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au

aus AufEinWort, der freien Forschung
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a- + -u

au, Au (1)[1]

[2]au,
  • ein Doppellaut,
    • welcher vorzüglich den Fränkischen und Oberdeutschen Mundarten,
      • besonders aber der spätern Zeiten eigen ist.
    • Die ältesten Fränkischen und Alemannischen Schriftsteller
      • kennen diesen unangenehmen Doppellaut zwar auch,
        • allein er kommt doch bey ihnen sparsamer vor, als in den folgenden Zeiten;
        • denn noch lange nach den Zeiten der Schwäbischen Kaiser
          • sagte man in Meißen, Schwaben und Franken,
          • so wie in Niedersachsen,
          • Hus, Hut, Brut, lut, Lune, luzen, für Haus, Haut, Braut, laut, Laune, lauschen.
      • Erst in der letzten Hälfte des funfzehnten Jahrhundertes,
        • da die Oberdeutschen Mundarten überhaupt eine merkwürdige Veränderung erlitten,
        • wurden au und eu häufiger.

Indessen

  • weichen die Oberdeutschen Mundarten in der Aussprache dieses Doppellautes gar sehr von einander ab.
    • Die gezierte Aussprache einiger Meißnischer Gegenden
      • verwandelt ihn bald in ein langes o, wie in
        • Ooge, koofen, toofen, erlooben,
        • für Auge, kaufen, laufen, erlauben,
      • bald in ein langes e,
        • wie in beteebt, erseefen, für betäubt, ersäufen.
    • Die Schlesische folgt ihr hierin
      • in einigen Wörtern nach,
      • in andern aber lässet sie statt dessen ein oa hören,
        • wie in Moal, soafen,
        • für Maul, saufen,
      • und in noch andern lässet sie nach Art der Niedersachsen
        • das a gar weg,
          • wie in druf, für drauf.
    • Die Pfälzische und einige andere Rheinische Mundarten,
      • haben in vielen Fällen noch das alte aw, oder auv beybehalten, wie in Frauven.
    • Die Schwaben verwandeln ihn gern in ein dunkeles langes a,
    • die Franken in ein helles gedehntes a,
    • die rauhe Schweizerische Mundart in ou u.s.f.

Die Niedersachsen,

  • deren Mundart, überhaupt genommen, gelinder, und biegsamer ist, als die Oberdeutsche,
  • haben diesem Doppellaute nur in sehr wenig Wörtern den Zutritt verstattet,
    • indem sie dessen Stelle durch o, ö und u vertreten lassen,
      • wie in lopen, köpen, Söge, Huus, Luus, up, ut, u.s.f.
      • für laufen, kaufen, Sau, Haus, Laus, auf, aus.
  • Einige rauhere, besonders Westphälische Mundarten
    • kommen hierin den Oberdeutschen schon näher,
      • und verändern wohl gar das a und o in au,
        • wie in slaupen, jau, Braut, Baunen u.s.f.
        • für schlafen, ja, Brot, Bohnen,
    • welches auch einige gröbere Oberdeutsche Mundarten thun,
      • wenn sie für[3] a, o und u ein au hören lassen,
        • und lauben, graub, Schauld, Gedauld,
        • für laben, grob, Schuld, Geduld sprechen.
  1. ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 462-463. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000032395; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 462 | 463; Kategorien: Lexikalischer Artikel
  2. ↑ [462]
  3. ↑ [462]