Werk:De ven. sap./19
19▶Plato, venator miro modo circumspectus, considerabat superiora in inferioribus esse participative, inferiora vero in superioribus [1] excellenter. Ideo, cum videret multa nominari bona ex participatione boni, et sic iusta et honesta, attendebat illa nomen participati sortiri et se convertit ad videndum per se bonum et iustum ac quod, si participantia sunt bona et iusta, utique per se talia sunt maxime talia et causae aliorum. [2]
Et in hoc Peripateticorum princeps, acutissimus Aristoteles, consentit, qui sic in naturalibus multa participatione calida videns ad per se calidum devenire oportere affirmabat, quod sit maxime tale et causa caloris in omnibus est uti ignis. Et hac via ad primam et per se causam omnium causarum pervenerunt; sic ad ens entium, [3] vitam viventium atque intellectum intelligentium.
Übs. Sg.
Platon,[4] ein wunderbar umsichtiger Jäger, zog in Betracht, daß die höheren Wesen in den niedrigeren in der Form der Teilhabe sind, die niedrigeren aber in den höheren in ausgezeichneter Form. Da er also sah, daß viele Dinge als gut bezeichnet werden kraft ihrer Teilhabe am Guten, und daß die gleiche Beziehung vorliege, wenn wir sie als gerecht und ehrenhaft bezeichnen, so beachtete er, daß jene die Bezeichnung dessen erhalten, an dem sie teilhaben. Er wandte sich demnach der Schau des an sich Guten und Gerechten und der Tatsache zu, daß, wenn schon die teilhabenden Dinge gut und gerecht sind, dann jedenfalls die an sich sobeschaffenen Gegenstände in höchstem Maße diese Eigenschaften an sich haben und die Ursachen für die anderen sind.
Darin stimmte ihm der Fürst der Peripatetiker, der höchst scharfsinnige Aristoteles,[5] bei. Er fand bei den Naturdingen viele, die durch Teilhabe warm sind, und behauptete so die Notwendigkeit, zu einem an sich Warmen zu gelangen, das diese Beschaffenheit in höchstem Maße an sich trägt und die Ursache der Wärme in allen ist, wie das für das Feuer zutrifft. Auf diesem Wege gelangten sie zur ersten und an-sich-seienden Ursache aller Ursachen und zum Sein des Seienden, dem Leben des Lebendigen und zur Vernunft des Vernunftbegabten.
Übs. Dp.
Plato, ein sehr umsichtiger Jäger, erwog, daß das Höhere im Niedrigeren in der Weise der Teilhabe, das Niedrigere dagegen im Höheren in überragender Weise enthalten sei. Als er sah, daß das Viele auf Grund der Teilhabe am Guten gut genannt werde und ebenso gerecht und ehrenhaft, bemerkte er, daß jene den Namen dessen, an dem sie teilhaben, erlangen. Er richtete nun seine Aufmerksamkeit auf das durch sich Gute und Gerechte und darauf, daß, wenn schon die Teilhabenden gut und gerecht sind, das durch sich selbst Gute und Gerechte dies im weitaus höchsten Grade und der Grund der anderen ist.
Und darin stimmt Aristoteles, der scharfsinnige Gründer der Peripatetiker, mit Plato überein. Als jener sah, daß es in der Natur vieles gibt, das durch Teilhabe warm ist, stellte er fest, daß man zu dem aus sich selbst Warmen kommen müsse, das am meisten ein solches und in allem, wie zum Beispiel im Feuer, der Grund der Wärme ist. Und so gelangte man zum ersten und durch sich selbst bestehenden Grund aller Gründe, zum Sein des Seienden, zum Leben des Lebenden und Denken des Denkens.