b
b, B[1]
Da diejenigen Buchstaben, welche mit einerley Sprachwerkzeugen vorgebracht werden, in allen Sprachen sehr gern mit einander verwechselt zu werden pflegen: so ist solches in der Deutschen auch dem b, f, v, w und p widerfahren. Beyspiele davon findet man in den Schriften der ältern und mittlern Zeiten fast in allen Zeilen. Ob nun gleich die Schreibart seitdem beständiger und gleichförmiger geworden ist, so sind doch noch einige Überbleibsel dieser Verwechselung zurück geblieben; z.B. Gift, von geben, Wapen, von Waffen u.s.f. So schreibt man auch wohl noch jetzt Ingber und Ingwer, Zittwer und Zittber, Wittwe und Wittib. So sehr die Niederdeutsche Mundart diesen Buchstaben liebt, so sparsam gehet die rauhere Oberdeutsche mit demselben um, indem sie fast gar kein Anfangs-B kennet, sonder Par, Pär, Purk, Paum u.s.f. für Baier, Bär, Burg, Baum, spricht, und wenn sie sich selbst überlassen wird, auch schreibet. Das b, welches im Oberdeutschen so gern dem m nachschleicht, als Lamb, frommb, umb, Ambt, nimmbt u.s.f. ist im Hochdeutschen längst verbannt worden.
Das Anfangs-b ist nicht alle Mahl ein Stammbuchstab, sondern oft nur die Ableitungssylbe be, welche ihr e verloren; ein Umstand, welcher für die Wortforschung sehr wichtig ist. Man sehe, was von der Abstammung der Wörter bang, barmherzig, bleiben, Blut, Brücke und hundert anderer angemerket worden.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 677. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000047864; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 677; Kategorien: Lexikalischer Artikel
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