Axiom agr.-lat.-deu. ‘Grundsatz, der keines Beweises bedarf bzw. nicht bewiesen werden kann’.[1]
Wolff: §. 30. Ihr Unterschied. "
▷ —Urvrschrftng
§. 30. Ihr Unterschied.
Diese Grundsätze zeigen entweder, daß etwas sey, oder daß etwas könne gethan werden. Ein Grundsatz von der ersten Art ist, den wir erst aus der Erklärung des Circuls hergeleitet, daß nemlich alle gerade Linien, die aus dem Mittelpunkte an die Peripherie gezogen werden, einander gleich sind, hingegen ein Grundsatz von der andern Art ist, der aus der Erklärung der geraden Linie fliesset, daß nemlich von einem jeden Punkte, zu jedem Punkte eine gerade Linie könne gezogen Werden. Zum Lateinischen nennet man die Grundsätze der ersten Art Axiomata; die Grundsätze aber der zweiten Art Postulata.
—Abvrschrftng
§. 30. Ihr Unterschied.
Diese
Grundsätze zeigen entweder, daß etwas sei, oder daß etwas könne getan werden. Ein
Grundsatz von der ersten Art ist, den wir erst aus der Erklärung des Kreis hergeleitet, daß nemlich alle
gerade Linien, die aus dem
Mittelpunkt an die
Peripherie gezogen werden, einander gleich sind, hingegen ein Grundsatz von der andern Art ist, der aus der Erklärung der geraden Linie fliesset, daß nemlich von einem jeden Punkte, zu jedem Punkte eine gerade Linie könne gezogen Werden. Zum Lateinischen nennet man die Grundsätze der ersten Art
Axiomata; die Grundsätze aber der zweiten Art
Postulata.
"
Gleichbed. lat. axiōma, griech. axíōma, eigentlich ‘Würde, Geltung, Ansehen’, als philosophischer Begriff im oben genannten Sinne (eigentlich ‘allgemein gewürdigter Grundsatz’) seit Aristoteles, wird Anfang des 17. Jhs. ins Dt. übernommen.
- aus dem 15. Jahrhundert,
- von lat. axiōma „Axiom; Prinzip“,
- von altgriechisch ἀξίωμα axíōma, „das Passende, Erforderliche, das, was ein Schüler vorher wissen muss, ein selbstverständliches Prinzip“,
- von ἀξιόω axióō, „für geeignet oder würdig halten, verlangen, fordern“,
- von ἄξιος áxios, „geeignet, würdig“,
- wörtlich „so viel wiegend; von gleichem Wert“,
- von ἄγω ágō, „beschweren (belasten)“.
Die lat. Endung wird Ende des 18. Jhs. aufgegeben. Es handelt sich um eine Bildung zu grie. axiū́ ‘für würdig, wert, angemessen erachten’, das von grie. áxios ‘wert, würdig, angemessen’ abgeleitet ist.
Dies gehört letztlich im Sinne von ‘wichtig’ wohl zu grie. ágein in der Bedeutung ‘wiegen, wägen’, eigentlich ‘treiben, führen, leiten’.