Autarkie
autark-ie agr.-deu. f. Wrtdtng: eigtl. Wehrhaftigkeit, Wehrfähigkeit; glhrt.‘Zustand, in dem man keines anderen bedarf, Selbstgenügsamkeit’,
- entlehnt (Anfang 19. Jh.) aus gleichbed. griech. autárkeia (αὐτάρκεια), dichterisch autarkía (αὐταρκία),
- In der Ökonomie bezeichnet Autarkie seit Anfang des 20. Jhs. die von manchen Staatsformen unter bestimmten Voraussetzungen angestrebte wirtschaftliche Unabhängigkeit (‘Selbstgenügsamkeit’) eines Landes, das alles, was es braucht, selbst erzeugt, um vom Handel mit dem Ausland unabhängig zu sein.
- Während der Weltwirtschaftskrise wird Autarkie (1931) zum politischen Schlagwort. Zur gleichen Zeit tritt auch die zugehörige Rückbildung autark auf.
Autarkie ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit eines Privathaushalts, einer Region oder eines Staates durch die vollständige oder teilweise Selbstversorgung mit Gütern und Dienstleistungen.
Etymologie
Der Begriff Autarkie leitet sich aus dem Altgriechischen ab. Er hat seine Wurzeln in den Worten autárkeia (αὐτάρκεια), in poetischer Form autarkía (αὐταρκία), sowie autárkēs (αὐτάρκης), was „selbstgenügsam, über ausreichende Mittel verfügend, unabhängig“ bedeutet. Diese Begriffe wiederum sind zusammengesetzt aus autós (αὐτός), was „selbst, eigen“ bedeutet, und arké͞in (ἀρκεῖν), was wiederum für „abwehren, helfen, genügen, ausreichen“ steht.[1]
Zum einen wird die Autarkie als jener Zustand bezeichnet, in dem der Mensch „sich selbst genügt“, also keines anderen Menschen bedarf und von allen äußeren Gütern unabhängig ist. Zum anderen – diese Verwendung wird Aristoteles zugeschrieben – bezeichnet die Autarkie schlicht ein „genügendes Auskommen“ des Menschen. In diesem Zusammenhang wird der Begriff auch konnotativ mit „zufrieden“ oder „sicher“ gleichgesetzt.[2]
Das Adjektiv autark bedeutet, „auf niemandes Unterstützung oder Weisung angewiesen“ zu sein. Es kann unter anderem Personen, Organisationen oder Abteilungen in Unternehmen beschreiben, die eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln können. Es wird in der Biologie, der Informatik, der Ökologie, der Psychologie, dem Bauwesen und der Politik benutzt. Speziell bei Regionen und Ländern tritt der Aspekt wirtschaftlicher Unabhängigkeit in den Vordergrund.[3]
In der heutigen Sprachverwendung wird der Begriff der Autarkie primär im wirtschaftlichen Kontext gebraucht und bringt dabei zumeist die materielle und ökonomische Unabhängigkeit eines Einzelnen, einer Gruppe oder eines Staates zum Ausdruck. Wirtschaftlich vollständig autark wäre ein Land, das alles, was es benötigt, selbst besitzt oder erzeugt, oder das seinen Bedarf auf das beschränkt, was es selbst erzeugen kann.[4] Unter diesen Aspekten beschreibt Autarkie einen Zustand der Selbstversorgung, in dem ein Land nicht mehr auf die Einfuhr oder die Ausfuhr von Waren angewiesen ist, sowie auf sämtliche auswärtige finanzielle Transaktionen verzichten kann und in diesem Sinne vollständige wirtschaftliche Selbständigkeit erlangt hat.[5]
Synonyme für autark sind: unabhängig, souverän, eigenständig, frei, selbständig, autonom, ungebunden.[6]
Messung
Die Selbstversorgung mit bestimmten Produkten kann durch den Selbstversorgungsgrad gemessen werden. Diese volkswirtschaftliche Kennzahl stellt in einem Staat die Bruttoeigenerzeugung dem Verbrauch gegenüber. Bei Agrarproduktenspielt der Selbstversorgungsgrad eine große Rolle, weil diese das Grundbedürfnis auf Nahrung befriedigen, das nach Möglichkeit nicht durch Importe gedeckt werden soll. Der Selbstversorgungsgrad zeigt an, inwieweit das Ziel der Versorgungssicherheit erreicht ist. Allerdings weisen einige Agrarprodukte in vielen Industriestaaten einen Selbstversorgungsgrad von 100 % oder mehr auf. Hier besteht partielle Autarkie durch Selbstversorgung (Subsistenzwirtschaft). Mit dem Selbstversorgungsgrad ist der Agrarprotektionismus eng verbunden; dieser hat auch zum Ziel, die Autarkie zu stärken.
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Literatur
- Kurt Pentzlin: Die Grenzen der Reinen Wirtschaftstheorie, untersucht am Problem der wirtschaftlichen Autarkie. Dissertation. Universität Kiel, 1928.
- Herbert von Beckerath: Autarkie oder internationale Zusammenarbeit? S. Fischer Verlag, 1932.
- Volkmar Muthesius: Europas Autarkie. German Information Service, 1940.
- Jürg Niehans: Der Gedanke der Autarkie im Merkantilismus von einst und im Neomerkantilismus von gestern.Girsberger Verlag, Zürich 1945.
- Friedrich Tomberg: Polis und Nationalstaat. Luchterhand Literaturverlag, 1973.
- Johan Galtung: Self-reliance. Minerva-Verlag, 1983.
- Markus Huppenbauer: Autarkie und Anpassung. Zur Spannung zwischen Selbstbestimmung und Umwelterhaltung.Springer-Verlag, 2013.
Weblinks
- Literatur von und über Autarkie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Etymologie Autarkieautark Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 2. August 2019.
- ↑ Franz Passow: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Friedrich Christian Wilhelm Vogel, Leipzig 1841, S. 443.
- ↑ Friedrich Kluge (bearbeitet von Elmar Seebold): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. De Gruyter, 2001, S. 77.
- ↑ Autarkie Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 30. Juli 2019.
- ↑ Simon Varga: Vom erstrebenswertesten Leben. Aristoteles‘ Philosophie der Muße. De Gruyter, 2014, S. 59.
- ↑ Wortschatz autark Universität Leipzig, abgerufen am 30. Juli 2019.