„Werk:De ven. sap./23“ – Versionsunterschied
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Version vom 21. Mai 2026, 12:11 Uhr
23▷Si quis cum his taliter praemissis primo ad genesin mundi per sanctum Moysen dudum ante philosophos descriptam se convertit, supra de principiis quae dicta sunt, ibi reperiet. Ait enim: «In principio[1] creavit deus caelum et terram»[2], deinde lucem, per hoc innuens posse fieri mundum, qui caelo et terra continetur, in principio creatum. Nam postea id quod actu factum est caelum, scilicet firmamentum, et quod terra factum, scilicet aridam, et quod lux facta est, scilicet solem iuxta Dionysium, expressit. Omnia enim[3] in posse fieri confuse et complicite creata, quae postea facta et explicata leguntur. Unde quando ait deum dixisse «‘Fiat lux’, et facta est lux»[4], ad naturam posse fieri haec dicit. Vidit enim in posse fieri lucem et illam bonam et necessariam ad visibilis mundi pulchritudinem. Et ipsi naturae lucis in posse fieri dixit, ut fieret lux actu,[5] et facta est lux posse fieri lucis. Imperio verbi creatoris naturaliter facta est lux. Hic motus, quo posse, ut actu fiat, movetur, naturalis dicitur. Est enim a natura, quae est divini praecepti instrumentum, in ipso posse fieri creatum, ut naturaliter et delectabiliter omni labore fatigaque exclusis actu fiat, quod fieri potest. Verbum autem dei,[6] ad quod natura respicit, ut fiant omnia, deus est. Nihil enim est dei, quod non ipse deus.
Übs. Sg.
Wendet sich jemand mit diesen Voraussetzungen zunächst an die Erschaffung der Welt, die vom hl. Moses längst vor den Philosophen niedergeschrieben wurde,[7] so wird er das oben über die Urgründe Gesagte dort wiederfinden. Er sagt nämlich: »Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde«, dann das Licht. Damit deutet er an, daß das Werden-Können der Welt, die in Erde und Himmel enthalten ist, im Anfang geschaffen wurde. Was wirklich als Himmel geschaffen wurde, das bezeichnete er später als das Firmament, und was als Erde geschaffen wurde, als das Trockene, und was als Licht geschaffen wurde, als die Sonne (nach der Auslegung des Dionysius). Im Werden-Können ist ja alles verworren und eingefalteterweise geschaffen, von dessen entfalteter Schöpfung dann später zu lesen steht. Die Bemerkung, Gott habe gesprochen »›Es werde Lichts, und es wurde Licht«,[8] bezieht sich also auf die Natur des Werden-Könnens. Er blickte nämlich hin auf das Werden-Können des Lichts und betrachtete dieses als gut und notwendig zur Schönheit der sichtbaren Welt; und zu der Natur des Lichtes im Werden-Können sprach er, sie solle wirkliches Licht werden, und das Werden-Können des Lichts wurde Licht. Auf das Geheiß des Schöpferwortes wurde natürlicherweise Licht. Diese Bewegung, die das Können zum Wirklich-Werden bringt, bezeichnet man als natürliche. Sie ist nämlich von der Natur, die das Werkzeug des göttlichen Gebots ist, im Werden-Können angelegt, so daß natürlich und freudvoll ohne alle Mühe und Beschwerde wirklich wird, was werden kann. Das Wort Gottes aber, auf das die Natur hinblickt, damit alles werde, ist Gott; denn es ist nichts Gottes, was nicht Gott selbst ist.
Übs. Dp.
Wenn jemand mit diesen Vorkenntnissen sich zuerst zur Schöpfungsgeschichte wendet, die von Moses lange vor den Philosophen niedergeschrieben wurde, dann wird er dort finden, was ich oben über die Ursprünge gesagt habe. Moses sagt: «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, dann das Licht.»
Damit kennzeichnet er das Werden-Können der Welt, die in Himmel und Erde enthalten ist, als im Ursprung geschaffen. Denn anschließend bezeichnet er das, was wirklich Himmel geworden ist, als Firmament, das, was Erde geworden ist, als das Trockene, und das, was Licht geworden ist, als Sonne; so Dionysius.
Alles, von dem man später als von Gewordenem und Entfaltetem liest, ist im Werden-Können verschmolzen und eingefaltet geschaffen. Wenn Moses daher sagt, «Gott sprach, es werde Licht und es ward Licht», sagt er das in Bezug auf die Natur des Werden-Könnens. Gott sieht im Werden-Können das Licht und erkennt, daß es gut und für die Schönheit der sichtbaren Welt notwendig ist, und im Werden-Können sagt er der Natur des Lichtes, daß Licht als Wirklichkeit werde – und geschaffen ist das Licht des Licht-werden-Könnens. Auf Befehl des Schöpferwortes ist das Licht natürlich geworden. Daher wird die Bewegung, durch die die Möglichkeit in die Wirklichkeit übergeführt wird, eine natürliche genannt. Sie ist von der Natur, dem Werkzeug des göttlichen Gebotes, im Werden-Können selbst geschaffen, damit natürlich und mit Freude ohne Mühe und Ermüdung als Wirklichkeit werde, was werden kann.
Jenes Wort Gottes aber, auf das die Natur blickt, damit alles werde, ist Gott; denn nichts ist Gottes, was nicht selbst Gott ist.
- ↑ Z.5
- ↑ Gen. 1,1-10.
- ↑ Z.10
- ↑ Gen. 1,3.
- ↑ Z.15
- ↑ Z.20
- ↑ DVS-MV/Anm/34
- ↑ DVS-MV/Anm/35