das eigene Kind gerichtet, sich selbst als „der Papa“ bezeichnen („Der Papa geht kurz weg“: 3. Person auch in der Verbform). Ebenso können auf Grund von Höflichkeitsregeln Angesprochene mit einem Ausdruck der dritten Person bezeichnet werden, z.&nbsp;B. ist das deutsche Höflichkeitspronomen „Sie“ historisch eine Form der dritten Person.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
 
Die grammatische Kategorie ''Person'' in diesem Sinn geht also immer von Fällen aus, wo ein Individuum im Satzinhalt benannt wird – sie erstreckt sich nicht auf Fälle, wo nur die Form eines Satzes Eigenschaften der Äußerungssituation widerspiegelt, wie zum Beispiel bei Markierungen des Respekts für den Adressaten oder des sozialen Status oder Geschlechts des tatsächlichen Sprechers.
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AUF FOLGENDEN TEXT IM ARTIKEL [[Thailändische Sprache]] VERWEISEN, FALLS ER DORT EINGEBAUT WORDEN IST
 
''Khao mā khrap.'' „Er/sie kommt.“
 
''Khao mā kha.'' „Er/sie kommt.“
 
Beide Sätze haben die gleiche Aussage – der Unterschied besteht darin, dass der obere Satz die Form ist, die von einem Mann geäußert wird, und der untere Satz von einer Frau. Dieser Unterschied wird durch das jeweils letzte Wort zum Ausdruck gebracht, das den Sprecher als Mann (in der Form ''khrap'') oder als Frau (in der Form ''kha'') ausweist. Die Aussage des Satzes jedoch bezieht sich auf eine dritte Person – deren [[Sexus (Sprache)|Geschlecht]] übrigens aus dem Satz nicht klar wird, da das Pronomen ''khao'' sowohl „er“ als auch „sie“ bedeuten kann.
 
DANKE!-->
 
Grammatische Formen und ihre inhaltliche Interpretation können gelegentlich auseinanderlaufen, so auch im Fall der Person. Oft haben dann die grammatischen Faktoren Vorrang bei der Wahl der Form. So ist es im Prinzip möglich, dass ein Sprecher sich selbst mit einem Ausdruck bezeichnet, der grammatisch der dritten Person angehört ([[Illeismus]]). Zum Beispiel kann ein Vater, an das eigene Kind gerichtet, sich selbst als „der Papa“ bezeichnen („Der Papa geht kurz weg“: 3. Person auch in der Verbform). Ebenso können auf Grund von Höflichkeitsregeln Angesprochene mit einem Ausdruck der dritten Person bezeichnet werden, z.&nbsp;B. ist das deutsche Höflichkeitspronomen „Sie“ historisch eine Form der dritten Person.
 
== Person als Flexionsmerkmal ==
== Person als Flexionsmerkmal ==
</div><p>Dieser Abschnitt stellt zunächst den zweiten Punkt des obigen Überblicks, Personalmerkmale als Flexion, näher dar. Insgesamt lässt sich sagen, dass Personalflexion eines Wortes meist durch ein Personalmerkmal seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Argument_(Linguistik) Argumente](grammatische Ergänzungen) ausgelöst wird. Auch die Umkehrung scheint zu gelten: Wenn ein Wort mit einem seiner Argumente kongruiert, enthält die Kongruenzform sehr häufig das Personalmerkmal.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-5 [5]]</sup> Fälle von Personenkongruenz außerhalb solcher Argumentbeziehungen sind ganz erheblich seltener; sie werden hier weiter unten im Abschnitt [https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#Sonderf%C3%A4lle #Sonderfälle] kurz besprochen.</p><div class="mw-heading mw-heading3">
 
Dieser Abschnitt stellt zunächst den zweiten Punkt des obigen Überblicks, Personalmerkmale als Flexion, näher dar. Insgesamt lässt sich sagen, dass Personalflexion eines Wortes meist durch ein Personalmerkmal seiner [[Argument (Linguistik)|Argumente]] (grammatische Ergänzungen) ausgelöst wird. Auch die Umkehrung scheint zu gelten: Wenn ein Wort mit einem seiner Argumente kongruiert, enthält die Kongruenzform sehr häufig das Personalmerkmal.<ref>Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017), 387–456. Siehe S. 393.</ref> Fälle von Personenkongruenz außerhalb solcher Argumentbeziehungen sind ganz erheblich seltener; sie werden hier weiter unten im Abschnitt [[#Sonderfälle]] kurz besprochen.
 
=== Person in Verbformen ===
=== Person in Verbformen ===
</div><p>Das bekannteste Beispiel für Person als Flexionsmerkmal ist die Subjektkongruenz des Verbs in vielen Sprachen. Die folgende Tabelle zeigt Personalpronomen als Subjekt und dazu die Konjugation des jeweiligen Verbs für ‚tun, machen‘ in den Sprachen [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4nische_Sprache Dänisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache Deutsch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Russische_Sprache Russisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkische_Sprache Türkisch] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Swahili_(Sprache) Swahili]. Das Dänische erscheint hier nur zum Kontrast, als das Beispiel einer Sprache, deren finite Verbformen ''keine'' Personalmerkmale ausdrücken (sich aber dennoch vom Infinitiv unterscheiden). (Die Bindestriche in den Verbformen zeigen die Zerlegung, sie werden nicht geschrieben):</p>
Das bekannteste Beispiel für Person als Flexionsmerkmal ist die Subjektkongruenz des Verbs in vielen Sprachen. Die folgende Tabelle zeigt Personalpronomen als Subjekt und dazu die Konjugation des jeweiligen Verbs für ‚tun, machen‘ in den Sprachen [[Dänische Sprache|Dänisch]], [[Deutsche Sprache|Deutsch]], [[Russische Sprache|Russisch]], [[Türkische Sprache|Türkisch]] und [[Swahili (Sprache)|Swahili]]. Das Dänische erscheint hier nur zum Kontrast, als das Beispiel einer Sprache, deren finite Verbformen ''keine'' Personalmerkmale ausdrücken (sich aber dennoch vom Infinitiv unterscheiden). (Die Bindestriche in den Verbformen zeigen die Zerlegung, sie werden nicht geschrieben):
 
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
|-
! style="background:#FFDEAD"|
! <br>
! style="background:#FFDEAD"|Dänisch
! Dänisch
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! Deutsch
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! Russisch
! style="background:#FFDEAD"|Türkisch
! Türkisch
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! Swahili
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! 1. Singular
! 1. Singular
| align="center" | '''jeg''' gør
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| align=center |'''ich''' mach-'''e'''
| align="center" | ('''ja''') dela-'''ju'''
| align=center |('''ja''') dela-'''ju'''
| align="center" | yapar-'''ım'''
| align=center |yapar-'''ım'''
| align="center" | '''ni'''-na-fanya
| align=center |'''ni'''-na-fanya
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! 2. Singular
! 2. Singular
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| align=center |('''ty''') dela-'''eš’'''
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! 3. Singular
! 3. Singular
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| align=center |('''on/ona/ono''')<br/>dela-'''et'''
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! 1. Plural
! 1. Plural
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| align=center |'''wir''' mach-'''en'''
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| align="center" | yapar-'''ız'''
| align=center |yapar-'''ız'''
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! 2. Plural
! 2. Plural
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| align=center |('''vy''') dela-'''ete'''
| align="center" | yapar-'''sınız'''
| align=center |yapar-'''sınız'''
| align="center" | '''m'''-na-fanya
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! 3. Plural
! 3. Plural
| align="center" | '''de''' gør
| align=center |'''de''' gør
| align="center" | '''sie''' mach-'''en'''
| align=center |'''sie''' mach-'''en'''
| align="center" | ('''oni''') dela-'''jut'''
| align=center |('''oni''') dela-'''jut'''
| align="center" | yapar-'''lar'''
| align=center |yapar-'''lar'''
| align="center" | '''wa'''-na-fanya
| align=center |'''wa'''-na-fanya
|}
|}
<p>Während die Personenmarkierung des Verbs in den meisten [https://de.wikipedia.org/wiki/Indoeurop%C3%A4ische_Sprachen indoeuropäischen Sprachen] ''nach'' dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Wortstamm Verbstamm] erfolgt (also mittels [https://de.wikipedia.org/wiki/Suffix Suffixen]), kann sie in anderen Sprachen auch davor (also mittels [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4fix Präfixen]) erfolgen, wie hier im Swahili. Dort kann auch ein weiteres Präfix das Objekt bezeichnen, so dass eine Verbform die Personalmerkmale von zwei Ergänzungen angeben kann, z.&nbsp;B. '''''u'''-na-'''tu'''-fanya'' („''du'' machst ''uns'' (z. B. zu Feinden)“) mit 2.&nbsp;Person Singular und 1.&nbsp;Person Plural; bei unbelebten Subjekten oder Objekten stehen dort stattdessen Präfixe für die Nominalklassen, wodurch gleichzeitig die 3.&nbsp;Person angezeigt wird (siehe Abschnitt [https://de.wikipedia.org/wiki/Swahili_(Sprache)#Kongruenzen_nach_Klasse_und_Person Kongruenzen nach Klasse und Person] des Artikels über [https://de.wikipedia.org/wiki/Swahili_(Sprache) Swahili]).</p><p>In manchen Sprachen findet sich nicht die oben gezeigte Aufteilung von Subjektpronomen im Satz und davon ausgelöster Verbflexion, sondern nur das Verb zeigt die Person des Subjekts oder Objekts, und identifiziert so Subjekt bzw. Objekt ganz alleine. Wenn dieser Mechanismus in Reinform auftritt, spricht man in der Sprachwissenschaft von „[https://de.wikipedia.org/wiki/Cross-Reference Cross-Reference]“ (Kreuzreferenz; nicht zu verwechseln mit „switch-reference“, die weiter unten am Beispiel des Grönländischen angesprochen wird).</p><div class="mw-heading mw-heading3">
 
Während die Personenmarkierung des Verbs in den meisten [[Indoeuropäische Sprachen|indoeuropäischen Sprachen]] ''nach'' dem [[Wortstamm|Verbstamm]] erfolgt (also mittels [[Suffix]]en), kann sie in anderen Sprachen auch davor (also mittels [[Präfix]]en) erfolgen, wie hier im Swahili. Dort kann auch ein weiteres Präfix das Objekt bezeichnen, so dass eine Verbform die Personalmerkmale von zwei Ergänzungen angeben kann, z.&nbsp;B. '''''u'''-na-'''tu'''-fanya'' („''du'' machst ''uns'' (z. B. zu Feinden)“) mit 2.&nbsp;Person Singular und 1.&nbsp;Person Plural; bei unbelebten Subjekten oder Objekten stehen dort stattdessen Präfixe für die Nominalklassen, wodurch gleichzeitig die 3.&nbsp;Person angezeigt wird (siehe Abschnitt [[Swahili (Sprache) #Kongruenzen nach Klasse und Person|Kongruenzen nach Klasse und Person]] des Artikels über [[Swahili (Sprache)|Swahili]]).
 
In manchen Sprachen findet sich nicht die oben gezeigte Aufteilung von Subjektpronomen im Satz und davon ausgelöster Verbflexion, sondern nur das Verb zeigt die Person des Subjekts oder Objekts, und identifiziert so Subjekt bzw. Objekt ganz alleine. Wenn dieser Mechanismus in Reinform auftritt, spricht man in der Sprachwissenschaft von „[[Cross-Reference]]“ (Kreuzreferenz; nicht zu verwechseln mit „switch-reference“, die weiter unten am Beispiel des Grönländischen angesprochen wird).
 
=== Person an Nominalformen: Possessor-Kongruenz ===
=== Person an Nominalformen: Possessor-Kongruenz ===
</div><p>Ein weniger bekannter Fall von Personen-Flexion ist eine Markierung an Substantiven, die die Person des Besitzers anzeigt. Dies ist zum Beispiel im [https://de.wikipedia.org/wiki/Ungarische_Sprache Ungarischen] zu finden. Die folgende Tabelle ist aus dem Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Possessiv Possessiv] übernommen:</p>
Ein weniger bekannter Fall von Personen-Flexion ist eine Markierung an Substantiven, die die Person des Besitzers anzeigt. Dies ist zum Beispiel im [[Ungarische Sprache|Ungarischen]] zu finden. Die folgende Tabelle ist aus dem Artikel [[Possessiv]] übernommen:
 
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
! width="80"|
! width="150" colspan="2"|Singular
! width="150" colspan="2"|Plural
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|-
! width="80" | <br>
!1.
! colspan="2" width="150" | Singular
|kép-'''em'''
! colspan="2" width="150" | Plural
|''mein Bild''
|-
|kép-'''ünk'''
! 1.
|''unser Bild''
| kép-'''em'''
| ''mein Bild''
| kép-'''ünk'''
| ''unser Bild''
|-
|-
! 2.
!2.
| kép-'''ed'''
|kép-'''ed'''
| ''dein Bild''
|''dein Bild''
| kép-'''etek'''
|kép-'''etek'''
| ''euer Bild''
|''euer Bild''
|-
|-
! 3.
!3.
| kép-'''e'''
|kép-'''e'''
| ''sein/ihr Bild''
|''sein/ihr Bild''
| kép-'''ük'''
|kép-'''ük'''
| ''ihr Bild''
|''ihr Bild''
|}
|}
<p>Dieser Fall ist tatsächlich gleichartig zur Kongruenz zwischen Verben und ihren Argumenten, obwohl in den obigen Beispielen das betreffende Argument, der Possessor, nicht extra zu sehen war. Ähnlich wie bei Subjektpronomen in Sprachen wie dem Italienischen (vgl. den Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Pro-Drop-Sprache Pro-Drop-Sprache]), wird das Possessor-Argument im Ungarischen nur dann sichtbar zugesetzt, wenn es betont werden soll:</p><pre>''az  én  képem''
 
DET ich Bild-1.sg    („DET“ = bestimmter Artikel)
Dieser Fall ist tatsächlich gleichartig zur Kongruenz zwischen Verben und ihren Argumenten, obwohl in den obigen Beispielen das betreffende Argument, der Possessor, nicht extra zu sehen war. Ähnlich wie bei Subjektpronomen in Sprachen wie dem Italienischen (vgl. den Artikel [[Pro-Drop-Sprache]]), wird das Possessor-Argument im Ungarischen nur dann sichtbar zugesetzt, wenn es betont werden soll:
„MEIN Bild“ (betont)
 
</pre><div class="mw-heading mw-heading3">
''az  én  képem''
DET ich Bild-1.sg    („DET“ = bestimmter Artikel)
„MEIN Bild“ (betont)
 
=== Personalflexion an Präpositionen und Postpositionen ===
=== Personalflexion an Präpositionen und Postpositionen ===
</div><p>Gelegentlich findet man Personalformen auch an [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4position Präpositionen] bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Postposition Postpositionen] (die man insgesamt zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Adposition Adpositionen] zusammenfasst). Nach der Stichprobe des [https://de.wikipedia.org/wiki/World_Atlas_of_Language_Structures World Atlas of Language Structures] (WALS) besitzen etwa ein Drittel der Sprachen, die überhaupt Adpositionen haben, solche Formen.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-6 [6]]</sup> Diese relativ hohe Zahl bei einem scheinbar „exotischen“ Phänomen kommt unter anderem daher, dass in Regionen wie Mittelamerika sowie den Inseln des Pazifik die Mehrzahl der [https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker einheimischen] Sprachen diese Eigenschaft hat. Zudem betrifft solche Formenbildung unter Umständen nicht die gesamte Wortart Adposition (eingeschlossen sind bei WALS auch Fälle, wo nur einzelne Verschmelzungsformen existieren, wie im [https://de.wikipedia.org/wiki/Pronomen_in_der_spanischen_Sprache Spanischen] mit der Präposition „con“).</p><p>Eine Personenflexion im engeren Sinn bei Prä-/Postpositionen bedeutet Merkmalsübereinstimmung mit deren Ergänzung. Häufig ist diese dann aber beschränkt auf eine pronominale Ergänzung – d.&nbsp;h. Flexion erscheint zusätzlich zu oder anstelle von einem Personalpronomen als Ergänzung. Zu diesem Typ gehören auch die konjugierten Präpositionen in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Inselkeltische_Sprachen modernen keltischen Sprachen], siehe die Beispiele unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Walisische_Sprache#Pr%C3%A4positionen Walisische Sprache#Präpositionen]. Entsprechend verhalten sich auch die Postpositionen im [https://de.wikipedia.org/wiki/Ungarische_Sprache Ungarischen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Sprache Finnischen].</p><p>Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abchasische_Sprache Abchasische] ist ein Beispiel für den weniger häufigen Fall einer Adposition (hier: Postposition), die Personenkongruenz gleichermaßen mit pronominalen und substantivischen Ergänzungen zeigt („DET“ = definiter Artikel):</p><pre>''a-jə̀yas  a-q’nə̀''
 
DET-Fluss 3sg-an
Gelegentlich findet man Personalformen auch an [[Präposition]]en bzw. [[Postposition]]en (die man insgesamt zu [[Adposition]]en zusammenfasst). Nach der Stichprobe des [[World Atlas of Language Structures]] (WALS) besitzen etwa ein Drittel der Sprachen, die überhaupt Adpositionen haben, solche Formen.<ref>Dik Bakker: ''Person Marking on Adpositions.'' = Kapitel 48 in: Matthew S. Dryer, Martin Haspelmath (eds.): ''The [[World Atlas of Language Structures]].'' Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie. Leipzig 2013. [http://wals.info/chapter/48 Online] (abgerufen am 18. April 2022). Von dort auch das abchasische Beispiel weiter unten.</ref> Diese relativ hohe Zahl bei einem scheinbar „exotischen“ Phänomen kommt unter anderem daher, dass in Regionen wie Mittelamerika sowie den Inseln des Pazifik die Mehrzahl der [[indigene Völker|einheimischen]] Sprachen diese Eigenschaft hat. Zudem betrifft solche Formenbildung unter Umständen nicht die gesamte Wortart Adposition (eingeschlossen sind bei WALS auch Fälle, wo nur einzelne Verschmelzungsformen existieren, wie im [[Pronomen in der spanischen Sprache|Spanischen]] mit der Präposition „con“).
„am Fluss“
 
</pre><pre>''sarà s-q’ənt˚’''
Eine Personenflexion im engeren Sinn bei Prä-/Postpositionen bedeutet Merkmalsübereinstimmung mit deren Ergänzung. Häufig ist diese dann aber beschränkt auf eine pronominale Ergänzung – d.&nbsp;h. Flexion erscheint zusätzlich zu oder anstelle von einem Personalpronomen als Ergänzung. Zu diesem Typ gehören auch die konjugierten Präpositionen in den [[Inselkeltische Sprachen|modernen keltischen Sprachen]], siehe die Beispiele unter [[Walisische Sprache#Präpositionen]]. Entsprechend verhalten sich auch die Postpositionen im [[Ungarische Sprache|Ungarischen]] und [[Finnische Sprache|Finnischen]].
ich  1sg-von
 
„von mir“
Das [[Abchasische Sprache|Abchasische]] ist ein Beispiel für den weniger häufigen Fall einer Adposition (hier: Postposition), die Personenkongruenz gleichermaßen mit pronominalen und substantivischen Ergänzungen zeigt („DET“ = definiter Artikel):
</pre><div class="mw-heading mw-heading3">
''a-jə̀yas  a-q’nə̀''
DET-Fluss 3sg-an
„am Fluss“
 
''sarà s-q’ənt˚’''
ich  1sg-von
„von mir“
 
=== Sonderfälle ===
=== Sonderfälle ===
</div><div class="mw-heading mw-heading4">
==== Kongruierende Konjunktionen ====
==== Kongruierende Konjunktionen ====
</div><p>Selten treten Personalmerkmale an unterordnenden Konjunktionen auf, wo sie mit dem Subjekt des Satzes (und dem finiten Verb) kongruieren, etwa im Bairischen: „weil'''-st du''' ka Ahnung ho'''-st'''“ (mehr dazu siehe im Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplementierer Komplementierer]).</p><div class="mw-heading mw-heading4">
Selten treten Personalmerkmale an unterordnenden Konjunktionen auf, wo sie mit dem Subjekt des Satzes (und dem finiten Verb) kongruieren, etwa im Bairischen: „weil'''-st du''' ka Ahnung ho'''-st'''“ (mehr dazu siehe im Artikel [[Komplementierer]]).
 
==== Personenkongruenz in attributiven Konstruktionen ====
==== Personenkongruenz in attributiven Konstruktionen ====
</div><p>Sehr selten ist eine Personenkongruenz in modifizierenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Attribut_(Grammatik) attributiven Konstruktionen]. Am ehesten findet sich noch Personenkongruenz, die in einer Ausbreitung der Possessorkongruenz eines Substantivs auch auf ein begleitendes Adjektiv besteht. Dies wird zum Beispiel in der uralischen Sprache [https://de.wikipedia.org/wiki/Nenzisch Nenzisch] beschrieben:<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-7 [7]]</sup></p><pre>''(møny) serako(-myi) te-myi''
Sehr selten ist eine Personenkongruenz in modifizierenden [[Attribut (Grammatik)|attributiven Konstruktionen]]. Am ehesten findet sich noch Personenkongruenz, die in einer Ausbreitung der Possessorkongruenz eines Substantivs auch auf ein begleitendes Adjektiv besteht. Dies wird zum Beispiel in der uralischen Sprache [[Nenzisch]] beschrieben:<ref>Tundra-Nenzisch, Beispiel aus Nichols (2017: 393), wo es nach einer Arbeit von Nikolaeva (2005) zitiert ist.</ref>
1SG    weiß-1SG    Rentier-1SG
''(møny) serako(-myi) te-myi''
„mein weißes Rentier“
1SG    weiß-1SG    Rentier-1SG
</pre><p>Die Existenz von Personenkongruenz eines Adjektivs mit der Person des Substantivs selbst ist hingegen noch exotischer.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-8 [8]]</sup></p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Relativpronomen Relativpronomen] können von einem Pronomen der ersten oder zweiten Person oder von einer Anrede ([https://de.wikipedia.org/wiki/Vokativ#Vokativphrase Vokativ]) abhängen. Obwohl sie also gelegentlich mit erster oder zweiter Person kongruieren sollten, zeigen Relativpronomen anscheinend nie andere Personalformen als die dritte Person. Im Deutschen wird das Problem gelöst, indem dem Relativpronomen ein Personalpronomen zugesetzt wird:</p><pre>„O Diener, '''der du''' dadurch dien'''-st''', dass du dem Herrn das Bett verminst…“
„mein weißes Rentier“
(aus einem Gedicht von [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt Robert Gernhardt])
Die Existenz von Personenkongruenz eines Adjektivs mit der Person des Substantivs selbst ist hingegen noch exotischer.<ref>Nichols (2017: 393f.) deutet die vereinzelte Existenz solcher Fälle an. Sie scheinen nur zu entstehen, wenn in einer Sprache ein Affix zur ''Genus''-Kongruenz des Adjektivs verwendet wird, das anderswo auch zur Markierung von Personenkongruenz dient und daher obligatorisch ein Personalmerkmal „mitschleppt“ (das aber am attributiven Adjektiv dann nur noch auf 3. Person lauten kann).</ref>
</pre><div class="mw-heading mw-heading2">
 
[[Relativpronomen]] können von einem Pronomen der ersten oder zweiten Person oder von einer Anrede ([[Vokativ#Vokativphrase|Vokativ]]) abhängen. Obwohl sie also gelegentlich mit erster oder zweiter Person kongruieren sollten, zeigen Relativpronomen anscheinend nie andere Personalformen als die dritte Person. Im Deutschen wird das Problem gelöst, indem dem Relativpronomen ein Personalpronomen zugesetzt wird:
„O Diener, '''der du''' dadurch dien'''-st''', dass du dem Herrn das Bett verminst…“
(aus einem Gedicht von [[Robert Gernhardt]])
 
== Das Merkmal Person in Personalpronomen ==
== Das Merkmal Person in Personalpronomen ==
</div><p>Personalpronomen drücken vor allem das Merkmal Person aus, kombinieren dies aber in der Regel mit Einzahl/Mehrzahl ([https://de.wikipedia.org/wiki/Numerus Numerus]), und häufig mit weiteren Merkmalen wie Genus, Belebtheit, Respekt etc. Siehe hierzu den Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Personalpronomen Personalpronomen]. Die Frage nach dem inneren Aufbau von Personalpronomen besteht daher oft nur in der Frage nach der Abtrennbarkeit des Numerusmerkmals.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-9 [9]]</sup></p><p>Die Art, wie das Merkmal Person selbst ausgedrückt ist, kann variieren. Der typische Fall ist die Benutzung grundverschiedener Formen für jede Person (oder Person-Numerus-Kombination), wie im deutschen ''ich – du – er/sie …''. Es gibt jedoch auch systematisch zerlegbare Pronominalformen. In der Sprache [https://de.wikipedia.org/wiki/Lakhota Lakhota] hat das Personalpronomen einen neutralen Stamm, der nur die Eigenschaft „Pronomen“ bezeichnet (''ye''), und die verschiedenen Pronomen kommen zustande, indem dieser Stamm mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik) Affixen] verbunden wird, die sonst auch als die regulären Possessivaffixe dienen.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-10 [10]]</sup> Hier wird also für die Bildung der Personalpronomen selbst dasselbe Verfahren verwendet wie bei Person als Flexionsmerkmal im vorigen Abschnitt:</p><pre>1.Pers.Singular:  ''mi-ye''
Personalpronomen drücken vor allem das Merkmal Person aus, kombinieren dies aber in der Regel mit Einzahl/Mehrzahl ([[Numerus]]), und häufig mit weiteren Merkmalen wie Genus, Belebtheit, Respekt etc. Siehe hierzu den Artikel [[Personalpronomen]]. Die Frage nach dem inneren Aufbau von Personalpronomen besteht daher oft nur in der Frage nach der Abtrennbarkeit des Numerusmerkmals.<ref>Siehe Michael Daniel: ''Plurality in Independent Personal Pronouns.'' In: Matthew Dryer  & Martin Haspelmath (eds.): ''The World Atlas of Language Structures Online.'' Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig 2013. [http://wals.info/chapter/35 Online], abgerufen am 1. Juni 2020.</ref>
1.Pers.Plural:    ''uki-ye''
 
2.Pers.          ''ni-ye''
Die Art, wie das Merkmal Person selbst ausgedrückt ist, kann variieren. Der typische Fall ist die Benutzung grundverschiedener Formen für jede Person (oder Person-Numerus-Kombination), wie im deutschen ''ich – du – er/sie …''. Es gibt jedoch auch systematisch zerlegbare Pronominalformen. In der Sprache [[Lakhota]] hat das Personalpronomen einen neutralen Stamm, der nur die Eigenschaft „Pronomen“ bezeichnet (''ye''), und die verschiedenen Pronomen kommen zustande, indem dieser Stamm mit [[Affix (Linguistik)|Affix]]en verbunden wird, die sonst auch als die regulären Possessivaffixe dienen.<ref>Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017), 387–456. Das Lakhota-Beispiel von S. 391</ref> Hier wird also für die Bildung der Personalpronomen selbst dasselbe Verfahren verwendet wie bei Person als Flexionsmerkmal im vorigen Abschnitt:
</pre><div class="mw-heading mw-heading2">
1.Pers.Singular:  ''mi-ye''
1.Pers.Plural:    ''uki-ye''
2.Pers.          ''ni-ye''
 
== Die Frage nach Systemen mit mehr als drei Personen ==
== Die Frage nach Systemen mit mehr als drei Personen ==
</div><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Inklusives und exklusives Wir ===
=== Inklusives und exklusives Wir ===
</div><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Inklusives_und_exklusives_Wir Inklusives und exklusives Wir]''</div><p>Die erste Person Plural ist nicht buchstäblich ein Plural von „ich“ (also mehrere Sprecher), sondern bezeichnet irgendeine Gruppe, die den Sprecher enthält. Es handelt sich also eigentlich um eine Kombination der ersten Person Singular mit einer oder mehreren anderen, zweiten und/oder dritten Personen. Aus diesem Grunde gibt es in vielen Sprachen auch verschiedene Wir-Formen, die unterscheiden, ob die Angesprochenen mit einbezogen werden („inklusives Wir“) oder nicht („exklusives Wir“), zum Beispiel im [https://de.wikipedia.org/wiki/Indonesische_Sprache Indonesischen]:</p>
{{Hauptartikel|Inklusives und exklusives Wir}}
*''kita'' „wir zusammen mit dir/euch“ (1. Person Plural inklusiv)
Die erste Person Plural ist nicht buchstäblich ein Plural von „ich“ (also mehrere Sprecher), sondern bezeichnet irgendeine Gruppe, die den Sprecher enthält. Es handelt sich also eigentlich um eine Kombination der ersten Person Singular mit einer oder mehreren anderen, zweiten und/oder dritten Personen. Aus diesem Grunde gibt es in vielen Sprachen auch verschiedene Wir-Formen, die unterscheiden, ob die Angesprochenen mit einbezogen werden („inklusives Wir“) oder nicht („exklusives Wir“), zum Beispiel im [[Indonesische Sprache|Indonesischen]]:
*''kami'' „wir ohne dich/euch“ = „ich und Dritte“ (1. Person Plural exklusiv)
* ''kita'' „wir zusammen mit dir/euch“ (1. Person Plural inklusiv)
<p>Manche Sprachen unterscheiden in ihren Verb-Affixen sogar drei verschiedene Formen der ersten Person Plural. So hat das Sierra Popoluca das exklusive Wir, das „beschränkte“ inklusive Wir (ich und Adressat, ohne Dritte) und das „generalisierte“ inklusive Wir (ich, Adressat(en) und Dritte).<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-11 [11]]</sup></p><p>Eine Unterscheidung zwischen inklusiv und exklusiv ist auch für die zweite Person Plural denkbar: ein exklusives Ihr (mehrere Adressaten, ohne Dritte) und ein inklusives Ihr (die Adressaten und Dritte). Eine solche Unterscheidung ist für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Abchasisch Abchasische] beschrieben worden, scheint allerdings nicht sehr robust.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-12 [12]]</sup></p><p>In der Literatur ist die Auffassung vertreten worden, dass die inklusiven und exklusiven Spezialformen des Sprecherbezugs nicht unbedingt der einfachen ersten Person (als deren Plural) zugeordnet werden müssten, sondern dass sie als eigenständige Kategorie neben den drei anderen Personalmerkmalen stehen könnten. Man erhielte dann eine etwas größere Familie von Merkmalen „an der Sprechsituation direkt Beteiligte“ (1. Person, 2. Person, 1/2-Inklusiv), im Kontrast zu „nicht Beteiligte“.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-13 [13]]</sup> Zum Beispiel ist für die Personalpronomen der nordaustralischen Sprache Rembarrnga (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bedrohter_Sprachen#Australien Liste bedrohter Sprachen#Australien]<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-14 [14]]</sup>) folgendes System vorgeschlagen worden:<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-15 [15]]</sup></p>
* ''kami'' „wir ohne dich/euch“ = „ich und Dritte“ (1. Person Plural exklusiv)
 
Manche Sprachen unterscheiden in ihren Verb-Affixen sogar drei verschiedene Formen der ersten Person Plural. So hat das Sierra Popoluca das exklusive Wir, das „beschränkte“ inklusive Wir (ich und Adressat, ohne Dritte) und das „generalisierte“ inklusive Wir (ich, Adressat(en) und Dritte).<ref>Arnold M. Zwicky: ''Hierarchies of Person.'' In: ''Chicago Linguistic Society.'' Vol 13, 1977, S.&nbsp;714–733. Auf S.&nbsp;729 zitiert nach Foster & Foster 1948.</ref>
 
Eine Unterscheidung zwischen inklusiv und exklusiv ist auch für die zweite Person Plural denkbar: ein exklusives Ihr (mehrere Adressaten, ohne Dritte) und ein inklusives Ihr (die Adressaten und Dritte). Eine solche Unterscheidung ist für das [[Abchasisch]]e beschrieben worden, scheint allerdings nicht sehr robust.<ref>Michael Cysouw: ''The Paradigmatic Structure of Person Marking.'' Oxford University Press, 2003. S. 75.</ref>
 
In der Literatur ist die Auffassung vertreten worden, dass die inklusiven und exklusiven Spezialformen des Sprecherbezugs nicht unbedingt der einfachen ersten Person (als deren Plural) zugeordnet werden müssten, sondern dass sie als eigenständige Kategorie neben den drei anderen Personalmerkmalen stehen könnten. Man erhielte dann eine etwas größere Familie von Merkmalen „an der Sprechsituation direkt Beteiligte“ (1. Person, 2. Person, 1/2-Inklusiv), im Kontrast zu „nicht Beteiligte“.<ref>Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017). – S. 388.</ref>
Zum Beispiel ist für die Personalpronomen der nordaustralischen Sprache Rembarrnga (siehe [[Liste bedrohter Sprachen#Australien]]<ref>Mehr Information auch unter [[Maningrida#Kultur]] sowie auf Englisch unter [[:en:Rembarrnga language]]</ref>) folgendes System vorgeschlagen worden:<ref>Graham McKay: ''Pronominal Person and Number Categories in Rembarrnga and Djeebbana.'' In: ''Oceanic Linguistics,'' 17-1 (1978), pp. 27–37. [https://www.jstor.org/stable/3622826 online]. Daten auf S. 28. McKays Kategorie “unit augmented” wird hier übersetzt als „minimal erweitert“.</ref>
 
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
! style="background:#FFDEAD"|Person
! style="background:#FFDEAD"|minimal
! style="background:#FFDEAD"|minimal erweitert
! style="background:#FFDEAD"|erweitert
|-
|-
! Person
! 1  
! minimal
| align=center |'''ngunu''' („ich“)
! minimal erweitert
| align=center |'''yarrbbarrah'''
! erweitert
| align=center |'''yarru'''
|-
! 1
| align="center" | '''ngunu''' („ich“)
| align="center" | '''yarrbbarrah'''
| align="center" | '''yarru'''
|-
|-
! 1/2
! 1/2
| align="center" | '''yukku''' („ich und du“)
| align=center |'''yukku''' („ich und du“)
| align="center" | '''ngakorrbbarrah'''
| align=center |'''ngakorrbbarrah'''
| align="center" | '''ngakorru'''
| align=center |'''ngakorru'''
|-
|-
! 2
! 2
| align="center" | '''ku''' („du“)
| align=center |'''ku''' („du“)
| align="center" | '''nakorrbbarrah'''
| align=center |'''nakorrbbarrah'''
| align="center" | '''nakorru'''
| align=center |'''nakorru'''
|-
|-
! 3
! 3
| align="center" | '''nawu''' („er“) / '''ngadu''' („sie“)
| align=center |'''nawu''' („er“) / '''ngadu''' („sie“)
| align="center" | '''barrbbarrah'''
| align=center |'''barrbbarrah'''
| align="center" | '''barru'''
| align=center |'''barru'''
|}
|}
<p>Hier taucht das inklusive Pronomen mit der Bedeutung „ich und du“ nicht als eine Art von Mehrzahl der 1. Person auf (nämlich als die traditionelle Kategorie „1. Person inklusiv Zweizahl“), sondern als zusätzliche elementare Person. Diese kann ebenso wie die einfache „1.Person Singular“ jeweils um einen Dritten „minimal erweitert“ werden (mittlere Spalte) oder um mehrere Personen beliebig erweitert (rechte Spalte). (Somit bedeutet „1. Person minimal erweitert“ die herkömmliche 1. Person Dual exklusiv).</p><p>Derlei zusätzliche Personen sind auch vereinzelt als eine „4. Person“ bezeichnet worden.<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-16 [16]]</sup> Diese Redeweise verdeckt aber, dass das eigentliche Problem ist, wie sich das Numerusmerkmal zu den Personen verhält. In der Tabelle ist die „minimale“ Anzahl der Individuen je nach Person verschieden, anders als in einem herkömmlichen System, das immer von einer festen Einteilung in Individuum (Singular), Zweiergruppe (Dual), Dreiergruppe und größer (Plural, oder sogar Trial vs. Plural) ausgeht, und die Person-Unterscheidungen diesem Raster unterordnet.<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-17 [17]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading3">
 
Hier taucht das inklusive Pronomen mit der Bedeutung „ich und du“ nicht als eine Art von Mehrzahl der 1. Person auf (nämlich als die traditionelle Kategorie „1. Person inklusiv Zweizahl“), sondern als zusätzliche elementare Person. Diese kann ebenso wie die einfache „1.Person Singular“ jeweils um einen Dritten „minimal erweitert“ werden (mittlere Spalte) oder um mehrere Personen beliebig erweitert (rechte Spalte). (Somit bedeutet „1. Person minimal erweitert“ die herkömmliche 1. Person Dual exklusiv).
 
Derlei zusätzliche Personen sind auch vereinzelt als eine „4. Person“ bezeichnet worden.<ref> Für einen parallelen Fall wird in McKay (1978) auf eine Darstellung des Tiwi mithilfe eines Merkmals „4. Person“ in Osborne (1974) verwiesen.</ref> Diese Redeweise verdeckt aber, dass das eigentliche Problem ist, wie sich das Numerusmerkmal zu den Personen verhält. In der Tabelle ist die „minimale“ Anzahl der Individuen je nach Person verschieden, anders als in einem herkömmlichen System, das immer von einer festen Einteilung in Individuum (Singular), Zweiergruppe (Dual), Dreiergruppe und größer (Plural, oder sogar Trial vs. Plural) ausgeht, und die Person-Unterscheidungen diesem Raster unterordnet.<ref>McKay (1978), S. 28</ref>
 
=== Weitere Flexionskategorien ===
=== Weitere Flexionskategorien ===
</div><p>Es gibt eine Reihe von weiteren Kategorien, die die Frage aufwerfen, ob zusätzliche Personen über die Werte 1, 2, 3 hinaus anzunehmen sind, vor allem deswegen, weil zusätzliche Formen in der Kongruenz des Verbs auftreten.</p><div class="mw-heading mw-heading4">
Es gibt eine Reihe von weiteren Kategorien, die die Frage aufwerfen, ob zusätzliche Personen über die Werte 1, 2, 3 hinaus anzunehmen sind, vor allem deswegen, weil zusätzliche Formen in der Kongruenz des Verbs auftreten.
==== Unpersönliche Formen ====
</div><p>Im Deutschen wird das Pronomen ''man'' (ein sogenanntes [https://de.wikipedia.org/wiki/Generalisierendes_Personalpronomen Generalisierendes Personalpronomen]) normalerweise nicht als Repräsentant eines eigenständigen Personalmerkmals angesehen. Die Verbkonkgruenz erscheint bei ''man'' als Subjekt in der 3. Person Singular, und genau deshalb liegt es nahe, dass es grammatisch auch selbst als eine 3. Person zählt. Anders läge der Fall, wenn auch das Verb hier eine separate Form hätte.</p><p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Irische_Sprache Irischen] (und auch im [https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Sprache Finnischen]) existieren solche Verbformen, die das Subjekt als ein „unpersönliches“ oder „generisches“ Subjekt kennzeichnen. Die folgende Tabelle (ein Auszug aus dem Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Irische_Sprache#Verben Irische Sprache#Verben]) zeigt diese separate unpersönliche Form. In den anderen Zellen der Tabelle sieht man, dass sich die Sprache im Übergang befindet und teilweise flektierte Verbformen benutzt, oder alternativ unflektierte Formen zusammen mit Pronomen. Für das unpersönliche Subjekt existiert jedoch kein Pronomen.</p>
*Ausschnitt aus der Konjugation von Irisch ''bris-'' („brechen“):


====  Unpersönliche Formen ====
Im Deutschen wird das Pronomen ''man'' (ein sogenanntes [[Generalisierendes Personalpronomen]]) normalerweise nicht als Repräsentant eines eigenständigen Personalmerkmals angesehen. Die Verbkongruenz erscheint bei ''man'' als Subjekt in der 3. Person Singular, und genau deshalb liegt es nahe, dass es grammatisch auch selbst als eine 3. Person zählt. Anders läge der Fall, wenn auch das Verb hier eine separate Form hätte.
Im [[Irische Sprache|Irischen]] (und auch im [[Finnische Sprache|Finnischen]]) existieren solche Verbformen, die das Subjekt als ein „unpersönliches“ oder „generisches“ Subjekt kennzeichnen. Die folgende Tabelle (ein Auszug aus dem Artikel [[Irische Sprache#Verben]]) zeigt diese separate unpersönliche Form. In den anderen Zellen der Tabelle sieht man, dass sich die Sprache im Übergang befindet und teilweise flektierte Verbformen benutzt, oder alternativ unflektierte Formen zusammen mit Pronomen. Für das unpersönliche Subjekt existiert jedoch kein Pronomen.
* Ausschnitt aus der Konjugation von Irisch ''bris-'' („brechen“):
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
| &nbsp;
! style="background:#FFDEAD;"| Präsens
! style="background:#FFDEAD;"| Futur
|-
|-
|
! style="background:#FFDEAD;"| 1. Sg.
! Präsens
! Futur
|-
! 1. Sg.
| brisim
| brisim
| brisfead, brisfidh mé
| brisfead, brisfidh mé
|-
|-
! 2. Sg.
! style="background:#FFDEAD;"| 2. Sg.
| brisir, briseann tú
| brisir, briseann tú
| brisfir, brisfidh tú
| brisfir, brisfidh tú
|-
|-
! 3. Sg.
! style="background:#FFDEAD;"| 3. Sg.
| briseann sé/sí
| briseann sé/sí
| brisfidh sé/sí
| brisfidh sé/sí
|-
|-
! 1. Pl.
! style="background:#FFDEAD;"| 1. Pl.
| brisimid, briseann muid
| brisimid, briseann muid
| brisfeam, brisfimid, brisfidh muid
| brisfeam, brisfimid, brisfidh muid
|-
|-
! 2. Pl.
! style="background:#FFDEAD;"| 2. Pl.
| briseann sibh
| briseann sibh
| brisfidh sibh
| brisfidh sibh
|-
|-
! 3. Pl.
! style="background:#FFDEAD;"| 3. Pl.
| brisid, briseann siad
| brisid, briseann siad
| brisfid, brisfidh siad
| brisfid, brisfidh siad
|-
|-
! unpersönlich
! style="background:#FFDEAD;"| unpersönlich
| bristear
| bristear
| brisfear
| brisfear
|-
|}
|}
<p>Solch eine zusätzliche „unpersönliche Person“ findet sich nirgendwo anders in der Grammatik des Irischen – sie fehlt bei den Formen der Personalpronomen fürs direkte Objekt, bei Possessivpronomen und auch bei den konjugierten Präpositionen. Es ist daher nicht üblich zu sagen, dass die Kategorie „Person“ im Irischen grundsätzlich andere Werte annimmt als die vertrauten Werte 1, 2, 3.</p><div class="mw-heading mw-heading4">
Solch eine zusätzliche „unpersönliche Person“ findet sich nirgendwo anders in der Grammatik des Irischen – sie fehlt bei den Formen der Personalpronomen fürs direkte Objekt, bei Possessivpronomen und auch bei den konjugierten Präpositionen. Es ist daher nicht üblich zu sagen, dass die Kategorie „Person“ im Irischen grundsätzlich andere Werte annimmt als die vertrauten Werte 1, 2, 3.
==== Die „vierte Person“ im Grönländischen ====
 
</div><p>Manche Sprachen besitzen grammatische Markierungen, die klarlegen, ob ein Individuum, das in einem Nebensatz erwähnt wird, identisch ist zu einem im Hauptsatz erwähnten, oder verschieden von ihm. Man spricht dann von einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Switch-Reference Switch-Reference]-System (etwa: „Umschaltung des Bezuges“, „Referenzumschaltung“). Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%B6nl%C3%A4ndische_Sprache Grönländische Sprache] liefert nach Baker & Souza (2020) ein Beispiel hierfür (obwohl diese Einordnung in der Fachliteratur teils auch bestritten wird).<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-18 [18]]</sup></p><p>Die beiden Formen, die in einem Nebensatz Identität oder Verschiedenheit eines Individuums mit dem im Hauptsatz ausdrücken, werden in der Grönländischen Grammatik traditionell als zwei verschiedene Personalformen bezeichnet, nämlich „dritte“ und „vierte“ Person. Sie erscheinen als pronominale Affixe des Verbs, zusätzlich dazu stehen dann volle Argumentausdrücke im Satz, die diese Markierungen nicht tragen. Im folgenden Beispiel<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-19 [19]]</sup> ist das Affix ''-a-'' das Zeichen für Referenzverschiedenheit des Nebensatz-Subjekts ([https://de.wikipedia.org/wiki/Ergativ Ergativ]) mit dem Subjekt des Hauptsatzes und ''-mi-'' das Zeichen für deren Identität. Zugleich finden sich im Verb des Nebensatzes auch die Affixe ''-uk-'' bzw. ''-gu-'' für Referenzverschiedenheit des Nebensatz-Objekts mit dem Hauptsatz, und ''-ni-'' für deren Identität. Zur leichteren Lesbarkeit sind nur die Formen für Identität fettgedruckt, markiert als „3SG.PROX“ („proximal“):</p><p>a. Objekt des Nebensatzes ist identisch zur Person im Hauptsatz</p><pre>  [ ''Juuna-p    Kaali  tatigi-mm-a-'''ni'''        '']''  toqqissima-vo-q''
==== {{Anker|vierte Person}} Die „vierte Person“ im Grönländischen ====
    Juuna-ERG  Kaali  vertrauen-CAU-3SG-'''3SG.PROX'''    ruhigbleiben-IND-3SG
Manche Sprachen besitzen grammatische Markierungen, die klarlegen, ob ein Individuum, das in einem Nebensatz erwähnt wird, identisch ist zu einem im Hauptsatz erwähnten, oder verschieden von ihm. Man spricht dann von einem [[Switch-Reference]]-System (etwa: „Umschaltung des Bezuges“, „Referenzumschaltung“). Die [[Grönländische Sprache]] liefert nach Baker & Souza (2020) ein Beispiel hierfür (obwohl diese Einordnung in der Fachliteratur teils auch bestritten wird).<ref>Dafür z.&nbsp;B.: Mark Baker & Livia Camargo Souza: ''Switch-Reference in American Languages.'' In:  Daniel Siddiqi et al. (eds.), ''The Routledge Handbook of North American Languages.'' Routledge, New York 2020. S. 210–232. Zum Grönländischen in einem Abschnitt über „Grenzen der Kategorie“ auf S. 227. — Dagegen: Andrew MacKenzie: ''A survey of switch reference in North America.'' In: ''International Journal of American Linguistics,'' 81 (2015). 409–448. Zum Ausschluss des Grönländischen kurz auf S. 420. Dort bezieht MacKenzie sich allerdings auf ein anderes Affix als das hier genannte, er bestreitet aber darauf gestützt die Existenz von switch-reference fürs Grönländische allgemein.</ref>
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = Kaali
 
</pre><p>b. Subjekt des Nebensatzes ist identisch zur Person im Hauptsatz</p><pre>  [ ''Juuna-p    Kaali  tatigi-ga-'''mi'''-uk        '']''   toqqissima-vo-q''
Die beiden Formen, die in einem Nebensatz Identität oder Verschiedenheit eines Individuums mit dem im Hauptsatz ausdrücken, werden in der Grönländischen Grammatik traditionell als zwei verschiedene Personalformen bezeichnet, nämlich „dritte“ und „vierte“ Person. Sie erscheinen als pronominale Affixe des Verbs, zusätzlich dazu stehen dann volle Argumentausdrücke im Satz, die diese Markierungen nicht tragen. Im folgenden Beispiel<ref>Aus: Maria Bittner: ''Case, Scope and Binding''. Kluwer, Dordrecht 1994 [heute: Springer, Berlin]. Siehe S. 153. Die dort abgedruckte Verbform „tuqqissimavuq“ wurde korrigiert.</ref> ist das Affix ''-a-'' das Zeichen für Referenzverschiedenheit des Nebensatz-Subjekts ([[Ergativ]]) mit dem Subjekt des Hauptsatzes und ''-mi-'' das Zeichen für deren Identität. Zugleich finden sich im Verb des Nebensatzes auch die Affixe ''-uk-'' bzw. ''-gu-'' für Referenzverschiedenheit des Nebensatz-Objekts mit dem Hauptsatz, und ''-ni-'' für deren Identität. Zur leichteren Lesbarkeit sind nur die Formen für Identität fettgedruckt, markiert als „3SG.PROX“ („proximal“):
     Juuna-ERG  Kaali  vertrauen-CAU-'''3SG.PROX'''-3SG    ruhigbleiben-IND-3SG
 
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = Juuna
a. Objekt des Nebensatzes ist identisch zur Person im Hauptsatz
</pre><p>c. Keine Identität zur Person im Hauptsatz</p><pre>  [ ''Juuna-p    Kaali  tatigi-mm-a-gu      '']''     toqqissima-vo-q''
 
    Juuna-ERG  Kaali  vertrauen-CAU-3SG-3SG       ruhigbleiben-IND-3SG
  [ ''Juuna-p    Kaali  tatigi-mm-a-'''ni'''         '']''   toqqissima-vo-q''
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = ein Dritter, weder Kaali noch Juuna
     Juuna-ERG  Kaali  vertrauen-CAU-3SG-'''3SG.PROX'''   ruhigbleiben-IND-3SG
</pre><p>Während die Bezeichnung der obigen „PROX“-Form als eine „vierte Person“ in der Grammatik des Grönländischen traditionell verankert ist, und auch in neueren linguistischen Werken erwähnt wird, wird doch bezweifelt, dass die Form buchstäblich als eine weitere Person gleichauf mit 1., 2., 3. zu sehen ist (und die Bezeichnung vierte Person wird in neuerer Literatur auch tendenziell in Anführungszeichen gesetzt, siehe Baker & Souza 2020).</p><p>In der Tat ergeben sich im dargestellten Fall dieselben Unterscheidungen, die auch sonst in der Interpretation von Pronomina der dritten Person benötigt werden (nur nicht in Wortformen angezeigt werden). Aus dem Konzept der [https://de.wikipedia.org/wiki/Switch-Reference Switch-Reference]ergäbe sich demnach keine zusätzliche „Person“, sondern eine querlaufende Charakterisierung nach Referenzidentität. Wie im Beispiel zu sehen, ist die „4. Person“, die mit einer gesonderten Form angezeigt wird, gerade der Fall, dass ein Individuum mit einer anderen „3. Person“ ''identisch'' ist; es handelt sich gerade nicht um eine ''Abgrenzung'' gegen diese 3. Person. Dementsprechend handelt es sich hier auch nicht um verschiedene Teilnehmerrollen in der Sprechsituation, was eingangs als Definition verwendet wurde, sondern um verschiedene Bezüge zum grammatischen Kontext.</p><p>Es scheint, dass die Redeweise von einer 4. Person nicht inhaltlich motiviert ist (da die Funktion als ein Untertyp der 3. Person verstanden werden könnte), sondern vor allem nur dadurch, dass die Personalflexion eben vier verschiedene Kongruenzformen unterscheidet.<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Person_(Grammatik)#cite_note-20 [20]]</sup> Man hätte hier also ein Auseinanderlaufen einer inhaltlichen Definition von einer flexionsmorphologischen Definition von „Person“.</p><p>Gehling (2004) schreibt zusammenfassend mit Blick auf solche Fälle:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Angesichts der Tatsache, dass terminologische Alternativen bestehen, darf zusätzlich die Notwendigkeit des Ausdrucks „vierte Person“ in Abrede gestellt werden.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Thomas Gehling</span>: <cite>Ich, du und Andere. Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person«&nbsp;und »Numerus«, LIT Verlag, Münster 2004.</cite></div></div><p>Und allgemeiner:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„All the subdivisions of the third person follow from its place on the deictic scale. There is no room, in our definition, for a fourth person“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Paul Forchheimer</span>: <cite>The Category of Person in Language. Walter de Gruyter, Berlin 1953. S. 22</cite></div></div><div class="mw-heading mw-heading2">
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = Kaali
 
b. Subjekt des Nebensatzes ist identisch zur Person im Hauptsatz
 
    [ ''Juuna-p    Kaali  tatigi-ga-'''mi'''-uk        '']''   toqqissima-vo-q''
      Juuna-ERG  Kaali  vertrauen-CAU-'''3SG.PROX'''-3SG     ruhigbleiben-IND-3SG
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = Juuna
 
c. Keine Identität zur Person im Hauptsatz
 
  [ ''Juuna-p    Kaali  tatigi-mm-a-gu      '']''    toqqissima-vo-q''
    Juuna-ERG  Kaali  vertrauen-CAU-3SG-3SG        ruhigbleiben-IND-3SG
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = ein Dritter, weder Kaali noch Juuna
 
Während die Bezeichnung der obigen „PROX“-Form als eine „vierte Person“ in der Grammatik des Grönländischen traditionell verankert ist, und auch in neueren linguistischen Werken erwähnt wird, wird doch bezweifelt, dass die Form buchstäblich als eine weitere Person gleichauf mit 1., 2., 3. zu sehen ist (und die Bezeichnung vierte Person wird in neuerer Literatur auch tendenziell in Anführungszeichen gesetzt, siehe Baker & Souza 2020).
 
In der Tat ergeben sich im dargestellten Fall dieselben Unterscheidungen, die auch sonst in der Interpretation von Pronomina der dritten Person benötigt werden (nur nicht in Wortformen angezeigt werden). Aus dem Konzept der  [[Switch-Reference]] ergäbe sich demnach keine zusätzliche „Person“, sondern eine querlaufende Charakterisierung nach Referenzidentität. Wie im Beispiel zu sehen, ist die „4. Person“, die mit einer gesonderten Form angezeigt wird, gerade der Fall, dass ein Individuum mit einer anderen „3. Person“ ''identisch'' ist; es handelt sich gerade nicht um eine ''Abgrenzung'' gegen diese 3. Person. Dementsprechend handelt es sich hier auch nicht um verschiedene Teilnehmerrollen in der Sprechsituation, was eingangs als Definition verwendet wurde, sondern um verschiedene Bezüge zum grammatischen Kontext.
 
Es scheint, dass die Redeweise von einer 4. Person nicht inhaltlich motiviert ist (da die Funktion als ein Untertyp der 3. Person verstanden werden könnte), sondern vor allem nur dadurch, dass die Personalflexion eben vier verschiedene Kongruenzformen unterscheidet.<ref>Baker & Souza (2020), S. 228</ref> Man hätte hier also ein Auseinanderlaufen einer inhaltlichen Definition von einer flexionsmorphologischen Definition von „Person“.
 
Gehling (2004) schreibt zusammenfassend mit Blick auf solche Fälle:
{{Zitat | Angesichts der Tatsache, dass terminologische Alternativen bestehen, darf zusätzlich die Notwendigkeit des Ausdrucks „vierte Person“ in Abrede gestellt werden. | Autor=Thomas Gehling | Quelle=Ich, du und Andere. Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person« und »Numerus«, LIT Verlag, Münster 2004.}}
Und allgemeiner:
{{Zitat | All the subdivisions of the third person follow from its place on the deictic scale. There is no room, in our definition, for a fourth person | Autor=Paul Forchheimer | Quelle=The Category of Person in Language. Walter de Gruyter, Berlin 1953. S. 22}}
<!--
 
REST AUS ALTER VERSION, DER SICH NICHT EINORDNEN LÄSST -- REFLEXIV IST DOCH SONST KEINE "PERSON"?
=== Reflexive Formen ===
Im [[Grönländische Sprache|Grönländischen]] unterscheidet die Grammatik bei Besitzverhältnissen, aber auch bei Verbformen zwischen eigenem Besitz, also einem [[Reflexivpronomen|reflexiven]] Possessiv) und dem Besitz eines anderen.
Er sieht sein (eigenes) Haus = ''illua''.
Er sieht sein/ihr Haus (das Haus eines/einer anderen)  = ''illuni'' (3. Person).
*** QUELLEN ?  ZERLEGUNG DER FORMEN ? ZUSAMMENHANG MIT DER 4.PERSON AN ANDEREN STELLEN?  ***
 
 
**** MAL SEHEN OB DAS NOCH DAZUKANN
==== Weitere Unterteilungen in amerikanischen Indianersprachen ====
 
* Proximativ/obviativ distinction
* Definition obviativ für Algonkin-Sprachen nach Aissen: Ergänzungen eines Verbs werden sortiert nach Topikalität,einer muss prox./Topik sein, andere im Hintergrund. Wenn das auch ein Personenunterschied ist, dann ergibt sich für Systeme, die bei mehr als 2  Teilnehmern im Satz alle hierarchisieren, dass nach 3 und 4 noch eine 5. Person anfällt.
* Auch dies, ebenso wie der Fall im vorigen Abschnitt fällt unter das Dikturm von Forchheimer (1953):  -->
<!-- ES FOLGT ALTES MATERIAL - NOCH NICHT GELÖSCHT  -- könnte auch in den Artikel OBVIATIV
 
=== Übersicht bei David W. Fleck: Coreferential Fourth Person Pronoun in Matses ===
In seiner Arbeit über die amazonische indigene Sprache Matses unterscheidet David W. Fleck:
(A) Contrasting type of non-speech-act participand reference
 
(i) coreference, as opposed to disjoint reference
 
(ii) obviative, as opposed to proximate
 
(iii) disjoint reference (with subject/topic) as opposed to coreference
 
(iv) direct voice, as opposed to inverse voice
 
(v) unspecified human (impersonal)
 
(B) Inklusive first person plural, when distinct from the first-person singular/exclusive plural
 
 
=== Obviativ ---  Fünfte Person (Blackfoot und Potawatomi) ===
 
=== Blackfoot ===
Auch Donald G. Frantz benutzt für das Blackfoot den Terminus „fünfte Person“. Hier soll allerdings eine syntaktische Beziehung gezeigt werden. (The primary purpose of this paper is to illustrate the function of third, fourth and fifth person categories on an indexing system showing syntactic relationships in Blackfoot.)
 
Occasionally, morphosynthactic person is explicitly identified with referential person, as in Frantz 1966:51, in Blackfoot
 
(30)
 
first person = speaker
 
second person = addressee
 
third person = primary topic
 
fourth person = secondary topic, subordinate to third person
 
fifth person = topic subordinate to fourth person
 
(Arnold M. Zwicky, Ohio State University, Hierarchies of Person.PDF, Seite 722 (Seiten 714–733), scholar.google.de)
 
=== Potawatomi ===
Auch ''Barbara E. Erickson'' kennt für das Potawatomi die ''fünfte Person'', die sie „second obviative“ nennt. Während bei den intransitiven „animate“ Verben für das Subjekt und bei den transitiven „animate“ Verben sowohl für das Subjekt wie auch für das Objekt durch kennzeichnende charakteristische Silbeneinschübe bzw. -anhänge schon eine vierte Person gekennzeichnet wird, führt Barbara E. Ericsson bei Nomen (possessed animate nouns) in Chart 5 auf Seite 230 für den „Possessor“ die Personen 1 bis 3, für „Possessed“ dagegen die Personen 3 bis 5 auf. Entsprechend führt sie auf Seite 231 auch für die „unpossessed animate nouns“ eine vierte und eine fünfte Person auf, die gekennzeichnet wird.
 
Als Beispiel für die „second obviative“-Form gibt ''Laura Ann Buszard'' „nos okmesen dennimnen“ (my father's grandmother's husband) an, wo ein das abschließende „nen“ die charakteristische Endung für die ''zweite obviativ''-Form ist. Andererseits schreibt sie, dass diese „zweite obviative Form“ seit den 1940er Jahren außer Gebrauch gekommen ist. (Second obviative forms and possessee obviatives appear to be no longer in use today, at least there are no instances in the present corpus. Since they are falling out of the use in the 1940's when the speech community was still quite robust, and since younger speakers of other close dialects like Ottawa (Rhodes, 1993) modern Potawatomi speakers' use of first obviatives only seams to be the completion of this natural change, although attrition as a factor cannot be ruled out.)
 
 
ALTES LIT.VERZ. -- IM TEXT NICHT BENUTZT ODER REF BEREITS EINGEFÜGT
== Literatur ==
* Thorben Andersen: ''Studies in Language, Anti-Logophoricity and Indirect Mode in Mabaan.'' Ingenta Connect, Volume 23, Number 3, 1999, S. 499–530 (32), Publisher: John Benjamin s Publishing Company
* David W. Fleck: ''Coreferential Fourth-Person Pronouns in Matse.'' International Journal of America Linguistics, Vol. 74, No. 3, July 2008, S. 279–311, The University of Chicago Press
* Leonie Cornips, Karen P. Corrogan: ''Syntax and Variation. Reconciling the Biological and the Social'', Chapter 11, Paola Benincà and Cecilia Poletto, University di Padova/Istituto di Tecnologie della Cognizione CNR, S. 265 ff., in: Current Issues in Linguistic Theory 265, John Benjamins Publishing Company
* Donald G. Frantz: ''Person Indexing in Blackfoot.'' International Journal of American Linguistic, Vol. 32, No. 1, Jan. 1966, S. 50
* Joseph H. Greenberg: ''The Second Person is rightly so called.'' Principles and Prediction: The Analysis of natural languages, edited by Mushira Eid and Gregory K. Iverson, John Benjamin's Publishing Company (S. 16)
* Barbara E. Erickson: ''Patterns of Person Number Reference in Potawatomi.'' International Journal of American Linguistic, Vol 31, No. 3, Jul 1965, S. 226–236
* Foster, Mary L. und George M. Foster: ''Sierra Popoluca Speech.'' Institute of Social Anthropology Smithsonia Institute, Publication 8, U.S. Government Printing Office, Washington D.C. 1948
-->
 
== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
</div>
<references />
#<span class="reference-text">Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017), 387–456. Siehe S. 388, dort Rückgriff auf weitere Literatur.</span>
 
#<span class="reference-text">Anna Kibort: ''Person.'' [http://www.grammaticalfeatures.net/features/person GrammaticalFeatures.net, Online]. The Surrey Morphology Group 2008 (abgerufen am 27. April 2022). Siehe Abschnitt 3, sowie die Diskussion in Abschnitt 6, wo das potenzielle Gegenbeispiel [https://de.wikipedia.org/wiki/Artschinische_Sprache Artschinisch] ebenso eingeordnet wird.</span>
{{NaviBlock
#<span class="reference-text">Quelle für diesen und die folgenden Absätze: Thomas Gehling: '''Ich', 'du' und Andere. Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person«&nbsp;und »Numerus«.'' LIT Verlag, Münster 2004. S. 1–4.</span>
|Navigationsleiste Konjugation
#<span class="reference-text">Wilfried Kürschner: <cite>Die Lehre des Grammatikers Dionysios (Dionysios Thrax, Tékhne grammatiké – deutsch mit griechischem Paralleltext)</cite>. In: Pierre Swiggers und Alfons Wouters (Hrsg.): <cite>Ancient grammar: Contents and contexts</cite>. Peeters, Löwen, Paris 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9068318810 ISBN 90-6831-881-0], §13 &lt;F&gt;, S.&nbsp;198–199 ([http://www.wilkuer.de/forschung/u_1996_-_lehre_des_grammatikers_dionysios__gr.-dt_scan.pdf wilkuer.de] [PDF]).</span>
|Navigationsleiste Grammatik des Verbs
#<span class="reference-text">Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017), 387–456. Siehe S. 393.</span>
}}
#<span class="reference-text">Dik Bakker: ''Person Marking on Adpositions.'' = Kapitel 48 in: Matthew S. Dryer, Martin Haspelmath (eds.): ''The [https://de.wikipedia.org/wiki/World_Atlas_of_Language_Structures World Atlas of Language Structures].'' Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie. Leipzig 2013. [http://wals.info/chapter/48 Online] (abgerufen am 18. April 2022). Von dort auch das abchasische Beispiel weiter unten.</span>
 
#<span class="reference-text">Tundra-Nenzisch, Beispiel aus Nichols (2017: 393), wo es nach einer Arbeit von Nikolaeva (2005) zitiert ist.</span>
{{Normdaten|TYP=s|GND=4140948-6}}
#<span class="reference-text">Nichols (2017: 393f.) deutet die vereinzelte Existenz solcher Fälle an. Sie scheinen nur zu entstehen, wenn in einer Sprache ein Affix zur ''Genus''-Kongruenz des Adjektivs verwendet wird, das anderswo auch zur Markierung von Personenkongruenz dient und daher obligatorisch ein Personalmerkmal „mitschleppt“ (das aber am attributiven Adjektiv dann nur noch auf 3. Person lauten kann).</span>
 
#<span class="reference-text">Siehe Michael Daniel: ''Plurality in Independent Personal Pronouns.'' In: Matthew Dryer & Martin Haspelmath (eds.): ''The World Atlas of Language Structures Online.'' Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig 2013. [http://wals.info/chapter/35 Online], abgerufen am 1. Juni 2020.</span>
[[Kategorie:Wortform|*Person]]
#<span class="reference-text">Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017), 387–456. Das Lakhota-Beispiel von S. 391</span>
[[Kategorie:Linguistische Morphologie]]
#<span class="reference-text">Arnold M. Zwicky: ''Hierarchies of Person.'' In: ''Chicago Linguistic Society.'' Vol 13, 1977, S.&nbsp;714–733. Auf S.&nbsp;729 zitiert nach Foster & Foster 1948.</span>
[[Kategorie:Linguistische Typologie]]
#<span class="reference-text">Michael Cysouw: ''The Paradigmatic Structure of Person Marking.'' Oxford University Press, 2003. S. 75.</span>
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
#<span class="reference-text">Johanna Nichols: ''Person as an inflectional category.'' In: ''Linguistic Typology,'' 21-3 (2017). – S. 388.</span>
#<span class="reference-text">Mehr Information auch unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Maningrida#Kultur Maningrida#Kultur] sowie auf Englisch unter [https://en.wikipedia.org/wiki/Rembarrnga_language en:Rembarrnga language]</span>
#<span class="reference-text">Graham McKay: ''Pronominal Person and Number Categories in Rembarrnga and Djeebbana.'' In: ''Oceanic Linguistics,'' 17-1 (1978), pp. 27–37. [https://www.jstor.org/stable/3622826 online]. Daten auf S. 28. McKays Kategorie “unit augmented” wird hier übersetzt als „minimal erweitert“.</span>
#<span class="reference-text">Für einen parallelen Fall wird in McKay (1978) auf eine Darstellung des Tiwi mithilfe eines Merkmals „4. Person“ in Osborne (1974) verwiesen.</span>
#<span class="reference-text">McKay (1978), S. 28</span>
#<span class="reference-text">Dafür z.&nbsp;B.: Mark Baker & Livia Camargo Souza: ''Switch-Reference in American Languages.'' In: Daniel Siddiqi et al. (eds.), ''The Routledge Handbook of North American Languages.'' Routledge, New York 2020. S. 210–232. Zum Grönländischen in einem Abschnitt über „Grenzen der Kategorie“ auf S. 227. — Dagegen: Andrew MacKenzie: ''A survey of switch reference in North America.'' In: ''International Journal of American Linguistics,'' 81 (2015). 409–448. Zum Ausschluss des Grönländischen kurz auf S. 420. Dort bezieht MacKenzie sich allerdings auf ein anderes Affix als das hier genannte, er bestreitet aber darauf gestützt die Existenz von switch-reference fürs Grönländische allgemein.</span>
#<span class="reference-text">Aus: Maria Bittner: ''Case, Scope and Binding''. Kluwer, Dordrecht 1994 [heute: Springer, Berlin]. Siehe S. 153. Die dort abgedruckte Verbform „tuqqissimavuq“ wurde korrigiert.</span>
#<span class="reference-text">Baker & Souza (2020), S. 228</span>

Aktuelle Version vom 19. Juni 2026, 14:01 Uhr

Die grammatische Kategorie der Person gibt an, welche Rolle die bezeichneten Lebewesen oder Dinge in der Sprechsituation spielen.[1] Diese Teilnehmerrolle in der Sprechsituation ist das einzige Merkmal, das mit dem Begriff der grammatischen Person direkt bezeichnet wird. Es tritt allerdings in sehr vielen Fällen mit einem Numerus-Merkmal (Einzahl / Mehrzahl) verknüpft auf.

Die Kategorie grammatische Person kann in den meisten Systemen drei Werte annehmen, nämlich:

  1. Sprecher der Äußerung: die Pronomen „ich“, „wir“,
  2. Adressaten der Äußerung (Angesprochene): Pronomen „du“, „ihr“, „Sie“
  3. Dritte, die weder Sprecher noch Adressaten sind (Besprochene): die Pronomen „er“, „es“, „sie“.

Wortarten, bei denen verschiedene Personalmerkmale unterschieden werden können, sind vor allem Personalpronomen sowie auch Possessivpronomen. Andere Typen von Pronomen wie etwa Indefinitpronomen sowie Substantive tragen auch ein Personalmerkmal, sind dabei aber auf die 3. Person festgelegt.

Das Merkmal Person kann ferner an anderen Wortarten auftreten, die nicht selbst Individuen bezeichnen. Relativ häufig ist das Vorkommen des Personalmerkmals in finiten Verbformen. In diesem Fall spiegelt die finite Verbform das Personalmerkmal des Subjekts im Satz wider (Kongruenz mit dem Subjekt), in manchen Sprachen auch das des Objekts. Die Kategorie der Finitheit muss aber nicht notwendigerweise einen Bezug auf Personalmerkmale enthalten (z. B. im Dänischen ist die finite Verbform personenneutral).

Die Fachbegriffe für die grammatischen Personen bestehen lediglich in einer Nummerierung der genannten Rollen als 1. Person, 2. Person und 3. Person. Diese Kategorie ist in allen Sprachen der Welt vertreten,[2] allerdings werden nicht immer alle drei Personen durch Formen vollständig unterschieden. Es gibt außerdem in manchen Sprachen Fälle, für die eine Erweiterung der Liste auf „vierte“ oder sogar „fünfte“ Personen vorgeschlagen worden ist; dafür gibt es aber keine allgemein übliche Konvention, und viele solcher Vorschläge werden in der Sprachwissenschaft auch bestritten.

Herkunft der Bezeichnung

Das Wort „Person“ kommt vom lateinischen persona (ursprünglich ‚Maske‘, vor allem im Zusammenhang mit dem Theater). In der Alltagssprache bezeichnet dieses Wort Wesen, mit denen man kommunizieren kann, in der Regel Menschen. In dieser Bedeutung des Wortes sagt man zum Beispiel, jemand sei eine (natürliche) Person.

Der grammatische Fachbegriff Person ist anders gelagert und bezeichnet ein grammatisches Merkmal, das bestimmte Ausdrücke tragen. In diesem Sinne sagt man, ein Ausdruck, der jemanden oder etwas bezeichnet, stehe/sei in der 1., 2. oder 3. (grammatischen) Person. Dieser grammatische Begriff beschränkt sich nicht auf Menschen, wenngleich der Bezug auf Menschen bei der ersten und zweiten Person der normalste Fall ist. Das Wort Personalpronomen bezieht sich auf die grammatische Person, nämlich ein Pronomen, das ein Personalmerkmal ausdrückt, und gilt daher ebenso für den Bezug auf Dinge und Abstrakta.

Die Verwendung als Grammatikbegriff[3] und die geläufige Nummerierung stammen von dem antiken Grammatiker Dionysios Thrax (170/160 bis ca. 90 vor Chr.), der im europäischen Raum die älteste bis heute überlieferte Grammatik schrieb. Er formulierte: „Die erste Person ist die, von der die Rede ausgeht, die zweite, an die die Rede gerichtet ist, und die dritte, über die die Rede geht.“[4] Das von ihm benutzte Wort πρόσωπον (prosōpon) heißt primär ‚Gesicht‘, ist aber anders als das deutsche Wort Person nicht auf personale Wesen beschränkt, sondern kann auch das Aussehen einer Sache bezeichnen. Die Doppeldeutigkeit von Person im Deutschen kommt also durch die Übersetzung zustande.

In der arabischen Grammatiktradition heißt die erste Person al-mutakallim, das heißt ‚derjenige, der spricht‘, die zweite al-muḫāṭab, das heißt ‚derjenige, an den man sich wendet‘, und die dritte al-ġāʾib, ‚derjenige, der abwesend ist‘.

Aber es gibt auch den Fall der umgekehrten Ordnung. In der indischen Grammatik wird folgende Nummerierung verwendet:

  • prathamapuruṣa heißt ‚erste Person‘, d. h. die, über die die Rede geht (sie entspricht unserer dritten Person)
  • madhyamapuruṣa heißt ‚mittlere Person‘, d. h. die, an die die Rede gerichtet ist (sie entspricht unserer zweiten Person)
  • uttamapuruṣa heißt ‚letzte Person‘, d. h. die, von der die Rede ausgeht (sie entspricht unserer ersten Person)

Überblick: Anwendungsbereich des Merkmals Person

Grammatische Person ist ein Merkmal, das in zwei Weisen auftreten kann:

  • Es kommt einem Ausdruck zu, der selbst Individuen bezeichnet: Dann zeigt der Ausdruck die Sprechsituations-Rolle dieses Individuums als Sprecher, Adressaten oder Dritten. In diesem Fall ist das Personalmerkmal mit dem Ausdruck fest verbunden.
  • Es kommt einem Ausdruck zu, der nicht selbst Individuen bezeichnet, aber durch eine Kongruenzregel (Merkmalsübereinstimmung) mit einem Ausdruck verbunden ist, der von sich aus Personalmerkmale trägt. Hier tritt Person als ein Merkmal in der Flexion (der grammatischen Formenbildung) eines Wortes auf, und die Merkmalsausprägung ist variabel.

Die grammatische Kategorie Person in diesem Sinn geht also immer von Fällen aus, wo ein Individuum im Satzinhalt benannt wird – sie erstreckt sich nicht auf Fälle, wo nur die Form eines Satzes Eigenschaften der Äußerungssituation widerspiegelt, wie zum Beispiel bei Markierungen des Respekts für den Adressaten oder des sozialen Status oder Geschlechts des tatsächlichen Sprechers.

Grammatische Formen und ihre inhaltliche Interpretation können gelegentlich auseinanderlaufen, so auch im Fall der Person. Oft haben dann die grammatischen Faktoren Vorrang bei der Wahl der Form. So ist es im Prinzip möglich, dass ein Sprecher sich selbst mit einem Ausdruck bezeichnet, der grammatisch der dritten Person angehört (Illeismus). Zum Beispiel kann ein Vater, an das eigene Kind gerichtet, sich selbst als „der Papa“ bezeichnen („Der Papa geht kurz weg“: 3. Person auch in der Verbform). Ebenso können auf Grund von Höflichkeitsregeln Angesprochene mit einem Ausdruck der dritten Person bezeichnet werden, z. B. ist das deutsche Höflichkeitspronomen „Sie“ historisch eine Form der dritten Person.

Person als Flexionsmerkmal

Dieser Abschnitt stellt zunächst den zweiten Punkt des obigen Überblicks, Personalmerkmale als Flexion, näher dar. Insgesamt lässt sich sagen, dass Personalflexion eines Wortes meist durch ein Personalmerkmal seiner Argumente (grammatische Ergänzungen) ausgelöst wird. Auch die Umkehrung scheint zu gelten: Wenn ein Wort mit einem seiner Argumente kongruiert, enthält die Kongruenzform sehr häufig das Personalmerkmal.[5] Fälle von Personenkongruenz außerhalb solcher Argumentbeziehungen sind ganz erheblich seltener; sie werden hier weiter unten im Abschnitt #Sonderfälle kurz besprochen.

Person in Verbformen

Das bekannteste Beispiel für Person als Flexionsmerkmal ist die Subjektkongruenz des Verbs in vielen Sprachen. Die folgende Tabelle zeigt Personalpronomen als Subjekt und dazu die Konjugation des jeweiligen Verbs für ‚tun, machen‘ in den Sprachen Dänisch, Deutsch, Russisch, Türkisch und Swahili. Das Dänische erscheint hier nur zum Kontrast, als das Beispiel einer Sprache, deren finite Verbformen keine Personalmerkmale ausdrücken (sich aber dennoch vom Infinitiv unterscheiden). (Die Bindestriche in den Verbformen zeigen die Zerlegung, sie werden nicht geschrieben):

Dänisch Deutsch Russisch Türkisch Swahili
1. Singular jeg gør ich mach-e (ja) dela-ju yapar-ım ni-na-fanya
2. Singular du gør du mach-st (ty) dela-eš’ yapar-sın u-na-fanya
3. Singular han/hun/den/det
gør
er/sie/es
mach-t
(on/ona/ono)
dela-et
yapar a-na-fanya
1. Plural vi gør wir mach-en (my) dela-em yapar-ız tu-na-fanya
2. Plural I gør ihr mach-t (vy) dela-ete yapar-sınız m-na-fanya
3. Plural de gør sie mach-en (oni) dela-jut yapar-lar wa-na-fanya

Während die Personenmarkierung des Verbs in den meisten indoeuropäischen Sprachen nach dem Verbstamm erfolgt (also mittels Suffixen), kann sie in anderen Sprachen auch davor (also mittels Präfixen) erfolgen, wie hier im Swahili. Dort kann auch ein weiteres Präfix das Objekt bezeichnen, so dass eine Verbform die Personalmerkmale von zwei Ergänzungen angeben kann, z. B. u-na-tu-fanya („du machst uns (z. B. zu Feinden)“) mit 2. Person Singular und 1. Person Plural; bei unbelebten Subjekten oder Objekten stehen dort stattdessen Präfixe für die Nominalklassen, wodurch gleichzeitig die 3. Person angezeigt wird (siehe Abschnitt Kongruenzen nach Klasse und Person des Artikels über Swahili).

In manchen Sprachen findet sich nicht die oben gezeigte Aufteilung von Subjektpronomen im Satz und davon ausgelöster Verbflexion, sondern nur das Verb zeigt die Person des Subjekts oder Objekts, und identifiziert so Subjekt bzw. Objekt ganz alleine. Wenn dieser Mechanismus in Reinform auftritt, spricht man in der Sprachwissenschaft von „Cross-Reference“ (Kreuzreferenz; nicht zu verwechseln mit „switch-reference“, die weiter unten am Beispiel des Grönländischen angesprochen wird).

Person an Nominalformen: Possessor-Kongruenz

Ein weniger bekannter Fall von Personen-Flexion ist eine Markierung an Substantiven, die die Person des Besitzers anzeigt. Dies ist zum Beispiel im Ungarischen zu finden. Die folgende Tabelle ist aus dem Artikel Possessiv übernommen:

Singular Plural
1. kép-em mein Bild kép-ünk unser Bild
2. kép-ed dein Bild kép-etek euer Bild
3. kép-e sein/ihr Bild kép-ük ihr Bild

Dieser Fall ist tatsächlich gleichartig zur Kongruenz zwischen Verben und ihren Argumenten, obwohl in den obigen Beispielen das betreffende Argument, der Possessor, nicht extra zu sehen war. Ähnlich wie bei Subjektpronomen in Sprachen wie dem Italienischen (vgl. den Artikel Pro-Drop-Sprache), wird das Possessor-Argument im Ungarischen nur dann sichtbar zugesetzt, wenn es betont werden soll:

az  én  képem
DET ich Bild-1.sg    („DET“ = bestimmter Artikel)
„MEIN Bild“ (betont)

Personalflexion an Präpositionen und Postpositionen

Gelegentlich findet man Personalformen auch an Präpositionen bzw. Postpositionen (die man insgesamt zu Adpositionen zusammenfasst). Nach der Stichprobe des World Atlas of Language Structures (WALS) besitzen etwa ein Drittel der Sprachen, die überhaupt Adpositionen haben, solche Formen.[6] Diese relativ hohe Zahl bei einem scheinbar „exotischen“ Phänomen kommt unter anderem daher, dass in Regionen wie Mittelamerika sowie den Inseln des Pazifik die Mehrzahl der einheimischen Sprachen diese Eigenschaft hat. Zudem betrifft solche Formenbildung unter Umständen nicht die gesamte Wortart Adposition (eingeschlossen sind bei WALS auch Fälle, wo nur einzelne Verschmelzungsformen existieren, wie im Spanischen mit der Präposition „con“).

Eine Personenflexion im engeren Sinn bei Prä-/Postpositionen bedeutet Merkmalsübereinstimmung mit deren Ergänzung. Häufig ist diese dann aber beschränkt auf eine pronominale Ergänzung – d. h. Flexion erscheint zusätzlich zu oder anstelle von einem Personalpronomen als Ergänzung. Zu diesem Typ gehören auch die konjugierten Präpositionen in den modernen keltischen Sprachen, siehe die Beispiele unter Walisische Sprache. Entsprechend verhalten sich auch die Postpositionen im Ungarischen und Finnischen.

Das Abchasische ist ein Beispiel für den weniger häufigen Fall einer Adposition (hier: Postposition), die Personenkongruenz gleichermaßen mit pronominalen und substantivischen Ergänzungen zeigt („DET“ = definiter Artikel):

a-jə̀yas   a-q’nə̀
DET-Fluss 3sg-an
„am Fluss“
sarà s-q’ənt˚’
ich  1sg-von
„von mir“

Sonderfälle

Kongruierende Konjunktionen

Selten treten Personalmerkmale an unterordnenden Konjunktionen auf, wo sie mit dem Subjekt des Satzes (und dem finiten Verb) kongruieren, etwa im Bairischen: „weil-st du ka Ahnung ho-st“ (mehr dazu siehe im Artikel Komplementierer).

Personenkongruenz in attributiven Konstruktionen

Sehr selten ist eine Personenkongruenz in modifizierenden attributiven Konstruktionen. Am ehesten findet sich noch Personenkongruenz, die in einer Ausbreitung der Possessorkongruenz eines Substantivs auch auf ein begleitendes Adjektiv besteht. Dies wird zum Beispiel in der uralischen Sprache Nenzisch beschrieben:[7]

(møny) serako(-myi) te-myi
1SG    weiß-1SG     Rentier-1SG
„mein weißes Rentier“

Die Existenz von Personenkongruenz eines Adjektivs mit der Person des Substantivs selbst ist hingegen noch exotischer.[8]

Relativpronomen können von einem Pronomen der ersten oder zweiten Person oder von einer Anrede (Vokativ) abhängen. Obwohl sie also gelegentlich mit erster oder zweiter Person kongruieren sollten, zeigen Relativpronomen anscheinend nie andere Personalformen als die dritte Person. Im Deutschen wird das Problem gelöst, indem dem Relativpronomen ein Personalpronomen zugesetzt wird:

„O Diener, der du dadurch dien-st, dass du dem Herrn das Bett verminst…“
(aus einem Gedicht von Robert Gernhardt)

Das Merkmal Person in Personalpronomen

Personalpronomen drücken vor allem das Merkmal Person aus, kombinieren dies aber in der Regel mit Einzahl/Mehrzahl (Numerus), und häufig mit weiteren Merkmalen wie Genus, Belebtheit, Respekt etc. Siehe hierzu den Artikel Personalpronomen. Die Frage nach dem inneren Aufbau von Personalpronomen besteht daher oft nur in der Frage nach der Abtrennbarkeit des Numerusmerkmals.[9]

Die Art, wie das Merkmal Person selbst ausgedrückt ist, kann variieren. Der typische Fall ist die Benutzung grundverschiedener Formen für jede Person (oder Person-Numerus-Kombination), wie im deutschen ich – du – er/sie …. Es gibt jedoch auch systematisch zerlegbare Pronominalformen. In der Sprache Lakhota hat das Personalpronomen einen neutralen Stamm, der nur die Eigenschaft „Pronomen“ bezeichnet (ye), und die verschiedenen Pronomen kommen zustande, indem dieser Stamm mit Affixen verbunden wird, die sonst auch als die regulären Possessivaffixe dienen.[10] Hier wird also für die Bildung der Personalpronomen selbst dasselbe Verfahren verwendet wie bei Person als Flexionsmerkmal im vorigen Abschnitt:

1.Pers.Singular:  mi-ye
1.Pers.Plural:    uki-ye
2.Pers.           ni-ye

Die Frage nach Systemen mit mehr als drei Personen

Inklusives und exklusives Wir

Die erste Person Plural ist nicht buchstäblich ein Plural von „ich“ (also mehrere Sprecher), sondern bezeichnet irgendeine Gruppe, die den Sprecher enthält. Es handelt sich also eigentlich um eine Kombination der ersten Person Singular mit einer oder mehreren anderen, zweiten und/oder dritten Personen. Aus diesem Grunde gibt es in vielen Sprachen auch verschiedene Wir-Formen, die unterscheiden, ob die Angesprochenen mit einbezogen werden („inklusives Wir“) oder nicht („exklusives Wir“), zum Beispiel im Indonesischen:

  • kita „wir zusammen mit dir/euch“ (1. Person Plural inklusiv)
  • kami „wir ohne dich/euch“ = „ich und Dritte“ (1. Person Plural exklusiv)

Manche Sprachen unterscheiden in ihren Verb-Affixen sogar drei verschiedene Formen der ersten Person Plural. So hat das Sierra Popoluca das exklusive Wir, das „beschränkte“ inklusive Wir (ich und Adressat, ohne Dritte) und das „generalisierte“ inklusive Wir (ich, Adressat(en) und Dritte).[11]

Eine Unterscheidung zwischen inklusiv und exklusiv ist auch für die zweite Person Plural denkbar: ein exklusives Ihr (mehrere Adressaten, ohne Dritte) und ein inklusives Ihr (die Adressaten und Dritte). Eine solche Unterscheidung ist für das Abchasische beschrieben worden, scheint allerdings nicht sehr robust.[12]

In der Literatur ist die Auffassung vertreten worden, dass die inklusiven und exklusiven Spezialformen des Sprecherbezugs nicht unbedingt der einfachen ersten Person (als deren Plural) zugeordnet werden müssten, sondern dass sie als eigenständige Kategorie neben den drei anderen Personalmerkmalen stehen könnten. Man erhielte dann eine etwas größere Familie von Merkmalen „an der Sprechsituation direkt Beteiligte“ (1. Person, 2. Person, 1/2-Inklusiv), im Kontrast zu „nicht Beteiligte“.[13] Zum Beispiel ist für die Personalpronomen der nordaustralischen Sprache Rembarrnga (siehe Liste bedrohter Sprachen[14]) folgendes System vorgeschlagen worden:[15]

Person minimal minimal erweitert erweitert
1 ngunu („ich“) yarrbbarrah yarru
1/2 yukku („ich und du“) ngakorrbbarrah ngakorru
2 ku („du“) nakorrbbarrah nakorru
3 nawu („er“) / ngadu („sie“) barrbbarrah barru

Hier taucht das inklusive Pronomen mit der Bedeutung „ich und du“ nicht als eine Art von Mehrzahl der 1. Person auf (nämlich als die traditionelle Kategorie „1. Person inklusiv Zweizahl“), sondern als zusätzliche elementare Person. Diese kann ebenso wie die einfache „1.Person Singular“ jeweils um einen Dritten „minimal erweitert“ werden (mittlere Spalte) oder um mehrere Personen beliebig erweitert (rechte Spalte). (Somit bedeutet „1. Person minimal erweitert“ die herkömmliche 1. Person Dual exklusiv).

Derlei zusätzliche Personen sind auch vereinzelt als eine „4. Person“ bezeichnet worden.[16] Diese Redeweise verdeckt aber, dass das eigentliche Problem ist, wie sich das Numerusmerkmal zu den Personen verhält. In der Tabelle ist die „minimale“ Anzahl der Individuen je nach Person verschieden, anders als in einem herkömmlichen System, das immer von einer festen Einteilung in Individuum (Singular), Zweiergruppe (Dual), Dreiergruppe und größer (Plural, oder sogar Trial vs. Plural) ausgeht, und die Person-Unterscheidungen diesem Raster unterordnet.[17]

Weitere Flexionskategorien

Es gibt eine Reihe von weiteren Kategorien, die die Frage aufwerfen, ob zusätzliche Personen über die Werte 1, 2, 3 hinaus anzunehmen sind, vor allem deswegen, weil zusätzliche Formen in der Kongruenz des Verbs auftreten.

Unpersönliche Formen

Im Deutschen wird das Pronomen man (ein sogenanntes Generalisierendes Personalpronomen) normalerweise nicht als Repräsentant eines eigenständigen Personalmerkmals angesehen. Die Verbkongruenz erscheint bei man als Subjekt in der 3. Person Singular, und genau deshalb liegt es nahe, dass es grammatisch auch selbst als eine 3. Person zählt. Anders läge der Fall, wenn auch das Verb hier eine separate Form hätte.

Im Irischen (und auch im Finnischen) existieren solche Verbformen, die das Subjekt als ein „unpersönliches“ oder „generisches“ Subjekt kennzeichnen. Die folgende Tabelle (ein Auszug aus dem Artikel Irische Sprache) zeigt diese separate unpersönliche Form. In den anderen Zellen der Tabelle sieht man, dass sich die Sprache im Übergang befindet und teilweise flektierte Verbformen benutzt, oder alternativ unflektierte Formen zusammen mit Pronomen. Für das unpersönliche Subjekt existiert jedoch kein Pronomen.

  • Ausschnitt aus der Konjugation von Irisch bris- („brechen“):
  Präsens Futur
1. Sg. brisim brisfead, brisfidh mé
2. Sg. brisir, briseann tú brisfir, brisfidh tú
3. Sg. briseann sé/sí brisfidh sé/sí
1. Pl. brisimid, briseann muid brisfeam, brisfimid, brisfidh muid
2. Pl. briseann sibh brisfidh sibh
3. Pl. brisid, briseann siad brisfid, brisfidh siad
unpersönlich bristear brisfear

Solch eine zusätzliche „unpersönliche Person“ findet sich nirgendwo anders in der Grammatik des Irischen – sie fehlt bei den Formen der Personalpronomen fürs direkte Objekt, bei Possessivpronomen und auch bei den konjugierten Präpositionen. Es ist daher nicht üblich zu sagen, dass die Kategorie „Person“ im Irischen grundsätzlich andere Werte annimmt als die vertrauten Werte 1, 2, 3.

Die „vierte Person“ im Grönländischen

Manche Sprachen besitzen grammatische Markierungen, die klarlegen, ob ein Individuum, das in einem Nebensatz erwähnt wird, identisch ist zu einem im Hauptsatz erwähnten, oder verschieden von ihm. Man spricht dann von einem Switch-Reference-System (etwa: „Umschaltung des Bezuges“, „Referenzumschaltung“). Die Grönländische Sprache liefert nach Baker & Souza (2020) ein Beispiel hierfür (obwohl diese Einordnung in der Fachliteratur teils auch bestritten wird).[18]

Die beiden Formen, die in einem Nebensatz Identität oder Verschiedenheit eines Individuums mit dem im Hauptsatz ausdrücken, werden in der Grönländischen Grammatik traditionell als zwei verschiedene Personalformen bezeichnet, nämlich „dritte“ und „vierte“ Person. Sie erscheinen als pronominale Affixe des Verbs, zusätzlich dazu stehen dann volle Argumentausdrücke im Satz, die diese Markierungen nicht tragen. Im folgenden Beispiel[19] ist das Affix -a- das Zeichen für Referenzverschiedenheit des Nebensatz-Subjekts (Ergativ) mit dem Subjekt des Hauptsatzes und -mi- das Zeichen für deren Identität. Zugleich finden sich im Verb des Nebensatzes auch die Affixe -uk- bzw. -gu- für Referenzverschiedenheit des Nebensatz-Objekts mit dem Hauptsatz, und -ni- für deren Identität. Zur leichteren Lesbarkeit sind nur die Formen für Identität fettgedruckt, markiert als „3SG.PROX“ („proximal“):

a. Objekt des Nebensatzes ist identisch zur Person im Hauptsatz

  [ Juuna-p    Kaali   tatigi-mm-a-ni         ]   toqqissima-vo-q
    Juuna-ERG  Kaali   vertrauen-CAU-3SG-3SG.PROX    ruhigbleiben-IND-3SG
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = Kaali

b. Subjekt des Nebensatzes ist identisch zur Person im Hauptsatz

   [ Juuna-p    Kaali   tatigi-ga-mi-uk        ]    toqqissima-vo-q
     Juuna-ERG  Kaali   vertrauen-CAU-3SG.PROX-3SG     ruhigbleiben-IND-3SG
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = Juuna

c. Keine Identität zur Person im Hauptsatz

  [ Juuna-p    Kaali   tatigi-mm-a-gu      ]     toqqissima-vo-q
    Juuna-ERG  Kaali   vertrauen-CAU-3SG-3SG        ruhigbleiben-IND-3SG
  „Weil Juuna Kaali vertraute, blieb er ruhig.“ – „Er“ = ein Dritter, weder Kaali noch Juuna

Während die Bezeichnung der obigen „PROX“-Form als eine „vierte Person“ in der Grammatik des Grönländischen traditionell verankert ist, und auch in neueren linguistischen Werken erwähnt wird, wird doch bezweifelt, dass die Form buchstäblich als eine weitere Person gleichauf mit 1., 2., 3. zu sehen ist (und die Bezeichnung vierte Person wird in neuerer Literatur auch tendenziell in Anführungszeichen gesetzt, siehe Baker & Souza 2020).

In der Tat ergeben sich im dargestellten Fall dieselben Unterscheidungen, die auch sonst in der Interpretation von Pronomina der dritten Person benötigt werden (nur nicht in Wortformen angezeigt werden). Aus dem Konzept der Switch-Reference ergäbe sich demnach keine zusätzliche „Person“, sondern eine querlaufende Charakterisierung nach Referenzidentität. Wie im Beispiel zu sehen, ist die „4. Person“, die mit einer gesonderten Form angezeigt wird, gerade der Fall, dass ein Individuum mit einer anderen „3. Person“ identisch ist; es handelt sich gerade nicht um eine Abgrenzung gegen diese 3. Person. Dementsprechend handelt es sich hier auch nicht um verschiedene Teilnehmerrollen in der Sprechsituation, was eingangs als Definition verwendet wurde, sondern um verschiedene Bezüge zum grammatischen Kontext.

Es scheint, dass die Redeweise von einer 4. Person nicht inhaltlich motiviert ist (da die Funktion als ein Untertyp der 3. Person verstanden werden könnte), sondern vor allem nur dadurch, dass die Personalflexion eben vier verschiedene Kongruenzformen unterscheidet.[20] Man hätte hier also ein Auseinanderlaufen einer inhaltlichen Definition von einer flexionsmorphologischen Definition von „Person“.

Gehling (2004) schreibt zusammenfassend mit Blick auf solche Fälle:

„Angesichts der Tatsache, dass terminologische Alternativen bestehen, darf zusätzlich die Notwendigkeit des Ausdrucks „vierte Person“ in Abrede gestellt werden.“

– Thomas Gehling: Ich, du und Andere. Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person« und »Numerus«, LIT Verlag, Münster 2004.

Und allgemeiner:

„All the subdivisions of the third person follow from its place on the deictic scale. There is no room, in our definition, for a fourth person“

– Paul Forchheimer: The Category of Person in Language. Walter de Gruyter, Berlin 1953. S. 22

Einzelnachweise

  1. ↑ Johanna Nichols: Person as an inflectional category. In: Linguistic Typology, 21-3 (2017), 387–456. Siehe S. 388, dort Rückgriff auf weitere Literatur.
  2. ↑ Anna Kibort: Person. GrammaticalFeatures.net, Online. The Surrey Morphology Group 2008 (abgerufen am 27. April 2022). Siehe Abschnitt 3, sowie die Diskussion in Abschnitt 6, wo das potenzielle Gegenbeispiel Artschinisch ebenso eingeordnet wird.
  3. ↑ Quelle für diesen und die folgenden Absätze: Thomas Gehling: 'Ich', 'du' und Andere. Eine sprachtypologische Studie zu den Kategorien »Person« und »Numerus«. LIT Verlag, Münster 2004. S. 1–4.
  4. ↑ Wilfried Kürschner: Die Lehre des Grammatikers Dionysios (Dionysios Thrax, Tékhne grammatiké – deutsch mit griechischem Paralleltext). In: Pierre Swiggers und Alfons Wouters (Hrsg.): Ancient grammar: Contents and contexts. Peeters, Löwen, Paris 1996, ISBN 90-6831-881-0, §13 <F>, S. 198–199 (wilkuer.de [PDF]).
  5. ↑ Johanna Nichols: Person as an inflectional category. In: Linguistic Typology, 21-3 (2017), 387–456. Siehe S. 393.
  6. ↑ Dik Bakker: Person Marking on Adpositions. = Kapitel 48 in: Matthew S. Dryer, Martin Haspelmath (eds.): The World Atlas of Language Structures. Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie. Leipzig 2013. Online (abgerufen am 18. April 2022). Von dort auch das abchasische Beispiel weiter unten.
  7. ↑ Tundra-Nenzisch, Beispiel aus Nichols (2017: 393), wo es nach einer Arbeit von Nikolaeva (2005) zitiert ist.
  8. ↑ Nichols (2017: 393f.) deutet die vereinzelte Existenz solcher Fälle an. Sie scheinen nur zu entstehen, wenn in einer Sprache ein Affix zur Genus-Kongruenz des Adjektivs verwendet wird, das anderswo auch zur Markierung von Personenkongruenz dient und daher obligatorisch ein Personalmerkmal „mitschleppt“ (das aber am attributiven Adjektiv dann nur noch auf 3. Person lauten kann).
  9. ↑ Siehe Michael Daniel: Plurality in Independent Personal Pronouns. In: Matthew Dryer & Martin Haspelmath (eds.): The World Atlas of Language Structures Online. Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig 2013. Online, abgerufen am 1. Juni 2020.
  10. ↑ Johanna Nichols: Person as an inflectional category. In: Linguistic Typology, 21-3 (2017), 387–456. Das Lakhota-Beispiel von S. 391
  11. ↑ Arnold M. Zwicky: Hierarchies of Person. In: Chicago Linguistic Society. Vol 13, 1977, S. 714–733. Auf S. 729 zitiert nach Foster & Foster 1948.
  12. ↑ Michael Cysouw: The Paradigmatic Structure of Person Marking. Oxford University Press, 2003. S. 75.
  13. ↑ Johanna Nichols: Person as an inflectional category. In: Linguistic Typology, 21-3 (2017). – S. 388.
  14. ↑ Mehr Information auch unter Maningrida sowie auf Englisch unter en:Rembarrnga language
  15. ↑ Graham McKay: Pronominal Person and Number Categories in Rembarrnga and Djeebbana. In: Oceanic Linguistics, 17-1 (1978), pp. 27–37. online. Daten auf S. 28. McKays Kategorie “unit augmented” wird hier übersetzt als „minimal erweitert“.
  16. ↑ Für einen parallelen Fall wird in McKay (1978) auf eine Darstellung des Tiwi mithilfe eines Merkmals „4. Person“ in Osborne (1974) verwiesen.
  17. ↑ McKay (1978), S. 28
  18. ↑ Dafür z. B.: Mark Baker & Livia Camargo Souza: Switch-Reference in American Languages. In: Daniel Siddiqi et al. (eds.), The Routledge Handbook of North American Languages. Routledge, New York 2020. S. 210–232. Zum Grönländischen in einem Abschnitt über „Grenzen der Kategorie“ auf S. 227. — Dagegen: Andrew MacKenzie: A survey of switch reference in North America. In: International Journal of American Linguistics, 81 (2015). 409–448. Zum Ausschluss des Grönländischen kurz auf S. 420. Dort bezieht MacKenzie sich allerdings auf ein anderes Affix als das hier genannte, er bestreitet aber darauf gestützt die Existenz von switch-reference fürs Grönländische allgemein.
  19. ↑ Aus: Maria Bittner: Case, Scope and Binding. Kluwer, Dordrecht 1994 [heute: Springer, Berlin]. Siehe S. 153. Die dort abgedruckte Verbform „tuqqissimavuq“ wurde korrigiert.
  20. ↑ Baker & Souza (2020), S. 228