„Werk:De ven. sap./18“ – Versionsunterschied
K Textersetzung - „De ven. sap.“ durch „Werk:De ven. sap.“ |
K Klaus verschob die Seite De ven. sap./18 nach Werk:De ven. sap./18, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen: Textersetzung - „De ven. sap.“ durch „Werk:De ven. sap.“ |
(kein Unterschied)
| |
Version vom 21. Mai 2026, 12:11 Uhr
18▶Capio autem haec duo, scilicet inaugmentabile et imminorabile, et cum illis ad venationem propero. Et dico: Inaugmentabile magis esse nequit; maximum igitur est. Imminorabile minus esse non potest; est igitur minimum. Unde cum sit maximum pariter et [1] minimum, nullo utique est minus, quia maximum, neque maius, quia minimum; sed omnium sive magnorum sive parvorum formalis | seu exemplaris praecisissima causa et mensura, quemadmodum in [2] libello De beryllo in aenigmate anguli ostendi angulum maximum necessario pariter et minimum omnium angulorum, qui fieri possent, [3] formalem adaequatissimam causam. Nec solum est causa formalis, immo et efficiens atque finalis, ut ipse Dionysius, ubi de pulchro scribit, ostendit. Nam pulchritudo, quae id est quod esse potest, inaugmentabilis et imminorabilis, cum sit maxima pariter et minima, est actus posse fieri omnis pulchri, omnia pulchra efficiens, sibi [4] – quantum capacitas recipit – conformans et ad se convertens. Sic de bono, quod est id quod esse potest, et de vero, de perfecto, et cunctis quae in creaturis laudamus; quae videmus in deo deum esse aeternum, quando id sunt quod esse possunt. Et ideo deum omnium causam efficientem, formalem et finalem laudamus. [5]
Patet iam maxime notandum, quomodo posse fieri non potest terminari per aliquid, quod ipsum sequitur seu fieri potest, sed idem est eius principium et finis. De quo infra latius.
Übs. Sg.
Ich greife aber diese beiden Begriffe heraus, nicht-vermehrbar und nicht-verminderbar, und eile mit ihnen zur Jagd. Ich sage: Das keiner Vermehrung Fähige kann nicht größer sein. Es ist also das Größte. Das keiner Verminderung Fähige kann nicht kleiner sein. Es ist also das Kleinste. Folglich ist es Größtes und Kleinstes zugleich, keinem gegenüber kleiner, da es das Größte ist, noch größer, da es das Kleinste ist. Es ist vielmehr aller großen oder kleinen Dinge allergenaueste Formal- oder Exemplarursache und Maß, wie ich im Buch Vom Beryll[6] im Beispiel des Winkels gezeigt habe, daß der größte und notwendigerweise zugleich kleinste Winkel für alle möglichen Winkel die allergenaueste Formalursache ist. Er ist nicht nur die Formalursache, vielmehr auch die Wirk- und Zielursache, wie Dionysius selbst im Abschnitt Über das Schöne zeigt.[7] Denn die Schönheit, die das ist, was sie sein kann, keiner Vermehrung noch Verminderung fähig, ist die Wirklichkeit des Werden-Könnens für alles Schöne, da sie zugleich die größte und die kleinste Schönheit ist. Alles Schöne wirkt sie, macht es sich gleichförmig – soweit die Fähigkeit der einzelnen Dinger das zuläßt – und wendet alles auf sich hin. Ebenso verhält es sich mit dem Guten, welches das ist, was es sein kann, und mit dem Wahren, dem Vollkommenen, und mit allem, was wir an den Geschöpfen preisen. Bei ihnen allen sehen wir, daß sie in Gott der ewige Gott sind, wenn sie nämlich das sind, was sie sein können. Deshalb preisen wir Gott als die Wirk-, Formal- und Zielursache von alem.
Es ist bereits die höchst bemerkenswerte Erkenntnis sichtbar geworden, daß das Werden-Können nicht durch etwas begrenzt werden kann, was ihm folgt oder was werden kann, vielmehr daß sein Ursprung und Ziel identisch sind. Darüber später mehr.
Übs. Dp.
Ich greife aus diesen zwei, nämlich das Unvermehrbare und das Unverringerbare, heraus und eile mit ihnen zur Jagd; ich sage, daß das Unvermehrbare nicht größer sein kann und daß es also das Größte ist. Das Unverringerbare kann nicht kleiner sein und ist daher das Kleinste. Und weil es gleicherweise das Größte und das Kleinste ist, ist es als Größtes in keiner Weise kleiner und als Kleinstes in keiner Weise größer als irgend etwas, sondern sowohl des Großen als auch des Kleinen zutreffendster formaler und urbildhafter Grund und Maßstab.
Wie ich im Buch «De Beryllo» am Gleichnis des Winkels gezeigt habe, ist der größte Winkel notwendigerweise zugleich auch der kleinste und der zutreffendste Gestaltgrund aller möglichen Winkel. Und er ist nicht nur Gestaltgrund, sondern auch Wirk- und Zielgrund (wie Dionysius im Kapitel über das Schöne zeigt). Denn die vollkommene Schönheit, welche, da sie zugleich die größte und die kleinste ist, nicht vergrößert oder verkleinert werden kann, ist die Wirklichkeit allen Schönwerden-Könnens, weil sie alles Schöne bewirkt und sich dieses, soweit dessen Fähigkeit reicht, angleicht und es auf sich ausrichtet.
Ebenso verhält es sich mit dem vollkommenen Guten, dem Wahren, dem Vollkommenen und allem, das wir in den Geschöpfen loben. Wir sehen, daß sie, wenn sie das sind, was sie sein können, in Gott der ewige Gott sind. Und daher loben wir Gott als den Wirk-, Gestalt- und Zielgrund aller Dinge.
Vor allem ist noch festzuhalten, daß das Werden-Können nicht durch irgend etwas begrenzt werden kann, welches ihm folgt, oder das werden kann; vielmehr ist sein Anfang und Ende dasselbe. Darüber im folgenden mehr.
- ↑ Z.5
- ↑ fol.203v
- ↑ Z.10
- ↑ Z.15
- ↑ Z.20
- ↑ DVS-MV/Anm/19
- ↑ DVS-MV/Anm/20