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Bedeutung (Sprachphilosophie)/Aspekte des Begriffs Bedeutung

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Im Folgenden werden unterschiedliche theoretische Problemstellungen, Unterscheidungen, Merkmale und Relationen des sprachphilosophischen Begriffs der Bedeutung vorgestellt und die verwendeten Fachbegriffe erläutert.

Zeichen und Sprache

Die Bedeutung sprachlicher Zeichen hängt davon ab, von welcher Art die Zeichen sind. Man unterscheidet:

  • singuläre Termini (Zeichen, mit welchen auf einen ganz bestimmten Gegenstand als solchen Bezug genommen wird), siehe Kennzeichnung, Eigennamen.
  • Prädikate (Zeichen, mit welchen einem Gegenstand eine Eigenschaft zugeschrieben wird), siehe Begriff, Prädikation.

Schon bei Platon, dann auch in den späteren bedeutenden sprachphilosophischen Werken von Ockham, John Locke oder Leibniz wurde Sprache als Menge oder System von Zeichen aufgefasst, die zwischen Gegenständen und Gedanken vermitteln. In der Diskussion über den Dreiklang Sprache – Denken – Wirklichkeit (vox – intellectus – res) ist dabei umstritten, ob Sprache als Menge oder System von Zeichen einen direkten Bezug zu den Gegenständen hat (Ikonizität), ob also Zeichen von Natur aus eine eigene Bedeutung besitzen, oder ob Sprache willentlich gesetzt und nur Ausdruck von Gedanken ist (Arbitrarität). Als kleinste bedeutungstragende Einheit eines Sprachsystems bezeichnet man ein lexikalisches Morphem, also den Wortstamm, wie in „träumt, Trauma, Traum“, wo das Morphem „traum“ lautet. Morpheme können in Kombinationen gebunden sein, wie in „Philo-soph“ die Bestandteile eine Kombination der Bedeutungen von Freund und Weisheit sind. Die Bedeutung von Bezeichnungen wird in der Semasiologie untersucht. Diese ist damit Teilgebiet der Semiotik als der allgemeinen Lehre von den Zeichen. Sprachzeichen mit derselben Bedeutung bezeichnet man als Synonyme (Aufzug – Fahrstuhl – Lift).

Synkategorem

Bereits in der Scholastik[1] gab es die Unterscheidung von kategorematischen und synkategorematischen Begriffen. Kategorematisch ist ein Begriff, wenn er mit einer Bedeutung unmittelbar verbunden ist. Synkategorematische Ausdrücke haben hingegen für sich selbst keine Bedeutung, sondern nur als Bestandteil eines komplexen Ausdrucks oder im Satzzusammenhang wie „alle, jeder, etwas, einige, danach, auch, noch, sowie“. Hierzu zählen auch Junktoren (logische Bindewörter wie und/oder) und deiktische (hinweisende) Ausdrücke (du, hier, dann).

Denotation und Konnotation

Die Unterscheidung von Denotation und Konnotation geht auf John Stuart Mill zurück. In seinem „System der Logik“ unterschied er die Hauptbedeutung (Denotation) eines Begriffs, zum Beispiel „Mensch“, von seinen mitgemeinten Nebenbedeutungen (Konnotationen), zum Beispiel „zweibeinig, sprachbegabt usw.“. Während die Denotation der allgemeine Begriff ist, mit dem alle Individuen, die zu dem Begriffsumfang gehören, bezeichnet werden, sind Konnotationen alle die Attribute, die zur Bestimmung des Grundbegriffs geeignet sind. Konnotationen können im Kontext wechseln, sind also nicht notwendig mit dem bezeichneten Gegenstand verbunden.

Die Bezeichnungen Denotation und Konnotation sind nur auf allgemeine Begriffe anwendbar, die als Prädikate und Bezugnahmen auf Eigenschaften Klassen von Objekten bestimmen. Eigennamen zur Bezeichnung von Individuen sind singuläre Begriffe, die ausschließlich zur Bestimmung konkreter singulärer Objekte dienen. Mill schreibt über Eigennamen:

„Proper names are attached to the objects themselves, and are not dependent on the continuance of any attribute of the object.“

„Eigennamen sind an die Objekte selbst geknüpft und hängen nicht vom Fortbestehen irgendeines Attributs des Objekts ab.“

– John Stuart Mill[2]

Er nimmt zunächst an, dass eine Stadt, die ‚Dartmouth‘ heißt, deshalb so heißen mag, weil sie an der Mündung (mouth) des Flusses Dart liegt. Sollte nun aber Sand die Mündung des Flusses verstopfen oder ein Erdbeben seinen Lauf ändern und ihn in eine größere Entfernung von der Stadt verlegen, gäbe es keinen Grund zur Annahme, dass sich der Name der Stadt nun änderte.

Intension und Extension

Auf Rudolf Carnap geht die Unterscheidung zwischen Begriffsinhalt (Intension) und -umfang (Extension) zurück. Die Bedeutung eines Begriffs der Intension nach ergibt sich aus den mit dem Begriff gedachten Eigenschaften. Welche Merkmale werden mit dem Begriff einer Brücke verbunden? Die Extension bezeichnet indes alle Gegenstände, auf die die Merkmale des Begriffs, hier Brücke, zutreffen.

Metasprache und Objektsprache

Bei der Rede über die Bedeutung eines Begriffs ist zu unterscheiden, aus welcher Perspektive man einen Begriff verwendet. Das Wort „Duisburg“ ist der Name einer Stadt. Die Aussage „Duisburg liegt im Ruhrgebiet“ ist eine Aussage über den Gegenstand, der mit dem Namen bezeichnet wird. Die Aussage „Duisburg hat zwei Silben“ ist eine Aussage über das Wort Duisburg, unabhängig davon, welcher Gegenstand damit verbunden wird. Das Wort Duisburg hat je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung. Wenn es den Gegenstand selbst (die Stadt) bezeichnet, so wird es in der Objektsprache verwendet. Wenn aber nur der Begriff oder ein Satz Gegenstand einer Aussage ist, so erfolgt die Aussage auf der Ebene der Metasprache. Als Metasprache kann man sich eine zweite Sprache, zum Beispiel Englisch, vorstellen, in der die Objektsprache untersucht wird. Diese für eine Sprachanalyse relevante Unterscheidung liegt auch Buchtiteln wie „Die Bedeutung von ‚Bedeutung‘“ (Putnam) zugrunde. Sie ist wichtig für den semantischen Wahrheitsbegriff von Alfred Tarski.

Syntax, Semantik und Pragmatik

Für die Sprachwissenschaft ist die Unterscheidung von Syntax, Semantik und Pragmatik bedeutsam, die auf die Zeichenlehre von Charles W. Morris zurückgeht. Syntax ist danach die Relation von sprachlichen Zeichen innerhalb eines Ausdrucks untereinander. Semantik gibt die Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken als Beziehung zu den bezeichneten Gegenständen an, und Pragmatik ist der Teil der Bedeutung eines Ausdrucks, der sich aus den im jeweiligen Kontext gegebenen Relationen ergibt. So ist im Satz: „Gib mir mal den Schlüssel“ nicht klar, ob es sich um einen Türschlüssel oder um ein Werkzeug handelt. Die tatsächliche Bedeutung ergibt sich erst aus dem Kontext.

Sprecher und Interpret

In der Bedeutungstheorie wird unterschieden zwischen der sprachlichen Bedeutung und der so genannten Sprecherbedeutung, die sich aus dem ergibt, was der Sprecher meint, was er mit einer Aussage mitteilen möchte, sowie derjenigen Bedeutung, die der Empfänger des sprachlichen Ausdrucks diesem aufgrund seiner Interpretation beimisst. Eine erfolgreiche Kommunikation erfordert, dass eine gemeinte Bedeutung auch verstanden wird. Bedeutungstheorien werden daher oftmals als Theorien des Verstehens aufgefasst.

Natürliche und nicht-natürliche Bedeutung

Seit dem Erscheinen des Aufsatzes „Meaning“ (1957)[3] des englischen Philosophen Paul Grice ist es üblich, natürliche und nicht-natürliche Bedeutung voneinander abzugrenzen. Dabei ist zu beachten, dass das englische „Meaning“ im Deutschen alternativ mit „Bedeuten“ oder „Meinen“ übersetzt werden kann. Grice veranschaulicht den Unterschied an folgenden Beispielen:

  1. Diese Flecken bedeuten (bedeuteten) Masern.
  2. Dieses dreimalige Läuten der Klingel (im Bus) bedeutet, dass der Bus voll ist.

Im ersten Fall besteht ein kausaler, naturwissenschaftlich erklärbarer Zusammenhang zwischen dem Zeichen und seiner Bedeutung. Im zweiten Fall erhält das Zeichen seine Bedeutung aufgrund von menschlichen Absichten: Der Busfahrer beabsichtigt, mit dem Klingeln anzuzeigen, dass der Bus voll ist. Wir können auch sagen: Der Busfahrer meinte mit dem Klingeln, dass der Bus voll ist. Aber wir können nicht sagen, die Flecken meinten, dass es Masern sind.

  1. ↑ zum Beispiel in der Summa Logica von Wilhelm von Ockham
  2. ↑ John Stuart Mill, A System of Logic, bk. I, ch. 29
  3. ↑ dt. „Intendieren, Meinen, Bedeuten“ in Meggle 1979