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„Ethik“ – Versionsunterschied

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** [[Theologische Ethik]] (christliche Ethik)
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* ein Schulfach, siehe [[Ethikunterricht in Deutschland]] und [[Ethikunterricht in Österreich]]
* ein Schulfach, siehe [[Ethikunterricht in Deutschland]] und [[Ethikunterricht in Österreich]]


'''Ethik''' ist der Titel folgender Werke:
'''Ethik''' ist der Titel folgender Werke:
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* [[Ethik (Bonhoeffer)]], nicht vollendetes Buch von Dietrich Bonhoeffer, bearbeitet und herausgegeben von Eberhard Bethge (1949)
* [[Ethik (Bonhoeffer)]], nicht vollendetes Buch von Dietrich Bonhoeffer, bearbeitet und herausgegeben von Eberhard Bethge (1949)


{{Begriffsklärung}}
= Ethik =
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]


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Die '''Ethik''' ist jener Teilbereich der [[Philosophie]], der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns befasst. Ihr Gegenstand ist damit die [[Moral]] insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit und [[Reflexion (Philosophie)|Reflexion]]. [[Cicero]] übersetzte als erster ''ēthikḕ téchnē'' (''die ethische Kunst'') in den seinerzeit neuen Begriff ''philosophia moralis'' (''Philosophie der Sitten'').<ref>Cicero: ''De fato'' 1; ''Moral, moralisch, Moralphilosophie.'' In: ''[[Historisches Wörterbuch der Philosophie]].'' Band 6, S. 149.</ref> In seiner Tradition wird die Ethik auch heute noch als '''Moralphilosophie''' bezeichnet.<ref>[[Viktor Cathrein]]: ''Moralphilosophie. Eine wissenschaftliche Darlegung der sittlichen, einschließlich der rechtlichen Ordnung.'' 2 Bände, 5., neu durchgearbeitete Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1911, S. 1–6 (''Begriff der Moralphilosophie'').</ref>
 
Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z.&nbsp;B. [[Rechtsphilosophie|Rechts-]], [[Staatsphilosophie|Staats-]] und [[Sozialphilosophie]]) werden auch als „[[Philosophie#Praktische Philosophie|praktische Philosophie]]“ zusammengefasst, da sie sich mit dem menschlichen [[Handeln]] befasst. Im Gegensatz dazu steht die „[[theoretische Philosophie]]“, zu der als klassische Disziplinen die [[Logik]], die [[Erkenntnistheorie]] und die [[Metaphysik]] gezählt werden.
 
Ihr entsprechen in der Religionswissenschaft die religionsgeschichtliche Erforschung der Sittlichkeit (Moral) sowie vor allem die [[Moraltheologie|kath. Moraltheologie]] und die ev. [[theologische Ethik]],<ref> Brockhaus Enzyklopädie, 19 Aufl., (1988), Bd. 6, S. 600.</ref> die wiederum Teilgebiete der christlichen [[Systematische Theologie|systematischen Theologie]] sind.
 
== Wortherkunft ==
Das deutsche Wort Ethik stammt von {{grcS|prefix=0|ἠθική (ἐπιστήμη)|ēthikḗ (epistḗmē)}} „das sittliche (Verständnis)“, von {{lang|grc|ἦθος|ē̂thos}} „Charakter, Sinnesart“ (dagegen {{lang|grc|ἔθος|éthos}}: Gewohnheit, Sitte, Brauch).<ref>Vgl. [[A Greek-English Lexicon]] 9. A. (1996) [9. Aufl. ist von 1940 – gemeint ist also ein Nachdruck], S. 480, 766.</ref>
 
== Ursprung ==
{{Hauptartikel|Geschichte der Ethik}}
[[Datei:Aristoteles Louvre.jpg|mini|150px|[[Aristoteles]] begründete die Ethik als eigenständige philosophische Disziplin.]]


== Ethik ==
Bereits die [[Sophisten]] (im 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) vertraten die Auffassung, es sei für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird. Im Zuge der [[Sokratische Wende|sokratischen Wende]] rückte [[Sokrates]] (5. Jahrhundert v. Chr.) die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens. ''Ethik'' als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin geht auf [[Aristoteles]] (4. Jahrhundert v. Chr.) zurück, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (''ethos'') meinte. Er war der Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und theoretisch fundierten Reflexion zugänglich. Ethik war somit für Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Gegenstand hat und diesen Gegenstand mit philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet.
Die '''Ethik''' ist jener Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns befasst. Ihr Gegenstand ist damit die [[Moral]] insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit und [[Reflexion (Philosophie)|Reflexion]]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Cicero Cicero] übersetzte als erster ''[[ēthikḗ téchnē]]'' (''die ethische Kunst'') in den seinerzeit neuen Begriff ''philosophia moralis'' (''Philosophie der Sitten'').<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-1 [1]]</sup> In seiner Tradition wird die Ethik auch heute noch als '''Moralphilosophie''' bezeichnet.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-2 [2]]</sup>
<p>Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z.&nbsp;B. [[Rechtsphilosophie|Rechts-]], [[Staatsphilosophie|Staats-]] und [[Sozialphilosophie]]) werden auch als „[[Philosophie#Praktische Philosophie|praktische Philosophie]]“ zusammengefasst, da sie sich mit dem menschlichen [[Handeln]] befasst. Im Gegensatz dazu steht die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Theoretische_Philosophie theoretische Philosophie]“, zu der als klassische Disziplinen die [[Logik]], die [[Erkenntnistheorie]] und die [[Metaphysik]] gezählt werden.</p>
<p>Ihr entsprechen in der Religionswissenschaft die religionsgeschichtliche Erforschung der Sittlichkeit (Moral) sowie vor allem die [https://de.wikipedia.org/wiki/Moraltheologie kath. Moraltheologie] und die ev. [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologische_Ethik theologische Ethik],<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-3 [3]]</sup> die wiederum Teilgebiete der christlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Systematische_Theologie systematischen Theologie] sind.</p>


== <span id="Wortherkunft">Wortherkunft</span> ==
== Ziele und Fragestellungen ==
<p>Das deutsche Wort Ethik stammt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Neugriechische_Sprache griechisch] <span class="Grek" lang="el-Grek">ἠθική (ἐπιστήμη)</span> ''ēthikē (epistēmē)'' „das sittliche (Verständnis)“, von <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἦθος</span> ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethos ēthos]'' „Charakter, Sinnesart“ (dagegen ἔθος: Gewohnheit, Sitte, Brauch).<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-4 [4]]</sup></p>
{{Belege fehlen}}
Die (allgemeine) Ethik wird heute als die philosophische Disziplin verstanden, die Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und für die Bewertung seiner Motive und Folgen aufstellt. Sie ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen ''(theoria)'', sondern um eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen Hilfen für seine sittlichen Entscheidungen liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien und Normen guten Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt oder Wertvorzugsurteile für bestimmte Typen von Problemsituationen begründen. Die situationsspezifische Anwendung dieser Prinzipien auf neue Situationen und Lebenslagen ist nicht durch sie leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten [[Gewissen]]s.


== <span id="Ursprung">Ursprung</span> ==
Die drei Fragen nach
<span><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>:''</span>[https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Ethik Geschichte der Ethik]
* dem „höchsten Gut“,
[[Datei:150px-Aristoteles_Louvre.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Aristoteles_Louvre.jpg|mini|119x119px|[https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] begründete die Ethik als eigenständige philosophische Disziplin.]]
* dem richtigen Handeln in bestimmten [[Situation]]en und
Bereits die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sophisten Sophisten] (im 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) vertraten die Auffassung, es sei für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird. Im Zuge der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokratische_Wende sokratischen Wende] rückte [https://de.wikipedia.org/wiki/Sokrates Sokrates] (5. Jahrhundert v. Chr.) die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens. ''Ethik'' als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin geht auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] (4. Jahrhundert v. Chr.) zurück, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (''ethos'') meinte. Er war der Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und theoretisch fundierten Reflexion zugänglich. Ethik war somit für Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Gegenstand hat und diesen Gegenstand mit philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet.
* der Freiheit des Willens
== <span id="Ziele_und_Fragestellungen">Ziele und Fragestellungen</span> ==
stehen im Zentrum.
<blockquote>Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege Belegen] (beispielsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Einzelnachweise Einzelnachweisen]) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.</blockquote>
<p>Die (allgemeine) Ethik wird heute als die philosophische Disziplin verstanden, die Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und für die Bewertung seiner Motive und Folgen aufstellt. Sie ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen ''(theoria)'', sondern um eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen Hilfen für seine sittlichen Entscheidungen liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien und Normen guten Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt oder Wertvorzugsurteile für bestimmte Typen von Problemsituationen begründen. Die situationsspezifische Anwendung dieser Prinzipien auf neue Situationen und Lebenslagen ist nicht durch sie leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewissen Gewissens].</p>
<p>Die drei Fragen nach</p>


<span></span>
Als philosophische Disziplin bearbeitet die Ethik moralische Fragen auf der Grundlage lebensweltlicher Einstellungen, Wertüberzeugungen und rationaler [[Argument]]e. Auch in den jüdischen, christlichen und islamischen Theologien werden ethische Fragen behandelt. In der [[Theologische Ethik|Theologischen Ethik]] werden unterschiedliche Voraussetzungen und Vorgehensweisen zugrunde gelegt: Während sogenannte [[Glaubensethik]]en religiöse Überzeugungen, einschließlich [[Offenbarung|offenbarungstheologisch]] vermittelter Traditionen, als Argumentationsgrundlage voraussetzen, werden v.&nbsp;a. seit den 1970er Jahren auch Ansätze vertreten, wonach die Begründung ethischer Normen nur voraussetzt, was unabhängig von spezifischen religiösen oder weltanschaulichen Verortungen rational einsichtig zu machen ist. Beispiele dafür sind die Vorschläge sogenannter „Autonomer Moral“ von [[Alfons Auer]] oder [[Franz Böckle]].
*dem „höchsten Gut“,
*dem richtigen Handeln in bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Situation Situationen] und
*der Freiheit des Willens
<p>stehen im Zentrum.</p>
<p>Als philosophische Disziplin bearbeitet die Ethik moralische Fragen auf der Grundlage lebensweltlicher Einstellungen, Wertüberzeugungen und rationaler [https://de.wikipedia.org/wiki/Argument Argumente]. Auch in den jüdischen, christlichen und islamischen Theologien werden ethische Fragen behandelt. In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologische_Ethik Theologischen Ethik] werden unterschiedliche Voraussetzungen und Vorgehensweisen zugrunde gelegt: Während sogenannte [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Glaubensethik&action=edit&redlink=1 Glaubensethiken] religiöse Überzeugungen, einschließlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Offenbarung offenbarungstheologisch] vermittelter Traditionen, als Argumentationsgrundlage voraussetzen, werden v.&nbsp;a. seit den 1970er Jahren auch Ansätze vertreten, wonach die Begründung ethischer Normen nur voraussetzt, was unabhängig von spezifischen religiösen oder weltanschaulichen Verortungen rational einsichtig zu machen ist. Beispiele dafür sind die Vorschläge sogenannter „Autonomer Moral“ von [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfons_Auer Alfons Auer] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_B%C3%B6ckle Franz Böckle].</p>


=== <span id="Abgrenzung">Abgrenzung</span> ===
=== Abgrenzung ===
==== <span id="Rechtswissenschaft">Rechtswissenschaft</span> ====
==== Rechtswissenschaft ====
<p>Auch die Rechtswissenschaft fragt danach, wie gehandelt werden soll. Im Unterschied zur Ethik (welche seit [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Thomasius Christian Thomasius] und Kant von der Rechtslehre unterschieden wird<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-5 [5]]</sup>) bezieht sie sich jedoch im Allgemeinen auf eine bestimmte, faktisch geltende Rechtsordnung (positives Recht), deren Normen sie auslegt und anwendet. Wo die Rechtswissenschaft als [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsphilosophie Rechtsphilosophie], Rechtspolitik oder Gesetzgebungslehre auch die Begründung von Rechtsnormen behandelt, nähert sie sich der Ethik an. Auch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunftrecht Vernunftrecht] zeigt Parallelen zur Ethik.</p>
Auch die Rechtswissenschaft fragt danach, wie gehandelt werden soll. Im Unterschied zur Ethik (welche seit [[Christian Thomasius]] und Kant von der Rechtslehre unterschieden wird<ref>Viktor Cathrein: ''Moralphilosophie. Eine wissenschaftliche Darlegung der sittlichen, einschließlich der rechtlichen Ordnung.'' 2 Bände, 5., neu durchgearbeitete Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1911, S. 17–27 (''Geschichte der Moralphilosophie''), hier: S. 24 f., und S. 27 (''Einteilung der Moralphilosophie'').</ref>) bezieht sie sich jedoch im Allgemeinen auf eine bestimmte, faktisch geltende Rechtsordnung (positives Recht), deren Normen sie auslegt und anwendet. Wo die Rechtswissenschaft als [[Rechtsphilosophie]], Rechtspolitik oder Gesetzgebungslehre auch die Begründung von Rechtsnormen behandelt, nähert sie sich der Ethik an. Auch das [[Vernunftrecht]] zeigt Parallelen zur Ethik.


==== <span id="Empirie">Empirie</span> ====
==== Empirie ====
<p>Mit gesellschaftlichen Normen des Handelns befassen sich auch empirische Wissenschaften wie Soziologie, Ethnologie und Psychologie. Im Unterschied zur normativen Ethik im philosophischen Sinne geht es dort jedoch um die Beschreibung und Erklärung faktisch bestehender ethischer Überzeugungen, Einstellungen und Sanktionsmuster und nicht um deren [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtfertigung_(Philosophie) Rechtfertigung] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik Kritik]. Beziehungen bestehen also zur deskriptiven Ethik.</p>
Mit gesellschaftlichen Normen des Handelns befassen sich auch empirische Wissenschaften wie Soziologie, Ethnologie und Psychologie. Im Unterschied zur normativen Ethik im philosophischen Sinne geht es dort jedoch um die Beschreibung und Erklärung faktisch bestehender ethischer Überzeugungen, Einstellungen und Sanktionsmuster und nicht um deren [[Rechtfertigung (Philosophie)|Rechtfertigung]] oder [[Kritik]]. Beziehungen bestehen also zur deskriptiven Ethik.


==== <span id="Theorie_der_rationalen_Entscheidung">Theorie der rationalen Entscheidung</span> ====
==== Theorie der rationalen Entscheidung ====
<p>Auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_der_rationalen_Entscheidung Theorie der rationalen Entscheidung] beantwortet die Frage: Wie soll ich handeln? Jedoch unterscheidet sie sich von ethischen Fragestellungen dadurch, dass Theorien rationalen Handelns nicht in jedem Falle auch Theorien des moralisch Guten sind. Von ethischen Theorien mit einem allgemeinverbindlichen Anspruch unterscheiden sich Theorien rationaler Entscheidung dadurch, dass nur die Ziele und Interessen eines bestimmten Individuums oder eines kollektiven Subjekts (z. B. eines wirtschaftlichen Unternehmens oder eines Staates) berücksichtigt werden.</p>
Auch die [[Theorie der rationalen Entscheidung]] beantwortet die Frage: Wie soll ich handeln? Jedoch unterscheidet sie sich von ethischen Fragestellungen dadurch, dass Theorien rationalen Handelns nicht in jedem Falle auch Theorien des moralisch Guten sind. Von ethischen Theorien mit einem allgemeinverbindlichen Anspruch unterscheiden sich Theorien rationaler Entscheidung dadurch, dass nur die Ziele und Interessen eines bestimmten Individuums oder eines kollektiven Subjekts (z.&nbsp;B. eines wirtschaftlichen Unternehmens oder eines Staates) berücksichtigt werden.


== <span id="Disziplinen">Disziplinen</span> ==
== Disziplinen ==
{| class="wikitable float-right"
{| class="wikitable float-right" style="width:50%; font-size:95%;"
|+ Disziplinen der Ethik nach Art der Behandlung ethischer Aussagen
|+Disziplinen der Ethik nach Art der Behandlung ethischer Aussagen
|-
!Disziplin !! Gegenstandsbereich !! Methode
! Disziplin
|-
! Gegenstandsbereich
|-
! Methode
| [[Metaethik]] || Sprache und Logik moralischer Diskurse, Methoden moralischer Argumentationen, Leistungskraft ethischer Theorien || analytisch
|-  
|-
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaethik Metaethik]
| Normative Ethik || Prinzipien und Kriterien der Moral, Maßstab moralisch richtigen Handelns, Prinzipien eines für alle guten Lebens || abstrakt wertend
| Sprache und Logik moralischer Diskurse, Methoden moralischer Argumentationen, Leistungskraft ethischer Theorien
|-
| analytisch
| [[Angewandte Ethik]] || gültige Normen, Werte, Handlungsempfehlungen des jeweiligen Bereichs || konkret wertend
|-  
|-
| Normative Ethik
| Deskriptive Ethik || tatsächlich befolgte Handlungspräferenzen, empirisch vorfindliche Normen- und Wertesysteme || beschreibend
| Prinzipien und Kriterien der Moral, Maßstab moralisch richtigen Handelns, Prinzipien eines für alle guten Lebens
| abstrakt wertend
|-  
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Angewandte_Ethik Angewandte Ethik]
| gültige Normen, Werte, Handlungsempfehlungen des jeweiligen Bereichs
| konkret wertend
|-  
| Deskriptive Ethik
| tatsächlich befolgte Handlungspräferenzen, empirisch vorfindliche Normen- und Wertesysteme
| beschreibend
|}
|}


=== <span id="Metaethik">Metaethik</span> ===
=== Metaethik ===
<span></span><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaethik Metaethik]''</div>
{{Hauptartikel|Metaethik}}
<p>Metaethik stellt die Grundlage der anderen Disziplinen dar und beschäftigt sich mit ihren allgemeingültigen Kriterien und Methoden. Sie analysiert die allgemeinen logischen, semantischen und pragmatischen Strukturen moralischen und ethischen Sprechens und sich v. a. mit der Bedeutung ethischer und verwandter Begriffe, der Verwendung ethischer Begriffe in moralischen Sätzen und der Frage nach der Begründbarkeit von Werturteilen beschäftigt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird sie als eigenständige Disziplin betrachtet.</p>
 
Metaethik stellt die Grundlage der anderen Disziplinen dar und beschäftigt sich mit ihren allgemeingültigen Kriterien und Methoden. Sie analysiert die allgemeinen logischen, semantischen und pragmatischen Strukturen moralischen und ethischen Sprechens und sich v. a. mit der Bedeutung ethischer und verwandter Begriffe, der Verwendung ethischer Begriffe in moralischen Sätzen und der Frage nach der Begründbarkeit von Werturteilen beschäftigt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird sie als eigenständige Disziplin betrachtet.
 
=== Normative Ethik ===
Normative Ethik erarbeitet und untersucht allgemeingültige [[Soziale Norm|Normen]] und [[Werturteil|Werte]] sowie deren Begründung. Sie ist der Kern der allgemeinen Ethik. Als Reflexionstheorie der [[Moral]] wertet und urteilt sie über das Gute und Richtige.
 
=== Angewandte Ethik ===
{{Hauptartikel|Angewandte Ethik}}
 
Angewandte Ethik baut auf der normativen Ethik auf. Sie äußert sich als Individual- und Sozialethik sowie in den Bereichsethiken zu spezifischen Lebensbereichen, beispielsweise [[Medizinethik]] oder [[Wirtschaftsethik]]. [[Ethikkommission]]en, [[Ethikrat|-räte]] und -institute erarbeiten Normen oder Handlungsempfehlungen für bestimmte Bereiche.
 
=== Deskriptive Ethik ===
Häufig nicht zum klassischen Kanon der Ethik gerechnet wird die ''deskriptive Ethik'', die sich versteht als [[Empirie|empirische]] Untersuchung, Beschreibung und ursächliche Erklärung von Normensystemen innerhalb von Gesellschaften, und dabei keine moralischen Urteile fällt.


=== <span id="Normative_Ethik">Normative Ethik</span> ===
Die Erfassung der in gegenwärtigen und vergangenen Gesellschaften und Kulturen verbreiteten Moral ist Thema der [[Kulturanthropologie]]. Die ''Moralsoziologie'' fokussiert stärker die Funktion von Moral innerhalb einer Gesellschaft. Wie einzelne Menschen Moralvorstellungen erwerben und ihnen gemäß handeln oder nicht handeln, ist Gegenstand der [[Moralpsychologie]]. Soweit für die Erklärung der Entstehung und Entwicklung von Moral eine [[Evolutionstheorie |evolutionstheoretische]] Sichtweise herangezogen wird, kommen Ansätze der [[Soziobiologie]] ins Spiel.<ref>{{Literatur |Hrsg=Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, Micha H. Werner |Sammelwerk=Handbuch Ethik |Auflage=3., aktualisierte Auflage |Datum=2011 |Verlag=J. B. Metzler |Ort=Stuttgart, Weimar |ISBN=978-3-476-05192-9 |DOI=10.1007/978-3-476-05192-9 |Autor=Nico Scarano |Titel=Metaethik – ein systematischer Überblick |Kapitel=1.2 Deskriptive Ethiken |Seiten=25–26}}</ref>
<p>Normative Ethik erarbeitet und untersucht allgemeingültige [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Norm Normen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Werturteil Werte] sowie deren Begründung. Sie ist der Kern der allgemeinen Ethik. Als Reflexionstheorie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moral] wertet und urteilt sie über das Gute und Richtige.</p>


=== <span id="Angewandte_Ethik">Angewandte Ethik</span> ===
== Begründungen normativer Sätze ==
<span></span><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Angewandte_Ethik Angewandte Ethik]''</div>
=== Gründe für und gegen Moral ===
<p>Angewandte Ethik baut auf der normativen Ethik auf. Sie äußert sich als Individual- und Sozialethik sowie in den Bereichsethiken zu spezifischen Lebensbereichen, beispielsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Medizinethik Medizinethik] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsethik Wirtschaftsethik]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethikkommission Ethikkommissionen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethikrat -räte] und -institute erarbeiten Normen oder Handlungsempfehlungen für bestimmte Bereiche.</p>
Die Frage, ob man überhaupt moralisch sein soll, wird in [[Platon]]s ''[[Politeia]]'' im ersten Kapitel aufgeworfen. In der Moderne wurde der Diskurs um die Frage von [[Francis Herbert Bradley|Bradley]]<ref>F. H. Bradley: ''Why should I be moral?'' In: ''Ethical Studies.'' The Clarendon Press, Oxford 1876.</ref> und [[James Cowles Prichard|Prichard]] eingeleitet.


=== <span id="Deskriptive_Ethik">Deskriptive Ethik</span> ===
Metaethische [[Kognitivismus|Kognitivisten]] behaupten, erkennen zu können, wie man moralisch handeln solle. Somit stellt sich ihnen die Frage, ob man das überhaupt tun soll nicht mehr, da sie auch gleich mit erkennen, dass man dies tun soll.
<p>Häufig nicht zum klassischen Kanon der Ethik gerechnet wird die ''deskriptive Ethik'', die sich versteht als [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirie empirische] Untersuchung, Beschreibung und ursächlichen Erklärung von Normensystem innerhalb einer Gesellschaft, und dabei keine moralischen Urteile fällt.</p>


== <span id="Begründungen_normativer_Sätze">Begründungen normativer Sätze</span> ==
Metaethische Nonkognitivisten hingegen müssen die Frage, ob man moralisch handeln soll, klären.
=== <span id="Gründe_für_und_gegen_Moral">Gründe für und gegen Moral</span> ===
Die Diskussion wird in der Philosophie zumeist anhand der Frage „Warum soll man moralisch sein?“ geführt. Das Sollen innerhalb der Frage ist dabei kein moralisches Sollen, sondern verweist auf eine Akzeptanz besserer Gründe, z.&nbsp;B. anhand der [[Theorie der rationalen Entscheidung]]. Die Antwort auf die Frage hängt also ab vom jeweiligen Verständnis von [[Vernunft]].
<p>Die Frage, ob man überhaupt moralisch sein soll, wird in [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platons] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Politeia Politeia]'' im ersten Kapitel aufgeworfen. In der Moderne wurde der Diskurs um die Frage von [https://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Herbert_Bradley Bradley]<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-6 [6]]</sup> und [https://de.wikipedia.org/wiki/James_Cowles_Prichard Prichard] eingeleitet.</p>
<p>Metaethische [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitivismus Kognitivisten] behaupten, erkennen zu können, wie man moralisch handeln solle. Somit stellt sich ihnen die Frage, ob man das überhaupt tun soll nicht mehr, da sie auch gleich mit erkennen, dass man dies tun soll.</p>
<p>Metaethische Nonkognitivisten hingegen müssen die Frage, ob man moralisch handeln soll, klären. Die Diskussion wird in der Philosophie zumeist anhand der Frage „Warum soll man moralisch sein?“ geführt. Das Sollen innerhalb der Frage ist dabei kein moralisches Sollen, sondern verweist auf eine Akzeptanz besserer Gründe, z.&nbsp;B. anhand der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_der_rationalen_Entscheidung Theorie der rationalen Entscheidung]. Die Antwort auf die Frage hängt also ab vom jeweiligen Verständnis von [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft].</p>
<p>Die Frage, ob man moralisch sein soll oder nicht, wird beantwortet mit:</p>


<span></span>
Die Frage, ob man moralisch sein soll oder nicht, wird beantwortet mit:
*„Ja“ von allen, die Gründe für Moral anführen,<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-7 [7]]</sup>
* „Ja“ von allen, die Gründe für Moral anführen,<ref>Kurt Bayertz: ''Warum überhaupt moralisch sein?'' C. H. Beck Verlag, München 2004, ISBN 3-406-52196-7.</ref>
*„Nein“ von den [https://de.wikipedia.org/wiki/Amoralismus Amoralisten],
* „Nein“ von den [[Amoralismus|Amoralisten]],
*„Das muss jeder für sich selbst entscheiden“ von [https://de.wikipedia.org/wiki/Dezisionismus Dezisionisten].
* „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“ von [[Dezisionismus|Dezisionisten]].
<p>Die Situation des Menschen, der sich zwischen diesen Antworten entscheiden muss, hat ihre klassische Gestaltung in der so genannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Prodikos Prodikos]-Fabel von [https://de.wikipedia.org/wiki/Herakles_am_Scheideweg Herakles am Scheideweg] gefunden, die auch von vielen christlichen Autoren rezipiert wurde.</p>


=== <span id="Absolute_Begründung_der_Moral">Absolute Begründung der Moral</span> ===
Die Situation des Menschen, der sich zwischen diesen Antworten entscheiden muss, hat ihre klassische Gestaltung in der so genannten [[Prodikos]]-Fabel von [[Herakles am Scheideweg]] gefunden, die auch von vielen christlichen Autoren rezipiert wurde.
<p>Eine bekannte absolute Moralbegründung ist die der [https://de.wikipedia.org/wiki/Letztbegr%C3%BCndung Letztbegründung] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Otto_Apel Karl-Otto Apel]. Angenommen jemand lehnt es ab, über Zwecke zu reden, dann sei diese Ablehnung bereits ein Reden über Zwecke. Insofern ist dies ein so genannter [https://de.wikipedia.org/wiki/Retorsion performativer Selbstwiderspruch].</p>
<p>Moralbegründung aus Sicht der [https://de.wikipedia.org/wiki/Systemtheorie_(Luhmann) Systemtheorie] verzichtet darauf, zu begründen, warum Individuen moralisch handeln sollen. Stattdessen wird dargelegt, warum Moral als Regulierungsfunktion des Kommunikationssystems unentbehrlich ist (s.&nbsp;a. [https://de.wikipedia.org/wiki/AGIL-Schema AGIL-Schema]).</p>


=== <span id="Relative_Begründungen_der_Moral">Relative Begründungen der Moral</span> ===
=== Absolute Begründung der Moral ===
<p>Viele Philosophen behaupten, dass man zwar nicht beweisen kann, dass Amoralismus logisch widersprüchlich ist, dass aber im wirklichen Leben Amoralisten viele Nachteile haben, so dass moralisches Verhalten größere Rentabilität im Sinne der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_der_rationalen_Entscheidung Theorie der rationalen Entscheidung] besitzt. Ethik wird mit dieser Form von Moralbegründung zu einer Spezialform von Zweckrationalität. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Argumentationslinie ist [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Gauthier David Gauthier].</p>
Eine bekannte absolute Moralbegründung ist die der [[Letztbegründung]] von [[Karl-Otto Apel]]. Angenommen jemand lehnt es ab, über Zwecke zu reden, dann sei diese Ablehnung bereits ein Reden über Zwecke. Insofern ist dies ein so genannter [[Retorsion|performativer Selbstwiderspruch]].
<p>Viele Philosophen dieser Richtung berufen sich auf den Grundsatz [https://de.wikipedia.org/wiki/Quid_pro_quo quid pro quo] oder auf ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Tit_for_Tat Tit for Tat]''-Strategien.</p>
<p>Andere meinen, Amoralisten seien auf Einsamkeit festgelegt, da man ihnen nicht vertrauen könne und auch sie niemandem vertrauen könnten. Daher könnten sie eines der wichtigsten Lebensgüter, soziale Gemeinschaft und Anerkennung, nie erreichen.</p>
<p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/R._M._Hare R. M. Hare] können Amoralisten keine moralischen Begriffe gebrauchen und daher nicht von ihren Mitmenschen fordern, sie fair zu behandeln. Die Möglichkeit entsprechender Lügen sah Hare nicht. Hare behauptete zudem, der Aufwand, den Amoralisten treiben müssten, um ihre Überzeugung zu verschleiern, wäre so groß, dass sie sozial immer im Nachteil seien</p>
<blockquote><p>Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege Belegen] (beispielsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Einzelnachweise Einzelnachweisen]) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.<br>WP wäre keine zulässige Quelle</p></blockquote>
<p>Amoralisten kritisieren verschiedene Moralbegründungen, indem sie darauf verweisen, dass es in vielen Teilen der Welt relativ stabile Verhältnisse gibt, die üblichen moralischen Vorstellungen widersprechen, z.&nbsp;B. völkerrechtswidrige Kriege um Ressourcen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei#Gegenwart Sklaverei] oder erfolgreiche [https://de.wikipedia.org/wiki/Organisierte_Kriminalit%C3%A4t Mafia-Organisationen]. Siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethischer_Relativismus ethischer Relativismus].</p>


=== <span id="Dezisionismus">Dezisionismus</span> ===
Moralbegründung aus Sicht der [[Systemtheorie (Luhmann)|Systemtheorie]] verzichtet darauf, zu begründen, warum Individuen moralisch handeln sollen. Stattdessen wird dargelegt, warum Moral als Regulierungsfunktion des Kommunikationssystems unentbehrlich ist (s.&nbsp;a. [[AGIL-Schema]]).
<span></span><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Dezisionismus Dezisionismus]''</div>
<p>Dezision (von latein. decidere: entscheiden, fallen, abschneiden) bedeutet so viel wie Entscheidung. Der Begriff des Dezisionismus wird oft in pejorativer Bedeutung gebraucht von Metaethischen Kognitivisten gegenüber Philosophen, die nur relative Begründungen der Moral anerkennen, z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Mervyn_Hare Hare] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper Popper] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Albert Hans Albert].</p>
<p>Dezisionisten sehen keine Alternative zu Prinzipienentscheidungen, die aus logischen oder pragmatischen Gründen ihrerseits nicht mehr weiter begründet werden können. So behauptete z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Sidgwick Henry Sidgwick], der Mensch müsse sich zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus Utilitarismus] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethischer_Egoismus Egoismus] entscheiden.</p>
<p>Dem Dezisionismus wird von seinen Kritikern ähnlich wie dem metaethischen Nonkognitivismus entgegengehalten, dass auch Entscheidungen wiederum einer Bewertung unterzogen werden könnten: Man entscheide sich nicht für bestimmte ethische Prinzipien, sondern diese würden umgekehrt die Grundlage von Entscheidungen darstellen.</p>
<p>Außerdem argumentieren Vertreter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturrecht Naturrechts] dafür, dass sich die Objektivität der Ethik (also das Sollen) auf die Natur bzw. das Wesen des Seienden und letztlich auf das Sein selbst (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Gott Gott]) zurückführen ließen.</p>


== <span id="Ethische_Grundbegriffe">Ethische Grundbegriffe</span> ==
=== Relative Begründungen der Moral ===
[[Datei:Ethische Grundbegriffe.svg|mini|471x471px|Ethische Grundbegriffe in ihrem Zusammenhang]]
Viele Philosophen behaupten, dass man zwar nicht beweisen kann, dass Amoralismus logisch widersprüchlich ist, dass aber im wirklichen Leben Amoralisten viele Nachteile haben, so dass moralisches Verhalten größere Rentabilität im Sinne der [[Theorie der rationalen Entscheidung]] besitzt. Ethik wird mit dieser Form von Moralbegründung zu einer Spezialform von Zweckrationalität. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Argumentationslinie ist [[David Gauthier]].


=== <span id="Moralische_Handlungen">Moralische Handlungen</span> ===
Viele Philosophen dieser Richtung berufen sich auf den Grundsatz [[quid pro quo]] oder auf ''[[Tit for Tat|Tit-for-Tat]]''-Strategien.
<p>Im Mittelpunkt [https://de.wikipedia.org/wiki/Deontologische_Ethik deontologischer Ethiken] steht der Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln Handlung]. Sie wird in erster Annäherung definiert als „eine von einer Person verursachte Veränderung des Zustands der Welt“.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-8 [8]]</sup> Die Veränderung kann eine äußere, in Raum und Zeit beobachtbare oder eine innere, mentale Veränderung sein. Auch die Art und Weise, wie man von außen einwirkenden Ereignissen begegnet, kann im weiteren Sinne als Handlung bezeichnet werden.</p>


==== <span id="Absicht_und_Freiwilligkeit">Absicht und Freiwilligkeit</span> ====
Andere meinen, Amoralisten seien auf Einsamkeit festgelegt, da man ihnen nicht vertrauen könne und auch sie niemandem vertrauen könnten. Daher könnten sie eines der wichtigsten Lebensgüter, soziale Gemeinschaft und Anerkennung, nie erreichen.
<p>Handlungen unterscheiden sich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Ereignis Ereignissen] dadurch, dass wir als ihre Ursache nicht auf ein weiteres Ereignis verweisen, sondern auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Absicht Absicht] des Handelnden. Die Absicht ([https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinisch lateinisch] ''intentio''; nicht zu verwechseln mit dem juristischen Absichtsbegriff, dem ''dolus directus'' 1. Grades) ist ein von der Handlung selbst zu unterscheidender Akt. Geplanten Handlungen liegt eine zeitlich vorausgehende Absicht zugrunde. Wir führen die Handlung so aus, wie wir sie uns vorher schon vorgenommen hatten. Der Begriff der Absicht ist von dem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstverwirklichung Freiwilligkeit] zu unterscheiden. Die Freiwilligkeit ist eine Eigenschaft, die zur Handlung selbst gehört. Der Begriff der Freiwilligkeit ist weiter als der der Absicht; er umfasst auch die spontanen Handlungen, bei denen nicht mehr von einer Absicht im engeren Sinne gesprochen werden kann.</p>


<span></span><div class="sieheauch" role="navigation"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille Freier Wille]</div>
Nach [[R. M. Hare]] können Amoralisten keine moralischen Begriffe gebrauchen und daher nicht von ihren Mitmenschen fordern, sie fair zu behandeln. Die Möglichkeit entsprechender Lügen sah Hare nicht. Hare behauptete zudem, der Aufwand, den Amoralisten treiben müssten, um ihre Überzeugung zu verschleiern, wäre so groß, dass sie sozial immer im Nachteil seien.
{{Belege fehlen|WP wäre keine zulässige Quelle}}
Amoralisten kritisieren verschiedene Moralbegründungen, indem sie darauf verweisen, dass es in vielen Teilen der Welt relativ stabile Verhältnisse gibt, die üblichen moralischen Vorstellungen widersprechen, z.&nbsp;B. völkerrechtswidrige Kriege um Ressourcen, [[Sklaverei#Gegenwart|Sklaverei]] oder erfolgreiche [[Organisierte Kriminalität|Mafia-Organisationen]]. Siehe [[ethischer Relativismus]].


==== <span id="Wissen_und_Willen">Wissen und Willen</span> ====
=== Dezisionismus ===
[[Datei:220px-Immanuel_Kant_(portrait).jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Immanuel_Kant_(portrait).jpg|mini|160x160px|Kant versuchte eine rein formale Begründung der Ethik]]
{{Hauptartikel|Dezisionismus}}
 
Dezision (von latein. decidere: entscheiden, fallen, abschneiden) bedeutet so viel wie Entscheidung.
Der Begriff des Dezisionismus wird oft in pejorativer Bedeutung gebraucht von Metaethischen Kognitivisten gegenüber Philosophen, die nur relative Begründungen der Moral anerkennen, z.&nbsp;B. [[Richard Mervyn Hare|Hare]] oder [[Karl Popper|Popper]] und [[Hans Albert]].
 
Dezisionisten sehen keine Alternative zu Prinzipienentscheidungen, die aus logischen oder pragmatischen Gründen ihrerseits nicht mehr weiter begründet werden können. So behauptete z.&nbsp;B. [[Henry Sidgwick]], der Mensch müsse sich zwischen [[Utilitarismus]] und [[Ethischer Egoismus|Egoismus]] entscheiden.
 
Dem Dezisionismus wird von seinen Kritikern ähnlich wie dem metaethischen Nonkognitivismus entgegengehalten, dass auch Entscheidungen wiederum einer Bewertung unterzogen werden könnten: Man entscheide sich nicht für bestimmte ethische Prinzipien, sondern diese würden umgekehrt die Grundlage von Entscheidungen darstellen.
 
Außerdem argumentieren Vertreter des [[Naturrecht]]s dafür, dass sich die Objektivität der Ethik (also das Sollen) auf die Natur bzw. das Wesen des Seienden und letztlich auf das Sein selbst (z.&nbsp;B. [[Gott]]) zurückführen ließen.
 
== Ethische Grundbegriffe ==
[[Datei:Ethische Grundbegriffe.svg|mini|Ethische Grundbegriffe in ihrem Zusammenhang]]
 
=== Moralische Handlungen ===
Im Mittelpunkt [[Deontologische Ethik|deontologischer Ethiken]] steht der Begriff der [[Handeln|Handlung]]. Sie wird in erster Annäherung definiert als „eine von einer Person verursachte Veränderung des Zustands der Welt“.<ref>Friedo Ricken: ''Allgemeine Ethik.'' S. 96.</ref> Die Veränderung kann eine äußere, in Raum und Zeit beobachtbare oder eine innere, mentale Veränderung sein. Auch die Art und Weise, wie man von außen einwirkenden Ereignissen begegnet, kann im weiteren Sinne als Handlung bezeichnet werden.
 
==== Absicht und Freiwilligkeit ====
Handlungen unterscheiden sich von [[Ereignis]]sen dadurch, dass wir als ihre Ursache nicht auf ein weiteres Ereignis verweisen, sondern auf die [[Absicht]] des Handelnden. Die Absicht ([[lateinisch]] ''{{lang|la|intentio}}''; nicht zu verwechseln mit dem juristischen Absichtsbegriff, dem ''{{lang|la|dolus directus}}'' 1. Grades) ist ein von der Handlung selbst zu unterscheidender Akt. Geplanten Handlungen liegt eine zeitlich vorausgehende Absicht zugrunde. Wir führen die Handlung so aus, wie wir sie uns vorher schon vorgenommen hatten. Der Begriff der Absicht ist von dem der [[Selbstverwirklichung|Freiwilligkeit]] zu unterscheiden. Die Freiwilligkeit ist eine Eigenschaft, die zur Handlung selbst gehört. Der Begriff der Freiwilligkeit ist weiter als der der Absicht; er umfasst auch die spontanen Handlungen, bei denen nicht mehr von einer Absicht im engeren Sinne gesprochen werden kann.
 
{{Siehe auch|Freier Wille}}
 
==== Wissen und Willen ====
Eine Handlung ist dann ''freiwillig'', wenn sie mit Wissen und Willen durchgeführt wird.
Eine Handlung ist dann ''freiwillig'', wenn sie mit Wissen und Willen durchgeführt wird.
<p>Die Unwissenheit kann dabei allerdings nur dann die Freiwilligkeit einer Handlung aufheben, wenn die handelnde Person sich nach besten Kräften vorher informiert hat, und sie mit dem ihr fehlenden ''Wissen''anders gehandelt hätte. War dem Handelnden eine Kenntnis der Norm oder der Folgen zuzumuten, ist er für ihre Übertretung verantwortlich (''ignorantia crassa'' oder ''supina''). Noch weniger entschuldigt jene Unkenntnis, die absichtlich zum Vermeiden eines Konflikts mit der Norm herbeigeführt wurde ''(ignorantia affectata),'' wenn also z.&nbsp;B. bewusst vermieden wird, sich über ein Gesetz zu informieren, um sagen zu können, man hätte von einem bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbot Verbot] nicht gewusst. Das Sprichwort sagt zu Recht: „[https://de.wikipedia.org/wiki/Unwissenheit_sch%C3%BCtzt_vor_Strafe_nicht Unwissenheit schützt vor Strafe nicht]“. Auch im deutschen Strafrecht wird diesem Sachverhalt Rechnung getragen. So heißt es z.&nbsp;B. in § 17 [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB]:<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-9 [9]]</sup></p>
<blockquote><p>„Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.“</p></blockquote>
<p>Für die sittliche Bewertung einer Handlung ist außerdem das effektive ''Wollen'' wesentlich, die Absicht ihrer Verwirklichung. Das setzt voraus, dass zumindest der Handelnde der Auffassung war, dass ihm eine Verwirklichung seiner Absicht möglich sei, d.&nbsp;h., dass das Ergebnis von seinem Handeln kausal herbeigeführt werden könne. Unterliegt der Handelnde einem äußeren Zwang, hebt dieser die Freiwilligkeit der Handlung im Allgemeinen auf.</p>
==== <span id="Handlungsprinzipien">Handlungsprinzipien</span> ====
<p>Absichten finden ihren Ausdruck in praktischen Grundsätzen. Diese können zunächst einmal in inhaltliche und formale Grundsätze unterschieden werden. Inhaltliche Grundsätze legen konkrete inhaltliche Güter (Leben, Gesundheit, Besitz, Vergnügen, Umwelt etc.) als Bewertungskriterium für das Handeln zugrunde. Sie sind teilweise subjektiv und haben unter Umständen einen dezisionistischen Charakter. In diesen Fällen können sie ihre eigene Vorrangstellung nicht gegenüber anderen, konkurrierenden inhaltlichen Grundsätzen begründen.</p><p>Formale Grundsätze verzichten auf einen Bezug zu konkreten inhaltlichen Gütern. Das bekannteste Beispiel ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ Kategorische Imperativ] [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Kants].</p><p>Es lassen sich grundsätzlich drei Ebenen der praktischen Sätze voneinander unterscheiden:<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-10 [10]]</sup></p>
#ein oberstes Prinzip praktischer Überlegungen (wie z.&nbsp;B. der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ Kategorische Imperativ])
#praktische Grundsätze, die sich aus dem obersten Prinzip ableiten (wie z.&nbsp;B. die [https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote zehn Gebote])
#Sätze, die Entscheidungen formulieren, indem sie Maximen auf konkrete Lebenssituationen anwenden
<p>Die Ethik ist häufig nur in der Lage, Aussagen zu den ersten beiden Ebenen zu machen. Die Übertragung von praktischen Grundsätzen auf eine konkrete Situation, erfordert das [https://de.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gen_(F%C3%A4higkeit) Vermögen] der praktischen Urteilskraft. Nur mit seiner Hilfe können eventuell auftretende Zielkonflikte gelöst und die voraussichtlichen Folgen von Entscheidungen abgeschätzt werden.</p>
==== <span id="Handlungsfolgen">Handlungsfolgen</span> ====
[[Datei:Handlung.svg|mini|384x384px|Komponenten einer Handlung]]
Wesentlich für die ethische Bewertung von Handlungen sind die mit ihnen verbundenen Folgen. Diese werden unterschieden in motivierende und in Kauf genommene Folgen. Motivierende Folgen sind solche, um derentwillen eine Handlung ausgeführt wird. Sie werden vom Handelnden unmittelbar angezielt („Voluntarium in se“).<p>In Kauf genommene Folgen („Voluntarium in causa“) werden zwar nicht unmittelbar angezielt, aber als Nebenwirkung der motivierenden Folgen vorausgesehen und bewusst zugelassen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Prinzip_der_Doppelwirkung Prinzip der Doppelwirkung]). So unterliegt beispielsweise bewusste Fahrlässigkeit als bedingter Vorsatz (dolus eventualis) der ethischen und rechtlichen Verantwortung: Volltrunkenheit entschuldigt nicht bei einem Verkehrsunfall.</p>
==== <span id="Tun_und_Unterlassen">Tun und Unterlassen</span> ====
<p>Bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin]<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-11 [11]]</sup> unterscheidet eine zweifache Kausalität des Willens: die „direkte“ Einwirkung des Willens, in der durch den Willensakt ein bestimmtes Ereignis hervorgerufen wird, und die „indirekte“, in der ein Ereignis dadurch eintritt, dass der Wille untätig bleibt. Tun und Unterlassen unterscheiden sich hierbei nicht hinsichtlich ihrer Freiwilligkeit. Beim Unterlassen verzichtet jemand auf das Eingreifen in einen Prozess, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte. Auch das Unterlassen kann daher als Handlung aufgefasst werden und strafbar sein.</p><p>Die strikte Unterscheidung zwischen diesen beiden Handlungsformen, die z.&nbsp;B. in der medizinischen Ethik eine große Rolle spielt (vgl. aktive und passive [https://de.wikipedia.org/wiki/Sterbehilfe Sterbehilfe] etc.), erscheint daher vom ethischen Standpunkt aus gesehen als teilweise fragwürdig.</p>
=== <span id="Das_Ziel_menschlichen_Handelns">Das Ziel menschlichen Handelns</span> ===
<span></span><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologie Teleologie]''</div><p>Im Mittelpunkt teleologischer Ethiken steht die Frage, was ich mit meiner Handlung letztlich bezwecke, welches Ziel ich mit ihr verfolge. Der Begriff „Ziel“ (finis, telos;) ist hier insbesondere als „letztes Ziel“ oder „Endziel“ zu verstehen, von dem all mein Handeln bestimmt wird.</p>
==== <span id="Glück_als_letztes_Ziel">Glück als letztes Ziel</span> ====
[[Datei:Angelo Bronzino - Allegorie Des Glücks.jpg|mini|328x328px|Das Glück als letztes Ziel des menschlichen Lebens –[https://de.wikipedia.org/wiki/Allegorie Allegorie] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Angelo_Bronzino Angelo Bronzino]]]
In der Tradition wird als letztes Ziel des Menschen häufig das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCck Glück] oder die Glückseligkeit (beatitudo) genannt. Der Ausdruck „Glück“ wird dabei in einem mehrdeutigen Sinne gebraucht:
*zur Bezeichnung eines gelungenen und guten Lebens, dem nichts Wesentliches fehlt („Lebensglück“, ''eudaimonia'')
*zur Bezeichnung günstiger Lebensumstände („Zufallsglück“, ''eutychia'')
*zur Bezeichnung des subjektiven Wohlbefindens (Glück als Lust, ''hedone'')
<p>Philosophiegeschichtlich konkurrieren die Bestimmungen von Glück als „Lebensglück“ und als subjektives Wohlbefinden miteinander. Für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eudaimonie Eudämonisten] (Platon, Aristoteles) ist Glück die Folge der Verwirklichung einer Norm, die als Telos im Wesen des Menschen angelegt ist. Glücklich ist dieser Konzeption zufolge vor allem, wer auf vernünftige Weise tätig ist.</p><p>Für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Hedonismus Hedonisten] (Sophisten, klassische Utilitaristen) gibt es kein zu verwirklichendes Telos des Menschen mehr; es steht keine objektive Norm zur Verfügung, um zu entscheiden, ob jemand glücklich ist. Dies führt zu einer Subjektivierung des Glücksbegriffs. Es obliege allein dem jeweiligen Individuum, zu bewerten, ob es glücklich ist. Glück wird zum Teil auch mit dem Erreichen von Gütern wie Macht, Reichtum, Ruhm etc. gleichgesetzt.</p>
==== <span id="Sinn_und_Ziel">Sinn und Ziel</span> ====
<p>Das Wort „Sinn“ bezeichnet grundsätzlich die Qualität von etwas, das dieses verstehbar macht. Wir verstehen etwas dadurch, indem wir erkennen, worauf es „hingeordnet“ ist, wozu es dient. Die Frage nach dem Sinn steht also in einem engen Zusammenhang mit der Frage nach dem Ziel oder Zweck von etwas. Auch der Sinn einer Handlung oder gar des ganzen Lebens kann nur beantwortet werden, wenn die Frage nach seinem Ziel geklärt ist. Eine menschliche Handlung bzw. ein gesamtes Leben ist dann sinnvoll, wenn es auf dieses Ziel hin ausgerichtet ist.</p>
=== <span id="Das_Gute">Das Gute</span> ===
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gute Das Gute]''</div>
==== <span id="Der_Begriff_„gut“">Der Begriff „gut“</span> ====
<p>„Gut“ gehört wie der Begriff „seiend“ zu den ersten und daher nicht mehr definierbaren Begriffen. Es wird zwischen einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Adjektiv adjektivischen] und einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Substantiv substantivischen] Gebrauch unterschieden.</p><p>Als Adjektiv bezeichnet das Wort „gut“ generell die Hinordnung eines „Gegenstandes“ auf eine bestimmte Funktion oder einen bestimmten Zweck. So spricht man z.&nbsp;B. von einem „guten Messer“, wenn es seine im Prädikator „Messer“ ausgedrückte Funktion erfüllen – also z.&nbsp;B. gut schneiden kann. Analog spricht man von einem „guten Arzt“, wenn er in der Lage ist, seine Patienten zu heilen und Krankheiten zu bekämpfen. Ein „guter Mensch“ ist demnach jemand, der in seinem Leben auf das hin ausgerichtet ist, was das Menschsein ausmacht, also dem menschlichen Wesen bzw. seiner Natur entspricht.</p><p>Als Substantiv bezeichnet das Wort „das Gut“ etwas, auf das hin wir unser Handeln ausrichten. Wir gebrauchen es normalerweise in dieser Weise, um „eine unter bestimmten Bedingungen vollzogene Wahl als richtig oder gerechtfertigt zu beurteilen“.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-12 [12]]</sup> So kann beispielsweise eine Aussage wie „Die Gesundheit ist ein Gut“ als Rechtfertigung für die Wahl einer bestimmten Lebens- und Ernährungsweise dienen. In der philosophischen Tradition war man der Auffassung, dass prinzipiell jedes Seiende – unter einer gewissen Rücksicht – Ziel des Strebens sein könne („omne ens est bonum“). Daher wurde die „Gutheit“ des Seienden zu den [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentalien Transzendentalien] gerechnet.</p><p>Gemäß der Analyse von Richard Mervyn Hare werden wertende Wörter wie „gut“ oder „schlecht“ dazu verwendet, in Entscheidungssituationen Handeln anzuleiten bzw. Empfehlungen zu geben. Die Wörter „gut“ oder „schlecht“ haben demnach keine beschreibende (deskriptive), sondern eine vorschreibende (präskriptive) Funktion.</p><p>Dies kann an einer außermoralischen Verwendung des Wortes „gut“ verdeutlicht werden. Wenn ein Verkäufer zum Kunden sagt: „Dies ist ein guter Wein“, dann empfiehlt er den Kauf dieses Weines, er beschreibt damit jedoch keine wahrnehmbare Eigenschaft des Weines. Insofern es jedoch sozial verbreitete Bewertungsstandards für Weine gibt (er darf nicht nach Essig schmecken, man darf davon keine Kopfschmerzen bekommen etc.), so bedeutet die Bewertung des Weines als „gut“, dass der Wein diese Standards erfüllt und dass er somit auch bestimmte empirische Eigenschaften besitzt.</p><p>Die Bewertungskriterien, die an eine Sache angelegt werden, können ''je nach dem Verwendungszweck variieren''. Ein herber Wein mag als Tafelwein gut, für sich selbst getrunken dagegen eher schlecht sein. Der Verwendungszweck einer Sache ist keine feststehende Eigenschaft der Sache selbst, sondern beruht auf menschlicher Setzung. Eine Sache ist „gut“ – immer bezogen auf bestimmte Kriterien. Wenn der Verkäufer sagt: „Dies ist ein sehr guter Tafelwein“ dann ist er so, wie er gemäß den üblichen Kriterien für Tafelwein sein soll.</p><p>Wenn das Wort „gut“ in moralischen Zusammenhängen gebraucht wird („Dies war eine gute Tat“), so empfiehlt man die Tat und drückt aus, dass sie so war, wie sie sein soll. Man beschreibt damit jedoch nicht die Tat. Wird auf allgemein anerkannte moralische Kriterien Bezug genommen, drückt man damit zugleich aus, dass die Tat bestimmte empirische Eigenschaften besitzt, z.&nbsp;B. eine Zurückstellung des Eigeninteresses zugunsten überwiegender Interessen von Mitmenschen.</p>
==== <span id="Das_höchste_Gut">Das höchste Gut</span> ====
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6chstes_Gut Höchstes Gut]''</div><p>Als das höchste Gut (''summum bonum'') wird das bezeichnet, was nicht nur unter einer bestimmten Rücksicht (für den Menschen) gut ist, sondern schlechthin, da es dem Menschen als Menschen ohne Einschränkung entspricht. Es ist identisch mit dem „unbedingt Gesollten“. Seine inhaltliche Bestimmung hängt ab von der jeweiligen Sicht der Natur des Menschen. In der Tradition wurden dabei die unterschiedlichsten Lösungsvorschläge präsentiert:</p>
*das Glück (Eudämonismus)
*die Lust ([https://de.wikipedia.org/wiki/Hedonismus Hedonismus], klassischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus Utilitarismus])
*Macht ([https://de.wikipedia.org/wiki/Niccol%C3%B2_Machiavelli Machiavelli])
*Einheit mit Gott bzw. Gott selbst ([https://de.wikipedia.org/wiki/Christliche_Philosophie christliche Philosophie])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Erleuchtung_(Buddhismus) Erwachen] (bodhi) zu Weisheit und Mitgefühl ([https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus Buddhismus])
*Bedürfnisbefriedigung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Hobbes Hobbes])
*Einheit von Tugend und Glück ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kant Kant])
*Freiheit ([https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Paul_Sartre Sartre])


=== <span id="Werte">Werte</span> ===
Die Unwissenheit kann dabei allerdings nur dann die Freiwilligkeit einer Handlung aufheben, wenn die handelnde Person sich nach besten Kräften vorher informiert hat, und sie mit dem ihr fehlenden ''Wissen'' anders gehandelt hätte. War dem Handelnden eine Kenntnis der Norm oder der Folgen zuzumuten, ist er für ihre Übertretung verantwortlich (''ignorantia crassa'' oder ''supina''). Noch weniger entschuldigt jene Unkenntnis, die absichtlich zum Vermeiden eines Konflikts mit der Norm herbeigeführt wurde ''(ignorantia affectata),'' wenn also z.&nbsp;B. bewusst vermieden wird, sich über ein Gesetz zu informieren, um sagen zu können, man hätte von einem bestimmten [[Verbot]] nicht gewusst. Das Sprichwort sagt zu Recht: „[[Unwissenheit schützt vor Strafe nicht]]“. Auch im deutschen Strafrecht wird diesem Sachverhalt Rechnung getragen. So heißt es z.&nbsp;B. in § 17 [[Strafgesetzbuch (Deutschland)|StGB]]:<ref>{{§|17|StGB|dejure}} StGB</ref>
<p>Der Begriff „Wert“ stammte ursprünglich aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_%C3%96konomie Politischen Ökonomie], in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Smith Adam Smith], [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Ricardo David Ricardo] und später [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx Karl Marx] unter anderem die Unterscheidung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchswert Gebrauchs-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Tauschwert Tauschwert]untersuchten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde „Wert“ ein philosophischer Terminus, der im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wertphilosophie Wertphilosophie] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Scheler Max Scheler] u.&nbsp;a.) eine zentrale Bedeutung einnahm. Dort führte man ihn als Gegenbegriff zur Kantischen Pflichtethik ein, in der Annahme, dass Werten vor allen Vernunftüberlegungen eine „objektive Gültigkeit“ zukommen würde.</p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Alltagssprache Alltagssprache] taucht der Begriff auch in jüngster Zeit wieder verstärkt auf, gerade wenn von „[https://de.wikipedia.org/wiki/Wertvorstellung Grundwerten]“, einem „[https://de.wikipedia.org/wiki/Wertewandel Wertewandel]“ oder einer „neuen Wertedebatte“ die Rede ist.</p><p>Der Wertbegriff weist große Ähnlichkeiten mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gute Begriff des Guten] auf. Er wird wie dieser grundsätzlich in einer subjektiven und einer objektiven Variante gebraucht:</p>
{{Zitat
*als „objektiver Wert“ bezeichnet er den „Wert“ von bestimmten Gütern für den Menschen – wie z.&nbsp;B. den Wert des menschlichen Lebens, der Gesundheit etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum physicum“ („physisches Gut“).
|Text=Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.}}
*als „subjektive Werthaltung“ bezeichnet er das, was mir wertvoll ist, meine „Wertvorstellungen“ – wie Treue, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit Gerechtigkeit] etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum morale“ („sittliches Gut“).
 
<p>Im Vergleich zum Begriff des Guten kommt dem Wertbegriff allerdings eine stärkere gesellschaftliche Bedingtheit zu. So spricht man von einem „Wertewandel“, wenn man ausdrücken will, dass sich bestimmte, in einer Gesellschaft allgemein akzeptierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Handlungsnorm Handlungsnormen] im Verlauf der Geschichte verändert haben. Damit meint man aber in der Regel nicht, dass das, was früher für gut gehalten wurde, nun „tatsächlich“ nicht mehr gut sei, sondern nur, dass sich das allgemeine Urteil darüber geändert habe.</p>
[[Datei:Immanuel Kant (portrait).jpg|mini|Kant versuchte eine rein formale Begründung der Ethik]]
=== <span id="Tugend">Tugend</span> ===
Für die sittliche Bewertung einer Handlung ist außerdem das effektive ''Wollen'' wesentlich, die Absicht ihrer Verwirklichung. Das setzt voraus, dass zumindest der Handelnde der Auffassung war, dass ihm eine Verwirklichung seiner Absicht möglich sei, d.&nbsp;h., dass das Ergebnis von seinem Handeln kausal herbeigeführt werden könne. Unterliegt der Handelnde einem äußeren Zwang, hebt dieser die Freiwilligkeit der Handlung im Allgemeinen auf.
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [[Tugend]]''<br>Die richtige Abwägung ethischer Güter und ihre Durchsetzung setzt Tugend voraus. In ihrer klassischen Definition formuliert sie Aristoteles als ''jene feste Grundhaltung, von der aus [der Handelnde] tüchtig wird und die ihm eigentümliche Leistung in vollkommener Weise zustande bringt'' (NE 1106a).<sup id="cite_ref-NE_13-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-NE-13 [13]]</sup>[[Datei:220px-Raffael_054.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Raffael_054.jpg|mini|220x220px|''<nowiki/>'<nowiki/>'''Allegorie der Tugend von [https://de.wikipedia.org/wiki/Raffael Raffael] in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Stanza_della_Segnatura Stanza della Segnatura] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Apostolischer_Palast Vatikan]''''']]<p>'''Die Leistung der ethischen Tugenden besteht vor allem darin, im Menschen eine Einheit von sinnlichem Strebevermögen und sittlicher Erkenntnis zu bewirken. Ein Mensch gilt erst dann als „gut“, wenn er zur inneren Einheit mit sich selbst gekommen ist und das als richtig Erkannte auch affektiv voll bejaht. Dies ist nach Aristoteles nur durch eine Integration der Gefühle durch die ethischen Tugenden möglich. Ungeordnete Gefühle verfälschen das sittliche Urteil. Das Ziel der Einheit von Vernunft und Gefühl führt über eine bloße Ethik der richtigen Entscheidung hinaus. Es kommt nicht nur darauf an, was wir tun, sondern auch wer wir sind.'''</p><p>'''Tugend setzt neben Erkenntnis eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnung Gewöhnung] voraus, die durch Erziehung und soziale Praxis erreicht wird. Wir werden gerecht, mutig etc., indem wir uns in Situationen begeben, wo wir uns entsprechend verhalten können. Die wichtigste Rolle kommt dabei der Tugend der [https://de.wikipedia.org/wiki/Klugheit Klugheit] (phronesis) zu. Ihr obliegt es, die rechte „Mitte“ zwischen den Extremen zu finden und sich für die optimale Lösung in der konkreten Situation zu entscheiden.'''</p>
 
=== <span id="Sollen">Sollen</span> ===
==== Handlungsprinzipien ====
<p>Der Begriff „sollen“ ist ein Grundbegriff deontologischer Ethikansätze. Er bezieht sich – als Imperativ – auf eine Handlung, mit der ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll. Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:</p>
Absichten finden ihren Ausdruck in praktischen Grundsätzen. Diese können zunächst einmal in inhaltliche und formale Grundsätze unterschieden werden. Inhaltliche Grundsätze legen konkrete inhaltliche Güter (Leben, Gesundheit, Besitz, Vergnügen, Umwelt etc.) als Bewertungskriterium für das Handeln zugrunde. Sie sind teilweise subjektiv und haben unter Umständen einen dezisionistischen Charakter. In diesen Fällen können sie ihre eigene Vorrangstellung nicht gegenüber anderen, konkurrierenden inhaltlichen Grundsätzen begründen.
*das vorgegebene Ziel kann verfehlt werden
 
*das vorgegebene Ziel steht nicht in Konkurrenz zu anderen, übergeordneten Zielen
Formale Grundsätze verzichten auf einen Bezug zu konkreten inhaltlichen Gütern. Das bekannteste Beispiel ist der [[Kategorischer Imperativ|Kategorische Imperativ]] [[Immanuel Kant|Kants]].
*das vorgegebene Ziel kann prinzipiell erreicht werden („Jedes Sollen impliziert ein Können“)
 
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachanalyse Sprachanalytisch] lässt sich das Sollen mit Hilfe der sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Deontisch deontischen] Prädikatoren erklären. Diese beziehen sich auf die sittliche Verbindlichkeit von Handlungen. Folgende Varianten sind dabei zu unterscheiden:</p>
Es lassen sich grundsätzlich drei Ebenen der praktischen Sätze voneinander unterscheiden:<ref>Vgl. Ricken: ''Allgemeine Ethik.'' S. 136f.</ref>
*moralisch möglich,
# ein oberstes Prinzip praktischer Überlegungen (wie z.&nbsp;B. der [[Kategorischer Imperativ|Kategorische Imperativ]])
*moralisch notwendig,
# praktische Grundsätze, die sich aus dem obersten Prinzip ableiten (wie z.&nbsp;B. die [[zehn Gebote]])
*moralisch unmöglich.
# Sätze, die Entscheidungen formulieren, indem sie Maximen auf konkrete Lebenssituationen anwenden
<p>Moralisch mögliche Handlungen sind sittlich erlaubt, d.&nbsp;h. man darf so handeln. Moralisch notwendige Handlungen sind sittlich geboten. Hier spricht man davon, dass wir etwas tun sollen bzw. die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflicht Pflicht] haben, etwas zu tun. Moralisch unmögliche Handlungen sind sittlich verbotene Handlungen, die wir nicht ausführen dürfen; siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCnde Sünde].</p>
 
Die Ethik ist häufig nur in der Lage, Aussagen zu den ersten beiden Ebenen zu machen. Die Übertragung von praktischen Grundsätzen auf eine konkrete Situation, erfordert das [[Vermögen (Fähigkeit)|Vermögen]] der praktischen Urteilskraft. Nur mit seiner Hilfe können eventuell auftretende Zielkonflikte gelöst und die voraussichtlichen Folgen von Entscheidungen abgeschätzt werden.
 
==== Handlungsfolgen ====
[[Datei:Handlung.svg|mini|Komponenten einer Handlung]]
 
Wesentlich für die ethische Bewertung von Handlungen sind die mit ihnen verbundenen Folgen. Diese werden unterschieden in motivierende und in Kauf genommene Folgen. Motivierende Folgen sind solche, um derentwillen eine Handlung ausgeführt wird. Sie werden vom Handelnden unmittelbar angezielt („Voluntarium in se“).
 
In Kauf genommene Folgen („Voluntarium in causa“) werden zwar nicht unmittelbar angezielt, aber als Nebenwirkung der motivierenden Folgen vorausgesehen und bewusst zugelassen ([[Prinzip der Doppelwirkung]]). So unterliegt beispielsweise bewusste Fahrlässigkeit als bedingter Vorsatz (dolus eventualis) der ethischen und rechtlichen Verantwortung: Volltrunkenheit entschuldigt nicht bei einem Verkehrsunfall.
 
==== Tun und Unterlassen ====
Bereits [[Thomas von Aquin]]<ref>[[Thomas von Aquin]]: ''[[Summa theologica]].''</ref> unterscheidet eine zweifache Kausalität des Willens: die „direkte“ Einwirkung des Willens, in der durch den Willensakt ein bestimmtes Ereignis hervorgerufen wird, und die „indirekte“, in der ein Ereignis dadurch eintritt, dass der Wille untätig bleibt. Tun und Unterlassen unterscheiden sich hierbei nicht hinsichtlich ihrer Freiwilligkeit. Beim Unterlassen verzichtet jemand auf das Eingreifen in einen Prozess, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte. Auch das Unterlassen kann daher als Handlung aufgefasst werden und strafbar sein.
 
Die strikte Unterscheidung zwischen diesen beiden Handlungsformen, die z.&nbsp;B. in der medizinischen Ethik eine große Rolle spielt (vgl. aktive und passive [[Sterbehilfe]] etc.), erscheint daher vom ethischen Standpunkt aus gesehen als teilweise fragwürdig.
 
=== Das Ziel menschlichen Handelns ===
{{Hauptartikel|Teleologie}}
 
Im Mittelpunkt teleologischer Ethiken steht die Frage, was ich mit meiner Handlung letztlich bezwecke, welches Ziel ich mit ihr verfolge. Der Begriff „Ziel“ (finis, telos) ist hier insbesondere als „letztes Ziel“ oder „Endziel“ zu verstehen, von dem all mein Handeln bestimmt wird.
 
==== Glück als letztes Ziel ====
[[Datei:Angelo Bronzino - Allegorie Des Glücks.jpg|mini|Das Glück als letztes Ziel des menschlichen Lebens – [[Allegorie]] von [[Angelo Bronzino]]]]
 
In der Tradition wird als letztes Ziel des Menschen häufig das [[Glück]] oder die Glückseligkeit (beatitudo) genannt. Der Ausdruck „Glück“ wird dabei in einem mehrdeutigen Sinne gebraucht:
* zur Bezeichnung eines gelungenen und guten Lebens, dem nichts Wesentliches fehlt („Lebensglück“, ''eudaimonia'')
* zur Bezeichnung günstiger Lebensumstände („Zufallsglück“, ''eutychia'')
* zur Bezeichnung des subjektiven Wohlbefindens (Glück als Lust, ''hedone'')
 
Philosophiegeschichtlich konkurrieren die Bestimmungen von Glück als „Lebensglück“ und als subjektives Wohlbefinden miteinander. Für die [[Eudaimonie|Eudämonisten]] (Platon, Aristoteles) ist Glück die Folge der Verwirklichung einer Norm, die als Telos im Wesen des Menschen angelegt ist. Glücklich ist dieser Konzeption zufolge vor allem, wer auf vernünftige Weise tätig ist.
 
Für die [[Hedonismus|Hedonisten]] (Sophisten, klassische Utilitaristen) gibt es kein zu verwirklichendes Telos des Menschen mehr; es steht keine objektive Norm zur Verfügung, um zu entscheiden, ob jemand glücklich ist. Dies führt zu einer Subjektivierung des Glücksbegriffs. Es obliege allein dem jeweiligen Individuum, zu bewerten, ob es glücklich ist. Glück wird zum Teil auch mit dem Erreichen von Gütern wie Macht, Reichtum, Ruhm etc. gleichgesetzt.
 
==== Sinn und Ziel ====
Das Wort „Sinn“ bezeichnet grundsätzlich die Qualität von etwas, das dieses verstehbar macht. Wir verstehen etwas dadurch, indem wir erkennen, worauf es „hingeordnet“ ist, wozu es dient. Die Frage nach dem Sinn steht also in einem engen Zusammenhang mit der Frage nach dem Ziel oder Zweck von etwas. Auch der Sinn einer Handlung oder gar des ganzen Lebens kann nur beantwortet werden, wenn die Frage nach seinem Ziel geklärt ist. Eine menschliche Handlung bzw. ein gesamtes Leben ist dann sinnvoll, wenn es auf dieses Ziel hin ausgerichtet ist.
 
=== Das Gute ===
{{Hauptartikel|Das Gute}}
 
==== Der Begriff „gut“ ====
„Gut“ gehört wie der Begriff „seiend“ zu den ersten und daher nicht mehr definierbaren Begriffen. Es wird zwischen einem [[adjektiv]]ischen und einem [[substantiv]]ischen Gebrauch unterschieden.
 
Als Adjektiv bezeichnet das Wort „gut“ generell die Hinordnung eines „Gegenstandes“ auf eine bestimmte Funktion oder einen bestimmten Zweck. So spricht man z.&nbsp;B. von einem „guten Messer“, wenn es seine im Prädikator „Messer“ ausgedrückte Funktion erfüllen – also z.&nbsp;B. gut schneiden kann. Analog spricht man von einem „guten Arzt“, wenn er in der Lage ist, seine Patienten zu heilen und Krankheiten zu bekämpfen. Ein „guter Mensch“ ist demnach jemand, der in seinem Leben auf das hin ausgerichtet ist, was das Menschsein ausmacht, also dem menschlichen Wesen bzw. seiner Natur entspricht.
 
Als Substantiv bezeichnet das Wort „das Gut“ etwas, auf das hin wir unser Handeln ausrichten. Wir gebrauchen es normalerweise in dieser Weise, um „eine unter bestimmten Bedingungen vollzogene Wahl als richtig oder gerechtfertigt zu beurteilen“.<ref>Ricken: ''Allgemeine Ethik.'' S. 84.</ref> So kann beispielsweise eine Aussage wie „Die Gesundheit ist ein Gut“ als Rechtfertigung für die Wahl einer bestimmten Lebens- und Ernährungsweise dienen. In der philosophischen Tradition war man der Auffassung, dass prinzipiell jedes Seiende – unter einer gewissen Rücksicht – Ziel des Strebens sein könne („omne ens est bonum“). Daher wurde die „Gutheit“ des Seienden zu den [[Transzendentalien]] gerechnet.
 
Gemäß der Analyse von Richard Mervyn Hare werden wertende Wörter wie „gut“ oder „schlecht“ dazu verwendet, in Entscheidungssituationen Handeln anzuleiten bzw. Empfehlungen zu geben. Die Wörter „gut“ oder „schlecht“ haben demnach keine beschreibende (deskriptive), sondern eine vorschreibende (präskriptive) Funktion.
 
Dies kann an einer außermoralischen Verwendung des Wortes „gut“ verdeutlicht werden. Wenn ein Verkäufer zum Kunden sagt: „Dies ist ein guter Wein“, dann empfiehlt er den Kauf dieses Weines, er beschreibt damit jedoch keine wahrnehmbare Eigenschaft des Weines. Insofern es jedoch sozial verbreitete Bewertungsstandards für Weine gibt (er darf nicht nach Essig schmecken, man darf davon keine Kopfschmerzen bekommen etc.), so bedeutet die Bewertung des Weines als „gut“, dass der Wein diese Standards erfüllt und dass er somit auch bestimmte empirische Eigenschaften besitzt.
 
Die Bewertungskriterien, die an eine Sache angelegt werden, können ''je nach dem Verwendungszweck variieren''. Ein herber Wein mag als Tafelwein gut, für sich selbst getrunken dagegen eher schlecht sein. Der Verwendungszweck einer Sache ist keine feststehende Eigenschaft der Sache selbst, sondern beruht auf menschlicher Setzung. Eine Sache ist „gut“ – immer bezogen auf bestimmte Kriterien. Wenn der Verkäufer sagt: „Dies ist ein sehr guter Tafelwein“ dann ist er so, wie er gemäß den üblichen Kriterien für Tafelwein sein soll.
 
Wenn das Wort „gut“ in moralischen Zusammenhängen gebraucht wird („Dies war eine gute Tat“), so empfiehlt man die Tat und drückt aus, dass sie so war, wie sie sein soll. Man beschreibt damit jedoch nicht die Tat. Wird auf allgemein anerkannte moralische Kriterien Bezug genommen, drückt man damit zugleich aus, dass die Tat bestimmte empirische Eigenschaften besitzt, z.&nbsp;B. eine Zurückstellung des Eigeninteresses zugunsten überwiegender Interessen von Mitmenschen.
 
==== Das höchste Gut ====
{{Hauptartikel|Höchstes Gut}}
 
Als das höchste Gut (''summum bonum'') wird das bezeichnet, was nicht nur unter einer bestimmten Rücksicht (für den Menschen) gut ist, sondern schlechthin, da es dem Menschen als Menschen ohne Einschränkung entspricht. Es ist identisch mit dem „unbedingt Gesollten“. Seine inhaltliche Bestimmung hängt ab von der jeweiligen Sicht der Natur des Menschen. In der Tradition wurden dabei die unterschiedlichsten Lösungsvorschläge präsentiert:
* das Glück (Eudämonismus)
* die Lust ([[Hedonismus]])
* Wohlbefinden – etwa Glücklichsein und Leidvermeidung ([[Utilitarismus]])<ref>{{Literatur |Autor=Paul Dolan |Titel=Utilitarianism and the Measurement and Aggregation of Quality – Adjusted Life Years |Sammelwerk=Health Care Analysis |Band=9 |Nummer=1 |Verlag= |Datum=2001 |Seiten=65–76 |ISSN=1573-3394 |DOI=10.1023/A:1011387524579}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Felix N. Chukwuneke, Anthony C. Ezenwugo |Titel=Deontology vs. Utilitarianism: Understanding the Basis for the Moral Theories in Medicine |Sammelwerk=International Journal of Medicine and Health Development |Band=27 |Nummer=1 |Verlag= |Datum=2022 |Seiten=19 |ISSN=2635-3695 |Online=[https://journals.lww.com/ijmh/fulltext/2022/27010/deontology_vs__utilitarianism__understanding_the.3.aspx lww.com] |DOI=10.4103/ijmh.IJMH_57_20}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Guy Kahane, Jim A. C. Everett, Brian D. Earp, Lucius Caviola, Nadira S. Faber, Molly J. Crockett, Julian Savulescu |Titel=Beyond sacrificial harm: A two-dimensional model of utilitarian psychology |Sammelwerk=Psychological Review |Band=125 |Nummer=2 |Verlag= |Datum=2018 |Seiten=131–164 |ISSN=1939-1471 |Online=[https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29265854 nih.gov] |DOI=10.1037/rev0000093 |PMID=29265854}}</ref>
* Macht ([[Niccolò Machiavelli|Machiavelli]])
* Einheit mit Gott bzw. Gott selbst ([[christliche Philosophie]])
* [[Erleuchtung (Buddhismus)|Erwachen]] (bodhi) zu Weisheit und Mitgefühl ([[Buddhismus]])
* Bedürfnisbefriedigung ([[Hobbes]])
* Einheit von Tugend und Glück ([[Kant]])
* Freiheit ([[Jean-Paul Sartre|Sartre]])
 
=== Werte ===
Der Begriff „Wert“ stammte ursprünglich aus der [[Politische Ökonomie|Politischen Ökonomie]], in der [[Adam Smith]], [[David Ricardo]] und später [[Karl Marx]] unter anderem die Unterscheidung von [[Gebrauchswert|Gebrauchs-]] und [[Tauschwert]] untersuchten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde „Wert“ ein philosophischer Terminus, der im Rahmen der [[Wertphilosophie]] ([[Max Scheler]] u.&nbsp;a.) eine zentrale Bedeutung einnahm. Dort führte man ihn als Gegenbegriff zur Kantischen Pflichtethik ein, in der Annahme, dass Werten vor allen Vernunftüberlegungen eine „objektive Gültigkeit“ zukommen würde.
 
In der [[Alltagssprache]] taucht der Begriff auch in jüngster Zeit wieder verstärkt auf, gerade wenn von „[[Wertvorstellung|Grundwerten]]“, einem „[[Wertewandel]]“ oder einer „neuen Wertedebatte“ die Rede ist.
 
Der Wertbegriff weist große Ähnlichkeiten mit dem [[Das Gute|Begriff des Guten]] auf. Er wird wie dieser grundsätzlich in einer subjektiven und einer objektiven Variante gebraucht:
* als „objektiver Wert“ bezeichnet er den „Wert“ von bestimmten Gütern für den Menschen – wie z.&nbsp;B. den Wert des menschlichen Lebens, der Gesundheit etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum physicum“ („physisches Gut“).
* als „subjektive Werthaltung“ bezeichnet er das, was mir wertvoll ist, meine „Wertvorstellungen“ – wie Treue, [[Gerechtigkeit]] etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum morale“ („sittliches Gut“).
 
Im Vergleich zum Begriff des Guten kommt dem Wertbegriff allerdings eine stärkere gesellschaftliche Bedingtheit zu. So spricht man von einem „Wertewandel“, wenn man ausdrücken will, dass sich bestimmte, in einer Gesellschaft allgemein akzeptierte [[Handlungsnorm]]en im Verlauf der Geschichte verändert haben. Damit meint man aber in der Regel nicht, dass das, was früher für gut gehalten wurde, nun „tatsächlich“ nicht mehr gut sei, sondern nur, dass sich das allgemeine Urteil darüber geändert habe.
 
=== Tugend ===
{{Hauptartikel|Tugend}}
[[Datei:Raffael 054.jpg|mini|Allegorie der Tugend von [[Raffael]] in der [[Stanza della Segnatura]] des [[Apostolischer Palast|Vatikan]]]]
 
Die richtige Abwägung ethischer Güter und ihre Durchsetzung setzt Tugend voraus.
In ihrer klassischen Definition formuliert sie Aristoteles als ''jene feste Grundhaltung, von der aus [der Handelnde] tüchtig wird und die ihm eigentümliche Leistung in vollkommener Weise zustande bringt'' (NE 1106a).<ref name="NE">[[Aristoteles]]: ''[[Nikomachische Ethik]].'' ''[[Politik (Aristoteles)|Politik]].''</ref>
 
Die Leistung der ethischen Tugenden besteht vor allem darin, im Menschen eine Einheit von sinnlichem Strebevermögen und sittlicher Erkenntnis zu bewirken. Ein Mensch gilt erst dann als „gut“, wenn er zur inneren Einheit mit sich selbst gekommen ist und das als richtig Erkannte auch affektiv voll bejaht. Dies ist nach Aristoteles nur durch eine Integration der Gefühle durch die ethischen Tugenden möglich. Ungeordnete Gefühle verfälschen das sittliche Urteil. Das Ziel der Einheit von Vernunft und Gefühl führt über eine bloße Ethik der richtigen Entscheidung hinaus. Es kommt nicht nur darauf an, was wir tun, sondern auch wer wir sind.
 
Tugend setzt neben Erkenntnis eine [[Gewöhnung]] voraus, die durch Erziehung und soziale Praxis erreicht wird. Wir werden gerecht, mutig etc., indem wir uns in Situationen begeben, wo wir uns entsprechend verhalten können. Die wichtigste Rolle kommt dabei der Tugend der [[Klugheit]] (phronesis) zu. Ihr obliegt es, die rechte „Mitte“ zwischen den Extremen zu finden und sich für die optimale Lösung in der konkreten Situation zu entscheiden.
 
=== Sollen ===
Der Begriff „sollen“ ist ein Grundbegriff deontologischer Ethikansätze. Er bezieht sich – als Imperativ – auf eine Handlung, mit der ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll. Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
* das vorgegebene Ziel kann verfehlt werden
* das vorgegebene Ziel steht nicht in Konkurrenz zu anderen, übergeordneten Zielen
* das vorgegebene Ziel kann prinzipiell erreicht werden („Jedes Sollen impliziert ein Können“)
 
[[Sprachanalyse|Sprachanalytisch]] lässt sich das Sollen mit Hilfe der sogenannten [[deontisch]]en Prädikatoren erklären. Diese beziehen sich auf die sittliche Verbindlichkeit von Handlungen. Folgende Varianten sind dabei zu unterscheiden:
* moralisch möglich,
* moralisch notwendig,
* moralisch unmöglich.
 
Moralisch mögliche Handlungen sind sittlich erlaubt, d.&nbsp;h. man darf so handeln. Moralisch notwendige Handlungen sind sittlich geboten. Hier spricht man davon, dass wir etwas tun sollen bzw. die [[Pflicht]] haben, etwas zu tun. Moralisch unmögliche Handlungen sind sittlich verbotene Handlungen, die wir nicht ausführen dürfen; siehe auch [[Sünde]].
 
;Das Verhältnis zum Guten
;Das Verhältnis zum Guten
<p>Die Begriffe „gut“ und „gesollt“ sind zwar eng miteinander verwandt aber nicht deckungsgleich. So können wir in Situationen stehen, in denen wir nur zwischen schlechten Alternativen wählen können. Hier ist es gesollt, dass wir uns für das „geringere Übel“ entscheiden. Umgekehrt ist nicht alles Gute auch gesollt. Das kann z.&nbsp;B. der Fall sein, wenn das Erreichen eines Gutes ein anderes Gut ausschließt. Hier muss eine [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCterabw%C3%A4gung Güterabwägung] erfolgen, die zum Verzicht eines Gutes führt.</p>
Die Begriffe „gut“ und „gesollt“ sind zwar eng miteinander verwandt, aber nicht deckungsgleich.
=== <span id="Gerechtigkeit">Gerechtigkeit</span> ===
So können wir in Situationen stehen, in denen wir nur zwischen schlechten Alternativen wählen können. Hier ist es gesollt, dass wir uns für das „geringere Übel“ entscheiden. Umgekehrt ist nicht alles Gute auch gesollt. Das kann z.&nbsp;B. der Fall sein, wenn das Erreichen eines Gutes ein anderes Gut ausschließt. Hier muss eine [[Güterabwägung]] erfolgen, die zum Verzicht eines Gutes führt.
<p>Die richtige Abwägung ethischer Güter und ihre Durchsetzung setzt Tugend voraus. In ihrer klassischen Definition formuliert sie Aristoteles als ''jene feste Grundhaltung, von der aus [der Handelnde] tüchtig wird und die ihm eigentümliche Leistung in vollkommener Weise zustande bringt'' (NE 1106a).<sup id="cite_ref-NE_13-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-NE-13 [13]]</sup></p><p>Die Leistung der ethischen Tugenden besteht vor allem darin, im Menschen eine Einheit von sinnlichem Strebevermögen und sittlicher Erkenntnis zu bewirken. Ein Mensch gilt erst dann als „gut“, wenn er zur inneren Einheit mit sich selbst gekommen ist und das als richtig Erkannte auch affektiv voll bejaht. Dies ist nach Aristoteles nur durch eine Integration der Gefühle durch die ethischen Tugenden möglich. Ungeordnete Gefühle verfälschen das sittliche Urteil. Das Ziel der Einheit von Vernunft und Gefühl führt über eine bloße Ethik der richtigen Entscheidung hinaus. Es kommt nicht nur darauf an, was wir tun, sondern auch wer wir sind.</p><p>Tugend setzt neben Erkenntnis eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnung Gewöhnung] voraus, die durch Erziehung und soziale Praxis erreicht wird. Wir werden gerecht, mutig etc., indem wir uns in Situationen begeben, wo wir uns entsprechend verhalten können. Die wichtigste Rolle kommt dabei der Tugend der [https://de.wikipedia.org/wiki/Klugheit Klugheit] (phronesis) zu. Ihr obliegt es, die rechte „Mitte“ zwischen den Extremen zu finden und sich für die optimale Lösung in der konkreten Situation zu entscheiden.</p>
 
=== <span id="Sollen">Sollen</span> ===
=== Gerechtigkeit ===
<p>Der Begriff „sollen“ ist ein Grundbegriff deontologischer Ethikansätze. Er bezieht sich – als Imperativ – auf eine Handlung, mit der ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll. Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:</p>
[[Datei:Raffael 053.jpg|mini|Darstellung der [[Justitia]] von Raffael]]
*das vorgegebene Ziel kann verfehlt werden
{{Hauptartikel|Gerechtigkeit}}
*das vorgegebene Ziel steht nicht in Konkurrenz zu anderen, übergeordneten Zielen
 
*das vorgegebene Ziel kann prinzipiell erreicht werden („Jedes Sollen impliziert ein Können“)
Der Begriff der [[Gerechtigkeit]] ist seit der intensiven Diskussion um die „Theorie der Gerechtigkeit“ von [[John Rawls]] und vor allem seit der aktuellen politischen Debatte um die Aufgaben des Sozialstaates (Betonung der [[Chancengerechtigkeit|Chancen-]] und [[Leistungsgerechtigkeit]] gegenüber der Verteilungsgerechtigkeit) wieder stark ins Blickfeld geraten.
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachanalyse Sprachanalytisch] lässt sich das Sollen mit Hilfe der sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Deontisch deontischen] Prädikatoren erklären. Diese beziehen sich auf die sittliche Verbindlichkeit von Handlungen. Folgende Varianten sind dabei zu unterscheiden:</p>
 
*moralisch möglich,
„Gerecht“ wird – wie der Begriff „gut“ – in vielerlei Bedeutungen gebraucht. Es werden Handlungen, Haltungen, Personen, Verhältnisse, politische Institutionen und zuweilen auch Affekte (der „gerechte Zorn“) als gerecht bezeichnet. Grundsätzlich kann zwischen einem „subjektiven“ und einem „objektiven“ Gebrauch unterschieden werden, wobei beide Varianten aufeinander bezogen sind.
*moralisch notwendig,
 
*moralisch unmöglich.
Die ''subjektive'' oder besser personale ''Gerechtigkeit'' bezieht sich auf das Verhalten oder die ethische Grundhaltung einer Einzelperson. Eine Person kann gerecht handeln ohne gerecht zu sein und umgekehrt. Damit im Zusammenhang steht die kantische Unterscheidung zwischen [[Legalität]] und [[Moral]]ität. Legale Handlungen sind nach außen hin betrachtet in Übereinstimmung mit dem Sittengesetz, geschehen aber nicht ausschließlich aufgrund moralischer Beweggründe, sondern z.&nbsp;B. auch aus Angst, Opportunismus etc. Bei moralischen Handlungen dagegen stimmen Handlung und Motiv miteinander überein. In diesem Sinne wird Gerechtigkeit als eine der vier ''[[Kardinaltugend]]en'' bezeichnet.
<p>Moralisch mögliche Handlungen sind sittlich erlaubt, d.&nbsp;h. man darf so handeln. Moralisch notwendige Handlungen sind sittlich geboten. Hier spricht man davon, dass wir etwas tun sollen bzw. die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflicht Pflicht] haben, etwas zu tun. Moralisch unmögliche Handlungen sind sittlich verbotene Handlungen, die wir nicht ausführen dürfen; siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCnde Sünde].</p>
 
;Das Verhältnis zum Guten
Die ''objektive'' oder institutionelle ''Gerechtigkeit'' bezieht sich auf die Bereiche Recht und Staat.
<p>Die Begriffe „gut“ und „gesollt“ sind zwar eng miteinander verwandt aber nicht deckungsgleich. So können wir in Situationen stehen, in denen wir nur zwischen schlechten Alternativen wählen können. Hier ist es gesollt, dass wir uns für das „geringere Übel“ entscheiden. Umgekehrt ist nicht alles Gute auch gesollt. Das kann z.&nbsp;B. der Fall sein, wenn das Erreichen eines Gutes ein anderes Gut ausschließt. Hier muss eine [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCterabw%C3%A4gung Güterabwägung] erfolgen, die zum Verzicht eines Gutes führt.</p>
Hier geht es immer um Pflichten innerhalb einer Gemeinschaft, die das Gleichheitsprinzip berühren. Es ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen der ''[[Ausgleichende Gerechtigkeit|ausgleichenden Gerechtigkeit]]'' (iustitita commutativa) und ''[[Verteilungsgerechtigkeit]]'' (iustitita distributiva). Bei der ausgleichenden Gerechtigkeit tritt der Wert einer Ware oder Leistung in den Vordergrund. Bei der Verteilungsgerechtigkeit geht es um den Wert der beteiligten Personen.
=== <span id="Gerechtigkeit">Gerechtigkeit</span> ===
 
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit Gerechtigkeit]''</div>[[Datei:220px-Raffael_053.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Raffael_053.jpg|mini|220x220px|Darstellung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Justitia Justitia] von Raffael]]<p>Der Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit Gerechtigkeit] ist seit der intensiven Diskussion um die „Theorie der Gerechtigkeit“ von [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Rawls John Rawls] und vor allem seit der aktuellen politischen Debatte um die Aufgaben des Sozialstaates (Betonung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Chancengerechtigkeit Chancen-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsgerechtigkeit Leistungsgerechtigkeit] gegenüber der Verteilungsgerechtigkeit) wieder stark ins Blickfeld geraten.</p><p>„Gerecht“ wird – wie der Begriff „gut“ – in vielerlei Bedeutungen gebraucht. Es werden Handlungen, Haltungen, Personen, Verhältnisse, politische Institutionen und zuweilen auch Affekte (der „gerechte Zorn“) als gerecht bezeichnet. Grundsätzlich kann zwischen einem „subjektiven“ und einem „objektiven“ Gebrauch unterschieden werden, wobei beide Varianten aufeinander bezogen sind.</p><p>Die ''subjektive'' oder besser personale ''Gerechtigkeit'' bezieht sich auf das Verhalten oder die ethische Grundhaltung einer Einzelperson. Eine Person kann gerecht handeln ohne gerecht zu sein und umgekehrt. Damit im Zusammenhang steht die kantische Unterscheidung zwischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Legalit%C3%A4t Legalität] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moralität]. Legale Handlungen befinden sind nach außen hin betrachtet in Übereinstimmung mit dem Sittengesetz, geschehen aber nicht ausschließlich aufgrund moralischer Beweggründe, sondern z.&nbsp;B. auch aus Angst, Opportunismus etc. Bei moralischen Handlungen dagegen stimmen Handlung und Motiv miteinander überein. In diesem Sinne wird Gerechtigkeit als eine der vier ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kardinaltugend Kardinaltugenden]'' bezeichnet.</p><p>Die ''objektive'' oder institutionelle ''Gerechtigkeit'' bezieht sich auf die Bereiche Recht und Staat. Hier geht es immer um Pflichten innerhalb einer Gemeinschaft, die das Gleichheitsprinzip berühren. Es ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ausgleichende_Gerechtigkeit ausgleichenden Gerechtigkeit]'' (iustitita commutativa) und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Verteilungsgerechtigkeit Verteilungsgerechtigkeit]'' (iustitita distributiva). Bei der ausgleichenden Gerechtigkeit tritt der Wert einer Ware oder Leistung in den Vordergrund. Bei der Verteilungsgerechtigkeit geht es um den Wert der beteiligten Personen.</p><p>Die Gerechtigkeit der Einzelpersonen und der Institutionen sind in einem engen Zusammenhang zueinander zu sehen. Ohne gerechte Bürger werden keine gerechten Institutionen geschaffen oder aufrechterhalten werden können. Ungerechte Institutionen erschweren andererseits die Entfaltung der Individualtugend der Gerechtigkeit.</p><p>Das Anliegen der Ethik beschränkt sich nicht auf das Thema „Gerechtigkeit“. Zu den Tugenden gehören noch diejenigen, die man vor allem sich selbst gegenüber hat (Klugheit, [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4%C3%9Figung Mäßigung], [https://de.wikipedia.org/wiki/Tapferkeit Tapferkeit]). Zu den ethischen Pflichten gegenüber anderen zählt noch die Pflicht des ''Wohltun''s (beneficientia), die über die Gerechtigkeit hinausgeht und ihre Wurzel letztlich in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liebe Liebe] hat. Während der Gerechtigkeit das Gleichheitsprinzip zugrunde liegt, ist dies beim Wohltun die Notlage oder Bedürftigkeit des anderen. Diese Unterscheidung entspricht der zwischen „iustitia“ und „[https://de.wikipedia.org/wiki/Barmherzigkeit caritas]“ (Thomas von Aquin), Rechts- und Tugendpflichten (Kant) bzw. in der Gegenwart der zwischen „duties of justice“ und „duties of charity“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Philippa_Foot Philippa Foot]).</p>
Die Gerechtigkeit der Einzelpersonen und der Institutionen sind in einem engen Zusammenhang zueinander zu sehen. Ohne gerechte Bürger werden keine gerechten Institutionen geschaffen oder aufrechterhalten werden können. Ungerechte Institutionen erschweren andererseits die Entfaltung der Individualtugend der Gerechtigkeit.
== <span id="Ethische_Theorien">Ethische Theorien</span> ==
 
<p>Klassen ethischer oder moralphilosophischer Theorien lassen sich danach unterscheiden, welche Kriterien sie für die Bestimmung des moralisch Guten zugrunde legen. Das moralisch Gute kann bestimmt werden durch:</p>
Das Anliegen der Ethik beschränkt sich nicht auf das Thema „Gerechtigkeit“. Zu den Tugenden gehören noch diejenigen, die man vor allem sich selbst gegenüber hat (Klugheit, [[Mäßigung]], [[Tapferkeit]]). Zu den ethischen Pflichten gegenüber anderen zählt noch die Pflicht des ''Wohltun''s (beneficientia), die über die Gerechtigkeit hinausgeht und ihre Wurzel letztlich in der [[Liebe]] hat. Während der Gerechtigkeit das Gleichheitsprinzip zugrunde liegt, ist dies beim Wohltun die Notlage oder Bedürftigkeit des anderen. Diese Unterscheidung entspricht der zwischen „iustitia“ und „[[Barmherzigkeit|caritas]]“ (Thomas von Aquin), Rechts- und Tugendpflichten (Kant) bzw. in der Gegenwart der zwischen „duties of justice“ und „duties of charity“ ([[Philippa Foot]]).
 
== Ethische Theorien ==
Klassen ethischer oder moralphilosophischer Theorien lassen sich danach unterscheiden, welche Kriterien sie für die Bestimmung des moralisch Guten zugrunde legen. Das moralisch Gute kann bestimmt werden durch:
* die Folgen ([[Teleologische Ethik]]en, [[Konsequentialismus]]);
* die [[Einstellung (Psychologie)|Verhaltensdispositionen]], Charaktereigenschaften und „Tugenden“ ([[Tugendethik]]en);
* die Absichten des Handelnden ([[Gesinnungsethik]]en);
* objektive moralische Tatsachen, etwa objektive moralische [[Ethisches Gut|Güter]] oder Handlungsbewertungen betreffend ([[Deontologische Ethik]]en);
* die Optimierung
** die Interessen der Betroffenen (Präferenz-[[Utilitarismus|Utilitaristische]] Ethiken),
** das Glück ([[Eudämonie]])
** oder die [[Wohlfahrt]].
Dabei werden unterschiedlichste Kombinationen und feinere moraltheoretische Bestimmungen vertreten.
 
=== Teleologische oder deontologische Ethik ===
Die verschiedenen Ethikansätze werden traditionell prinzipiell danach unterschieden, ob sie ihren Schwerpunkt auf die Handlung selbst (deontologische Ethikansätze) oder auf die Handlungsfolgen (teleologische Ethikansätze) legen. Die Unterscheidung geht zurück auf [[C. D. Broad]]<ref>C. D. Broad: ''Five Types of Ethical Theory.'' London 1930.</ref>
und wurde bekannt durch [[William K. Frankena]]. In dieselbe Richtung geht auch die Aufteilung [[Max Weber]]s in [[Gesinnungsethik|Gesinnungs-]] und [[Verantwortungsethik]]en, wobei diese von ihm als Polemik gegenüber Gesinnungsethiken verstanden wurde.
 
==== Teleologische Ethiken ====
Das griechische Wort „telos“ bedeutet so viel wie Vollendung, Erfüllung, Zweck oder Ziel. Unter [[Teleologische Ethik|teleologischen Ethiken]] versteht man daher solche Theorieansätze, die ihr Hauptaugenmerk auf bestimmte Zwecke oder Ziele richten. In ihnen wird die Forderung erhoben, Handlungen sollten ein Ziel anstreben, das in einem umfassenderen Verständnis gut ist. Der Inhalt dieses Zieles wird von den verschiedenen Richtungen auf recht unterschiedliche Art und Weise bestimmt.
 
Teleologische Ethiken geben valuativen Sätzen einen Vorrang gegenüber normativen Sätzen. Für sie stehen Güter und Werte im Vordergrund. Die menschlichen Handlungen sind insbesondere insofern von Interesse, als sie hinderlich oder förderlich zum Erreichen dieser Güter und Werte sein können. ''Eine Handlung ist dann auszuführen und nur dann, wenn sie oder die Regel, unter die sie fällt, ein größeres Überwiegen des Guten über das Schlechte herbeiführt, vermutlich herbeiführen wird oder herbeiführen sollte als jede erreichbare Alternative'' (Frankena).<ref>William K. Frankena: ''Ethics.'' 2. Auflage. Englewood Cliffs 1973, S. 14, übersetzt in Albert Keller: ''Philosophie der Freiheit.'' Styria, Graz 1994, S. 212.</ref>
 
Innerhalb teleologischer Ethikansätze wird wiederum zwischen „onto-teleologischen“ und „[[konsequentialistisch]]-teleologischen“ Ansätzen unterschieden.
 
In onto-teleologischen Ansätzen – klassisch vertreten durch Aristoteles – wird davon ausgegangen, dass das zu erstrebende Gut in gewisser Weise dem Menschen selbst als Teil seiner Natur innewohne. Es wird gefordert, dass der Mensch so handeln und leben solle, wie es seiner Wesensnatur entspricht, um so seine artspezifischen Anlagen auf bestmögliche Weise zu vervollkommnen.
 
In konsequentialistisch-teleologischen Ansätzen hingegen wird nicht mehr von einer letzten vorgegebenen Zweckhaftigkeit des menschlichen Daseins ausgegangen. Das zu erstrebende Ziel wird daher durch einen außerhalb des handelnden Subjekts liegenden Nutzen bestimmt. Dieser Ansatz wird bereits in der Antike ([[Epikur]]) und später in seiner typischen Form durch den [[Utilitarismus]] vertreten.
 
==== Deontologische Ethiken ====
Das griechische Wort ''to deon'' bedeutet „das Schickliche, die Pflicht“. [[Deontologische Ethik]]en kann man daher mit Sollensethiken gleichsetzen. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass bei ihnen den Handlungsfolgen nicht dieselbe Bedeutung zukommt wie in teleologischen Ethiken. Innerhalb der deontologischen Ethiken wird häufig zwischen aktdeontologischen (z.&nbsp;B. Jean-Paul Sartre) und regeldeontologischen Konzeptionen (z.&nbsp;B. Immanuel Kant) unterschieden. Während die ''Regeldeontologie'' allgemeine Handlungstypen als verboten, erlaubt oder geboten ausweist (vgl. z.&nbsp;B. das Lügenverbot oder die Pflicht, Versprechen zu halten), bezieht sich den ''aktdeontologischen Theorien'' zufolge das deontologische Moralurteil unmittelbar auf spezifische Handlungsweisen in jeweils bestimmten Handlungssituationen.
 
In deontologischen Ethiken haben normative Sätze eine Vorrangstellung gegenüber valuativen Sätzen. Für sie bilden [[Gebot (Ethik)|Gebote]], [[Verbot]]e und [[Erlaubnis]]se die Grundbegriffe. Es rücken die menschlichen Handlungen in den Vordergrund, da nur sie gegen eine Norm verstoßen können. [[Robert Spaemann]] charakterisiert sie als ''moralische Konzepte, […] für welche bestimmte Handlungstypen ohne Beachtung der weiteren Umstände immer verwerflich sind, also z.&nbsp;B. die absichtliche direkte Tötung eines unschuldigen Menschen, die Folter oder der außereheliche Beischlaf eines verheirateten Menschen.''<ref>Robert Spaemann: ''Christliche Verantwortungsethik.'' In: [[Johannes Gründel]] (Hrsg.): ''Leben aus christlicher Verantwortung, 1. Grundlegungen.'' Düsseldorf 1991, S. 122.</ref>
 
==== Kritik an der Unterscheidung ====
Die Unterscheidung zwischen teleologischen und deontologischen Ethiken wird von einigen Kritikern<ref>Vgl. z.&nbsp;B. Albert Keller: ''Philosophie der Freiheit.'' Styria, Graz 1994, ISBN 3-222-12294-6.</ref> als fragwürdig bezeichnet. In der Praxis sind auch selten Ansätze zu finden, die eindeutig einer der beiden Richtungen zugeordnet werden könnten.
 
Einer strikten deontologischen Ethik müsste es gelingen, Handlungen aufzuzeigen, die „in sich“, völlig losgelöst von ihren Folgen, als unsittlich und „in sich schlecht“ zu bezeichnen wären. Diese wären dann „unter allen Umständen“ zu tun oder zu unterlassen gemäß dem Spruch ''Fiat iustitia et pereat mundus'' („Gerechtigkeit geschehe, und sollte die Welt darüber zugrunde gehen“, [[Ferdinand I. (Österreich)|Ferdinand I. von Habsburg]]). Bekannte Beispiele solcher Handlungen sind die „Tötung Unschuldiger“ oder die nach Kant unzulässige Lüge. In den Augen der Kritiker liegt in diesen Fällen häufig eine „[[petitio principii]]“ vor. Wenn z.&nbsp;B. die Tötung Unschuldiger als Mord und dieser wiederum als unsittliche Handlung definiert wird, könne sie natürlich in jedem Fall als „in sich schlecht“ bezeichnet werden. Das Gleiche gelte für die Lüge, wenn sie als unerlaubtes Verfälschen der Wahrheit bezeichnet wird.
 
Gerade in der Analyse ethischer [[Dilemma]]situationen, in denen nur die Wahl zwischen mehreren Übeln möglich ist, zeige sich, dass es kaum möglich sein dürfte, bestimmte Handlungen unter allen Umständen als „sittlich schlecht“ zu bezeichnen. Nach einer strikten deontologischen Ethik wäre die „Wahl des kleineren Übels“ nicht möglich.
 
An strikt teleologisch argumentierenden Ethikansätzen wird kritisiert, dass sie das ethisch Gesollte von außerethischen Zwecken abhängig machen. Damit bleibe die Frage unbeantwortet, weshalb wir diese Zwecke verfolgen sollen. Eine Güterabwägung werde damit unmöglich gemacht, da die Frage, was ein oder das bessere „Gut“ ist, nur geklärt werden könne, wenn vorher allgemeine Handlungsprinzipien definiert wurden. In vielen teleologischen Ansätzen würden diese Handlungsprinzipien auch einfach stillschweigend vorausgesetzt, wie z.&nbsp;B. im klassischen Utilitarismus, für den Lustgewinnung und Unlustvermeidung die Leitprinzipien jeglicher Folgenabschätzung darstellen.
 
=== Wollen und Sollen in Ansätzen der Ethik ===
Ethische Positionen lassen sich auch danach unterscheiden, wie sich das Gesollte aus einem bestimmten Wollen ergibt.


*die Folgen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologische_Ethik Teleologische Ethiken], [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsequentialismus Konsequentialismus]);
*die [https://de.wikipedia.org/wiki/Einstellung_(Psychologie) Verhaltensdispositionen], Charaktereigenschaften und „Tugenden“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tugendethik Tugendethiken]);
*die Absichten des Handelnden ([https://de.wikipedia.org/wiki/Gesinnungsethik Gesinnungsethiken]);
*objektive moralische Tatsachen, etwa objektive moralische [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethisches_Gut Güter] oder Handlungsbewertungen betreffend ([https://de.wikipedia.org/wiki/Deontologische_Ethik Deontologische Ethiken]);
*die Optimierung
**die Interessen der Betroffenen (Präferenz-[https://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus Utilitaristische] Ethiken),
**das Glück ([https://de.wikipedia.org/wiki/Eud%C3%A4monie Eudämonie])
**oder die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wohlfahrt Wohlfahrt].
<p>Dabei werden unterschiedlichste Kombinationen und feinere moraltheoretische Bestimmungen vertreten.</p>
=== <span id="Teleologische_oder_deontologische_Ethik">Teleologische oder deontologische Ethik</span> ===
<p>Die verschiedenen Ethikansätze werden traditionell prinzipiell danach unterschieden, ob sie ihren Schwerpunkt auf die Handlung selbst (deontologische Ethikansätze) oder auf die Handlungsfolgen (teleologische Ethikansätze) legen. Die Unterscheidung geht zurück auf [https://de.wikipedia.org/wiki/C._D._Broad C. D. Broad]<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-14 [14]]</sup> und wurde bekannt durch [https://de.wikipedia.org/wiki/William_K._Frankena William K. Frankena]. In dieselbe Richtung geht auch die Aufteilung [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weber Max Webers] in [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesinnungsethik Gesinnungs-]und [https://de.wikipedia.org/wiki/Verantwortungsethik Verantwortungsethiken], wobei diese von ihm als Polemik gegenüber Gesinnungsethiken verstanden wurde.</p>
==== <span id="Teleologische_Ethiken">Teleologische Ethiken</span> ====
<p>Das griechische Wort „telos“ bedeutet so viel wie Vollendung, Erfüllung, Zweck oder Ziel. Unter [https://de.wikipedia.org/wiki/Teleologische_Ethik teleologischen Ethiken] versteht man daher solche Theorieansätze, die ihr Hauptaugenmerk auf bestimmte Zwecke oder Ziele richten. In ihnen wird die Forderung erhoben, Handlungen sollten ein Ziel anstreben, das in einem umfassenderen Verständnis gut ist. Der Inhalt dieses Zieles wird von den verschiedenen Richtungen auf recht unterschiedliche Art und Weise bestimmt.</p><p>Teleologische Ethiken geben valuativen Sätzen einen Vorrang gegenüber normativen Sätzen. Für sie stehen Güter und Werte im Vordergrund. Die menschlichen Handlungen sind insbesondere insofern von Interesse, als sie hinderlich oder förderlich zum Erreichen dieser Güter und Werte sein können. ''Eine Handlung ist dann auszuführen und nur dann, wenn sie oder die Regel, unter die sie fällt, ein größeres Überwiegen des Guten über das Schlechte herbeiführt, vermutlich herbeiführen wird oder herbeiführen sollte als jede erreichbare Alternative'' (Frankena).<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-15 [15]]</sup></p><p>Innerhalb teleologischer Ethikansätze wird wiederum zwischen „onto-teleologischen“ und „[https://de.wikipedia.org/wiki/Konsequentialistisch konsequentialistisch]-teleologischen“ Ansätzen unterschieden.</p><p>In onto-teleologischen Ansätzen – klassisch vertreten durch Aristoteles – wird davon ausgegangen, dass das zu erstrebende Gut in gewisser Weise dem Menschen selbst als Teil seiner Natur innewohne. Es wird gefordert, dass der Mensch so handeln und leben solle, wie es seiner Wesensnatur entspricht, um so seine artspezifischen Anlagen auf bestmögliche Weise zu vervollkommnen.</p><p>In konsequentialistisch-teleologischen Ansätzen hingegen wird nicht mehr von einer letzten vorgegebenen Zweckhaftigkeit des menschlichen Daseins ausgegangen. Das zu erstrebende Ziel wird daher durch einen außerhalb des handelnden Subjekts liegenden Nutzen bestimmt. Dieser Ansatz wird bereits in der Antike ([https://de.wikipedia.org/wiki/Epikur Epikur]) und später in seiner typischen Form durch den [https://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus Utilitarismus] vertreten.</p>
==== <span id="Deontologische_Ethiken">Deontologische Ethiken</span> ====
<p>Das griechische Wort ''to deon'' bedeutet „das Schickliche, die Pflicht“. [https://de.wikipedia.org/wiki/Deontologische_Ethik Deontologische Ethiken] kann man daher mit Sollensethiken gleichsetzen. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass bei ihnen den Handlungsfolgen nicht dieselbe Bedeutung zukommt wie in teleologischen Ethiken. Innerhalb der deontologischen Ethiken wird häufig zwischen aktdeontologischen (z.&nbsp;B. Jean-Paul Sartre) und regeldeontologischen Konzeptionen (z.&nbsp;B. Immanuel Kant) unterschieden. Während die ''Regeldeontologie'' allgemeine Handlungstypen als verboten, erlaubt oder geboten ausweist (vgl. z.&nbsp;B. das Lügenverbot oder die Pflicht, Versprechen zu halten), bezieht sich den ''aktdeontologischen Theorien'' zufolge das deontologische Moralurteil unmittelbar auf spezifische Handlungsweisen in jeweils bestimmten Handlungssituationen.</p><p>In deontologischen Ethiken haben normative Sätze eine Vorrangstellung gegenüber valuativen Sätzen. Für sie bilden [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebot_(Ethik) Gebote], [https://de.wikipedia.org/wiki/Verbot Verbote] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Erlaubnis Erlaubnisse] die Grundbegriffe. Es rücken die menschlichen Handlungen in den Vordergrund, da nur sie gegen eine Norm verstoßen können. [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Spaemann Robert Spaemann] charakterisiert sie als ''moralische Konzepte, […] für welche bestimmte Handlungstypen ohne Beachtung der weiteren Umstände immer verwerflich sind, also z.&nbsp;B. die absichtliche direkte Tötung eines unschuldigen Menschen, die Folter oder der außereheliche Beischlaf eines verheirateten Menschen.''<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-16 [16]]</sup></p>
==== <span id="Kritik_an_der_Unterscheidung">Kritik an der Unterscheidung</span> ====
<p>Die Unterscheidung zwischen teleologischen und deontologischen Ethiken wird von einigen Kritikern<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-17 [17]]</sup> als fragwürdig bezeichnet. In der Praxis sind auch selten Ansätze zu finden, die eindeutig einer der beiden Richtungen zugeordnet werden könnten.</p><p>Einer strikten deontologischen Ethik müsste es gelingen, Handlungen aufzuzeigen, die „in sich“, völlig losgelöst von ihren Folgen, als unsittlich und „in sich schlecht“ zu bezeichnen wären. Diese wären dann „unter allen Umständen“ zu tun oder zu unterlassen gemäß dem Spruch ''Fiat iustitia et pereat mundus'' („Gerechtigkeit geschehe, und sollte die Welt darüber zugrunde gehen“, [https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_I._(%C3%96sterreich) Ferdinand I. von Habsburg]). Bekannte Beispiele solcher Handlungen sind die „Tötung Unschuldiger“ oder die nach Kant unzulässige Lüge. In den Augen der Kritiker liegt in diesen Fällen häufig eine „[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii petitio principii]“ vor. Wenn z.&nbsp;B. die Tötung Unschuldiger als Mord und dieser wiederum als unsittliche Handlung definiert wird, könne sie natürlich in jedem Fall als „in sich schlecht“ bezeichnet werden. Das Gleiche gelte für die Lüge, wenn sie als unerlaubtes Verfälschen der Wahrheit bezeichnet wird.</p><p>Gerade in der Analyse ethischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Dilemma Dilemmasituationen], in denen nur die Wahl zwischen mehreren Übeln möglich ist, zeige sich, dass es kaum möglich sein dürfte, bestimmte Handlungen unter allen Umständen als „sittlich schlecht“ zu bezeichnen. Nach einer strikten deontologischen Ethik wäre die „Wahl des kleineren Übels“ nicht möglich.</p><p>An strikt teleologisch argumentierenden Ethikansätzen wird kritisiert, dass sie das ethisch Gesollte von außerethischen Zwecken abhängig machen. Damit bleibe die Frage unbeantwortet, weshalb wir diese Zwecke verfolgen sollen. Eine Güterabwägung werde damit unmöglich gemacht, da die Frage, was ein oder das bessere „Gut“ ist, nur geklärt werden könne, wenn vorher allgemeine Handlungsprinzipien definiert wurden. In vielen teleologischen Ansätzen würden diese Handlungsprinzipien auch einfach stillschweigend vorausgesetzt, wie z.&nbsp;B. im klassischen Utilitarismus, für den Lustgewinnung und Unlustvermeidung die Leitprinzipien jeglicher Folgenabschätzung darstellen.</p>
=== <span id="Wollen_und_Sollen_in_Ansätzen_der_Ethik">Wollen und Sollen in Ansätzen der Ethik</span> ===
<p>Ethische Positionen lassen sich auch danach unterscheiden, wie sich das Gesollte aus einem bestimmten Wollen ergibt.</p>
{| class="wikitable"
{| class="wikitable"
|+ Ethische Positionen
|+Ethische Positionen
!Ethische Position
!Vertreter
!Maßstab des ethisch Gesollten ist …
|-
|-
! Ethische Position
|[[Divine Command Theory|divine-command]]-Theoretiker<ref>Vgl. {{SEP|https://plato.stanford.edu/entries/voluntarism-theological/|Theological Voluntarism|Mark Murphy|beleg=1}}; {{IEP|https://www.iep.utm.edu/divine-c/|Divine Command Theory|Michael W. Austin}}.</ref>
! Vertreter
! Maßstab des ethisch Gesollten ist …
|-
| [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Divine_Command_Theory&action=edit&redlink=1 divine-command]-Theoretiker<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-18 [18]]</sup>
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| … der Wille Gottes
|… der Wille Gottes
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| [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Intuitionismus_(Ethik)&action=edit&redlink=1 Intuitionismus]
|[[Intuitionismus (Ethik)|Intuitionismus]]
| [https://de.wikipedia.org/wiki/William_David_Ross Ross], [https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Audi Audi]
| [[William David Ross|Ross]], [[Robert Audi|Audi]]
| … das allen Menschen gemeinsame Empfinden und Wollen
|… das allen Menschen gemeinsame Empfinden und Wollen
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| Position der Verallgemeinerbarkeit, [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ Kategorischer Imperativ]
|Position der Verallgemeinerbarkeit, [[Kategorischer Imperativ]]
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Kant], [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer Singer]
| [[Immanuel Kant|Kant]], [[Peter Singer|Singer]]
| … der Wille jedes Individuums selbst, wenn es annehmen muss, dass die von ihm gewählten Regeln für das eigene Handeln zugleich auch von allen anderen Individuen befolgt werden
|… der Wille jedes Individuums selbst, wenn es annehmen muss, dass die von ihm gewählten Regeln für das eigene Handeln zugleich auch von allen anderen Individuen befolgt werden
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| Position des allgemeinen Willens
| Position des allgemeinen Willens
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau Rousseau]
| [[Jean-Jacques Rousseau|Rousseau]]  
| … der Wille der Individuen selbst, wenn diese in einer Situation sozialer [https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichheit Gleichheit] gemeinsam für alle geltende Gesetze beschließen
|… der Wille der Individuen selbst, wenn diese in einer Situation sozialer [[Gleichheit]] gemeinsam für alle geltende Gesetze beschließen
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| [https://de.wikipedia.org/wiki/Konsenstheorie_der_Wahrheit Konsenstheoretische] Position, [https://de.wikipedia.org/wiki/Diskurstheorie Diskurstheorie]
| [[Konsenstheorie der Wahrheit|Konsenstheoretische]] Position, [[Diskurstheorie]]
| [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Habermas Habermas]
| [[Jürgen Habermas|Habermas]]
| … der Wille der Individuen selbst, wenn sie sich frei von jeglichem Zwang auf Regeln für den Umgang miteinander dauerhaft einigen müssen
|… der Wille der Individuen selbst, wenn sie sich frei von jeglichem Zwang auf Regeln für den Umgang miteinander dauerhaft einigen müssen
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| Position des größten allgemeinen Nutzens bzw. typische Varianten des [https://de.wikipedia.org/wiki/Utilitarismus Utilitarismus]
|Position des größten allgemeinen Nutzens bzw. typische Varianten des [[Utilitarismus]]
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_Bentham Bentham]
| [[Jeremy Bentham|Bentham]]
| … die Summe der gleichgewichtig informierten Willen der Individuen selbst
|… die Summe der gleichgewichtig informierten Willen der Individuen selbst
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| [https://de.wikipedia.org/wiki/Vertragstheorie Vertragstheoretische] Position
|[[Vertragstheorie|Vertragstheoretische]] Position
| [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Buchanan Buchanan], [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_M._Scanlon Scanlon], [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Gauthier Gauthier]
| [[George Buchanan|Buchanan]], [[Thomas M. Scanlon|Scanlon]], [[David Gauthier|Gauthier]]
| … der Wille der Individuen selbst, wenn sie sich vertraglich auf Regeln für den Umgang miteinander einigen müssten
|… der Wille der Individuen selbst, wenn sie sich vertraglich auf Regeln für den Umgang miteinander einigen müssten
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| Position des durch Unwissenheit gebrochenen Eigeninteresses
| Position des durch Unwissenheit gebrochenen Eigeninteresses
| [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Rawls Rawls],<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/John_Harsanyi Harsanyi]</p>
| [[John Rawls|Rawls]],
| … der Wille eines eigeninteressierten, rationalen Individuums, das eine soziale Ordnung entwirft, ohne dabei zu wissen, welche Position es in dieser Ordnung selbst einnehmen wird
[[John Harsanyi|Harsanyi]]
|… der Wille eines eigeninteressierten, rationalen Individuums, das eine soziale Ordnung entwirft, ohne dabei zu wissen, welche Position es in dieser Ordnung selbst einnehmen wird
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| Position der vertauschten Rollen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel Goldene Regel]
| Position der vertauschten Rollen, [[Goldene Regel]]
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_M._Hare Hare]
| [[Richard M. Hare|Hare]]
| … der Wille jedes Individuum selbst, wenn es bei der Formulierung von Regeln für den Umgang miteinander annimmt, dass es sich selbst in der Position des jeweils betroffenen Anderen befindet
|… der Wille jedes Individuum selbst, wenn es bei der Formulierung von Regeln für den Umgang miteinander annimmt, dass es sich selbst in der Position des jeweils betroffenen Anderen befindet
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| Position der Umkehrbarkeit
| Position der Umkehrbarkeit
| [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Rawls Rawls], [https://de.wikipedia.org/wiki/Alwill_Baier Baier]
| [[John Rawls|Rawls]], [[Alwill Baier|Baier]]
| … der Wille jedes Individuums selbst, wenn es bei der Bestimmung von Regeln für den Umgang miteinander hypothetisch annimmt, dass es selbst sich in der Position des vergleichsweise am schlechtesten Gestellten befindet
|… der Wille jedes Individuums selbst, wenn es bei der Bestimmung von Regeln für den Umgang miteinander hypothetisch annimmt, dass es selbst sich in der Position des vergleichsweise am schlechtesten Gestellten befindet
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| [https://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus Nihilismus], Moralkritik
| [[Nihilismus]], Moralkritik
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Nietzsche Nietzsche], [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger Heidegger]
| [[Friedrich Nietzsche|Nietzsche]], [[Martin Heidegger|Heidegger]]
| … das philosophische Hinterfragen von Religion, Weltanschauung, Moral und Wertesystemen, sowie der tatsächlichen Bedeutung des Bestehenden – durch Kritik und Verneinung
|… das philosophische Hinterfragen von Religion, Weltanschauung, Moral und Wertesystemen, sowie der tatsächlichen Bedeutung des Bestehenden – durch Kritik und Verneinung  
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| Position der überindividuellen Wesenheiten (Rasse, Volk, Nation, Klasse)
| Position der überindividuellen Wesenheiten (Rasse, Volk, Nation, Klasse)
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| … der Wille des maßgebenden Kollektivs
|… der Wille des maßgebenden Kollektivs
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| [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspositivismus Rechtspositivismus]
|[[Rechtspositivismus]]
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| … der Wille des jeweiligen gesetzgebenden Souveräns
|… der Wille des jeweiligen gesetzgebenden Souveräns
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| [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunftrecht Vernunftrechtslehre]
|[[Vernunftrecht]]slehre
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| … die Einsicht des Vernunftbegabten aufgrund vernünftiger Überlegung
|… die Einsicht des Vernunftbegabten aufgrund vernünftiger Überlegung
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|[[Egoismus]]
|[[Max Stirner]]
|… der Wille jedes Individuums selbst, wenn es informiert ist und einen langfristigen Zeithorizont berücksichtigt
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| [https://de.wikipedia.org/wiki/Egoismus Egoismus]
| [https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Stirner Max Stirner]
| … der Wille jedes Individuums selbst, wenn es informiert ist und einen langfristigen Zeithorizont berücksichtigt
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<p>Die aufgelisteten Positionen liegen auf unterschiedlichen logischen Ebenen und schließen sich deshalb auch nicht logisch aus. So ist z.&nbsp;B. die Verbindung einer religiösen Position mit einer intuitionistischen Position möglich. Denkbar ist auch eine Verbindung der konsenstheoretischen Position mit einer utilitaristischen Position, wenn man annimmt, dass sich ein Konsens über die richtige Norm nur dann herstellen lässt, wenn dabei der Nutzen (das Wohl) jedes Individuums in gleicher Weise berücksichtigt wird.</p><p>Außerdem ist zu beachten: Einige dieser Ansätze haben ausdrücklich nicht den Anspruch, umfassende ethische Konzepte zu sein, sondern z.&nbsp;B. nur Konzepte für die Beurteilung, ob eine Gesellschaft in politisch-ökonomischer Hinsicht gerecht eingerichtet ist; z.&nbsp;B. bei John Rawls, im Unterschied zu umfassenderen Ansätzen, die auch Fragen privater, individueller Ethik betreffen – etwa, ob es eine moralische Pflicht gibt, zu lügen, wenn genau dies notwendig ist, um ein Menschenleben zu retten (und wenn ohne diese Lüge niemand sonst stattdessen gerettet würde). Auch z.&nbsp;B. Habermas beantwortet diese Frage nicht „inhaltlich“, aber sein Konzept beinhaltet den Bereich auch solcher Fragen, indem es „formal“ postuliert, richtig sei, was in dieser Frage alle, die an einem zwanglosen und zugleich vernünftigen Diskurs dazu teilnehmen würden, als verbindlich für alle dazu herausfinden und akzeptieren würden.</p>
=== <span id="Inhaltliche_Richtigkeit_und_formale_Verbindlichkeit_von_Normen">Inhaltliche Richtigkeit und formale Verbindlichkeit von Normen</span> ===
<p>Wenn man fragt, warum Individuum A eine bestimmte Handlungsnorm N befolgen soll, so gibt es zwei Arten von Antworten.</p><p>Die eine Art von Antworten bezieht sich auf ''eine Institution oder ein Verfahren, wodurch die Norm gesetzt wurde''. Beispiele hierfür sind:</p><p>A soll N befolgen, weil …</p>


*… A dies versprochen hat,
Die aufgelisteten Positionen liegen auf unterschiedlichen logischen Ebenen und schließen sich deshalb auch nicht logisch aus. So ist z.&nbsp;B. die Verbindung einer religiösen Position mit einer intuitionistischen Position möglich. Denkbar ist auch eine Verbindung der konsenstheoretischen Position mit einer utilitaristischen Position, wenn man annimmt, dass sich ein Konsens über die richtige Norm nur dann herstellen lässt, wenn dabei der Nutzen (das Wohl) jedes Individuums in gleicher Weise berücksichtigt wird.
*… der Verstorbene dies in seinem Testament so festgelegt hat,
 
*… das geltende Recht dies vorschreibt,
Außerdem ist zu beachten: Einige dieser Ansätze haben ausdrücklich nicht den Anspruch, umfassende ethische Konzepte zu sein, sondern z.&nbsp;B. nur Konzepte für die Beurteilung, ob eine Gesellschaft in politisch-ökonomischer Hinsicht gerecht eingerichtet ist; z.&nbsp;B. bei John Rawls, im Unterschied zu umfassenderen Ansätzen, die auch Fragen privater, individueller Ethik betreffen – etwa, ob es eine moralische Pflicht gibt, zu lügen, wenn genau dies notwendig ist, um ein Menschenleben zu retten (und wenn ohne diese Lüge niemand sonst stattdessen gerettet würde). Auch z.&nbsp;B. Habermas beantwortet diese Frage nicht „inhaltlich“, aber sein Konzept beinhaltet den Bereich auch solcher Fragen, indem es „formal“ postuliert, richtig sei, was in dieser Frage alle, die an einem zwanglosen und zugleich vernünftigen Diskurs dazu teilnehmen würden, als verbindlich für alle dazu herausfinden und akzeptieren würden.
*… der Eigentümer es so will,
 
*… es mehrheitlich so beschlossen wurde etc.
=== Inhaltliche Richtigkeit und formale Verbindlichkeit von Normen ===
<p>Die andere Art von Antworten bezieht sich auf ''die inhaltliche Beschaffenheit der Norm''. Beispiele für diese Art von Antworten sind:</p><p>A soll N befolgen, weil …</p>
Wenn man fragt, warum Individuum A eine bestimmte Handlungsnorm N befolgen soll, so gibt es zwei Arten von Antworten.


*… N gerecht ist,
Die eine Art von Antworten bezieht sich auf ''eine Institution oder ein Verfahren, wodurch die Norm gesetzt wurde''. Beispiele hierfür sind:
*… N für alle das Beste ist,
*… die Befolgung von N zum größten Wohl aller führt,
*… N der Menschenwürde entspricht etc.
<p>Offensichtlich liegen diese Begründungen auf zwei verschiedenen Ebenen, denn man kann ohne logischen Widerspruch sagen: „Ich halte den Beschluss der Parlamentsmehrheit zwar für inhaltlich falsch, aber dennoch ist er für mich verbindlich. Als Demokrat respektiere ich die Beschlüsse der Mehrheit.“</p><p>Man kann die ethischen Theorien nun danach unterscheiden, wie sie mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Ebene der verfahrensmäßigen Setzung von verbindlichen Normen und der Ebene der argumentativen Bestimmung von richtigen Normen umgehen.</p><p>Auf der einen Seite stehen ganz außen die ''Dezisionisten''. Für sie ist nur die verbindliche Setzung von Normen bedeutsam. Sie bestreiten, dass man in Bezug auf Normen überhaupt von inhaltlicher Richtigkeit und von einer Erkenntnis der richtigen Norm sprechen kann.</p><p>Das Hauptproblem der Dezisionisten ist, dass es für sie keine Berechtigung für einen Widerstand gegen die gesetzten Normen geben kann, denn „verbindlich ist verbindlich“. Außerdem können Dezisionisten nicht begründen, warum man das eine Normsetzungsverfahren irgendeinem anderen Verfahren vorziehen soll.</p><p>Auf der anderen Seite stehen ganz außen die ethischen ''Kognitivisten''. Für sie ist das Problem ethischen Handelns allein ein Erkenntnisproblem, das man durch die Gewinnung relevanter Informationen und deren Auswertung nach geeigneten Kriterien lösen kann. Eine Legitimation von Normen durch Verfahren ist für sie nicht möglich.</p><p>Das Hauptproblem der Kognitivisten ist, dass es auch beim wissenschaftlichen Meinungsstreit oft nicht zu definitiven Erkenntnissen kommt, die als Grundlage der sozialen Koordination dienen könnten. Es werden deshalb zusätzlich verbindliche und sanktionierte Normen benötigt, die für jedes Individuum das Handeln der anderen berechenbar macht.</p>
== <span id="Erkenntnistheoretische_und_metaphysische_Probleme_der_Ethik">Erkenntnistheoretische und metaphysische Probleme der Ethik</span> ==
=== <span id="Sein_und_Sollen">Sein und Sollen</span> ===
<p>Teleologische Ethiken sind in der Regel Güter-Ethiken; sie bezeichnen bestimmte Güter (z.&nbsp;B. „Glück“ oder „Lust“) als für den Menschen gut und damit erstrebenswert.</p><p>Schon [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hume David Hume] hat den Einwand erhoben, dass der Übergang von Seins- zu Sollensaussagen nicht legitim sei („[https://de.wikipedia.org/wiki/Humes_Gesetz Humes Gesetz]“). Unter dem Stichwort „[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalistischer_Fehlschluss Naturalistischer Fehlschluss]“ hat [https://de.wikipedia.org/wiki/George_Edward_Moore George Edward Moore] damit eng verwandte Fragen aufgeworfen, die aber genau genommen nicht dieselben sind.</p><p>Hume kritisiert an den ihm bekannten Moralsystemen,</p>


<span></span><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„… daß mir anstatt der üblichen Verbindungen von Worten mit ‚ist‘ und ‚ist nicht‘ kein Satz mehr begegnet, in dem nicht ein ‚sollte‘ oder ‚sollte nicht‘ sich fände. […] Dies sollte und sollte nicht drückt eine neue Beziehung oder Behauptung aus, muß also notwendigerweise betrachtet und erklärt werden. Gleichzeitig muß ein Grund angegeben werden für etwas, das sonst ganz unbegreiflich scheint, nämlich dafür, wie diese neue Beziehung zurückgeführt werden kann auf andere, die von ihr ganz verschieden sind.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Hume</span>: <cite>Traktat über die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Menschliche_Natur&action=edit&redlink=1 menschliche Natur]. III, 1, 1.</cite></div></div><p>Für Hume sind logische Schlussfolgerungen von dem, was ist, auf das, was sein soll, unzulässig, denn durch logische Umformungen könne aus Ist-Sätzen kein völlig neues Bedeutungselement wie das Sollen hergeleitet werden.</p><p>Wie später die [https://de.wikipedia.org/wiki/Positivisten Positivisten] betont haben, muss erkenntnistheoretisch zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wegen ihres unterschiedlichen Verhältnisses zur Sinneswahrnehmung differenziert werden. Während der Satz „Peter ist um 14 Uhr am Bahnhof gewesen“ durch intersubjektiv übereinstimmende Beobachtungen überprüfbar, also verifizierbar oder falsifizierbar ist, lässt sich der Satz „Peter soll um 14 Uhr am Bahnhof sein“ mit den Mitteln von Beobachtung und Logik allein nicht begründen oder widerlegen.</p><p>Die erkenntnistheoretische Unterscheidung zwischen Sein und Sollen liegt den modernen Erfahrungswissenschaften zugrunde. Wer diese Unterscheidung nicht akzeptiert, der muss entweder ein Sein postulieren, das nicht direkt oder indirekt wahrnehmbar ist, oder er muss das Gesollte für sinnlich wahrnehmbar halten. Beiden Positionen mangelt es bisher an einer intersubjektiven Nachprüfbarkeit.</p><p>Die vermeintliche Herleitung ethischer Normen aus Aussagen über das Seiende wird oft nur durch die unbemerkte Ausnutzung der normativ-empirischen Doppeldeutigkeit von Begriffen wie „Wesen“, „Natur“, „Bestimmung“, „Funktion“, „Zweck“, „Sinn“ oder „Ziel“ erreicht.</p><p>So bezeichnet das Wort „Ziel“ einmal das, was ein Mensch ''tatsächlich anstrebt'' („Sein Ziel ist das Diplom“). Das Wort kann jedoch auch das bezeichnen, was ein Mensch ''anstreben sollte'' („Wer nur am Materiellen ausgerichtet ist, der verfehlt das wahre Ziel des menschlichen Daseins“).</p><p>Die unbemerkte empirisch-normative Doppeldeutigkeit bestimmter Begriffe führt dann zu logischen Fehlschlüssen wie: „Das Wesen der Sexualität ist die Fortpflanzung. Also ist Empfängnisverhütung nicht erlaubt, denn sie entspricht nicht dem Wesen der Sexualität.“</p><p>Aus der logischen Unterscheidung von Sein und Sollen folgt jedoch keineswegs, dass damit eine auf Vernunft gegründete Ethik unmöglich ist, wie dies sowohl von Vertretern des logischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirismus Empirismus] als auch des [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus Idealismus] geäußert wird. Zwar ließe sich allein auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirie Empirie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] keine Ethik gründen, aber daraus folgt noch nicht, dass es nicht andere allgemein nachvollziehbare Kriterien für die Gültigkeit ethischer Normen gibt. Ein aussichtsreiches Beispiel für eine nachpositivistische Ethik ist die am Kriterium des zwangfreien Konsenses orientierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Diskursethik Diskursethik].</p><p>Mit der Feststellung, dass das Gesollte nicht aus dem Seienden logisch ableitbar ist, wird eine Begründung von Normen noch nicht aussichtslos. Denn neben den Seinsaussagen und den normativen Sätzen gibt es Willensäußerungen. Die Willensäußerung einer Person: „Ich will in der nächsten Stunde von niemandem gestört werden“ beinhaltet die Norm: „Niemand soll mich in der nächsten Stunde stören“. Die Aufgabe der Ethik ist es, allgemeingültige Willensinhalte bzw. Normen zu bestimmen und nachvollziehbar zu begründen.</p><p>Die logische Unterscheidung zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wird vor allem von Vertretern idealistischer Positionen als eine unzulässige Trennung von Sein und Sollen angesehen und es wird eingewandt, dass ihr ein verkürzter Seinsbegriff zugrunde liege. So argumentiert [https://de.wikipedia.org/wiki/Vittorio_H%C3%B6sle Vittorio Hösle], das Sollen könne nur vom realen, empirischen Sein strikt abgegrenzt werden, „... ein ideales Sein, das nicht vom Menschen gesetzt ist, wird dem Sollen damit ebenso wenig abgesprochen wie eine mögliche Prinzipiierungsfunktion gegenüber dem empirischen Sein“.<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-19 [19]]</sup> Es könne gerade als Aufgabe des Menschen angesehen werden, „damit fertig zu werden, dass das Sein nicht so ist, wie es sein soll“.<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-20 [20]]</sup> Das Gesollte solle eben sein und sei als solches bereits Prinzip des Seins:</p>
A soll N befolgen, weil …


<span></span><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Aber wenn das Projekt der Ethik einen Sinn haben soll, dann muß das Sein in einer bestimmten Weise strukturiert sein: Es muß Wesen enthalten, die zumindest der Erkenntnis des Sollens fähig sind, ja in denen diese Erkenntnis – bei allen Widerständen durch verschiedene Interessen – nicht ohne Einfluß auf ihr Handeln ist. Daß aus der Geltung des Sollens Annahmen über die Wirklichkeit folgen, ist eine keineswegs triviale Annahme und m.&nbsp;E. nur im Rahmen eines objektiven Idealismus zu begreifen, nach dem das faktische Sein durch ideale Strukturen wenigstens zum Teil prinzipiert ist.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Hösle</span>: <cite>Moral und Politik, S. 241f</cite></div></div><p>Die Möglichkeit einer teleologischen Ethik scheint mit der logischen Unterscheidung von Seins- und Sollens-Aussagen grundsätzlich in Frage gestellt. Aus Sicht der klassischen Position des [https://de.wikipedia.org/wiki/Realismus_(Philosophie) Realismus]bezüglich der Ethik, insbesondere des Naturrechts, ist es aber gerade das Sein, aus dem das Sollen abgeleitet werden muss, da es (außer dem Nichts) zum Sein keine Alternative gibt. Weil das Gute das Seinsgerechte, also das dem jeweiligen Seienden gerechte bzw. entsprechende ist, muss demnach das Wesen des Seins zunächst erkannt und aus ihm die Forderung des Sollens (ihm gegenüber) logisch abgeleitet werden.</p>
* … A dies versprochen hat,
=== <span id="Das_Problem_des_Bösen">Das Problem des Bösen</span> ===
* … der Verstorbene dies in seinem Testament so festgelegt hat,
<p>Trotz der teilweise apokalyptischen geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts wird der Begriff „[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_B%C3%B6se böse]“ in der Umgangssprache nur noch selten gebraucht. Stattdessen werden meist die Begriffe „schlecht“ („ein schlechter Mensch“) oder „falsch“ („die Handlung war falsch“) verwendet. Das Wort „böse“ gilt im gegenwärtigen Bewusstsein generell als metaphysikverdächtig und aufgrund der allgemeinen Dominanz des naturwissenschaftlichen Denkens als überholt.</p><p>In der philosophischen Tradition wird das Böse als eine Form des [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_%C3%9Cbel Übels] betrachtet. Klassisch geworden ist die Unterscheidung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Leibniz] zwischen einem metaphysischen (malum metaphysicum), einem physischen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Malum_physicum malum physicum]) und einem moralischen Übel ([https://de.wikipedia.org/wiki/Malum_morale malum morale]). Das metaphysische Übel besteht in der Unvollkommenheit alles Seienden, das physische Übel in Schmerz und Leid. Diese Übel sind Widrigkeiten, die ihren Ursprung in der Natur haben. Sie sind nicht „böse“, da sie nicht das Ergebnis des (menschlichen oder allgemeiner gesagt geistigen) Willens sind. Das moralische Übel oder das Böse hingegen besteht in der Nicht-Übereinstimmung einer Handlung mit dem Sittengesetz bzw. Naturrecht. Es kann, wie Kant betont, nur „die Handlungsart, die Maxime des Willens und mithin die handelnde Person selbst“ böse sein.<sup id="cite_ref-21" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-21 [21]]</sup> Das Böse ist also als Leistung oder besser Fehlleistung des Subjekts zu verstehen.</p>
* … das geltende Recht dies vorschreibt,
==== <span id="Reduktionistische_Erklärungsversuche">Reduktionistische Erklärungsversuche</span> ====
* … der Eigentümer es so will,
<p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verhaltensforschung Verhaltensforschung] führt das Böse auf die allgemeine „Tatsache“ der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aggression Aggression] zurück. Diese sei einfachhin ein Bestandteil der menschlichen Natur und als solcher moralisch irrelevant. Daher spricht [https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz Konrad Lorenz] auch vom „sogenannten Bösen“. Dieser Erklärung wird von Kritikern eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Reduktionismus reduktionistische] Betrachtungsweise vorgeworfen. Sie übersehe, dass dem Menschen auf der Grundlage der Freiheit die Möglichkeit gegeben ist, zu seiner eigenen Natur Stellung zu nehmen.<sup id="cite_ref-22" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-22 [22]]</sup></p><p>In der Philosophie stellte sich bereits Platon die Frage, wie das Böse überhaupt möglich sei. Das Böse werde nur getan, weil jemand im irrtümlichen Glauben annimmt, er (oder jemand) habe einen Nutzen davon. Somit wolle er aber den mit dem Bösen verbundenen Nutzen. Das Böse um seiner selbst willen könne niemand vernünftigerweise wollen:<sup id="cite_ref-23" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-23 [23]]</sup></p>
* … es mehrheitlich so beschlossen wurde etc.


<span></span><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Sokrates: ''So ist denn doch klar, daß diejenigen, welche es nicht kennen, nicht das Böse begehren, sondern vielmehr das, was sie für gut halten, während es böse ist; so daß diejenigen, welche es nicht kennen und es für gut halten, offenbar eigentlich das Gute begehren. Oder nicht?''<br>Sokrates: ''Und weiter: Diejenigen, welche das Böse begehren, wie du behauptest, während sie doch glauben, daß das Böse dem schade, welchem es zuteil wird, erkennen doch wohl, daß sie von ihm Schaden nehmen werden?''<br>Menon: ''Notwendig.''<br>Sokrates: ''Diese aber, halten sie nicht die, welche Schaden leiden, für elend, sofern sie Schaden leiden?''<br>Menon: ''Notwendig auch das.''<br>Sokrates: ''Halten sie die Elenden aber nicht für unglücklich?''<br>Menon: ''Ich meine doch.''<br>Sokrates: ''Gibt es nun einen Menschen, welcher elend und unglücklich sein will?''<br>Menon: ''Ich denke nicht, Sokrates.''<br>Sokrates: ''Niemand also will das Böse, Menon; wenn anders er nicht ein solcher sein will. Denn was heißt elend sein anders, als das Böse begehren und es besitzen?''“</p></blockquote></div></div>
Die andere Art von Antworten bezieht sich auf ''die inhaltliche Beschaffenheit der Norm''. Beispiele für diese Art von Antworten sind:
==== <span id="Nicht-reduktionistische_Erklärungsversuche">Nicht-reduktionistische Erklärungsversuche</span> ====
<p>Dieses in der Antike noch weit verbreitete Verständnis, das Böse ließe sich durch die Vernunft überwinden, wird allerdings durch die geschichtlichen Erfahrungen, insbesondere die des 20. Jahrhunderts in Frage gestellt. Diese lehren in den Augen vieler Philosophen der Gegenwart, dass der Mensch durchaus im Stande sei, das Böse auch um seiner selbst willen zu wollen.</p><p>Als Motiv für das Böse kann zunächst einmal der Egoismus ausgemacht werden. Er äußert sich in vielen Spielarten. In seiner harmlosen Variante zeigt er sich im Ideal einer selbstbezogenen Bedürfnisbefriedigung. In dieser Form stellt er letztlich auch die „Vertragsgrundlage“ des Utilitarismus dar, der nichts anderes als einen Interessensausgleich zwischen den Individuen schaffen möchte. Dieser Aspekt trifft – wie die geschichtliche Erfahrung zeigt – noch nicht den eigentlichen Kern des Bösen. Dieser wird erst dann sichtbar, wenn die eigene Bedürfnisbefriedigung nicht mehr im Vordergrund steht:</p>


<span></span><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Die eigentliche Struktur des Bösen aber […] zeigt sich erst dort, wo dieser utilitaristische Bezug nicht leitend ist, sondern die zwecklose, ja sogar widersinnige Freude an der reinen Destruktion vorherrscht. Erst hier entdeckt man die unheimlichen Züge des menschlichen Ich: der Machtrausch der Zerstörung genießt“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Schulz</span>: <cite>''Philosophie in der veränderten Welt.'' S. 725.</cite></div></div><p>Die Ursache dieses „radikal Bösen“ ist nach Kant weder in der Sinnlichkeit noch in der Vernunft zu sehen, sondern in einer „Verkehrtheit des Herzens“, in der sich das Ich gegen sich selbst wendet:</p>
A soll N befolgen, weil …


<span></span><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Die Bösartigkeit der menschlichen Natur ist also nicht sowohl Bosheit, wenn man dieses Wort in strenger Bedeutung nimmt, nämlich als eine Gesinnung (subjektives Prinzip der Maximen), das Böse als Böses zur Triebfeder in seine Maxime aufzunehmen (denn die ist teuflisch); sondern vielmehr Verkehrtheit des Herzens, welches nun, der Folge wegen, auch ein böses Herz heißt, zu nennen.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Kant</span>: <cite>''Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft.'' S. 686</cite></div></div><p>Dieser Grundgedanke Kants von der Selbstwidersprüchlichkeit des Ichs als Ursache des Bösen wird vor allem in der Philosophie des [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus_(Philosophie) Idealismus] noch einmal vertieft. [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Schelling] unterscheidet zwischen einem alle Bindung verneinenden „Eigenwillen“ und einem sich in Beziehungen gestaltenden „Universalwillen“. Die Möglichkeit zum Bösen bestehe darin, dass der Eigenwille sich seiner Integration in den Universalwillen widersetzt.</p>
* … N gerecht ist,
* … N für alle das Beste ist,
* … die Befolgung von N zum größten Wohl aller führt,
* … N der Menschenwürde entspricht etc.


<span></span><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Das Prinzip, sofern es aus dem Grunde stammt und dunkel ist, ist der Eigenwille der Kreatur, der aber, sofern er noch nicht zur vollkommenen Einheit mit dem Licht (als Prinzip des Verstandes) erhoben ist (es nicht faßt), bloße Sucht oder Begierde, d.&nbsp;h. blinder Wille ist. Diesem Eigenwillen der Kreatur steht der Verstand als Universalwille entgegen, der jenen gebraucht und als bloßes Werkzeug sich unterordnet.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Friedrich Wilhelm Joseph Schelling]</span>: <cite>''Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände.'' S. 459</cite></div></div><p>Das radikal Böse bewirke einen Umsturz der Ordnung in mir selbst und in Bezug zu anderen. Es erfolge um seiner selbst willen, denn „wie es einen Enthusiasmus zum Guten gibt, ebenso gibt es eine Begeisterung des Bösen“.<sup id="cite_ref-24" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-24 [24]]</sup></p><p>Nach der klassischen Lehre (Augustinus, Thomas von Aquin etc.) ist das Böse selbst letztlich substanzlos. Als [https://de.wikipedia.org/wiki/Privation privativer] Gegensatz des Guten besteht es nur in einem Mangel (an [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein Sein] bzw. an Gutem). Im Gegensatz zum absolut Guten (Gott) gibt es demnach das absolut Böse nicht.</p>
Offensichtlich liegen diese Begründungen auf zwei verschiedenen Ebenen, denn man kann ohne logischen Widerspruch sagen: „Ich halte den Beschluss der Parlamentsmehrheit zwar für inhaltlich falsch, aber dennoch ist er für mich verbindlich. Als Demokrat respektiere ich die Beschlüsse der Mehrheit.“
== <span id="Durchsetzungsproblem">Durchsetzungsproblem</span> ==
<p>Das Durchsetzungsproblem der Ethik besteht darin, dass die Einsicht in die Richtigkeit ethischer Prinzipien zwar vorhanden sein kann, daraus aber nicht automatisch folgt, dass der Mensch auch im ethischen Sinne handelt. Die Einsicht in das richtige Handeln bedarf einer zusätzlichen Motivation oder eines Zwangs.<sup id="cite_ref-25" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-25 [25]]</sup></p><p>Das Problem erklärt sich daraus, dass die Ethik einerseits und das menschliche Eigeninteresse als Egoismus andererseits oft einen Gegensatz bilden.<sup id="cite_ref-26" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-26 [26]]</sup> Das Durchsetzungsproblem gewinne zudem durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Globalisierung Globalisierung] eine neue Dimension, die zu einer ''Ethik der Neomoderne'' führe.</p>
=== <span id="Beispiel">Beispiel</span> ===
<p>Die Tatsache, dass die Menschen im Land X Hunger leiden und ihnen geholfen werden sollte, ja es moralisch geboten erscheint ihnen zu helfen, wird niemand bestreiten. Die Einsicht es auch zu tun, einen Großteil seines Vermögens dafür herzugeben, wird es im nennenswerten Umfang erst geben, wenn eine zusätzliche Motivation auftaucht, etwa die Gefahr einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Migration Migration] wegen Hungers ins eigene Land unmittelbar bevorsteht.</p><p>Das Durchsetzungsproblem zeigt sich auf andere Weise auch in der Erziehung, etwa wenn fest verinnerlichte Verhaltensregeln später auf entwickelte ethische Prinzipien stoßen.<sup id="cite_ref-27" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-27 [27]]</sup></p>
=== <span id="Lösungsansätze">Lösungsansätze</span> ===
<p>Erkenntnisse der [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolution%C3%A4re_Spieltheorie Evolutionären Spieltheorie]<sup id="cite_ref-28" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-28 [28]]</sup> lassen Rückschlüsse darauf zu, dass das Durchsetzungsproblem durch Selbstdurchdringung gelöst werden kann. Diese Auffassung vertraten zuerst Vertreter der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Institutionen%C3%B6konomik Neuen Institutionenökonomik]. So wiesen Eirik Furubotn und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Richter_(Wirtschaftswissenschaftler) Rudolf Richter] darauf hin, dass der Aufbau einer Reputation eine dominate Spielstrategie sein kann.<sup id="cite_ref-29" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik#cite_note-29 [29]]</sup></p>
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
<span></span><div class="noprint"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true">[https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Portal.svg]</div>'''[https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Philosophie Portal: Philosophie]'''&nbsp;– Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Philosophie</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Metaethik Metaethik]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeitstheorien Gerechtigkeitstheorien]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_bekannter_Ethiker Liste bekannter Ethiker]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Ethik-Modelle Liste der Ethik-Modelle]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethische_Bewegung Ethische Bewegung]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethisches_Dilemma Ethisches Dilemma]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Welfarismus Welfarismus]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/White-Professur_f%C3%BCr_Moralphilosophie White-Professur für Moralphilosophie]


== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
Man kann die ethischen Theorien nun danach unterscheiden, wie sie mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Ebene der verfahrensmäßigen Setzung von verbindlichen Normen und der Ebene der argumentativen Bestimmung von richtigen Normen umgehen.
<p>'''[https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Philosophie/Philosophiebibliographie#Ethik Philosophiebibliographie: Ethik]''' – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema</p>
;Einführungen


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Anzenbacher Arno Anzenbacher]: ''Einführung in die Ethik.'' 3. Auflage. Patmos, Düsseldorf 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3491690285 ISBN 3-491-69028-5] (gut lesbare Einführung)
Auf der einen Seite stehen ganz außen die ''Dezisionisten''. Für sie ist nur die verbindliche Setzung von Normen bedeutsam. Sie bestreiten, dass man in Bezug auf Normen überhaupt von inhaltlicher Richtigkeit und von einer Erkenntnis der richtigen Norm sprechen kann.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Birnbacher Dieter Birnbacher]: ''Analytische Einführung in die Ethik.'' De Gruyter, Berlin u. a. 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110176254 ISBN 3-11-017625-4] (systematische Darstellung der normativen Ethik aus Sicht eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Analytische_Philosophie analytischen Philosophen]; moderne Ansätze stehen im Vordergrund)
*Dagmar Fenner: ''Ethik. Wie soll ich handeln?'' UTB, Stuttgart 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825229894 ISBN 978-3-8252-2989-4] (gut strukturierte Einführung, etwas schulbuchhaft)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dietmar_H%C3%BCbner Dietmar Hübner]: ''Einführung in die philosophische Ethik''. UTB, 2. Aufl., Göttingen 2018, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825249915 ISBN 978-3-8252-4991-5] (klare Systematik mit historischen Vertiefungen)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Annemarie_Pieper Annemarie Pieper]: ''Einführung in die Ethik.'' 5. Auflage. Francke, Tübingen u. a. 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825216373 ISBN 3-8252-1637-3], [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3772016987 ISBN 3-7720-1698-7] (vielzitierte Einführung in die Ethik)
*Louis P. Pojman, James Fieser: ''Ethics. Discovering Right and Wrong.'' Wadsworth Pub. 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780495502357 ISBN 978-0-495-50235-7]. (exzellente, sehr klare, oft als Lehrbuch verwendete erste Einführung) [http://academic.cengage.com/resource_uploads/downloads/0495502359_124757.doc (Inhaltsverzeichnis)] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Word MS Word]; 177&nbsp;kB)
*''[https://de.wikipedia.org/wiki/Der_blaue_Reiter_(Zeitschrift) Der blaue reiter. Journal für Philosophie]. Themenheft: Ethik.'' Nr. 3, 1995. Verlag der blaue reiter, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783980400527 ISBN 978-3-9804005-2-7].
*Karl Hepfer. ''Philosophische Ethik. Eine Einführung.'' Göttingen 2008 (UTB 3117), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825231170 ISBN 978-3-8252-3117-0] (Sehr übersichtliche und gut lesbare Darstellung aller gängigen Begründungsmodelle)
*Michael Quante: ''Einführung in die allgemeine Ethik.'' Darmstadt 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3534154649 ISBN 3-534-15464-9] (lehrbuchartig aufgebautes Werk mit Zusammenfassungen, Lektürehinweisen und Übungen am Ende jedes Kapitels; geht ausführlich auf metaethische Fragen ein)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Reiner Hans Reiner]: ''Ethik. Eine Einführung.'' Studienausgabe, PAIS-Verlag, Oberried 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783931992279 ISBN 978-3-931992-27-9] (gut verständliche Einführung)
*Andreas Vieth: ''Einführung in die Philosophische Ethik.'' Münster/ München 2015, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783738026580 ISBN 978-3-7380-2658-0], [http://ethik.philosovieth.de/ PDF] (themenorientiert, metaethisch, visuelle Themenaufbereitung, Lehrbuch)


;Gesamtdarstellungen
Das Hauptproblem der Dezisionisten ist, dass es für sie keine Berechtigung für einen Widerstand gegen die gesetzten Normen geben kann, denn „verbindlich ist verbindlich“. Außerdem können Dezisionisten nicht begründen, warum man das eine Normsetzungsverfahren irgendeinem anderen Verfahren vorziehen soll.


*Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, [https://de.wikipedia.org/wiki/Micha_Werner Micha H. Werner] (Hrsg.): ''Handbuch Ethik.'' 2. akt. Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476021246 ISBN 3-476-02124-6] (derzeit das Standardhandbuch zur Ethik; enthält einen historischen und einen begrifflichen Teil; breite Berücksichtigung der aktuellen Diskussion; zum Teil sehr anspruchsvoll)
Auf der anderen Seite stehen ganz außen die ethischen ''Kognitivisten''. Für sie ist das Problem ethischen Handelns allein ein Erkenntnisproblem, das man durch die Gewinnung relevanter Informationen und deren Auswertung nach geeigneten Kriterien lösen kann. Eine Legitimation von Normen durch Verfahren ist für sie nicht möglich.
*Hugh LaFollette (Hrsg.): ''Blackwell Guide to Ethical Theory.'' Blackwell, Oxford 2000. ([http://www.hughlafollette.com/papers/b-guide.htm Inhaltsverzeichnis])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedo_Ricken Friedo Ricken]: ''Allgemeine Ethik.'' 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170179489 ISBN 3-17-017948-9] (sehr fundiert und anspruchsvoll; versucht eine Synthese aus Aristotelischen und Kantischen Ansätzen mit Anleihen aus der analytischen Philosophie)
*Hugh LaFollette (Hrsg.): ''Ethics in Practice: An Anthology.'' 4. Auflage. Wiley-Blackwell, Oxford 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780470671832 ISBN 978-0-470-67183-2].


;Lexika und Grundbegriffe
Das Hauptproblem der Kognitivisten ist, dass es auch beim wissenschaftlichen Meinungsstreit oft nicht zu definitiven Erkenntnissen kommt, die als Grundlage der sozialen Koordination dienen könnten. Es werden deshalb zusätzlich verbindliche und sanktionierte Normen benötigt, die für jedes Individuum das Handeln der anderen berechenbar macht.


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_H%C3%B6ffe Otfried Höffe] (Hrsg.): ''Lexikon der Ethik.'' 6. Auflage. Beck, München 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406475868 ISBN 3-406-47586-8] (das Standardlexikon zur Einführung in die Begriffe der Ethik)
== Erkenntnistheoretische und metaphysische Probleme der Ethik ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Schweppenh%C3%A4user Gerhard Schweppenhäuser]: ''Grundbegriffe der Ethik zur Einführung.'' 2. Auflage. Junius, Hamburg 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3885066327 ISBN 3-88506-632-7] (konzentriert sich auf die Behandlung zentraler Grundbegriffe der Ethik)
=== Sein und Sollen ===
Teleologische Ethiken sind in der Regel Güter-Ethiken; sie bezeichnen bestimmte Güter (z.&nbsp;B. „Glück“ oder „Lust“) als für den Menschen gut und damit erstrebenswert.


;Ethik in der Wissenschaft
Schon [[David Hume]] hat den Einwand erhoben, dass der Übergang von Seins- zu Sollensaussagen nicht legitim sei („[[Humes Gesetz]]“). Unter dem Stichwort „[[Naturalistischer Fehlschluss]]“ hat [[George Edward Moore]] damit eng verwandte Fragen aufgeworfen, die aber genau genommen nicht dieselben sind.


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Lenk_(Philosoph) Hans Lenk] (Hrsg.): ''Wissenschaft und Ethik'', Philipp Reclam jun., Stuttgart 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3150086981 ISBN 3-15-008698-1].
Hume kritisiert an den ihm bekannten Moralsystemen,
{{Zitat
|Text=… daß mir anstatt der üblichen Verbindungen von Worten mit ‚ist‘ und ‚ist nicht‘ kein Satz mehr begegnet, in dem nicht ein ‚sollte‘ oder ‚sollte nicht‘ sich fände. […] Dies sollte und sollte nicht drückt eine neue Beziehung oder Behauptung aus, muß also notwendigerweise betrachtet und erklärt werden. Gleichzeitig muß ein Grund angegeben werden für etwas, das sonst ganz unbegreiflich scheint, nämlich dafür, wie diese neue Beziehung zurückgeführt werden kann auf andere, die von ihr ganz verschieden sind.
|Autor=Hume
|Quelle=Traktat über die [[menschliche Natur]]. III, 1, 1.}}


== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
Für Hume sind logische Schlussfolgerungen von dem, was ist, auf das, was sein soll, unzulässig, denn durch logische Umformungen könne aus Ist-Sätzen kein völlig neues Bedeutungselement wie das Sollen hergeleitet werden.
<div class="sisterproject">'''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Ethics?uselang=de <span lang="en">Commons</span>: Ethik]</span>'''&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateie
'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Ethik Wiktionary: Ethik]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzunge
'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Ethik Wikiquote: Ethik]'''&nbsp;– Zitate</div>
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4015602-3 Literatur von und über Ethik] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Brodbeck Karl-Heinz Brodbeck]: ''[https://web.archive.org/web/20130614183131/http://193.174.81.9/professoren/bwl/brodbeck/ethik/bro-moral.pdf Ethik und Moral. eine kritische Einführung.] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] vom 14. Juni 2013 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]'')'' (PDF; 1,5&nbsp;MB) Verlag BWT, Würzburg 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3980869318 ISBN 3-9808693-1-8]. (Freies, einführendes E-Book)
*Roger Crisp: [http://www.rep.routledge.com/article/L132 ''Ethics.''] In: E. Craig (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Routledge_Encyclopedia_of_Philosophy Routledge Encyclopedia of Philosophy].'' London 1998.
*James Fieser:&nbsp;[https://www.iep.utm.edu/e/ethics.htm ''Ethics.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''.
*Henry S. Richardson:&nbsp;[https://plato.stanford.edu/archives/fall2018/entries/reasoning-moral/ ''Moral Reasoning.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]'',&nbsp;2018.


== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
Wie später die [[Positivisten]] betont haben, muss erkenntnistheoretisch zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wegen ihres unterschiedlichen Verhältnisses zur Sinneswahrnehmung differenziert werden. Während der Satz „Peter ist um 14 Uhr am Bahnhof gewesen“ durch intersubjektiv übereinstimmende Beobachtungen überprüfbar, also verifizierbar oder falsifizierbar ist, lässt sich der Satz „Peter soll um 14 Uhr am Bahnhof sein“ mit den Mitteln von Beobachtung und Logik allein nicht begründen oder widerlegen.


#<span class="reference-text">Cicero: ''De fato'' 1; ''Moral, moralisch, Moralphilosophie.'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_W%C3%B6rterbuch_der_Philosophie Historisches Wörterbuch der Philosophie].'' Band 6, S. 149.</span>
Die erkenntnistheoretische Unterscheidung zwischen Sein und Sollen liegt den modernen Erfahrungswissenschaften zugrunde. Wer diese Unterscheidung nicht akzeptiert, der muss entweder ein Sein postulieren, das nicht direkt oder indirekt wahrnehmbar ist, oder er muss das Gesollte für sinnlich wahrnehmbar halten. Beiden Positionen mangelt es bisher an einer intersubjektiven Nachprüfbarkeit.
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Cathrein Viktor Cathrein]: ''Moralphilosophie. Eine wissenschaftliche Darlegung der sittlichen, einschließlich der rechtlichen Ordnung.'' 2 Bände, 5., neu durchgearbeitete Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1911, S. 1–6 (''Begriff der Moralphilosophie'').</span>
 
#<span class="reference-text">Brockhaus Enzyklopädie, 19 Aufl., (1988), Bd. 6, S. 600.</span>
Die vermeintliche Herleitung ethischer Normen aus Aussagen über das Seiende wird oft nur durch die unbemerkte Ausnutzung der normativ-empirischen Doppeldeutigkeit von Begriffen wie „Wesen“, „Natur“, „Bestimmung“, „Funktion“, „Zweck“, „Sinn“ oder „Ziel“ erreicht.
#<span class="reference-text">Vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/A_Greek-English_Lexicon A Greek-English Lexicon] 9. A. (1996), S. 480.766.</span>
 
#<span class="reference-text">Viktor Cathrein: ''Moralphilosophie. Eine wissenschaftliche Darlegung der sittlichen, einschließlich der rechtlichen Ordnung.'' 2 Bände, 5., neu durchgearbeitete Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1911, S. 17–27 (''Geschichte der Moralphilosophie''), hier: S. 24 f., und S. 27 (''Einteilung der Moralphilosophie'').</span>
So bezeichnet das Wort „Ziel“ einmal das, was ein Mensch ''tatsächlich anstrebt'' („Sein Ziel ist das Diplom“). Das Wort kann jedoch auch das bezeichnen, was ein Mensch ''anstreben sollte'' („Wer nur am Materiellen ausgerichtet ist, der verfehlt das wahre Ziel des menschlichen Daseins“).
#<span class="reference-text">F. H. Bradley: ''Why should I be moral?'' In: ''Ethical Studies.'' The Clarendon Press, Oxford 1876.</span>
 
#<span class="reference-text">Kurt Bayertz: ''Warum überhaupt moralisch sein?'' C. H. Beck Verlag, München 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406521967 ISBN 3-406-52196-7].</span>
Die unbemerkte empirisch-normative Doppeldeutigkeit bestimmter Begriffe führt dann zu logischen Fehlschlüssen wie: „Das Wesen der Sexualität ist die Fortpflanzung. Also ist Empfängnisverhütung nicht erlaubt, denn sie entspricht nicht dem Wesen der Sexualität.“
#<span class="reference-text">Friedo Ricken: ''Allgemeine Ethik.'' S. 96.</span>
 
#<span class="reference-text"><span class="plainlinks-print">[https://dejure.org/gesetze/StGB/17.html § 17]</span> StGB</span>
Aus der logischen Unterscheidung von Sein und Sollen folgt jedoch keineswegs, dass damit eine auf Vernunft gegründete Ethik unmöglich ist, wie dies sowohl von Vertretern des logischen [[Empirismus]] als auch des [[Idealismus]] geäußert wird. Zwar ließe sich allein auf [[Empirie]] und [[Logik]] keine Ethik gründen, aber daraus folgt noch nicht, dass es nicht andere allgemein nachvollziehbare Kriterien für die Gültigkeit ethischer Normen gibt. Ein aussichtsreiches Beispiel für eine nachpositivistische Ethik ist die am Kriterium des zwangfreien Konsenses orientierte [[Diskursethik]].
#<span class="reference-text">Vgl. Ricken: ''Allgemeine Ethik.'' S. 136f.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Summa_theologica Summa theologica].''</span>
Mit der Feststellung, dass das Gesollte nicht aus dem Seienden logisch ableitbar ist, wird eine Begründung von Normen noch nicht aussichtslos. Denn neben den Seinsaussagen und den normativen Sätzen gibt es Willensäußerungen. Die Willensäußerung einer Person: „Ich will in der nächsten Stunde von niemandem gestört werden“ beinhaltet die Norm: „Niemand soll mich in der nächsten Stunde stören“. Die Aufgabe der Ethik ist es, allgemeingültige Willensinhalte bzw. Normen zu bestimmen und nachvollziehbar zu begründen.
#<span class="reference-text">Ricken: ''Allgemeine Ethik.'' S. 84.</span>
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Nikomachische_Ethik Nikomachische Ethik].'' ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Politik_(Aristoteles) Politik].''</span>
Die logische Unterscheidung zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wird vor allem von Vertretern idealistischer Positionen als eine unzulässige Trennung von Sein und Sollen angesehen und es wird eingewandt, dass ihr ein verkürzter Seinsbegriff zugrunde liege. So argumentiert [[Vittorio Hösle]], das Sollen könne nur vom realen, empirischen Sein strikt abgegrenzt werden, „… ein ideales Sein, das nicht vom Menschen gesetzt ist, wird dem Sollen damit ebenso wenig abgesprochen wie eine mögliche Prinzipiierungsfunktion gegenüber dem empirischen Sein“.<ref>Vittorio Hösle: ''[[Moral und Politik]]. Grundlagen einer Politischen Ethik für das 21. Jahrhundert.'' Beck, München 1997, ISBN 3-406-42797-9, S. 127.</ref> Es könne gerade als Aufgabe des Menschen angesehen werden, „damit fertig zu werden, dass das Sein nicht so ist, wie es sein soll“.<ref>Hösle: ''Moral und Politik.'' S. 242.</ref> Das Gesollte solle eben sein und sei als solches bereits Prinzip des Seins:
#<span class="reference-text">C. D. Broad: ''Five Types of Ethical Theory.'' London 1930.</span>
 
#<span class="reference-text">William K. Frankena: ''Ethics.'' 2. Auflage. Englewood Cliffs 1973, S. 14, übersetzt in Albert Keller: ''Philosophie der Freiheit.'' Styria, Graz 1994, S. 212.</span>
{{Zitat
#<span class="reference-text">Robert Spaemann: ''Christliche Verantwortungsethik.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gr%C3%BCndel Johannes Gründel] (Hrsg.): ''Leben aus christlicher Verantwortung, 1. Grundlegungen.'' Düsseldorf 1991, S. 122.</span>
|Text=Aber wenn das Projekt der Ethik einen Sinn haben soll, dann muß das Sein in einer bestimmten Weise strukturiert sein: Es muß Wesen enthalten, die zumindest der Erkenntnis des Sollens fähig sind, ja in denen diese Erkenntnis – bei allen Widerständen durch verschiedene Interessen – nicht ohne Einfluß auf ihr Handeln ist. Daß aus der Geltung des Sollens Annahmen über die Wirklichkeit folgen, ist eine keineswegs triviale Annahme und m.&nbsp;E. nur im Rahmen eines objektiven Idealismus zu begreifen, nach dem das faktische Sein durch ideale Strukturen wenigstens zum Teil prinzipiert ist.
#<span class="reference-text">Vgl. z.&nbsp;B. Albert Keller: ''Philosophie der Freiheit.'' Styria, Graz 1994, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3222122946 ISBN 3-222-12294-6].</span>
|Autor=Hösle
#<span class="reference-text">Vgl. Mark Murphy:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/voluntarism-theological/ ''Theological Voluntarism.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.; Michael W. Austin:&nbsp;[http://www.iep.utm.edu/divine-c/ ''Divine Command Theory.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''..</span>
|Quelle=Moral und Politik, S. 241f}}
#<span class="reference-text">Vittorio Hösle: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Moral_und_Politik Moral und Politik]. Grundlagen einer Politischen Ethik für das 21. Jahrhundert.'' Beck, München 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406427979 ISBN 3-406-42797-9], S. 127.</span>
 
#<span class="reference-text">Hösle: ''Moral und Politik.'' S. 242.</span>
Die Möglichkeit einer teleologischen Ethik scheint mit der logischen Unterscheidung von Seins- und Sollens-Aussagen grundsätzlich in Frage gestellt. Aus Sicht der klassischen Position des [[Realismus (Philosophie)|Realismus]] bezüglich der Ethik, insbesondere des Naturrechts, ist es aber gerade das Sein, aus dem das Sollen abgeleitet werden muss, da es (außer dem Nichts) zum Sein keine Alternative gibt. Weil das Gute das Seinsgerechte, also das dem jeweiligen Seienden gerechte bzw. entsprechende ist, muss demnach das Wesen des Seins zunächst erkannt und aus ihm die Forderung des Sollens (ihm gegenüber) logisch abgeleitet werden.
#<span class="reference-text">Vgl. Kant: ''KpV.'' S. 106.</span>
 
#<span class="reference-text">Vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Schulz_(Philosoph) Walter Schulz]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_in_der_ver%C3%A4nderten_Welt Philosophie in der veränderten Welt].'' 7. Auflage. Stuttgart 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3608910409 ISBN 3-608-91040-9], S. 723ff.</span>
=== Das Problem des Bösen ===
#<span class="reference-text">Platon: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Menon Menon].'' 77a-78b.</span>
Trotz der teilweise apokalyptischen geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts wird der Begriff „[[Das Böse|böse]]“ in der Umgangssprache nur noch selten gebraucht. Stattdessen werden meist die Begriffe „schlecht“ („ein schlechter Mensch“) oder „falsch“ („die Handlung war falsch“) verwendet. Das Wort „böse“ gilt im gegenwärtigen Bewusstsein generell als metaphysikverdächtig und aufgrund der allgemeinen Dominanz des naturwissenschaftlichen Denkens als überholt.
#<span class="reference-text">Schelling: ''Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände.'' S. 468.</span>
 
#<span class="reference-text">A. Schopenhauer: ''Die beiden Grundprobleme der Ethik.'' 1839/40.</span>
In der philosophischen Tradition wird das Böse als eine Form des [[Das Übel|Übels]] betrachtet. Klassisch geworden ist die Unterscheidung von [[Gottfried Wilhelm Leibniz|Leibniz]] zwischen einem metaphysischen (malum metaphysicum), einem physischen ([[malum physicum]]) und einem moralischen Übel ([[malum morale]]). Das metaphysische Übel besteht in der Unvollkommenheit alles Seienden, das physische Übel in Schmerz und Leid. Diese Übel sind Widrigkeiten, die ihren Ursprung in der Natur haben. Sie sind nicht „böse“, da sie nicht das Ergebnis des (menschlichen oder allgemeiner gesagt geistigen) Willens sind. Das moralische Übel oder das Böse hingegen besteht in der Nicht-Übereinstimmung einer Handlung mit dem Sittengesetz bzw. Naturrecht. Es kann, wie Kant betont, nur „die Handlungsart, die Maxime des Willens und mithin die handelnde Person selbst“ böse sein.<ref>Vgl. Kant: ''KpV.'' S. 106.</ref> Das Böse ist also als Leistung oder besser Fehlleistung des Subjekts zu verstehen.
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Helga_H%C3%B6rz Helga E. Hörz] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_H%C3%B6rz Herbert Hörz]: ''Ist Egoismus unmoralisch? Grundzüge einer neomodernen Ethik.'' trafo Verlagsgruppe, Berlin 2013, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783864640384 ISBN 978-3-86464-038-4].</span>
 
#<span class="reference-text">H. J. Niemann: ''Die Strategie der Vernunft. Rationalität in Erkenntnis, Moral und Metaphysik.'' Vieweg, Braunschweig u. a. 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3528065222 ISBN 3-528-06522-2].</span>
==== Reduktionistische Erklärungsversuche ====
#<span class="reference-text">Vgl. auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gottfried_Mayer Johannes Gottfried Mayer], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Detlef_Weinich&action=edit&redlink=1 Detlef Weinich] (Hrsg.): ''Ethik und Evolutionstheorien'' (= ''Texte und Wissen.'' Band 4). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.</span>
Die [[Verhaltensforschung]] führt das Böse auf die allgemeine „Tatsache“ der [[Aggression]] zurück. Diese sei einfachhin ein Bestandteil der menschlichen Natur und als solcher moralisch irrelevant. Daher spricht [[Konrad Lorenz]] auch vom „sogenannten Bösen“. Dieser Erklärung wird von Kritikern eine [[Reduktionismus|reduktionistische]] Betrachtungsweise vorgeworfen. Sie übersehe, dass dem Menschen auf der Grundlage der Freiheit die Möglichkeit gegeben ist, zu seiner eigenen Natur Stellung zu nehmen.<ref>Vgl. [[Walter Schulz (Philosoph)|Walter Schulz]]: ''[[Philosophie in der veränderten Welt]].'' 7. Auflage. Stuttgart 2001, ISBN 3-608-91040-9, S. 723ff.</ref>
#<span class="reference-text">R. Richter, E. Furubotn: ''Neue Institutionenökonomik.'' Mohr Siebeck, Tübingen 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3161480600 ISBN 3-16-148060-0], S. 277.</span></div>
 
In der Philosophie stellte sich bereits Platon die Frage, wie das Böse überhaupt möglich sei. Das Böse werde nur getan, weil jemand im irrtümlichen Glauben annimmt, er (oder jemand) habe einen Nutzen davon. Somit wolle er aber den mit dem Bösen verbundenen Nutzen. Das Böse um seiner selbst willen könne niemand vernünftigerweise wollen:<ref>Platon: ''[[Menon]].'' 77a-78b.</ref>
 
{{Zitat
|Text=Sokrates: ''So ist denn doch klar, daß diejenigen, welche es nicht kennen, nicht das Böse begehren, sondern vielmehr das, was sie für gut halten, während es böse ist; so daß diejenigen, welche es nicht kennen und es für gut halten, offenbar eigentlich das Gute begehren. Oder nicht?''<br />
Sokrates: ''Und weiter: Diejenigen, welche das Böse begehren, wie du behauptest, während sie doch glauben, daß das Böse dem schade, welchem es zuteil wird, erkennen doch wohl, daß sie von ihm Schaden nehmen werden?''<br />
Menon: ''Notwendig.''<br />
Sokrates: ''Diese aber, halten sie nicht die, welche Schaden leiden, für elend, sofern sie Schaden leiden?''<br />
Menon: ''Notwendig auch das.''<br />
Sokrates: ''Halten sie die Elenden aber nicht für unglücklich?''<br />
Menon: ''Ich meine doch.''<br />
Sokrates: ''Gibt es nun einen Menschen, welcher elend und unglücklich sein will?''<br />
Menon: ''Ich denke nicht, Sokrates.''<br />
Sokrates: ''Niemand also will das Böse, Menon; wenn anders er nicht ein solcher sein will. Denn was heißt elend sein anders, als das Böse begehren und es besitzen?''}}
 
==== Nicht-reduktionistische Erklärungsversuche ====
Dieses in der Antike noch weit verbreitete Verständnis, das Böse ließe sich durch die Vernunft überwinden, wird allerdings durch die geschichtlichen Erfahrungen, insbesondere die des 20. Jahrhunderts, in Frage gestellt. Diese lehren in den Augen vieler Philosophen der Gegenwart, dass der Mensch durchaus im Stande sei, das Böse auch um seiner selbst willen zu wollen.
 
Als Motiv für das Böse kann zunächst einmal der Egoismus ausgemacht werden. Er äußert sich in vielen Spielarten. In seiner harmlosen Variante zeigt er sich im Ideal einer selbstbezogenen Bedürfnisbefriedigung. In dieser Form stellt er letztlich auch die „Vertragsgrundlage“ des Utilitarismus dar, der nichts anderes als einen Interessensausgleich zwischen den Individuen schaffen möchte. Dieser Aspekt trifft – wie die geschichtliche Erfahrung zeigt – noch nicht den eigentlichen Kern des Bösen. Dieser wird erst dann sichtbar, wenn die eigene Bedürfnisbefriedigung nicht mehr im Vordergrund steht:
 
{{Zitat
|Text=Die eigentliche Struktur des Bösen aber […] zeigt sich erst dort, wo dieser utilitaristische Bezug nicht leitend ist, sondern die zwecklose, ja sogar widersinnige Freude an der reinen Destruktion vorherrscht. Erst hier entdeckt man die unheimlichen Züge des menschlichen Ich: der Machtrausch der Zerstörung genießt
|Autor=Schulz
|Quelle=''Philosophie in der veränderten Welt.'' S. 725.}}
 
Die Ursache dieses „radikal Bösen“ ist nach Kant weder in der Sinnlichkeit noch in der Vernunft zu sehen, sondern in einer „Verkehrtheit des Herzens“, in der sich das Ich gegen sich selbst wendet:
 
{{Zitat
|Text=Die Bösartigkeit der menschlichen Natur ist also nicht sowohl Bosheit, wenn man dieses Wort in strenger Bedeutung nimmt, nämlich als eine Gesinnung (subjektives Prinzip der Maximen), das Böse als Böses zur Triebfeder in seine Maxime aufzunehmen (denn die ist teuflisch); sondern vielmehr Verkehrtheit des Herzens, welches nun, der Folge wegen, auch ein böses Herz heißt, zu nennen.
|Autor=Kant
|Quelle=''Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft.'' S. 686}}
 
Dieser Grundgedanke Kants von der Selbstwidersprüchlichkeit des Ichs als Ursache des Bösen wird vor allem in der Philosophie des [[Idealismus (Philosophie)|Idealismus]] noch einmal vertieft. [[Friedrich Wilhelm Joseph Schelling|Schelling]] unterscheidet zwischen einem alle Bindung verneinenden „Eigenwillen“ und einem sich in Beziehungen gestaltenden „Universalwillen“. Die Möglichkeit zum Bösen bestehe darin, dass der Eigenwille sich seiner Integration in den Universalwillen widersetzt.
 
{{Zitat
|Text=Das Prinzip, sofern es aus dem Grunde stammt und dunkel ist, ist der Eigenwille der Kreatur, der aber, sofern er noch nicht zur vollkommenen Einheit mit dem Licht (als Prinzip des Verstandes) erhoben ist (es nicht faßt), bloße Sucht oder Begierde, d.&nbsp;h. blinder Wille ist. Diesem Eigenwillen der Kreatur steht der Verstand als Universalwille entgegen, der jenen gebraucht und als bloßes Werkzeug sich unterordnet.
|Autor=[[Friedrich Wilhelm Joseph Schelling]]
|Quelle=''Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände.'' S. 459}}
 
Das radikal Böse bewirke einen Umsturz der Ordnung in mir selbst und in Bezug zu anderen. Es erfolge um seiner selbst willen, denn „wie es einen Enthusiasmus zum Guten gibt, ebenso gibt es eine Begeisterung des Bösen“.<ref>Schelling: ''Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände.'' S. 468.</ref>
 
Nach der klassischen Lehre (Augustinus, Thomas von Aquin etc.) ist das Böse selbst letztlich substanzlos. Als [[Privation (Philosophie)|privativer]] Gegensatz des Guten besteht es nur in einem Mangel (an [[Sein]] bzw. an Gutem). Im Gegensatz zum absolut Guten (Gott) gibt es demnach das absolut Böse nicht.
 
== Durchsetzungsproblem ==
Das Durchsetzungsproblem der Ethik besteht darin, dass die Einsicht in die Richtigkeit ethischer Prinzipien zwar vorhanden sein kann, daraus aber nicht automatisch folgt, dass der Mensch auch im ethischen Sinne handelt. Die Einsicht in das richtige Handeln bedarf einer zusätzlichen Motivation oder eines Zwangs.<ref>A. Schopenhauer: ''Die beiden Grundprobleme der Ethik.'' 1839/40.</ref>
 
Das Problem erklärt sich daraus, dass die Ethik einerseits und das menschliche Eigeninteresse als Egoismus andererseits oft einen Gegensatz bilden.<ref>[[Helga Hörz|Helga E. Hörz]] und [[Herbert Hörz]]: ''Ist Egoismus unmoralisch? Grundzüge einer neomodernen Ethik.'' trafo Verlagsgruppe, Berlin 2013, ISBN 978-3-86464-038-4.</ref> Das Durchsetzungsproblem gewinne zudem durch die [[Globalisierung]] eine neue Dimension, die zu einer ''Ethik der Neomoderne'' führe.
 
=== Beispiel ===
Die Tatsache, dass die Menschen im Land X Hunger leiden und ihnen geholfen werden sollte, ja es moralisch geboten erscheint ihnen zu helfen, wird niemand bestreiten. Die Einsicht es auch zu tun, einen Großteil seines Vermögens dafür herzugeben, wird es im nennenswerten Umfang erst geben, wenn eine zusätzliche Motivation auftaucht, etwa die Gefahr einer [[Migration]] wegen Hungers ins eigene Land unmittelbar bevorsteht.
 
Das Durchsetzungsproblem zeigt sich auf andere Weise auch in der Erziehung, etwa wenn fest verinnerlichte Verhaltensregeln später auf entwickelte ethische Prinzipien stoßen.<ref>H. J. Niemann: ''Die Strategie der Vernunft. Rationalität in Erkenntnis, Moral und Metaphysik.'' Vieweg, Braunschweig u. a. 1993, ISBN 3-528-06522-2.</ref>
 
=== Lösungsansätze ===
Erkenntnisse der [[Evolutionäre Spieltheorie|Evolutionären Spieltheorie]]<ref>Vgl. auch [[Johannes Gottfried Mayer]], [[Detlef Weinich]] (Hrsg.): ''Ethik und Evolutionstheorien'' (= ''Texte und Wissen.'' Band 4). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.</ref> lassen Rückschlüsse darauf zu, dass das Durchsetzungsproblem durch Selbstdurchdringung gelöst werden kann. Diese Auffassung vertraten zuerst Vertreter der [[Neue Institutionenökonomik|Neuen Institutionenökonomik]]. So wiesen Eirik Furubotn und [[Rudolf Richter (Wirtschaftswissenschaftler)|Rudolf Richter]] darauf hin, dass der Aufbau einer Reputation eine dominate Spielstrategie sein kann.<ref>R. Richter, E. Furubotn: ''Neue Institutionenökonomik.'' Mohr Siebeck, Tübingen 2003, ISBN 3-16-148060-0, S. 277.</ref>
 
== Siehe auch ==
{{Portal|Philosophie}}
* [[Metaethik]]
* [[Gerechtigkeitstheorien]]
* [[Liste bekannter Ethiker]]
* [[Liste der Ethik-Modelle]]
* [[Ethische Bewegung]]
* [[Ethisches Dilemma]]
* [[Welfarismus]]
* [[Sekyra und White’s-Professur für Moralphilosophie]]
 
== Literatur ==
{{Philosophie-Bibliographie|Ethik}}
; Einführungen
* [[Arno Anzenbacher]]: ''Einführung in die Ethik.'' 3. Auflage. Patmos, Düsseldorf 2003, ISBN 3-491-69028-5 (gut lesbare Einführung)
* [[Dieter Birnbacher]]: ''Analytische Einführung in die Ethik.'' De Gruyter, Berlin u.&nbsp;a. 2003, ISBN 3-11-017625-4 (systematische Darstellung der normativen Ethik aus Sicht eines [[Analytische Philosophie|analytischen Philosophen]]; moderne Ansätze stehen im Vordergrund)
* Dagmar Fenner: ''Ethik. Wie soll ich handeln?'' UTB, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8252-2989-4 (gut strukturierte Einführung, etwas schulbuchhaft)
* [[Dietmar Hübner]]: ''Einführung in die philosophische Ethik''. UTB, 2. Aufl., Göttingen 2018, ISBN 978-3-8252-4991-5 (klare Systematik mit historischen Vertiefungen)
* [[Annemarie Pieper]]: ''Einführung in die Ethik.'' 5. Auflage. Francke, Tübingen u.&nbsp;a. 2003, ISBN 3-8252-1637-3, ISBN 3-7720-1698-7 (vielzitierte Einführung in die Ethik)
* Louis P. Pojman, James Fieser: ''Ethics. Discovering Right and Wrong.'' Wadsworth Pub. 2008, ISBN 978-0-495-50235-7. (exzellente, sehr klare, oft als Lehrbuch verwendete erste Einführung) [http://academic.cengage.com/resource_uploads/downloads/0495502359_124757.doc (Inhaltsverzeichnis)] ([[Microsoft Word|MS Word]]; 177&nbsp;kB)
* ''[[Der blaue Reiter (Zeitschrift)|Der blaue reiter. Journal für Philosophie]]. Themenheft: Ethik.'' Nr. 3, 1995. Verlag der blaue reiter, ISBN 978-3-9804005-2-7.
* Karl Hepfer. ''Philosophische Ethik. Eine Einführung.'' Göttingen 2008 (UTB 3117), ISBN 978-3-8252-3117-0 (Sehr übersichtliche und gut lesbare Darstellung aller gängigen Begründungsmodelle)
* [[Michael Quante]]: ''Einführung in die allgemeine Ethik.'' Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15464-9 (lehrbuchartig aufgebautes Werk mit Zusammenfassungen, Lektürehinweisen und Übungen am Ende jedes Kapitels; geht ausführlich auf metaethische Fragen ein)
* [[Hans Reiner]]: ''Ethik. Eine Einführung.'' Studienausgabe, PAIS-Verlag, Oberried 2010, ISBN 978-3-931992-27-9 (gut verständliche Einführung)
* Andreas Vieth: ''Einführung in die Philosophische Ethik.'' Münster/München 2015, ISBN 978-3-7380-2658-0, [https://ethik.philosovieth.de/ PDF] (themenorientiert, metaethisch, visuelle Themenaufbereitung, Lehrbuch)
; Gesamtdarstellungen
* Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, [[Micha Werner|Micha H. Werner]] (Hrsg.): ''Handbuch Ethik.'' 2. akt. Auflage. Metzler, Stuttgart u.&nbsp;a. 2006, ISBN 3-476-02124-6 (derzeit das Standardhandbuch zur Ethik; enthält einen historischen und einen begrifflichen Teil; breite Berücksichtigung der aktuellen Diskussion; zum Teil sehr anspruchsvoll)
* Hugh LaFollette (Hrsg.): ''Blackwell Guide to Ethical Theory.'' Blackwell, Oxford 2000. ([http://www.hughlafollette.com/papers/b-guide.htm Inhaltsverzeichnis])
* [[Friedo Ricken]]: ''Allgemeine Ethik.'' 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017948-9 (sehr fundiert und anspruchsvoll; versucht eine Synthese aus Aristotelischen und Kantischen Ansätzen mit Anleihen aus der analytischen Philosophie)
* Hugh LaFollette (Hrsg.): ''Ethics in Practice: An Anthology.'' 4. Auflage. Wiley-Blackwell, Oxford 2014, ISBN 978-0-470-67183-2.
; Lexika und Grundbegriffe
* [[Otfried Höffe]] (Hrsg.): ''Lexikon der Ethik.'' 6. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47586-8 (das Standardlexikon zur Einführung in die Begriffe der Ethik)
* [[Gerhard Schweppenhäuser]]: ''Grundbegriffe der Ethik zur Einführung.'' 2. Auflage. Junius, Hamburg 2006, ISBN 3-88506-632-7 (konzentriert sich auf die Behandlung zentraler Grundbegriffe der Ethik)
; Ethik in der Wissenschaft
* [[Hans Lenk (Philosoph)|Hans Lenk]] (Hrsg.): ''Wissenschaft und Ethik'', Philipp Reclam jun., Stuttgart 1991, ISBN 3-15-008698-1.
 
== Weblinks ==
{{Commonscat|Ethics|Ethik}}
{{Wiktionary}}
{{Wikiquote}}
* {{DNB-Portal|4015602-3}}
* [[Karl-Heinz Brodbeck]]: ''{{Webarchiv |url=http://193.174.81.9/professoren/bwl/brodbeck/ethik/bro-moral.pdf |wayback=20130614183131 |text=Ethik und Moral. eine kritische Einführung.}}'' (PDF; 1,5&nbsp;MB) Verlag BWT, Würzburg 2003, ISBN 3-9808693-1-8. (Freies, einführendes E-Book)
* Roger Crisp: [http://www.rep.routledge.com/article/L132 ''Ethics.''] In: E. Craig (Hrsg.): ''[[Routledge Encyclopedia of Philosophy]].'' London 1998.
* {{IEP|https://www.iep.utm.edu/e/ethics.htm|Ethics|James Fieser}}
* {{SEP|https://plato.stanford.edu/archives/fall2018/entries/reasoning-moral/|Moral Reasoning|Henry S. Richardson|2018}}
 
== Einzelnachweise ==
<references />
 
{{Lesenswert|8. Februar 2006|13516445}}
{{Normdaten|TYP=s|GND=4015602-3|LCCN=sh85045096|NDL=00569521}}
 
[[Kategorie:Philosophische Disziplin]]
[[Kategorie:Ethik| ]]
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]

Version vom 2. April 2026, 07:44 Uhr

eth-ik f. ‘philosophische Lehre vom Sittlichen, vom moralischen Bewußtsein und Verhalten der Menschen’,

Anm. KF: egtl. agr. ēthikḗ téchnē 'ethische Kunst', "Ethikkunst, Sittenkunst";

  • Entlehnung des 16. Jhs. von lat. ēthica f., ēthicē f. ‘Moralphilosophie’
    • nach gleichbed. griech. ēthiká, ēthikḗ (ἠθικά, ἠθική);
      • diese Formen sind Substantivierungen
        • (Neutr. Plur. bzw. durch ein gedanklich zu ergänzendes Substantiv veranlaßtes Fem. Sing.)
      • des von griech. ḗthos ἦθος (s. Ethos) abgeleiteten Adjektivs griech. ēthikós (ἠθικός) ‘den Charakter betreffend, sittlich’.

"sich der eigenen Ethik stellen"

  • Ethikbewusstsein entwickeln und selbstbestimmt eine höhere gelebte Ethik anstreben;
  • sich seiner Einstellungen, seinem Gewissen und Wissen bewusst und treu zu sein;

Ethik steht für:

Ethik ist der Titel folgender Werke:

Ethik

Die Ethik ist jener Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns befasst. Ihr Gegenstand ist damit die Moral insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit und Reflexion. Cicero übersetzte als erster ēthikḕ téchnē (die ethische Kunst) in den seinerzeit neuen Begriff philosophia moralis (Philosophie der Sitten).[1] In seiner Tradition wird die Ethik auch heute noch als Moralphilosophie bezeichnet.[2]

Die Ethik und ihre benachbarten Disziplinen (z. B. Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie) werden auch als „praktische Philosophie“ zusammengefasst, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befasst. Im Gegensatz dazu steht die „theoretische Philosophie“, zu der als klassische Disziplinen die Logik, die Erkenntnistheorie und die Metaphysik gezählt werden.

Ihr entsprechen in der Religionswissenschaft die religionsgeschichtliche Erforschung der Sittlichkeit (Moral) sowie vor allem die kath. Moraltheologie und die ev. theologische Ethik,[3] die wiederum Teilgebiete der christlichen systematischen Theologie sind.

Wortherkunft

Das deutsche Wort Ethik stammt von griechisch ἠθική (ἐπιστήμη) ēthikḗ (epistḗmē) „das sittliche (Verständnis)“, von ἦθος ē̂thos „Charakter, Sinnesart“ (dagegen ἔθος éthos: Gewohnheit, Sitte, Brauch).[4]

Ursprung

Aristoteles begründete die Ethik als eigenständige philosophische Disziplin.

Bereits die Sophisten (im 5. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) vertraten die Auffassung, es sei für ein Vernunftwesen wie den Menschen unangemessen, wenn dessen Handeln ausschließlich von Konventionen und Traditionen geleitet wird. Im Zuge der sokratischen Wende rückte Sokrates (5. Jahrhundert v. Chr.) die Ethik ins Zentrum des philosophischen Denkens. Ethik als Bezeichnung für eine philosophische Disziplin geht auf Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.) zurück, der damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen (ethos) meinte. Er war der Überzeugung, menschliche Praxis sei grundsätzlich einer vernünftigen und theoretisch fundierten Reflexion zugänglich. Ethik war somit für Aristoteles eine philosophische Disziplin, die den gesamten Bereich menschlichen Handelns zum Gegenstand hat und diesen Gegenstand mit philosophischen Mitteln einer normativen Beurteilung unterzieht und zur praktischen Umsetzung der auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse anleitet.

Ziele und Fragestellungen

Die (allgemeine) Ethik wird heute als die philosophische Disziplin verstanden, die Kriterien für gutes und schlechtes Handeln und für die Bewertung seiner Motive und Folgen aufstellt. Sie ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen (theoria), sondern um eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen Hilfen für seine sittlichen Entscheidungen liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien und Normen guten Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt oder Wertvorzugsurteile für bestimmte Typen von Problemsituationen begründen. Die situationsspezifische Anwendung dieser Prinzipien auf neue Situationen und Lebenslagen ist nicht durch sie leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten Gewissens.

Die drei Fragen nach

  • dem „höchsten Gut“,
  • dem richtigen Handeln in bestimmten Situationen und
  • der Freiheit des Willens

stehen im Zentrum.

Als philosophische Disziplin bearbeitet die Ethik moralische Fragen auf der Grundlage lebensweltlicher Einstellungen, Wertüberzeugungen und rationaler Argumente. Auch in den jüdischen, christlichen und islamischen Theologien werden ethische Fragen behandelt. In der Theologischen Ethik werden unterschiedliche Voraussetzungen und Vorgehensweisen zugrunde gelegt: Während sogenannte Glaubensethiken religiöse Überzeugungen, einschließlich offenbarungstheologisch vermittelter Traditionen, als Argumentationsgrundlage voraussetzen, werden v. a. seit den 1970er Jahren auch Ansätze vertreten, wonach die Begründung ethischer Normen nur voraussetzt, was unabhängig von spezifischen religiösen oder weltanschaulichen Verortungen rational einsichtig zu machen ist. Beispiele dafür sind die Vorschläge sogenannter „Autonomer Moral“ von Alfons Auer oder Franz Böckle.

Abgrenzung

Rechtswissenschaft

Auch die Rechtswissenschaft fragt danach, wie gehandelt werden soll. Im Unterschied zur Ethik (welche seit Christian Thomasius und Kant von der Rechtslehre unterschieden wird[5]) bezieht sie sich jedoch im Allgemeinen auf eine bestimmte, faktisch geltende Rechtsordnung (positives Recht), deren Normen sie auslegt und anwendet. Wo die Rechtswissenschaft als Rechtsphilosophie, Rechtspolitik oder Gesetzgebungslehre auch die Begründung von Rechtsnormen behandelt, nähert sie sich der Ethik an. Auch das Vernunftrecht zeigt Parallelen zur Ethik.

Empirie

Mit gesellschaftlichen Normen des Handelns befassen sich auch empirische Wissenschaften wie Soziologie, Ethnologie und Psychologie. Im Unterschied zur normativen Ethik im philosophischen Sinne geht es dort jedoch um die Beschreibung und Erklärung faktisch bestehender ethischer Überzeugungen, Einstellungen und Sanktionsmuster und nicht um deren Rechtfertigung oder Kritik. Beziehungen bestehen also zur deskriptiven Ethik.

Theorie der rationalen Entscheidung

Auch die Theorie der rationalen Entscheidung beantwortet die Frage: Wie soll ich handeln? Jedoch unterscheidet sie sich von ethischen Fragestellungen dadurch, dass Theorien rationalen Handelns nicht in jedem Falle auch Theorien des moralisch Guten sind. Von ethischen Theorien mit einem allgemeinverbindlichen Anspruch unterscheiden sich Theorien rationaler Entscheidung dadurch, dass nur die Ziele und Interessen eines bestimmten Individuums oder eines kollektiven Subjekts (z. B. eines wirtschaftlichen Unternehmens oder eines Staates) berücksichtigt werden.

Disziplinen

Disziplinen der Ethik nach Art der Behandlung ethischer Aussagen
Disziplin Gegenstandsbereich Methode
Metaethik Sprache und Logik moralischer Diskurse, Methoden moralischer Argumentationen, Leistungskraft ethischer Theorien analytisch
Normative Ethik Prinzipien und Kriterien der Moral, Maßstab moralisch richtigen Handelns, Prinzipien eines für alle guten Lebens abstrakt wertend
Angewandte Ethik gültige Normen, Werte, Handlungsempfehlungen des jeweiligen Bereichs konkret wertend
Deskriptive Ethik tatsächlich befolgte Handlungspräferenzen, empirisch vorfindliche Normen- und Wertesysteme beschreibend

Metaethik

Metaethik stellt die Grundlage der anderen Disziplinen dar und beschäftigt sich mit ihren allgemeingültigen Kriterien und Methoden. Sie analysiert die allgemeinen logischen, semantischen und pragmatischen Strukturen moralischen und ethischen Sprechens und sich v. a. mit der Bedeutung ethischer und verwandter Begriffe, der Verwendung ethischer Begriffe in moralischen Sätzen und der Frage nach der Begründbarkeit von Werturteilen beschäftigt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird sie als eigenständige Disziplin betrachtet.

Normative Ethik

Normative Ethik erarbeitet und untersucht allgemeingültige Normen und Werte sowie deren Begründung. Sie ist der Kern der allgemeinen Ethik. Als Reflexionstheorie der Moral wertet und urteilt sie über das Gute und Richtige.

Angewandte Ethik

Angewandte Ethik baut auf der normativen Ethik auf. Sie äußert sich als Individual- und Sozialethik sowie in den Bereichsethiken zu spezifischen Lebensbereichen, beispielsweise Medizinethik oder Wirtschaftsethik. Ethikkommissionen, -räte und -institute erarbeiten Normen oder Handlungsempfehlungen für bestimmte Bereiche.

Deskriptive Ethik

Häufig nicht zum klassischen Kanon der Ethik gerechnet wird die deskriptive Ethik, die sich versteht als empirische Untersuchung, Beschreibung und ursächliche Erklärung von Normensystemen innerhalb von Gesellschaften, und dabei keine moralischen Urteile fällt.

Die Erfassung der in gegenwärtigen und vergangenen Gesellschaften und Kulturen verbreiteten Moral ist Thema der Kulturanthropologie. Die Moralsoziologie fokussiert stärker die Funktion von Moral innerhalb einer Gesellschaft. Wie einzelne Menschen Moralvorstellungen erwerben und ihnen gemäß handeln oder nicht handeln, ist Gegenstand der Moralpsychologie. Soweit für die Erklärung der Entstehung und Entwicklung von Moral eine evolutionstheoretische Sichtweise herangezogen wird, kommen Ansätze der Soziobiologie ins Spiel.[6]

Begründungen normativer Sätze

Gründe für und gegen Moral

Die Frage, ob man überhaupt moralisch sein soll, wird in Platons Politeia im ersten Kapitel aufgeworfen. In der Moderne wurde der Diskurs um die Frage von Bradley[7] und Prichard eingeleitet.

Metaethische Kognitivisten behaupten, erkennen zu können, wie man moralisch handeln solle. Somit stellt sich ihnen die Frage, ob man das überhaupt tun soll nicht mehr, da sie auch gleich mit erkennen, dass man dies tun soll.

Metaethische Nonkognitivisten hingegen müssen die Frage, ob man moralisch handeln soll, klären. Die Diskussion wird in der Philosophie zumeist anhand der Frage „Warum soll man moralisch sein?“ geführt. Das Sollen innerhalb der Frage ist dabei kein moralisches Sollen, sondern verweist auf eine Akzeptanz besserer Gründe, z. B. anhand der Theorie der rationalen Entscheidung. Die Antwort auf die Frage hängt also ab vom jeweiligen Verständnis von Vernunft.

Die Frage, ob man moralisch sein soll oder nicht, wird beantwortet mit:

  • „Ja“ von allen, die Gründe für Moral anführen,[8]
  • „Nein“ von den Amoralisten,
  • „Das muss jeder für sich selbst entscheiden“ von Dezisionisten.

Die Situation des Menschen, der sich zwischen diesen Antworten entscheiden muss, hat ihre klassische Gestaltung in der so genannten Prodikos-Fabel von Herakles am Scheideweg gefunden, die auch von vielen christlichen Autoren rezipiert wurde.

Absolute Begründung der Moral

Eine bekannte absolute Moralbegründung ist die der Letztbegründung von Karl-Otto Apel. Angenommen jemand lehnt es ab, über Zwecke zu reden, dann sei diese Ablehnung bereits ein Reden über Zwecke. Insofern ist dies ein so genannter performativer Selbstwiderspruch.

Moralbegründung aus Sicht der Systemtheorie verzichtet darauf, zu begründen, warum Individuen moralisch handeln sollen. Stattdessen wird dargelegt, warum Moral als Regulierungsfunktion des Kommunikationssystems unentbehrlich ist (s. a. AGIL-Schema).

Relative Begründungen der Moral

Viele Philosophen behaupten, dass man zwar nicht beweisen kann, dass Amoralismus logisch widersprüchlich ist, dass aber im wirklichen Leben Amoralisten viele Nachteile haben, so dass moralisches Verhalten größere Rentabilität im Sinne der Theorie der rationalen Entscheidung besitzt. Ethik wird mit dieser Form von Moralbegründung zu einer Spezialform von Zweckrationalität. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Argumentationslinie ist David Gauthier.

Viele Philosophen dieser Richtung berufen sich auf den Grundsatz quid pro quo oder auf Tit-for-Tat-Strategien.

Andere meinen, Amoralisten seien auf Einsamkeit festgelegt, da man ihnen nicht vertrauen könne und auch sie niemandem vertrauen könnten. Daher könnten sie eines der wichtigsten Lebensgüter, soziale Gemeinschaft und Anerkennung, nie erreichen.

Nach R. M. Hare können Amoralisten keine moralischen Begriffe gebrauchen und daher nicht von ihren Mitmenschen fordern, sie fair zu behandeln. Die Möglichkeit entsprechender Lügen sah Hare nicht. Hare behauptete zudem, der Aufwand, den Amoralisten treiben müssten, um ihre Überzeugung zu verschleiern, wäre so groß, dass sie sozial immer im Nachteil seien.

Amoralisten kritisieren verschiedene Moralbegründungen, indem sie darauf verweisen, dass es in vielen Teilen der Welt relativ stabile Verhältnisse gibt, die üblichen moralischen Vorstellungen widersprechen, z. B. völkerrechtswidrige Kriege um Ressourcen, Sklaverei oder erfolgreiche Mafia-Organisationen. Siehe ethischer Relativismus.

Dezisionismus

Dezision (von latein. decidere: entscheiden, fallen, abschneiden) bedeutet so viel wie Entscheidung. Der Begriff des Dezisionismus wird oft in pejorativer Bedeutung gebraucht von Metaethischen Kognitivisten gegenüber Philosophen, die nur relative Begründungen der Moral anerkennen, z. B. Hare oder Popper und Hans Albert.

Dezisionisten sehen keine Alternative zu Prinzipienentscheidungen, die aus logischen oder pragmatischen Gründen ihrerseits nicht mehr weiter begründet werden können. So behauptete z. B. Henry Sidgwick, der Mensch müsse sich zwischen Utilitarismus und Egoismus entscheiden.

Dem Dezisionismus wird von seinen Kritikern ähnlich wie dem metaethischen Nonkognitivismus entgegengehalten, dass auch Entscheidungen wiederum einer Bewertung unterzogen werden könnten: Man entscheide sich nicht für bestimmte ethische Prinzipien, sondern diese würden umgekehrt die Grundlage von Entscheidungen darstellen.

Außerdem argumentieren Vertreter des Naturrechts dafür, dass sich die Objektivität der Ethik (also das Sollen) auf die Natur bzw. das Wesen des Seienden und letztlich auf das Sein selbst (z. B. Gott) zurückführen ließen.

Ethische Grundbegriffe

Ethische Grundbegriffe in ihrem Zusammenhang

Moralische Handlungen

Im Mittelpunkt deontologischer Ethiken steht der Begriff der Handlung. Sie wird in erster Annäherung definiert als „eine von einer Person verursachte Veränderung des Zustands der Welt“.[9] Die Veränderung kann eine äußere, in Raum und Zeit beobachtbare oder eine innere, mentale Veränderung sein. Auch die Art und Weise, wie man von außen einwirkenden Ereignissen begegnet, kann im weiteren Sinne als Handlung bezeichnet werden.

Absicht und Freiwilligkeit

Handlungen unterscheiden sich von Ereignissen dadurch, dass wir als ihre Ursache nicht auf ein weiteres Ereignis verweisen, sondern auf die Absicht des Handelnden. Die Absicht (lateinisch 'intentio'; nicht zu verwechseln mit dem juristischen Absichtsbegriff, dem 'dolus directus' 1. Grades) ist ein von der Handlung selbst zu unterscheidender Akt. Geplanten Handlungen liegt eine zeitlich vorausgehende Absicht zugrunde. Wir führen die Handlung so aus, wie wir sie uns vorher schon vorgenommen hatten. Der Begriff der Absicht ist von dem der Freiwilligkeit zu unterscheiden. Die Freiwilligkeit ist eine Eigenschaft, die zur Handlung selbst gehört. Der Begriff der Freiwilligkeit ist weiter als der der Absicht; er umfasst auch die spontanen Handlungen, bei denen nicht mehr von einer Absicht im engeren Sinne gesprochen werden kann.

Wissen und Willen

Eine Handlung ist dann freiwillig, wenn sie mit Wissen und Willen durchgeführt wird.

Die Unwissenheit kann dabei allerdings nur dann die Freiwilligkeit einer Handlung aufheben, wenn die handelnde Person sich nach besten Kräften vorher informiert hat, und sie mit dem ihr fehlenden Wissen anders gehandelt hätte. War dem Handelnden eine Kenntnis der Norm oder der Folgen zuzumuten, ist er für ihre Übertretung verantwortlich (ignorantia crassa oder supina). Noch weniger entschuldigt jene Unkenntnis, die absichtlich zum Vermeiden eines Konflikts mit der Norm herbeigeführt wurde (ignorantia affectata), wenn also z. B. bewusst vermieden wird, sich über ein Gesetz zu informieren, um sagen zu können, man hätte von einem bestimmten Verbot nicht gewusst. Das Sprichwort sagt zu Recht: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Auch im deutschen Strafrecht wird diesem Sachverhalt Rechnung getragen. So heißt es z. B. in § 17 StGB:[10]

„Fehlt dem Täter bei Begehung der Tat die Einsicht, Unrecht zu tun, so handelt er ohne Schuld, wenn er diesen Irrtum nicht vermeiden konnte. Konnte der Täter den Irrtum vermeiden, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 gemildert werden.“

Kant versuchte eine rein formale Begründung der Ethik

Für die sittliche Bewertung einer Handlung ist außerdem das effektive Wollen wesentlich, die Absicht ihrer Verwirklichung. Das setzt voraus, dass zumindest der Handelnde der Auffassung war, dass ihm eine Verwirklichung seiner Absicht möglich sei, d. h., dass das Ergebnis von seinem Handeln kausal herbeigeführt werden könne. Unterliegt der Handelnde einem äußeren Zwang, hebt dieser die Freiwilligkeit der Handlung im Allgemeinen auf.

Handlungsprinzipien

Absichten finden ihren Ausdruck in praktischen Grundsätzen. Diese können zunächst einmal in inhaltliche und formale Grundsätze unterschieden werden. Inhaltliche Grundsätze legen konkrete inhaltliche Güter (Leben, Gesundheit, Besitz, Vergnügen, Umwelt etc.) als Bewertungskriterium für das Handeln zugrunde. Sie sind teilweise subjektiv und haben unter Umständen einen dezisionistischen Charakter. In diesen Fällen können sie ihre eigene Vorrangstellung nicht gegenüber anderen, konkurrierenden inhaltlichen Grundsätzen begründen.

Formale Grundsätze verzichten auf einen Bezug zu konkreten inhaltlichen Gütern. Das bekannteste Beispiel ist der Kategorische Imperativ Kants.

Es lassen sich grundsätzlich drei Ebenen der praktischen Sätze voneinander unterscheiden:[11]

  1. ein oberstes Prinzip praktischer Überlegungen (wie z. B. der Kategorische Imperativ)
  2. praktische Grundsätze, die sich aus dem obersten Prinzip ableiten (wie z. B. die zehn Gebote)
  3. Sätze, die Entscheidungen formulieren, indem sie Maximen auf konkrete Lebenssituationen anwenden

Die Ethik ist häufig nur in der Lage, Aussagen zu den ersten beiden Ebenen zu machen. Die Übertragung von praktischen Grundsätzen auf eine konkrete Situation, erfordert das Vermögen der praktischen Urteilskraft. Nur mit seiner Hilfe können eventuell auftretende Zielkonflikte gelöst und die voraussichtlichen Folgen von Entscheidungen abgeschätzt werden.

Handlungsfolgen

Komponenten einer Handlung

Wesentlich für die ethische Bewertung von Handlungen sind die mit ihnen verbundenen Folgen. Diese werden unterschieden in motivierende und in Kauf genommene Folgen. Motivierende Folgen sind solche, um derentwillen eine Handlung ausgeführt wird. Sie werden vom Handelnden unmittelbar angezielt („Voluntarium in se“).

In Kauf genommene Folgen („Voluntarium in causa“) werden zwar nicht unmittelbar angezielt, aber als Nebenwirkung der motivierenden Folgen vorausgesehen und bewusst zugelassen (Prinzip der Doppelwirkung). So unterliegt beispielsweise bewusste Fahrlässigkeit als bedingter Vorsatz (dolus eventualis) der ethischen und rechtlichen Verantwortung: Volltrunkenheit entschuldigt nicht bei einem Verkehrsunfall.

Tun und Unterlassen

Bereits Thomas von Aquin[12] unterscheidet eine zweifache Kausalität des Willens: die „direkte“ Einwirkung des Willens, in der durch den Willensakt ein bestimmtes Ereignis hervorgerufen wird, und die „indirekte“, in der ein Ereignis dadurch eintritt, dass der Wille untätig bleibt. Tun und Unterlassen unterscheiden sich hierbei nicht hinsichtlich ihrer Freiwilligkeit. Beim Unterlassen verzichtet jemand auf das Eingreifen in einen Prozess, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte. Auch das Unterlassen kann daher als Handlung aufgefasst werden und strafbar sein.

Die strikte Unterscheidung zwischen diesen beiden Handlungsformen, die z. B. in der medizinischen Ethik eine große Rolle spielt (vgl. aktive und passive Sterbehilfe etc.), erscheint daher vom ethischen Standpunkt aus gesehen als teilweise fragwürdig.

Das Ziel menschlichen Handelns

Im Mittelpunkt teleologischer Ethiken steht die Frage, was ich mit meiner Handlung letztlich bezwecke, welches Ziel ich mit ihr verfolge. Der Begriff „Ziel“ (finis, telos) ist hier insbesondere als „letztes Ziel“ oder „Endziel“ zu verstehen, von dem all mein Handeln bestimmt wird.

Glück als letztes Ziel

Das Glück als letztes Ziel des menschlichen Lebens – Allegorie von Angelo Bronzino

In der Tradition wird als letztes Ziel des Menschen häufig das Glück oder die Glückseligkeit (beatitudo) genannt. Der Ausdruck „Glück“ wird dabei in einem mehrdeutigen Sinne gebraucht:

  • zur Bezeichnung eines gelungenen und guten Lebens, dem nichts Wesentliches fehlt („Lebensglück“, eudaimonia)
  • zur Bezeichnung günstiger Lebensumstände („Zufallsglück“, eutychia)
  • zur Bezeichnung des subjektiven Wohlbefindens (Glück als Lust, hedone)

Philosophiegeschichtlich konkurrieren die Bestimmungen von Glück als „Lebensglück“ und als subjektives Wohlbefinden miteinander. Für die Eudämonisten (Platon, Aristoteles) ist Glück die Folge der Verwirklichung einer Norm, die als Telos im Wesen des Menschen angelegt ist. Glücklich ist dieser Konzeption zufolge vor allem, wer auf vernünftige Weise tätig ist.

Für die Hedonisten (Sophisten, klassische Utilitaristen) gibt es kein zu verwirklichendes Telos des Menschen mehr; es steht keine objektive Norm zur Verfügung, um zu entscheiden, ob jemand glücklich ist. Dies führt zu einer Subjektivierung des Glücksbegriffs. Es obliege allein dem jeweiligen Individuum, zu bewerten, ob es glücklich ist. Glück wird zum Teil auch mit dem Erreichen von Gütern wie Macht, Reichtum, Ruhm etc. gleichgesetzt.

Sinn und Ziel

Das Wort „Sinn“ bezeichnet grundsätzlich die Qualität von etwas, das dieses verstehbar macht. Wir verstehen etwas dadurch, indem wir erkennen, worauf es „hingeordnet“ ist, wozu es dient. Die Frage nach dem Sinn steht also in einem engen Zusammenhang mit der Frage nach dem Ziel oder Zweck von etwas. Auch der Sinn einer Handlung oder gar des ganzen Lebens kann nur beantwortet werden, wenn die Frage nach seinem Ziel geklärt ist. Eine menschliche Handlung bzw. ein gesamtes Leben ist dann sinnvoll, wenn es auf dieses Ziel hin ausgerichtet ist.

Das Gute

Der Begriff „gut“

„Gut“ gehört wie der Begriff „seiend“ zu den ersten und daher nicht mehr definierbaren Begriffen. Es wird zwischen einem adjektivischen und einem substantivischen Gebrauch unterschieden.

Als Adjektiv bezeichnet das Wort „gut“ generell die Hinordnung eines „Gegenstandes“ auf eine bestimmte Funktion oder einen bestimmten Zweck. So spricht man z. B. von einem „guten Messer“, wenn es seine im Prädikator „Messer“ ausgedrückte Funktion erfüllen – also z. B. gut schneiden kann. Analog spricht man von einem „guten Arzt“, wenn er in der Lage ist, seine Patienten zu heilen und Krankheiten zu bekämpfen. Ein „guter Mensch“ ist demnach jemand, der in seinem Leben auf das hin ausgerichtet ist, was das Menschsein ausmacht, also dem menschlichen Wesen bzw. seiner Natur entspricht.

Als Substantiv bezeichnet das Wort „das Gut“ etwas, auf das hin wir unser Handeln ausrichten. Wir gebrauchen es normalerweise in dieser Weise, um „eine unter bestimmten Bedingungen vollzogene Wahl als richtig oder gerechtfertigt zu beurteilen“.[13] So kann beispielsweise eine Aussage wie „Die Gesundheit ist ein Gut“ als Rechtfertigung für die Wahl einer bestimmten Lebens- und Ernährungsweise dienen. In der philosophischen Tradition war man der Auffassung, dass prinzipiell jedes Seiende – unter einer gewissen Rücksicht – Ziel des Strebens sein könne („omne ens est bonum“). Daher wurde die „Gutheit“ des Seienden zu den Transzendentalien gerechnet.

Gemäß der Analyse von Richard Mervyn Hare werden wertende Wörter wie „gut“ oder „schlecht“ dazu verwendet, in Entscheidungssituationen Handeln anzuleiten bzw. Empfehlungen zu geben. Die Wörter „gut“ oder „schlecht“ haben demnach keine beschreibende (deskriptive), sondern eine vorschreibende (präskriptive) Funktion.

Dies kann an einer außermoralischen Verwendung des Wortes „gut“ verdeutlicht werden. Wenn ein Verkäufer zum Kunden sagt: „Dies ist ein guter Wein“, dann empfiehlt er den Kauf dieses Weines, er beschreibt damit jedoch keine wahrnehmbare Eigenschaft des Weines. Insofern es jedoch sozial verbreitete Bewertungsstandards für Weine gibt (er darf nicht nach Essig schmecken, man darf davon keine Kopfschmerzen bekommen etc.), so bedeutet die Bewertung des Weines als „gut“, dass der Wein diese Standards erfüllt und dass er somit auch bestimmte empirische Eigenschaften besitzt.

Die Bewertungskriterien, die an eine Sache angelegt werden, können je nach dem Verwendungszweck variieren. Ein herber Wein mag als Tafelwein gut, für sich selbst getrunken dagegen eher schlecht sein. Der Verwendungszweck einer Sache ist keine feststehende Eigenschaft der Sache selbst, sondern beruht auf menschlicher Setzung. Eine Sache ist „gut“ – immer bezogen auf bestimmte Kriterien. Wenn der Verkäufer sagt: „Dies ist ein sehr guter Tafelwein“ dann ist er so, wie er gemäß den üblichen Kriterien für Tafelwein sein soll.

Wenn das Wort „gut“ in moralischen Zusammenhängen gebraucht wird („Dies war eine gute Tat“), so empfiehlt man die Tat und drückt aus, dass sie so war, wie sie sein soll. Man beschreibt damit jedoch nicht die Tat. Wird auf allgemein anerkannte moralische Kriterien Bezug genommen, drückt man damit zugleich aus, dass die Tat bestimmte empirische Eigenschaften besitzt, z. B. eine Zurückstellung des Eigeninteresses zugunsten überwiegender Interessen von Mitmenschen.

Das höchste Gut

Als das höchste Gut (summum bonum) wird das bezeichnet, was nicht nur unter einer bestimmten Rücksicht (für den Menschen) gut ist, sondern schlechthin, da es dem Menschen als Menschen ohne Einschränkung entspricht. Es ist identisch mit dem „unbedingt Gesollten“. Seine inhaltliche Bestimmung hängt ab von der jeweiligen Sicht der Natur des Menschen. In der Tradition wurden dabei die unterschiedlichsten Lösungsvorschläge präsentiert:

Werte

Der Begriff „Wert“ stammte ursprünglich aus der Politischen Ökonomie, in der Adam Smith, David Ricardo und später Karl Marx unter anderem die Unterscheidung von Gebrauchs- und Tauschwert untersuchten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde „Wert“ ein philosophischer Terminus, der im Rahmen der Wertphilosophie (Max Scheler u. a.) eine zentrale Bedeutung einnahm. Dort führte man ihn als Gegenbegriff zur Kantischen Pflichtethik ein, in der Annahme, dass Werten vor allen Vernunftüberlegungen eine „objektive Gültigkeit“ zukommen würde.

In der Alltagssprache taucht der Begriff auch in jüngster Zeit wieder verstärkt auf, gerade wenn von „Grundwerten“, einem „Wertewandel“ oder einer „neuen Wertedebatte“ die Rede ist.

Der Wertbegriff weist große Ähnlichkeiten mit dem Begriff des Guten auf. Er wird wie dieser grundsätzlich in einer subjektiven und einer objektiven Variante gebraucht:

  • als „objektiver Wert“ bezeichnet er den „Wert“ von bestimmten Gütern für den Menschen – wie z. B. den Wert des menschlichen Lebens, der Gesundheit etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum physicum“ („physisches Gut“).
  • als „subjektive Werthaltung“ bezeichnet er das, was mir wertvoll ist, meine „Wertvorstellungen“ – wie Treue, Gerechtigkeit etc. Dies entspricht der Bedeutung von „bonum morale“ („sittliches Gut“).

Im Vergleich zum Begriff des Guten kommt dem Wertbegriff allerdings eine stärkere gesellschaftliche Bedingtheit zu. So spricht man von einem „Wertewandel“, wenn man ausdrücken will, dass sich bestimmte, in einer Gesellschaft allgemein akzeptierte Handlungsnormen im Verlauf der Geschichte verändert haben. Damit meint man aber in der Regel nicht, dass das, was früher für gut gehalten wurde, nun „tatsächlich“ nicht mehr gut sei, sondern nur, dass sich das allgemeine Urteil darüber geändert habe.

Tugend

Allegorie der Tugend von Raffael in der Stanza della Segnatura des Vatikan

Die richtige Abwägung ethischer Güter und ihre Durchsetzung setzt Tugend voraus. In ihrer klassischen Definition formuliert sie Aristoteles als jene feste Grundhaltung, von der aus [der Handelnde] tüchtig wird und die ihm eigentümliche Leistung in vollkommener Weise zustande bringt (NE 1106a).[17]

Die Leistung der ethischen Tugenden besteht vor allem darin, im Menschen eine Einheit von sinnlichem Strebevermögen und sittlicher Erkenntnis zu bewirken. Ein Mensch gilt erst dann als „gut“, wenn er zur inneren Einheit mit sich selbst gekommen ist und das als richtig Erkannte auch affektiv voll bejaht. Dies ist nach Aristoteles nur durch eine Integration der Gefühle durch die ethischen Tugenden möglich. Ungeordnete Gefühle verfälschen das sittliche Urteil. Das Ziel der Einheit von Vernunft und Gefühl führt über eine bloße Ethik der richtigen Entscheidung hinaus. Es kommt nicht nur darauf an, was wir tun, sondern auch wer wir sind.

Tugend setzt neben Erkenntnis eine Gewöhnung voraus, die durch Erziehung und soziale Praxis erreicht wird. Wir werden gerecht, mutig etc., indem wir uns in Situationen begeben, wo wir uns entsprechend verhalten können. Die wichtigste Rolle kommt dabei der Tugend der Klugheit (phronesis) zu. Ihr obliegt es, die rechte „Mitte“ zwischen den Extremen zu finden und sich für die optimale Lösung in der konkreten Situation zu entscheiden.

Sollen

Der Begriff „sollen“ ist ein Grundbegriff deontologischer Ethikansätze. Er bezieht sich – als Imperativ – auf eine Handlung, mit der ein bestimmtes Ziel erreicht werden soll. Dabei müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • das vorgegebene Ziel kann verfehlt werden
  • das vorgegebene Ziel steht nicht in Konkurrenz zu anderen, übergeordneten Zielen
  • das vorgegebene Ziel kann prinzipiell erreicht werden („Jedes Sollen impliziert ein Können“)

Sprachanalytisch lässt sich das Sollen mit Hilfe der sogenannten deontischen Prädikatoren erklären. Diese beziehen sich auf die sittliche Verbindlichkeit von Handlungen. Folgende Varianten sind dabei zu unterscheiden:

  • moralisch möglich,
  • moralisch notwendig,
  • moralisch unmöglich.

Moralisch mögliche Handlungen sind sittlich erlaubt, d. h. man darf so handeln. Moralisch notwendige Handlungen sind sittlich geboten. Hier spricht man davon, dass wir etwas tun sollen bzw. die Pflicht haben, etwas zu tun. Moralisch unmögliche Handlungen sind sittlich verbotene Handlungen, die wir nicht ausführen dürfen; siehe auch Sünde.

Das Verhältnis zum Guten

Die Begriffe „gut“ und „gesollt“ sind zwar eng miteinander verwandt, aber nicht deckungsgleich. So können wir in Situationen stehen, in denen wir nur zwischen schlechten Alternativen wählen können. Hier ist es gesollt, dass wir uns für das „geringere Übel“ entscheiden. Umgekehrt ist nicht alles Gute auch gesollt. Das kann z. B. der Fall sein, wenn das Erreichen eines Gutes ein anderes Gut ausschließt. Hier muss eine Güterabwägung erfolgen, die zum Verzicht eines Gutes führt.

Gerechtigkeit

Darstellung der Justitia von Raffael

Der Begriff der Gerechtigkeit ist seit der intensiven Diskussion um die „Theorie der Gerechtigkeit“ von John Rawls und vor allem seit der aktuellen politischen Debatte um die Aufgaben des Sozialstaates (Betonung der Chancen- und Leistungsgerechtigkeit gegenüber der Verteilungsgerechtigkeit) wieder stark ins Blickfeld geraten.

„Gerecht“ wird – wie der Begriff „gut“ – in vielerlei Bedeutungen gebraucht. Es werden Handlungen, Haltungen, Personen, Verhältnisse, politische Institutionen und zuweilen auch Affekte (der „gerechte Zorn“) als gerecht bezeichnet. Grundsätzlich kann zwischen einem „subjektiven“ und einem „objektiven“ Gebrauch unterschieden werden, wobei beide Varianten aufeinander bezogen sind.

Die subjektive oder besser personale Gerechtigkeit bezieht sich auf das Verhalten oder die ethische Grundhaltung einer Einzelperson. Eine Person kann gerecht handeln ohne gerecht zu sein und umgekehrt. Damit im Zusammenhang steht die kantische Unterscheidung zwischen Legalität und Moralität. Legale Handlungen sind nach außen hin betrachtet in Übereinstimmung mit dem Sittengesetz, geschehen aber nicht ausschließlich aufgrund moralischer Beweggründe, sondern z. B. auch aus Angst, Opportunismus etc. Bei moralischen Handlungen dagegen stimmen Handlung und Motiv miteinander überein. In diesem Sinne wird Gerechtigkeit als eine der vier Kardinaltugenden bezeichnet.

Die objektive oder institutionelle Gerechtigkeit bezieht sich auf die Bereiche Recht und Staat. Hier geht es immer um Pflichten innerhalb einer Gemeinschaft, die das Gleichheitsprinzip berühren. Es ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen der ausgleichenden Gerechtigkeit (iustitita commutativa) und Verteilungsgerechtigkeit (iustitita distributiva). Bei der ausgleichenden Gerechtigkeit tritt der Wert einer Ware oder Leistung in den Vordergrund. Bei der Verteilungsgerechtigkeit geht es um den Wert der beteiligten Personen.

Die Gerechtigkeit der Einzelpersonen und der Institutionen sind in einem engen Zusammenhang zueinander zu sehen. Ohne gerechte Bürger werden keine gerechten Institutionen geschaffen oder aufrechterhalten werden können. Ungerechte Institutionen erschweren andererseits die Entfaltung der Individualtugend der Gerechtigkeit.

Das Anliegen der Ethik beschränkt sich nicht auf das Thema „Gerechtigkeit“. Zu den Tugenden gehören noch diejenigen, die man vor allem sich selbst gegenüber hat (Klugheit, Mäßigung, Tapferkeit). Zu den ethischen Pflichten gegenüber anderen zählt noch die Pflicht des Wohltuns (beneficientia), die über die Gerechtigkeit hinausgeht und ihre Wurzel letztlich in der Liebe hat. Während der Gerechtigkeit das Gleichheitsprinzip zugrunde liegt, ist dies beim Wohltun die Notlage oder Bedürftigkeit des anderen. Diese Unterscheidung entspricht der zwischen „iustitia“ und „caritas“ (Thomas von Aquin), Rechts- und Tugendpflichten (Kant) bzw. in der Gegenwart der zwischen „duties of justice“ und „duties of charity“ (Philippa Foot).

Ethische Theorien

Klassen ethischer oder moralphilosophischer Theorien lassen sich danach unterscheiden, welche Kriterien sie für die Bestimmung des moralisch Guten zugrunde legen. Das moralisch Gute kann bestimmt werden durch:

Dabei werden unterschiedlichste Kombinationen und feinere moraltheoretische Bestimmungen vertreten.

Teleologische oder deontologische Ethik

Die verschiedenen Ethikansätze werden traditionell prinzipiell danach unterschieden, ob sie ihren Schwerpunkt auf die Handlung selbst (deontologische Ethikansätze) oder auf die Handlungsfolgen (teleologische Ethikansätze) legen. Die Unterscheidung geht zurück auf C. D. Broad[18] und wurde bekannt durch William K. Frankena. In dieselbe Richtung geht auch die Aufteilung Max Webers in Gesinnungs- und Verantwortungsethiken, wobei diese von ihm als Polemik gegenüber Gesinnungsethiken verstanden wurde.

Teleologische Ethiken

Das griechische Wort „telos“ bedeutet so viel wie Vollendung, Erfüllung, Zweck oder Ziel. Unter teleologischen Ethiken versteht man daher solche Theorieansätze, die ihr Hauptaugenmerk auf bestimmte Zwecke oder Ziele richten. In ihnen wird die Forderung erhoben, Handlungen sollten ein Ziel anstreben, das in einem umfassenderen Verständnis gut ist. Der Inhalt dieses Zieles wird von den verschiedenen Richtungen auf recht unterschiedliche Art und Weise bestimmt.

Teleologische Ethiken geben valuativen Sätzen einen Vorrang gegenüber normativen Sätzen. Für sie stehen Güter und Werte im Vordergrund. Die menschlichen Handlungen sind insbesondere insofern von Interesse, als sie hinderlich oder förderlich zum Erreichen dieser Güter und Werte sein können. Eine Handlung ist dann auszuführen und nur dann, wenn sie oder die Regel, unter die sie fällt, ein größeres Überwiegen des Guten über das Schlechte herbeiführt, vermutlich herbeiführen wird oder herbeiführen sollte als jede erreichbare Alternative (Frankena).[19]

Innerhalb teleologischer Ethikansätze wird wiederum zwischen „onto-teleologischen“ und „konsequentialistisch-teleologischen“ Ansätzen unterschieden.

In onto-teleologischen Ansätzen – klassisch vertreten durch Aristoteles – wird davon ausgegangen, dass das zu erstrebende Gut in gewisser Weise dem Menschen selbst als Teil seiner Natur innewohne. Es wird gefordert, dass der Mensch so handeln und leben solle, wie es seiner Wesensnatur entspricht, um so seine artspezifischen Anlagen auf bestmögliche Weise zu vervollkommnen.

In konsequentialistisch-teleologischen Ansätzen hingegen wird nicht mehr von einer letzten vorgegebenen Zweckhaftigkeit des menschlichen Daseins ausgegangen. Das zu erstrebende Ziel wird daher durch einen außerhalb des handelnden Subjekts liegenden Nutzen bestimmt. Dieser Ansatz wird bereits in der Antike (Epikur) und später in seiner typischen Form durch den Utilitarismus vertreten.

Deontologische Ethiken

Das griechische Wort to deon bedeutet „das Schickliche, die Pflicht“. Deontologische Ethiken kann man daher mit Sollensethiken gleichsetzen. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass bei ihnen den Handlungsfolgen nicht dieselbe Bedeutung zukommt wie in teleologischen Ethiken. Innerhalb der deontologischen Ethiken wird häufig zwischen aktdeontologischen (z. B. Jean-Paul Sartre) und regeldeontologischen Konzeptionen (z. B. Immanuel Kant) unterschieden. Während die Regeldeontologie allgemeine Handlungstypen als verboten, erlaubt oder geboten ausweist (vgl. z. B. das Lügenverbot oder die Pflicht, Versprechen zu halten), bezieht sich den aktdeontologischen Theorien zufolge das deontologische Moralurteil unmittelbar auf spezifische Handlungsweisen in jeweils bestimmten Handlungssituationen.

In deontologischen Ethiken haben normative Sätze eine Vorrangstellung gegenüber valuativen Sätzen. Für sie bilden Gebote, Verbote und Erlaubnisse die Grundbegriffe. Es rücken die menschlichen Handlungen in den Vordergrund, da nur sie gegen eine Norm verstoßen können. Robert Spaemann charakterisiert sie als moralische Konzepte, […] für welche bestimmte Handlungstypen ohne Beachtung der weiteren Umstände immer verwerflich sind, also z. B. die absichtliche direkte Tötung eines unschuldigen Menschen, die Folter oder der außereheliche Beischlaf eines verheirateten Menschen.[20]

Kritik an der Unterscheidung

Die Unterscheidung zwischen teleologischen und deontologischen Ethiken wird von einigen Kritikern[21] als fragwürdig bezeichnet. In der Praxis sind auch selten Ansätze zu finden, die eindeutig einer der beiden Richtungen zugeordnet werden könnten.

Einer strikten deontologischen Ethik müsste es gelingen, Handlungen aufzuzeigen, die „in sich“, völlig losgelöst von ihren Folgen, als unsittlich und „in sich schlecht“ zu bezeichnen wären. Diese wären dann „unter allen Umständen“ zu tun oder zu unterlassen gemäß dem Spruch Fiat iustitia et pereat mundus („Gerechtigkeit geschehe, und sollte die Welt darüber zugrunde gehen“, Ferdinand I. von Habsburg). Bekannte Beispiele solcher Handlungen sind die „Tötung Unschuldiger“ oder die nach Kant unzulässige Lüge. In den Augen der Kritiker liegt in diesen Fällen häufig eine „petitio principii“ vor. Wenn z. B. die Tötung Unschuldiger als Mord und dieser wiederum als unsittliche Handlung definiert wird, könne sie natürlich in jedem Fall als „in sich schlecht“ bezeichnet werden. Das Gleiche gelte für die Lüge, wenn sie als unerlaubtes Verfälschen der Wahrheit bezeichnet wird.

Gerade in der Analyse ethischer Dilemmasituationen, in denen nur die Wahl zwischen mehreren Übeln möglich ist, zeige sich, dass es kaum möglich sein dürfte, bestimmte Handlungen unter allen Umständen als „sittlich schlecht“ zu bezeichnen. Nach einer strikten deontologischen Ethik wäre die „Wahl des kleineren Übels“ nicht möglich.

An strikt teleologisch argumentierenden Ethikansätzen wird kritisiert, dass sie das ethisch Gesollte von außerethischen Zwecken abhängig machen. Damit bleibe die Frage unbeantwortet, weshalb wir diese Zwecke verfolgen sollen. Eine Güterabwägung werde damit unmöglich gemacht, da die Frage, was ein oder das bessere „Gut“ ist, nur geklärt werden könne, wenn vorher allgemeine Handlungsprinzipien definiert wurden. In vielen teleologischen Ansätzen würden diese Handlungsprinzipien auch einfach stillschweigend vorausgesetzt, wie z. B. im klassischen Utilitarismus, für den Lustgewinnung und Unlustvermeidung die Leitprinzipien jeglicher Folgenabschätzung darstellen.

Wollen und Sollen in Ansätzen der Ethik

Ethische Positionen lassen sich auch danach unterscheiden, wie sich das Gesollte aus einem bestimmten Wollen ergibt.

Ethische Positionen
Ethische Position Vertreter Maßstab des ethisch Gesollten ist …
divine-command-Theoretiker[22] … der Wille Gottes
Intuitionismus Ross, Audi … das allen Menschen gemeinsame Empfinden und Wollen
Position der Verallgemeinerbarkeit, Kategorischer Imperativ Kant, Singer … der Wille jedes Individuums selbst, wenn es annehmen muss, dass die von ihm gewählten Regeln für das eigene Handeln zugleich auch von allen anderen Individuen befolgt werden
Position des allgemeinen Willens Rousseau … der Wille der Individuen selbst, wenn diese in einer Situation sozialer Gleichheit gemeinsam für alle geltende Gesetze beschließen
Konsenstheoretische Position, Diskurstheorie Habermas … der Wille der Individuen selbst, wenn sie sich frei von jeglichem Zwang auf Regeln für den Umgang miteinander dauerhaft einigen müssen
Position des größten allgemeinen Nutzens bzw. typische Varianten des Utilitarismus Bentham … die Summe der gleichgewichtig informierten Willen der Individuen selbst
Vertragstheoretische Position Buchanan, Scanlon, Gauthier … der Wille der Individuen selbst, wenn sie sich vertraglich auf Regeln für den Umgang miteinander einigen müssten
Position des durch Unwissenheit gebrochenen Eigeninteresses Rawls,

Harsanyi

… der Wille eines eigeninteressierten, rationalen Individuums, das eine soziale Ordnung entwirft, ohne dabei zu wissen, welche Position es in dieser Ordnung selbst einnehmen wird
Position der vertauschten Rollen, Goldene Regel Hare … der Wille jedes Individuum selbst, wenn es bei der Formulierung von Regeln für den Umgang miteinander annimmt, dass es sich selbst in der Position des jeweils betroffenen Anderen befindet
Position der Umkehrbarkeit Rawls, Baier … der Wille jedes Individuums selbst, wenn es bei der Bestimmung von Regeln für den Umgang miteinander hypothetisch annimmt, dass es selbst sich in der Position des vergleichsweise am schlechtesten Gestellten befindet
Nihilismus, Moralkritik Nietzsche, Heidegger … das philosophische Hinterfragen von Religion, Weltanschauung, Moral und Wertesystemen, sowie der tatsächlichen Bedeutung des Bestehenden – durch Kritik und Verneinung
Position der überindividuellen Wesenheiten (Rasse, Volk, Nation, Klasse) … der Wille des maßgebenden Kollektivs
Rechtspositivismus … der Wille des jeweiligen gesetzgebenden Souveräns
Vernunftrechtslehre … die Einsicht des Vernunftbegabten aufgrund vernünftiger Überlegung
Egoismus Max Stirner … der Wille jedes Individuums selbst, wenn es informiert ist und einen langfristigen Zeithorizont berücksichtigt

Die aufgelisteten Positionen liegen auf unterschiedlichen logischen Ebenen und schließen sich deshalb auch nicht logisch aus. So ist z. B. die Verbindung einer religiösen Position mit einer intuitionistischen Position möglich. Denkbar ist auch eine Verbindung der konsenstheoretischen Position mit einer utilitaristischen Position, wenn man annimmt, dass sich ein Konsens über die richtige Norm nur dann herstellen lässt, wenn dabei der Nutzen (das Wohl) jedes Individuums in gleicher Weise berücksichtigt wird.

Außerdem ist zu beachten: Einige dieser Ansätze haben ausdrücklich nicht den Anspruch, umfassende ethische Konzepte zu sein, sondern z. B. nur Konzepte für die Beurteilung, ob eine Gesellschaft in politisch-ökonomischer Hinsicht gerecht eingerichtet ist; z. B. bei John Rawls, im Unterschied zu umfassenderen Ansätzen, die auch Fragen privater, individueller Ethik betreffen – etwa, ob es eine moralische Pflicht gibt, zu lügen, wenn genau dies notwendig ist, um ein Menschenleben zu retten (und wenn ohne diese Lüge niemand sonst stattdessen gerettet würde). Auch z. B. Habermas beantwortet diese Frage nicht „inhaltlich“, aber sein Konzept beinhaltet den Bereich auch solcher Fragen, indem es „formal“ postuliert, richtig sei, was in dieser Frage alle, die an einem zwanglosen und zugleich vernünftigen Diskurs dazu teilnehmen würden, als verbindlich für alle dazu herausfinden und akzeptieren würden.

Inhaltliche Richtigkeit und formale Verbindlichkeit von Normen

Wenn man fragt, warum Individuum A eine bestimmte Handlungsnorm N befolgen soll, so gibt es zwei Arten von Antworten.

Die eine Art von Antworten bezieht sich auf eine Institution oder ein Verfahren, wodurch die Norm gesetzt wurde. Beispiele hierfür sind:

A soll N befolgen, weil …

  • … A dies versprochen hat,
  • … der Verstorbene dies in seinem Testament so festgelegt hat,
  • … das geltende Recht dies vorschreibt,
  • … der Eigentümer es so will,
  • … es mehrheitlich so beschlossen wurde etc.

Die andere Art von Antworten bezieht sich auf die inhaltliche Beschaffenheit der Norm. Beispiele für diese Art von Antworten sind:

A soll N befolgen, weil …

  • … N gerecht ist,
  • … N für alle das Beste ist,
  • … die Befolgung von N zum größten Wohl aller führt,
  • … N der Menschenwürde entspricht etc.

Offensichtlich liegen diese Begründungen auf zwei verschiedenen Ebenen, denn man kann ohne logischen Widerspruch sagen: „Ich halte den Beschluss der Parlamentsmehrheit zwar für inhaltlich falsch, aber dennoch ist er für mich verbindlich. Als Demokrat respektiere ich die Beschlüsse der Mehrheit.“

Man kann die ethischen Theorien nun danach unterscheiden, wie sie mit dem Spannungsverhältnis zwischen der Ebene der verfahrensmäßigen Setzung von verbindlichen Normen und der Ebene der argumentativen Bestimmung von richtigen Normen umgehen.

Auf der einen Seite stehen ganz außen die Dezisionisten. Für sie ist nur die verbindliche Setzung von Normen bedeutsam. Sie bestreiten, dass man in Bezug auf Normen überhaupt von inhaltlicher Richtigkeit und von einer Erkenntnis der richtigen Norm sprechen kann.

Das Hauptproblem der Dezisionisten ist, dass es für sie keine Berechtigung für einen Widerstand gegen die gesetzten Normen geben kann, denn „verbindlich ist verbindlich“. Außerdem können Dezisionisten nicht begründen, warum man das eine Normsetzungsverfahren irgendeinem anderen Verfahren vorziehen soll.

Auf der anderen Seite stehen ganz außen die ethischen Kognitivisten. Für sie ist das Problem ethischen Handelns allein ein Erkenntnisproblem, das man durch die Gewinnung relevanter Informationen und deren Auswertung nach geeigneten Kriterien lösen kann. Eine Legitimation von Normen durch Verfahren ist für sie nicht möglich.

Das Hauptproblem der Kognitivisten ist, dass es auch beim wissenschaftlichen Meinungsstreit oft nicht zu definitiven Erkenntnissen kommt, die als Grundlage der sozialen Koordination dienen könnten. Es werden deshalb zusätzlich verbindliche und sanktionierte Normen benötigt, die für jedes Individuum das Handeln der anderen berechenbar macht.

Erkenntnistheoretische und metaphysische Probleme der Ethik

Sein und Sollen

Teleologische Ethiken sind in der Regel Güter-Ethiken; sie bezeichnen bestimmte Güter (z. B. „Glück“ oder „Lust“) als für den Menschen gut und damit erstrebenswert.

Schon David Hume hat den Einwand erhoben, dass der Übergang von Seins- zu Sollensaussagen nicht legitim sei („Humes Gesetz“). Unter dem Stichwort „Naturalistischer Fehlschluss“ hat George Edward Moore damit eng verwandte Fragen aufgeworfen, die aber genau genommen nicht dieselben sind.

Hume kritisiert an den ihm bekannten Moralsystemen,

„… daß mir anstatt der üblichen Verbindungen von Worten mit ‚ist‘ und ‚ist nicht‘ kein Satz mehr begegnet, in dem nicht ein ‚sollte‘ oder ‚sollte nicht‘ sich fände. […] Dies sollte und sollte nicht drückt eine neue Beziehung oder Behauptung aus, muß also notwendigerweise betrachtet und erklärt werden. Gleichzeitig muß ein Grund angegeben werden für etwas, das sonst ganz unbegreiflich scheint, nämlich dafür, wie diese neue Beziehung zurückgeführt werden kann auf andere, die von ihr ganz verschieden sind.“

– Hume: Traktat über die menschliche Natur. III, 1, 1.

Für Hume sind logische Schlussfolgerungen von dem, was ist, auf das, was sein soll, unzulässig, denn durch logische Umformungen könne aus Ist-Sätzen kein völlig neues Bedeutungselement wie das Sollen hergeleitet werden.

Wie später die Positivisten betont haben, muss erkenntnistheoretisch zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wegen ihres unterschiedlichen Verhältnisses zur Sinneswahrnehmung differenziert werden. Während der Satz „Peter ist um 14 Uhr am Bahnhof gewesen“ durch intersubjektiv übereinstimmende Beobachtungen überprüfbar, also verifizierbar oder falsifizierbar ist, lässt sich der Satz „Peter soll um 14 Uhr am Bahnhof sein“ mit den Mitteln von Beobachtung und Logik allein nicht begründen oder widerlegen.

Die erkenntnistheoretische Unterscheidung zwischen Sein und Sollen liegt den modernen Erfahrungswissenschaften zugrunde. Wer diese Unterscheidung nicht akzeptiert, der muss entweder ein Sein postulieren, das nicht direkt oder indirekt wahrnehmbar ist, oder er muss das Gesollte für sinnlich wahrnehmbar halten. Beiden Positionen mangelt es bisher an einer intersubjektiven Nachprüfbarkeit.

Die vermeintliche Herleitung ethischer Normen aus Aussagen über das Seiende wird oft nur durch die unbemerkte Ausnutzung der normativ-empirischen Doppeldeutigkeit von Begriffen wie „Wesen“, „Natur“, „Bestimmung“, „Funktion“, „Zweck“, „Sinn“ oder „Ziel“ erreicht.

So bezeichnet das Wort „Ziel“ einmal das, was ein Mensch tatsächlich anstrebt („Sein Ziel ist das Diplom“). Das Wort kann jedoch auch das bezeichnen, was ein Mensch anstreben sollte („Wer nur am Materiellen ausgerichtet ist, der verfehlt das wahre Ziel des menschlichen Daseins“).

Die unbemerkte empirisch-normative Doppeldeutigkeit bestimmter Begriffe führt dann zu logischen Fehlschlüssen wie: „Das Wesen der Sexualität ist die Fortpflanzung. Also ist Empfängnisverhütung nicht erlaubt, denn sie entspricht nicht dem Wesen der Sexualität.“

Aus der logischen Unterscheidung von Sein und Sollen folgt jedoch keineswegs, dass damit eine auf Vernunft gegründete Ethik unmöglich ist, wie dies sowohl von Vertretern des logischen Empirismus als auch des Idealismus geäußert wird. Zwar ließe sich allein auf Empirie und Logik keine Ethik gründen, aber daraus folgt noch nicht, dass es nicht andere allgemein nachvollziehbare Kriterien für die Gültigkeit ethischer Normen gibt. Ein aussichtsreiches Beispiel für eine nachpositivistische Ethik ist die am Kriterium des zwangfreien Konsenses orientierte Diskursethik.

Mit der Feststellung, dass das Gesollte nicht aus dem Seienden logisch ableitbar ist, wird eine Begründung von Normen noch nicht aussichtslos. Denn neben den Seinsaussagen und den normativen Sätzen gibt es Willensäußerungen. Die Willensäußerung einer Person: „Ich will in der nächsten Stunde von niemandem gestört werden“ beinhaltet die Norm: „Niemand soll mich in der nächsten Stunde stören“. Die Aufgabe der Ethik ist es, allgemeingültige Willensinhalte bzw. Normen zu bestimmen und nachvollziehbar zu begründen.

Die logische Unterscheidung zwischen Ist-Sätzen und Soll-Sätzen wird vor allem von Vertretern idealistischer Positionen als eine unzulässige Trennung von Sein und Sollen angesehen und es wird eingewandt, dass ihr ein verkürzter Seinsbegriff zugrunde liege. So argumentiert Vittorio Hösle, das Sollen könne nur vom realen, empirischen Sein strikt abgegrenzt werden, „… ein ideales Sein, das nicht vom Menschen gesetzt ist, wird dem Sollen damit ebenso wenig abgesprochen wie eine mögliche Prinzipiierungsfunktion gegenüber dem empirischen Sein“.[23] Es könne gerade als Aufgabe des Menschen angesehen werden, „damit fertig zu werden, dass das Sein nicht so ist, wie es sein soll“.[24] Das Gesollte solle eben sein und sei als solches bereits Prinzip des Seins:

„Aber wenn das Projekt der Ethik einen Sinn haben soll, dann muß das Sein in einer bestimmten Weise strukturiert sein: Es muß Wesen enthalten, die zumindest der Erkenntnis des Sollens fähig sind, ja in denen diese Erkenntnis – bei allen Widerständen durch verschiedene Interessen – nicht ohne Einfluß auf ihr Handeln ist. Daß aus der Geltung des Sollens Annahmen über die Wirklichkeit folgen, ist eine keineswegs triviale Annahme und m. E. nur im Rahmen eines objektiven Idealismus zu begreifen, nach dem das faktische Sein durch ideale Strukturen wenigstens zum Teil prinzipiert ist.“

– Hösle: Moral und Politik, S. 241f

Die Möglichkeit einer teleologischen Ethik scheint mit der logischen Unterscheidung von Seins- und Sollens-Aussagen grundsätzlich in Frage gestellt. Aus Sicht der klassischen Position des Realismus bezüglich der Ethik, insbesondere des Naturrechts, ist es aber gerade das Sein, aus dem das Sollen abgeleitet werden muss, da es (außer dem Nichts) zum Sein keine Alternative gibt. Weil das Gute das Seinsgerechte, also das dem jeweiligen Seienden gerechte bzw. entsprechende ist, muss demnach das Wesen des Seins zunächst erkannt und aus ihm die Forderung des Sollens (ihm gegenüber) logisch abgeleitet werden.

Das Problem des Bösen

Trotz der teilweise apokalyptischen geschichtlichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts wird der Begriff „böse“ in der Umgangssprache nur noch selten gebraucht. Stattdessen werden meist die Begriffe „schlecht“ („ein schlechter Mensch“) oder „falsch“ („die Handlung war falsch“) verwendet. Das Wort „böse“ gilt im gegenwärtigen Bewusstsein generell als metaphysikverdächtig und aufgrund der allgemeinen Dominanz des naturwissenschaftlichen Denkens als überholt.

In der philosophischen Tradition wird das Böse als eine Form des Übels betrachtet. Klassisch geworden ist die Unterscheidung von Leibniz zwischen einem metaphysischen (malum metaphysicum), einem physischen (malum physicum) und einem moralischen Übel (malum morale). Das metaphysische Übel besteht in der Unvollkommenheit alles Seienden, das physische Übel in Schmerz und Leid. Diese Übel sind Widrigkeiten, die ihren Ursprung in der Natur haben. Sie sind nicht „böse“, da sie nicht das Ergebnis des (menschlichen oder allgemeiner gesagt geistigen) Willens sind. Das moralische Übel oder das Böse hingegen besteht in der Nicht-Übereinstimmung einer Handlung mit dem Sittengesetz bzw. Naturrecht. Es kann, wie Kant betont, nur „die Handlungsart, die Maxime des Willens und mithin die handelnde Person selbst“ böse sein.[25] Das Böse ist also als Leistung oder besser Fehlleistung des Subjekts zu verstehen.

Reduktionistische Erklärungsversuche

Die Verhaltensforschung führt das Böse auf die allgemeine „Tatsache“ der Aggression zurück. Diese sei einfachhin ein Bestandteil der menschlichen Natur und als solcher moralisch irrelevant. Daher spricht Konrad Lorenz auch vom „sogenannten Bösen“. Dieser Erklärung wird von Kritikern eine reduktionistische Betrachtungsweise vorgeworfen. Sie übersehe, dass dem Menschen auf der Grundlage der Freiheit die Möglichkeit gegeben ist, zu seiner eigenen Natur Stellung zu nehmen.[26]

In der Philosophie stellte sich bereits Platon die Frage, wie das Böse überhaupt möglich sei. Das Böse werde nur getan, weil jemand im irrtümlichen Glauben annimmt, er (oder jemand) habe einen Nutzen davon. Somit wolle er aber den mit dem Bösen verbundenen Nutzen. Das Böse um seiner selbst willen könne niemand vernünftigerweise wollen:[27]

„Sokrates: So ist denn doch klar, daß diejenigen, welche es nicht kennen, nicht das Böse begehren, sondern vielmehr das, was sie für gut halten, während es böse ist; so daß diejenigen, welche es nicht kennen und es für gut halten, offenbar eigentlich das Gute begehren. Oder nicht?
Sokrates: Und weiter: Diejenigen, welche das Böse begehren, wie du behauptest, während sie doch glauben, daß das Böse dem schade, welchem es zuteil wird, erkennen doch wohl, daß sie von ihm Schaden nehmen werden?
Menon: Notwendig.
Sokrates: Diese aber, halten sie nicht die, welche Schaden leiden, für elend, sofern sie Schaden leiden?
Menon: Notwendig auch das.
Sokrates: Halten sie die Elenden aber nicht für unglücklich?
Menon: Ich meine doch.
Sokrates: Gibt es nun einen Menschen, welcher elend und unglücklich sein will?
Menon: Ich denke nicht, Sokrates.
Sokrates: Niemand also will das Böse, Menon; wenn anders er nicht ein solcher sein will. Denn was heißt elend sein anders, als das Böse begehren und es besitzen?“

Nicht-reduktionistische Erklärungsversuche

Dieses in der Antike noch weit verbreitete Verständnis, das Böse ließe sich durch die Vernunft überwinden, wird allerdings durch die geschichtlichen Erfahrungen, insbesondere die des 20. Jahrhunderts, in Frage gestellt. Diese lehren in den Augen vieler Philosophen der Gegenwart, dass der Mensch durchaus im Stande sei, das Böse auch um seiner selbst willen zu wollen.

Als Motiv für das Böse kann zunächst einmal der Egoismus ausgemacht werden. Er äußert sich in vielen Spielarten. In seiner harmlosen Variante zeigt er sich im Ideal einer selbstbezogenen Bedürfnisbefriedigung. In dieser Form stellt er letztlich auch die „Vertragsgrundlage“ des Utilitarismus dar, der nichts anderes als einen Interessensausgleich zwischen den Individuen schaffen möchte. Dieser Aspekt trifft – wie die geschichtliche Erfahrung zeigt – noch nicht den eigentlichen Kern des Bösen. Dieser wird erst dann sichtbar, wenn die eigene Bedürfnisbefriedigung nicht mehr im Vordergrund steht:

„Die eigentliche Struktur des Bösen aber […] zeigt sich erst dort, wo dieser utilitaristische Bezug nicht leitend ist, sondern die zwecklose, ja sogar widersinnige Freude an der reinen Destruktion vorherrscht. Erst hier entdeckt man die unheimlichen Züge des menschlichen Ich: der Machtrausch der Zerstörung genießt“

– Schulz: Philosophie in der veränderten Welt. S. 725.

Die Ursache dieses „radikal Bösen“ ist nach Kant weder in der Sinnlichkeit noch in der Vernunft zu sehen, sondern in einer „Verkehrtheit des Herzens“, in der sich das Ich gegen sich selbst wendet:

„Die Bösartigkeit der menschlichen Natur ist also nicht sowohl Bosheit, wenn man dieses Wort in strenger Bedeutung nimmt, nämlich als eine Gesinnung (subjektives Prinzip der Maximen), das Böse als Böses zur Triebfeder in seine Maxime aufzunehmen (denn die ist teuflisch); sondern vielmehr Verkehrtheit des Herzens, welches nun, der Folge wegen, auch ein böses Herz heißt, zu nennen.“

– Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft. S. 686

Dieser Grundgedanke Kants von der Selbstwidersprüchlichkeit des Ichs als Ursache des Bösen wird vor allem in der Philosophie des Idealismus noch einmal vertieft. Schelling unterscheidet zwischen einem alle Bindung verneinenden „Eigenwillen“ und einem sich in Beziehungen gestaltenden „Universalwillen“. Die Möglichkeit zum Bösen bestehe darin, dass der Eigenwille sich seiner Integration in den Universalwillen widersetzt.

„Das Prinzip, sofern es aus dem Grunde stammt und dunkel ist, ist der Eigenwille der Kreatur, der aber, sofern er noch nicht zur vollkommenen Einheit mit dem Licht (als Prinzip des Verstandes) erhoben ist (es nicht faßt), bloße Sucht oder Begierde, d. h. blinder Wille ist. Diesem Eigenwillen der Kreatur steht der Verstand als Universalwille entgegen, der jenen gebraucht und als bloßes Werkzeug sich unterordnet.“

– Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände. S. 459

Das radikal Böse bewirke einen Umsturz der Ordnung in mir selbst und in Bezug zu anderen. Es erfolge um seiner selbst willen, denn „wie es einen Enthusiasmus zum Guten gibt, ebenso gibt es eine Begeisterung des Bösen“.[28]

Nach der klassischen Lehre (Augustinus, Thomas von Aquin etc.) ist das Böse selbst letztlich substanzlos. Als privativer Gegensatz des Guten besteht es nur in einem Mangel (an Sein bzw. an Gutem). Im Gegensatz zum absolut Guten (Gott) gibt es demnach das absolut Böse nicht.

Durchsetzungsproblem

Das Durchsetzungsproblem der Ethik besteht darin, dass die Einsicht in die Richtigkeit ethischer Prinzipien zwar vorhanden sein kann, daraus aber nicht automatisch folgt, dass der Mensch auch im ethischen Sinne handelt. Die Einsicht in das richtige Handeln bedarf einer zusätzlichen Motivation oder eines Zwangs.[29]

Das Problem erklärt sich daraus, dass die Ethik einerseits und das menschliche Eigeninteresse als Egoismus andererseits oft einen Gegensatz bilden.[30] Das Durchsetzungsproblem gewinne zudem durch die Globalisierung eine neue Dimension, die zu einer Ethik der Neomoderne führe.

Beispiel

Die Tatsache, dass die Menschen im Land X Hunger leiden und ihnen geholfen werden sollte, ja es moralisch geboten erscheint ihnen zu helfen, wird niemand bestreiten. Die Einsicht es auch zu tun, einen Großteil seines Vermögens dafür herzugeben, wird es im nennenswerten Umfang erst geben, wenn eine zusätzliche Motivation auftaucht, etwa die Gefahr einer Migration wegen Hungers ins eigene Land unmittelbar bevorsteht.

Das Durchsetzungsproblem zeigt sich auf andere Weise auch in der Erziehung, etwa wenn fest verinnerlichte Verhaltensregeln später auf entwickelte ethische Prinzipien stoßen.[31]

Lösungsansätze

Erkenntnisse der Evolutionären Spieltheorie[32] lassen Rückschlüsse darauf zu, dass das Durchsetzungsproblem durch Selbstdurchdringung gelöst werden kann. Diese Auffassung vertraten zuerst Vertreter der Neuen Institutionenökonomik. So wiesen Eirik Furubotn und Rudolf Richter darauf hin, dass der Aufbau einer Reputation eine dominate Spielstrategie sein kann.[33]

Siehe auch

Portal: Philosophie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Philosophie

Literatur

Philosophiebibliographie: Ethik – Zusätzliche Literaturhinweise zum Thema

Einführungen
  • Arno Anzenbacher: Einführung in die Ethik. 3. Auflage. Patmos, Düsseldorf 2003, ISBN 3-491-69028-5 (gut lesbare Einführung)
  • Dieter Birnbacher: Analytische Einführung in die Ethik. De Gruyter, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-11-017625-4 (systematische Darstellung der normativen Ethik aus Sicht eines analytischen Philosophen; moderne Ansätze stehen im Vordergrund)
  • Dagmar Fenner: Ethik. Wie soll ich handeln? UTB, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8252-2989-4 (gut strukturierte Einführung, etwas schulbuchhaft)
  • Dietmar Hübner: Einführung in die philosophische Ethik. UTB, 2. Aufl., Göttingen 2018, ISBN 978-3-8252-4991-5 (klare Systematik mit historischen Vertiefungen)
  • Annemarie Pieper: Einführung in die Ethik. 5. Auflage. Francke, Tübingen u. a. 2003, ISBN 3-8252-1637-3, ISBN 3-7720-1698-7 (vielzitierte Einführung in die Ethik)
  • Louis P. Pojman, James Fieser: Ethics. Discovering Right and Wrong. Wadsworth Pub. 2008, ISBN 978-0-495-50235-7. (exzellente, sehr klare, oft als Lehrbuch verwendete erste Einführung) (Inhaltsverzeichnis) (MS Word; 177 kB)
  • Der blaue reiter. Journal für Philosophie. Themenheft: Ethik. Nr. 3, 1995. Verlag der blaue reiter, ISBN 978-3-9804005-2-7.
  • Karl Hepfer. Philosophische Ethik. Eine Einführung. Göttingen 2008 (UTB 3117), ISBN 978-3-8252-3117-0 (Sehr übersichtliche und gut lesbare Darstellung aller gängigen Begründungsmodelle)
  • Michael Quante: Einführung in die allgemeine Ethik. Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15464-9 (lehrbuchartig aufgebautes Werk mit Zusammenfassungen, Lektürehinweisen und Übungen am Ende jedes Kapitels; geht ausführlich auf metaethische Fragen ein)
  • Hans Reiner: Ethik. Eine Einführung. Studienausgabe, PAIS-Verlag, Oberried 2010, ISBN 978-3-931992-27-9 (gut verständliche Einführung)
  • Andreas Vieth: Einführung in die Philosophische Ethik. Münster/München 2015, ISBN 978-3-7380-2658-0, PDF (themenorientiert, metaethisch, visuelle Themenaufbereitung, Lehrbuch)
Gesamtdarstellungen
  • Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, Micha H. Werner (Hrsg.): Handbuch Ethik. 2. akt. Auflage. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-476-02124-6 (derzeit das Standardhandbuch zur Ethik; enthält einen historischen und einen begrifflichen Teil; breite Berücksichtigung der aktuellen Diskussion; zum Teil sehr anspruchsvoll)
  • Hugh LaFollette (Hrsg.): Blackwell Guide to Ethical Theory. Blackwell, Oxford 2000. (Inhaltsverzeichnis)
  • Friedo Ricken: Allgemeine Ethik. 4. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017948-9 (sehr fundiert und anspruchsvoll; versucht eine Synthese aus Aristotelischen und Kantischen Ansätzen mit Anleihen aus der analytischen Philosophie)
  • Hugh LaFollette (Hrsg.): Ethics in Practice: An Anthology. 4. Auflage. Wiley-Blackwell, Oxford 2014, ISBN 978-0-470-67183-2.
Lexika und Grundbegriffe
  • Otfried Höffe (Hrsg.): Lexikon der Ethik. 6. Auflage. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47586-8 (das Standardlexikon zur Einführung in die Begriffe der Ethik)
  • Gerhard Schweppenhäuser: Grundbegriffe der Ethik zur Einführung. 2. Auflage. Junius, Hamburg 2006, ISBN 3-88506-632-7 (konzentriert sich auf die Behandlung zentraler Grundbegriffe der Ethik)
Ethik in der Wissenschaft
  • Hans Lenk (Hrsg.): Wissenschaft und Ethik, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1991, ISBN 3-15-008698-1.
Commons: Ethik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Ethik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Ethik – Zitate

Einzelnachweise

  1. ↑ Cicero: De fato 1; Moral, moralisch, Moralphilosophie. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 6, S. 149.
  2. ↑ Viktor Cathrein: Moralphilosophie. Eine wissenschaftliche Darlegung der sittlichen, einschließlich der rechtlichen Ordnung. 2 Bände, 5., neu durchgearbeitete Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1911, S. 1–6 (Begriff der Moralphilosophie).
  3. ↑ Brockhaus Enzyklopädie, 19 Aufl., (1988), Bd. 6, S. 600.
  4. ↑ Vgl. A Greek-English Lexicon 9. A. (1996) [9. Aufl. ist von 1940 – gemeint ist also ein Nachdruck], S. 480, 766.
  5. ↑ Viktor Cathrein: Moralphilosophie. Eine wissenschaftliche Darlegung der sittlichen, einschließlich der rechtlichen Ordnung. 2 Bände, 5., neu durchgearbeitete Auflage. Herder, Freiburg im Breisgau 1911, S. 17–27 (Geschichte der Moralphilosophie), hier: S. 24 f., und S. 27 (Einteilung der Moralphilosophie).
  6. ↑ Nico Scarano: Metaethik – ein systematischer Überblick. In: Marcus Düwell, Christoph Hübenthal, Micha H. Werner (Hrsg.): Handbuch Ethik. 3., aktualisierte Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar 2011, ISBN 978-3-476-05192-9, 1.2 Deskriptive Ethiken, S. 25–26, doi:10.1007/978-3-476-05192-9.
  7. ↑ F. H. Bradley: Why should I be moral? In: Ethical Studies. The Clarendon Press, Oxford 1876.
  8. ↑ Kurt Bayertz: Warum überhaupt moralisch sein? C. H. Beck Verlag, München 2004, ISBN 3-406-52196-7.
  9. ↑ Friedo Ricken: Allgemeine Ethik. S. 96.
  10. ↑ § 17 StGB
  11. ↑ Vgl. Ricken: Allgemeine Ethik. S. 136f.
  12. ↑ Thomas von Aquin: Summa theologica.
  13. ↑ Ricken: Allgemeine Ethik. S. 84.
  14. ↑ Paul Dolan: Utilitarianism and the Measurement and Aggregation of Quality – Adjusted Life Years. In: Health Care Analysis. Band 9, Nr. 1, 2001, ISSN 1573-3394, S. 65–76, doi:10.1023/A:1011387524579.
  15. ↑ Felix N. Chukwuneke, Anthony C. Ezenwugo: Deontology vs. Utilitarianism: Understanding the Basis for the Moral Theories in Medicine. In: International Journal of Medicine and Health Development. Band 27, Nr. 1, 2022, ISSN 2635-3695, S. 19, doi:10.4103/ijmh.IJMH_57_20 (lww.com).
  16. ↑ Guy Kahane, Jim A. C. Everett, Brian D. Earp, Lucius Caviola, Nadira S. Faber, Molly J. Crockett, Julian Savulescu: Beyond sacrificial harm: A two-dimensional model of utilitarian psychology. In: Psychological Review. Band 125, Nr. 2, 2018, ISSN 1939-1471, S. 131–164, doi:10.1037/rev0000093, PMID 29265854 (nih.gov).
  17. ↑ Aristoteles: Nikomachische Ethik. Politik.
  18. ↑ C. D. Broad: Five Types of Ethical Theory. London 1930.
  19. ↑ William K. Frankena: Ethics. 2. Auflage. Englewood Cliffs 1973, S. 14, übersetzt in Albert Keller: Philosophie der Freiheit. Styria, Graz 1994, S. 212.
  20. ↑ Robert Spaemann: Christliche Verantwortungsethik. In: Johannes Gründel (Hrsg.): Leben aus christlicher Verantwortung, 1. Grundlegungen. Düsseldorf 1991, S. 122.
  21. ↑ Vgl. z. B. Albert Keller: Philosophie der Freiheit. Styria, Graz 1994, ISBN 3-222-12294-6.
  22. ↑ Vgl. Mark Murphy: Theological Voluntarism. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.; Michael W. Austin: Divine Command Theory. In: James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy..
  23. ↑ Vittorio Hösle: Moral und Politik. Grundlagen einer Politischen Ethik für das 21. Jahrhundert. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42797-9, S. 127.
  24. ↑ Hösle: Moral und Politik. S. 242.
  25. ↑ Vgl. Kant: KpV. S. 106.
  26. ↑ Vgl. Walter Schulz: Philosophie in der veränderten Welt. 7. Auflage. Stuttgart 2001, ISBN 3-608-91040-9, S. 723ff.
  27. ↑ Platon: Menon. 77a-78b.
  28. ↑ Schelling: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände. S. 468.
  29. ↑ A. Schopenhauer: Die beiden Grundprobleme der Ethik. 1839/40.
  30. ↑ Helga E. Hörz und Herbert Hörz: Ist Egoismus unmoralisch? Grundzüge einer neomodernen Ethik. trafo Verlagsgruppe, Berlin 2013, ISBN 978-3-86464-038-4.
  31. ↑ H. J. Niemann: Die Strategie der Vernunft. Rationalität in Erkenntnis, Moral und Metaphysik. Vieweg, Braunschweig u. a. 1993, ISBN 3-528-06522-2.
  32. ↑ Vgl. auch Johannes Gottfried Mayer, Detlef Weinich (Hrsg.): Ethik und Evolutionstheorien (= Texte und Wissen. Band 4). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.
  33. ↑ R. Richter, E. Furubotn: Neue Institutionenökonomik. Mohr Siebeck, Tübingen 2003, ISBN 3-16-148060-0, S. 277.