Werk:De ven. sap./22
22▷Sed cum ipso in hoc non consentiunt Peripatetici, qui ens rationis viderunt a nostro intellectu constitui, reale ens non attingere. Nec in hoc, quod bonum sit antiquius ente, concordant; unum et ens et bonum dicunt converti. Unde cum causa entis sit prima causa et conditor omnium intellectus, illi qui di|cunt, quod unum et ens[1][2] et bonum convertuntur, etiam fatentur causam unius et entis et boni esse eandem. Tamen Aristoteles, qui ut Anaxagoras primam causam intellectum, qui est principium motus, asserit, non sibi attribuit totius universi administrationem, sed caelestium tantum; caelestia vero haec terrena dicit gubernare. Epicurus vero totam deo soli[3] sine cuiuscumque adminiculo universi tribuit administrationem.
Sed divini nostri theologi revelatione superna didicerunt primam causam, cum omnium assertione sit tricausalis, scilicet efficiens, formalis et finalis, quae per Platonem unum et bonum, per Aristotelem intellectus et ens entium nominatur, esse sic unam[4] quod trina et ita trinam quod una. Quae cum sit causa efficiens, vocatur iuxta Platonem unitas, et sit causa formalis, iuxta Aristotelem entitas, et sit causa finalis, iuxta utrosque bonitas.
Verum quomodo haec sacratissima trinitas in unitate, quae intelligibile omne omnemque quantitatem continuam et discretam,[5] numerum omnem et alteritatem antecedit, hic in aenigmate per fidelem videri possit, inferius, ut deus dederit, adnotabo.
Übs. Sg.
Doch darin stimmen die Peripatetiker nicht mit ihm überein. Sie erkannten, daß das Gedankending von unserer Vernunft gestaltet wird und das reale Sein nicht erreicht. Auch darin, daß das Gute älter sei als das Sein, stimmen sie ihm nicht zu. Sie vertreten die Konvertierbarkeit des Einen, Seienden und Guten.[6] Da die Ursache des Seienden die erste Ursache und die alles schaffende Vernunft ist, so bekennen diejenigen, die von der Vertauschbarkeit des Einen, des Seienden und des Guten sprechen, folgerichtig die Identität der Ursache des Einen, des Seienden und des Guten. Trotzdem hat Aristoteles, der wie Anaxagoras als erste Ursache die Vernunft bezeichnet,[7] welche der Ursprung der Bewegung ist, ihr nicht die Verwaltung des gesamten Universums zugeschrieben, sondern nur die der himmlischen Sphären. Die himmlischen Regionen aber hätten die Leitung dieser irdischen. Epikur[8] indes schreibt die gesamte Verwaltung des Universums Gott allein zu ohne Hilfe von irgendeiner Seite.
Doch unsere gottbegnadeten Theologen haben durch Offenbarung von oben gelernt, daß die erste Ursache, da sie gemäß algemeiner Überzeugung dreiursächlich ist, nämlich Wirk-, Formal- und Finalursache, – die von Platon als das Eine und Gute, von Aristoteles als Vernunft und Sein der Seienden bezeichnet wird? – eine ist in der Form der Dreifaltigkeit und dreifaltig ist in der Form der Einheit. Als Wirkursache benennt man sie mit Platon als Einheit, als Formalursache mit Aristoteles als Seiendheit, als Finalursache mit beiden als die Gutheit.
Wie jedoch diese hochheilige Dreifaltigkeit in der Einheit, die jedem Intelligiblen und jeder kontinuierlichen oder diskreten Ausdehnung, aller Zahl und Andersheit vorangeht, hienieden im Gleichnis vom Gläubigen erschaut werden kann, das will ich später mit Gottes Hilfe zeigen.
Übs. Dp.
Die Peripatetiker, die der Meinung waren, daß das Sein des Wesenssinns von unserem Geist konstituiert werde und das Sein der Wirklichkeit nicht berühre, stimmen mit ihm nicht überein, noch stimmten sie darin überein, daß das Gute älter sei als das Seiende. Sie sagen, daß sowohl das Eine als auch das Seiende und auch das Gute miteinander vertauscht werden können.
Wenn daher der Grund des Seienden der erste Grund ist und der Geist derjenige, der alles gründet, dann geben jene, die behaupten, daß das Eine, das Seiende und das Gute vertauschbar seien, damit auch zu, daß der Ursprung des Einen, des Seienden und des Guten derselbe ist. Dennoch spricht ihm Aristoteles, der wie Anaxagoras als ersten Grund den Geist, das Prinzip der Bewegung, ansetzt, nicht die Lenkung des ganzen Universums, sondern nur die des Himmels zu. Das Himmlische aber, so sagt er, lenke das Irdische.
Epikur dagegen glaubt, daß Gott allein und ohne irgendwelchen Beistand das ganze Universum lenke. Aber unsere Theologen lernten aus der göttlichen Offenbarung, daß der erste Grund – (da dieser nach allgemeiner Überzeugung ein dreifacher, nämlich ein Wirk-, Gestalt- und Zielgrund ist, der von Platon das Eine und Gute, von Aristoteles Denken und Sein des Seienden genannt wird) – auf solche Weise einer sei, daß er ein dreifacher ist und auf solche Weise ein dreifacher, daß er einer ist. Insofern er Wirkgrund ist, wird er nach Platon Einheit genannt, sofern er Gestaltgrund ist, nach Aristoteles Seiendheit, und insofern er Zielgrund ist, wird er nach beiden das Gute genannt. Der Gläubige aber kann auf dieser Erde im Gleichnis sehen, wie die heiligste Dreiheit in der Einheit allem Denkbaren und aller zusammenhängenden und getrennten Quantität, aller Zahl und Andersheit vorausgeht. Ich werde das später so niederschreiben, wie Gott es geben wird.