Zum Inhalt springen

„Materie“ – Versionsunterschied

aus AufEinWort, der freien Forschung
[ungesichtete Version][ungesichtete Version]
K Textersetzung - „{{lat.-dt.}}“ durch „Sprachstufe::lat.-deu.“
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 21: Zeile 21:
**** als ‘Möglichkeit des Seins’, das seine Bestimmung erst durch die Form erhält.
**** als ‘Möglichkeit des Seins’, das seine Bestimmung erst durch die Form erhält.


== Materie ==
= Materie =
'''Materie''' (über mittelhochdeutsch ''[[matërje]]'' von lateinisch ''[[māteria]]'' = [[Stoff]], [[Thema]], [[Ursache]], [[Substanz]]; ursprünglich ''[[māteriēs]]'' = Holz, Stämme, Bauholz ([[Materialien]] im Sinne von Bauteile, Baustoffe, Werkstoffe, …); sei verwandt mit lateinisch ''[[māter]]'', ‚Mutter‘, und ''[[matrix]]'') und ist ein [[Oberbegriff]] für alles, was Raum einnimmt und [https://de.wikipedia.org/wiki/Masse_(Physik) Masse] besitzt. Es bezeichnet also die Substanz, aus der alle Dinge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Welt Welt] bestehen, unabhängig von ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Erscheinung Erscheinungsform].<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Penrose Roger Penrose]: <cite lang="en" dir="auto" class="lang">The mass of the classical vacuum</cite>. In: Simon Saunders, Harvey R. Brown (Hrsg.): <cite lang="en" dir="auto" class="lang">The Philosophy of Vacuum</cite>. Clarendon Press, Oxford 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0198244495 ISBN 0-19-824449-5], S.&nbsp;21–26 (englisch).</span></ref><ref><span class="reference-text">Dudley Shapere: [https://www.accessscience.com/content/article/a410600 ''Matter.''] In: ''AccessScience.'' McGraw Hill, 2021,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 27.&nbsp;Mai 2023</span> (englisch).</span></ref> Demgegenüber stehen Begriffe wie [[Vakuum]] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Feld_(Physik) Kraftfeld], die unabhängig von der Anwesenheit von Materie einen Zustand des Raums beschreiben, der nicht mit einer Masse verbunden ist.
{{Dieser Artikel|behandelt den allgemeinen Begriff, für speziellere Bedeutungen siehe [[Materie (Physik)]] und [[Materie (Philosophie)]].}}
'''Materie (über mittelhochdeutsch ''[[matërje]]'' von lateinisch ''[[māteria]]'' = [[Stoff]], [[Thema]], [[Ursache]], [[Substanz]]; ursprünglich ''[[māteriēs]]'' = Holz, Stämme, Bauhol''' verwandt mit lateinisch ''mater'', ‚Mutter‘, und ''matrix'') ist der [[Oberbegriff]] für alles, was Raum einnimmt und [[Masse (Physik)|Masse]] besitzt. Es bezeichnet also die Substanz, aus der alle Dinge der [[Welt]] bestehen, unabhängig von ihrer [[Erscheinung]]sform.<ref>{{Literatur |Autor=[[Roger Penrose]] |Hrsg=Simon Saunders, Harvey R. Brown |Titel=The mass of the classical vacuum |Sammelwerk=The Philosophy of Vacuum |Verlag=Clarendon Press |Ort=Oxford |Datum=1991 |ISBN=0-19-824449-5 |Seiten=21–26 |Sprache=en}}</ref><ref>{{Internetquelle |autor=Dudley Shapere |url=https://www.accessscience.com/content/article/a410600 |titel=Matter |werk=AccessScience |hrsg=McGraw Hill |datum=2021 |sprache=en |abruf=2023-05-27}}</ref> In der Alltagssprache wird der Ausdruck „Materie“ oft synonym mit „[[Werkstoff|Material]]“ oder „[[Substanz]]“ benutzt, oder im Sinne von „Thema oder Gegenstand einer Untersuchung, einer Wissenschaftsrichtung oder eines Unterrichtsfachs“ („eine komplizierte Materie“). In der [[Didaktik|Lehre]] wird in diesem Zusammenhang auch von [[Lehrstoff]] gesprochen.


In der Alltagssprache wird der Ausdruck „Materie“ oft synonym mit „[https://de.wikipedia.org/wiki/Werkstoff Material]“ oder „[https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz Substanz]“ benutzt, oder im Sinne von „Thema oder Gegenstand einer Untersuchung, einer Wissenschaftsrichtung oder eines Unterrichtsfachs“ („eine komplizierte Materie“). In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Didaktik Lehre] wird in diesem Zusammenhang auch von [https://de.wikipedia.org/wiki/Lehrstoff Lehrstoff] gesprochen.
Der Begriff ist sehr allgemein, ihn näher zu bestimmen prägte die [[Physik]] und [[Philosophie]] seit ihren Ursprüngen. [[Grundfrage der Philosophie|Grundsätzlich]] streiten sich [[Materialismus|Materialisten]] und [[Idealismus|Idealisten]], ob der Materie ein Substrat entspricht, das [[Ontologie|ontologisch]] als Objekt oder Eigenschaft auffassbar ist und von anderen ontologischen Begriffen abgrenzbar ist, etwa von [[Geist]], [[Form (Philosophie)|Form]], [[Idee]]<ref name="Klaus/Buhr">Artikel „Materie“. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): ''Philosophisches Wörterbuch.'' 11. Aufl., Leipzig 1975.</ref><ref>Vgl. zur Interpretationsbedürftigkeit physikalischer Modelle hinsichtlich eines Materiebegriffs z.&nbsp;B. Hans-Dieter Mutschler: ''Naturphilosophie.'' Kohlhammer, Stuttgart 2002, S. 108–115 und ders.: [https://www.naturphilosophie.org/grundbegriffe/materie/ ''Materie.''] In: ''Naturphilosophische Grundbegriffe.'' [Version 1.0]. Zu Interpretationsproblemen der [[Relativitätstheorie]] bezüglich des Masse- und Materiebegriffs vgl. [[Materie (Philosophie)#Philosophische Interpretationen des Materiebegriffs der Relativitätstheorie|den entsprechenden Abschnitt]] im Artikel [[Materie (Philosophie)]].</ref> oder [[Transzendenz]]. In der Physik ist Materie heutzutage aus [[Elementarteilchen]] mit [[Spin]] <math>\tfrac12</math> aufgebaut, also [[Quark (Physik)|Quarks]] und [[Leptonen]].


Der Begriff ist sehr allgemein, ihn näher zu bestimmen prägte die [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik Physik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] seit ihren Ursprüngen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundfrage_der_Philosophie Grundsätzlich] streiten sich [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialisten] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus Idealisten], ob der Materie ein Substrat entspricht, das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie ontologisch] als Objekt oder Eigenschaft auffassbar ist und von anderen ontologischen Begriffen abgrenzbar ist, etwa von [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist Geist], [https://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie) Form], [https://de.wikipedia.org/wiki/Idee Idee]<ref><span class="reference-text">Artikel „Materie“. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): ''Philosophisches Wörterbuch.'' 11. Aufl., Leipzig 1975.</span></ref><ref><span class="reference-text">Vgl. zur Interpretationsbedürftigkeit physikalischer Modelle hinsichtlich eines Materiebegriffs z.&nbsp;B. Hans-Dieter Mutschler: ''Naturphilosophie.'' Kohlhammer, Stuttgart 2002, S. 108–115 und ders.: [http://www.naturphilosophie.org/grundbegriffe/materie/ ''Materie.''] In: ''Naturphilosophische Grundbegriffe.'' [Version 1.0]. Zu Interpretationsproblemen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Relativit%C3%A4tstheorie Relativitätstheorie] bezüglich des Masse- und Materiebegriffs vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie_(Philosophie)#Philosophische_Interpretationen_des_Materiebegriffs_der_Relativit%C3%A4tstheorie den entsprechenden Abschnitt] im Artikel [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie_(Philosophie) Materie (Philosophie)].</span></ref> oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendenz Transzendenz]. In der Physik ist Materie heutzutage aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Elementarteilchen Elementarteilchen] mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Spin Spin] ½ aufgebaut, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Quark_(Physik) Quarks] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Leptonen Leptonen].
== Ausbildung des Materiebegriffs ==
{{Hauptartikel|Vier-Elemente-Lehre|Materie (Philosophie)}}


In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Moderne_Physik modernen Physik] wird der Begriff Materie heute gegenüber den Begriffen Vakuum und Feld nicht mehr einheitlich abgegrenzt. In den Lehrbüchern der Physik wird der Materiebegriff überwiegend ohne eine genauere Definition vorausgesetzt. In seiner engsten Bedeutung meint man mit dem Begriff Materie alle [https://de.wikipedia.org/wiki/Elementarteilchen Elementarteilchen] mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Spin Spin] ½, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Quark_(Physik) Quarks] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Leptonen Leptonen], sowie alles daraus aufgebaute, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Atom Atome], [https://de.wikipedia.org/wiki/Molek%C3%BCl Moleküle], [https://de.wikipedia.org/wiki/Festk%C3%B6rper feste], [https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCssigkeit flüssige] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gas gasförmige] Stoffe, bis hin zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Stern Sternen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Galaxie Galaxien].
Schon die [[Vorsokratiker]] waren auf der Suche nach einem [[Urstoff]] (''[[arché]]''), der allen anderen Dingen zugrunde liegt. Dazu dienten Gegenstände der sinnlichen Erfahrung, die aufgrund bestimmter Eigenschaften (weite Verbreitung, Wandlungsfähigkeit) dazu geeignet erschienen. Für [[Thales]] war dieser Urstoff das [[Wasser]], für [[Anaximenes]] die [[Luft]], für [[Heraklit]] das [[Feuer]]. [[Empedokles]] entwickelte eine Vier-Elemente-Lehre, die den genannten Stoffen noch die [[Erde]] hinzu fügte.


== Ausbildung des Materiebegriffs ==
Es stellte sich deshalb die Frage, in welchem Verhältnis der Urstoff zu den Dingen der sinnlichen Erfahrung steht. Für Thales, Anaximenes und Heraklit entstand alles aus der Umwandlung der jeweiligen Urmaterie. Im Gegensatz dazu vertrat [[Parmenides]] als oberstes Prinzip die Unveränderlichkeit des Seienden. Empedokles Vier-Elemente-Lehre stellt dabei einen Mittelweg dar, der die Elemente selbst als unveränderlich ansieht, die sinnlich wahrnehmbaren Objekte jedoch als eine Mischung der Urstoffe. Veränderung ist demnach möglich, indem sich die Mischungsverhältnisse der vier Urstoffe ändern. [[Anaxagoras]] begründete eine ähnliche Mischungslehre, allerdings mit einer unendlichen Anzahl von Grundstoffen. Für [[Anaximander]] aber war die Grundsubstanz alles Gewordenen das [[Apeiron]], ein einziger unbestimmter Grundstoff, der unbegrenzt vorhanden und unbegrenzt teilbar ist.
<div role="navigation" class="hauptartikel"><span aria-hidden="true" role="presentation" title="siehe" class="hauptartikel-pfeil">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Elemente-Lehre Vier-Elemente-Lehre] und [[Materie (Philosophie)]]''</div>Schon die [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsokratiker Vorsokratiker] waren auf der Suche nach einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Urstoff Urstoff] (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Arch%C3%A9 arché]''), der allen anderen Dingen zugrunde liegt. Dazu dienten Gegenstände der sinnlichen Erfahrung, die aufgrund bestimmter Eigenschaften (weite Verbreitung, Wandlungsfähigkeit) dazu geeignet erschienen. Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Thales Thales] war dieser Urstoff das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wasser Wasser], für [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaximenes Anaximenes] die [https://de.wikipedia.org/wiki/Luft Luft], für [https://de.wikipedia.org/wiki/Heraklit Heraklit] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Feuer Feuer]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Empedokles Empedokles]entwickelte eine Vier-Elemente-Lehre, die den genannten Stoffen noch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Erde Erde] hinzu fügte.


Es stellte sich deshalb die Frage, in welchem Verhältnis der Urstoff zu den Dingen der sinnlichen Erfahrung steht. Für Thales, Anaximenes und Heraklit entstand alles aus der Umwandlung der jeweiligen Urmaterie. Im Gegensatz dazu vertrat [https://de.wikipedia.org/wiki/Parmenides Parmenides] als oberstes Prinzip die Unveränderlichkeit des Seienden. Empedokles Vier-Elemente-Lehre stellt dabei einen Mittelweg dar, der die Elemente selbst als unveränderlich ansieht, die sinnlich wahrnehmbaren Objekte jedoch als eine Mischung der Urstoffe. Veränderung ist demnach möglich, indem sich die Mischungsverhältnisse der vier Urstoffe ändern. [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaxagoras Anaxagoras] begründete eine ähnliche Mischungslehre, allerdings mit einer unendlichen Anzahl von Grundstoffen. Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Anaximander Anaximander] aber war die Grundsubstanz alles Gewordenen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Apeiron Apeiron], ein einziger unbestimmter Grundstoff, der unbegrenzt vorhanden und unbegrenzt teilbar ist.
[[Demokrit]] und sein Lehrer [[Leukipp]] sahen die Materie nicht als unbegrenzt teilbar an, sondern als bestehend aus kleinsten Einheiten, den [[Atom]]en. Durch verschiedene Anordnungen ergeben ihre Atome alle anderen Dinge, bis hin zu den Sinneswahrnehmungen und der [[Seele]]. Demokrit und Leukipp gelten als die Begründer des auch in der Neuzeit sehr einflussreichen Atombegriffs.


[https://de.wikipedia.org/wiki/Demokrit Demokrit] und sein Lehrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Leukipp Leukipp] sahen die Materie nicht als unbegrenzt teilbar an, sondern als bestehend aus kleinsten Einheiten, den [https://de.wikipedia.org/wiki/Atom Atomen]. Durch verschiedene Anordnungen ergeben ihre Atome alle anderen Dinge, bis hin zu den Sinneswahrnehmungen und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Seele]. Demokrit und Leukipp gelten als die Begründer des auch in der Neuzeit sehr einflussreichen Atombegriffs.
Der Materiebegriff wurde auch als ein von den Dingen der Sinneserfahrung abstrahierter Begriff entwickelt. [[Platon]] und [[Aristoteles]] prägten mit [[Chora (Philosophie)|Chora]] bzw. [[Hyle]] abstrakte Begriffe für einen Urstoff, aus dem durch Wirken einer [[Ideenlehre|Idee]] bzw. Einprägen einer [[Form (Philosophie)|Form]] alle sinnlich wahrnehmbaren Dinge hervorgehen bzw. für die Disposition von Gegenständen, durch Formen geprägt zu werden. Die aristotelische ''hyle'' wurde in [[Cicero]]s lateinischer Übersetzung zu ''materia'' und damit zu unserer ''Materie''.


Der Materiebegriff wurde auch als ein von den Dingen der Sinneserfahrung abstrahierter Begriff entwickelt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] prägten mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Chora_(Philosophie) Chora] bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Hyle Hyle] abstrakte Begriffe für einen Urstoff, aus dem durch Wirken einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideenlehre Idee] bzw. Einprägen einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie) Form] alle sinnlich wahrnehmbaren Dinge hervorgehen bzw. für die Disposition von Gegenständen, durch Formen geprägt zu werden. Die aristotelische ''hyle'' wurde in [https://de.wikipedia.org/wiki/Cicero Ciceros] lateinischer Übersetzung zu ''materia'' und damit zu unserer ''Materie''.
Außerhalb Europas entwickelten sich ähnliche Begriffe der Urmaterie, wie etwa die indischen [[Prakriti]] oder der chinesische [[Hun Dun]]. Der [[Daoismus]] entwickelte ebenfalls ein Modell der Elemente ([[Fünf-Elemente-Lehre]]).


Außerhalb Europas entwickelten sich ähnliche Begriffe der Urmaterie, wie etwa die indischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Prakriti Prakriti] oder der chinesische [https://de.wikipedia.org/wiki/Hun_Dun Hun Dun]. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Daoismus Daoismus] entwickelte ebenfalls ein Modell der Elemente ([https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf-Elemente-Lehre Fünf-Elemente-Lehre]).
== Materie als Gegenstück zur Idee bzw. Form ==
{{Hauptartikel|Timaios|Hylemorphismus}}


== Materie als Gegenstück zur Idee bzw. Form ==
Platon entwickelt in seinem [[Platonischer Dialog|Dialog]] ''Timaios'' eine Vorstellung der Welt, in welcher der [[Demiurg]], ein gütiger Schöpfergott, in die ungeordnete Materie, die [[Chora (Philosophie)|Chora]], eingreift, um daraus den Kosmos und alle Dinge zu formen. Der Demiurg orientiert sich dabei an der [[Ideenlehre|Ideenwelt]] und bildet alles Physische als Nachbildung der ewigen Ideen. Diese Beziehung zwischen den Dingen und den Ideen kommt z.&nbsp;B. in Platons [[Höhlengleichnis]] zum Ausdruck, in dem die scheinbar realen sinnlich wahrnehmbaren Dinge als bloße Schatten der Ideen, des wahren Seienden (''[[ousia]]'') begriffen werden. Aus der Chora entstehen durch das Eingreifen des Demiurgen die Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer sowie der Äther. Diese fünf Elemente haben die geometrische Form der fünf [[Platonischer Körper|platonischen Körper]] und bilden die Grundlage für alle anderen Körper. Durch ihre geometrische Bestimmung wird es möglich, mathematische Beziehungen zwischen den Elementen und für ihre Kombination aufzustellen. Diese Vorstellung greift einigen späteren naturwissenschaftlichen Konzepten der Materie ([[Kristallographie]], [[Symmetrie (Physik)|Symmetrien]], [[Stereochemie]]) vor.
<div role="navigation" class="hauptartikel"><span aria-hidden="true" role="presentation" title="siehe" class="hauptartikel-pfeil">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Timaios Timaios]&nbsp;und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hylemorphismus Hylemorphismus]''</div>Platon entwickelt in seinem [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_Dialog Dialog] ''Timaios'' eine Vorstellung der Welt, in welcher der [https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg Demiurg], ein gütiger Schöpfergott, in die ungeordnete Materie, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Chora_(Philosophie) Chora], eingreift, um daraus den Kosmos und alle Dinge zu formen. Der Demiurg orientiert sich dabei an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ideenlehre Ideenwelt] und bildet alles Physische als Nachbildung der ewigen Ideen. Diese Beziehung zwischen den Dingen und den Ideen kommt z.&nbsp;B. in Platons [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6hlengleichnis Höhlengleichnis] zum Ausdruck, in dem die scheinbar realen sinnlich wahrnehmbaren Dinge als bloße Schatten der Ideen, des wahren Seienden (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ousia ousia]'') begriffen werden. Aus der Chora entstehen durch das Eingreifen des Demiurgen die Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer sowie der Äther. Diese fünf Elemente haben die geometrische Form der fünf [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_K%C3%B6rper platonischen Körper] und bilden die Grundlage für alle anderen Körper. Durch ihre geometrische Bestimmung wird es möglich, mathematische Beziehungen zwischen den Elementen und für ihre Kombination aufzustellen. Diese Vorstellung greift einigen späteren naturwissenschaftlichen Konzepten der Materie ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kristallographie Kristallographie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Symmetrie_(Physik) Symmetrien], [https://de.wikipedia.org/wiki/Stereochemie Stereochemie]) vor.


Aristoteles entwickelt eine ähnliche Zweiteilung zwischen dem Allgemeinen, der [https://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie) Form] und dem, was geformt wird, der Materie (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Hyle hylé]''). Aus geformter Materie entsteht Wirklichkeit ([https://de.wikipedia.org/wiki/Entelechie ''entelecheia'']), Materie ist in diesem Sinne die Möglichkeit (''dynamis''), geformt zu werden (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Akt_und_Potenz Akt und Potenz]). Aristoteles beschreibt die Materie auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik logischen] Prädikator („x ist Materie für y“), der einen hierarchischen Aufbau der Dinge vom Einfachen zum Komplexen ermöglicht. Dazu führte er die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Materia_prima materia prima]'' als ungeformten Urstoff ein, der durch Formung die ''materia secunda'' bildet. Diese ''materia secunda'' kann dann wiederum ''materia prima'' für ein Ding komplexerer Form sein und so fort. Dieses Prinzip findet sich bei den [https://de.wikipedia.org/wiki/Alchemie Alchemisten]<ref><span class="reference-text">Henk H. Kubbinga: ''La théorie de la matière de 'Geber'.'' In: Z. R. W. M. von Martels (Hrsg.): ''Alchemy revisited. Proceedings of the international conference on the history of alchemy at the University of Groningen 17.–19.4.1989.''Leiden/New York/Kopenhagen/Köln 1990 (= ''Collection de travaux de l'académie internationale d'histoire des sciences'', 33), S. 133–138.</span></ref> wieder, die die Umwandlung von Materie in höheren Formen anstrebten ([https://de.wikipedia.org/wiki/Transmutation Transformation]), aber auch im modernen Weltbild der Physik.
Aristoteles entwickelt eine ähnliche Zweiteilung zwischen dem Allgemeinen, der [[Form (Philosophie)|Form]] und dem, was geformt wird, der Materie (''[[Hyle|hylé]]''). Aus geformter Materie entsteht Wirklichkeit ([[Entelechie|''entelecheia'']]), Materie ist in diesem Sinne die Möglichkeit (''dynamis''), geformt zu werden (siehe [[Akt und Potenz]]). Aristoteles beschreibt die Materie auch als [[Logik|logischen]] Prädikator („x ist Materie für y“), der einen hierarchischen Aufbau der Dinge vom Einfachen zum Komplexen ermöglicht. Dazu führte er die ''[[materia prima]]'' als ungeformten Urstoff ein, der durch Formung die ''materia secunda'' bildet. Diese ''materia secunda'' kann dann wiederum ''materia prima'' für ein Ding komplexerer Form sein und so fort. Dieses Prinzip findet sich bei den [[Alchemie|Alchemisten]]<ref>Henk H. Kubbinga: ''La théorie de la matière de 'Geber'.'' In: Z. R. W. M. von Martels (Hrsg.): ''Alchemy revisited. Proceedings of the international conference on the history of alchemy at the University of Groningen 17.–19.4.1989.'' Leiden/New York/Kopenhagen/Köln 1990 (= ''Collection de travaux de l'académie internationale d'histoire des sciences'', 33), S. 133–138.</ref> wieder, die die Umwandlung von Materie in höheren Formen anstrebten ([[Transmutation|Transformation]]), aber auch im modernen Weltbild der Physik.


Indem Aristoteles den Begriff der ''hylé'' jedoch zur Interpretation der Aussagen seiner Vorgänger verwendet, so auch der von Platon im ''Timaios'', schreibt er diesen Aussagen zu, die den Unterschied zwischen deren Ansätzen, die in der Suche nach einem Grundstoff bestehen, und seinem Materiebegriff verwischen. Von den Vorsokratikern setzt er sich ab, indem er Materie nicht mehr als bestimmte Menge von vorgegebenen Grundelementen und Prozessen des Werdens und der Veränderung als deren quantitative Umschichtung betrachtet. Die Vorsokratiker haben durch diese Betrachtungsweise das Problem nur verschoben, weil die Frage nach der Entstehung der Grundelemente selbst offenbleibt. Materie ist für Aristoteles das, was durch Formen bestimmbar ist, und existiert also nicht unabhängig von ihrem Gegenstand.<ref><span class="reference-text">Stichwort ''Materie.'' In: ''Historisches Wörterbuch der Philosophie.'' 5, Darmstadt 1980, Sp.&nbsp;871–876.</span></ref>
Indem Aristoteles den Begriff der ''hylé'' jedoch zur Interpretation der Aussagen seiner Vorgänger verwendet, so auch der von Platon im ''Timaios'', schreibt er diesen Aussagen zu, die den Unterschied zwischen deren Ansätzen, die in der Suche nach einem Grundstoff bestehen, und seinem Materiebegriff verwischen. Von den Vorsokratikern setzt er sich ab, indem er Materie nicht mehr als bestimmte Menge von vorgegebenen Grundelementen und Prozessen des Werdens und der Veränderung als deren quantitative Umschichtung betrachtet. Die Vorsokratiker haben durch diese Betrachtungsweise das Problem nur verschoben, weil die Frage nach der Entstehung der Grundelemente selbst offenbleibt. Materie ist für Aristoteles das, was durch Formen bestimmbar ist, und existiert also nicht unabhängig von ihrem Gegenstand.<ref>Stichwort ''Materie.'' In: ''Historisches Wörterbuch der Philosophie.'' 5, Darmstadt 1980, Sp.&nbsp;871–876.</ref>


== Materie als Gegenstück zum Geist (Bewusstsein) ==
== Materie als Gegenstück zum Geist (Bewusstsein) ==
<div role="navigation" class="hauptartikel"><span aria-hidden="true" role="presentation" title="siehe" class="hauptartikel-pfeil">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes Philosophie des Geistes], [https://de.wikipedia.org/wiki/Materialismus Materialismus]&nbsp;und [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus Idealismus]''</div>Im Alltagsleben und in den meisten naturwissenschaftlichen Betrachtungen wird die [https://de.wikipedia.org/wiki/Existenz Existenz] der Materie nicht infrage gestellt, da sie beständig zu Sinneserfahrungen führt, sowohl unmittelbar als auch in Untersuchungen und Experimenten mithilfe technischer Hilfsmittel. Allerdings setzt eine solche Argumentation für die Existenz der Materie die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4misse Prämisse] voraus, dass alles existiert, was in irgendeiner Form von uns Menschen beobachtet werden kann. Sowohl die Gültigkeit als auch die Notwendigkeit dieser Prämisse wurden in Zweifel gezogen. Außerdem wirft diese Betrachtung die Frage auf, in welchem Verhältnis der Betrachter selbst zur Materie steht, etwa ob er in gewisser Weise unabhängig von ihr existiert oder nicht. Dies führt auf den Begriff des [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist Geistes], auf die Frage seiner Existenz und auf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Geistes#Das_Leib-Seele-Problem Leib-Seele-Problem]. Diese Fragen sind sehr grundlegend und die Antworten darauf begründen vollkommen unterschiedliche philosophische Schulen, die auch die naturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten beeinflusst haben. Zu diesen Schulen gehören [https://de.wikipedia.org/wiki/Dualismus_(Ontologie) Dualisten], die Geist und Materie beide als existent ansehen, welche aber voneinander zu unterscheiden seien, und [https://de.wikipedia.org/wiki/Monismus Monisten], die entweder nur die Materie oder nur den Geist als das Primäre und wahrhaft Existierende ansehen. Eine vermittelnde Position nimmt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Panpsychismus Panpsychismus] ein.
{{Hauptartikel|Philosophie des Geistes|Materialismus|Idealismus}}


Anhänger des Materialismus setzen die Existenz der Materie voraus und sehen alles andere als ihre Erscheinungsformen, insbesondere auch die Sinneserfahrungen und den Geist. Demokrit wird als früher Anhänger dieser Richtung gesehen, im 18.&nbsp;Jahrhundert sind als bedeutende Vertreter [https://de.wikipedia.org/wiki/Julien_Offray_de_La_Mettrie La Mettrie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Henri_Thiry_d%E2%80%99Holbach d’Holbach] zu nennen. Diese Denkrichtung wurde im 19.&nbsp;Jahrhundert auch von Naturwissenschaftlern wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Vogt Carl Vogt] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Moleschott Jakob Moleschott] vorangetrieben. [https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre-Simon_Laplace Laplace] etwa entwickelte ein streng [https://de.wikipedia.org/wiki/Determinismus deterministisches] Weltbild, in dem jegliche weitere Entwicklung exakt vorausberechenbar wäre, wenn man den [https://de.wikipedia.org/wiki/Zustand_(Physik) Zustand] der Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt kennen würde ([https://de.wikipedia.org/wiki/Laplacescher_D%C3%A4mon Laplacescher Dämon]). Das Primat der Materie gegenüber dem Bewusstsein ist das Fundament (Siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundfrage_der_Philosophie Grundfrage der Philosophie]) des Materialismus als [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektischer_Materialismus dialektischer] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Historischer_Materialismus historischer Materialismus] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx Marx], [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Engels Engels] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Lenin Lenin].
Im Alltagsleben und in den meisten naturwissenschaftlichen Betrachtungen wird die [[Existenz]] der Materie nicht infrage gestellt, da sie beständig zu Sinneserfahrungen führt, sowohl unmittelbar als auch in Untersuchungen und Experimenten mithilfe technischer Hilfsmittel. Allerdings setzt eine solche Argumentation für die Existenz der Materie die [[Prämisse]] voraus, dass alles existiert, was in irgendeiner Form von uns Menschen beobachtet werden kann. Sowohl die Gültigkeit als auch die Notwendigkeit dieser Prämisse wurden in Zweifel gezogen. Außerdem wirft diese Betrachtung die Frage auf, in welchem Verhältnis der Betrachter selbst zur Materie steht, etwa ob er in gewisser Weise unabhängig von ihr existiert oder nicht. Dies führt auf den Begriff des [[Geist]]es, auf die Frage seiner Existenz und auf das [[Philosophie des Geistes#Das Leib-Seele-Problem|Leib-Seele-Problem]]. Diese Fragen sind sehr grundlegend und die Antworten darauf begründen vollkommen unterschiedliche philosophische Schulen, die auch die naturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten beeinflusst haben. Zu diesen Schulen gehören [[Dualismus (Ontologie)|Dualisten]], die Geist und Materie beide als existent ansehen, welche aber voneinander zu unterscheiden seien, und [[Monismus|Monisten]], die entweder nur die Materie oder nur den Geist als das Primäre und wahrhaft Existierende ansehen. Eine vermittelnde Position nimmt der [[Panpsychismus]] ein.


Im Gegensatz dazu steht der Idealismus, der dem Geist eine primäre Existenz einräumt. Hierbei wird unterschieden, ob es sich um ein allgemeines geistiges Prinzip handelt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Objektiver_Idealismus objektiver Idealismus]) oder das konkrete [https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein Bewusstsein] des Menschen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektiver_Idealismus subjektiver Idealismus]). Prägend für den subjektiven Idealismus ist [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Berkeley Berkeleys] Satz: „Esse est percipi“ (Existieren ist Wahrgenommenwerden). Verwandt mit dieser Denkrichtung sind auch die Strömungen des [https://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Philosophie) Konstruktivismus].
Anhänger des Materialismus setzen die Existenz der Materie voraus und sehen alles andere als ihre Erscheinungsformen, insbesondere auch die Sinneserfahrungen und den Geist. Demokrit wird als früher Anhänger dieser Richtung gesehen, im 18.&nbsp;Jahrhundert sind als bedeutende Vertreter [[Julien Offray de La Mettrie|La Mettrie]] und [[Paul Henri Thiry d’Holbach|d’Holbach]] zu nennen. Diese Denkrichtung wurde im 19.&nbsp;Jahrhundert auch von Naturwissenschaftlern wie [[Carl Vogt]] oder [[Jakob Moleschott]] vorangetrieben. [[Pierre-Simon Laplace|Laplace]] etwa entwickelte ein streng [[Determinismus|deterministisches]] Weltbild, in dem jegliche weitere Entwicklung exakt vorausberechenbar wäre, wenn man den [[Zustand (Physik)|Zustand]] der Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt kennen würde ([[Laplacescher Dämon]]). Das Primat der Materie gegenüber dem Bewusstsein ist das Fundament (Siehe [[Grundfrage der Philosophie]]) des Materialismus als [[Dialektischer Materialismus|dialektischer]] und [[historischer Materialismus]] von [[Karl Marx|Marx]], [[Friedrich Engels|Engels]] und [[Lenin]].


Im Dualismus schließlich werden sowohl Geist als auch Materie als unabhängig voneinander existierend anerkannt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Descartes Descartes] löste auf diese Weise das Leib-Seele-Problem, indem er annahm, dass beide aufeinander einwirken können. [https://de.wikipedia.org/wiki/Leibniz Leibniz] ging noch einen Schritt weiter und lehnte eine Interaktion zwischen Geist und Körper ab. [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper Karl Popper] und [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Eccles John Eccles] gelten als moderne Vertreter des Dualismus.
Im Gegensatz dazu steht der Idealismus, der dem Geist eine primäre Existenz einräumt. Hierbei wird unterschieden, ob es sich um ein allgemeines geistiges Prinzip handelt ([[objektiver Idealismus]]) oder das konkrete [[Bewusstsein]] des Menschen ([[subjektiver Idealismus]]). Prägend für den subjektiven Idealismus ist [[George Berkeley|Berkeleys]] Satz: „Esse est percipi“ (Existieren ist Wahrgenommenwerden). Verwandt mit dieser Denkrichtung sind auch die Strömungen des [[Konstruktivismus (Philosophie)|Konstruktivismus]].
 
Im Dualismus schließlich werden sowohl Geist als auch Materie als unabhängig voneinander existierend anerkannt. [[Descartes]] löste auf diese Weise das Leib-Seele-Problem, indem er annahm, dass beide aufeinander einwirken können. [[Leibniz]] ging noch einen Schritt weiter und lehnte eine Interaktion zwischen Geist und Körper ab. [[Karl Popper]] und [[John Eccles]] gelten als moderne Vertreter des Dualismus.


== Materiebegriff in der Physik ==
== Materiebegriff in der Physik ==
<div role="navigation" class="hauptartikel"><span aria-hidden="true" role="presentation" title="siehe" class="hauptartikel-pfeil">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie_(Physik) Materie (Physik)]''</div>In der Physik ist Materie der Oberbegriff für alle Beobachtungsgegenstände, die Masse besitzen.<ref><span class="reference-text">Ernst-Wilhelm Otten: <cite>Repetitorium Experimentalphysik</cite>. 4. Auflage. Springer Spektrum, Berlin 2019, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783662597293 ISBN 978-3-662-59729-3], 1.5 Materie und Masse, S.&nbsp;4&nbsp;f., [https://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Object_Identifier doi]:<span class="uri-handle">[https://doi.org/10.1007/978-3-662-59730-9 10.1007/978-3-662-59730-9]</span>.</span></ref>
{{Hauptartikel|Materie (Physik)}}
 
In der Physik ist Materie der Oberbegriff für alle Beobachtungsgegenstände, die Masse besitzen.<ref>{{Literatur |Autor=Ernst-Wilhelm Otten |Titel=Repetitorium Experimentalphysik |Auflage=4. |Verlag=Springer Spektrum |Ort=Berlin |Datum=2019 |ISBN=978-3-662-59729-3 |Kapitel=1.5 Materie und Masse |Seiten=4 f. |DOI=10.1007/978-3-662-59730-9}}</ref>
 
== Siehe auch ==
* [[Materia medica]]


== Literatur ==
== Literatur ==
 
* [[Rudolf Eisler (Philosoph)|Rudolf Eisler]]: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' 2&nbsp;Bände. Historisch-quellenmäßig bearbeitet von Rudolf Eisler. 2.,&nbsp;völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin 1904.
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler]: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' 2 Bde. Historisch-quellenmäßig bearb. v. Rudolf Eisler. 2., völlig neu bearb. Aufl. Berlin 1904.
* Wolfgang Göpel, Christiane Ziegler: ''Struktur der Materie: Grundlagen, Mikroskopie und Spektroskopie.'' Teubner, Stuttgart 1991.
* Wolfgang Göpel, Christiane Ziegler: ''Struktur der Materie: Grundlagen, Mikroskopie und Spektroskopie.'' Teubner, Stuttgart 1991.
* Hubert Gräfen: ''Lexikon Werkstofftechnik.'' VDI-Verlag, Düsseldorf 1991.
* Hubert Gräfen: ''Lexikon Werkstofftechnik.'' VDI-Verlag, Düsseldorf 1991.
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Hund Friedrich Hund]: ''Geschichte der physikalischen Begriffe.'' B.I. Wissenschaftsverlag, Mannheim 1978.
* [[Friedrich Hund]]: ''Geschichte der physikalischen Begriffe.'' B.I. Wissenschaftsverlag, Mannheim 1978.
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Jammer Max Jammer]: ''Der Begriff der Masse in der Physik.'' Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964.
* [[Max Jammer]]: ''Der Begriff der Masse in der Physik.'' Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964.
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Mainzer Klaus Mainzer]: ''Materie: von der Urmaterie zum Leben.'' Beck, München 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406403344 ISBN 3-406-40334-4].
* [[Klaus Mainzer]]: ''Materie: von der Urmaterie zum Leben.'' Beck, München 1996, ISBN 3-406-40334-4.
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Dieter_Mutschler Hans-Dieter Mutschler]: ''Naturphilosophie.'' Kohlhammer, Stuttgart 2002.
* [[Hans-Dieter Mutschler]]: ''Naturphilosophie.'' Kohlhammer, Stuttgart 2002.
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Russell Bertrand Russell]: ''The analysis of matter.'' Routledge, London 1992.
* [[Bertrand Russell]]: ''The analysis of matter.'' Routledge, London 1992.
* Martin Josef Schermaier: ''Materia: Beiträge zur Frage der Naturphilosophie im klassischen römischen Recht.'' Böhlau, Wien 1992.
* Martin Josef Schermaier: ''Materia: Beiträge zur Frage der Naturphilosophie im klassischen römischen Recht.'' Böhlau, Wien 1992.


== Weblinks ==
== Weblinks ==
<div class="sisterproject"><span aria-hidden="true" role="presentation" class="noviewer"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[Datei:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Materie Wiktionary: Materie]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
{{Wiktionary}}
* Rudolf Eisler: Artikel [https://www.textlog.de/4407.html Materie]. In: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe'', Berlin 1904.
* Peter Möller: [http://www.philolex.de/materie.htm Materie]
* Hans-Dieter Mutschler: [https://www.naturphilosophie.org/grundbegriffe/materie/ Eintrag ''Materie''] im Online-Lexikon ''Naturphilosophische Grundbegriffe''
* {{UTB-Philosophie|Andreas Preußner|544|Materie}}


* Rudolf Eisler: Artikel [http://www.textlog.de/4407.html Materie], in: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe'', Berlin 1904.
== Einzelnachweise ==
* Peter Möller: [http://www.philolex.de/materie.htm Materie]
<references />
* Hans-Dieter Mutschler: [http://www.naturphilosophie.org/grundbegriffe/materie/ Eintrag ''Materie''] im Online-Lexikon ''Naturphilosophische Grundbegriffe''
 
* Andreas Preußner: <cite>Materie</cite>. In: Wulff D. Rehfus (Hrsg.): <cite>Handwörterbuch Philosophie</cite> (=&nbsp;<cite>Uni-Taschenbücher</cite>. Nr.&nbsp;8208). 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht / UTB, Göttingen / Stuttgart 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825282082 ISBN 3-8252-8208-2] ([https://web.archive.org/web/20130425110356/http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?tx_gbwbphilosophie_main%5Bentry%5D=544&tx_gbwbphilosophie_main%5Baction%5D=show&tx_gbwbphilosophie_main%5Bcontroller%5D=Lexicon&no_cache=1 philosophie-woerterbuch.de] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten Memento] vom 25. April 2013 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'') – Ehemals Online-Dokument Nr. 544).
[[Kategorie:Ontologie]]
{{Anmrkng Enzlnchws}}
[[Kategorie:Physikalisches Grundkonzept]]

Version vom 14. Januar 2026, 13:10 Uhr

mater-ie lat.-deu. wrtl. das "Geborene", zur "Mutter gehörige, von der Mutter stammende"; Das aus oder von der Erdmutter hervorgebrachte; vgl. Materialist

  • Materie f.
    • ‘objektive Realität,
    • stoffliche Substanz, Masseteilchen,
    • Gegenstand, Inhalt, Thema’,
    • mhd. materje, materge ‘Stoff, Körper, Gegenstand, Flüssigkeit im Körper (besonders Eiter)’
    • ist entlehnt aus
      • lat. māteria
        • ‘Stamm und Schößlinge von Fruchtbäumen und Weinreben, Bauholz, Nutzholz,
          • (Grund)stoff, Aufgabe, Anlage, Ursache’,
        • "Angelegenheit; Material; Komponente Zeug; Substanz; (bildlich) Quelle, Herkunft"
      • einer Ableitung von lat. māter ‘Mutter’ (s. Mutter).
    • Materie entwickelt sich in zwei Bedeutungssträngen:
      • einerseits bezeichnet es den ‘Stoff, aus dem etw. gefertigt ist’
        • (im 18. Jh. abgelöst durch Material, s. d.),
      • andererseits gilt es in der Sprache der Philosophie
        • als die ‘stoffliche Seite eines Naturkörpers’ (14. Jh.),
        • als ‘Möglichkeit des Seins’, das seine Bestimmung erst durch die Form erhält.

Materie

Materie (über mittelhochdeutsch matërje von lateinisch māteria = Stoff, Thema, Ursache, Substanz; ursprünglich māteriēs = Holz, Stämme, Bauhol verwandt mit lateinisch mater, ‚Mutter‘, und matrix) ist der Oberbegriff für alles, was Raum einnimmt und Masse besitzt. Es bezeichnet also die Substanz, aus der alle Dinge der Welt bestehen, unabhängig von ihrer Erscheinungsform.[1][2] In der Alltagssprache wird der Ausdruck „Materie“ oft synonym mit „Material“ oder „Substanz“ benutzt, oder im Sinne von „Thema oder Gegenstand einer Untersuchung, einer Wissenschaftsrichtung oder eines Unterrichtsfachs“ („eine komplizierte Materie“). In der Lehre wird in diesem Zusammenhang auch von Lehrstoff gesprochen.

Der Begriff ist sehr allgemein, ihn näher zu bestimmen prägte die Physik und Philosophie seit ihren Ursprüngen. Grundsätzlich streiten sich Materialisten und Idealisten, ob der Materie ein Substrat entspricht, das ontologisch als Objekt oder Eigenschaft auffassbar ist und von anderen ontologischen Begriffen abgrenzbar ist, etwa von Geist, Form, Idee[3][4] oder Transzendenz. In der Physik ist Materie heutzutage aus Elementarteilchen mit Spin 12 aufgebaut, also Quarks und Leptonen.

Ausbildung des Materiebegriffs

Schon die Vorsokratiker waren auf der Suche nach einem Urstoff (arché), der allen anderen Dingen zugrunde liegt. Dazu dienten Gegenstände der sinnlichen Erfahrung, die aufgrund bestimmter Eigenschaften (weite Verbreitung, Wandlungsfähigkeit) dazu geeignet erschienen. Für Thales war dieser Urstoff das Wasser, für Anaximenes die Luft, für Heraklit das Feuer. Empedokles entwickelte eine Vier-Elemente-Lehre, die den genannten Stoffen noch die Erde hinzu fügte.

Es stellte sich deshalb die Frage, in welchem Verhältnis der Urstoff zu den Dingen der sinnlichen Erfahrung steht. Für Thales, Anaximenes und Heraklit entstand alles aus der Umwandlung der jeweiligen Urmaterie. Im Gegensatz dazu vertrat Parmenides als oberstes Prinzip die Unveränderlichkeit des Seienden. Empedokles Vier-Elemente-Lehre stellt dabei einen Mittelweg dar, der die Elemente selbst als unveränderlich ansieht, die sinnlich wahrnehmbaren Objekte jedoch als eine Mischung der Urstoffe. Veränderung ist demnach möglich, indem sich die Mischungsverhältnisse der vier Urstoffe ändern. Anaxagoras begründete eine ähnliche Mischungslehre, allerdings mit einer unendlichen Anzahl von Grundstoffen. Für Anaximander aber war die Grundsubstanz alles Gewordenen das Apeiron, ein einziger unbestimmter Grundstoff, der unbegrenzt vorhanden und unbegrenzt teilbar ist.

Demokrit und sein Lehrer Leukipp sahen die Materie nicht als unbegrenzt teilbar an, sondern als bestehend aus kleinsten Einheiten, den Atomen. Durch verschiedene Anordnungen ergeben ihre Atome alle anderen Dinge, bis hin zu den Sinneswahrnehmungen und der Seele. Demokrit und Leukipp gelten als die Begründer des auch in der Neuzeit sehr einflussreichen Atombegriffs.

Der Materiebegriff wurde auch als ein von den Dingen der Sinneserfahrung abstrahierter Begriff entwickelt. Platon und Aristoteles prägten mit Chora bzw. Hyle abstrakte Begriffe für einen Urstoff, aus dem durch Wirken einer Idee bzw. Einprägen einer Form alle sinnlich wahrnehmbaren Dinge hervorgehen bzw. für die Disposition von Gegenständen, durch Formen geprägt zu werden. Die aristotelische hyle wurde in Ciceros lateinischer Übersetzung zu materia und damit zu unserer Materie.

Außerhalb Europas entwickelten sich ähnliche Begriffe der Urmaterie, wie etwa die indischen Prakriti oder der chinesische Hun Dun. Der Daoismus entwickelte ebenfalls ein Modell der Elemente (Fünf-Elemente-Lehre).

Materie als Gegenstück zur Idee bzw. Form

Platon entwickelt in seinem Dialog Timaios eine Vorstellung der Welt, in welcher der Demiurg, ein gütiger Schöpfergott, in die ungeordnete Materie, die Chora, eingreift, um daraus den Kosmos und alle Dinge zu formen. Der Demiurg orientiert sich dabei an der Ideenwelt und bildet alles Physische als Nachbildung der ewigen Ideen. Diese Beziehung zwischen den Dingen und den Ideen kommt z. B. in Platons Höhlengleichnis zum Ausdruck, in dem die scheinbar realen sinnlich wahrnehmbaren Dinge als bloße Schatten der Ideen, des wahren Seienden (ousia) begriffen werden. Aus der Chora entstehen durch das Eingreifen des Demiurgen die Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer sowie der Äther. Diese fünf Elemente haben die geometrische Form der fünf platonischen Körper und bilden die Grundlage für alle anderen Körper. Durch ihre geometrische Bestimmung wird es möglich, mathematische Beziehungen zwischen den Elementen und für ihre Kombination aufzustellen. Diese Vorstellung greift einigen späteren naturwissenschaftlichen Konzepten der Materie (Kristallographie, Symmetrien, Stereochemie) vor.

Aristoteles entwickelt eine ähnliche Zweiteilung zwischen dem Allgemeinen, der Form und dem, was geformt wird, der Materie (hylé). Aus geformter Materie entsteht Wirklichkeit (entelecheia), Materie ist in diesem Sinne die Möglichkeit (dynamis), geformt zu werden (siehe Akt und Potenz). Aristoteles beschreibt die Materie auch als logischen Prädikator („x ist Materie für y“), der einen hierarchischen Aufbau der Dinge vom Einfachen zum Komplexen ermöglicht. Dazu führte er die materia prima als ungeformten Urstoff ein, der durch Formung die materia secunda bildet. Diese materia secunda kann dann wiederum materia prima für ein Ding komplexerer Form sein und so fort. Dieses Prinzip findet sich bei den Alchemisten[5] wieder, die die Umwandlung von Materie in höheren Formen anstrebten (Transformation), aber auch im modernen Weltbild der Physik.

Indem Aristoteles den Begriff der hylé jedoch zur Interpretation der Aussagen seiner Vorgänger verwendet, so auch der von Platon im Timaios, schreibt er diesen Aussagen zu, die den Unterschied zwischen deren Ansätzen, die in der Suche nach einem Grundstoff bestehen, und seinem Materiebegriff verwischen. Von den Vorsokratikern setzt er sich ab, indem er Materie nicht mehr als bestimmte Menge von vorgegebenen Grundelementen und Prozessen des Werdens und der Veränderung als deren quantitative Umschichtung betrachtet. Die Vorsokratiker haben durch diese Betrachtungsweise das Problem nur verschoben, weil die Frage nach der Entstehung der Grundelemente selbst offenbleibt. Materie ist für Aristoteles das, was durch Formen bestimmbar ist, und existiert also nicht unabhängig von ihrem Gegenstand.[6]

Materie als Gegenstück zum Geist (Bewusstsein)

Im Alltagsleben und in den meisten naturwissenschaftlichen Betrachtungen wird die Existenz der Materie nicht infrage gestellt, da sie beständig zu Sinneserfahrungen führt, sowohl unmittelbar als auch in Untersuchungen und Experimenten mithilfe technischer Hilfsmittel. Allerdings setzt eine solche Argumentation für die Existenz der Materie die Prämisse voraus, dass alles existiert, was in irgendeiner Form von uns Menschen beobachtet werden kann. Sowohl die Gültigkeit als auch die Notwendigkeit dieser Prämisse wurden in Zweifel gezogen. Außerdem wirft diese Betrachtung die Frage auf, in welchem Verhältnis der Betrachter selbst zur Materie steht, etwa ob er in gewisser Weise unabhängig von ihr existiert oder nicht. Dies führt auf den Begriff des Geistes, auf die Frage seiner Existenz und auf das Leib-Seele-Problem. Diese Fragen sind sehr grundlegend und die Antworten darauf begründen vollkommen unterschiedliche philosophische Schulen, die auch die naturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten beeinflusst haben. Zu diesen Schulen gehören Dualisten, die Geist und Materie beide als existent ansehen, welche aber voneinander zu unterscheiden seien, und Monisten, die entweder nur die Materie oder nur den Geist als das Primäre und wahrhaft Existierende ansehen. Eine vermittelnde Position nimmt der Panpsychismus ein.

Anhänger des Materialismus setzen die Existenz der Materie voraus und sehen alles andere als ihre Erscheinungsformen, insbesondere auch die Sinneserfahrungen und den Geist. Demokrit wird als früher Anhänger dieser Richtung gesehen, im 18. Jahrhundert sind als bedeutende Vertreter La Mettrie und d’Holbach zu nennen. Diese Denkrichtung wurde im 19. Jahrhundert auch von Naturwissenschaftlern wie Carl Vogt oder Jakob Moleschott vorangetrieben. Laplace etwa entwickelte ein streng deterministisches Weltbild, in dem jegliche weitere Entwicklung exakt vorausberechenbar wäre, wenn man den Zustand der Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt kennen würde (Laplacescher Dämon). Das Primat der Materie gegenüber dem Bewusstsein ist das Fundament (Siehe Grundfrage der Philosophie) des Materialismus als dialektischer und historischer Materialismus von Marx, Engels und Lenin.

Im Gegensatz dazu steht der Idealismus, der dem Geist eine primäre Existenz einräumt. Hierbei wird unterschieden, ob es sich um ein allgemeines geistiges Prinzip handelt (objektiver Idealismus) oder das konkrete Bewusstsein des Menschen (subjektiver Idealismus). Prägend für den subjektiven Idealismus ist Berkeleys Satz: „Esse est percipi“ (Existieren ist Wahrgenommenwerden). Verwandt mit dieser Denkrichtung sind auch die Strömungen des Konstruktivismus.

Im Dualismus schließlich werden sowohl Geist als auch Materie als unabhängig voneinander existierend anerkannt. Descartes löste auf diese Weise das Leib-Seele-Problem, indem er annahm, dass beide aufeinander einwirken können. Leibniz ging noch einen Schritt weiter und lehnte eine Interaktion zwischen Geist und Körper ab. Karl Popper und John Eccles gelten als moderne Vertreter des Dualismus.

Materiebegriff in der Physik

In der Physik ist Materie der Oberbegriff für alle Beobachtungsgegenstände, die Masse besitzen.[7]

Siehe auch

Literatur

  • Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 2 Bände. Historisch-quellenmäßig bearbeitet von Rudolf Eisler. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Berlin 1904.
  • Wolfgang Göpel, Christiane Ziegler: Struktur der Materie: Grundlagen, Mikroskopie und Spektroskopie. Teubner, Stuttgart 1991.
  • Hubert Gräfen: Lexikon Werkstofftechnik. VDI-Verlag, Düsseldorf 1991.
  • Friedrich Hund: Geschichte der physikalischen Begriffe. B.I. Wissenschaftsverlag, Mannheim 1978.
  • Max Jammer: Der Begriff der Masse in der Physik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964.
  • Klaus Mainzer: Materie: von der Urmaterie zum Leben. Beck, München 1996, ISBN 3-406-40334-4.
  • Hans-Dieter Mutschler: Naturphilosophie. Kohlhammer, Stuttgart 2002.
  • Bertrand Russell: The analysis of matter. Routledge, London 1992.
  • Martin Josef Schermaier: Materia: Beiträge zur Frage der Naturphilosophie im klassischen römischen Recht. Böhlau, Wien 1992.
Wiktionary: Materie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Rudolf Eisler: Artikel Materie. In: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Berlin 1904.
  • Peter Möller: Materie
  • Hans-Dieter Mutschler: Eintrag Materie im Online-Lexikon Naturphilosophische Grundbegriffe
  • Andreas Preußner: Materie. In: Wulff D. Rehfus (Hrsg.): Handwörterbuch Philosophie (= Uni-Taschenbücher. Nr. 8208). 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht / UTB, Göttingen / Stuttgart 2003, ISBN 3-8252-8208-2 (philosophie-woerterbuch.de (Memento vom 25. April 2013 im Internet Archive) – Ehemals Online-Dokument Nr. 544).

Einzelnachweise

  1. ↑ Roger Penrose: The mass of the classical vacuum. In: Simon Saunders, Harvey R. Brown (Hrsg.): The Philosophy of Vacuum. Clarendon Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-824449-5, S. 21–26 (englisch).
  2. ↑ Dudley Shapere: Matter. In: AccessScience. McGraw Hill, 2021, abgerufen am 27. Mai 2023 (englisch).
  3. ↑ Artikel „Materie“. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 11. Aufl., Leipzig 1975.
  4. ↑ Vgl. zur Interpretationsbedürftigkeit physikalischer Modelle hinsichtlich eines Materiebegriffs z. B. Hans-Dieter Mutschler: Naturphilosophie. Kohlhammer, Stuttgart 2002, S. 108–115 und ders.: Materie. In: Naturphilosophische Grundbegriffe. [Version 1.0]. Zu Interpretationsproblemen der Relativitätstheorie bezüglich des Masse- und Materiebegriffs vgl. den entsprechenden Abschnitt im Artikel Materie (Philosophie).
  5. ↑ Henk H. Kubbinga: La théorie de la matière de 'Geber'. In: Z. R. W. M. von Martels (Hrsg.): Alchemy revisited. Proceedings of the international conference on the history of alchemy at the University of Groningen 17.–19.4.1989. Leiden/New York/Kopenhagen/Köln 1990 (= Collection de travaux de l'académie internationale d'histoire des sciences, 33), S. 133–138.
  6. ↑ Stichwort Materie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. 5, Darmstadt 1980, Sp. 871–876.
  7. ↑ Ernst-Wilhelm Otten: Repetitorium Experimentalphysik. 4. Auflage. Springer Spektrum, Berlin 2019, ISBN 978-3-662-59729-3, 1.5 Materie und Masse, S. 4 f., doi:10.1007/978-3-662-59730-9.