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Werk:De ven. sap./17

aus AufEinWort, der freien Forschung

17▶Certum est primum principium non esse factum, cum nihil a se ipso, sed ab eo priori fiat. Quod autem non est factum, neque resolvi aut interire potest; et hoc aeternum dicimus. Et quia posse fieri non potest se ipsum in actum producere – nam producere ex [1] actu est –, implicat igitur dicere potentiam passivam se ipsam in actum producere, quare ante potentiam est actus. Non est igitur posse fieri aeternum principium. Recte dicebat quidam doctor sanctus: Affirmare potentiam passivam semper fuisse haeresis est. Sequitur igitur primam causam.

Asserit autem magnus Dionysius in nono capitulo De divinis nominibus primum illud aeternum «inflexibile, inalterabile, immixtum, immateriale, simplicissimum, non indigens, inaugmentabile, imminorabile, non factum, semper ens». Haec et omnia similia quisque ita esse videt, qui attendit primum ipsum posse fieri anteire. Nam [2] flexibile, alterabile, materiale, augmentabile, minorabile et factibile et quaeque similia passivam dicunt potentiam et nequaquam posse fieri praecedunt. Ideo de aeterno principio neganda sunt.

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Übs. Sg.

Es steht als sicher fest, daß der erste Ursprung ungeworden ist, da nichts aus sich selbst, sondern von einem ihm gegenüber Früheren wird. Was aber ungeworden ist, kann sich nicht auflösen oder zugrunde gehen. Und dieses nennen wir ewig. Da das Werden-Können sich nicht selbst in die Wirklichkeit überführen kann – denn das Hervorbringen geschieht aus einem Wirklich-Seienden –, so enthält die Behauptung einen Widerspruch, daß eine passive Potenz[3] sich selbst in die Wirklichkeit überführt. Vor der Potenz steht also die Wirklichkeit. Das Werden-Können ist also nicht der ewige Ursprung. Mit Recht sagte ein heiliger Lehrer: »Die Behauptung, eine passive Potenz sei immer gewesen, ist eine Häresie«.[4] Die passive Potenz ist also später als die Erstursache.

Der große Dionysius versichert mi neunten Kapitel seiner Schrift Von den göttlichen Namen[5] von jenem ersten Ewigen, es sei unbeugsam, unveränderlich, ohne Zusammensetzung, stofflos, absolut einfach, bedürfnislos, keiner Steigerung, keiner Verminderung fähig, ungeworden, immerseiend. Diese und alle ähnlichen Aussagen erkennt jeder als wahr, der darauf achtet, daß das Erste selbst gegenüber dem Werden-Können früher ist. Biegsam, veränderlich, stofflich, vermehrbar, verminderbar, erzeugbar und ähnliche Begriffe bezeichnen eine passive Potenz und sind in keiner Weise früher als das Werden-Können. Sie sind darum dem ewigen Ursprung abzusprechen.

Übs. Dp.

Gewiß ist, daß der erste Ursprung nicht geworden ist, denn nichts wird von sich selbst, sondern zuvor durch ihn. Was aber nicht geworden ist, kann sich weder auflösen noch zugrunde gehen. Wir nennen es ewig.

Und weil das Werden-Können sich selbst nicht in die Wirklichkeit bringen kann – denn das Hervorbringen kommt aus der Wirklichkeit –, schließt es einen Widerspruch ein zu sagen, daß die passive Möglichkeit sich selbst zur Wirklichkeit bringt. Daher steht die Wirklichkeit vor der Möglichkeit und so ist das Werden-Können nicht der ewige Ursprung.

Mit Recht sagt ein heiliger Lehrer, es sei eine Häresie, zu behaupten, die passive Möglichkeit sei immer gewesen, denn sie folgt dem ersten Grund. Desgleichen versichert der große Dionysius im neunten Kapitel des Buches «De divinis nominibus», jenes erste Ewige sei unabänderlich, unveränderlich, unvermischt, immateriell, einfach, bedürfnislos, unvermehrbar, unverringerlich, nicht geworden, immer seiend.

Daß dies und alles Ähnliche sich so verhält, erkennt jeder, der beachtet, daß das Erste dem Werden-Können vorausgeht. Denn Eigenschaften wie abänderlich, veränderlich, materiell, vermehrbar, verringerbar, machbar und ähnliches dergleichen bezeichnen die passive Möglichkeit und gehen dem Werden-Können niemals voraus; daher sind sie in bezug auf den ewigen Ursprung abzulehnen.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.15
  3. ↑
  4. ↑
  5. ↑